Messias

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Messias

Der Begriff Messias (hebr├Ąisch Î×ÎęÎÖÎŚ Maschiach oder Moschiach, aram├Ąisch Meschiah, in griechischer Transkription ╬ť╬Á¤â¤â╬»╬▒¤é, ins Griechische ├╝bersetzt ╬ž¤ü╬╣¤â¤ä¤î¤é Christos, latinisiert Christus) stammt aus dem Tanach und bedeutet ÔÇ×der GesalbteÔÇť.

Inhaltsverzeichnis

├ťberblick

Im Tanach, der hebr├Ąischen Bibel, bezeichnet dieser Hoheitstitel einen von JHWH (Jahwe) erw├Ąhlten und bevollm├Ąchtigten Menschen mit besonderen Aufgaben f├╝r sein Volk Israel: meist den K├Ânig, sp├Ąter auch den Hohenpriester, im ├╝bertragenen Sinn auch einen von Gott inspirierten wahren Propheten.

Nach dem Untergang des Reichs Juda (586 v. Chr.) k├╝ndigten einige biblische Propheten einen Retter und Friedensbringer der Endzeit an. Die Septuaginta ├╝bersetzte Maschiach stets mit Christos. Das Urchristentum bezeichnete Jesus von Nazaret mit diesem griechischen Titel, latinisiert ÔÇ×der ChristusÔÇť. Mit dem zum Eigennamen gewordenen Glaubensbekenntnis ÔÇ×Jesus ChristusÔÇť dr├╝ckten die j├╝dischen Anh├Ąnger Jesu aus, dass Gott in diesem Menschen seinen endg├╝ltigen Heilswillen offenbart und die prophetischen Verhei├čungen zu erf├╝llen begonnen habe.

Die Deutungen des biblischen Begriffs haben sich durch die gegenseitige Abgrenzung von Juden- und Christentum auseinander entwickelt. Die an eine menschliche Einzelperson gekn├╝pfte Hoffnung auf endg├╝ltigen Weltfrieden wirkte vielfach auch auf politische Ideologien ein (siehe dazu Messianismus).

Hebr├Ąische Bibel

Im Tanach findet man entweder historische Personen, die Maschiach genannt wurden, an die man aber keine endzeitlichen Heilserwartungen kn├╝pfte, oder endzeitliche Heilserwartungen an eine Retter- und Mittlergestalt, die nicht Maschiach genannt wird.

Der Bevollm├Ąchtigte Gottes

Der Ausdruck ÔÇ×der Gesalbte" stammt von einem altorientalischen Ritual der Salbung hoher Beamter. In der Bibel salbt jedoch kein K├Ânig einen Nachfolger, Minister oder Vasallen. Vielmehr berufen Propheten damit einen zuvor Unbekannten oder Oppositionellen (1_Sam 16,13 EU; 2_Sam 2,4 EU; 2_K├Ân 9,3 EU u.a.) noch vor ihrer Akklamation durch das Volk f├╝r ihr k├╝nftiges Amt. Demgem├Ą├č bezeichnet die Begriffskombination Gesalbter JHWHs von Gott ÔÇ×erw├ĄhlteÔÇť K├Ânige Israels (Ps 2,2 EU; Ps 18,51 EU; Ps 20,7 EU; Ps 132,10.17 EU).

So salbt Samuel (Prophet) im Auftrag Gottes Saul zum Retter vor der Bedrohung durch die Philister (1_Sam 10,1f EU). Nach ersten milit├Ąrischen Erfolgen best├Ątigt eine Loswahl Saul (1_Sam 10,21 EU), nach weiteren macht eine St├Ąmmeversammlung ihn zum K├Ânig (1_Sam 11,15 EU). In seiner Abschiedsrede ├╝bergibt Samuel ihm sein theopolitisches F├╝hrungsamt (1_Sam 12,3.5 EU). Daher bezeichnete Maschiach wohl urspr├╝nglich einen prophetisch berufenen Anf├╝hrer, der die fr├╝here vorstaatliche Rolle der spontan und situationsbedingt auftretenden, charismatischen ÔÇ×Richter", Gottes Volk vor ├╝berm├Ąchtigen ├Ąu├čeren Feinden zu retten, ├╝bernehmen und verstetigen sollte. Jene ├╝berkam Gottes Geist unmittelbar; nun galt Geistbegabung als Folge der Salbung durch einen Propheten (1_Sam 10,1.6 EU; 1_Sam 16,13 EU; 2_Sam 23,1f EU), war also Ausdruck einer mittelbaren Theokratie.

Im S├╝dreich Juda, das anders als das Nordreich Israel eine stabile K├Ânigsdynastie ausbildete, erscheint die Salbung dann h├Ąufig vor oder bei einer Thronbesteigung (2_Sam 19,11 EU; 1_K├Ân 1,39 EU; 2_K├Ân 11,12 EU). Sie stellte den zuk├╝nftigen K├Ânig unter Gottes Schutz und machte ihn damit unantastbar (1_Sam 24,7.11 EU; 2_Sam 1,14ff EU; Ps 89,21ff EU), verpflichtete ihn so aber auch, Gottes Willen f├╝r Israel zu befolgen (1_Sam 9,16 EU). Der gesalbte F├╝hrer galt damit als irdischer Diener und Vertreter Gottes, der f├╝r das Gottesvolk sorgen, es gerecht regieren, vor Fremdherrschaft bewahren und aus Unterdr├╝ckung befreien sollte. Wenn er versagte, konnte Gott ihn ÔÇ×verwerfen", indem ein Prophet ihm Gottes Gericht, z.B. Niederlagen gegen Fremdherrscher oder Abl├Âsung, ank├╝ndigte.

