Meeresschutz

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Meeresschutz

Der Begriff Meeresschutz umfasst Maßnahmen, die dem Schutz und der Wiederherstellung mariner LebensrĂ€ume in Bezug auf ihre Funktionen im Naturhaushalt dienen. Somit ist der Meeresschutz ein Teilgebiet des Naturschutzes.

Der anthropogene Einfluss auf die Ozeane ist vielfĂ€ltig und reicht von der direkten Verschmutzung mit Schadstoffen und MĂŒll bis zur komplexen ErwĂ€rmung der Meere als Effekt der globalen ErwĂ€rmung. Dennoch wirken sich alle EinflĂŒsse in vielfĂ€ltigen Wechselwirkungen des Meeres auf das gesamte Ökosystem aus. Zu diesem System gehören neben Pflanzen und Tieren auch ozeanographische Faktoren, wie Strömung, Wassertemperatur, Dichte und klimatische Faktoren. Über vierzig Prozent der Weltbevölkerung lebt heute nicht weiter als 100 Kilometer von einer KĂŒste entfernt. FĂŒr viele Menschen ist das Meer der wichtigste Proteinlieferant. WĂ€hrend zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch von den unendlichen Ressourcen des Meeres gesprochen wurde, ist heute klar, dass menschliches Handeln die Funktion der Meere nachhaltig verĂ€ndert. Seit Anfang der siebziger Jahre setzen sich verschiedene Nichtregierungsorganisationen fĂŒr den Meeresschutz ein. Außerdem wurden verschiedene internationale Abkommen geschlossen.

Inhaltsverzeichnis

Schutzgut und Funktion

Diagramm des Kohlenstoffkreislaufes. Die schwarzen Zahlen zeigen, wie viele Milliarden Tonnen Kohlenstoff in den verschiedenen Speichern vorhanden sind. Die violetten Zahlen zeigen an, wie viel Kohlenstoff zwischen den einzelnen Speichern pro Jahr ausgetauscht wird.

Marine LebensrĂ€ume sind die Ökosysteme der Meere und Ozeane, sowie deren KĂŒsten. Sie erfĂŒllen eine wesentliche Funktion in den globalen StoffkreislĂ€ufen, wie dem Kohlenstoffkreislauf, dem Stickstoffkreislauf und der Carbonatpumpe. Auch der globale Klimahaushalt wird wesentlich durch die Wassermassen der Weltmeere und Ozeane bestimmt. Als natĂŒrliche >Ressource liefert das Meer tierisches Eiweiß (Meerestiere) fĂŒr mehr als eine Milliarde Menschen auf der Erde und ist somit die grĂ¶ĂŸte Nahrungsquelle weltweit.[1] Außerdem ist die biologische DiversitĂ€t mariner Ökosysteme besonders hoch. Schließlich haben Ozeane und Meere fĂŒr viele Menschen einen intrinsischen Wert („Wert an sich“). Daher sollen durch Maßnahmen des Meeresschutzes die biotischen und abiotischen Bestandteile mariner LebensrĂ€ume im Naturhaushalt, sowie deren Wechselwirkungen geschĂŒtzt werden.

GefÀhrdete LebensrÀume

Die Meere lassen sich durch den fließenden Übergang schwerer als terrestrische Systeme in verschiedene Gebiete gliedern. Dennoch hĂ€ngt von der Gliederungsebene auch hĂ€ufig der Schutzgedanke ab (Ressourcenschutz, BiodiversitĂ€tsschutz, KĂŒstenschutz etc.).

Besonders bedrohte LebensrÀume sind:

  • Korallenriffe: Korallenriffe sind vor allem durch das PhĂ€nomen der Korallenbleiche gefĂ€hrdet. Korallenriffe sind aus ökologischer Sicht wegen ihrer hohen Biologischen Vielfalt besonders wertvoll. Durch die AbhĂ€ngigkeit der Korallen von wĂ€rmerem Wasser findet man Korallenriffe in relativer NĂ€he des Äquator. Hier kann es zu Verschiebungen kommen, bedingt durch das Einwirken großer Meeresströmungen (z.B. Humboldtstrom von SĂŒdamerika).
  • marine MangrovenwĂ€lder: Mangroven-WĂ€lder sind in vielen Teilen der Welt vor allem durch die Anlage und Ausweitung von intensiv bewirtschafteten Garnelenzuchten („shrimp farms“) gefĂ€hrdet.[2] HĂ€ufig sind die Teiche nach drei bis zehn Jahren schwer mit Chemikalien verseucht und mĂŒssen nach nur wenigen Jahren wieder aufgegeben werden. Eine Wiederaufforstung mit Mangroven ist danach fast immer unmöglich. Weitere GefĂ€hrdungsursachen sind Verschmutzung durch Öl (Panama, Persischer Golf), aber auch Trockenlegung von Mangrovengebiet im Zuge des Siedlungsausbaus im KĂŒstenbereich. Die ErtrĂ€ge der KĂŒstenfischerei gingen ĂŒberall drastisch zurĂŒck, wo die MangrovenwĂ€lder großflĂ€chig abgeholzt wurden, da sie auch als "Kinderstube" fĂŒr verschiedene Fischarten gelten. Anstrengungen zur Wiederaufforstung von Mangroven werden z.B. in Vietnam, Thailand, Indien, Sri Lanka[3] und auf den Philippinen unternommen. Trotz dieser BemĂŒhungen hĂ€lt die Zerstörung von Mangrovengebieten an; der Verlust der letzten 20 Jahre belĂ€uft sich auf 25 % der im Jahre 1980 vorhandenen FlĂ€che.[4]

Instrumente des Meeresschutzes

Der Schutz mariner Systeme wird meist durch eine Kombination von Bildung und Kommunikation der betroffenen Menschen, rechtlichen Regelungen, freiwilligen Selbstverpflichtungen und politischer Maßnahmen umgesetzt. Ein wesentliches Instrument im Schutz mariner LebensrĂ€ume sind Meeresschutzgebiete. Zum Schutz von KĂŒstenlebensrĂ€umen wird das auf der Kooperation von verschiedenen Akteuren beruhende, integrierte KĂŒstenzonenmanagement angestrebt, durch das die wirtschaftlichen Eingriffe des Menschen in die Meeresumwelt reguliert und gegebenenfalls gesteuert werden können.

