Michel Foucault

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Michel Foucault
Michel Foucault

Michel Foucault [miˈʃɛl fuˈko] (* 15. Oktober 1926 in Poitiers; † 25. Juni 1984 in Paris), Inhaber des Lehrstuhls fĂŒr die Geschichte der Denksysteme am CollĂšge de France in Paris, war ein dem Poststrukturalismus zugerechneter französischer Philosoph, Psychologe, Historiker, Soziologe und BegrĂŒnder der Diskursanalyse.

Foucault untersuchte, wie Wissen entsteht und Geltung erlangt, wie Macht ausgeĂŒbt wird und wie Subjekte konstituiert und diszipliniert werden. Bekannt ist Foucault auch fĂŒr die EinfĂŒhrung neuer Begriffe wie „Dispositiv“, „Bio-Macht“ und „GouvernementalitĂ€t“ oder die PrĂ€zisierung und terminologische Verwendung von AusdrĂŒcken wie „Macht“, „Wissen“, „Diskurs“ oder „Archiv“. Seine Analysen richteten sich auf die „Geschichte der Gegenwart“, „Ethnologie unserer Kultur“ und die geschichtliche Entwicklung von „Wahrheitsspielen“. Konkret untersuchte er unter anderem die Geschichte des Begriffs „Wahnsinn“ und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Praktiken, insbesondere des Ausschlusses; ferner den Begriff der Krankheit und die Entwicklung medizinischer Techniken, die Entstehung der Humanwissenschaften und ihrer Grundbegriffe, die Institutionen des GefĂ€ngnisses und der Bestrafungsverfahren und die Anheizung der Rede ĂŒber SexualitĂ€t.

Foucault war einer der ersten, der sich den in den 1960er-Jahren populĂ€ren marxistischen Denkfiguren und Geschichtsphilosophien entzog und damit Kontroversen in der „Linken“ auslöste.

Foucault Ă€ußerte sich auch zu grenzĂŒberschreitenden Formen der Literatur, insbesondere bezĂŒglich StĂ©phane MallarmĂ©, Georges Bataille, Raymond Roussel und Marquis de Sade.

Er Ă€ußerte sich außerdem zu Möglichkeiten politischer Intervention und zu Möglichkeiten des Selbstentwurfs von Subjekten, vor allem hinsichtlich dessen „Gebrauch der LĂŒste“.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit, Schulzeit und Studium

Foucault war das zweite Kind von Paul-AndrĂ© Foucault, Chirurg und UniversitĂ€tsprofessor der Anatomie, und Anne-Marie Foucault, geborene Malapert. Nach seiner Schulzeit in Poitiers absolvierte er ein Philosophiestudium in Paris, ab 1946 als SchĂŒler von Louis Althusser; parallel dazu studierte er Psychologie. 1951 bestand er die AgrĂ©gation in Philosophie, 1952 folgte ein Diplom in Psychopathologie.

Die ersten TÀtigkeiten und Veröffentlichungen

Darauf folgten Auslandsaufenthalte in Uppsala (als Lektor 1955), Warschau (als Direktor des centre francais) und Hamburg (1959/60 als Leiter des Institut Français). 1954 erschien seine erste grĂ¶ĂŸere Publikation: Maladie mentale et psychologie (dt. Psychologie und Geisteskrankheit). Ab 1960 war er Privatdozent fĂŒr Psychologie an der UniversitĂ€t Clermont-Ferrand. Seine Dissertationsschrift erschien 1961 unter dem Titel Folie et dĂ©raison. Histoire de la folie Ă  l'Ăąge classique (dt. Wahnsinn und Gesellschaft). Er thematisierte darin die Geschichte des Wahnsinns und das Zustandekommen einer Abgrenzung von geistiger Gesundheit und Krankheit und die damit einhergehenden sozialen Mechanismen.

1962 wurde Foucault auf eine Professur in Clermont-Ferrand berufen, dort lernte er seinen spĂ€teren LebensgefĂ€hrten Daniel Defert kennen, mit dem er bis zu seinem Tod eine offene Beziehung fĂŒhrte.

1963 wurde Foucault zusammen mit Roland Barthes und Michel Deguy Redaktionsmitglied der Zeitschrift Critique. Außerdem nahm er enge Kontakte zur literaturkritischen Bewegung Tel Quel auf, mit deren Absichten er sich weitgehend identifizierte.

1966 ĂŒbernahm Foucault eine LehrtĂ€tigkeit an der UniversitĂ€t von Tunis. Mit Les mots et les choses (dt. Die Ordnung der Dinge) 1966 erzielte er seinen ersten großen Erfolg. In seiner folgenden Arbeit L'archĂ©ologie du savoir (dt. ArchĂ€ologie des Wissens) 1969 reflektierte er systematisch die Methodik dieses Werkes.

1968 kehrte Foucault nach Frankreich zurĂŒck und wurde Dozent und Leiter der Abteilung fĂŒr Philosophie an der neugegrĂŒndeten Reform-UniversitĂ€t Paris VIII in Vincennes, die aus der 68er-Bewegung hervorgegangen war.

1969 hielt Foucault am CollĂšge de France den Vortrag Was ist ein Autor?, der einen wichtigen Beitrag zur Debatte um die Rolle des Autors in der modernen Literatur leistete (siehe Tod des Autors).

Professur am CollĂšge de France

1970 wurde er auf den Lehrstuhl Geschichte der Denksysteme am CollĂšge de France berufen, den er, wie am CollĂšge ĂŒblich, neu definierte. In seiner Antrittsvorlesung L'ordre du discours (dt. Die Ordnung des Diskurses) formulierte er ein Forschungsprogramm, dessen Diskursbegriff einen Übergang zwischen der ArchĂ€ologie des Wissens und den spĂ€teren machtanalytischen Arbeiten markiert. Er engagierte sich in der Öffentlichkeit fĂŒr die Rechte von Gefangenen. 1975 erschien sein Buch Surveiller et punir. La naissance de la prison (dt. Überwachen und Strafen. Die Geburt des GefĂ€ngnisses) mit einer Analyse der Entstehung von Disziplinartechniken und Machtpraktiken in der Neuzeit.[1]

