Architekt

ÔĽŅ
Architekt
Architekt am Reißbrett, 1970

Der Architekt (der Erste, der F√ľhrer, der Tektoi der Bauleute, aus dem griechischen ŠľÄŌĀŌáőģ arch√©, "Anfang", Ursprung, Grundlage, das Erste und ŌĄő≠ŌáőĹő∑ techne, Kunst, Handwerk‚Äė sowie ŠľÄŌĀŌáőĻŌĄő≠őļŌĄőŅŌā archit√©ktos, Oberster Handwerker, Bauk√ľnstler, Baumeister‚Äė) befasst sich mit der technischen, wirtschaftlichen, funktionalen und gestalterischen Planung und Errichtung von Geb√§uden und Bauwerken vorwiegend des Hochbaues. Seine Kernkompetenz ist das √ľber das Bauen hinausgehende Schaffen von Architektur.

Inhaltsverzeichnis

√úberblick

Darstellung eines Architekten, abgezeichnet von Eugène Viollet-le-Duc

Das Berufsbild des Architekten ist nicht eindeutig definier- und abgrenzbar, l√§nderweise verschieden und st√§ndig in Bewegung. Die Spannweite der T√§tigkeitsbereiche reicht von der ‚ÄěBaukunst‚Äú, die sich dem Entwurf und der Architekturtheorie widmet, √ľber Ingenieurt√§tigkeiten und das technische Entwerfen von Geb√§uden bis hin zur Bauleitung, bei der Bauplanung und -ausf√ľhrung koordiniert werden und deren Augenmerk vor allem auf Terminen, Qualit√§t und Baukosten liegt.

Dem Berufsfeld zwischen Baukunst aktuellen oder historischen Zuschnitts auf der einen und angewandter Technik auf der anderen Seite entsprechen auch die möglichen Ausbildungswege wie Universitäten (vor allem Technische Universitäten / Technische Hochschulen), Fachhochschulen, Kunstakademien und Berufsakademien, aber auch Colleges und technische Mittelschulen. Die Schwerpunkte der Ausbildung werden traditionell unterschiedlich gesetzt: bei Kunstakademien wird vor allem Wert auf den gestalterischen Aspekt gelegt, an Universitäten wird bei der Ausbildung ein besonderes Augenmerk auf Theorie und Wissenschaft gelegt, an Fachhochschulen wird auf wissenschaftlicher Grundlage anwendungsorientierter als an den Unis ausgebildet und an Berufsakademien wird praxisnah, aber weniger breit gefächert ausgebildet als an einer Hochschule. Die meisten Institutionen haben inzwischen ein individuelles Ausbildungsprofil mit ganz eigenen Studienschwerpunkten.

Geschichte

Darstellung eines Architekten im Mittelalter

Der Beruf des Architekten ist traditionell generalistisch angelegt: die Baumeister vergangener Zeiten erstellten in Personalunion den Entwurf und die Statik und beaufsichtigen den Bauablauf. Je nach Epoche kamen sie aus ganz verschiedenen Klassen und Berufszweigen, zum Beispiel waren sie im R√∂mischen Reich meistens Milit√§ringenieure (vgl. Vitruv), im Fr√ľhmittelalter oft Kleriker, im Sp√§tmittelalter aus dem Handwerk, in der Renaissance K√ľnstler, Bildhauer oder Wissenschaftler.

Die aus dem Steinmetzhandwerk und der Bauh√ľttentradition hervorgegangenen mittelalterlichen Baumeister werden in zeitgen√∂ssischen Quellen als Werkmeister oder magister operis bezeichnet. Nach der Gesellenpr√ľfung als Steinmetz absolvierten sie eine zus√§tzliche Ausbildung und waren nach der Meisterpr√ľfung bef√§higt als Architekt zu arbeiten (siehe Werkmeisterb√ľcher),

Architekt, 1893

Erst im 19. Jahrhundert, im Zuge des √∂konomischen und technischen Fortschritts durch die Industrialisierung, bildete sich der Beruf des Architekten als eigene akademische Disziplin heraus. Es gab enorme Fortschritte in der Bautechnologie, neue Bauaufgaben (Geschosswohnungen, Feuerwehrwachen, Schulen) ergaben sich. Es entstanden Architekturschulen und -akademien. Die dort im Regelfall k√ľrzer ausgebildeten Baumeister f√ľhrten weiterhin ihre auf die Umsetzung spezialisierten Bauunternehmungen, die akademischen Architekten spezialisierten sich auf den Entwurf von Geb√§uden.