Maschiach bedeutete also zur Leitung Israels nach Gottes Willen ÔÇ×Bevollm├ĄchtigterÔÇť: Der K├Ânig steht biblisch immer unter Gott. Deshalb konnte nach dem Untergang des K├Ânigtums auch ein fremder Gro├čherrscher, der Perserk├Ânig Kyros, als Maschiach, also Vollstrecker des Willens Gottes f├╝r Israel, bezeichnet werden (Jes 45,1 EU).

Im oder nach dem Babylonischen Exil wurde der verwaiste Titel auf den Hohenpriester ├╝bertragen. Diese wurden zuvor zwar auch durch Salbung f├╝r ihren Tempeldienst geweiht, aber nicht ausdr├╝cklich als ÔÇ×GesalbterÔÇť bezeichnet (Ex 29 EU; Lev 4,3ff.16 EU). Sie erhielten nun anstelle des K├Ânigs auch politische Vollmachten. Diesen Priestertitel enthalten fr├╝hestens ab 200 v. Chr. entstandene und sp├Ąt in den Tanach aufgenommene B├╝cher (1_Chr 29,22 EU; Sir 45,15 EU; 2_Makk 1,10 EU). Die Entweihung des Tempels durch Antiochos IV. Epiphanes (um 170 v. Chr.) beendete diese Tradition; erst im k├╝nftigen Reich Gottes werde der Tempel neu geweiht werden (Dan 9,25 EU).

Nur selten werden auch Propheten gesalbt (1_K├Ân 19,16 EU); Tritojesaja wird im ├╝bertragenen Sinn als von Gottes Geist Gesalbter bezeichnet (Jes 61,1 EU). Auch die Erzv├Ąter werden in Ps 105,5 EU einmal ÔÇ×Propheten und GesalbteÔÇť genannt.

Der endzeitliche Heilsbringer

Israels Propheten k├╝ndeten angesichts des nahen Endes des K├Ânigtums (722 und 586 v. Chr.) nicht einfach dessen k├╝nftige ideale Erneuerung an, sondern eine endzeitliche Rettergestalt, deren Kommen alles ver├Ąndern werde. Dieser Heilsbringer ist f├╝r sie auch ein von Gott erw├Ąhlter Mensch, bringt aber im Gegensatz zu allen historischen F├╝hrungspersonen eine radikale Wende zum Schalom (Frieden, Heil, Wohl f├╝r alle). Seine Aufgabe ist nicht vor├╝bergehend, befristet und widerrufsf├Ąhig, sondern endg├╝ltig und ewig. Wohl deshalb vermieden die Propheten, diese Gestalt als Maschiach zu bezeichnen.

Als Weissagungen eines endzeitlichen Heilsbringers gelten:

Zugleich wurden ├Ąltere Texte, die auf gesalbte K├Ânige bezogen waren, im und nach dem Exil auf den zuk├╝nftigen Heilsbringer gedeutet oder mit endzeitlichen Heilsweissagungen erg├Ąnzt, darunter:

  • die Zusage der ewigen Thronfolge an die Daviddynastie (2_Sam 7,12ff EU)
  • der K├Ânigspsalm Ps 2 EU
  • die Heilsverhei├čung des Amos (Am 9,11f EU)
  • die Verhei├čung eines Davidnachfolgers in der Bileamerz├Ąhlung (Num 24,17 EU)
  • die Zusage eines k├╝nftigen Herrschers an den Stamm Juda (Gen 49,10 EU).

Umstritten ist, ob auch

auf den Retter und Richter der Endzeit zu beziehen sind.

Jesaja

Jes 9,1ÔÇô6 gilt als erste echte messianische Weissagung. Der Schriftprophet Jesaja verk├╝ndet sie um 730 v. Chr. als Freudenbotschaft (Evangelium) an das von den Assyrern unterdr├╝ckte Volk Israel. Er verspricht ein baldiges Ende der Unterdr├╝ckung wie am Tag Midians (Ri 7), dar├╝ber hinaus ein Ende aller Gewaltherrschaft (v.4):

ÔÇ×Jeder Stiefel, der mit Gedr├Âhn einhergeht, und jeder durch Blut geschleifte Mantel wird verbrannt und vom Feuer verzehrt werden.ÔÇť

Grund daf├╝r sei die Geburt eines Kindes, das Gott zum k├╝nftigen Herrscher auf Davids Thron bestimmt habe. Jesaja legt ihm Thronnamen bei, die in Israel nicht f├╝r irdische K├Ânige ├╝blich, sondern Gott selbst vorbehalten waren (v.5): der Wunderbares plant, m├Ąchtiger Gott, ewiger Vater, Friedef├╝rst. Seine Herrschaft werde weit reichen und Frieden ohne Ende bringen; sie werde auf Recht und Gerechtigkeit - Befolgung der Tora - gegr├╝ndet sein und deshalb von nun an bis in Ewigkeit andauern (v.6).

Jes 11,1ÔÇô10 f├╝hrt die auf das Gottesrecht gest├╝tzte Regentschaft des Gottgesandten aus: Er werde aus dem Stumpf Isais hervorgehen (v.1). Da auf diesem ÔÇ×Spross" Gottes Geist ruhe, werde er alle K├Ânigstugenden wie Weisheit, Einsicht, Entschlusskraft, Erkenntnis und Gottesfurcht vereinen (v.2). Diese w├╝rden ihn bef├Ąhigen, ohne R├╝cksicht auf Augenschein und Ger├╝cht die Armen gerecht zu richten, die Gewaltt├Ąter aber zu schlagen: allein mit dem Stab (Zepter) seines Mundes, also mit dem Richtspruch selbst (v.4). Diese Gerechtigkeit werde die ganze Sch├Âpfung verwandeln und den Fluch von Gen 3 aufheben: W├Âlfe und Schafe, Kinder und Giftschlangen leben eintr├Ąchtig zusammen (v.6ff). Die ganze Erde werde Gott erkennen, so dass niemand mehr Unrecht tut (v.9). Der Regent werde als Zeichen dastehen, das die V├Âlker bewege, nach Gott zu fragen (v.10).