Stein zur Erinnerung an Michel Foucault, geschaffen von dem KĂŒnstler Tom Fecht

Der Wille zum Wissen

1976 veröffentlichte er den ersten Teil - La volontĂ© de savoir (dt. Der Wille zum Wissen) - seines letzten umfassenden Werkes Histoire de la sexualitĂ© (dt. SexualitĂ€t und Wahrheit). Ab dieser Phase seines Werkes setzte Foucault sich vertieft mit der Beziehung zwischen Macht und Wissen auseinander (siehe auch Wissenssoziologie). In Der Wille zum Wissen grenzte er sich von seinem frĂŒheren, juridisch-diskursiven Machtbegriff ab, nach dem Macht als repressiv verstanden wurde und auf Gehorsam (z. B. gegenĂŒber Gesetzen) abzielte. Die von ihm geprĂ€gte strategisch-produktive Vorstellung von Macht betont dagegen, dass Machtbeziehungen multipel sind, ĂŒberall entstehen und wirken. Sie sind allen anderen Arten von Beziehungen (z. B. ökonomischen) immanent und durchziehen somit auch kursierendes Wissen.

Danach folgte eine lĂ€ngere Pause in der VeröffentlichungstĂ€tigkeit, in der er in seinen Forschungen immer weiter in der Geschichte zurĂŒckging. Die Frage nach dem Begehren des Menschen weicht der Erörterung der Generierung des Menschen des Begehrens oder des begehrenden Menschen.

Erst 1984 erschienen die BĂ€nde zwei und drei von 'Der Wille zum Wissen': L'usage des plaisirs (dt. Der Gebrauch der LĂŒste) und Le souci de soi (dt. Die Sorge um sich), in denen er untersuchte, wie das Sexualverhalten vom klassischen griechischen Denken als Bereich moralischen Ermessens und moralischer Wahl geprĂ€gt worden ist.

Am 25. Juni 1984 starb Foucault in Paris an den Folgen von Aids, einer Krankheit, die zu diesem Zeitpunkt noch kaum bekannt war.

Der vierte und letzte Band Les aveux de la chair (dt. Die GestĂ€ndnisse des Fleisches) lag zu diesem Zeitpunkt in bereits weitgehend redigierter Form vor. In diesem Band wird die Rolle untersucht, die die Hermeneutik und die reinigende EntrĂ€tselung der Begierde - in den ersten Jahrhunderten des Christentums - bei der Konstitution sexueller Erfahrung spielten. Der Text wird aber von den Erben aufgrund Foucaults quasi-testamentarisch geĂ€ußerten Wunsches, „keine posthumen Veröffentlichungen“ zu erlauben, nicht zur Publikation freigegeben.

Grundbegriffe Foucaults

Grundbegriffe

In der DurchfĂŒhrung und spĂ€teren methodologischen ErlĂ€uterung seiner Analysen entwickelte bzw. prĂ€gte Foucault zentrale Begriffe, die er teils als „Werkzeuge“ bezeichnete: ArchĂ€ologie und Genealogie, DiskontinuitĂ€t/Ereignis, Erfahrung, Sagbares, Diskurs, Macht/Wissen, Episteme, Subjektkonstituierungen, Disziplinarmacht, „Systeme von NormalitĂ€tsgraden“, GouvernementalitĂ€t, Dispositiv, Bio-Politik/Bio-Macht, Technologien des Selbst, SexualitĂ€tsdispositiv, Pastoralmacht, Submacht.

Erweiterung des herkömmlichen Machtbegriffs

Foucault wandte sich Anfang der 1970er Jahre dem Thema gesellschaftlicher MachtverhĂ€ltnisse zu und erweiterte den herkömmlichen Machtbegriff, der laut Foucault zu sehr an einer juridischen Sichtweise und auf die Frage der Disziplin hin orientiert sei. Vielmehr lasse sich Macht als „produktives Vermögen“ und KrĂ€fteverhĂ€ltnis verstehen. Eine Machtbeziehung „ist nicht als solche eine Gewalt, die sich nur versteckte, oder ein Konsens, der stillschweigend verlĂ€ngert wĂŒrde. Sie ist ein Ensemble von Handlungen, die sich auf mögliches Handeln richten, und operiert in einem Feld von Möglichkeiten fĂŒr das Verhalten handelnder Subjekte. Sie bietet Anreize, verleitet, verfĂŒhrt, erleichtert oder erschwert, sie erweitert Handlungsmöglichkeiten oder schrĂ€nkt sie ein, sie erhöht oder senkt Wahrscheinlichkeit von Handlungen, und im Grenzfall erzwingt oder verhindert sie Handlungen, aber stets richtet sie sich auf handelnde Subjekte, insofern sie handeln oder handeln können. Sie ist auf Handeln gerichtetes Handeln.“[2]

Macht und Wissen

Hauptartikel siehe Macht/Wissen.

Foucault sieht Macht und Wissen als miteinander verflochten an. „Wissen“ wird hier nicht „als Effekt der Regelstrukturen von Diskursen begriffen, aber auch nicht als [
] Abbild einer tatsĂ€chlichen RealitĂ€t oder als kritischer Maßstab und Korrektiv zur Anklage von Herrschaft, sondern als unumgĂ€nglich kontingentes Ergebnis von KrĂ€fteverhĂ€ltnissen und in sich selbst machthaltiger Zugriff auf die Welt.“[3] Und: „Man muß wohl einer Denktradition entsagen, die von der Vorstellung geleitet ist, daß es Wissen nur dort geben kann, wo MachtverhĂ€ltnisse suspendiert sind, daß das Wissen sich nur außerhalb der Befehle, Anforderungen, Interessen der Macht entfalten kann. [
] Eher ist wohl anzunehmen, dass die Macht Wissen hervorbringt [
]; dass Macht und Wissen einander unmittelbar einschließen; dass es keine Machtbeziehung gibt, ohne dass sich ein entsprechendes Wissensfeld konstituiert, und kein Wissen, das nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt und konstituiert. Diese Macht/Wissen-Beziehungen sind darum nicht von einem Erkenntnissubjekt aus zu analysieren, das gegenĂŒber dem Machtsystem frei und unfrei ist. Vielmehr ist in Betracht zu ziehen, dass das erkennende Subjekt, das zu erkennende Objekt und die Erkenntnisweisen jeweils Effekte jener fundamentalen Macht/Wissen-Komplexe und ihrer historischen Transformationen bilden.“[4]

Diskurs und Diskursanalyse

Foucault hat den Begriff „Diskurs“, der sich durch seine Publikationen zieht, entscheidend geprĂ€gt. Sein methodisches Konzept einer Diskursanalyse blieb aber vage bzw. verĂ€nderte sich mit der Zeit.

