Arbeiterkinder

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Arbeiterkinder

Unter Arbeiterkindern werden, neben der reinen Wortbedeutung „Kinder von Arbeitern“, Kinder oder Jugendliche mit Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht verstanden, die ĂŒber geringeres Einkommen, Ansehen und Bildungschancen verfĂŒgen. Der Begriff hat eine biographische Bedeutung, da das Umfeld der ersten Lebensjahre besonders prĂ€gend ist â€“ diese PrĂ€gung wird mit dem Begriff Habitus[1] umschrieben.

Wortgeschichtlich verweist der Begriff „Arbeiterkind“ auf „ein zu schwerer körperlicher TĂ€tigkeit verdungenes Kind“, stammend aus bildungsfernen familiĂ€ren VerhĂ€ltnissen. Der Ausdruck Arbeiterkinder entstand mit dem Beginn der Industrialisierung, als vor allem Menschen mit geringem Bildungsstand und niedrigem sozialem Status ihren Lebensunterhalt mit gering bezahlter Lohnarbeit bestritten. Deren Kinder verfĂŒgten in der Regel ĂŒber keine Chancen zum gesellschaftlichen Aufstieg, da ihnen der Zugang zu Bildungsressourcen aus primĂ€r finanziellen GrĂŒnden verwehrt war, wĂ€hrend der Nachwuchs von Unternehmern, höheren Beamten und Akademikern von Anfang an auf das gesellschaftliche Niveau der Eltern gehoben wurde.

In der heutigen europĂ€ischen Gesellschaft ist der Ausdruck in seiner ursprĂŒnglichen Bedeutung nur noch bedingt anwendbar. Einerseits fehlt es außerhalb der marxistischen Klassentheorie an einem einheitlichen VerstĂ€ndnis des „Arbeiter“-Begriffs, unter den im weiteren Sinne auch qualifizierte und gut bezahlte BerufstĂ€tigkeiten, etwa als Facharbeiter gefasst werden. Andererseits sind die Merkmale Armut, geringes Sozialprestige und soziale Benachteiligung in Zeiten enormer Erwerbslosigkeit gesellschaftlich breiter gestreut und treffen etwa auch Arbeitslose, Alleinerziehende, Migranten, kranke und behinderte Menschen. Trotz dieser VerĂ€nderung wird Arbeiterkinder in Presse und wissenschaftlicher Darstellung zuweilen noch synonym fĂŒr Kinder mit einem familiĂ€ren Hintergrund verwendet, der ĂŒber wenig finanzielles, soziales und kulturelles Kapital verfĂŒgt und vorwiegend körperliche Arbeit leistet.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung in politischen Ideologien

Marxismus

Nach marxistischer Auffassung stehen im Kapitalismus Arbeiterkinder vor vielen Bildungsbarrieren, da das Verwertungsinteresse des Kapitals den Umfang und die Grenzen der Bildung bestimme.

In seiner „Kritik des Gothaer Programms“[2] der SPD („Randglossen zum Programm der deutschen Arbeiterpartei“) forderte Karl Marx: Durch ein allgemeines Gesetz die Mittel fĂŒr die Volksschule bestimmen, ist etwas ganz anderes als den Staat zum Volkserzieher zu ernennen. Vielmehr sind Regierung und Kirche gleichmĂ€ĂŸig von jedem Einfluss auf die Schule auszuschließen. Er forderte technische Schulen, die theoretischen und praktischen Unterricht bieten: „Polytechnische Erziehung“.

Auf Russland bezogen fand kurz nach der Jahrhundertwende eine kultur- und bildungstheoretische Kontroverse zwischen Bogdanow und Lenin statt, in der es unter anderem darum ging, ob nach der Revolution ein strukturell und inhaltlich neues arbeiter- und arbeiterkindergerechtes Bildungssystem (ArbeiteruniversitĂ€ten) aufgebaut werden solle, oder ob weitgehend bĂŒrgerliche Werte und Ordnungen ĂŒbernommen werden sollten. Bogdanows Proletkult-Bewegung unterlag in diesem Streit.

Nach der Oktoberrevolution 1917 erließ der Rat der Volkskommissare eine Deklaration ĂŒber ein einheitliches, barrierenloses Bildungssystem, das vom Kindergarten bis zur UniversitĂ€t fĂŒhren sollte. Es wurde anfangs versucht, reformpĂ€dagogische AnsĂ€tze in den ĂŒberall aus dem Boden gestampften Schulen umzusetzen. Der erste Volkskommissar A. W. Lunatscharski (1875–1933) bezog sich mit der Etablierung von Arbeitsschulen auf den Theoretiker Pavel Blonski (1884–1941), der die innere Entwicklung der Kinder forderte. Lenin stand dem skeptisch gegenĂŒber, und vor allem unter Stalin wurden die reformpĂ€dagogischen Konzepte zurĂŒckgedrĂ€ngt.

Marxisten wie Otto RĂŒhle und Wilhelm Reich, die in der Weimarer Republik praktische pĂ€dagogische Erfahrungen mit Arbeiterkindern und Arbeiterjugendlichen sammeln konnten, kritisierten Einstellung und Verhalten der KPD gegenĂŒber Arbeiterkindern als autoritĂ€r. Eugen Rosenstock-Huessy wirkte als Pionier bei den Versuchen, in freiwilligen Arbeits- und Studienlagern Arbeiter- und bĂŒrgerliche Jugendliche in ihren Erlebnis- und Denkwelten fĂŒreinander verstĂ€ndlich zu machen.

Arbeiterkinder in Zeiten der frĂŒhen Industrialisierung

In den AnfĂ€ngen der Industrialisierung beschrieb Friedrich Engels die Lage der Arbeiter in England. Er berichtet, dass um 1840 die durchschnittliche Lebenserwartung in Liverpool der unteren Schichten ĂŒberhaupt nur 15 Jahre betrug. Dies war bedingt durch die hohe Kindersterblichkeit. In Manchester starben ĂŒber 57 % der Arbeiterkinder vor dem fĂŒnften Lebensjahr, in den höheren Schichten nur 20 %. In den IndustriestĂ€dten vervielfachten sich die TodesfĂ€lle von armen Kindern bei Krankheiten wie Pocken, Masern, Keuchhusten, Scharlachfieber, Wasser im Gehirn und KrĂ€mpfen. Zudem seien die Arbeiterkinder sehr vernachlĂ€ssigt, da beide Elternteile arbeiteten wenn sie ĂŒberhaupt noch lebten. Nirgends kĂ€men so viele Kinder durch UnfĂ€lle ums Leben wie in den großen StĂ€dten Englands. Lange Arbeitszeiten, ein hoher Krankenstand, und Laster wie Alkoholismus fĂŒhrten zu einer Verrohung und ZerrĂŒttung der Familien. Die ohne Schulbildung von frĂŒher Kindheit an durch Arbeit und Disziplin der Fabrik geformten Erwachsenen waren hĂ€ufig nicht in der Lage ihre Situation genau einzuschĂ€tzen, oder etwas dagegen zu unternehmen.[3]

In Ermangelung medizinischer Versorgung war es ĂŒblich, dass selbst kleine Arbeiterkinder Branntwein und als Medizin verkauftes Laudanum (Opium) von ihren ĂŒberforderten und oftmals selbst alkoholabhĂ€ngigen Eltern bekamen.

Kinderarbeit

Kinderarbeit, Newberry, South Carolina. 1908.

Arbeiterkinder waren oftmals gezwungen, Kinderarbeit anzunehmen. Sie verdienten fĂŒr ihre Familien einen dringend benötigten Lohn hinzu und sorgten so oftmals fĂŒr deren Überleben. Mit der Industrialisierung in Europa und den USA nahm die Kinderarbeit extrem gesundheitsgefĂ€hrdende Ausmaße an. Zum Teil mussten die Kinder bis zu 90 Stunden wöchentlich arbeiten.[4] 1788 waren zwei Drittel der Arbeiter in den neuen wasserbetriebenen Textilfabriken in England und Schottland Kinder.[5] Ein englisches Arbeitszeitgesetz von 1802 sah einen Normalarbeitstag von 15 Stunden vor. Erst 1833 kam es zu einer Begrenzung der Arbeitszeit von Kindern und Jugendlichen. Anfang des 19. Jahrhunderts waren ein Drittel der Fabrikarbeiter in den USA zwischen 7 und 12 Jahre alt.