Meeresschutzgebiete (Marine Protected Areas, MPA)

Meeresschutzgebiete dienen als Erholungs- und RĂŒckzugsraum fĂŒr verschiedene maritime Tier- und Pflanzenarten. Bedeutend sind hierbei besonders Riffe und KorallenbĂ€nke. Die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources, IUCN definiert ein Meeresschutzgebiet wie folgt:

„[Ein] Gebiet innerhalb oder unterhalb des Gezeitenbereichs, einschließlich seiner darĂŒberliegenden WassersĂ€ule und der dazugehörigen Flora, Fauna sowie historischen und kulturellen Werte, das gesetzlich oder durch andere wirksame Mittel in seiner Gesamtheit oder in Teilen geschĂŒtzt wird.“[5]

Die positiven Effekte von Meeresschutzgebieten wurden durch Untersuchungen australischer Meeresbiologen 2008 bestÀtigt: In Schutzzonen mit Fischereiverbot um das Great Barrier Reef wuchsen innerhalb von nur zwei Jahren die Populationen verschiedener Fischarten um 31 bis 75 Prozent an.[6]

Die ersten deutschen Meeresschutzgebiete auf hoher See wurden aufgrund des EuropĂ€ischen Programmes NATURA 2000 ausgewiesen. Mit Inkrafttreten der europĂ€ischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zur Erhaltung der natĂŒrlichen LebensrĂ€ume verpflichteten sich die Mitgliedsstaaten der europĂ€ischen Union 1992, ein zusammenhĂ€ngendes Netz von Schutzgebieten an Land und zur See zu schaffen.[7]

Diese Meeresgebiete stehen aus unterschiedlichen GrĂŒnden unter Schutz: teilweise sind sie „Kinderstube“ von MeeressĂ€ugern (speziell Schweinswalen), Rastgebiet fĂŒr Seevögel oder besitzen einen wertvollen Lebensraum am Meeresboden (Benthos). 2006 wies Deutschland als erstes europĂ€isches Land Meeresschutzgebiete seiner Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) aus. Inzwischen stehen vier Gebiete in der Nordsee und sechs Gebiete in der Ostsee unter Schutz.[8]

Im November 2008 stellte die EU-Kommission VorschlĂ€ge zur Sicherung der Rohstoffversorgung der europĂ€ischen Industrie vor. Darin wird auch in ErwĂ€gung gezogen, nachhaltig Rohstoffe in NATURA-2000-Gebieten abzubauen.[9] Dies könnte langfristig bedeuten, dass in den Gebieten wieder Sand und Kies abgebaut werden darf oder Öl und Gas gefördert werden kann. In dem deutschen NATURA 2000-Gebiet Fehmarnbelt soll nach dem Willen DĂ€nemarks, Deutschlands und Schleswig-Holsteins eine 19 km lange BrĂŒcke errichtet werden.

KĂŒsten-Nationalparks in Deutschland

Mit der Einrichtung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wurde am 1. Oktober 1985 ein Gebiet innerhalb der 12-Meilen-Zone ausgewiesen, das tideabhĂ€ngig trocken fĂ€llt. Daneben werden KĂŒstenzonen (unter anderem Salzwiesen) geschĂŒtzt. Da Naturschutz LĂ€ndersache ist, folgte die Ausweisung eines Wattenmeer-Nationalparks in Niedersachsen (Nationalpark NiedersĂ€chsisches Wattenmeer) 1986 und in der ElbmĂŒndung (Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer) 1990. Die ZustĂ€ndigkeiten und die verfolgte Politik in den Parks sind lĂ€nderbedingt unterschiedlich. An der OstseekĂŒste wurde der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und der relativ kleine Nationalpark Jasmund auf RĂŒgen ausgewiesen.

Abkommen zum Meeresschutz

ReykjavĂ­k an der KĂŒste Islands. Der Atlantik um Island ist durch das OSPAR-Abkommen geschĂŒtzt.

Da Meere und Ozeane LĂ€nder und Kontinente verbinden, wurde schnell erkannt, dass Maßnahmen zu ihrem Schutz nur dann zielfĂŒhrend sind, wenn sich alle Anrainer gemeinsam um den Schutz des jeweiligen Meeres kĂŒmmern. Eine Reihe weiterer regionaler und ĂŒberregionaler Vereinbarungen sind in der Liste internationaler Umweltabkommen verzeichnet.

  • MARPOL: Das Internationale Übereinkommen zur VerhĂŒtung der Meeresverschmutzung durch Schiffe wurde 1973 durch die IMO verabschiedet und 1978 ergĂ€nzt. ZunĂ€chst sollte damit die Seerechtliche Grundlage zur Verhinderung der Öl-Verschmutzung der Meere geschaffen werden. Heute ist MARPOL das wichtigste internationale Abkommen fĂŒr Meeresumweltschutz in der kommerziellen Seefahrt. MARPOL soll grundsĂ€tzlich von dem Staat durchgesetzt werden, unter dessen Flagge das Schiff fĂ€hrt. Da sich aber die Ausflaggung von Handelsschiffen heute als gĂ€ngige Praxis erweist und diese Schiffe zum Teil nie einen Hafen ihres Flaggenlandes anlaufen, dĂŒrfen Behörden des Hafenlandes ebenfalls die Einhaltung der Regelungen kontrollieren und durchsetzen.
  • OSPAR: VorlĂ€ufer des Übereinkommens zum Schutz der Meeresumwelt des Nordost-Atlantiks traten mit der Oslo-Konvention, OSCOM von 1972 und der Paris-Konvention, PARCOM von 1974 in Kraft. Das Abkommen soll alle wesentlichen Eingriffe in die Meeresumwelt des Nordatlantiks regeln. Dazu gehört beispielsweise die Aufstellung von Windenergieanlagen oder Bohrinseln, sowie alle Substanzen, die in den Nordatlantik und die Nordsee eingeleitet werden.
  • HELCOM: Die Helsinki-Kommission, HELCOM wurde als zwischenstaatliche Organisation von den Ostsee-Anrainern gegrĂŒndet, um den natĂŒrlichen Zustand der Meeresumwelt der Ostsee zu verbessern. Mitglieder sind die mittlerweile neun Anliegerstaaten und die EuropĂ€ische Gemeinschaft. Nach der Novellierung des Abkommens 1992 werden auch die angrenzenden inneren GewĂ€sser sowie deren gesamtes Einzugsgebiet einbezogen. Deshalb unterzeichneten 1992 auch Norwegen, die Tschechische Republik und weitere Staaten das Abkommen.
  • BiodiversitĂ€ts-Konvention: Die BiodiversitĂ€ts-Konvention, CBD (engl. „Convention on Biological Diversity“) ist ein internationales Umwelt-Vertragswerk zum Erhaltung der weltweiten biologischen Vielfalt. Das auf der Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung, UNCED 1992 in Rio de Janeiro ausgehandelte Abkommen verpflichtet die Vertragspartner, geeignete Maßnahmen zum Erhalt und Schutz ihrer biologischen Ressourcen an Land und im Meer zu unternehmen. Auf der 9. Vertragsstaatenkonferenz 2008 in Bonn wurden zu diesem Zweck weltweit vernetzte Meeresschutzgebiete gefordert.
  • Internationales Übereinkommen zur Regelung des Walfangs: Das Abkommen regelt die weltweiten Fangquoten und damit auch den Schutz diese Gattung von MeeressĂ€ugern. StĂ€ndiges Gremium ist die Internationale Walfangkommission, IWC.
  • EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie: Die EU beschloss 2008 diese Richtlinie, um die europĂ€ischen Meere bis 2020 in einen guten Umweltzustand zu versetzen oder diesen zu erhalten. Zum stand 2011 wird der Gesetzentwurf in den Mitgliedsstaaten rechtlich eingebettet. In Deutschland ist das Bundesamt fĂŒr Naturschutz mit der Umsetzung betraut.

