Mayotte

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Mayotte
Mayotte
Flagge Mayottes
Wappen Mayottes
Flagge Wappen
Amtssprache Französisch
Hauptstadt Mamoudzou
Staatsform Département d'outre-mer
Staatsoberhaupt Staatspräsident Nicolas Sarkozy
Regierungschef Pr√§sident des Generalrates Daniel Za√Įdani
Fläche 374 km²
Einwohnerzahl 186.452[1] (Juli 2007)
Bevölkerungsdichte 558 Einwohner pro km²
Währung Euro
Zeitzone UTC+3
Internet-TLD .yt
Telefonvorwahl +262
Département 976 in France (zoom).svg
Landkarte von Mayotte
Landkarte von Mayotte

Mayotte ist ein französisches Übersee-Département und eine Überseeregion. Zuvor war es bereits seit 1976 Gebietskörperschaft der Französischen Republik (Collectivité territoriale de la République française, seit 2001 unter der Bezeichnung Collectivité départementale). Am 31. März 2011 erhielt Mayotte den Status des 101. französischen Départements und wurde damit Teil der Europäischen Union. Mayotte liegt am nördlichen Rand der Straße von Mosambik im Indischen Ozean zwischen dem nördlichen Teil Madagaskars und dem Norden Mosambiks. Geografisch gehört es zum Archipel der Komoren.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Blick auf Sada
Bucht vor Mamoudzou

Die Inselgruppe Mayotte besteht aus der Hauptinsel ‚ÄěGrande Terre‚Äú (auch wie das ganze √úberseegebiet selbst Mayotte genannt), der Nebeninsel ‚ÄěPetite Terre‚Äú (Pamanzi) und mehreren kleineren und unbewohnten Inseln (√ģlots). Die Landfl√§che betr√§gt in etwa 374 km¬≤. Mayotte ist mit ca. 9 Millionen Jahren die √§lteste Vulkaninsel der Komoren. Korallenriffe umgeben die Inseln. In der Regenzeit von November bis M√§rz sind die Temperaturen h√∂her als in der Trockenzeit. Der h√∂chste Punkt ist der Mont Benara auf der Hauptinsel mit 660 Metern. Die Hauptstadt Mamoudzou liegt ebenfalls auf der Hauptinsel, w√§hrend der internationale Flughafen Dzaoudzi auf Petite Terre liegt.

Bevölkerung

Von 160.301 Bewohnern waren gem√§√ü Zensus von 2002 64,7 % in Mayotte geboren, 3,9 % in anderen franz√∂sischen Gebieten. 28,1 % waren von den benachbarten unabh√§ngigen Komoreninseln eingewandert, 2,8 % aus Madagaskar und die √ľbrigen 0,5 % aus anderen L√§ndern.[2] Im Juli 2004 wurden 178.438 Einwohner gez√§hlt, wovon mehr als die H√§lfte j√ľnger als 20 Jahre war.

98 % der Bev√∂lkerung sind sunnitische Muslime. Amtssprache ist zwar Franz√∂sisch, gesprochen wird aber vor allem Mahorisch, eine Variante des mit dem Swahili eng verwandten Komorischen.

Bis zu einem Drittel der Einwohner (70.000 von 200.000 im Jahr 2007) sind illegale Einwanderer von den ärmeren Nachbarinseln, die in kwassa-kwassa genannten Booten die Überfahrt nach Mayotte wagen, um hier unter harten Bedingungen, aber zu wesentlich attraktiveren Löhnen als in der Heimat auf Plantagen zu arbeiten.[3]

Geschichte

siehe auch Hauptartikel Geschichte Mayottes

Briefmarke aus der Kolonialzeit

Mayotte wurde 1841 von Frankreich erworben. Mayotte war die einzige Insel des Archipels, die in der Abstimmung von 1974 die Verbindungen zu Frankreich aufrechterhielt und auf die Unabh√§ngigkeit verzichtete. Der Staat der Komoren erhebt seither Anspruch auf Mayotte und erkennt dessen Zugeh√∂rigkeit zu Frankreich nicht an. Hierbei st√ľtzt man sich auf eine UN-Resolution des Jahres 1979.[4]

In einer Volksbefragung am 29. M√§rz 2009 bef√ľrworteten die Einwohner Mayottes mehrheitlich, dass Mayotte die Kompetenzen der √úbersee-D√©partements und √úbersee-Regionen gem√§√ü Artikel 73 der Verfassung Frankreichs erhalten soll. [5] Dadurch ist Mayotte seit dem 31. M√§rz 2011 das 101. D√©partement Frankreichs und somit Teil der Europ√§ischen Union[6].