Noch 1858 arbeiteten – trotz des Regulativs vom 9. MĂ€rz 1839, das Fabrikarbeit von Kindern unter 9 Jahren verbot[6] – 12.500 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren in preußischen Fabriken. Erste Warnungen angesichts deren gesundheitlicher Verelendung gingen hier vom preußischen Heer aus, das bei seinen Rekruten damit konfrontiert wurde. Als Folge der Kinderarbeit wurde in Preußen die Gewerbeaufsicht gegrĂŒndet, das Verbot der Kinderarbeit wurde bis zum 12. Lebensjahr ausgedehnt. Allerdings war fĂŒr Zwölf- bis VierzehnjĂ€hrige noch immer ein zwölfstĂŒndiger Arbeitstag zugelassen.

Historisch sollte Kinderarbeit durch den Arbeitsschutz und die allgemeine Schulpflicht unterbunden werden. Neben gesundheitlichen SchÀden war eine Folge der Kinderarbeit die mangelnde Bildung.

Bildung fĂŒr Arbeiterkinder wĂ€hrend der Industrialisierung

Eine Familie in Deutschland um 1900, die in einem Raum arbeitet, wohnt, kocht und schlÀft

Mit dem im 18. Jahrhundert verabschiedeten preußischem Generallandschulreglement wurde eine Vorstufe zur Schulpflicht eingefĂŒhrt. Nach den Gymnasien und den Realschulen entstanden im 19. Jahrhundert auch flĂ€chendeckend Volksschulen. FĂŒr Arbeiterkinder war der Bildungsgang ĂŒber diese Schule vorgesehen. Bis zur Weimarer Republik musste aber auch fĂŒr die Volksschule noch Schulgeld gezahlt werden. Arbeiterkinder wurden – wie Bauernkinder – frĂŒhzeitig aus der Schulbildung genommen, um fĂŒr den Familienunterhalt mit zu sorgen.

Der Schulbesuch in Preußen stieg von 50 % um 1800 auf 100 % um 1900. In derselben Zeit verĂ€nderte sich der Schulbesuch von sehr unregelmĂ€ĂŸig zu regelmĂ€ĂŸig. Allerdings bestand eine dramatische Kluft zwischen Stadt und Land. Um 1900 betrug der Schulbesuch in der unteren Schichten sieben Jahre. Um 1800 waren etwa 25 % der preußischen Bevölkerung in der Lage, Texte zu entziffern, um 1830 waren es um die 30 %, danach stieg die Quote pro Jahrzehnt 10 % mehr auf nahezu 100 % um 1900.

FĂŒr die soziale Stabilisierung wurden die unterschiedlichen Inhalte wichtig, die in den Schulunterricht eingefĂŒhrt wurden. Über Kunst, Literatur und Musik sprach man in den gebildeten Schichten. In den unteren Schichten bot die Alltagskultur andere Themenschwerpunkte an; mit dem Ergebnis, dass eine Vermischung der Schichten fĂŒr alle Beteiligten unattraktiv wurde: Man teilte die Themen nicht, die in den verschiedenen Schichten interessant waren, sobald man Schichten wechselte.

Die Schulen im 19. Jahrhundert waren zunĂ€chst als Ganztagsschulen konzipiert. Die Schule ging von 7 bis 12 Uhr (im Winter ab 8 Uhr) und von 14 bis 16 Uhr, was der Arbeitswelt insbesondere im Handwerk entsprach. Danach wurden in Deutschland erst in den Gymnasien, dann in den Volksschulen die Vormittagsschulen eingefĂŒhrt. Ende des 19. Jahrhunderts kam es in Deutschland zufolge der erhöhten Bildungsnachfrage zu Schließungseffekten: Gymnasien wurden ĂŒber das Schulgeld zu Eliteeinrichtungen. Parallel zur Halbtagsschule wurde das dreigliedrige Schulsystem zur Regel. Gleichzeitig wurden Facharbeiterausbildungen etabliert, die auch Arbeiterfamilien eine Aussicht auf Aufstieg durch eine Facharbeiterausbildung der Kinder boten. Mit der Etablierung der Dualen Ausbildung und des dreigliedrigen Schulsystems war jedoch in Deutschland die Möglichkeit aufzusteigen fĂŒr Arbeiterkinder geringer als in einigen anderen Industriestaaten.[7]

Politische Konzepte

Ende des 19. Jahrhunderts wendete sich in Deutschland allmĂ€hlich die Arbeiterfamilie vom bĂ€uerlichen dem bĂŒrgerlichen Vorbild zu. Damit einhergehend wurde die FĂŒrsorge- und Erziehungspflicht fĂŒr Arbeiterkinder immer stĂ€rker auf die MĂŒtter verschoben. Allerdings waren MĂŒtter in Arbeiterfamilien im Gegensatz zu MĂŒttern in bĂŒrgerlichen Familien in der Regel berufstĂ€tig. Die Fröbelschen HalbtagskindergĂ€rten, die als familienergĂ€nzende Bildungseinrichtungen konzipiert waren, wurden vor allem von BĂŒrgerkindern besucht, fĂŒr Arbeiterkinder waren bestenfalls Verwahranstalten vorgesehen.

Arbeiterkinder nach dem Ersten Weltkrieg

Nach dem Ersten Weltkrieg Ă€nderte sich die Gesellschaft in einer Weise, die von Antonio Gramsci als Fordismus bezeichnet wurde. Das neue Gesellschaftsmodell basierte auf der Herstellung von MassengĂŒtern, deren Konsum, sowie der zunehmenden Etablierung des Sozialstaates und der VerbĂŒrgerlichung des Lebensstils der Arbeiterfamilie.

Ein Eindruck von der Lebenswirklichkeit von Arbeiterkindern in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts lĂ€sst sich durch Klaus Kordons mehrfach preisgekrönte Jugendbuchtrilogie gewinnen. Sie beschreibt das Leben einer Arbeiterfamilie von der Novemberrevolution 1918 (Die roten Matrosen)[8] ĂŒber die Etablierung des nationalsozialistischen Regimes (Mit dem RĂŒcken zur Wand)[9] bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (Der erste FrĂŒhling)[10] aus der Sicht von Arbeiterkindern.

Politische Konzepte

Durch die Landflucht im Zuge der Industrialisierung wurden in GroßstĂ€dten, in Deutschland, vor allem in Berlin, Hamburg und Essen, Mietskasernen fĂŒr die Unterschicht errichtet. In Wien wurden diese HĂ€user unter der Bezeichnung Zinshaus bekannt. An das reprĂ€sentative Vorderhaus schlossen sich mehrere aneinandergebaute HinterhĂ€user an, so dass dazwischen nur noch enge, meist rechteckige Höfe frei blieben, in die kein Sonnenlicht fiel. Eine Abfolge von drei oder vier Hinterhöfen war keine Seltenheit. Oftmals wurden die Wohnungen von den Arbeiterfamilien noch untervermietet, so dass sich eine mehrköpfige Familie die WohnkĂŒche teilen musste. Besonders fĂŒr Kinder waren diese Lebensbedingungen Ă€ußerst ungesund (vgl. die „Soziale Frage“).

Ab Mitte des 19. Jahrhundert wurden Arbeitersiedlungen von Betrieben als Werksiedlungen fĂŒr ihre Arbeiter und Angestellten errichtet. Dies geschah, um Arbeiter durch betriebsnahe Wohnungen an ihre Arbeitsstelle zu binden. DarĂŒber hinaus ging es darum, dass Industrieproletariat zu verbĂŒrgerlichen, indem dieses das Konzept der bĂŒrgerlichen Kleinfamilie ĂŒbernehmen sollte. Anfang des 20. Jahrhunderts ĂŒbernahmen die Krupp-Siedlungen diese Funktion.

Finanziert wurde der Bau von Arbeitersiedlungen zum Teil durch staatliche Förderprogramme.

1918 wurde das Schulgeld fĂŒr Volksschulen abgeschafft, allerdings wurde noch bis in die 1950er Jahre hinein in der Bundesrepublik Deutschland fĂŒr Gymnasien Schulgeld erhoben. So konnten zwar Arbeiterkinder zur Volksschule gehen, schlecht aber auf höhere Schulen. Auch die PrĂŒgelstrafe wurde unterschiedlich gehandhabt. WĂ€hrend es ĂŒblich war, in den Volksschulen die Jungen und MĂ€dchen mit dem Rohrstock zu zĂŒchtigen, wurde die PrĂŒgelstrafe in den Gymnasien sehr frĂŒh zurĂŒckgedrĂ€ngt (allerdings: SchlĂ€ge mit dem Lineal oder Ohrfeigen in der Unterstufe). Auch in (handwerklichen) Ausbildungsbetrieben wurden bis in die 1960er Jahre hinein Kinder geschlagen. In der DDR wurde die schulische PrĂŒgelstrafe 1949 abgeschafft, in der Bundesrepublik Deutschland 1973.