GefÀhrdungen mariner Systeme

Der folgende Überblick gibt einige Faktoren an, die die Meere gefĂ€hrden. Details werden in den entsprechenden Fachartikeln dargestellt.

Eutrophierung

Plankton-Verteilung in den Weltmeeren (gemittelte Daten aus Aufzeichnungen von 1998 bis 2004)
AlgenblĂŒte vor Cornwall, 1999. Im Gegensatz zur hier beteiligten Kalkalge Emiliania huxleyi sind andere Algen von der Versauerung bedroht, unter anderem Gephyrocapsa oceanica, die von großer Bedeutung fĂŒr das Ökosystem Ozean ist.
Toter Seehund auf Hallig Langeneß/Schleswig-Holstein. Wegen der hohen Konzentration an Schwermetallen im Fett der Tiere mĂŒssen die Tierkörper als SondermĂŒll entsorgt werden.
→ Hauptartikel: Eutrophierung

WĂ€hrend Stickstoff und Phosphor auf die Biomassebildung in GewĂ€ssern limitierend wirken, wird durch die Steigerung der Trophie dieser Faktor verschoben. Damit wird das Potential, also die „Fruchtbarkeit“ durch menschliche EinflĂŒsse herauf gesetzt. Meist fĂŒhrt dies zum vermehrten Wachstum von Kieselalgen, jedoch nicht zur Erhöhung der Biomassebildung insgesamt. Phytoplankton nimmt in der Regel zu und das Artenspektrum verschiebt sich. FĂŒr den Menschen schĂ€dlich sind die GiftalgenblĂŒten, die auch auf die Euthropierung von Seegebieten zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Euthropierung wird meist durch die in der Landwirtschaft eingesetzten DĂŒngemittel verursacht und wirkt durch das vermehrte Algenwachstum negativ auf große Teile des marinen Ökosystems.

Schadstoffe

Schadstoffe gelangen aus industriellen AbwĂ€ssern, Schiffslacken und Verklappung von AbfĂ€llen und Altlasten in marine Systeme. Die verschiedenen Stoffe können in folgende Schadstoffgruppen eingeteilt werden (Einteilung vorgeschlagen von R. B. Clark[10]):

  • Metalle: Im Zentrum der Diskussion stehen die Schwermetalle Cadmium, Quecksilber, Blei, Zink, Nickel und Kupfer. Speziell das hochgiftige Tributylzinnhydrid (TBT) wurde lange Zeit in großen Mengen in Schiffsanstrichen eingesetzt, um eine Besiedelung durch Seepocken und Muscheln zu verhindern. TBT wirkt krebserregend, erbgutverĂ€ndernd und stört den Hormonhaushalt von Lebewesen.
  • RadioaktivitĂ€t: Meere und Ozeane werden durch radioaktiv verseuchte AbwĂ€sser und versenkte Abfalstoffe belastet. In Europa kommen 90 Prozent dieser Einleitungen aus zwei Wiederaufarbeitungsanlagen: La Hague und Sellafield. Von dort aus verteilt sich der flĂŒssige AtommĂŒll im Nordostatlantik und in der Nordsee und erreicht auch die Deutsche Bucht. Nach Angaben von Greenpeace pumpt die staatliche Betreiberfirma der Wiederaufarbeitungsanlage von Sellafield, British Nuclear Fuels, jeden Tag rund acht Millionen Liter radioaktive AbwĂ€sser in die Irische See, also knapp 3 Milliarden Liter im Jahr. Aus der Anlage in La Hague gelangen demnach jĂ€hrlich rund 500 Millionen Liter in den Ärmelkanal.[11] Laut Nuclear Energy Agency (NEA) und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) haben 9 Staaten an 15 Stellen im Nordostatlantik bis 1982 insgesamt 114 726 Tonnen AtommĂŒll in 222 732 FĂ€ssern versenkt.[12] (Altlasten in den Meeren)
  • Kohlenwasserstoffe: Halogenierte Kohlenwasserstoffe schĂ€digen die Fruchtbarkeit vieler Meeresbewohner. Ihre genaue Wirkung ist aber noch nicht hinreichend erforscht. Chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) werden von Organismen praktisch nicht abgebaut. Deshalb findet eine extreme Anreicherung innerhalb der Nahrungskette statt.
  • Feste Abfallstoffe: Die Joint Group of Experts on Scientific Aspects of Marine Environmental Protection, GESAMP stellte fest, dass 80 Prozent des MĂŒlls im Meer vom Festland und nur 20 Prozent von Standorten im Meer (etwa von Schiffen) kommt. Im Pazifik schwimmt ein „MĂŒllteppich“ auf einer FlĂ€che, die vergleichbar ist mit der FlĂ€che der LĂ€nder Deutschland, Österreich, Tschechien, Polen, Luxemburg, Ungarn und Schweiz zusammengenommen.[13] Der Hauptanteil des MĂŒlls besteht aus Kunststoffen. Seevögel (zum Beispiel Albatrosse) halten den MĂŒll fĂŒr Beute und fressen ihn. Ähnlich verhĂ€lt es sich bei MeeressĂ€ugern. Die IUCN schĂ€tzt, dass jĂ€hrlich eine Million Seevögel, 100.000 MeeressĂ€uger und eine nicht zu beziffernde Zahl von Fischen an PlastikmĂŒll verenden.[14]
  • Erdöl: Ölverschmutzung bis hin zur Ölpest ist eine immer wieder auftretende Gefahr fĂŒr das Ökosystem der Meere. In besonders dramatischer Form tritt diese vor allem nach der Havarie von Öltankern wie bei der Exxon Valdez auf. Um Wahrscheinlichkeit und Ausmaß Ă€hnlicher UnglĂŒcke zu verringern, wurde in den USA bereits 1990 im Oil Pollution Act festgelegt, dass nur noch Öltanker mit DoppelhĂŒlle in amerikanischen HĂ€fen anlegen dĂŒrfen. Seit dem FrĂŒhjahr 2001 dĂŒrfen nach einem Beschluss der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation, IMO keine Tanker mit einfacher HĂŒlle gebaut werden. Ab 2015 sollen diese generell nicht mehr eingesetzt werden.[15]
    Die Verklappung von Schweröl trĂ€gt zur schleichenden Ölverschmutzung der Meere bei. Dabei lassen die Schiffe TreibstoffrĂŒckstĂ€nde aus KostengrĂŒnden im Meer ab, statt sie im Hafen ordnungsgemĂ€ĂŸ entsorgen zu lassen. Bis vor ein paar Jahren war es kaum möglich, den Schiffen die Meeresverschmutzung nachzuweisen.[16] Das Bundesamt fĂŒr Seeschifffahrt und Hydrographie, BSH vergleicht gaschromatographisch den „Fingerabdruck“ von Ölproben aus dem Meer mit solchen von verdĂ€chtigen Schiffen und kann so die UmweltsĂŒnder ĂŒberfĂŒhren und Bußgelder gegen sie verhĂ€ngen.[17]