Zunehmend bildeten sich die Fachdisziplinen Architektur und Bauingenieurwesen heraus. Die Architekten besch√§ftigten sich schwerpunktm√§√üig mit der Gestaltung der Bauwerke des Hochbaues, die Bauingenieure erbringen s√§mtliche Leistungen f√ľr die Bauwerke des Tief- und Ingenieurbaues und planen das Tragwerk f√ľr Hochbauten, ebenso sind sie oft in der Bauleitung f√ľr Hochbauten t√§tig. Die Komplexit√§t der Aufgaben nahm seitdem kontinuierlich weiter zu, so dass sich im 20. Jahrhundert weitere Fachdisziplinen etablierten: St√§dtebau, Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur, Bauphysik etc.

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts kommen Berufe hinzu, die viele Aufgaben des klassischen Architekten √ľbernehmen. Baumanagement und Facility-Management √ľbernehmen die Koordination der Bauausf√ľhrung, gro√üe Firmen bieten komplette Planungs- und Ausf√ľhrungspakete an, so dass sich traditionelle Aufgabenfelder der Architekten verlagern. In manchen Bereichen ist auch in Deutschland ein R√ľckzug der Architekten auf den Aspekt des Entwerfens zu beobachten, wie dies in den USA zum Beispiel schon weit verbreitet ist.

Der Trend zur Spezialisierung macht heute auch vor dem an sich generalistisch angelegten Architektenberuf nicht halt. Neben dem Architekten, der sich haupts√§chlich mit Hochbau besch√§ftigt, gibt es in Deutschland noch die Berufsgruppen der Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und St√§dtebauarchitekten. Weiterhin findet in den einzelnen B√ľros eine zunehmende Spezialisierung auf bestimmte Bauaufgaben (Verwaltungs- und Gewerbebau, Kulturbau, Wohnungsbau etc.) oder auf bestimmte Leistungsphasen der Honorarordnung f√ľr Architekten und Ingenieure (z. B. Entwurf, Ausf√ľhrungsplanung, Ausschreibung oder Bauleitung) statt. √úberdies l√§sst sich eine weitere Spezialisierung auf bestimmte Nischen feststellen, wie z. B. das √∂kologische Bauen oder die Sanierung von Altbauten beobachten.

Arbeitsfelder

√úbliche Arbeitsfelder, die von Architekten (je nach Land, B√ľro und Qualifikation in unterschiedlichem Ma√üe) abgedeckt werden:

Arbeitsweise

So umfassend die Inhalte der Disziplin Architektur sind, so vielf√§ltig und komplex ist auch die Arbeit des Architekten. Nach wie vor arbeiten die meisten freiberuflichen wie auch angestellten Architekten in kleinen, mittleren bis gro√üen Architekturb√ľros f√ľr Bauentwurf, Bauplanung oder Bauleitung. Je nach Gr√∂√üe und Spezialisierung haben die B√ľros zum Teil eigene Abteilungen mit weiteren Fachplanern integriert wie etwa Innenarchitekten, Labortechniker, Lichtplaner, K√ľchenplaner, Bauphysiker, Freiraumplaner oder wie Spezialisten f√ľr Modellbau, Rendering/Visualisierung oder Public Relation. Durch den sich seit Jahren ver√§ndernden Markt sind jedoch immer mehr Architekten auch gewerblich t√§tig oder nehmen Funktionen als Gutachter oder Berater ein.

Architekturb√ľros

Architekturb√ľro 1967

Abgesehen von kleineren Bauvorhaben wie Einfamilien- oder Zweifamilienh√§usern ist der Planungsprozess meist stark arbeitsteilig organisiert. Dies betrifft nicht nur die Arbeit innerhalb der Architekturb√ľros, sondern auch die Zusammenarbeit mit den externen Projektbeteiligten.