EinflĂŒsse anderer Philosophen

Als maßgeblich fĂŒr Foucault gelten Kant, Hegel, Marx, Nietzsche, Heidegger und Althusser, wobei Foucault sich mit Hegel und Marx kritisch auseinandersetzte und sich von ihnen abgrenzte.[5]

Werke

Wahnsinn und Gesellschaft

Wahnsinn und Gesellschaft: Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft (Folie et dĂ©raison) erschien 1961 â€“ Foucaults erstes grĂ¶ĂŸeres Buch, das er wĂ€hrend seiner Zeit in Schweden schrieb. Es betrachtet die Art, wie das Konzept des Wahnsinns sich im Laufe der Geschichte verĂ€nderte.

Foucault thematisierte die Mechanismen der Aussonderung von „Anderem“ durch aufgeklĂ€rt-rationale Gesellschaften. Der Wahnsinn als das „Andere der Vernunft“ werde von dieser ausgegrenzt und zum Schweigen gebracht und komplexen Prozeduren rationaler Kontrolle und Disziplinierung ausgesetzt. Die abendlĂ€ndische-neuzeitliche RationalitĂ€t habe dabei ausschließende und repressive Funktion. Er beschĂ€ftigte sich hierzu im Detail mit der Entwicklung der modernen Klinik und der Geschichte des GefĂ€ngnisses. Dabei fand er keine Entwicklung zum Besseren oder ein Anwachsen an VernĂŒnftigkeit, sondern nur einen von BrĂŒchen gekennzeichneten Wandel im Rahmen zeitbedingter, willkĂŒrlicher Konstrukte.[6]

Eine Kultur definiert sich fĂŒr Foucault hierbei ĂŒber das ZurĂŒckweisen von außerhalb Liegendem und das Abstecken kultureller Grenzen.[7] Foucault nennt vier Bereiche abendlĂ€ndischer Ausgrenzung: SexualitĂ€t, Wahnsinn, den Traum, und den Orient.[8]

Foucault beginnt mit einer Analyse des Mittelalters, als Leprakranke von der Gesellschaft separiert wurden. SpĂ€ter wurden an „Wahnsinn“ Erkrankte zunehmend wie zuvor die Leprakranken behandelt. Eine systematische Ausschließung fĂ€nde trotzdem erst im Zeitalter der Klassik statt.[9] Im 17. Jahrhundert ging man dazu ĂŒber, diese einzusperren.[10] Schließlich wurde der Wahnsinn im Rahmen der psychiatrischen Wissenschaft als eine geistige Krankheit definiert.

Foucault beschreibt, wie der Wahnsinnige sich von einem akzeptierten, integrierten Teil der gesellschaftlichen Ordnung zu einer Person entwickelte, die eingeschlossen und ausgeschlossen werde: „Deshalb kann man sagen, daß Wahnsinn vom Mittelalter bis zur Renaissance innerhalb des gesellschaftlichen Horizonts als Ă€sthetische oder weltliche Tatsache vorhanden war; im siebzehnten Jahrhundert dann folgte eine Phase des Schweigens und des Ausschlusses, die mit der Einsperrung der Wahnsinnigen begann. [
] Das zwanzigste Jahrhundert schließlich zĂŒgelt den Wahnsinn, reduziert ihn auf eine Naturerscheinung, die zur Wahrheit der Welt in Verbindung steht. Von dieser positivistischen Einstellung leiten sich sowohl die irregeleitete Philanthropie ab, mit der sich die gesamte Psychiatrie dem Geisteskranken nĂ€hert, als auch der lyrische Protest dagegen[.]“[11]

Foucault betrachtet auch psychiatrische Behandlungsmethoden, besonders von Philippe Pinel und Samuel Tuke. Er behauptet, dass ihre Methoden nicht weniger Kontrolle ausĂŒben als frĂŒhere Behandlungsweisen. Der von Tuke propagierte RĂŒckzug auf das Land bestrafe den Wahnsinnigen solange, bis er normales Verhalten erlerne. In Ă€hnlicher Weise funktioniere auch Pinels Behandlung des Wahnsinnigen durch Aversionstherapie. Ihre BemĂŒhungen zielten weniger auf eine Behandlung der Krankheit als darauf ab, den Kranken mit der gesellschaftlichen KonformitĂ€t zu versöhnen, arbeitsmĂ€ĂŸig einzugliedern und den herrschenden patriarchalischen Moralvorstellungen zu unterwerfen.[12]

Die Geburt der Klinik

Foucaults zweites grĂ¶ĂŸeres Buch Die Geburt der Klinik: Eine ArchĂ€ologie des Ă€rztlichen Blicks (im Original Naissance de la clinique: une archĂ©ologie du regard mĂ©dical) wurde 1963 veröffentlicht. In Fortsetzung von Wahnsinn und Gesellschaft spĂŒrt die Geburt der Klinik der Entwicklung der Medizin und besonders der Institution der Klinik nach, womit hauptsĂ€chlich universitĂ€re LehrkrankenhĂ€user gemeint sind. Das Konzept des Blicks (frz. regard) hat einige Folgediskussionen ausgelöst; Foucault distanziert sich von ihm in ArchĂ€ologie des Wissens.

Die Ordnung der Dinge

Foucaults Die Ordnung der Dinge: Eine ArchĂ€ologie der Humanwissenschaften (Les Mots et les choses. Une archĂ©ologie des sciences humaines) wurde 1966 veröffentlicht. Der deutsche Titel entspricht dem Wunsch Foucaults, der sich fĂŒr die französische Ausgabe den Titel L'Ordre des Choses wĂŒnschte, aber davon auf Wunsch des Herausgebers Pierre Nora absah.