Typische Arbeiterkinder-Erkrankungen

Durch die harte Arbeit, schlechte ErnĂ€hrung und medizinische Betreuung der Arbeiterinnen waren Arbeiterkinder schon vorgeburtlich einem vergleichsweise großem Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Otto RĂŒhle beschrieb 1925 die gesundheitliche Situation von Arbeiterkindern folgendermaßen:

„In Kellerlöchern und Dachstuben, lichtlosen und muffigen Hofwohnungen, in ĂŒberbevölkerten Mietskasernen und Wohnbaracken wĂ€chst es heran, befallen von Skrofulose, verkrĂŒmmt und verelendet durch Rachitis, gepeinigt von dem ganzen Heer der Kinderkrankheiten, die im stickigen Brodem der Elendsquartiere wuchern und wĂŒten. Das schlenkernde Krummbein, die ausgerenkte HĂŒfte, der gebuckelte RĂŒcken, der Wasserkopf – sie sind die Blessuren und Male aus dem erbitterten Kampfe, der jahrelang mit dem Tode gefĂŒhrt wird. Und die ZwergwĂŒchsigen, EngbrĂŒstigen, SchwindsĂŒchtigen, die zu Skeletten abgemagerten, an chronischen Darmkoliken Leidenden, mit juckenden HautausschlĂ€gen Behafteten, die BettnĂ€sser und Epileptiker, der Schwachsinnigen und Idioten – sie alle demonstrieren die Grausamkeit und HĂ€rte eines Schicksals, das ihrer Jugend alles nimmt oder vorenthĂ€lt, was ihnen den Besitz körperlicher TĂŒchtigkeit und Vollwertigkeit sichern könnte.“

– Otto RĂŒhle 1975[11]

Zur Psychologie von Arbeiterkindern

Eine Kritik an psychologischen Theorien wie der Psychoanalyse lautet, dass diese in einem bĂŒrgerlichem Umfeld entstanden seien und so die psychische Verfasstheit von Arbeitern verkennen wĂŒrden. Allerdings gab es auch spezielle, arbeiterliche Untersuchungen.

Otto RĂŒhle untersuchte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Psyche von Arbeiterkindern. Mit den Begriffen der Individualpsychologie Alfred Adlers glaubte er einen Minderwertigkeitskomplex bei Arbeiterkindern festzustellen, dessen Auswirkung mit dem adlerschen Ausdruck der proletarischen ProtestmĂ€nnlichkeit beschrieben werden könne. Diese ProtestmĂ€nnlichkeit finde sich eher bei Arbeitersöhnen und bei Töchtern aus dem BĂŒrgertum. Arbeitertöchter seien als Kinder, als MĂ€dchen und als Arbeiterkinder dreifach unterdrĂŒckt, was die Entwicklung eines aggressiven Protestverhaltens hemme. RĂŒhle entwickelte fĂŒr die Individualpsychologie einen Fragebogen, mit dessen Hilfe der Habitus von Arbeiterkindern gezielter erforscht werden sollte. Als einzige Möglichkeit der Befreiung sah RĂŒhle, der sich zu dieser Zeit in seinen politischen Überzeugungen dem Anarchismus annĂ€herte, den Aufbau einer von Arbeiterkindern selbstorganisierten anarchistischen Jugendbewegung.[12]

Geschichte der Arbeiterjugendbewegung

Zur Arbeiterjugendbewegung zĂ€hlen Jugendorganisationen, die Jugendliche und Kinder hauptsĂ€chlich aus Arbeiter- und Angestelltenfamilien als Mitglieder haben. Im einzelnen sind dies die nachfolgend angefĂŒhrten Organisationen.

Kinderfreunde / Rote Falken (Österreich)

Anton Afritsch grĂŒndete 1908 in Graz gemeinsam mit sechs MĂ€nnern und sieben Frauen den „Arbeiterverein Kinderfreunde“. Unter anderem werden Ferienaktionen fĂŒr Arbeiterkinder organisiert. 1917 wird der „Reichsverein Kinderfreunde“ gegrĂŒndet. Der erste Reichsobmann ist der Reichsratsabgeordnete Max Winter. 1918 folgt das erste Ferienwohnheim, 1919 wird die erste Erzieherschule des „Arbeitervereins Kinderfreunde“ gegrĂŒndet. An der Geldsammelaktion „Kinderheller“ fĂŒr die „Kinderfreunde“ beteiligen sich 1921 mehrere Betriebe. 1925 wird die Organisation Rote Falken gegrĂŒndet. 1934 drĂ€ngt der Austrofaschismus sowohl die Roten Falken als auch die Kinderfreunde (deren Mitgliederzahl auf 100.000 angewachsen ist), in den Untergrund.

Symbol der Eisernen Front

Sozialistische Arbeiterjugend – Rote Falken (Deutschland) Am 10. Oktober 1904 wurden die erste Organisation der Arbeiterjugend gegrĂŒndet. An diesem Datum schlossen sich 24 junge Arbeiter und Lehrlinge in Berlin zum „Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins“ zusammen. Anlass war der Selbstmord des Schlosserlehrlings Paul Nehring in Berlin. Dieser setzte seinem Leben im Juni 1904 ein Ende, nachdem er die körperlichen Misshandlungen seines Lehrmeisters nicht mehr ertragen konnte. Im gleichen Jahr grĂŒndete sich ebenfalls in Mannheim eine Arbeiterjugendorganisation. Heinrich Arnulf Eildermann textete 1907 fĂŒr diese Bewegung das Lied Dem Morgenrot entgegen. Am 29. Oktober 1922 wurde die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ), am 13. November 1923 die Kinderfreunde Deutschlands gegrĂŒndet. Die Bezeichnung Falken kam gegen Ende der 1920er Jahre in den Gruppen der Ă€lteren Kinderfreunde auf. Aber auch die JĂŒngeren in der SAJ bezeichneten sich selbst als „Rote Falken“. Der Anstoß dazu kam aus Österreich. Die Falken waren damals eine der ersten Gruppen, die sich mit Kinder- und Jugendrechten auseinandersetzten und alternative Erziehungskonzepte (Kurt Löwenstein) diskutierten. Bekannt wurden die Falken damals unter anderem ĂŒber die ersten Kinderrepubliken. Die erste Kinderrepublik fand 1927 in Seekamp mit mehreren tausend Kindern statt.

In den letzten Jahren der Weimarer Republik schloss sich die SAJ BĂŒndnissen wie dem Jungbanner (Reichsbanner) und der Eiserne Front an, um den Kampf fĂŒr die Demokratie paramilitĂ€risch fortzusetzen. Am 2. Mai 1933 wurden die Falken deutschlandweit wie viele andere sozialdemokratische und antifaschistische Gruppen verboten. Viele Falken wurden ab 1933 von den Nationalsozialisten inhaftiert. Vereinzelt waren Kinderfreunde und SAJler im Widerstand tĂ€tig. Andere konnten ins Ausland flĂŒchten.

Naturfreundejugend Deutschlands

Als Gegengewicht zur bĂŒrgerlichen Erziehung wurde 1926 die Naturfreundejugend gegrĂŒndet. Sie entstand aus dem 1895 gegrĂŒndeten Tourismusverein Naturfreunde, welcher sozialistisch motiviert war und versuchte, Ziele der Arbeiterbewegung mit der Naturerfahrung zu verbinden. Auch die Naturfreunde der Weimarer Republik verbanden politische Forderungen nach dem Acht-Stunden-Tag und besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen mit dem Recht des freien Zugangs zur Natur fĂŒr alle. Die GrĂŒndung der Naturfreundejugend diente unter anderem der Bildung des Proletariats. Die Arbeit der Naturfreundejugend war geprĂ€gt durch

Christliche Arbeiterjugend

Der Priester Joseph Cardijn grĂŒndete die CAJ 1925 in BrĂŒssel. Anliegen Cardijns war es, den jungen Arbeitern ihre WĂŒrde bewusst zu machen und sie durch Aktionen und Seminare zu bilden. Sie sollten so ihre Verantwortung fĂŒr sich und die Gesellschaft wahrnehmen können. Dabei entwickelte er die Methode „sehen â€“ urteilen â€“ handeln“ die in leicht verĂ€nderter Funktion spĂ€ter oft Einzug in die PĂ€dagogik der Jugend- und Erwachsenenbildung in Gesellschaft und Kirche fand.