Nur noch wenige Architekten bearbeiten das komplette Leistungsspektrum der deutschen HOAI mit allen Leistungsphasen. Vielmehr befassen sich die Mitarbeiter mittlerer und gr√∂√üerer B√ľros i. d. R. schwerpunktm√§√üig mit Teilbereichen des Planungsprozesses, wie z. B. dem Entwurf, der Ausf√ľhrungsplanung, der Ausschreibung und Vergabe von Bauauftr√§gen oder der Bauleitung. Auch eine Spezialisierung von Architekturb√ľros auf die jeweiligen Leistungsphasen 1 bis 5 (Entwurf, Genehmigung und Planung) oder die Leistungsphasen 6 bis 9 (wirtschaftliche und bauliche Umsetzung) ist inzwischen weit verbreitet.

Da bei jedem Bauvorhaben die Arbeit verschiedener Fachingenieure wie Statiker und Haustechniker, bei gr√∂√üeren Projekten zunehmend auch weiterer Experten wie Verkehrsplaner, Fassaden- und Landschaftsplaner oder Facility Manager, integriert werden muss, ist beim Architekten ein hohes Ma√ü an Kommunikations- und Koordinationsf√§higkeit sowie gleichzeitig Einf√ľhlungs- und Durchsetzungsverm√∂gen gefordert. Da Architektur immer auch an den Aspekt der Wirtschaftlichkeit gekoppelt ist, ist auch wirtschaftliches Denken und Handeln vom Architekten gefordert. Auf dem sich ver√§ndernden und insgesamt schrumpfenden Markt sind unter hohem Wettbewerbsdruck in zunehmenden Ma√üe Qualit√§ten in der Projektpr√§sentation gegen√ľber privaten und √∂ffentlichen Bauherren erforderlich.

Je nach Arbeitsschwerpunkt des einzelnen Architekten sind verschiedene Qualifikationen gefordert. Ben√∂tigt der Entwurfsarchitekt vor allem herausragende F√§higkeiten konzeptioneller und darstellerischer Art, sind beim Ausf√ľhrungsplaner ebenso gestalterische wie auch technisch-konstruktive und rechtliche Kenntnisse (Baurecht, Umweltschutz usw.) gefragt. In der Bauleitung sind vor allem organisatorische F√§higkeiten und detaillierte Kenntnisse des Bauablaufes und der Bauausf√ľhrung durch Baumeister und Handwerker erforderlich.

Diese Spezialisierung ist jedoch nicht so zu verstehen, dass die an einem Bauvorhaben beteiligten Architekten isoliert voneinander arbeiten. Die verschiedenen Projektphasen sind stark miteinander verzahnt und voneinander abh√§ngig. Ein Grundverst√§ndnis f√ľr den gesamten Planungsprozess ist daher auch f√ľr den Spezialisten unerl√§sslich, ebenso wie die Kooperation mit dem Bauingenieur und bei gr√∂√üeren Projekten mit dem Geod√§ten, weiteren Spezialisten und den zust√§ndigen √Ąmtern.

Die digitale Revolution der letzten Jahrzehnte hat nat√ľrlich erst recht nicht vor planenden Berufen wie dem Architekten haltgemacht. Zwar werden im Planungsprozess immer noch traditionelle Mittel wie Skizzen oder Modellbau angewandt. Die endg√ľltige Planung und Darstellung von Projekten wird allerdings inzwischen fast ausschlie√ülich mit Hilfe von CAD-Programmen am Computer erstellt. So ist die Beherrschung von mindestens einem CAD-Programm heute f√ľr Architekten unerl√§sslich. Oft werden aber auch Erfahrungen mit verschiedenen Programmen sowohl in der zwei- als auch dreidimensionalen Darstellung erwartet, die bei Entwicklungs- und Zeitreihen bisweilen sogar in die vierte Dimension geht.