Überfischung

→ Hauptartikel: Überfischung

Die ĂŒbermĂ€ĂŸige Dezimierung des Fischbestandes in einem GewĂ€sser durch Fischfang wird als Überfischung bezeichnet. Durch Instrumente des Fischereimanagements versuchen die Behörden den maximal nachhaltigen Ertrag (MSY, engl. maximal sustainable yield) zu ermitteln. Das 1997 gegrĂŒndeten Marine Stewardship Council, MSC verleiht ein Siegel fĂŒr Produkte von nachhaltig arbeitenden Fischereibetrieben.

Illegale Fischerei (umgangssprachlich auch als „Piratenfischerei“ bezeichnet) trĂ€gt zu einem großen, in Zahlen aber schwer zu beziffernden Teil zur Überfischung der Weltmeere bei. Die illegal operierenden Fischer beachten weder Fangquoten, Restriktionen bei der Fangtechnik oder Schutzgebiete. Dem Staat, in dessen HoheitsgewĂ€ssern gefischt wird entsteht dadurch hoher Schaden. Das britische Ministerium fĂŒr internationale Entwicklung, DFID schĂ€tzt, dass der KĂŒstenstaat Guinea jĂ€hrlich 100 Millionen Dollar durch die in seinen GewĂ€ssern wildernden illegalen Fischtrawler verliert.[18] Lokale Fischer verlieren ihre Lebensgrundlage, was negative Auswirkungen auf die Sozialstruktur ganzer Regionen hat.

Beifang

Beifang: In einem Fischernetz gefangener Weißflankenschweinswal
→ Hauptartikel: Beifang

Als Beifang werden die gefangenen Meerestiere bezeichnet, die keine Nutzfische sind, aber dennoch mitgefangen werden. Diese Meerestiere sind in der Regel so stark beschĂ€digt, dass sie nicht ĂŒberleben und hĂ€ufig wieder zurĂŒck in Meer geworfen werden. Nach SchĂ€tzungen werden jĂ€hrlich 22 Prozent der in der Nordsee gefangenen Fische und Wirbellosen nicht angelandet, sondern werden als Abfall wieder ĂŒber Bord geworfen. Da rund 4 Prozent der gesamten Fisch-Biomasse der Nordsee Fisch- und sonstige tierische AbfĂ€lle sind, verĂ€ndern diese auch das GefĂŒge des Nahrungsnetzes in der Nordsee erheblich.[19]

Bei der Technik der Langleinenfischerei kommen Meeresvögel in großer Zahl um. Die nahe der WasseroberflĂ€che wĂ€hrend des Setzens der Leinen ausgebrachten Köder ziehen Seevögel auf der Suche nach Nahrung an. Sie verhaken sich und werden beim Absinken der Leine ertrĂ€nkt. Nach SchĂ€tzungen von BirdLife International muss man auf 2.500 Haken einen toten Albatros rechnen.

Rohstoffgewinnung und Offshore-Energieerzeugung

Durch den Abbau von Sand und Kies, sowie durch die Förderung von Erdöl und Erdgas werden marine Systeme am Benthos erheblich gestört. Ölplattformen auf offener See gefĂ€hrden marine Systeme durch betriebsbedingte Lecks in den Förderanlagen. Die einzige deutsche Ölplattform ist die von der RWE Dea und Wintershall Holding betriebene Mittelplate am sĂŒdlichen Rand des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer vor BĂŒsum. Die Betriebsgenehmigung erfolgte wenige Tage vor der Verabschiedung des Nationalparkgesetzes. Die Landanbindung erfolgt ĂŒber Pipelines, die im Wattboden vergraben wurden.

Ein weiteres Problem stellt die Entsorgung ausgemusterter Anlagen dar. 1998 beschlossen die 15 Teilnehmerstaaten der OSPAR-Konferenz ein Versenkungsverbot fĂŒr Ölplattformen im Nordatlantik.

