Meteor (Forschungsschiff)

Meteor ist der Name von drei deutschen Forschungsschiffen, die 1924, 1964 und 1986 in Dienst gestellt wurden.

Inhaltsverzeichnis

Die erste „Meteor“

Die erste „Meteor“ wurde am 26. Februar 1914 auf der Kaiserlichen Werft in Danzig auf Kiel gelegt. Der Stapellauf des Schiffes, das zunächst als Kanonenboot vorgesehen war, fand am 18. Januar 1915 statt. Endgültig in Dienst gestellt wurde das Schiff dann nach dem Aus- und Umbau zum Vermessungsschiff auf der Reichsmarinewerft in Wilhelmshaven am 15. November 1924. Das Schiff verfügte neben einer Maschinenanlage über eine Hilfsbesegelung mit Raa-Takelung.

Das Schiff bereiste vom 16. April 1925 bis zum 2. Juni 1927 den Atlantik und wurde bekannt für die im Rahmen der „Deutschen Atlantischen Expedition“ durchgeführten Vermessung des Atlantischen Ozeans, bei der 13 Lotprofile zwischen Afrika und Südamerika mit 67.000 Echolotungen angelegt wurden. Die Gesamtfahrtstrecke für die Vermessung betrug 67.535 sm, was dem dreifachen Erdumfang entspricht.

In den folgenden Jahren folgten Expeditionen nach Grönland, Island und in den Nordatlantik, bei denen u. a. auch Seevermessungen durchgeführt wurden.

Am 8. September 1939 wurde das Schiff in Wilhelmshaven außer Dienst gestellt.[1]

Die zweite „Meteor“

METEOR (1964)

Die zweite „Meteor“ wurde auf der Schichau Seebeckwerft in Bremerhaven gebaut und 1964 in Dienst gestellt. Das Schiff wurde vom Deutschen Hydrographischen (DHI) im wesentlichen mit Finanzierung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft betrieben und führte von 1964 bis 1985 insgesamt 73 Expeditionen in allen meeresforschenden Disziplinen vorwiegend im Atlantik und Indik durch. Das Schiff wurde 1985 an Neuseeland verkauft und lief dort bis zu seiner Abwrackung 1993 in Indien unter dem Namen Rapuhia.

Die dritte „Meteor“

Meteor (III)
Übersicht der Schiffsdaten
Schiffstyp: Forschungsschiff
Vermessung: 4.280 BRZ / 1.284 NRZ
Verdrängung: 4.780 t
Länge über alles: 97,50 m
Breite: 16,50 m
Tiefgang: max. 5,60 m
Antrieb: Dieselelektrisch 2300 kW
Hauptmotoren: 4 x 1350 kW Dieselgenerator
Geschwindigkeit: ca. 12 kn
Flagge: Deutschland
Heimathafen: Hamburg
Rufzeichen: DBBH
Besatzung: 32
Wissenschaftler: 28

Die dritte und aktuelle „Meteor“ wurde am 15. März 1986 in Dienst gestellt. Eigner des Schiffes ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Betrieben wird das Schiff von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die Bereederung erfolgt durch die Reederei F. Laeisz (Bremerhaven) GmbH. Die Koordination der wissenschaftlichen Fahrtplanung liegt bei der Senatskommission für Ozeanographie,[2] die Durchführung erfolgt durch die Leitstelle Meteor/Merian, die an der Universität Hamburg angesiedelt ist. Finanziert werden die Einsätze des Schiffes entsprechend der Nutzung zu 70 % von der DFG und zu 30 % vom BMBF.[3][4]

Das Schiff wurde 1985/86 auf der Schlichting-Werft in Travemünde gebaut. Es bietet Unterkunft für 32 Besatzungsmitglieder sowie 28 Wissenschaftler und bis zu zwei Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes, die verantwortlich für die Bordwetterwarte sind. Ein Wetterfunktechniker befindet sich dabei ständig an Bord, bei Bedarf darüber hinaus auch ein Meteorologe.[5]