Politik

Mayotte ist in der franz√∂sischen Nationalversammlung mit einem Abgeordneten und im Senat mit einem Senator vertreten. Von 1976 bis 2001 war Mayotte eine Gebietsk√∂rperschaft (Collectivit√© territoriale) gem√§√ü Artikel 72 der Verfassung, erhielt im Juli 2001 die Bezeichnung Collectivit√© d√©partementale und 2007 den Status einer Collectivit√© d‚Äôoutre-mer (‚Äě√ľberseeische K√∂rperschaft‚Äú) gem√§√ü Artikel 74. Mayotte hat einen Generalrat und besitzt eine √§hnliche rechtliche Stellung wie die √úbersee-D√©partements, ist aber anders als diese Teil der Europ√§ischen Union. Trotzdem kommen jede Nacht Fl√ľchtlinge, die Frauen oftmals hochschwanger, auf der Insel an, da auf Mayotte geborene Kinder automatisch franz√∂sische Staatsb√ľrger werden. Heute leben √ľber 60.000 illegale Einwanderer auf Mayotte, meist Menschen von den umliegenden Inseln.[7] Auf der Insel ist bis heute ein kleines Kontingent franz√∂sischer Soldaten des D√©tachement de L√©gion Etrang√®re de Mayotte (Fremdenlegion) stationiert.

Mayotte gehört gemäß Art. 3 Abs. 1 ZK nicht zum Zollgebiet der Europäischen Gemeinschaft.

Rechtsstellung

Die Einwohner von Mayotte können entscheiden, welches Recht auf sie angewandt wird, entweder:

  • das allgemeine (franz√∂sische) Recht, wie es im europ√§ischen Frankreich gilt (Code civil, Notare, Verwaltung, Gerichte usw.)

oder

  • das sogenannte statut personnel, dann gilt das europ√§ische Recht nicht, auch nicht die Laizit√§t. Dieser Status ist nur m√∂glich f√ľr die islamischen Einwohner von Mayotte und Einwanderer von den Komoren oder aus dem Nordwesten Madagaskars. Die Rechtsprechung erfolgt durch islamische Kadis. Betroffen sind die Rechtsstellung der Frauen (unter anderem einseitige Scheidung, Polygamie), das Erbrecht (zum Beispiel Diskriminierung nach Religionszugeh√∂rigkeit) und das Bodenrecht. Es gibt zahlreiche Koranschulen. Nach muslimischem Recht werden Ehen ab 15 Jahren geschlossen.

Die Frauen haben eine relativ starke Position in der mahorischen Gesellschaft. Sie sind traditionell die Hausbesitzerinnen. Die M√§nner ziehen zu ihren Frauen und verlassen deren Haus im Falle der Scheidung, wodurch diese eine gewisse finanzielle Absicherung haben. Jeder Mann muss f√ľr seine T√∂chter bzw. Schwestern ein Haus oder eine Etage bauen. Die H√§user werden von den M√ľttern auf die T√∂chter vererbt. Die Familien sind relativ instabil, was sich in einer hohen Scheidungsrate, aber auch Wiederverheiratungsrate zeigt. Problematisch ist dieses vor allem f√ľr die Kinder. Scheidungen werden oft von den Frauen eingereicht, was keine soziale Schande ist. Offiziell ist die Polygamie seit kurzem verboten. Die Jungen ziehen im Alter von 14 Jahren traditionell in Lehmh√ľtten (Bangas) neben dem Elternhaus, um selbstst√§ndig zu werden. Die Bangas werden von Bruder zu Bruder weitergegeben. Die M√§dchen bleiben im Elternhaus wohnen.

Die rechtliche Besonderheit des statut personnel war bisher ein Hindernis f√ľr die vollst√§ndige Eingliederung Mayottes in den franz√∂sischen Staat und die Europ√§ische Union. Mit der 2011 erfolgenden Eingliederung soll das Rechtssystem an das des Mutterlandes angepasst werden.

Am 29. März 2009 fand ein Referendum zur Frage statt, ob Mayotte in ein vollwertiges französisches Département transformiert werden soll. Bei einer Wahlbeteiligung von 61,4% stimmten 95,2% mit "Ja".[8]

Verwaltung

Verwaltungsgliederung von Mayotte
 
Gemeindegrenzen
 
Gemeinden und Dörfer

Mayotte ist in 17 Kommunen (Gemeinden) unterteilt, sowie in 19 Kantone, die sich räumlich jeweils mit den Kommunen decken. Nur die Kommune Mamoudzou ist in drei Kantone unterteilt. Es existieren keine Arrondissements.