Zu den regenerativen Energiequellen gehört auch die Nutzung des stark und konstant wehenden Seewindes auf offener See. Offshore-Windparks verĂ€ndern durch ihre Fundamente und die Kabelzuleitungen den Benthos erheblich. Das Maß der Belastung fĂŒr ziehende Vögel und Seevögel, die in den Gebieten ĂŒberwintern ist derzeit noch umstritten. FĂŒr die Genehmigung solcher Anlagen in der deutschen AWZ mĂŒssen die zukĂŒnftigen Betreiber dem Bundesamt fĂŒr Seeschifffahrt und Hydrographie, BSH ein ausfĂŒhrliches UmweltvertrĂ€glichkeitsgutachten vorlegen.[7]

Im Dezember 2004 lehnte das BSH erstmalig zwei geplante Offshore-Windparks in der Ostsee vor RĂŒgen ab. Nicht genehmigt wurden die Parks Adlergrund sowie Pommersche Bucht. BegrĂŒndet wurde die Entscheidung mit den möglichen ökologischen Auswirkungen. Im August 2009 ging die erste Offshore-Windenergie-Anlage alpha ventus in der deutschen AWZ in den Probebetrieb. Der Windpark befindet sich 43−45 Kilometer nordwestlich von Borkum. Im September 2009 trat die Bundesregierung kurz vor der bevorstehenden Bundestagswahl mit einem Plan an die Öffentlichkeit, wonach 40 Offshore-Windparks in der deutschen AWZ der Nordsee und Ostsee entstehen sollen. Die 2500 WindrĂ€der sollten demnach eine Gesamtleistung von 12 GW erbringen.[20]

Im Oktober 2009 gab das BSH bekannt, drei weitere Windparks in der Nordsee genehmigt zu haben: "Delta Nordsee 2" (Antragsteller: Offshore-Windpark Delta Nordsee GmbH), "MEG Offshore I" (Antragsteller: North Sea Offshore MEG I GmbH) und "Veja Mate" (Antragsteller: Cuxhaven Steel Construction GmbH). Die Windparks "Delta Nordsee 2" (32 Windenergieanlagen) und "MEG Offshore I" (80 Windenergieanlagen) sind ca. 40 km nördlich der ostfriesischen Inseln in einem Eignungsgebiet fĂŒr Windenergieanlagen geplant. Der Windpark "Veja Mate" (80 Windenergieanlagen) soll ca. 90 km nördlich von Borkum und ca. 129 km westlich von Helgoland errichtet werden. Die Windparks liegen außerhalb des Hauptkonzentrationsgebiets der Artengruppe Seetaucher. Mit diesen Vorhaben hat das BSH insgesamt 25 Windpark-Projekte in der Ausschließlichen Wirtschaftzone (AWZ) der deutschen Nord- und Ostsee (22 Nordsee, 3 Ostsee) genehmigt.[21]

Tourismus

Kegelrobben vor Amrum im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer. Auf den RastplÀtzen werden im Winterhalbjahr immer wieder Jungtiere von Touristen gestört.

Tourismus kann KĂŒsten-Ökosysteme indirekt und direkt beeintrĂ€chtigen: durch Versiegelung wird ein KĂŒsten-Lebensraum meist degradiert. In vielen LĂ€ndern entsorgen Hotels und touristische Anlagen ihre AbfĂ€lle direkt im Meer und leiten AbwĂ€sser ein. In vielen touristisch frequentierten LĂ€ndern sind die Umweltstandards niedrig und werden zudem hĂ€ufig nicht eingehalten. Eine Landschaft, in der wenig menschlicher Einfluss erkennbar ist, gilt als „unberĂŒhrt“ und hat im allgemeinen VerstĂ€ndnis einen hohen Erholungswert. Hier wirken menschliche EinflĂŒsse direkt, zum Beispiel durch Störung von Schildkröten, MeeressĂ€ugern, See- und Watvögel (Limikolen). In vielen Gebieten liegen StrĂ€nde, an denen Wind- und Kitesurfen betrieben werden, unmittelbar neben Vogelschutzgebieten, was zu Nutzungskonflikten fĂŒhrt.

Klimawandel

→ Hauptartikel: ErwĂ€rmung der Meere

Die Folgen der anthropogen verursachten KlimaerwĂ€rmung wirken sich stark auf die Meere und Ozeane aus. Eine wesentliche Rolle spielt das Schmelzen großer Eismassen in polaren Gebieten. Im Binnenmeer Ostsee konnte seit 1985 eine ErwĂ€rmung der Durchschnittstemperatur um 1,4 Â°C in der Periode von Juli bis September nachgewiesen werden.[22]

Jahresmittel der MeeresoberflĂ€chentemperatur (SST) fĂŒr das Jahr 2005

Die thermische Ausdehnung des Wassers kann einen Beitrag zum ansteigenden Meeresspiegel leisten. FĂŒr das Ökosystem Ozean gravierender sind aber die zahlreichen weiteren mit einer erhöhten Wassertemperatur einhergehenden Effekte. Im globalen Mittel haben sich die Ozeane seit 1955 um 0,04 Â°C erwĂ€rmt. Diese geringe ErwĂ€rmung liegt darin begrĂŒndet, dass bislang nur einige hundert Meter der obersten Wasserschichten wĂ€rmer geworden sind. Betrachtet man lediglich die OberflĂ€chentemperaturen, fĂ€llt die ErwĂ€rmung mit 0,6 Â°C bereits sehr viel deutlicher aus. Sie ist dennoch geringer als die Erhöhung der OberflĂ€chentemperaturen an Land, da LandflĂ€chen sich allgemein schneller erwĂ€rmen.[23] Zwischen 1993 und 2005 wird die gesamte ErwĂ€rmungsrate der obersten 750 m Meerestiefe mit 0,33 Â± 0,23 W/mÂČ berechnet.

