Architektur

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Architektur
Historische Architektur: Himeji-jƍ in Japan aus dem 17. Jahrhundert
Zeitgenössische Architektur: Wohn- und GeschÀftshaus in Berlin, fertiggestellt 2010

Das Wort Architektur bezeichnet im weitesten Sinne die Auseinandersetzung des Menschen mit gebautem Raum. Das planvolle Entwerfen und Gestalten von Bauwerken ist der zentrale Inhalt der Architektur. Es gibt eine Vielzahl von Definitionen des Begriffes, die der Architektur verschiedene Aufgaben, Inhalte und Bedeutungen zuschreiben. Einige werden im Folgenden dargestellt.

Inhaltsverzeichnis

Bezeichnung

Etymologie

Die Baukunst. Figur am Orangerieschloss (Potsdam)

Bei dem Wort „Architektur“ handelt es sich um die eingedeutschte Version des lateinischen architectura, das sich vom altgriechischen αρχÎčτέÎșτωΜ [architĂ©kton] herleitet. Letzteres setzt sich zusammen aus αρχÎč- [archi-], „Haupt-“ und τέÎșτωΜ [tĂ©kton], „Baumeister“ oder „Zimmermann“ und ließe sich demnach etwa als „Oberster Handwerker“ oder "Hauptbaumeister" ĂŒbersetzen. Die Definition dessen, was „Architektur“ heute ist, hĂ€ngt demnach auch vom BetĂ€tigungsfeld des Architekten ab. Der Begriff hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt und ist in seiner ganzen Tiefe nur historisch fassbar.

Die Vieldeutigkeit des Wortes ist vor allem geprĂ€gt durch den zweiten Wortteil technĂ© und die architektur-theoretischen Interpretationen darĂŒber: Er kann verstanden werden als Kunst, Technik oder Tektonik. Alles dies sind Aspekte, die Architektur gleichermaßen und in jeder Hinsicht umfassen und als Begriff mit beschreiben und sie deutlich zur Bautechnik abgrenzen. Die ĂŒbertragenen Bedeutungen des Wortes Architektur können aus der „tektonischen“ Interpretation abgeleitet werden. Mit Architektur kann die strukturell organisierte Beziehung von materiellen wie ideellen Teilen oder Modulen beschrieben werden. Beispiele sind die Begriffe Softwarearchitektur und Politische Architektur. Dabei tritt allerdings der gestaltprĂ€gende Aspekt in den Hintergrund (siehe dazu BegriffsklĂ€rung: Architektur).

Eingrenzung des Begriffs

Der St. Galler Klosterplan ist eine berĂŒhmte mittelalterliche Architekturzeichnung

In der engeren Bedeutung des klassischen Architekturbegriffs meint Architektur die Kunst und/oder Wissenschaft des planvollen Entwurfs der gebauten menschlichen Umwelt, d. h. die Auseinandersetzung mit dem vom Menschen geschaffenen Raum und insbesondere der Wechselbeziehung zwischen Mensch, (vom Menschen geschaffenen) Raum und Zeit. Dabei schließt der klassische Architekturbegriff verschiedene Bedeutungsfacetten mit ein. Er steht

  • fĂŒr die Baukunst, die Schaffung und Ă€sthetische Gestaltung von Bauwerken / baulichen Anlagen aller Art. Allerdings ist der Begriff Baukunst heute nicht mehr sehr scharf. In einer Erweiterung des Begriffs steht der Begriff Architektur heute im akademischen Diskurs oft allgemein fĂŒr die Kunst des Schaffens und Gestaltens von RĂ€umen allgemein.
  • als Titel einer Bau-Typologie (hier auch mit Pluralbildung).
  • als Bezeichnung fĂŒr das Berufsfeld des Architekten.
  • als Oberbegriff fĂŒr die Werke der Architekten.
  • als Bezeichnung fĂŒr die Wissenschaft vom Bauen (weniger gebrĂ€uchlich Architektonik).