Mehr Informationen zu den verf√ľgbaren CAD-Programmen sowie spezialisierten Programmen f√ľr den Architekten findet sich in den Artikeln CAD und Liste von CAD-Programmen.

Aufgrund der mittlerweile stark schwankenden Auftragslage und des infolgedessen ungleichm√§√üigen Arbeitsaufkommens innerhalb der meisten Architekturb√ľros sind je nach Organisation flexible Arbeitszeiten unverzichtbar. Vor wichtigen Terminen, wie z. B. Abgaben von Wettbewerben, Bauantr√§gen oder Bauherren-Pr√§sentationen, sind daher oft √úberstunden sowie Arbeit am Wochenende unerl√§sslich. Bei vielen Gro√üprojekten muss dar√ľber hinaus der verantwortliche Architekt oder eine von ihm befugte Person st√§ndig erreichbar sein.

Arbeit in anderen Bereichen

Zunehmend sind Architekten auch au√üerhalb ihres klassischen Bet√§tigungsfeldes besch√§ftigt. Dies k√∂nnen die Projektsteuerung auf Seite des Bauherren sein oder eine T√§tigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Auch T√§tigkeiten als Technische Sachverst√§ndige, Gutachter oder Berater sind √ľblich. Weitere interdisziplin√§re Schnittstellen gibt es mit den Bereichen Produktdesign, Industrialdesign, Kunst, Film & Theater, Multimedia, Werbung und Kommunikationsdesign.

Deutschland

Ausbildung

Die Ausbildung zum Architekten erfolgt in Deutschland (und √Ėsterreich/Schweiz) an Hochschulen im Rahmen eines Architekturstudiums. Erg√§nzend ist auch der zweite Bildungsweg √ľber ein oder mehrere Handwerke und Praxis z.B. im Architekturb√ľro m√∂glich. Die Architektenkammer entscheidet, wer sich Architekt nennen darf, wer vorlagenberechtigt ist und z.B. Bauantr√§ge einreichen darf.

Ein konsekutives Bachelor-Master-Studium dauert i.d.R. 10 Semester bzw. f√ľnf Jahre einschlie√ülich der Master-Arbeit Bei einigen Hochschulen ist ein Praxissemester in den Studienablauf integriert. Die durchschnittliche Studiendauer liegt jedoch oft √ľber der theoretischen Regelstudienzeit.

Das Bachelor-Studium an den Hochschulen dauert mindestens 6-8 Semester und schlie√üt mit dem akademischen Grad ‚ÄěBachelor‚Äú ab. Auch m√ľssen oft Praktika vor Aufnahme des Studiums und w√§hrend des Studiums von bis zu 6 Monaten nachgewiesen werden. Architekt ist man erst dann, wenn man in der Architektenkammer eingetragen ist. Dazu muss man mindestens zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen k√∂nnen. Der Bachelor-Abschluss wird jedoch teilweise von den deutschen Architektenkammern als nicht berufsqualifizierend angesehen, weshalb man trotz erfolgreichen Abschlusses nicht die Berufsbezeichnung ‚ÄěArchitekt‚Äú f√ľhren darf. Vorteile dieses Abschlusses sollen in dem modularen Studienaufbau und der h√∂heren internationalen Vergleichbarkeit liegen. Als Weiterbildung f√ľr Bachelor-Absolventen ist ein Master-Studium m√∂glich und f√ľr Absolventen eines Master-Studiums und f√ľr Diplom-Absolventen die Promotion.

Der auslaufende Diplomstudiengang mit dem Abschluss Diplom-Ingenieur (Univ., FH) bzw. Ingenieur (Fachschule-FS) dauert normalerweise als Regelstudienzeit an einer Universität 9 Semester, an einer Kunstakademie 10 Semester, an einer Fachhochschule 8 Semester.

Berufsbezeichnung

In Deutschland darf sich nur Architekt nennen, wer in die Architektenliste einer Architektenkammer eingetragen ist. Daf√ľr ben√∂tigt man neben dem abgeschlossenen Architekturstudium eine Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren; Details regeln die Architektengesetze der jeweiligen Bundesl√§nder.