Die ErwĂ€rmung der Meere hat Folgen fĂŒr ihre Bewohner wie Fische und MeeressĂ€uger: Sie wandern polwĂ€rts, worin sie den Landtieren Ă€hneln. Die Populationen des Kabeljaus in der Nordsee etwa schrumpfen stĂ€rker, als es allein mit Überfischung erklĂ€rt werden kann; sie wandern in Folge der steigenden Temperaturen bereits nordwĂ€rts. Nördlich gelegene Regionen profitieren von dieser Entwicklung: FĂŒr das Nordmeer ist davon auszugehen, dass sich der Fischfang insgesamt verbessern und die Zusammensetzung des Fangs Ă€ndern wird, solange die ErwĂ€rmung sich auf 2–4 Â°C beschrĂ€nkt. FĂŒr darĂŒber hinausgehende Steigerungsraten und ihre Folgen können keine Prognosen abgegeben werden, da die Unsicherheiten zu groß sind.[23]

Besonders negativ betroffen sind wiederum die Korallenriffe. Die ErwĂ€rmung des Meerwassers ruft bei ihnen die so genannte Korallenbleiche hervor, die zwar reversibel ist, bei lĂ€nger anhaltender Belastung aber zum Tod der Korallen fĂŒhrt. Seit den 1950er Jahren sind bereits (auch durch problematische Fischfangmethoden wie Schleppnetze und Ă€hnliches) 20 % aller Korallenriffe zerstört worden. Weitere 24 % stehen kurz vor dem Kollaps, 26 % sind gefĂ€hrdet. Tropische Korallen haben nur geringe Toleranzen gegenĂŒber steigenden Temperaturen; sie beginnen bereits bei 1–2 Â°C ĂŒber dem sommerlichen Temperaturmaximum auszubleichen. Es wird angezweifelt, dass sich die Korallen schnell genug an den Anstieg Meerestemperaturen anpassen können, wenngleich dies nicht ausgeschlossen werden kann.[23]

Durch den realen und zu erwartenden Meeresspiegelanstieg werden KĂŒstenzonen verlagert und in besiedeltem Gebiet werden hĂ€ufigere Sturmfluten befĂŒrchtet. Flache Inselgruppen im pazifischen Ozean, wie etwa die Inselgruppe Tuvalu mit dem höchsten Punkt von 5 Metern ĂŒber der derzeitigen Meereshöhe, werden in mittelfristigen ZeitrĂ€umen (50 bis 200 Jahre) ĂŒberschwemmt werden.[23]

Versauerung

GeschÀtzte Verringerung des pH-Werts an der MeeresoberflÀche durch anthropogenes Kohlenstoffdioxid in der AtmosphÀre zwischen ca. 1700 und den 1990er Jahren
→ Hauptartikel: Versauerung der Meere

Das den Klimawandel beschleunigende Kohlenstoffdioxid (CO2) wirkt auch unmittelbar auf marine Systeme und fĂŒhrt zu einer Versauerung der Meere, also zu Abnahme des pH-Werts. Inzwischen haben die Ozeane die HĂ€lfte der anthropogen verursachten CO2-Emissionen seit 1800 aufgenommen.[24]

Verursacht wird sie durch die Aufnahme von Kohlenstoffdioxid aus der ErdatmosphĂ€re. Der Vorgang zĂ€hlt neben der globalen ErwĂ€rmung zu den Hauptfolgen der menschlichen Emissionen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid. Bei unverĂ€ndertem Anstieg des Kohlenstoffausstoßes wird der pH-Wert der Meere bis 2100 um 0,4 Einheiten absinken, ermittelten Wissenschaftler des IFM-GEOMAR.[25] Im Meerwasser wirkt das Kohlenstoffdioxid ausschließlich chemisch.

Kohlenstoffdioxid aus der Luft kann sich im Meerwasser lösen und liegt dann grĂ¶ĂŸtenteils in Form verschiedener anorganischer Verbindungen vor. Anorganischer Kohlenstoff findet sich im Ozean zu etwa 91 Prozent in Hydrogencarbonat-Ionen (HCO3−). Im Wasser gelöstes Kohlenstoffdioxid steht ĂŒber die folgenden Reaktionsgleichungen mit Hydrogencarbonat (sowie Carbonat und Oxonium-Ionen) im Gleichgewicht:

\mathrm{CO_2 + 2 \ H_2O \ \rightleftharpoons \ H_3O^+ + HCO_3^-}
\mathrm{HCO_3^- + H_2O \ \rightleftharpoons \ CO_3^{2-} + H_3O^+}

Die in diesem Prozess entstehenden Oxonium-Ionen (H3O+) bewirken den sinkenden pH-Wert.

Die Lösung von Kohlendioxid hat schwerwiegende Folgen unter anderem fĂŒr Tiere mit einem Schutzmantel aus Calciumcarbonat: Korallen produzieren mit Aragonit die neben Calcit am hĂ€ufigsten vorkommende Kalkform im Meer. Aragonit ist eine besonders leicht durch KohlensĂ€ure lösbare Form von Kalk, was das Risiko fĂŒr die Korallen durch saurer werdende Ozeane erhöht. Durch einen saureren Lebensraum konnten negative Auswirkungen auch auf Seeigel (verringertes Wachstum) und auf Miesmuscheln nachgewiesen werden.[26]

Auch im planktischen Bereich, besonders bei Kalkalgen, wirkt sich der pH-Abfall negativ aus.

Die Versauerung fĂŒhrt auch zu einer Verringerung des Sauerstoffgehaltes des Meeres. Wissenschaftler des Potsdam-Instituts fĂŒr Klimafolgenforschung ermittelten, dass der Sauerstoffgehalt in den Arktischen Meeren in einer Tiefe von 200 bis 800m deutlich verringern wird. Ihre Simulation geht von einer Entwicklung der Kohlenstoffdioxid Emission vom Stand des Jahres 2009 fĂŒr 100 Jahre aus.[27]

Akteure des Meeresschutzes

Eine Reihe staatlicher und nichtstaatlicher Organisationen setzt sich fĂŒr den Schutz der Meere ein. Allerdings sind die PrĂ€missen bei den einzelnen Akteuren unterschiedlich.

Regierungsorganisationen

Nennenswerte Maßnahmen fĂŒr den Schutz der Meere wurden von kleinen Staaten mit Meereszugang schon Ende der sechziger Jahre gefordert. Verbindliche Regelungen wurden erstmals auf der Seerechtskonferenz in Caracas verabschiedet, die sich ĂŒber acht Jahre hin zog und mit der Verabschiedung einer neuen Seerechtskonvention am 10. Dezember 1982 endete.[28]

Deutschland

In Deutschland liegen die Kompetenzen fĂŒr den Meeresschutz im Wesentlichen bei drei Ministerien und ihren Fachbehörden. FĂŒr Meeresnaturschutz zustĂ€ndig ist das Bundesministerium fĂŒr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, BMU und seine Fachbehörde, das Bundesamt fĂŒr Naturschutz, BfN. Das BfN ist fĂŒr Naturschutz in den Gebieten der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone zustĂ€ndig. Innerhalb der 12-Meilen-Zone sind die BundeslĂ€nder und ihre Behörden fĂŒr den Meeresschutz zustĂ€ndig.