Zum weltweiten Einsatz kommt die „Meteor“ auf den Gebieten der Meeresgeologie, Ozeanographie, maritimen Biologie, Meereschemie und Ökologie. Dafür stehen an Bord 20 Labore zur Verfügung. Weiterhin verfügt das Schiff für die Forschung über mehrere Winden sowie verschiedene Kräne, darunter einer Heckgalgen. Darüber hinaus ist das Schiff für wissenschaftliche Zwecke u. a. mit Echolotanlagen ausgerüstet. Das Schiff kann 45 - 50 Tage ununterbrochen auf See bleiben und dabei 10.000 sm zurücklegen.

Siehe auch

Quellen

  1. Die Geschichte der ersten Meteor, BSH
  2. DFG - Forschungsschiff Meteor
  3. Forschungsschiff Meteor, DFG
  4. F.S. Meteor, IfM Hamburg
  5. Bordwetterwarte FS Meteor, DWD

Literatur

METEOR (1924)

  • Defant, Albert [Hrsg.]: Wissenschaftliche Ergebnisse der deutschen atlantischen Expedition auf dem Forschungs- und Vermessungsschiff "Meteor" 1925 - 1927. 16 Bände. Berlin: de Gruyter, 1932-1941. (Nebentitel: Deutsche atlantische Expedition auf dem Forschungs- und Vermessungsschiff "Meteor".)
  • Plan und Reiseberichte. Die Tiefenkarte. Das Beobachtungsmaterial / von Albert Defant, Günther Böhnecke und Hermann Wattenberg. Berlin: Mittler 1936. (Die ozeanogr. Arbeiten des Vermessungsschiffes "Meteor" in d. Dänemarkstrasse u. Irmingersee. 1.) (Veröffentl. des Inst. f. Meereskunde an d. Univ. Berlin. N. F. A, 32.)
  • Fritz Spieß: Die Meteor-Fahrt. Forschungen und Erlebnisse der Deutschen Atlantischen Expedition 1925 - 1927. Berlin: Reimer, 1928.

METEOR (1964)

  • DHI (1964). Forschungsschiff "Meteor", Ergänzungsheft Reihe A (8°), Nr. 5 zur Deutschen Hydrographischen Zeitschrift, Deutsches Hydrographisches Institut, Hamburg, 39 S. (pdf 1,7 MB)
  • DFG (1972). 25 Meteor-Expeditionen 1964-1971, eine Zwischenbilanz vor dem Hintergrund der Entwicklungen internationaler Meeresforschung, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Franz Steiner Verlag, Wiesbaden, 120 S. (pdf 4,3 MB)
  • DHI/DFG (1978). 50 Fahrten des Forschungsschiffes "Meteor", Deutsches Hydrographisches Institut, Deutsche Forschungsgemeinschaft; Harald Boldt Verlag, Boppard, 180 S., ISBN 3-7646-1722-5 (pdf, 5,1 MB)
  • DFG/DHI (1985). Forschungsschiff Meteor 1964-1985, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Deutsches Hydrographisches Institut, 146 S. (pdf 10,1 MB)
  • Forschungsergebnisse wurden im wesentlichen 1966 bis 1986 publiziert in "Meteor" Forschungsergebnisse, herausgegeben von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Gebrüder Bornträger, Berlin, in vier Reihen:
    • Reihe A (A/B) Allgemeines, Physik und Chemie des Meeres
    • Reihe B Meteorologie und Aeronomie
    • Reihe C Geologie und Geophysik
    • Reihe D Biologie
  • Sarnthein, M., Seibold, E., Grobe, H., Schumacher, S. (2008) Data Compilation of the Research Vessel METEOR (1964), WDC-MARE Reports, 6, 27 pp. (pdf 2,9 MB) (Zusammenstellung verfügbarer retrodigitalisierter Daten)

METEOR (1986)

  • Expeditionsberichte herausgegeben von der Leitstelle METEOR am Institut für Meereskunde, Universität Hamburg.

Weblinks


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