Nationalsozialismus / Zweiter Weltkrieg

Arbeiterkinder im nationalsozialistischen Bildungssystem Die Nationalsozialisten hatten versprochen, im Bildungssystem Arbeiterkindern einen Aufstieg zu ermöglichen. Statt jedoch die bĂŒrgerlichen Bildungsprivilegien abzuschaffen, wurde ein neuer Bildungssektor parallel zur herkömmlichen Schule eingefĂŒhrt. Dies sollte durch die neu geschaffenen Adolf-Hitler-Schulen und die spĂ€teren NS-Erziehungsanstalten ermöglicht werden. Die Erziehungsmethoden in diesen Anstalten wurden von ehemaligen SchĂŒlern als sadistisch bezeichnet. Die NAPOLA (Nationalpolitischen Erziehungsanstalten) förderte Arbeiter- und KleinbĂŒrgerkinder, um spĂ€ter eine neue Elite zu bilden. Es gab etwa 35 hiervon. Bis 1941 sollen etwa 6.000 SchĂŒler diese Einrichtungen besucht haben. Diese neue Elite wurde nach rassistischen und politischen Kriterien ausgewĂ€hlt. Ab 1938 konnte auch ohne Abitur studiert werden. Zwar gab es die sogenannten Langemarckstipendiate fĂŒr Arbeiter- und Bauernsöhne, diese Stipendiaten stellten 1939 jedoch nur 0,14 % der Studenten. Dass 1938 die Arbeiterkinder nur 2 % der Studierenden ausmachten und 9 % der Abiturienten, zeigt, dass eine wirkliche Öffnung des herkömmlichen Bildungssystems ausblieb.

Auch die Hitler-Jugend und der Bund Deutscher MĂ€del erlaubte zunĂ€chst fĂŒr Arbeiterkinder einen sozialen Aufstieg. So rekrutierte sich bis 1936 die Mehrheit der HJ-FĂŒhrer aus Arbeiterfamilien, danach jedoch aus dem gebildeten Mittelstand. FĂŒr Arbeiterkinder war die Mitgliedschaft noch lange freiwillig, wĂ€hrend Beamte schon Mitte der 1930er Jahre verpflichtet wurden, ihre Kinder in die HJ zu schicken.

Arbeiterkinder in der DDR

Das Bildungssystem der DDR wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ganz neu geschaffen. Aufgrund der Entnazifizierung des nationalsozialistischen Bildungssystems waren weder Lehrer noch Unterrichtsmaterialen fĂŒr die SchĂŒler vorhanden. Mit der Schaffung von sogenannten Neulehrern, die großteils aus der Arbeiterklasse stammten, wurde dieser Notstand behoben. Um Arbeiterkindern eine grĂ¶ĂŸere Chancengleichheit zu gewĂ€hrleisten, wurden ab 1946 KindergĂ€rten geschaffen, die zur Schulreife fĂŒhren sollten, und das dreigliedrige Schulsystem wurde ebenfalls zu diesem Zweck durch eine achtjĂ€hrige Grundschule ersetzt. Entscheidend fĂŒr die Delegierung an die zum Abitur fĂŒhrende Erweiterte Oberschule war neben den schulischen Leistungen die soziale Zugehörigkeit, die Gleichbehandlung der Geschlechter (Jungen-MĂ€dchen-Quote) sowie die politische Einstellung und das Engagement in der FDJ. Auch wurden SchĂŒler mit BerufswĂŒnschen wie Offizier oder Lehrer, fĂŒr die dringend Bewerber gesucht wurden, bevorzugt aufgenommen. In den Bestimmungen fĂŒr die Aufnahme an einer Hochschule 1947 sollte, wenn der Beruf Arbeiter angegeben wird, beigefĂŒgt werden: EmpfĂ€nger von soundsoviel Lohn im April 1945 und die Arbeitsstelle; beim Beruf Kleiner Bauer war die GrĂ¶ĂŸe des bewirtschafteten Landes in Hektar anzugeben.

In der DDR bestanden zwischen 1949 und 1963 Arbeiter-und-Bauern-FakultĂ€ten (ABF). Unter anderem sollten hier soziale benachteiligte SchĂŒler zum Abitur gefĂŒhrt werden. ABFs gab es z. B. an den UniversitĂ€ten Rostock und Greifswald. Der Schriftsteller Hermann Kant, Absolvent der ABF Greifswald, der hat diesen Einrichtungen mit seinem Buch Die Aula ein Denkmal gesetzt.

Vergleichbare Institutionen wie die spĂ€tere Akademie fĂŒr Arbeit und Politik in Hamburg blieben in der Bundesrepublik Ausnahmen.

Relative Anzahl der Studierenden an DDR-Hochschulen nach sozialer Herkunft
Herkunftsfamilie/Jahr 1958 1967 1988
Vater oder Mutter Akademiker 14 % 30 % 78 %
Arbeiterklasse 53 % 30 % 10 %
(Lenhardt/Stock: Bildung, BĂŒrger, Arbeitskraft, 1997, S. 115.)

In den 1950er Jahren fĂŒhrten diese verschiedenen Maßnahmen dazu, dass Arbeiterkinder erstmals ihrer relativen gesamtgesellschaftlichen GrĂ¶ĂŸe entsprechend an den Hochschulen vertreten waren.

Seit Ende der 1950er Jahre kam es zu einer Phase zunehmender sozialer Schließung, in der das ehemalige bĂŒrgerliche Bildungsprivileg allmĂ€hlich durch ein Bildungsprivileg der sozialistischen Intelligenz ersetzt wurde[13] Die Ursache fĂŒr den Wandel liegt in der Auflösung der Arbeiter-und-Bauern-FakultĂ€ten und den VerĂ€nderungen ĂŒber die Zulassungsverfahren (bis 1963 entschieden die Massenorganisationen ĂŒber die Zulassungsbestimmungen, danach nur noch die UniversitĂ€ten und Hochschulen). BegrĂŒndet wurde dieser Wandel mit der Politik des Neuen Ökonomischen Systems, wonach von nun an bildungsökonomische Determinanten entschieden. Zudem waren neben den Leistungen nicht mehr die soziale Herkunft, sondern die Funktionen im politischen Kinder- und Jugendverband entscheidend. Arbeiterkinder waren seltener in solchen Positionen zu finden. Zwar waren bis zum Ende der DDR 60 % der StudienplĂ€tze fĂŒr Arbeiterkinder vorbehalten. Allerdings wurde der Arbeiterbegriff immer weiter gefasst. So zĂ€hlte zum Beispiel ein Offizier trotz seines Hochschulabschlusses als „Arbeiter“, wenn er zuvor eine Berufsausbildung absolviert hatte. Der tatsĂ€chliche Anteil der Arbeiterkinder an den DDR-Hochschulen sank von 53 Prozent im Jahr 1958 auf 30 % im Jahr 1967 und auf 10 % Ende der 1980er Jahre. Da diese Entwicklung dem SelbstverstĂ€ndnis der DDR-FĂŒhrung widersprach, fanden sich ab 1967 in den Statistischen JahrbĂŒchern ĂŒber die soziale Herkunft der Studenten keine Angaben mehr.[14] Zeitweise galten auch die Kinder von FĂŒhrungskadern und von „KĂ€mpfern gegen den Faschismus“ als „Arbeiterkinder“. Der relative Anteil von studierenden Arbeiterkindern in der DDR sank von Jahr zu Jahr ab, bis er selbst das Niveau in der BRD unterschritt.

Arbeiterkinder in der Bundesrepublik Deutschland 1946–1965

Nach der Befreiung vom nationalsozialistischen Regime setzen die Alliierten eine Kommission ein, welche ergrĂŒnden sollte, inwiefern das deutsche Bildungssystem dazu beigetragen hat, dass sich der Nationalsozialismus in Deutschland entfalten konnte. Die ZOOK-Kommission kam zu dem Schluss, dass die sehr frĂŒhe Einteilung des dreigliedrigen Schulsystems ein Standesdenken fördere, welches eine UntertanenmentalitĂ€t hervorbringe. Daher empfahl die Kommission (Direktive 54 der Alliierten Kontrollbehörde) die Ersetzung dieses Schultyps durch eine Einheitsschule. Diese sollte aus einer sechsjĂ€hrigen Grundschule und darauf folgenden Abschnitten bestehen, jedoch nicht aus verschiedenen Schulformen.

Soziale Herkunft der Studenten im Vergleich zur sozialen Schichtung der Gesamtbevölkerung 1955/56
Soziale Schichten Gesamtbevölkerung Studentenschaft
Obere Mittelschicht 4,6 % 47,2 %
Untere Mittelschicht 38,6 % 47,4 %
Obere Unterschicht 13,3 % 5,0 %
Untere Unterschicht 38,6 % 0,4 %
Unklassifizierbar 4,9 % -
(R. Dahrendorf: Arbeiterkinder an deutschen UniversitÀten, 1965, S. 9.)