Herkunft und Anlass dieser Heilsverhei├čungen sind ungekl├Ąrt. Antike Vorbilder fehlen, da die orientalischen Gro├čreiche gott├Ąhnliche Hoheitstitel sonst gerade zur ├ťberh├Âhung und Absicherung eines bestehenden K├Ânigtums, nicht als unerwartete Zukunftshoffnung f├╝r ein ohnm├Ąchtiges, schutzloses Volk der Unterdr├╝ckten verk├╝ndeten. Auch eine Erkl├Ąrung aus der Zusage ewiger Thronfolge an David (2 Sam 7,12ff) greift zu kurz: Jesajas ÔÇ×Friedef├╝rst" ist weder ein neuer Eroberer und Gro├čherrscher wie K├Ânig David noch ein Gott neben Gott. Denn er f├╝hrt keinen Krieg mehr, sondern herrscht erst, nachdem Gott selbst die Kriegsgewalt beseitigt hat, indem er Gottes heilvolle Rechtsordnung ohne eigene Macht durchsetzt und bewahrt. Der R├╝ckgriff auf Davids Vater Isai l├Ąsst Kritik an der Daviddynastie erkennen, die hier als abgehauener Baum erscheint, obwohl sie noch bestand.[1]

Judentum

Au├čerbiblische Messiaserwartungen

Zwischen etwa 200 v. und 100 n. Chr. wurden nur noch Personen der vorstaatlichen Heilsgeschichte und das ganze Gottesvolk Israel, aber nicht mehr K├Ânige Gesalbte genannt: auch nicht K├Ânig David, selbst dort nicht, wo seine Salbung mit ÔÇ×heiligem ├ľlÔÇť erw├Ąhnt ist (Ps 151,4ff EU). Dies zeigt ein Misstrauen, den Titel auf Gestalten der politisch erlebten Geschichte anzuwenden. ÔÇ×Als Gesalbter l├Ąsst sich zur Zeit Jesu und der Urchristen allein bezeichnen, wer Gott einzigartig und durch nichts beeintr├Ąchtigt zugeh├Ârt.ÔÇť[2]

In 17 der Schriftrollen vom Toten Meer (entstanden 250 v. - 40 n. Chr.) ist der Maschiach-Titel belegt.[3] Er wurde dort nur einmal auf einen k├╝nftigen Davidspross (4Q PB), sonst immer auf einen k├╝nftigen Hohenpriester bezogen. 1QS IX,9-11 (Gemeinderegel) redet von den Messiassen Aarons und Israels im Plural: Dies kn├╝pfte an die Verhei├čung Sacharjas von den beiden harmonisch regierenden ├ľls├Âhnen Sach 4,14 EU an und zeigt eine theologische Opposition gegen die damals regierenden Hasmon├Ąer. Deren Regenten vereinten Priester- und K├Ânigsamt, ohne sich aber salben, also von Gott legitimieren zu lassen.[4] Sie, die Herodianer und ihre nach j├╝discher Herrschaft strebenden Gegner nannten sich nicht Gesalbter, sondern K├Ânig. Auch Hohepriester jener Zeit wurden nicht gesalbt.

Die Psalmen Salomos 17 und 18 (gro├čenteils in der 2. H├Ąlfte des 1. Jh. v. Chr. entstanden) enthalten die umfassendste fr├╝hj├╝dische Schilderung des erwarteten Wirkens eines Gesalbten des Herrn als k├╝nftigem Heilsk├Ânig und Davidnachkommen, der die s├╝ndigen Heiden aus Pal├Ąstina vertreibt, aber zugleich die V├Âlkerwallfahrt zum Zion ausl├Âst. Er erkennt selbst Gott als seinen K├Ânig an, wird von ihm unterwiesen und setzt sein Vertrauen ausschlie├člich auf ihn. In seinem Wirken ist er von Gott abh├Ąngig, der ihn mit heiligem Geist stark, weise und gerecht gemacht hat (PsSal 17, 32-40).[5]

Die apokalyptischen Bilderreden des ├äthiopischen Henochbuchs (ca. 50 n. Chr.) verbinden zwei im Tanach unausgeglichen nebeneinander verhei├čene Mittlergestalten: den Heilsbringer auf dem K├Ânigsthron Davids (Jes 9) und den Menschen├Ąhnlichen aus dem Himmelsbereich (Dan 7), ohne ihn ÔÇ×DavidssohnÔÇť zu nennen.

Im Buch 4. Esra (um 100 n. Chr.)[6] ist der Messias ein Heilsbringer auf Zeit. F├╝r die Getreuen, die endzeitliche Katastrophen ├╝berlebt haben, schafft er eine 400-j├Ąhrige Friedenszeit, an deren Ende er, gemeinsam mit allen Menschen, stirbt, bevor eine neue Weltzeit erwacht (4. Esra 7, 28-29).

Die aram├Ąischen Bibelhandschriften aus dem 2. Jahrhundert (Targumim) machen - wohl auch unter dem Eindruck christlicher ├ťberlieferung - Messiasbez├╝ge des Tanach explizit. So wird ÔÇ×SprossÔÇť etwa in Sach 3,8 EU mit ÔÇ×MessiasÔÇť ├╝bersetzt, und der Gottesknecht Deuterojesajas wird mit dem Messias identifiziert, sogar Jes 53,5 EU umgeschrieben mit dem Hinweis auf einen Neubau des Tempels: ÔÇ×Und er wird das Heiligtum bauen, das durch unsere Schulden entweiht und durch unsere S├╝nden preisgegeben worden war.ÔÇť[7]

Im syrischen Baruch (Anfang 2. Jh. n. Chr.)[8] werden dem Messias zwei Bedeutungen zugemessen. Zum einen gelangen die Gerechten nach seiner Rückkehr zu Gott zu neuem Leben in Einmütigkeit (syrBar 30,1ff), zum andern beginnt mit seiner Thronbesteigung am Ende einer von ihm veranlassten Ära der Demütigung eine Ära harmonischer Sabbat-Ruhe (syrBar 73,1f).