Über Jahrhunderte hinweg wurde Architektur im allerweitesten Sinne als Bauen jeglicher Art verstanden. Architektur war die Gestaltung von Bauwerken, die Kunst zu bauen, daher der Begriff Baukunst. Architektur beschĂ€ftigt sich mit einzelnen Bauwerken, vorwiegend im Bereich des Hochbaus. Die Liste von Bauwerken nach Funktion gibt einen Überblick ĂŒber die VielfĂ€ltigkeit der Aufgaben. In grĂ¶ĂŸerem Maßstab beschĂ€ftigt sich der StĂ€dtebau mit der Gestaltung von StĂ€dten und großen GebĂ€udekomplexen und dem Zusammenspiel von GebĂ€uden und ihrer Umgebung. Die Landschaftsarchitektur dagegen beschĂ€ftigt sich mit der gestalteten Landschaft unter architektonischen Gesichtspunkten. Die Innenarchitektur hat die Gestaltung von InnenrĂ€umen zum Ziel, ein Teilbereich ist zum Beispiel der Messebau.

Diese Definition ist aber insbesondere seit Beginn des 20. Jahrhunderts umstritten. Entsprechend werden die meisten Definitionsversuche nur im Kontext bestimmter Debatten um Inhalt, Aufgabe und Bedeutung der Architektur verstĂ€ndlich, wobei auch das jeweilige zeitgenössische Bauen mit seinen Ă€sthetischen, technischen, ökonomischen und politischen Implikationen zu berĂŒcksichtigen ist. Ähnlich wie beim Begriff des Kunstwerkes scheint es beim Architekturbegriff nicht möglich, sich auf die bloße Beschreibung eines Wortes oder einer Sache zu beschrĂ€nken.

Jede differenziertere Begriffsbestimmung erweist sich bei nĂ€herer Betrachtung als ein Ringen um Definitionshoheit und Geltungsmacht (siehe dazu die Schriften von Michel Foucault). Aufgrund des so implizierten normativen Aspektes bleibt jede inhaltliche Bestimmung von Architektur kontrovers und ist im Kern ideologisch geprĂ€gt. Jeder Definitionsversuch – soweit er eine Reflexion enthĂ€lt â€“ ist bereits Architekturtheorie. Die Definition von Architektur beruht im Wesentlichen auf der jeweiligen Haltung und dem Wertesystem der definierenden Person, sei es Bauherr, Architekt oder Architekturtheoretiker.

Dass die Bewertungen der jeweiligen Werke der Architekten meist kontrovers ausfallen, ist unvermeidlich, da es sich nicht nur um einen Wettbewerb von Talent und Kompetenz handelt, sondern auch um die GĂŒltigkeit der individuellen Wertesysteme. Durch die Varianz der Architekturauffassungen ist heute ein großer Formenreichtum in der Architektur gegeben.

Hier sollen einige gÀngige Definitionen erlÀutert werden. Die Zitate zeigen jeweils das Spannungsfeld der Diskussion.

Abgrenzung zum „bloßen Bauen“

Wo fĂ€ngt Architektur an und hört „bloßes Bauen“ auf?

Ein einflussreicher (und stark ideologisch gefĂ€rbter) Diskurs darĂŒber, was Architektur eigentlich sei, was Aufgabe des Architekten zu sein habe, ist die Unterscheidung von „Architektur“ (als Kunst) und „bloßem Bauen“. Diese GegenĂŒberstellung soll Architektur anhand einer besonderen gestalterischen QualitĂ€t vom einfach nur NĂŒtzlichen oder NotdĂŒrftigen unterscheiden und fĂŒhrt zur Frage, ob und wodurch sie sich auszeichne oder gar zur Baukunst werde (siehe dazu auch Ästhetik).

Baukunst im Barock

Dabei hat sich die herrschende Auffassung dessen, was bei Entwurf und Herstellung eines Bauwerkes die konstitutiv architektonische Leistung sei und damit das Bauwerk ĂŒber das rein Zweckhafte hinaus erhebe, im Laufe des vergangenen Jahrhunderts deutlich gewandelt: Bis Ende des 19. Jahrhunderts war es vor allem die Verwendung bestimmter ĂŒberlieferter Bauformen – der so genannte Stil â€“ mit meist reichen ornamentalen AusschmĂŒckungen, in denen sich der kĂŒnstlerische Rang als Mehrwert und Schönheit eines Bauwerkes in bewusster Opposition zu einer SphĂ€re purer Pragmatik manifestierte.