In den westlichen Besatzungszonen wurde dieser Empfehlung nur sehr sporadisch nachgegangen und schließlich einigten sich 1955 die Kultusminister in der jungen Bundesrepublik auf die Beibehaltung des alten Schulsystems.

In der Regel hieß es fĂŒr Arbeiterkinder damit weiterhin, dass sie zur Volksschule gingen, um dann mit 14 einen Ausbildungsberuf oder einer HilfsarbeiterbeschĂ€ftigung nachzugehen. WĂ€hrend 1955/56 die Untere Unterschicht in der Bundesrepublik Deutschland 38,6 Prozent der Bevölkerung ausmachte, konnten innerhalb der Studierendenschaft nur 0,5 Prozent dieser Schicht zugeordnet werden. Aus diesem Grund hatte der DGB gesellschaftspolitische Korrekturen ergriffen, u. a. durch die Hochschule fĂŒr Wirtschaft und Politik sowie durch die Förderungsmaßnahmen der Hans-Böckler-Stiftung.

Ralf Dahrendorf machte 1965 auf diese Bildungsbenachteiligung in seiner Untersuchung Arbeiterkinder an deutschen UniversitĂ€ten[15] aufmerksam. Eine ethnologische Untersuchung der kalifornischen Stanford University kam zu dem Schluss, dass der Unterricht fĂŒr Arbeiterkinder Anfang der 1960er-Jahre in Baden-WĂŒrttemberg im EinĂŒben normativer SinnsprĂŒche bestand. Diskretion und Takt von Lehrern gegenĂŒber Arbeiterkindern gab es nur in AusnahmefĂ€llen. Die Auswertung ergab weiterhin, dass SchĂŒler in den Volksschulen regelmĂ€ĂŸig geohrfeigt wurden: fĂŒr schlampige Hausarbeiten, Streit, Widerworte, verschmutzte Kleidung, ungewolltes BeschĂ€digen von Schulmaterial, schlechte Tischmanieren oder langsames Essen. Bis 1962 wurde an Gymnasien noch Schulgeld erhoben. Bis 1970 bestanden darĂŒber hinaus StudiengebĂŒhren, die ebenfalls Arbeiterkinder von der UniversitĂ€t abschreckten. Erst die Bildungsreformen der 1970er-Jahre fĂŒhrten dazu, dass sich allmĂ€hlich der Anteil der Arbeiterkinder an Hochschulen von 6 % 1963 auf den Höhepunkt von 18 % 1982 steigerte.

In den 1950er-Jahren entwickelten einige Arbeiterkinder in West-Deutschland eine Jugendkultur, die von außen abwertend als Halbstarke oder Rowdies bezeichnet wurden. Diese Gruppe rebellierte gegen familiĂ€re, soziale und gesellschaftliche AutoritĂ€ten. Mit dem Begriff Halbstarke wurden schon Anfang des 20. Jahrhunderts Arbeiterjugendliche bezeichnet.[16]

Am 1. Mai 1956 begann der DGB eine Kampagne zur EinfĂŒhrung der 5-Tage-Woche mit 8 Stunden tĂ€glicher Arbeitszeit unter dem Motto: „Samstags gehört Vati mir“. Es sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass (Arbeiter-)Kinder das Recht haben sollten, ihren Vater zumindest an zwei Tagen die Woche lĂ€ngere Zeit sehen zu dĂŒrfen.

Mit dem Sputnik-Schock begannen fast alle BundeslĂ€nder, den Zugang zu Gymnasien zu erleichtern, was einherging mit der Förderung von Arbeiterkindern. Die SPD nannte dies mehr "Chancengleichheit", die CDU "Chancengerechtigkeit". Schulgelder waren bereits unĂŒblich, nun fielen auch die AufnahmeprĂŒfungen weg und die KapazitĂ€ten wurden erweitert. In den 1970er-Jahren fruchteten die Reformen; damit entstand (wie in der DDR bereits in den 1960er-Jahren) eine neue Schicht von jungen Menschen, die als Arbeiterkinder geboren waren, nun aber studierten.

Heimkinder

Vor allem Kinder von alleinerziehenden jungen MĂŒttern aus der Arbeiterklasse wurden oft zu Heimkindern. Bis 1970 herrschte in diesen Heimen die sogenannte Schwarze PĂ€dagogik vor, d. h. dass Kinder auf viele verschiedene Weisen misshandelt worden sind. Laut dem PĂ€dagogik-Professor Ulrich Herrmann war die Heimerziehung in der Zeit von 1945 bis 1970 ein RĂŒckschritt hinter die Heimerziehungsreform der 1920er-Jahre. Der Unterschicht der bĂŒrgerlichen Klassengesellschaft solle mit allen Mitteln Disziplin beigebracht werden. FĂŒr den Großteil der Heimkinder hatte diese ‚PĂ€dagogik‘ schwere traumatische Folgen, nur 20 % der Heimkinder gelang es in der Folgezeit, ein normales Leben aufzubauen.

Erst mit Protesten im Sommer 1969 unter dem Motto „Zerschlagt den Heimterror“ aus der APO, welche unter anderem von Gudrun Ensslin und Andreas Baader propagiert wurden, sowie einem Fernsehbeitrag und dem Film/Drehbuch „Bambule“ (1970) der Journalistin Ulrike Meinhof wurde der Tatbestand öffentlich angeprangert und innerhalb kĂŒrzester Zeit durch eine menschlichere Heimerziehung ersetzt. Die ehemaligen Heimkinder haben von den verantwortlichen TrĂ€gern bislang (Stand 2010) keine materielle Wiedergutmachung erhalten. FĂŒr Wiedergutmachungen kĂ€mpft seit 2004 der 'Verein ehemaliger Heimkinder'.[17]


Der Begriff Arbeiterkind heute

Ist der Begriff heute obsolet?

IGM-Jugend in Aktion

Seit Ende der 1960er Jahre Ă€ndert sich das oben beschriebene Gesellschaftsmodell. Es ist nicht mehr vom Fordismus, sondern vom Postfordismus die Rede. Traditionelle Arbeiter sind weniger sichtbar und damit scheint auch der Begriff „Arbeiterkind“ obsolet geworden zu sein.

Pierre Bourdieu ging ab den 1960er Jahre davon aus, dass das soziale Umfeld, in dem man aufwĂ€chst, den Habitus bestimme. Dies geschehe ĂŒber eine Konditionierung, die bis zur PubertĂ€t abgeschlossen sei und danach das Leben unbewusst steuere. Den Habitus der beherrschten Klasse bezeichnete Bourdieu als den Notwendigkeitshabitus. Das heißt, dass das Leben vom Standpunkt der Notwendigkeit aus beurteilt wird.[1]

Hieran anschließend hat Michael Vester eine Struktur verschiedener Milieus entworfen. Er ging davon aus, dass die Arbeiterklasse, die im Jahr 1991 in Westdeutschland 22 % der Bevölkerung ausmachte, entsprechend der Werthaltung folgendermaßen differenziert werden können in:

  • Neues Arbeiternehmermilieu 5 % (Werthaltung: modernisiert)
  • Traditionsloses Arbeitnehmermilieu 12 % (Werthaltung: teilmodernisiert)
  • Traditionelles Arbeitnehmermilieu 5 % (Werthaltung: traditionell)[18]

Franz Schultheis schreibt zu diesem Thema im Nachwort der umfangreichen Untersuchung Gesellschaft mit begrenzter Haftung:[19]

„Dabei gibt es sie durchaus noch, die Welt des Arbeiters, und ihn selbst gibt es auch noch, denn immerhin gehören der Kategorie ‚Arbeiter‘, einer arbeits- und sozialversicherungsrechtlich ‚geschĂŒtzten‘ Kategorie, noch einige Millionen BĂŒrger an. Es handelt sich demnach keineswegs um eine zu vernachlĂ€ssigende Randgruppe, auch wenn sie tatsĂ€chlich massiv an gesellschaftlicher Sichtbarkeit und KohĂ€renz, Aufmerksamkeit und Anerkennung verloren zu haben scheint.“

Niedrige soziale Herkunftsgruppe

Das Hochschul-Informations-System (HIS) arbeitet seit 1982 mit dem Konstrukt der sozialen Herkunftsgruppen. Sie haben damit einen Grobindikator fĂŒr Sozialerhebungen geschaffen, welcher ZusammenhĂ€nge zwischen ökonomischer Situation und Bildungstradition im Elternhaus und studentischen Verhaltens sichtbar macht. Auch die dreijĂ€hrig erscheinende Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes arbeitet mit diesen vier Herkunftsgruppen (niedrige, mittlere, gehobene, höchste), die sich aus dem Prestige, der Entscheidungsautonomie und der Einkommenshöhe des Berufs der Eltern sowie dem höchsten Bildungsabschluss der Eltern ergibt.