Rabbinisches Judentum

In den nachbiblischen j├╝dischen Schriften, Mischna und Talmud, sowie in den Gebeten und Liturgien erh├Ąlt die Messiashoffnung einen wichtigen Platz. Das Achtzehnbittengebet bittet mit der 14. Bitte um die Wiederherstellung der Tempelstadt Jerusalem und des Davidthrons. Die 15. Bitte lautet:

ÔÇ×Den Spross deines Knechtes David lasse bald emporsprie├čen, sein Szepter erh├Âhe durch deine Befreiung, denn auf deine Befreiung hoffen wir den ganzen Tag.ÔÇť

Auch im Kaddisch findet man eine ├Ąhnliche Bitte. Im Morgengebet der Sabbatliturgie hei├čt es:

ÔÇ×Nichts ist neben dir, unser Erl├Âser, in den Tagen des Gesalbten, und keiner ist dir ├Ąhnlich, unser Befreier, wenn du die Toten belebst.ÔÇť

Hier wird deutlich, dass die messianische Heilszeit noch in die menschliche Geschichte f├Ąllt, w├Ąhrend die Auferstehung der Toten allein Gottes Sache bleibt. Gem├Ą├č dem 1. Gebot kann der Heilsbringer f├╝r Juden nur ein menschliches Wesen, kein Gott, Teil Gottes oder Halbgott sein. Er kann auch nach seinem Erscheinen nicht angebetet werden, da das Gebet nur dem einen, einzigen Gott geb├╝hrt.

Nach negativen Erfahrungen mit vielen israelitischen K├Ânigen und dem Untergang des K├Ânigtums und des ersten Tempels verschob sich die Bedeutung des Begriffs: Der Gesalbte werde ein neuer Lehrer sein, ├Ąhnlich wie Moses und Elija. Schon die vermutete Qumrangemeinschaft kannte einen solchen Lehrer der Gerechtigkeit mit endg├╝ltiger Weisheit und Durchsetzungskraft. Die Zeloten erwarteten einen politischen Befreier der Juden von der Fremdherrschaft der Griechen und R├Âmer. Eventuell dr├╝ckte die Bezeichnung des Simon Bar Kochba als ÔÇ×Sohn des LichtsÔÇť eine solche Messiaserwartung aus. Nach dem Untergang des Zweiten Tempels 70 n. Chr. trat diese politische Messiaserwartung zur├╝ck.

Systematisierung der Messiaserwartung

Vom Maschiach erwarten bibeltreue und orthodoxe Juden weiterhin, dass er als Mensch bestimmte Kriterien und Aufgaben erf├╝llen wird, die die Welt f├╝r immer ver├Ąndern. Wenn ein als Heilsbringer auftretender oder verehrter oder vermuteter Mensch nur eine dieser Bedingungen nicht erf├╝llt, k├Ânnen sie ihn nicht als den Maschiach anerkennen. Er muss nach verschiedenen biblischen Aussagen:

  • Jude sein (Dtn 17,15 EU); (Num 24,17 EU)
  • dem Stamm Juda angeh├Âren (Gen 49,10 EU)
  • ein direkter m├Ąnnlicher Nachkomme (Sohn nach Sohn) von K├Ânig David (1_Chr 17,11 EU; Ps 89,29-38 EU; Jer 33,17 EU; 2_Sam 7,12-16 EU) und K├Ânig Salomon sein (1_Chr 22,10 EU; 2_Chr 7,18 EU)
  • das j├╝dische Volk aus dem Exil in Israel versammeln (Jes 11,12 EU); Jes 27,12f EU)
  • den j├╝dischen Tempel in Jerusalem wieder aufbauen (Mi 4,1 EU)
  • den Weltfrieden bringen (Jes 2,4 EU; Jes 11,6 EU; Mi 4,3 EU)
  • die ganze Menschheit dazu bringen, den ein-einzigen Gott anzuerkennen und ihm zu dienen (Jes 11,9 EU; Jes 40,5 EU; Zef 3,9 EU).

Das Buch Ezechiel bietet eine zusammenfassende Zusammenschau dieser Kriterien (Hes 37,24-28 EU):

ÔÇ×Und mein Knecht David wird ├╝ber sie K├Ânig sein, und ein Hirte wird sein f├╝r sie alle, und sie werden in meinen Rechtsspr├╝chen wandeln und meine Satzungen wahren und tun. Sie werden in dem Land leben, das ich Jakob, meinem Diener, gab... Ich will mit ihnen einen Bund des Friedens schlie├čen, der ihnen ewig bestehen bleibt, ich will sie halten und mehren, und mein Heiligtum gebe ich in ihre Mitte in Ewigkeit, meine Wohnst├Ątte wird unter ihnen sein, und ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. Und daran werden die V├Âlker sehen, dass ich es bin, der Israel heiligt, wenn mein Heiligtum in ihrer Mitte bleibt, auf ewig.ÔÇť

Deshalb lehnt j├╝dische Theologie Personen, die als Messiasanw├Ąrter auftraten und verehrt wurden, darunter Jesus von Nazaret, Simon Bar Kochba, Shabbetaj Zvi, als selbsternannte oder irrt├╝mlich verehrte Nichtmessiasse ab. J├╝dische Gl├Ąubige warten immer noch auf das Kommen des Maschiach.