Das Buch beginnt mit einer lĂ€ngeren Besprechung des Bildes Las Meninas von Diego VelĂĄzquez und seiner komplexen Anordnung von Sichtlinien, Verborgenem und Sichtbarem. Die Bildbesprechung leitet eine Analyse mehrerer Epochen ein: der Renaissance, des „klassischen Zeitalters“ (einer in Frankreich ĂŒblichen Bezeichnung fĂŒr die Epoche, die grob den Zeitraum von Mitte des 17. Jahrhunderts bis 1800 umfasst) sowie der Moderne, die Foucault in der Ordnung der Dinge von etwa 1800 bis ins 20. Jahrhundert verfolgt.[13] Über diese Zeitspanne betrachtet Foucault insbesondere die Entstehung bzw. den Wandel von drei Wissensbereichen, die sich in diesem Zeitraum etablieren: die Naturgeschichte (bzw. ab 1800 die Biologie), das Wissen von den ReichtĂŒmern (bzw. ab 1800 die Ökonomie), die Grammatik (bzw. ab 1800 die Philologie).

In der synchronen vergleichenden Betrachtung dieser Teilgebiete entdeckt Foucault eine Reihe von Parallelen, fĂŒr die er den neuen Begriff der episteme prĂ€gt. Die episteme sind das historische Apriori des Wissens [14] Seine Kernthese ist, dass die in einer bestimmten Epoche untersuchten unterschiedlichen Wissensgebiete stĂ€rker durch diese epochalen Parallelen beeinflusst seien als durch ihre jeweilige Geschichte.

Neben diesem wissenschaftsgeschichtlichen bzw. epistemologischen Thema, das Foucault auch als archĂ€ologisch bezeichnet, gehört das Konzept des Menschen zu den Kernthemen des Buches. Um 1800 wurde mit der Ablösung der Naturgeschichte durch die Biologie, des Wissens von den ReichtĂŒmern durch die Ökonomie und der allgemeinen Grammatik durch die Philologie der Mensch zur zentralen Integrationsfigur der Wissenschaften. Foucault spricht in diesem Sinne davon, dass der Mensch vor 1800 nicht existiert habe.[15]

Foucault stellt sich nicht die Frage, ob und inwiefern die Wissenschaft objektiv zu Erkenntnissen gelange: „Es wird also nicht die Frage in ihrem Fortschritt zu einer ObjektivitĂ€t beschriebener Erkenntnisse behandelt werden, in der unsere heutige Wissenschaft sich (...) wiedererkennen könnte.“ [16] Vielmehr bilde Wissenschaft mehr oder weniger stabile diskursive Formationen und begriffliche Koordinaten aus, welche determinieren, was - weiterhin kontingent - jeweils diskutierbar, verstehbar, wahr oder falsch sei. Wissenschaft breche jedoch nicht notwendig mit dem gesammelten Wissen aus frĂŒherer Zeit, wenn sie auch durch die Geschichte hindurch ihre Wissensformationen Ă€ndere.[16] Foucault diskreditierte damit zum Teil die Idee des kontinuierlichen Fortschritts und stellt ihm einen kontingenten Wechsel formativer Strukturen gegenĂŒber. "Die evolutive Geschichtlichkeit, die fĂŒr viele eine SelbstverstĂ€ndlichkeit ist, hĂ€ngt selbst an einer Funktionsweise der Macht". (Surveiller et punir)

Die Ordnung der Dinge machte Foucault in Frankreich und bald darauf auch international als intellektuelle Figur bekannt.

ArchÀologie des Wissens

Die 1969 erschienene Studie zur ArchÀologie des Wissens (frz. L'Archéologie du savoir) ist Foucaults umfangreichste methodologische Publikation. Sie erschien noch vor Foucaults Wahl ins CollÚge de France und bestimmt die Methode nÀher, die er in seinen konkreten Studien angewendet hatte.

Sein Vorgehen beschreibt er als Arbeit an „Archiven“ oder als „ArchĂ€ologie“ von Diskursformationen. Die kulturwissenschaftliche Methodendiskussion spricht ĂŒblicherweise von Diskursanalyse.[17]

Foucault sieht die ArchĂ€ologie des Wissens als ergĂ€nzende Alternative zur Ideengeschichte. Foucault interessiert sich aber weniger fĂŒr individuelle Urheber von Ideen („Autoren“). Man kann Foucaults Slogan vom „Tod des Autors“ verbinden mit seiner Metapher vom Tod des durch die Humanwissenschaften hervorgebrachten Begriffs des „Menschen“.[18] In dieser Hinsicht Ă€hnelt Foucaults Vorgehen strukturalistischen AnsĂ€tzen in der Psychoanalyse, der Ethnologie und der Linguistik. Allerdings bezieht er eine diachrone (historische) Perspektive mit ein.[19] Foucault sieht sich der Annales-Schule der Historiographie nahe. Deren Interesse fĂŒr mentalitĂ€tsgeschichtliche, demographische und andere Entwicklungen ĂŒber lange Perioden lĂ€sst ebenfalls das individuelle Wirken von Personen weniger hervortreten. Auch Georges Canguilhem und Gaston Bachelard sieht sich Foucault nahe.

Neben Autor, Subjekt und humanwissenschaftlichen Orientierungen werden zahlreiche weitere Begriffe der klassischen Ideengeschichte ausgeklammert, etwa Einfluss, Werk oder Tradition. Deren Anwendbarkeit gingen laut Foucault epochenspezifische „diskursive“ Vorgaben voraus. WĂ€hrend der Ausdruck „Diskurs“ nur Ensembles von sprachlichen oder schriftlichen Äußerungen (diskursive Praktiken) und deren immanente Regeln meint, bildet der Begriff „Dispositiv“ (auf den sich Foucault erst in spĂ€teren Vorlesungen und Werken bezieht) die Erweiterung des Diskurses um nicht-diskursive Praktiken, die institutionell oder sozial die Handlungsmöglichkeiten anderer beeinflussen.

Überwachen und Strafen

In Überwachen und Strafen setzt Foucault seine Untersuchungen ĂŒber die polymorphe Macht, ihre Techniken und Wirkungsweisen v. a. am Beispiel des GefĂ€ngnisses fort. Prototypisch hierfĂŒr gilt ihm das von Jeremy Bentham entworfene Panoptikum: ein „ideales“ GefĂ€ngnis, in dem der Beobachter jeden Zelleninsassen beobachten kann.