Zu Studierenden mit niedriger sozialer Herkunft wĂŒrden demgemĂ€ĂŸ Studierende zĂ€hlen, deren Eltern

  • Beamte des einfachen und mittleren Dienstes (z. B. Schaffner, Amtshilfen, SekretĂ€re)
  • Angestellte mit ausfĂŒhrender TĂ€tigkeit (z. B. Stenotypisten, VerkĂ€ufer)
  • Facharbeiter, unselbstĂ€ndige Handwerker
  • ungelernte, angelernte Arbeiter

sind.[20] Insgesamt umfasst diese Gruppe 49 Prozent der 19- bis 24-JĂ€hrigen in der Bundesrepublik Deutschland. Die DSW-Sozialerhebung konstatiert in ihren Berichten eine Zunahme der Bildungsbenachteiligung fĂŒr diese Gruppe.

Da die Großelterngeneration dieser Gruppe noch ĂŒberwiegend zur traditionellen Arbeiterklasse zĂ€hlte und die oben aufgelisteten Berufe weitgehend mit der umgangssprachlich benutzten Terminologie Arbeiter ĂŒbereinstimmt, ist die Verwendung des Begriffs Arbeiterkinder im heutigen Kontext zwar weniger treffend, aber auch nicht ganz von der Hand zu weisen. Genauer wĂ€re der Begriff Menschen mit niedriger sozialer Herkunft, um eine weitgehend homogene Gruppe zu bezeichnen, die faktisch die Gruppe der Arbeiterkinder „beerbt“ hat.

Siehe auch: Soziale Herkunft

Zur englischen Sprachregelung: working class und poverty class / Straddler

Im englischen Sprachgebrauch werden die Begriffe „workingclass background“ (Arbeiterklasse-Hintergrund) und „povertyclass background“ (Herkunft aus der Klasse der Armen) voneinander unterschieden.

In den USA existiert seit 1995 eine Gruppe mit dem Namen Workingclass Academics. Sie fĂŒhren einmal jĂ€hrlich die WCA-Tagung zum Thema Benachteiligung von Studierenden mit einer Herkunft aus Arbeiterfamilien und armen Familien durch. Im Jahr 2003 fand diese Tagung in Großbritannien statt. Arbeiterkinder, die trotz der Bildungsbenachteiligung aufsteigen, werden im englischen Sprachgebrauch auch als Straddler (von engl.: to straddle = spreizen) bezeichnet, da sie sich mit dem einem Bein in der Arbeiterklasse (blue collar = Blaukittel), mit dem anderen in einer höheren Schicht (white collar = AnzugtrĂ€ger) befinden. Hierzu gibt es in den USA viel autobiographische Literatur.

Migrantenkinder als Arbeiterkinder

Charakter in einem Graffiti-Bild des Mainzer Writers Can2

Von 1954 bis 1973 warb die Bundesrepublik Deutschland gezielt ArbeitskrĂ€fte im Ausland. 1973, im Jahr des Anwerbestopps, lebten hier bereits 4 Millionen so genannte „Gastarbeiter“. Ihre Kinder werden auch oft Migranten der zweiten (bzw. inzwischen dritten) Generation genannt.

Migrantenkinder erfahren in Deutschland eine institutionalisierte Diskriminierung im Bildungswesen. AuffĂ€llig ist, dass tĂŒrkische Migrantentöchter sehr viel hĂ€ufiger ein Studium beginnen als tĂŒrkische Migrantensöhne.

Unter Migrantenkindern (vor allem unter den tĂŒrkischen) ist (Stand 2004) die sogenannte Kanak Sprak als subkulturelles und identitĂ€tsstiftendes Element weit verbreitet.[21]

Durch Arbeiterkinder geprÀgte Jugendkulturen

Arbeiterkinder prÀgten diverse Jugendkulturen.

In der Rockmusik existierten seit jeher spezielle, auch sozial bedingte musikalische PrĂ€ferenzen. Hörer aus Arbeiterfamilien beziehen mit ihrer Musik hĂ€ufig Stellung gegen eine höhere soziale Schicht und konstruieren sich auf diese Weise ein „Wir-GefĂŒhl“. Sie lehnen oft komplexere musikalische Strukturen als dem BildungsbĂŒrgertum zugehörig ab und bevorzugen eine eher „geradlinige“ Musik. Dies korreliert auch mit der Herkunft vieler, speziell britischer Rockmusiker – wie z. B. Eric Burdon, Rod Stewart oder der Beatles –, fĂŒr welche die Musik hĂ€ufig die einzig reelle Möglichkeit zum sozialen Aufstieg innerhalb des relativ starren britischen Klassensystems war.[22]

In den frĂŒhen 1960er-Jahren entstanden die Mods. Diese suchten sich durch teure Kleidung von ihrer Herkunft aus der Arbeiterklasse zu distanzieren.

Englische Arbeiterjugendliche ĂŒbernahmen Ende der 1960er-Jahre den Stil der jamaikanischen Rude boys. Aus der schwarzen Rude Boy- und der weißen Mod-Szene entwickelte sich in den britischen Arbeitervierteln die Jugendbewegung der Skinheads. Diese grenzten sich von den Mods ab durch das Tragen von typischer Arbeiterkleidung. Sie wollten die Werte der verschwindenden traditionellen Arbeiterkultur ihrer Heimat aufrechterhalten, was sich durch ihre Kleidung und ihr Verhalten ausdrĂŒckte.

Auch die Punk-Bewegung hat ihre Wurzeln sehr stark in den westeuropĂ€ischen Arbeitervierteln. So war die englische Punk-Musik vormals unter dem Begriff Working Class Rock’n’Roll gelĂ€ufig (Siehe auch Oi!).

Im französischen und italienischen Sprachgebrauch fiel Ende der 1960er-Jahre des Öfteren der Terminus Arbeiter-Studenten. Hiermit waren Studierende aus der Arbeiterklasse gemeint. Diese beteiligten sich in den Mai-Unruhen an der besetzten UniversitĂ€t Sorbonne oder an Hausbesetzungen in Italien. Auch in Deutschland gab es Ende der 1960er-/Anfang der 1970er-Jahre Hausbesetzungen von Jugendlichen aus Arbeiterfamilien. So ist zum Beispiel das Georg-von-Rauch-Haus in Berlin fast ausschließlich von Arbeiterjugendlichen besetzt worden. Studenten wurden dort geduldet, linke Uni-Professoren hingegen nicht.

Zumindest in Deutschland entstammten die Protagonisten der frĂŒhen Punkbewegung jedoch fast durchweg dem bĂŒrgerlichen Milieu.

Auch der Hip-Hop hat seine UrsprĂŒnge in der urbanen Unterschicht. Vor allem in US-amerikanischen InnenstĂ€dten, aus denen die Industriebetriebe seit den 1970ern wegzogen, wodurch die Arbeitslosenrate unter den schwarzen Arbeiterkindern auf bis zu 40 % stieg, entwickelten diese den Hip-Hop mit seinen AusprĂ€gungen Rap, (MCing), DJing, Breakdance und Writing zu einer immer populĂ€rer werdenden Subkultur. In Deutschland entwickelten seit den 1980er Jahren tĂŒrkische Arbeiterkinder den tĂŒrkischen Hip-Hop.

In den letzten Jahren hat sich der ursprĂŒnglich rassistische und klassistische Begriff White Trash (Weißer MĂŒll), Ă€hnlich wie Nigger bei den Menschen afrikanischer Herkunft, unter Weißen zur Marke entwickelt. KĂŒnstler gehen heute offener mit ihrer proletarischen Herkunft um und kokettieren sogar damit. Diese Entwicklung ist wahrscheinlich dem Wunsch nach einer kulturellen IdentitĂ€t dieser KĂŒnstler geschuldet und als solche wohl eine Reaktion auf den Urbanismus der Schwarzen, die gern damit prahlen, aus dem Ghetto zu stammen, auch wenn dies oft nicht der Wahrheit entspricht.

Bildungsbenachteiligung

Laut Grundgesetz darf in Bundesrepublik Deutschland niemand auf Grund seiner Herkunft, worunter die soziale Herkunft zu verstehen ist, benachteiligt werden. TatsĂ€chlich konstatieren diverse Bildungsstudien eine Bildungsbenachteiligung in der Bundesrepublik Deutschland von Menschen mit einer niedrigen sozialen Herkunft. Bis in die 1980er Jahre hat diese Diskriminierung abgenommen. Seit 1990 nimmt sie wieder zu. Dabei hat sich die soziale Benachteiligung verschoben: wĂ€hrend noch in den 1970er Jahren „Katholische Arbeitertochter vom Land“ eine Formel fĂŒr Mehrfachbenachteiligung war, wird heute eher vom „TĂŒrkischen Jugendlichen aus dem Problemviertel“ gesprochen. Geblieben ist als Merkmal einer extremen Bildungsbenachteiligung die Herkunft aus Arbeiterfamilien.