Das Bundesministerium fĂŒr Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, BMVBS ist fĂŒr die Schifffahrt zustĂ€ndig. Ihm zugeordnet ist das Bundesamt fĂŒr Seeschifffahrt und Hydrographie, BSH. Das BSH ist vor allem mit der Kartographierung und geobiologischen Datenerhebung in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone betraut. Das Amt betreibt das Meeresumweltreportsystem MURSYS, das biologische Parameter, chemische und physikalische VerhĂ€ltnisse sowie hydrologische Randbedingungen der Deutschen Nord- und Ostsee bereitstellt und dokumentiert.

Das Bundesministerium fĂŒr ErnĂ€hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, BMELV ist fĂŒr Angelegenheiten der Fischerei zustĂ€ndig. Ihm zugeordnet ist die Bundesforschungsanstalt fĂŒr Fischerei, BFAFi, die sich mit Problemen der Fischerei beschĂ€ftigt.

Am 1. Januar 2003 wurde in Cuxhaven das Deutsche Havariekommando als eine gemeinsame Behörde des Bundes und der fĂŒnf KĂŒstenlĂ€nder eröffnet. Seine Aufgabe ist es, bei UnfĂ€llen im Bereich der Nord- und Ostsee ein koordiniertes und gemeinsames Unfallmanagement zu gewĂ€hrleisten.

Europa

Politisch fĂ€llt der Meeresschutz als Teil des Naturschutzes in die ZustĂ€ndigkeit des EU-Umwelt-Kommissars Janez Potočnik. Im EuropĂ€ischen Parlament befassen sich mehrere AusschĂŒsse mit Fragen, die im Zusammenhang mit den EuropĂ€ischen Meeren stehen. FĂŒr den Meeresschutz relevante Entscheidungen treffen vor allem der und der Ausschuss fĂŒr Umwelt und Volksgesundheit aber auch der Ausschuss fĂŒr Verkehr und Fremdenverkehr und der Ausschuss fĂŒr Fischerei.[29][30]

2007 stellte die EU-Kommission ein sogenanntes Blaubuch Meerespolitik (engl. „Bluepaper“) vor, mit dem die Leitlinien fĂŒr die kĂŒnftige Meerespolitik festgelegt werden sollen. Erstmals versucht die Kommission damit, von der Fischerei bis zur Schifffahrt alle wirtschaftlichen Nutzungen der europĂ€ischen Meere in einem Programm zusammenzufassen. ErklĂ€rte Ziele sind die StĂ€rkung maritimer Industrien und eine nachhaltige Meerespolitik.[31] UmweltschutzverbĂ€nde kritisieren, dass die ZustĂ€ndigkeiten fĂŒr Fischerei, HĂ€fen und Transport sowie Energiegewinnung und Rohstoffförderung weiterhin zersplittert blieben. Eine einheitliche „marine Raumplanung“ gebe es nicht, kritisiert der WWF.[32]

Weltweit

Die International Maritime Organisation IMO, eine UN-Organisation, befasst sich vor allem mit internationalen Abkommen zum Meeresschutz. Ein stĂ€ndiger Ausschuss der IMO ist mit der Umsetzung und Novellierungen des MARPOL-Abkommens befasst. Im Rahmen des United Nations Environmental Program, UNEP arbeitet das Regional Seas Program mit 140 KĂŒstenstaaten fĂŒr den nachhaltigen regionalen Meeresschutz. Die International Union for Conservation of Nature and Natural Resources, IUCN verzeichnet auf der von ihr herausgegebenen Roten Liste auch marine Tiere und Pflanzen. Die international gĂŒltigen Kategorien und Richtlinien fĂŒr Meeresschutzgebiete werden von der IUCN festgelegt.

Nichtregierungsorganisationen

Ablegemanöver der Albin Köbis, Aktionsschiff der Meeresschutzaktion Habitat Mare 2007 in Kappeln. Die NAJU und die schwedische FĂ€ltbiologerna setzten sich bei der gemeinsamen Aktion fĂŒr einen nachhaltigeren Ostseeschutz ein.

Eine Reihe von Stiftungen, Vereinen und VerbĂ€nden arbeiten weltweit zu verschiedenen Aspekten des Meeresschutzes. Beispielsweise stoßen Initiativen der Entwicklungszusammenarbeit ebenfalls Projekte zum lokalen Meeresschutz an. Die im Folgenden aufgefĂŒhrten Organisationen stehen stellvertretend fĂŒr eine Reihe weiterer Nichtregierungsorganisationen (NGOs, aus engl. „non-governmental organizations“), die hier nicht in ihrer Gesamtheit aufgefĂŒhrt werden können.

Deutschland

Die Organisationen und Vereine sind von unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe und arbeiten teils stĂ€rker lokal im praktischen Naturschutz an der KĂŒste, teils international in der Entwicklungszusammenarbeit oder politisch und Kampagnen-orientiert.

Schweiz

Europa

  • Federation Seas at Risk; Seas at Risk ist ein Zusammenschluss europĂ€ischer NGOs, deren gemeinsames Ziel es ist, die marine Umwelt der europĂ€ischen Meere und des Nordatlantik zu schĂŒtzen.

Weltweit

Wissenschaftliche Akteure zum Meeresschutz

In Deutschland forschen und lehren verschiedene universitĂ€re Einrichtungen und Forschungsinstitute zu Themen der Meereskunde, die fĂŒr den Meeresschutz im engeren Sinne von Belang sind. Meeresschutz-relevante Forschungsgebiete sind meist in speziellen Arbeitsgruppen angesiedelt.

Weitere Institute, die nicht direkt zum Meeresschutz forschen, finden sich in der Rubrik Liste ozeanografischer Forschungsinstitute.

Mit dem CeDAMAR-Projekt (Teil des Census-Projektes) soll durch internationales Wissenschaftsprogramm sÀmtliches Marine Leben erfasst und dokumentiert werden. Auf Grundlage dieser Daten können dann gezielte Schutzprogramme entworfen werden.[35]

Der 1902 von EuropĂ€ischen LĂ€ndern gegrĂŒndete International Council for the Exploration of the Sea (ICES, deutsch: Internationaler Rat fĂŒr Meeresforschung) vereinigt inzwischen weltweit Forschungseinrichtungen der Meereskunde und Ă€ußert sich zu den gravierendsten Umweltproblemen der Meere. StĂ€ndig wird die Entwicklung von 110 ausgewĂ€hlten Fischarten global erforscht.