Neues Testament

Texte

Im NT kommt der griechische Titel Christos 531 mal, der gr├Ązisierte aram├Ąisch-hebr├Ąische Begriff Messias zweimal (Joh 1,41; 4,25) vor. Er erscheint in allen NT-Schriften, fehlt aber in der Logienquelle und im apokryphen Thomasevangelium. Beide berichten auch nicht von Jesu Tod und Auferstehung.

Besonders oft erscheint der Titel in den Passionsberichten der Evangelien und in den Paulusbriefen. Diese verbinden ihn vor allem mit Jesu Heilstod und beziehen ihn zugleich auf die biblische Heilserwartung, obwohl diese keinen leidenden Messias kannte (1 Kor 15,3):

ÔÇ×Christus ist f├╝r uns gestorben nach der Schrift.ÔÇť

Bestimmte NT-Aussagen widersprechen der Messiaserwartung der Hebr├Ąischen Bibel:

  • Nach dem Matth├Ąusevangelium wurde Jesus als Sohn Davids in Betlehem geboren, von wo nach Mi 5,1 der k├╝nftige Retter Israels kommen sollte. Jesus kam jedoch aus Nazaret. Mt 2,23 zitiert daher als Verhei├čung:

ÔÇ×Und er kam und wohnte in der Stadt, die da hei├čt Nazaret; auf dass erf├╝llt w├╝rde, was da gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazarener hei├čen.ÔÇť

Diese Verhei├čung gibt es jedoch im Tanach nicht. Nazaret existierte zur Zeit der Propheten eventuell noch gar nicht. Christliche Exegeten finden hier manchmal eine Anspielung auf den ÔÇ×Spross (hebr. nezer) IsaisÔÇť - Davids Vater - aus Jes 11,1 (z. B. Einheits├╝bersetzung).

ÔÇ×Es wird kommen aus Zion der Erl├Âser, der da abwende das gottlose Wesen von Jakob.ÔÇť

F├╝r Paulus befreite Jesus durch seinen stellvertretenden S├╝hnetod am Kreuz die Menschen vom drohenden Fluch der Tora, der jeden bedrohe, der sie nicht ganz erf├╝lle (Gal 3,13). Es gen├╝ge daher, an Jesus zu glauben und sich zu ihm zu bekennen, um gerettet zu werden. Dem widerspricht der hebr├Ąische Wortlaut des Zitats im Tanach:

ÔÇ×Aber f├╝r Zion wird kommen ein Erl├Âser, f├╝r die in Jakob, die von der Abtr├╝nnigkeit umkehrten, spricht der Herr.ÔÇť

Der Maschiach wird nach j├╝dischem Glauben daher den gl├Ąubigen, observanten Juden nicht die S├╝nden abnehmen, sondern wenn diese sich von ihren S├╝nden abwenden, dann wird er kommen.
  • Im Johannesevangelium wird die Vorstellung des Messias als K├Ânig Israels (Joh 1,49) als unzureichend angesehen. Dahinter steht das Geheimnis, dass Jesus in Wirklichkeit der pr├Ąexistente Sohn Gottes sei. Irdisch-k├Ânigliche Erwartungen der Garantie von Grundbed├╝rfnissen werden abgewiesen (Joh 6,15 EU), und Jesus bezeichnet sich Pilatus gegen├╝ber als K├Ânig der Wahrheit, dessen Reich nicht von dieser Welt und daher gewaltlos ist (Joh 18,36f. ELB). Die Messiasvorstellung wird spiritualisiert und ÔÇô ├Ąhnlich wie bei Paulus und den anderen Evangelien ÔÇô mit der Vorstellung der Erl├Âsung durch den Tod am Kreuz verbunden: Der Glaube an Jesus als den Christus verleiht ewiges Leben (Joh 20,31).[9]

Historischer Jesus

Ôćĺ Hauptartikel Jesus von Nazaret und Menschensohn#Exegetische Diskussion

Ob Jesus sich selbst Messias genannt hat, ist umstritten. Die Evangelien ergeben folgenden Befund:

