Michael Dummett

Michael Dummett 2004

Sir Michael Anthony Eardley Dummett (* 27. Juni 1925 in London) ist ein britischer Philosoph und Logiker. Er hat maßgebliche Beiträge zur Philosophie der Mathematik, zur Logik, zur Sprachphilosophie, zur Metaphysik und zur Geschichte der analytischen Philosophie geliefert.

Des Weiteren hat Michael Dummett ein Wahlverfahren entwickelt und wissenschaftliche Arbeiten zum Tarock publiziert. Sein Interesse gilt auch dem Ausländerrecht und dem Stil der englischen Sprache.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Michael Dummett hat in Oxford studiert, erhielt dort ein Fellowship und war von 1979 bis 1992 Professor für Logik. 1995 erhielt er den Rolf-Schock-Preis, 1999 wurde er zum Sir ernannt. 1944 war Dummett in die katholische Kirche aufgenommen worden.

Leistungen

Arbeiten zu Frege

Dummetts erstes bedeutendes Werk war "Frege: Philosophy of language", in welchem er die philosophische Position von Gottlob Frege auf seine eigene Art deutet. Die Schrift, die mittlerweile den Rang eines Klassikers beanspruchen kann, wird bis heute kontrovers diskutiert. Dummett hat noch weitere Werke zu Frege verfasst und kann wohl als dessen bedeutendster Interpret gelten.

Sprachphilosophie

Dummett hat gegen die wahrheitskonditionale Bedeutungstheorie von Donald Davidson einzuwenden, dass Wahrheit nur dann für den Sprecher relevant ist, wenn dieser sie auch erkennen kann. Mit Davidson und Noam Chomsky führte er zudem eine Diskussion über die Frage, ob der Idiolekt oder die geteilte Sprache einer Sprachgemeinschaft bei der philosophischen Analyse den Vorrang haben sollte.

Antirealismus

In seinem Werk "Truth and other enigmas" entwickelt Dummett in Auseinandersetzung mit klassischen realistischen Positionen eine antirealistische Haltung. Diese trägt seiner Meinung nach wesentlich zur Lösung des Leib-Seele-Problems bei. Die Entscheidung für den Antirealismus fällt in Auseinandersetzung mit der Betrachtung von Wahrheit als zweiwertig und unabhängig vom menschlichen Erkennen. In seinem neuesten Werk, "Truth and the Past" (dt. Wahrheit und Vergangenheit) widmet sich Dummett dem Problem, wie sich Antirealismus mit wahren Sätzen über die Vergangenheit vereinbaren lässt.

Geschichte der analytischen Philosophie

Dummetts drittes großes Werk "Origins of analytic Philosophy"(dt. Ursprünge der analytischen Philosophie) ist dem Versuch gewidmet, aufzuzeigen, dass neben Frege vor allem Brentano und Husserl als Vorreiter der analytischen Philosophie betrachtet werden sollten. Dies stellte einen Bruch in der Betrachtung der jüngeren Philosophiegeschichte als zweigeteilt in britische- und kontinentaleuropäisch dar.

Wirkung

Unter Dummetts Schülern ragen vor allem Crispin Wright, Timothy Williamson, Gareth Evans, Hans Sluga und Christopher Peacocke hervor. Jedoch kann nur Wright im engeren Sinne als orthodoxer Schüler gelten. Außerhalb des Kreises seiner Schüler hat Dummett insbesondere auf den Neopragmatismus eingewirkt.

Werke

Philosophie

  • Frege: Philosophy of Language (London 1973/1981)
  • Wahrheit. Fünf philosophische Aufsätze, übers. und hg. v. Joachim Schulte (Stuttgart [Reclam] 1982) [im Buchhandel leider vergriffen. Enthält den gegen die Wittgenteinsche Spätphilosophie gerichteten programmatischen Aufsatz: Kann und sollte die analytische Philosophie systematisch sein? (S. 185 ff.)]
  • Frege: Philosophy of Mathematics (London 1991)
  • Elements of Intuitionism (Oxford 1977, 2000)
  • The Logical Basis of Metaphysics (London 1991)
  • Origins of Analytical Philosophy (London 1993) (dt. Ursprünge der analytischen Philosophie, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997)
  • The Seas of Language (Oxford 1993)
  • Truth and Other Enigmas (London 1978)
  • Truth and the Past (Oxford, 2004) (dt. Wahrheit und Vergangenheit, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005)
  • Thought and Reality (Oxford, 2006)
  • Voting Procedures (Oxford 1984)
  • Principles of Electoral Reform (New York 1997)