  1. Dzaoudzi
  2. Pamandzi
  3. Mamoudzou
  4. Dembeni
  5. Bandrele
  6. Kani-Kéli
  7. Bouéni
  8. Chirongui
  9. Sada
  10. Ouangani
  11. Chiconi
  12. Tsingoni
  13. M’Tsangamouji
  14. Acoua
  15. Mtsamboro
  16. Bandraboua
  17. Koungou

Wirtschaft

Die Insel lebt vor allem von den Einfuhrz√∂llen, der Agrarwirtschaft, den auf Zeit entsandten franz√∂sischen Beamten und zu einem geringen Anteil vom Tourismus. Die meisten G√ľter m√ľssen importiert werden. Die gr√∂√üten Wirtschaftspartner sind Frankreich und die Komoren, die gemeinsam etwa 95 % des Au√üenhandels abwickeln. Offizielle W√§hrung Mayottes ist der Euro.

Sport

Fußball

Mayotte ist weder Mitglied des Fußball-Weltverbandes FIFA noch der afrikanischen CAF, hat aber eine Fußballnationalmannschaft.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ http://www.insee.fr/fr/insee_regions/reunion/zoom/mayotte/publications/inseeinfos/pdf/insee%20infos%20n32.pdf
  2. ‚ÜĎ MIG 1 DET ‚Äď POPULATION SELON LE LIEU DE NAISSANCE
  3. ‚ÜĎ Spiegel Special: Afrika ‚Äď Das umk√§mpfte Paradies, ‚ÄěDas Insel-Labor‚Äú vom 22. Mai 2007
  4. ‚ÜĎ Letzte UN-Resolution vom 28. November 1994 (PDF)
  5. ‚ÜĎ R√©sultat de la consultation populaire du 29 mars 2009 √† Mayotte
  6. ‚ÜĎ Franz√∂sische Botschaft in Deutschland: Insel Mayotte wird zum 101. franz√∂sischen Departement. www.botschaft-frankreich.de, 27. Dezember 2010, abgerufen am 1. Januar 2011.
  7. ‚ÜĎ Deutsche Welle: Journal Reporter Constantin Schreiber auf der Fl√ľchtlingsinsel Mayotte vom 22. Juni 2007
  8. ‚ÜĎ D√©partementalisation de Mayotte. La Site Internet de la Prefecture de Mayotte et la Service d'Etat, 1. April 2009, abgerufen am 1. April 2011 (franz√∂sisch).

Weblinks

 Commons: Mayotte ‚Äď Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wikiatlas Wikimedia-Atlas: Mayotte ‚Äď geographische und historische Karten
Wiktionary Wiktionary: Mayotte ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen

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  • Mayotte ‚ÄĒ ¬† [ma j…Ēt], Mahor√© [mao re], √∂stlichste Insel der Komoren, nordwestlich von Madagaskar im Indischen Ozean, geh√∂rt (als Collectivit√© territoriale) zu Frankreich, 375 km2, 156 000 Einwohner; Verwaltungssitz ist Dzaoudzi (8 200 Einwohner) auf der… ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • Mayotte ‚ÄĒ Mayotte, die s√ľd√∂stlichste Insel der Gruppe der Komoren (Ostafrika), ist durch ein Korallenriff eingeschlossen u. von allen Seiten hoch ansteigend (bis √ľber 3600 F. H√∂he), hat aber gute Ankerpl√§tze, ist sehr wasserreich u. fruchtbar, hat gesundes ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Mayotte ‚ÄĒ Mayotte, Insel zur Gruppe der Comoren geh√∂rig, fruchtbar an trop. Erzeugnissen, mit 6000 E., malayisch arab. u. negerschen Mischlingen, seit 1843 franz ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon

  • Mayotte ‚ÄĒ es una isla de las posesiones de ultramar de Francia situada en el extremo norte del Canal de Mozambique, en el archipi√©lago de de las Comores. Tambi√©n es conocida como Mahor√©, especialmente cuando se hace referencia a su inclusi√≥n por parte de… ‚Ķ   Enciclopedia Universal

  • Mayotte ‚ÄĒ ou Mahor√© √ģle des Comores, collectivit√© territoriale de la R√©p. fran√ßaise; 374 km¬≤; 68 000 hab. (Mahorais); ch. l. Mamoudzou. V. dossier France d outre mer, p.1446 ‚Ķ   Encyclop√©die Universelle

  • Mayotte ‚ÄĒ [m√§ y√īt‚Ä≤, m√§y√§t‚Ä≤] political unit of France, consisting of an island group in the Mozambique Channel of the Indian Ocean: formerly part of the Comoro Islands, it voted to remain affiliated with France while the other islands voted for independence ‚Ķ   English World dictionary

  • Mayotte ‚ÄĒ 12¬į 48‚Ä≤ 12‚Ä≥ S 45¬į 09‚Ä≤ 47‚Ä≥ E / 12.80343, 45.16308 ‚Ķ   Wikip√©dia en Fran√ßais

  • Mayotte ‚ÄĒ MYT redirects here. For other uses, see MYT (disambiguation). Department of Mayotte ‚Ķ   Wikipedia


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