  • Eine Messiaserwartung wurde an Jesus herangetragen: von Johannes dem T├Ąufer (Mt 11,3 EU: der Kommende), von seinen Anh├Ąngern (Mk 8,29: der Christus), von Armen im Volk (Mk 10,47: Sohn Davids; Mk 11,10: Herrschaft Davids) und von Gegnern (Mk 14,61: der Christus, Sohn des Hochgelobten).
  • Besonders die Verk├╝ndigung des Reiches Gottes und seiner Gegenwart in Heilungen weckte messianische Hoffnungen (vgl. Mt 11,3-5). Diese m├╝ssen nicht aus einem Missverst├Ąndnis entstanden sein, sondern das ÔÇ×Davidische K├Ânigtum der EndzeitÔÇť wurde etwa im apokryphen Psalm Salomons 17 als Befreiung Israels von Feinden, Umw├Ąlzung der gesellschaftlichen Verh├Ąltnisse, gerechte Herrschaft und ÔÇ×irdische Stellvertretung des K├Ânigtums GottesÔÇť verstanden.[10][11] ├ähnliche Vorstellungen zeigt nicht nur das eventuell sekund├Ąre Messiaskonzept Lukas', das im Magnificat konzentriert ist. W├Ąhrend besonders in der Tradition Rudolf Bultmanns Jesu Wirken als unpolitisch verstanden wurde, gelten seit den 1970er Jahren oft zumindest einzelne der genannten Bez├╝ge auf ein (davidisches) K├Ânigtum als authentisch.[11]
  • Die Aufrichtung des Reiches Gottes erwartete Jesus jedoch alleine von Gott, nicht vom Einsatz kriegerischer Mittel (trotz Lk 22,36 EU). Wird der Einzug in Jerusalem (Mk 11,1-10) als historisch aufgefasst, so war er nach Ed Parish Sanders vielleicht ein bewusster Anspruch Jesu auf das K├Ânigtum, ├Ąhnlich wie ihn sp├Ąter Simon bar Giora erhob. Anders als dieser h├Ątte Jesus mit dem Eselritt jedoch an den machtlosen Messias der Abr├╝stung bei Sach 9,9f. EU erinnert.[11] Auch die Fu├čwaschung stellt einen dienenden K├Ânig dar, und es gibt entsprechende Belehrungen an die J├╝nger (Mk 10,42ff. EU).
  • Nach Mk 8,29 bekannte Simon Petrus als Sprecher der zw├Âlf erstberufenen J├╝nger Jesus schon zu Lebzeiten als den Christus. Jesu darauf folgende Leidens- und Todesank├╝ndigung habe er jedoch abgelehnt (Mk 8,31f). Die Emmausj├╝nger ├Ąu├čerten nach Jesu Tod Entt├Ąuschung, dass er die erhoffte irdische Befreiung Israels nicht gebracht habe (Lk 24,21). Demnach hatten Jesu J├╝nger vor Jesu Tod eine diesseitige politische Messiaserwartung.
  • Im Mund Jesu erscheint der Titel nur selten und indirekt (Mk 9,41; Mt 16,20; Lk 4,41). Nach dem Markuskonzept des Messiasgeheimnisses verbot er den D├Ąmonen, ihn als Sohn Gottes zu verk├╝nden (Mk 1,34; 3,11f). Auch seine J├╝nger sollten seine Messianit├Ąt bis zur Auferstehung geheim halten (Mk 8,30; 9,9). Nur in seiner Antwort auf die Messiasfrage des Hohenpriesters Kajaphas im n├Ąchtlichen Verh├Âr vor seiner Kreuzigung stellte er sich als Messias vor (Mk 14,62):

ÔÇ×Ich bin es, und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzend zur rechten Hand der Kraft und kommen mit den Himmelswolken.ÔÇť

Demnach verstand er sein Wirken nicht als davidisch-nationales K├Ânigtum, sondern im Sinne der Apokalyptik des Buches Daniel als Vorwegnahme und Bekr├Ąftigung der Verhei├čung vom Kommen des Menschen├Ąhnlichen nach dem Endgericht, das von aller - nicht nur r├Âmischer - Gewaltherrschaft befreien werde. Die Historizit├Ąt dieses Wortes ist umstritten, zumal schon die Situation eines irregul├Ąren Schnellprozesses vor dem Sanhedrin unplausibel ist. F├╝r einen Messiasanspruch Jesu spricht seine Hinrichtung am j├╝dischen Pessachfest durch R├Âmer. Pontius Pilatus lie├č laut Mk 15,26 ein Schild mit dem Grund seines Todesurteils ├╝ber Jesu Kreuz anbringen: der K├Ânig der Juden (vgl. Joh 19,19; INRI).

Nach seinem Tod sahen einige der ersten J├╝nger Jesus in neuer Gestalt als Lebenden und wurden so gewiss, dass Gott ihn von den Toten auferweckt und zu seiner Rechten erh├Âht habe. U.a. im Anschluss an den messianischen Psalm 110 wurde dies als Bekr├Ąftigung der Einsetzung Jesu zum k├Âniglich-priesterlichen Richter der Endzeit verstanden.

Die neutestamentliche Forschung vertrat lange eine radikal skeptische Sicht, nach der Jesus erst nach Ostern aufgrund des Auferstehungsglaubens zum Messias gemacht worden sei. Heute wird meist ein zumindest impliziter Messiasanspruch Jesu angenommen, der die berichteten Reaktionen auf sein Wirken ÔÇô z.B. Petrusbekenntnis, Pilgerjubel beim Einzug in Jerusalem, Todesurteil des Sanhedrin und Hinrichtungsbefehl des Pilatus ÔÇô erkl├Ąrt. Dabei wird ber├╝cksichtigt, dass die gesamte NT-├ťberlieferung von Urchristen stammt, die von Jesu Auferstehung und Messianit├Ąt ├╝berzeugt waren. Auch mit der heute meist als historisch angesehenen, symbolischen Tempelreinigung kann Jesus einen impliziten Messiasanspruch erhoben haben, da apokryphe j├╝dische Texte vom Toten Meer (z.B. PsSal 17,30; 4Q flor 1,1-11) vom Messias eine k├╝nftige Reinigung und Neuerrichtung des Tempels erwarteten.[12] Vereinzelt werden hier sogar Ansatzpunkte f├╝r die sp├Ątere Theologie eines leidenden Messias gesehen: Jesus habe die Ablehnung seines mit Tempelaktion und Tempelwort von der zuk├╝nftigen Zerst├Ârung (Mk 13,1f. EU) verbundenen Umkehrrufs provoziert und sich so selbst an seine Hinrichtung ausgeliefert. Denn er habe geglaubt, Gottes Heilshandeln k├Ânne sich bei ausbleibender Umkehr seiner Adressaten nur durch ÔÇ×seinen S├╝hnetod als endzeitliche[m] Ersatz f├╝r den S├╝hnopferkult des TempelsÔÇť durchsetzen.[13]

Christentum

Mit der zum Eigennamen gewordenen Gleichung Jesus (ist der) Christus bekennen Christen sich zu Jesus als dem Messias Israels, der die Israel gegebenen Verhei├čungen zu erf├╝llen begann, durch seinen Tod und seine Auferweckung Gottes Vers├Âhnung mit der Welt in Kraft gesetzt und damit die Hoffnung auf Erl├Âsung Israels und aller V├Âlker ultimativ bekr├Ąftigt hat.