SpĂ€ter verlagerte sich dieser allsehende Blick in die Subjekte. Exemplarisch dafĂŒr ist die Funktion der Pastoralmacht, die der „gute Hirte“ ausĂŒbt, wenn er das Gewissen seiner Schafe prĂŒft - eine Technik, die dann „verinnerlicht“ wird. Das Thema der Subjektivierung durch Machtbeziehungen verfolgt Foucault auch in der Analyse der sogenannten Biomacht und der GouvernementalitĂ€t.

In anderen Schriften[20] Ă€ußert sich Foucault zum Thema der Utopien und gesellschaftlicher Gegenorte, die er Heterotopien nennt.

SexualitÀt und Wahrheit

Sein Werk SexualitĂ€t und Wahrheit hatte Foucault ursprĂŒnglich auf sechs BĂ€nde angelegt, zu Lebenszeit als Monographien erschienen sind aber nur drei BĂ€nde.

Der Wille zum Wissen

Der erste, 1976 erschienene Band analysiert anhand des Diskurses ĂŒber den Sex exemplarisch die Wirkungsweise von Machtstrukturen. Das Reden ĂŒber den Sex sei fortwĂ€hrend angeheizt worden, von mittelalterlichen Beichtkatalogen bis zur modernen Psychoanalyse. Gerade Verbot und Tabuisierung unterbinden nicht, sondern fördern das Reden ĂŒber den Sex. Besondere BerĂŒcksichtigung findet in diesem Band die Entwicklung im 19. Jahrhundert. Hier werden vier Hauptelemente oder Dispositive unterschieden, denen die besondere Aufmerksamkeit der Wissensproduktion gewidmet ist: HomosexualitĂ€t, Masturbation, Hysterie der Frau und Perversion. Abschließend bemerkt Foucault, die Ironie des SexualitĂ€tsdispositivs sei gerade, den Menschen vorzuleben, es ginge dabei um ihre (sexuelle) Befreiung.

Der Gebrauch der LĂŒste

Im zweiten Band (1984) setzt sich Foucault mit der Sexualethik, und allgemein dem „Gebrauch der LĂŒste“ des antiken Griechenlands auseinander. Besondere Aufmerksamkeit richtet Foucault auf HomosexualitĂ€t und Knabenliebe und ihre moralethischen Mechanismen. FĂŒr das christliche Ideal der Askese findet er in der hippokratischen DiĂ€tetik (Maßnahmenprogramm fĂŒr ein gesundes Leben) eine Wurzel; hierbei handele es sich allerdings nicht um historische KontinuitĂ€ten.

Die Sorge um sich

Im dritten Band fĂŒhrt Foucault die Untersuchung des zweiten Bands fort. Dabei betont er die allgemeine Bedeutung der „Selbstsorge“ in der Ethik der griechisch-römischen Antike, die er als „Kultur seiner selber“ als zentrales Motiv der antiken Freiheitspraktiken erkennt. Die Themenfelder, an denen Foucault dieses Motiv untersucht, sind die Traumdeutung, die Gemeinschaft mit den anderen, sowie erneut der Körper, die Frau und der Knabe.

Der vierte und letzte Band, Die GestĂ€ndnisse des Fleisches (frz. Les aveux de la chair), bleibt bis heute aufgrund einer testamentarischen VerfĂŒgung unveröffentlicht.

Weitere Schriften

Neben den erwĂ€hnten grĂ¶ĂŸeren Werken existieren zahlreiche kleinere Schriften, darunter Arbeiten zur Literatur und Kommentare zu aktuellen Ereignissen, weniger bekannte Werke wie eine Monographie ĂŒber Raymond Roussel und zahlreiche erst nach seinem Tod herausgegebene Vorlesungen am CollĂšge de France. Da Foucault posthume Publikationen testamentarisch untersagt hatte, wurden zur Edition die Dokumentation des in Vortragsform „veröffentlichten“ Worts, vor allem also die vorhandenen TonbĂ€nder, herangezogen.

Wirkungsgeschichte

Zuordnung

Foucault lĂ€sst sich nicht eindeutig einer philosophischen Richtung zuordnen und hat sich selbst oft gegen solche Versuche gewandt. Dennoch ist es heute ĂŒblich, Foucault als Poststrukturalisten zu bezeichnen. Obwohl er besonders in der ArchĂ€ologie des Wissens strukturalistische Gedanken und Verfahren verwendete, war er kein Strukturalist, wie er selbst wiederholt betonte: "In Frankreich beharren gewisse halbgewitzte Kommentatoren darauf, mich als Strukturalisten zu etikettieren. Ich habe es nicht in ihre winzigen Köpfe kriegen können, daß ich keine der Methoden, Begriffe und SchlĂŒsselwörter benutzt habe, die die strukturalistische Analyse charakterisieren."[21]

Ähnliches gilt fĂŒr sein VerhĂ€ltnis zum Marxismus. In den 1950er Jahren war er fĂŒr kurze Zeit Mitglied in der Kommunistischen Partei.[22] SpĂ€ter distanzierte er sich vom Marxismus.

Zeitkontext

Stets sorgten die das traditionelle philosophische Denken unterminierenden Thesen Foucaults sowie deren politische Implikationen fĂŒr leidenschaftliche Diskussionen. Foucault war einer der ersten, der die damals aktuellen marxistischen Denkfiguren und Geschichtstheorien mit ihrem Begriffsvokabular wie „Dialektik“, „Ideologie“, „Entfremdung“, oder „fortschrittliches Bewusstsein“ vehement zurĂŒckwies.[23] Dies brachte ihn in Opposition zur französischen Linken und ihrer Galionsfigur Sartre sowie zu den Theoretikern der Frankfurter Schule.

Rezeption

Explizit diskutiert wird Foucaults Diskursbegriff. In Anlehnung an seine Theorie wurden zahlreiche AnsĂ€tze der Diskursanalyse in verschiedenen Disziplinen entwickelt. In der deutschen Forschung sind z. B. die Namen JĂŒrgen Link und Siegfried JĂ€ger zu nennen. In den Geistes- und Sozialwissenschaften wird die Diskursanalyse erst in den letzten Jahren zu einer etablierten Methode und es entstehen zunehmend Arbeiten, die sich auf Foucault stĂŒtzen.