Quantitative Bildungsstudien wie PISA und die DSW-Sozialerhebung[23] beziehen sich im Wesentlichen nicht mehr auf den Begriff Arbeiterkind, sondern stellen verschiedene Merkmale zusammen, die eine weitgehend homogene Gruppe abbilden. So spricht die PISA-Studie vom ESCS-Index, womit gemeint ist, dass der ökonomische, soziale und kulturelle Status zu einer Kategorie zusammengefasst wird. Sie weisen auf eine sehr starke Bildungsbenachteiligung hin. Ähnlich verfĂ€hrt die DSW-Sozialerhebung.

Die Gruppe der Kinder von niedriger sozialer Herkunft beerbt faktisch in der Bildungsbenachteiligung die Gruppe der Arbeiterkinder. Zudem existierten noch immer Arbeiter in traditionellen Arbeiterberufen, deren Kinder einen großen Anteil der Gruppe mit niedriger Herkunft ausmachen. Heute, nach 1990, wird also erneut diskutiert ĂŒber die Benachteiligung von "Arbeiterkindern", da sie nicht ihrem Anteil an der Population gemĂ€ĂŸ an Hochschulen vertreten sind. Ob dies den zwar leichteren, aber nicht schwellenlosen Zugangsbedingungn geschuldet ist, oder ob eine spezifische positive Diskriminierung dieses Personenkreis nötig wĂ€re, um mehr von ihnen zu qualifizierten AbschlĂŒssen zu befördern, ist strittig.

In qualitativen Studien zur Bildungsbenachteiligung wird heute noch ĂŒberwiegend der Terminus Arbeiterkind[24] [25] oder Arbeitertochter[26] [27] [28] [29] benutzt.

Gesundheitliche Auswirkungen

Wer in einer Arbeiterfamilie aufwĂ€chst hat ein doppelt so hohes Risiko fĂŒr Depressionen, wie ein Kind aus einer Mittelschichtfamilie.[30]

Kinder mit niedrigem sozialen Status sind besonders hĂ€ufig von Essstörungen betroffen, sie leiden hĂ€ufiger unter psychischen Krankheiten wie zum Beispiel HyperaktivitĂ€t.[31] Junge MĂ€dchen aus unteren Sozialschichten werden im Vergleich hĂ€ufiger schwanger als jugendliche Angehörige der Mittel- bzw. Oberschicht. In diesem Zusammenhang steht auch die Schulbildung, die einen wesentlichen Faktor darstellt. FĂŒr MĂ€dchen mit niedrigerem Bildungsniveau besteht eine statistisch höhere Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden.[32]

Hauptartikel: Sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen

Arbeiterkinder in den Medien

Filme mit Kindern aus dem Arbeitermilieu
Filme ĂŒber Jugendliche in sogenannten Problemvierteln
Milieuskizzen von Arbeiterfamilien in Fernsehsendungen
TheaterstĂŒcke ĂŒber Arbeiterkinder
  • Grips-Theater: Balle Malle Hupe und Arthur, Doof bleibt Doof, Ein Fest bei Papadakis, Das hĂ€ltste ja im Kopf nicht aus, Alles Gute
Arbeiterkinder in Liedern

Liste bekannter Arbeiterkinder

Siehe auch

Literatur

Literatur zur Geschichte

  • Wolfgang Abendroth: EinfĂŒhrung in die Geschichte der Arbeiterbewegung. Von den AnfĂ€ngen bis 1993. Heilbronn 1997 ISBN 3-929348-08-X.
  • Siegfried Baske, Martha Engelbert (Hrsg.): Zwei Jahrzehnte Bildungspolitik in der Sowjetzone Deutschlands. Dokumente 1945–1965 Teil 1 und 2. Osteuropa-Institut der Freien UniversitĂ€t Berlin 1966.
  • Regina Becker-Schmidt, Gudrun-Axeli Knapp (1985): Arbeiterkinder gestern, Arbeiterkinder heute. ISBN 3-87831-417-5.
  • Ulla Hahn: Das verborgene Wort. Dtv, 2003, ISBN 3-423-13089-X.
  • Edwin Hoernle: Grundfragen proletarischer Erziehung. Hrsg. von Lutz von Werder und Reinhart Wolff, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-436-01878-3.
  • Hermann Kant: Die Aula. Roman, Berlin 2004 ISBN 3-7466-1190-3.
  • Klaus Kordon: 1848. Die Geschichte von Jette und Frieder. Roman, Weinheim und Basel 1998 ISBN 3-407-79761-3.
  • Klaus Kordon: Die roten Matrosen oder Ein vergessener Winter. Roman, Weinheim und Basel 1998 ISBN 3-407-78771-5.
  • Klaus Kordon: Mit dem RĂŒcken zur Wand. Roman, Weinheim und Basel 1999 ISBN 3-407-80061-4.
  • Klaus Kordon: Der erste FrĂŒhling. Roman, Weinheim und Basel 1999 ISBN 3-407-79615-3.
  • Sebastian Kurme: Halbstarke. Jugendprotest in den 1950er Jahren in Deutschland und den USA. Campus Forschung, New York und Frankfurt 2006, ISBN 978-3-593-38175-6.
  • Gero Lenhardt, Manfred Stock: Bildung, BĂŒrger, Arbeitskraft. Schulentwicklung und Sozialstruktur in der BRD und der DDR. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-518-28921-7.
  • Martin Andersen Nexö: Ditte Menschenkind. Aufbau-Tb-Verlag. ISBN 3-7466-5123-9.
  • Otto RĂŒhle ([1906]): Kinder-Elend. Proletarische Gegenwartsbilder, o. J.
  • Otto RĂŒhle (1911; 1922): Das proletarische Kind. Eine Monographie.
  • Otto RĂŒhle (1925): Die Seele des proletarischen Kindes.
  • Otto RĂŒhle Das Proletarische Kind. MonatsblĂ€tter fĂŒr proletarische Erziehung. Verlag am andern Ufer, Dresden und Leipzig (1. Jg. 1925 – 2. Jg. 1926).
  • Martin Stadelmeier (1987): Zwischen Langemark und Liebknecht. Arbeiterjugend und Politik im Ersten Weltkrieg.
  • Bruno Schoning (Hrsg.): Arbeiterkindheit. Kindheit und Schulzeit in Arbeiterlebenserinnerungen. PĂ€d. extra Buchverlag, reprint 5, Bensheim 1979, ISBN 3-921450-73-X.

Literatur zum Gesellschaftsstrukturwandel

  • Joachim Bischoff, Sebastian Herkommer, Hasko HĂŒning (Hrsg.): Unsere Klassengesellschaft. Verdeckte und offene Strukturen sozialer Ungleichheit. Hamburg 2002, ISBN 3-87975-861-1.
  • Steffani Engler, Beate Krais (Hrsg.): Das kulturelle Kapital und die Macht der Klassenstrukturen. Sozialkulturelle Verschiebungen und Wandlungsprozesse des Habitus. Weinheim und MĂŒnchen 2004, ISBN 3-7799-1582-0.
  • Michael Hartmann: Der Mythos von den Leistungseliten. Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft. Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-593-37151-0.
  • Stefan Hradil: Soziale Ungleichheit in Deutschland. 8. Auflage, Wiesbaden 2005, ISBN 3-8100-3000-7.
  • Andreas Kemper, Heike Weinbach: Klassismus. Eine EinfĂŒhrung. Unrast Verlag, MĂŒnster 2009, ISBN 978-3-89771-467-0.
  • Franz Schultheis, Kristina Schulz (Hrsg.): Gesellschaft mit begrenzter Haftung. Zumutungen und Leiden im deutschen Alltag. Konstanz 2005, ISBN 3-89669-537-1.
  • Michael Vester, Peter von Oertzen, Heiko Geiling, Thomas Hermann, Dagmar MĂŒller: Soziale Milieus im gesellschaftlichen Strukturwandel. Zwischen Integration und Ausgrenzung. Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-28912-8.