Persönlichkeiten des Meeresschutzes

  • Elisabeth Mann Borgese, war eine deutsche Meeresrechtlerin und Ökologin sowie Schriftstellerin. Sie war 1970 das einzige weibliche GrĂŒndungsmitglied des Club of Rome und maßgeblich an dem SeerechtsĂŒbereinkommen von 1982 beteiligt.
  • Jacques-Yves Cousteau, französischer Meeresforscher.
  • Jean-Michel Cousteau, französischer Meeres-Dokumentarfilmer.
  • Nikolaus Gelpke, Schweizer Meeresbiologe und Herausgeber der Zeitschrift mare
  • Hans Hass, ist ein österreichischer Tauchpionier und Meeresforscher, der vor allem durch seine Dokumentarfilme ĂŒber Haie und seinen Einsatz fĂŒr den Umweltschutz bekannt wurde.
  • Katherine Richardson, ist Meeresbiologin, Autorin von FachbĂŒchern und lehrt zurzeit an der UniversitĂ€t in Aarhus.
  • Paul Watson, militanter WalschĂŒtzer und frĂŒherer Greenpeace-Aktivist, 1977 grĂŒndete er Sea Shepherd.

Literatur

  • H. J. MĂŒller: Ökologie. Gustav Fischer Verlag, Jena 1991, ISBN 3-334-00398-1.
  • R. B. Clark: Kranke Meere? Verschmutzung und ihre Folgen. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1992, ISBN 3-86025-049-3.
  • Stefan Rahmstorf, Katherine Richardson: Wie bedroht sind die Meere? Biologische und physikalische Aspekte. Fischer Taschenbuch, 2007, ISBN 978-3-596-17277-1.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ http://www1.bpb.de/publikationen/MO7WT5,0,Nahrungsquelle_Meer.html
  2. ↑ http://www.gtz.de/de/presse/23696.htm
  3. ↑ http://www.globalnature.org/docs/02_vorlage.asp?id=23918&sp=D&m1=11088&m2=28211&m3=23910&m4=23918&m5=&domid=1011
  4. ↑ FAO (2003): Status and trends in mangrove area extent worldwide. Forest Resources Assessment Working Paper - 63.
  5. ↑ http://www.wbgu.de/wbgu_sn2006/wbgu_sn2006_voll_2.html#Heading24
  6. ↑ http://www.umweltschutz-news.de/334artikel2208.html
  7. ↑ a b Friedemann Wagner: Europaweite Meeresschutzgebiete in Planung. EcoNautix
  8. ↑ http://www.habitatmare.de/de/intro.php
  9. ↑ "Ressourcenhungrige EU wirft Auge auf Schutzgebiete", umwelt aktuell (oekom Verlag) 12/2008, S. 23
  10. ↑ R.B. Clark (1992): Kranke Meere? Verschmutzung und ihre Folgen. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, ISBN 3-86025-049-3.
  11. ↑ http://www.greenpeace.de/themen/meere/meerespolitik/artikel/atommuellkippe_meer/
  12. ↑ http://www.swr.de/report/presse/-/id=1197424/nid=1197424/did=8816112/mj8ise/index.html Auslaufende AtommĂŒllfĂ€sser beunruhigen Abgeordnete und UmweltverbĂ€nde, 01.11.2011
  13. ↑ http://reset.to/wissen/plastic-ocean-plastikinseln-im-meer
  14. ↑ http://www.sueddeutsche.de/wissen/195/325060/text/
  15. ↑ Exxon Valdez Katastrophe - 16 Jahre spĂ€terGreenpeace, 17. MĂ€rz 2005
  16. ↑ Mario Gundlach: 'Waffe' gegen illegale Verklappung entworfen 11. MĂ€rz 2003
  17. ↑ GĂŒven Purtul: Die Öldetektive WDR, 25. November 2008
  18. ↑ http://oceans.greenpeace.org/de/unsere-ozeane/piratenfischerei
  19. ↑ # Stefan Rahmstorf, Katherine Richardson: Wie bedroht sind die Meere? Biologische und physikalische Aspekte. Fischer Taschenbuch 2007, ISBN 978-3-596-17277-1, S. 195.
  20. ↑ http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,648737,00.html
  21. ↑ IKZM Newsletter Okt. 2009
  22. ↑ http://www.umweltschutz-news.de/334artikel2034.html
  23. ↑ a b c d Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale UmweltverĂ€nderungen (2006): Die Zukunft der Meere – zu warm, zu hoch, zu sauer. Sondergutachten, Berlin (PDF, 3,5 MB)
  24. ↑ Dr. Mojib Latif in der eröffnungsrede zur ICES-Konferenz 2009 http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2009-09/fischerei-umwelt-klimawandel
  25. ↑ http://www.ozean-der-zukunft.de/forschungsfelder/ozeanwandel/ozeanversauerung/fakten/
  26. ↑ Gazeau, FrĂ©dĂ©ric, Christophe Quiblier, Jeroen M. Jansen et al. (2007): Impact of elevated CO2 on shellfish calcification, in: Geophysical Research Letters, Vol. 34, L07603 http://www.agu.org/pubs/crossref/2007/2006GL028554.shtml
  27. ↑ Frankfurter Rundschau, Seite 12: Klimawandel raubt Meerestieren Sauerstoff (vom 10. Februar 2009)
  28. ↑ http://ioi.zmt-bremen.de/joomla/content/view/12/26/1/2/
  29. ↑ http://ec.europa.eu/fisheries/index_de.htm
  30. ↑ http://www.europarl.europa.eu/activities/committees/homeCom.do?language=DE&body=ENVI
  31. ↑ GrĂŒnbuch Meerespolitik http://ec.europa.eu/maritimeaffairs/pdf/com_2006_0275_de_part2.pdf
  32. ↑ WWF ErklĂ€rung von 2007 http://www.urquellwasser.eu/news/wasserbelebung/kalkschutz/hoffnung-fuer-europas-meere-wwf-vermisst-eu-meerespolitik-aus-einem-guss/33220/
  33. ↑ http://www.m-e-e-r.org
  34. ↑ http://www.greenpeace.de/themen/meere/
  35. ↑ http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=3305

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