Die Berufsbezeichnung Architekt berechtigt zur Einreichung eines Bauantrages und ist somit fast zwangsl√§ufig f√ľr die Arbeit als selbstst√§ndiger Architekt (Freier Architekt) erforderlich. Die Kammern verstehen sich als Interessenvertretung aller Architekten. Das hei√üt aber auch umgekehrt, dass die Interessen der gro√üen Zahl der nichtselbstst√§ndigen, in Architekturb√ľros t√§tigen, die nicht in die Kammer eingetragen sind - insbesondere der Absolventen - nur sehr bedingt durch die Kammern vertreten werden.

Berufsverbände

im Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure sind 20.000 Architekten und Ingenieure des Bauwesens organisiert. Der Verband deutscher Architekten (VDA) ist ein weiterer Interessenverband der deutschen Architekten, Innenarchitekten und Landschaftsarchitekten. Im Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine (DAI) sind 33 lokale Architekten- und Ingenieur-Vereine mit ca 4.000 Mitgliedern organisiert.[1]

Eine Vereinigung freiberuflich t√§tiger Architekten in Deutschland ist der Bund Deutscher Architekten (BDA), der nach eigenen Angaben rund 5.000 Mitglieder hat[2]. Die Vereinigung Angestellter Architekten e.V. (VAA) ist ein Berufsverband, der die Interessen angestellter Architekten in der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen und in der √Ėffentlichkeit vertritt.

Arbeitsmarkt und wirtschaftliche Situation

In Deutschland sind Architekten etwa je zu einem Drittel selbstständig, in der freien Wirtschaft angestellt oder in der öffentlichen Verwaltung tätig. Der Berufsstand befindet sich seit Mitte der 1990er Jahre jedoch in einer schweren Krise, in der sich die wirtschaftliche Situation der Architekten in Deutschland zunehmend verschlechtert.

Die Ursachen f√ľr diese Situation sind u. a.:

  • Vorhandene hohe Architektendichte
  • Beliebtheit des Studienganges, keine Regulierung der Studenten
  • Wegbrechen von Aufgabenfeldern (s. o.)
  • Mangelnde Nutzung von neuen Gesch√§ftsfeldern
  • Bereits erreichter Standard der Bausubstanz in Deutschland
  • Bev√∂lkerungsr√ľckgang
  • Wirtschaftliche Gesamtsituation

Als sehr kapitalintensive, auf Investitionen der freien Wirtschaft und der √∂ffentlichen Hand angewiesene Branche wurde die Bauwirtschaft in besonders starkem Ma√üe von der Wirtschaftskrise der sp√§ten 1990er und fr√ľhen 2000er Jahre und der prek√§ren Finanzlage der √∂ffentlichen Kassen in Mitleidenschaft gezogen. Der in Deutschland zu beobachtende Bev√∂lkerungsr√ľckgang f√ľhrte au√üerdem zu einer nachlassenden Nachfrage im Wohnungsbau. Infolgedessen hatte die Mehrheit der deutschen Architekturb√ľros mit erheblichem Auftragsmangel zu k√§mpfen. Zahlreiche B√ľros haben diese Krise nicht √ľberstanden.

Das Berufsbild des Architekten ist seit Jahren zunehmend Ver√§nderungen unterworfen. Viele einst klassische Bet√§tigungsfelder - von der konzeptionellen Entwicklung von Gro√üprojekten √ľber die Ausf√ľhrungsplanung bis zur Bauleitung - werden inzwischen von Projektentwicklern, Baukonzernen oder anderen Konkurrenten angeboten. Infolgedessen hat sich das Bet√§tigungsfeld solcher Architekturb√ľros, die nicht in der Lage sind, auf diese Entwicklung in angemessener Weise zu reagieren, in den letzten Jahren mehr und mehr eingeengt.