Tarot und Tarock

  • Game of Tarot (1980)
  • Visconti-Sforza Tarot Cards (1986)

Literatur

Zur Einführung

  • Christoph Demmerling/Thomas Blume: Grundprobleme der analytischen Sprachphilosophie, Schöningh/UTB, Paderborn 1998, ISBN 3-8252-2052-4

Zur Vertiefung

  • McGuinness, Brian [Hrsg.]: The Philosophy of Michael Dummett, 1994. Dordrecht: Kluwer.
  • Brandl, Johannes L. und Sullivan, Peter [Hrsg.]: New essays on the philosophy of Michael Dummett, 1998. Amsterdam: Rodopi. ISBN 90-420-0466-5
  • Richard G. Heck (ed.) Language, Thought, and Logic: Essays in Honour of Michael Dummett. Oxford University Press, 1998. ISBN 0-19-823920-3
  • Karen Green. Dummett: Philosophy of Language. Polity, 2001. ISBN 0-7456-2295-X
  • Bernhard Weiss. Michael Dummett. Princeton University Press, 2002.ISBN 0-691-11330-0

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Michael Dummett — en 2004 Sir Michael Anthony Eardley Dummett (né en 1925 à Londres) est l un des principaux philosophes britanniques du XXe siècle et l un des principaux auteurs de la philosophie analytique. Ses contributions portent principalement sur la… …   Wikipédia en Français

  • Michael Dummett — Sir Michael Anthony Eardley Dummett Sir Michael Dummett in 2004 Full name Sir Michael Anthony Eardley Dummett Born June 27, 1925 London Era Con …   Wikipedia

  • Michael Dummett — Sir Michael Dummett en 2004 Sir Michael Anthony Eardley Dummett F.B.A. (nacido en 1925) es un importante filósofo británico. Ha escrito acerca de la historia de la filosofía analítica y ha hecho importantes contribuciones a esta disciplina,… …   Wikipedia Español

  • Dummett — Michael Dummett 2004 Sir Michael Anthony Eardley Dummett (* 27. Juni 1925 in London) ist ein britischer Philosoph und Logiker. Er hat maßgebliche Beiträge zur Philosophie der Mathematik, zur Logik, zur Sprachphilosophie, zur Metaphysik und zur… …   Deutsch Wikipedia

  • Michael Anthony Eardley Dummett — Michael Dummett 2004 Sir Michael Anthony Eardley Dummett (* 27. Juni 1925 in London) ist ein britischer Philosoph und Logiker. Er hat maßgebliche Beiträge zur Philosophie der Mathematik, zur Logik, zur Sprachphilosophie, zur Metaphysik und zur… …   Deutsch Wikipedia

  • Michael — /muy keuhl/, n. 1. a militant archangel. Dan. 10:13. 2. Rumanian, Mihai /mee huy /. born 1921, king of Rumania 1927 30, 1940 47 (son of Carol II). 3. (italics) a narrative poem (1800) by Wordsworth. 4. a male given name. * * * I In the Bible and… …   Universalium

  • Michael — (as used in expressions) Bennett, Michael Michael Bennett Difiglia Bishop, J(ohn) Michael Coetzee, J(ohn) M(ichael) Cohan, George M(ichael) Collins, Michael Curley, James Michael Curtiz, Michael DeBakey, Michael (Ellis) Douglas, Michael Dummett,… …   Enciclopedia Universal

  • Dummett — Dummett, Michael Anthony Eardley …   Philosophy dictionary

  • Dummett —   [ dʌmɪt], Michael Anthony Eardley, britischer Philosoph, * London 27. 6. 1925; war u. a. Professor für Logik in Oxford (1979 92); setzte sich besonders mit den sprachphilosophischen Aspekten des Werks von G. Frege auseinander (»Frege.… …   Universal-Lexikon

  • Michael Richardson (English footballer) — Michael Richardson Personal information Date of birth 17 March 1992 (1992 03 17) (age 19) Place of birth …   Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.