Der im NT neben dem Messiastitel auftauchende Begriff Sohn Gottes, der im Tanach f├╝r das ganze aus Sklaverei und W├╝stenzeit erw├Ąhlte Volk Israel steht (Hos 1,11), wurde in der Patristik zu einer Dreifaltigkeits- und Dreieinigkeitslehre weiterentwickelt. Damit war die Trennung vom Judentum endg├╝ltig vollzogen und dogmatisch fixiert. Zugleich hielt die christliche Theologie damit an der Einheit des Alten und Neuen Testaments fest: Der Gott Israels ist und bleibt als der Vater Jesu Christi der Sch├Âpfer und Erl├Âser der ganzen Welt.

Das Christentum sieht die Verhei├čungen also in einem anderen Sinn erf├╝llt als sie nach j├╝discher Auslegung im Tanach gemeint waren und hat demgem├Ą├č Inhalt und Bedeutung des Messiasbegriffs ver├Ąndert. Nach Papst Benedikt XVI. ist etwa Jesus selbst die ÔÇ×erneuerte ToraÔÇť, der Gottes in der Tora offenbarten Willen erf├╝llt habe und ihr Einhalten durch die Gnade erm├Âgliche. Im Mittelpunkt steht nun die stellvertretende Rettungstat Jesu Christi, die die Menschen mit Gott vers├Âhnt und Rechtfertigung bewirkt habe. Traditionell wurde dies von einer j├╝dischen Vorstellung abgehoben, nach der Heil durch Erf├╝llung der Toragebote erreicht werde. Heute wird ÔÇô nicht nur in einer Neuen Perspektive auf Paulus ÔÇô weitgehend anerkannt, dass auch im Judentum der Bund Gottes mit seinem Volk am Anfang steht. Dieser verlange dann Gehorsam dem Gesetz gegen├╝ber, aber auch bei ├ťbertretungen sei es durch in der Tora vorgesehene S├╝hnemittel m├Âglich, im Bund zu verbleiben.[14] Ein Unterschied besteht danach nicht in der ethisch-praktischen Haltung, sondern nur in deren symbolischer Begr├╝ndung.

Die ersten Christen rechneten in naher Zukunft mit der zweiten Ankunft, der Wiederkehr (griech. Parusie) des Messias Jesus, dem Weltende und dem Weltgericht. Diese Hoffnung dr├╝ckte sich in der abschlie├čenden Schrift des neutestamentlichen Kanons, der apokalyptischen Offenbarung des Johannes aus (vgl. Matth. 24). Da die Parusie sich nach vorherrschender Meinung bis heute unerf├╝llt immer weiter verz├Âgerte, wurde das noch andauernde Leid, u.a. das Ausbleiben des Weltfriedens, mit dem Kreuzestod Christi in Beziehung gesetzt.

J├╝disch-Christlicher Dialog

Die fr├╝he Kirche sah sich als Erbin der Verhei├čungen an Israel und das Judentum als verworfene, ├╝berholte, zum Aufgehen im Christentum bestimmte Religion. Diese Substitutionstheologie ist in den Gro├čkirchen jedoch seit dem Holocaust allm├Ąhlich einem neuen Aufeinanderzugehen gewichen, bei dem christliche Theologen den j├╝dischen Messiasglauben als eigenst├Ąndige, unabgegoltene, so auch von Christen geteilte Erwartung anerkennen (z.B. bei dem Katholiken Johann Baptist Metz und dem Lutheraner J├╝rgen Moltmann).

Dabei bleibt auch f├╝r liberale Christen das Bekenntnis zu Jesus als dem Christus Gottes unaufgebbar, das sie nicht als ausschlie├čenden Gegensatz, sondern gerade als zu Solidarit├Ąt und Dialog verpflichtende Br├╝cke zum Judentum interpretieren. Besonders deutsche j├╝dische Theologen wie Martin Buber oder Pinchas Lapide haben Jesus als gerechten j├╝dischen Lehrer der Tora, der viele Menschen aus den V├Âlkern zum Glauben an Israels Gott gebracht habe, anerkannt.

Buber soll gegen├╝ber Christen einmal augenzwinkernd vorgeschlagen haben:[15]

ÔÇ×Wir warten alle auf den Messias. Sie glauben, er ist bereits gekommen, ist wieder gegangen und wird einst wiederkommen. Ich glaube, dass er bisher noch nicht gekommen ist, aber dass er irgendwann kommen wird. Deshalb mache ich Ihnen einen Vorschlag: Lassen Sie uns gemeinsam warten. Wenn er dann kommen wird, fragen wir ihn einfach: Warst du schon einmal hier? Und dann hoffe ich, ganz nahe bei ihm zu stehen, um ihm ins Ohr zu fl├╝stern: ,Antworte nichtÔÇś.ÔÇť

F├╝r viele orthodoxe und fundamentalistische Gl├Ąubigen beider Religionen bleiben die Glaubensgegens├Ątze jedoch wechselseitig un├╝berbr├╝ckbar: Der biblische Maschiach war nie als jemand vorgestellt, der angebetet werden sollte. Nach Dtn 13,2-6 ist, wer Menschen zum Glauben an Menschen als G├Âtter verf├╝hre, dem Zorngericht Gottes verfallen. Nach Mk 16,16 u.a. werde, wer nicht an Jesus Christus glaubt, bei seinem Wiederkommen im Endgericht verdammt werden. Besonders manche evangelikale Christen machen die Wiederkunft Christi daher von einer vorherigen Bekehrung aller Menschen zu Jesus Christus, zuletzt auch aller Juden, abh├Ąngig.