√Ąhnlich √Ąrzten und Rechtsanw√§lten haben selbst√§ndige Architekten den Vorteil einer gesetzlich vorgegebenen Honorarordnung HOAI die durch die Kopplung an die Baukosten automatisch inflationsausgleichend wirkt. In Architekturb√ľros angestellte Architekten, auch und insbesondere zur Erf√ľllung der Praktikumspflicht, leiden jedoch unter schlechter wirtschaftliche Situation und fehlender gewerkschaftlicher Vertretung und dr√ľcken den Einkommensschnitt. Dauerhafte Arbeitsverh√§ltnisse sind nicht die Regel. Viele B√ľros engagieren je nach Auftragslage Architekten kurzfristig. Viele Architekten sind daher gezwungen, sich in kurzen Abst√§nden immer wieder neue Jobs zu suchen, ebenso wie selbst√§ndige Architekten.

Das Statistische Bundesamt nennt 2008 aus Finanzamtsdaten ein durchschnittliches Bruttoeinkommen f√ľr Architekten von 54 529 ‚ā¨ p.a. Es ist jedoch zu beachten, dass in dieser Statistik nur in der Kammer offiziell als Architekten eingetragene Berufst√§tige mit einem entsprechend hohen Anteil an Selbst√§ndigen erfasst sind. Die Mehrheit der Architekten verdient deutlich weniger. Vor allem bei Berufsanf√§ngern sind die Geh√§lter erheblich niedriger und im Vergleich mit anderen akademischen Berufen im unteren Bereich angesiedelt.

√Ėsterreich

Berufsbezeichnung

Die Berufsbezeichnungen Architekt und Ziviltechniker sind in √Ėsterreich gesch√ľtzt und d√ľrfen gem√§√ü Ziviltechnikergesetz 1993 von Personen, denen eine entsprechende Befugnis nicht verliehen wurde, nicht gef√ľhrt werden.

Verbände

In √Ėsterreich geh√∂ren die Architekten gemeinsam mit den Ingenieurkonsulenten zur Gruppe der Ziviltechniker.

Schweiz

Ausbildung

In der Schweiz wird Architektur an verschiedenen Hochschulen im Rahmen eines Architekturstudiums gelehrt.

Berufsbezeichnung

Die Berufsbezeichnung Architekt ist in der Schweiz keineswegs gesch√ľtzt, daher gibt es zahlreiche Praktiker, die sich so bezeichnen. So sind auch die Anforderungen an die Berufsaus√ľbung nicht einheitlich geregelt. Einzig in Kantonen der franz√∂sischsprachigen Schweiz, im Tessin und in Luzern schreiben die kantonalen Baugesetze die qualitativen Mindestanforderungen an Architekten und Bauingenieure vor. Die akademischen Grade aus dem Erwerb von Hochschuldiplomen sind jedoch gesetzlich gesch√ľtzt.

Verbände

In der Schweiz ist die Architekturszene in drei Verb√§nde gefasst. Der Bund Schweizer Architekten (BSA), der Schweizerische Ingenieur und Architekten Verein (SIA) und Swiss Engineering STV (ehemals Schweizerischer Technischer Verband) als gr√∂√üter Berufsverband aller Ingenieure und Architekten. Speziell in der Schweiz gibt es auch den Beruf des Hochbauzeichners, welcher eine unterst√ľtzende Funktion in einem Architekturb√ľro √ľbernimmt.

Spanien / S√ľdamerika

In Spanien ist die Berufsbezeichnung Architekt (Arquitecto) wie in Deutschland gesch√ľtzt und setzt ein Studium der Architektur, sowie die Zugeh√∂rigkeit zu einer spanischen Architektenkammer voraus. Neben dem mit dem deutschen Architekt vergleichbaren Arquitecto existiert in Spanien noch eine weitere Berufsgruppe, die entscheidende Aufgaben bei der Geb√§udeplanung und -erstellung √ľbernimmt, die der sogenannten Aparejadores oder Arquitectos t√©cnicos. Anders als bei der Arquitectura, welche u.a. auch die entwurflichen, bauk√ľnstlerischen und -geschichtlichen Aspekte betrachtet und lehrt, konzentriert sich die vierj√§hrige akademische Arquitectura t√©cnica, auf die technisch-konstruktiven Probleme des Bauens. Der Aparejador ist allerdings kein Arquitecto, sondern ein Ingeniero civil und somit dem Bauingenieur oder anglo-amerikanischen Civil engineer gleichzusetzen. Sein Leistungsbild umfasst vorwiegend die Bereiche der Bauleitung und - √ľberwachung, Ausschreibung, Vergabe und Abstimmung mit den Beh√∂rden.