Ebenfalls wurde Foucaults Methodik der Analyse in der ArchĂ€ologie des Wissens rezipiert, die aber eine rĂŒckblickende Methodenreflexion und -kritik ist und sich als methodisches Lehrbuch wenig eignet.

Kritik an Foucault

  • Foucaults Denken wird von Marxisten – wohl auch wegen Foucaults Kritik am Marxismus – einer Logik des fortgeschrittenen Kapitalismus zugeschrieben.[24] Gleichzeitig kritisierte man, er stelle das kritische Denken durch ein fiktionalistisches Festschreiben subjektiven Erkennens, also durch Ununterscheidbarkeit, in Frage.
  • Nach dem Erfolg von Die Ordnung der Dinge attackierte Jean-Paul Sartre in einer Aufsehen erregenden Rezension Foucault. Sartre, der sich als Vertreter des Existenzialismus dem Humanismus gegenĂŒber verpflichtet sah, richtete seine Kritik auf Foucaults Absage an den Humanismus. Aus der Perspektive Foucaults ist der Humanismus im 20. Jahrhundert theoretisch unfruchtbar und praktisch-politisch - im Osten wie im Westen - eine reaktionĂ€re Mystifikation. Insbesondere im Erziehungssystem schneide er den Menschen von der RealitĂ€t der technisch-wissenschaftlichen Welt ab.[25] Zu beachten ist dabei allerdings, dass Foucault bei seiner Kritik weniger den Humanismus an sich, sondern eher die Humanwissenschaften in den Fokus nahm.[25]
  • In der Foucault-Habermas-Debatte sieht der Philosoph JĂŒrgen Habermas Foucault in der Tradition einer radikalen Vernunftkritik, die von Nietzsche ausgehend zu den französischen Neostrukturalisten fĂŒhre. Foucaults Machttheorie verfange sich dabei in unauflösbare SelbstwidersprĂŒche.[26]
  • Der Linguist, Sozial- und Sprachphilosoph Noam Chomsky, der wie Foucault ĂŒber die französische Grammatik und Logik der Barockzeit gearbeitet, gleichartige Themen der politischen Philosophie behandelt hatte und mit diesem u.a. eine 1971 eine Fernsehdebatte ĂŒber Anthropologie fĂŒhrte[27], gestand Foucault zu, noch der verstĂ€ndlichste und gehaltvollste der französischen Poststrukturalisten und Postmodernisten zu sein; jedoch seien weite Teile seiner Arbeiten unklar, falsch oder wiederholten nur in prĂ€tentiöser rhetorischer Aufbereitung bereits bekannte, eher triviale Gedanken und Forschungsergebnisse anderer.[28]
  • 1998 belegte der deutsche Historiker Hans-Ulrich Wehler Foucault und sein Werk mit harscher Kritik.[29] Wehler sieht in Foucault einen schlechten Philosophen, der sich in den Geistes- und Sozialwissenschaften zu Unrecht großer Resonanz erfreue. Seine Arbeiten seien nicht nur in ihren empirisch-historischen Aspekten unzulĂ€nglich, sondern auch an zahlreichen Stellen von begrifflichen Konfusionen und inneren WidersprĂŒchen durchzogen. Auch leide Foucaults Werk unter einem Frankozentrismus, was schon daran erkennbar sei, dass Foucault die Arbeiten zentraler Theoretiker der Sozialwissenschaften wie Max Weber und Norbert Elias nicht zur Kenntnis genommen habe.
An Foucaults Diskurstheorie kritisiert Wehler vor allem, dass sich die Diskurse verselbstĂ€ndigen wĂŒrden. Subjekte seien aber nicht die Diskurse selbst, sondern die TrĂ€ger der Diskurse, von denen bei Foucault keine Rede sei. Den Machtbegriff Foucaults hĂ€lt Wehler fĂŒr „zum Verzweifeln undifferenziert“.[30] Foucaults These der „Disziplinargesellschaft“ sei ĂŒberhaupt nur dadurch möglich, dass Foucault keine Unterscheidung von AutoritĂ€t, Zwang, Gewalt, Macht, Herrschaft und LegitimitĂ€t kenne. Hinzu komme, dass sich diese These auf eine einseitige Quellenauswahl (psychiatrische Anstalten, GefĂ€ngnisse) stĂŒtze und andere Organisationstypen wie beispielsweise Fabriken außen vor lasse.
Insgesamt kommt Wehler zu dem Ergebnis, dass Foucault „wegen der endlosen MĂ€ngelserie seiner sogenannten empirischen Studien [
] ein intellektuell unredlicher, empirisch absolut unzuverlĂ€ssiger, kryptonormativistischer ‚RattenfĂ€nger‘ fĂŒr die Postmoderne“ sei.[31]
  • Der Philosoph Urs Marti, der 1999 ein Buch ĂŒber Foucault veröffentlichte, meint, Foucault habe in Anlehnung an Friedrich Nietzsche einen anarchistischen Nihilismus vertreten.[32] Er wĂŒrdigt aber die „befreienden Impulse“, die von seinem Werk ausgegangen seien, insbesondere seine „archĂ€ologisch-genealogischen“ Analysen der Humanwissenschaften und der Aspekte des Regierens.[33] Er sei kein Vertreter der GegenaufklĂ€rung, sondern habe es fĂŒr absurd gehalten, in der AufklĂ€rung eine Ursache des Totalitarismus zu sehen.[33]
  • Klaus Dörner attestierte Foucault in BĂŒrger und Irre 1969 eine beschrĂ€nkende Wirklichkeitsstrukturierung. Es sei außerdem unzulĂ€ssig, alle von der AufklĂ€rung unternommenen Anstrengungen als ideologisch zu verwerfen, da dadurch keinerlei gesellschaftlich verĂ€ndernde Praxis mehr entwickelt werden könne. Ähnlich argumentierte Sartre, als er Foucault ein fatalistisches Geschichtsbild vorwarf, das politische Praxis unmöglich mache.[34]
  • Foucault wurde auch ein allzu selektiver Umgang mit historischen Daten vorgeworfen, der es ihm erst ermögliche, seine Periodisierungen vorzunehmen.[35]