Exegeten weisen hier jedoch darauf hin, dass die Aussage im Kontext gerade auf den Unglauben der Christen bezogen ist und nur ohne Objekt sagt: Wer aber nicht vertraut, wird verdammt werden und eben nicht: Wer sich aber nicht taufen l├Ąsst und sich nicht zu Jesus Christus bekennt, wird verdammt werden. Der Glaube an und das Beten zu Jesus als Kyrios wird von diesem selbst im Sinne des biblischen Toragehorsams relativiert (Mt 7,21 EU):

ÔÇ×Es werden nicht alle, die zu mir Herr! Herr! sagen, in das Himmelreich gelangen, sondern die, die den Willen meines Vaters im Himmel tun.ÔÇť

Islam

Hauptartikel: Mahdi

Kunst

In der Musik und Literatur Europas sind ├Âfter Werke mit dem Titel und Thema des Messias geschaffen worden:

Einzelbelege

  1. ÔćĹ Werner H. Schmidt: Alttestamentlicher Glaube, Neukirchener Verlag, 4. Auflage 1982, S. 211
  2. ÔćĹ Martin Karrer: Jesus Christus im Neuen Testamen, 1998, S. 137
  3. ÔćĹ M.G. Abegg, The Messiah at Qumran, 1995, S. 125-144
  4. ÔćĹ Gerd Thei├čen, Anette Merz: Der Historische Jesus S. 464
  5. ÔćĹ Jostein Adna: Jesu Stellung zum Tempel: Die Tempelaktion und das Tempelwort als Ausdruck seiner messianischen Sendung (Wissenschaftliche Untersuchungen Zum Neuen Testament 2), Mohr/Siebeck, T├╝bingen 2000, ISBN 3-16-146974-7, S. 65f.
  6. ÔćĹ 4. Esra
  7. ÔćĹ Jostein Adna, a.a.O., S. 78f., 81ff.
  8. ÔćĹ Syrischer Baruch
  9. ÔćĹ Bekannte NT-Theologie und Wolgang Stegemann: Jesus und seine Zeit, 2010, S. 62-66
  10. ÔćĹ J. Wei├č: Die Predigt Jesu vom Reiche Gottes, G├Âttingen 31964, S. 9; zitiert nach Wolfgang Stegemann: "Jesus und seine Zeit", 2010, S. 344f. ÔÇ×Missverst├ĄndnisÔÇť bezieht sich auf Thei├čen / Merz 32001, S. 402
  11. ÔćĹ a b c W. Stegemann, 2010, S. 338-345
  12. ÔćĹ Peter Stuhlmacher: Charakteristische Formen der Verk├╝ndigung Jesu, in: Biblische Theologie des Neuen Testaments Band 1: Grundlegung: Von Jesus zu Paulus, Vandenhoeck & Ruprecht, G├Âttingen 1992, ISBN 3-525-53595-3, S. 84
  13. ÔćĹ Jostein Adna: Jesu Stellung zum Tempel, S. 425ÔÇô430 und 440
  14. ÔćĹ Wolfgang Stegemann: Jesus und seine Zeit, 2010, S. 220f., 263-266, 275f.
  15. ÔćĹ zitiert nach Reinhold Boschki, Dagmar Mensink (Hrsg.): Kultur allein ist nicht genug. Das Werk von Elie Wiesel - Herausforderung f├╝r Religion und Gesellschaft, M├╝nster 1998, S. 39; Quellenangabe bei Hanspeter Heinz: Ertrag eines Forschungsaufenthalts in den USA. Zur j├╝dischen Erkl├Ąrung ÔÇ×Dabru EmetÔÇť. Eine j├╝dische Stellungnahme zu Christen und Christentum

Siehe auch

Literatur

Hebr├Ąische Bibel
Neues Testament
J├╝dische Messiaserwartungen
  • Nathan Peter Levinson: Der Messias. Kreuz, Stuttgart 1994, ISBN 3-7831-1333-4.
  • J. Neusner, W. Green, E. Frerichs (Hrsg.): Judaisms and Their Messiahs at the Turn of Christian Era. Cambridge 1987, ISBN 0-521-34146-9 (englisch)
  • Reinhold Mayer: War Jesus der Messias? Geschichte der Messiasse Israels in drei Jahrtausenden. Bilam, T├╝bingen 1998, ISBN 3-933373-01-8
  • Israel Knohl: The Messiah Before Jesus: The Suffering Servant of the Dead Sea Scrolls. University of California Press, 1. Auflage 2001, ISBN 0-520-23400-6 (englisch)
  • Ludwig (Lajos) Venetianer: Die Messiashoffnung des Judenthums. Metzler, Peter W., Duisburg 2010, ISBN 978-3-936283-11-2
J├╝disch-christlicher Messiasdialog
  • Clemens Thoma: Das Messiasprojekt. Theologie j├╝disch-christlicher Begegnung. Pattloch, M├╝nchen 1994. ISBN 3-629-00626-4
  • Hans H├╝bner: Der ÔÇ×Messias IsraelsÔÇť und der Christus des Neuen Testaments. in: Kerygma und Dogma. G├Âttingen 27/1981, S. 217-240 ISSN 0023-0707
  • Ekkehard W. Stegemann (Hrsg.): Messias-Vorstellungen bei Juden und Christen. Kohlhammer, Stuttgart 1993, ISBN 3-17-012202-9
  • Martin Karrer: Der Gesalbte. Die Grundlagen des Christustitels. Vandenhoeck + Ruprecht, G├Âttingen 1997, ISBN 3-525-53833-2

Weblinks

  • Wiktionary Wiktionary: Messias ÔÇô Bedeutungserkl├Ąrungen, Wortherkunft, Synonyme, ├ťbersetzungen

Judentum

Christentum


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Synonyme:

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