Stararchitekten

Der Begriff Stararchitekt bezeichnet ein mediales - aber kein architektonisches - Ph√§nomen. Als Stars im Sinne der Popkultur gelten erfolgreiche, international agierende Architekten, denen es durch spektakul√§re Entw√ľrfe und Realisierungen gelungen ist, die mediale Aufmerksamkeit der √ľberregionalen √Ėffentlichkeit zu erlangen (z.B. Nationalstadion Peking, das sogenannte "Vogelnest" von Herzog & de Meuron oder Frank Gehrys Guggenheim-Museum Bilbao) und deren Arbeiten sich oft durch eine plakative, leicht wiedererkennbare und unverwechselbare Handschrift auszeichnen (z.B. Daniel Libeskind oder Zaha Hadid). Bauherren k√∂nnen durch die Verpflichtung eines solchen Architekten von dessen Prestige und Glamour oft direkt finanziell profitieren. Das Engagement eines bekannten B√ľros mit internationalem Renommee kann die Finanzierung eines Projektes erleichtern, sowie den Vermarktungswert des Geb√§udes unmittelbar steigern. Unter Umst√§nden kann das Geb√§ude eines Stararchitekten zum Aush√§ngeschild einer ganzen Stadt oder Region und zum Motor einer positiven Entwicklung werden (Bilbao-Effekt).

Siehe auch

  •  Portal:Architektur und Bauwesen ‚Äď √úbersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Architektur und Bauwesen

Literatur

  • Binding, G√ľnther: Meister der Baukunst. Geschichte des Architekten- und Ingenieurberufes. Primus Verlag, Darmstadt 2004, ISBN 978-3896784971
  • D√∂rh√∂fer, Kerstin: Pionierinnen in der Architektur: Eine Baugeschichte der Moderne. T√ľbingen, Wasmuth 2004, ISBN 3-8030-0639-2
  • Durth, Werner: Deutsche Architekten. M√ľnchen, dtv 1992, ISBN 3-7828-1141-0
  • Eisenmenger, Mathias: Der Architekt: Das zuk√ľnftige Berufsbild unter Ber√ľcksichtigung seiner Verantwortung als Baumeister. Kassel, kassel university press 2007, ISBN 978-3-89958-252-9, (PDF-Version)
  • Hodonyi, Robert: Von Baustelle zu Baustelle. Ein Streifzug durch die Geschichte des Architektenmotivs in der Literatur. In: Weimarer Beitr√§ge. Zeitschrift f√ľr Literaturwissenschaft, √Ąsthetik und Kulturwissenschaften 54 (2008), H. 4, S. 589-608.
  • Johannes, Ralph (Herausgeber): Entwerfen. Architektenausbildung in Europa von Vitruv bis Mitte des 20. Jahrhunderts: Geschichte - Theorie - Praxis. Junius Verlag 2009, ISBN 3-88506-441-3
  • Kuhl, Isabel/ Lowis, Kristina/ Thiel-Siling, Sabine: 50 Architekten die man kennen sollte, Prestel Vlg., M√ľnchen 2008, ISBN 978-3-7913-4044-9
  • Pfammatter, Ulrich: Die Erfindung des modernen Architekten: Ursprung und Entwicklung seiner wissenschaftlich-industriellen Ausbildung. Basel [u. a.], Birkh√§user 1997, ISBN 3-7643-5473-9
  • Wolfensberger, Hanno: Architektend√§mmerung : 10 Abges√§nge auf einen Berufsstand. Frankfurt am Main / New York, Campus 1993, ISBN 3-593-34922-1