Literatur zur Benachteiligung von Arbeiterkindern

  • Viyan C. Adair, Sandra L. Dahlberg (Hrsg.): Reclaiming Class. Women, Poverty, and the Promise of Higher Education in America. Philadelphia 2003, ISBN 1-59213-022-4.
  • bell hooks: Where we Stand: Class Matters. New York 2000, ISBN 0-415-92913-X.
  • Peter A. Berger, Heike Kahlert (Hrsg.): Institutionalisierte Ungleichheiten. Wie das Bildungswesen Chancen blockiert. Weinheim und MĂŒnchen 2005, ISBN 3-7799-1583-9.
  • Hannelore Bublitz (1980): Ich gehörte irgendwie so nirgends hin: Arbeitertöchter an der Hochschule. ISBN 3-88349-208-6.
  • Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-28258-1.
  • Ralf Dahrendorf (1965): Arbeiterkinder an deutschen UniversitĂ€ten. Mohr Siebeck, ISBN 3-16-517471-7.
  • Leslie Feinberg: TrĂ€ume in den erwachenden Morgen. Stone Butch Blues. Roman, Berlin 2003, ISBN 3-930041-35-9.
  • Erika Haas (1999): Arbeiter- und Akademikerkinder an der UniversitĂ€t. Eine geschlechts- und schichtspezifische Analyse. ISBN 3-593-36223-6.
  • Wolfgang Isserstedt, Elke Middendorff, Steffen Weber, Klasu Schnitzer, AndrĂ€ Wolter: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2003. 17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes durchgefĂŒhrt durch HIS Hochschul-Informations-System. Bonn, Berlin 2004 (Herausgegeben vom Bundesministerium fĂŒr Bildung und Forschung).
  • Heinz Kluth/Ulrich Lohmar/Rudolf Tartler (Hrsg.): Arbeiterjugend gestern und heute, 1955.
  • Alfred Lubrano: Limbo. Blue-Collar Roots, White-Collar Dreams. New Jersey 2004, ISBN 0-471-71439-9.
  • Walter MĂŒller, Reinhard Pollak (2004): Weshalb gibt es so wenige Arbeiterkinder in Deutschlands UniversitĂ€ten?. S. 311–352. In: Rolf Becker, Wolfgang Lauterbach (Hrsg.): Bildung als Privileg? ErklĂ€rungen und Befunde zu den Ursachen der Bildungsungleichheit. Wiesbaden.
  • Jake Ryan, Charles Sackery: Strangers in Paradise. Academics from the Working Class. Lanham, New York, London 1995, ISBN 0-7618-0142-1.
  • Anne SchlĂŒter (Hrsg.): Arbeitertöchter und ihr sozialer Aufstieg. Zum VerhĂ€ltnis von Klasse, Geschlecht und sozialer MobilitĂ€t. Deutscher Studienverlag, Weinheim 1992.
  • Anne SchlĂŒter (Hrsg.): BildungsmobilitĂ€t. Studien zur Individualisierung von Arbeitertöchtern in der Moderne. Deutscher Studienverlag, Weinheim 1993.
  • Michelle Tea (Hrsg.): Without a Net. The Female Experience of Growing up Working Class. Emeryville 2003, ISBN 1-58005-103-0.
  • Gabriele Theling: Vielleicht wĂ€re ich als VerkĂ€uferin glĂŒcklicher geworden: Arbeitertöchter & Hochschule. MĂŒnster 1986, ISBN 3-924550-18-2.

Literatur zur Arbeiterkinderkultur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Pierre Bourdieu: Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt am Main 1987.
  2. ↑ Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms, 1875. MEW 19:13–32.
  3. ↑ J. F. Bergier: Das IndustriebĂŒrgertum und die Entstehung der Arbeiterklasse 1700-1914. In: Carlo M. Cipolla (Hrsg.): EuropĂ€ische Wirtschaftsgeschichte in 4 BĂ€nden. Band 3: Die Industrielle Revolution, S. 283 und 284.
  4. ↑ F. W. Henning: Die Industrialisierung in Deutschland 1800 bis 1914, S. 194.
  5. ↑ Child Labor and the Division of Labor in the Early English Cotton Mills
  6. ↑ F. W. Henning: Die Industrialisierung in Deutschland 1800 bis 1914, S. 195.
  7. ↑ Sigrid von den Steinen: PĂ€dagogik der frĂŒhen Kindheit
  8. ↑ Klaus Kordon: Die roten Matrosen oder Ein vergessener Winter. Roman, Weinheim und Basel 1998.
  9. ↑ Klaus Kordon: Mit dem RĂŒcken zur Wand. Roman, Weinheim und Basel 1999.
  10. ↑ Klaus Kordon: Der erste FrĂŒhling. Roman, Weinheim und Basel 1999.
  11. ↑ Otto RĂŒhle: Zur Psychologie des proletarischen Kindes, 1975.
  12. ↑ Otto RĂŒhle: Die Seele des proletarischen Kindes, 1925.
  13. ↑ Rainer Geißler: Die Sozialstruktur Deutschlands – Zur gesellschaftlichen Entwicklung, S. 288.
  14. ↑ Lenhardt/Stock: Bildung, BĂŒrger, Arbeitskraft, 1997, S. 115.
  15. ↑ Ralf Dahrendorf: Arbeiterkinder an deutschen UniversitĂ€ten, 1965, S. 9.
  16. ↑ Sebastian Kurme: Halbstarke. Jugendprotest in den 1950er Jahren in Deutschland und den USA, S. 178 ff.
  17. ↑ veh-ev.info
  18. ↑ Michael Vester, Peter von Oertzen, Heiko Geiling, Thomas Hermann, Dagmar MĂŒller: Soziale Milieus im gesellschaftlichen Strukturwandel. Zwischen Integration und Ausgrenzung. Frankfurt am Main 2001.
  19. ↑ Franz Schultheis, Kristina Schulz (Hrsg.): Gesellschaft mit begrenzter Haftung. Zumutungen und Leiden im deutschen Alltag. Konstanz 2005, S. 557.
  20. ↑ 17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes, S. 471 f.
  21. ↑ Feridun Zaimoglu: Kanak Sprak: 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft. 6. Auflage. Rotbuch, Hamburg 2004.
  22. ↑ Tibor Kneif: Ästhetische und nichtĂ€sthetische Wertungskriterien in der Rockmusik, S. 105 und 107. In: Wolfgang Sandner (Hrsg.): Rockmusik – Aspekte zur Geschichte, Ästhetik, Produktion.
  23. ↑ Wolfgang Isserstedt, Elke Middendorff, Steffen Weber, Klaus Schnitzer, AndrĂ€ Wolter: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2003. 17. Sozialerhebung des deutschen Studentenwerkes durchgefĂŒhrt durch das HIS (Hochschul-Informations-System), Bonn, Berlin 2004.
  24. ↑ Erika Haas (1999): Arbeiter- und Akademikerkinder an der UniversitĂ€t. Eine geschlechts- und schichtspezifische Analyse.
  25. ↑ Walter MĂŒller, Reinhard Pollak (2004): Weshalb gibt es so wenige Arbeiterkinder in Deutschlands UniversitĂ€ten?. S. 311–352. In: Rolf Becker, Wolfgang Lauterbach (Hrsg.): Bildung als Privileg? ErklĂ€rungen und Befunde zu den Ursachen der Bildungsungleichheit. Wiesbaden.
  26. ↑ Hannelore Bublitz (1980): Ich gehörte irgendwie so nirgends hin: Arbeitertöchter an der Hochschule.
  27. ↑ Anne SchlĂŒter (Hrsg.): Arbeitertöchter und ihr sozialer Aufstieg. Zum VerhĂ€ltnis von Klasse, Geschlecht und sozialer MobilitĂ€t. Deutscher Studienverlag, Weinheim 1992.
  28. ↑ Anne SchlĂŒter (Hrsg.): BildungsmobilitĂ€t. Studien zur Individualisierung von Arbeitertöchtern in der Moderne. Deutscher Studienverlag, Weinheim 1993.
  29. ↑ Gabriele Theling: Vielleicht wĂ€re ich als VerkĂ€uferin glĂŒcklicher geworden: Arbeitertöchter & Hochschule. MĂŒnster 1986.
  30. ↑ Children from working-class families twice as likely to be depressed adults. Researcher says social inequalities and depression have roots in early life. In: Harvard Gazette — University News, Faculty Research & Campus Events. Harvard University, 22. Juni 2001, abgerufen am 7. Dezember 2010 (englisch).
  31. ↑ Ulf Meinke: Studie: Viele Kinder leiden unter Übergewicht und Depressionen. Jeder siebte Jugendliche hat emotionale Probleme, jeder fĂŒnfte Essstörungen. Kinder aus der Unterschicht sind besonders betroffen.. Westdeutsche Zeitung, 16. Mai 2007, abgerufen am 7. Dezember 2010.
  32. ↑ Dr. Britta BĂŒrger: Teenager-Schwangerschaft. In: Ratgeber - SexualitĂ€t & Partnerschaft. netdoktor.at, MĂ€rz 2001, abgerufen am 7. Dezember 2010.

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