Literatur

Einzelne Veröffentlichungen Foucaults (Auswahl)

  • Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft. Frankfurt am Main 1993 (fr. Ausgabe Histoire de la folie Ă  l'Ăąge classique â€“ Folie et dĂ©raison, 1961).
  • Die Wahrheit und die juristischen Formen, Frankfurt am Main 2002 (fr. Ausgabe La vĂ©ritĂ© et les formes juridiques, Paris 1994)
  • Maladie mentale et personnalitĂ© (1954); reed. 1995 Maladie mentale et psychologie.
  • Die Geburt der Klinik. Eine ArchĂ€ologie des Ă€rztlichen Blicks. Frankfurt am Main 1988. ISBN 3-596-27400-1 (fr. Ausgabe Naissance de la clinique â€“ une archĂ©ologie du regard mĂ©dical, 1963).
  • Mikrophysik der Macht. Über Strafjustiz, Psychiatrie und Medizin, Berlin: Merve Verlag 1976. ISBN 978-3-920986-79-1
  • Die Ordnung der Dinge. Frankfurt am Main 1974; Taschenbuchausgabe: Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2003. ISBN 3-518-06734-6 (fr. Ausgabe Les mots et les choses â€“ Une archĂ©ologie des sciences humaines, Paris 1966).
  • La pensĂ©e du dehors (1966).
  • ArchĂ€ologie des Wissens. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2002. ISBN 3-518-27956-4 (fr. Originaltitel L'archĂ©ologie du savoir).
  • Von der Subversion des Wissens, Frankfurt am Main 1987.
  • Ceci n'est pas une pipe (1973).
  • Schriften zur Literatur, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2003. ISBN 3-518-29275-7
  • Die Ordnung des Diskurses. MĂŒnchen 1974 (fr. Originaltitel L'ordre du discours).
  • Überwachen und Strafen, Frankfurt am Main 1977. ISBN 3-518-38771-5 (fr. Ausgabe Surveiller et punir â€“ la naissance de la prison, Paris 1975).
  • Der Faden ist gerissen (zus. mit Gilles Deleuze), Berlin: Merve Verlag 1977.
  • Dispositive der Macht. Michel Foucault ĂŒber SexualitĂ€t, Wissen und Wahrheit, Berlin 1978: Merve Verlag. ISBN 3-920986-96-2
  • Vom Licht des Krieges zur Geburt der Geschichte, Berlin: Merve Verlag 1986.
  • SexualitĂ€t und Wahrheit 1–3:
    • Der Wille zum Wissen. SexualitĂ€t und Wahrheit 1, Frankfurt am Main 1983. ISBN 3-518-28316-2 (fr. Ausgabe Histoire de la sexualitĂ©, vol. 1: La volontĂ© de savoir, Paris 1976).
    • Der Gebrauch der LĂŒste. SexualitĂ€t und Wahrheit 2, Frankfurt am Main 1989 (fr. Ausgabe Histoire de la sexualitĂ©, vol. 2. LÂŽusage des plaisirs, Paris 1984).
    • Die Sorge um sich. SexualitĂ€t und Wahrheit 3, Frankfurt am Main 1989 (fr. Ausgabe Histoire de la sexualitĂ©, vol. 3. Le souci de soi, Paris 1984).
  • Von der Freundschaft als Lebensweise, Berlin: Merve Verlag, 1985. ISBN 978-3-88396-041-8
  • Was ist AufklĂ€rung? in: Eva Erdmann u.a. (Hrsg.), Ethos der Moderne. Foucaults Kritik der AufklĂ€rung, Frankfurt/Main u.a. 1990. S. 35–54
  • Was ist Kritik?, Berlin: Merve Verlag 1992. ISBN 3-88396-093-4
  • Die Malerei von Manet, Berlin: Merve Verlag 1999. ISBN 978-3-88396-150-7
  • Der anthropologische Zirkel, Berlin: Merve Verlag 2003. ISBN 978-3-88396-182-8
  • Diskurs und Wahrheit. Berkeley-Vorlesungen 1983, Berlin: Merve Verlag 1996. ISBN 3-88396-129-9
  • Analytik der Macht., Frankfurt am Main 2005. ISBN 3-518-29359-1
  • Kritik des Regierens. Schriften zur Politik, ausgewĂ€hlt und mit einem Nachwort versehen von Ulrich Bröckling, Suhrkamp, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-29533-5

Vorlesungen am CollĂšge de France

  • La VolontĂ© de savoir (1970-1971)
  • ThĂ©ories et institutions pĂ©nales (1971-1972)
  • La SociĂ©tĂ© punitive (1972-1973)
  • Le Pouvoir psychiatrique (1973-1974) - (Die Macht der Psychiatrie. Aus dem Französischen von Claudia-Konersmann und JĂŒrgen Schröder. Frankfurt a. M. 2005).
  • Les Anormaux (1974-1975) - (Die Anormalen. Aus dem Französischen von Michaela Ott, Frankfurt a. M. 2003).
  • Il faut dĂ©fendre la sociĂ©tĂ© (1976-1977) - (In Verteidigung der Gesellschaft. Aus dem Französischen von Michaela Ott, Frankfurt a. M. 1999).
  • SĂ©curitĂ©, territoire et population (1977-1978) - (Geschichte der GouvernementalitĂ€t I: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung. Aus dem Französischen von Claudia-Konersmann und JĂŒrgen Schröder, Frankfurt a. M. 2004).
  • Naissance de la biopolitique (1978-1979) - (Geschichte der GouvernementalitĂ€t II: Die Geburt der Biopolitik. Aus dem Französischen von JĂŒrgen Schröder, Frankfurt a. M. 2004).
  • Du Gouvernement des vivants (1979-1980)
  • SubjectivitĂ© et vĂ©ritĂ© (1980-1981)
  • L'HermĂ©neutique du sujet (1981-1982) - (Hermeneutik des Subjekts. Aus dem Französischen von Ulrike Bokelmann, Frankfurt a. M. 2009.)
  • Le Gouvernement de soi et des autres (1982-1983) - (Die Regierung des Selbst und der anderen. Aus dem Französischen von JĂŒrgen Schröder, Frankfurt am Main 2009).
  • Le Gouvernement de soi et des autres: le courage de la vĂ©ritĂ© (1983-1984) - (Der Mut zur Wahrheit. Die Regierung des Selbst und der anderen II. Aus dem Französischen von JĂŒrgen Schröder, Frankfurt a. M. 2010).