Weblinks

 Commons: Architects ‚Äď Sammlung von Bildern
 Wikiquote: Architektur ‚Äď Zitate
 Wikisource: Architektur ‚Äď Quellen und Volltexte
Wiktionary Wiktionary: Architekt ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ http://www.dai.org/index.php?Itemid=13
  2. ‚ÜĎ http://www.bda-bund.de/der-bda/aufgaben-und-ziele.html
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • architekt ‚ÄĒ {{/stl 13}}{{stl 8}}rz. mos I, Mc. architektkcie; lm M. architektkci {{/stl 8}}{{stl 20}} {{/stl 20}}{{stl 12}}1. {{/stl 12}}{{stl 7}} specjalista projektujńÖcy wnńôtrza, budynki, osiedla itp. i nadzorujńÖcy ich budowńô {{/stl 7}}{{stl 20}} {{/stl… ‚Ķ   Langenscheidt Polski wyjaŇõnieŇĄ

  • Architekt ‚ÄĒ [Wichtig (Rating 3200 5600)] Auch: ‚ÄĘ Architektin Bsp.: ‚ÄĘ Er wurde f√ľr George IV. von einem ber√ľhmten Architekten komplett renoviert. ‚ÄĘ Der Architekt arbeitete hart um das Haus zu entwerfen ‚Ķ   Deutsch W√∂rterbuch

  • Architekt ‚ÄĒ (v. gr. Architekton, Baumeister), befa√üt sich mit der Erfindung u. Anfertigung von Pl√§nen, nach denen aus unorganischen Stoffen der Natur eine k√ľnstliche organische Verbindung derartig hergestellt wird, da√ü aus derselben ein einheitliches, einem… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Architekt ‚ÄĒ (griech., Baumeister), derjenige, der die Baukunst praktisch aus√ľbt, Entw√ľrfe und Anschl√§ge (s. Bauanschlag) zu Geb√§uden fertigt und deren Ausf√ľhrung leitet und beaufsichtigt. Je nachdem sich der A. dem Privat oder dem Staats , dem st√§dtischen… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Archit√©kt ‚ÄĒ (grch.), Baumeister, Bauk√ľnstler ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Architekt ‚ÄĒ Architekt, Baumeister, Bauk√ľnstler. Architektonik, die Wissenschaft der Baukunst ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon

  • Architekt ‚ÄĒ Sm Baumeister std. (16. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus l. architectus, dieses aus gr. archit√©ktŇćn, einer Zusammensetzung aus gr. archi Erz und gr. t√©ktŇćn Baumeister, Zimmermann , also eigentlich Oberbaumeister . Zugeh√∂riges Adjektiv… ‚Ķ   Etymologisches W√∂rterbuch der deutschen sprache

  • Architekt ‚ÄĒ ¬ĽBaumeister¬ę: Das in dieser Form seit dem 16. Jh. bezeugte Fremdwort f√ľhrt √ľber gleichbed. lat. architectus auf griech. archi t√©ktoŐĄn ¬ĽBaumeister¬ę (eigentlich ¬ĽOberzimmermann¬ę) zur√ľck. Dessen Bestimmungswort archi ¬ĽOber , Haupt ¬ę geh√∂rt zu griech ‚Ķ   Das Herkunftsw√∂rterbuch

  • Architekt ‚ÄĒ Konstrukteur; Erbauer; Baumeister * * * Ar|chi|tekt [ar√ßi t…õkt], der; en, en, Ar|chi|tek|tin [ar√ßi t…õkt…™n], die; , nen: Person, die auf dem Gebiet der Baukunst ausgebildet ist, die Bauwerke entwirft und gestaltet, Baupl√§ne ausarbeitet und deren… ‚Ķ   Universal-Lexikon

  • architekt ‚ÄĒ m IV, DB. a, Ms. architektkcie; lm M. architektkci, DB. √≥w 1. ¬ęinŇľynier, specjalista w dziedzinie projektowania i wznoszenia budowli odznaczajńÖcych sińô wartoŇõciami uŇľytkowymi i artystycznymi¬Ľ InŇľynier architekt. ‚ąÜ Architekt wnńôtrz ¬ęspecjalista… ‚Ķ   SŇāownik jńôzyka polskiego


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.