Gesamtausgabe der Schriften

  • Schriften, Frankfurt a. M., 2001 ff., 4 BĂ€nde (fr. Ausgabe Dits et Ecrits, Paris, Gallimard, 1994, 4 volumes).

SekundÀrliteratur

Philosophiebibliographie: Michel Foucault – ZusĂ€tzliche Literaturhinweise zum Thema

Biographie

EinfĂŒhrungen

Kompendien

  • Clemens Kammler, Rolf Parr, Ulrich Johannes Schneider (Hrsg.): Foucault-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart, Weimar 2008, ISBN 978-3-476-02192-2.

Rezeption

Weblinks

PrimÀrliteratur
 Commons: Michel Foucault â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
SekundÀrliteratur

Einzelnachweise

  1. ↑ Urs Marti: Michel Foucault. Beck, MĂŒnchen 1999, S. 185.
  2. ↑ Michel Foucault: Subjekt und Macht, in: Michel Foucault: Analytik der Macht. Frankfurt am Main, 2005, ISBN 3-518-29359-1, S. 240-263 (S.256)
  3. ↑ Reiner Keller: Michel Foucault. Konstanz 2008.
  4. ↑ Michel Foucault: Überwachen und Strafen. Die Geburt des GefĂ€ngnisses. Frankfurt am Main 1977, S. 39f.
  5. ↑ Clemens Kammler/Rolf Parr/Ulrich Johannes Schneider: Foucault Handbuch; Leben-Werk-Wirkung, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2008, ISBN 978-3-476-02192-2, S. 165-178
  6. ↑ Ingeborg Breuer, Peter Leusch, Dieter Mersch: Welten im Kopf. Profile der Gegenwartsphilosophie. Rotbuch Verlag, Hamburg 1996, S. 141 f.
  7. ↑ Marcus S. Kleiner: Michel Foucault. Eine EinfĂŒhrung in sein Denken. Campus, 2001, S. 43ff.
  8. ↑ Michael C. Frank: Kulturelle Einflussangst. Inszenierungen der Grenze in der Reiseliteratur des 19. Jahrhunderts. Transcript, 2006, S. 31.
  9. ↑ Urs Marti: Michel Foucault. Beck, MĂŒnchen 1999, S. 18.
  10. ↑ Arthur Still: Rewriting the History of Madness. Routledge, 1992, S. 119.
  11. ↑ Nach James Miller: Die Leidenschaft des Michel Foucault. Kiepenheuer & Witsch, 1995, S. 142.
  12. ↑ Urs Marti: Michel Foucault. Beck, MĂŒnchen 1999, S. 21.
  13. ↑ Gary Gutting: Michel Foucault's archaeology of scientific reason. Cambridge University Press, Cambridge 1989, S. 139f.
  14. ↑ Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge. Frankfurt a. M. 1981, S. 24, vgl. auch S. 261: „Die Geschichte des Wissens kann nur ausgehend von dem gebildet werden, was ihm gleichzeitig war, und nicht in Termini gegenseitiger Beeinflussung, sondern in Termini von Bedingungen und in der Zeit gebildeter Apriori.“
  15. ↑ ebd., S. 373: "Vor dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts existiert der Mensch nicht." Und: „[E]s gab kein erkenntnistheoretisches Bewußtsein vom Menschen als solchem."
  16. ↑ a b Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge. Frankfurt a. M. 2008, S. 24:
  17. ↑ So etwa Ralf Konersmann in: Michel Foucault: Die Ordnung des Diskurses. Fischer, Frankfurt am Main 2001; und Stichwort Diskursanalyse. In: Metzler-Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Metzler, Stuttgart 2001.
  18. ↑ Am bekanntesten hierfĂŒr ist der Schlussteil der Ordnung der Dinge.
  19. ↑ Gary Gutting: Michel Foucault's archaeology of scientific reason. Cambridge University Press, Cambridge 1989, S. 227–231.
  20. ↑ Andere RĂ€ume, DE4, 931ff. (PDF).
  21. ↑ Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003 [zuerst 1974], S. 15.
  22. ↑ Didier Eribon: Michel Foucault. Eine Biographie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991, S. 69.
  23. ↑ Achim Volkers: Wissen und Bildung bei Foucault. AufklĂ€rung zwischen Wissenschaft und ethisch-Ă€sthetischen Bildungsprozessen, VS Verlag, 2008, S. 27
  24. ↑ Didier Eribon, a. a. O., S. 251.
  25. ↑ a b Urs Marti: Michel Foucault. 2. Auflage, Bremen 1999, ISBN 3-406-45543-3, S. 58 und 129f.
  26. ↑ JĂŒrgen Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, Frankfurt a.M. 1985, S.279ff.
  27. ↑ Vgl. mit weiteren einschlĂ€gigen BeitrĂ€gen Noam Chomsky / Michel Foucault / John Rajchman (Hg.): The Chomsky-Foucault Debate: On Human Nature, New Press, New York 2006, ISBN 1595581340.
  28. ↑ http://www.cscs.umich.edu/~crshalizi/chomsky-on-postmodernism.html
  29. ↑ Hans-Ulrich Wehler: Die Herausforderung der Kulturgeschichte. MĂŒnchen 1998, S. 45–95.
  30. ↑ Hans-Ulrich Wehler: Die Herausforderung der Kulturgeschichte. MĂŒnchen 1998, S. 81.
  31. ↑ Hans-Ulrich Wehler: Die Herausforderung der Kulturgeschichte. MĂŒnchen 1998, S. 91.
  32. ↑ Urs Marti: Michel Foucault. 2. Auflage, Bremen 1999, S. 149f.
  33. ↑ a b Urs Marti: Michel Foucault. 2. Auflage, Bremen 1999, S. 130 und 165.
  34. ↑ Ingeborg Breuer, Peter Leusch, Dieter Mersch: Welten im Kopf. Profile der Gegenwartsphilosophie. Rotbuch Verlag, Hamburg 1996, S. 114
  35. ↑ Urs Marti: Michel Foucault. Beck, MĂŒnchen 1999, S. 23

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