Hingegen wurde mit dem sogenannten Funktionalismus des 20. Jahrhunderts ein Begriff von Architektur vorherrschend, der auf den ersten Blick nur zweckhaft bedingte GebĂ€ude (auch Ingenieurkonstruktionen) als Architektur verstanden wissen wollte. Dabei wurden die konstruktiven, proportionsgebenden und raumbildenden Aspekte des Bauens zum eigentlichen gestalterischen Thema von Architektur erklĂ€rt. Mitunter hat man auch die geringfĂŒgigsten gestalterischen Interventionen im Rahmen funktionalistischer Planungen in den Rang einer (bau-)kĂŒnstlerischen Leistung erhoben. Zugleich wurde mit zahlreichen Proklamationen zur „ModernitĂ€t“, „Fortschrittlichkeit“ und dem „Ausdruck unserer Zeit“ eine symbolische Überhöhung oder VerklĂ€rung der funktionalistischen Architektur angestrebt. Nach mehreren Versuchen, diese Auffassung in der so genannten Postmoderne und dem Dekonstruktivismus zu revidieren, lebte das funktionalistische ArchitekturverstĂ€ndnis wieder auf.

Zitate
  • „Dabei ist meist angenommen worden, dass ein Bauwerk erst anfange ein Kunstwerk zu werden, wenn es mehr tue als dem bloßen BedĂŒrfnis zu genĂŒgen.“ (Hermann Muthesius: 1908 ĂŒber den Architekturbegriff des 19. Jahrhunderts in: Die Einheit der Architektur)
  • „Das Schlagwort «das ZweckmĂ€ĂŸige ist auch schön» ist nur zur HĂ€lfte wahr. Wann nennen wir ein menschliches Gesicht schön? Die Teile eines jeden Gesichts dienen einem Zweck, aber nur wenn sie vollkommen sind in Form, Farbe und wohlausgewogener Harmonie, verdient das Gesicht den Ehrentitel „schön“. Das gleiche gilt fĂŒr die Architektur. Nur vollkommene Harmonie in der technischen Zweck-Funktion sowohl wie in den Proportionen der Formen kann Schönheit hervorbringen. Und das macht unsere Aufgabe so vielseitig und kompliziert.“ (Walter Gropius: 1955 in: Architektur)
  • „Architektur ist, unabhĂ€ngig davon, wie profan oder anspruchsvoll der Zweck ist, dem sie dient, letztlich die Gesamtheit der durch Menschenhand verĂ€nderten Umwelt und damit eine kulturelle Leistung der Menschen.“ (Meinhard von Gerkan: 1982 in: Die Verantwortung des Architekten)

Raumbildung

Beim Barcelona-Pavillon von Mies van der Rohe spricht man von „fließendem“ Raum

Architektur kann ĂŒber ihren Raum schaffenden Charakter definiert werden. Aus diesem Blickwinkel besteht Architektur in der DualitĂ€t von Raum und HĂŒlle. Architektur schafft eine Grenze zwischen außen und innen. Durch diese Grenze oder HĂŒlle entsteht ein Raum zum Aufenthalt und TĂ€tigwerden von Menschen sowie zur Aufbewahrung seiner Dinge, geschĂŒtzt vor den unerwĂŒnschten EinflĂŒssen der Außenwelt.

Zitat
  • „Das zentrale Problem der Architektur ist der Raum, der den Menschen an Leib und Seele gesund erhĂ€lt.“ (Justus Dahinden: In Architektur - Architecture (Monografie 1998).)

Weitere Definitionen

  • Nach Vitruv (De Architectura) beruht Architektur auf drei Prinzipien: StabilitĂ€t (Firmitas), NĂŒtzlichkeit (Utilitas) und Anmut (Venustas).
  • Architektur ist „Harmonie und Einklang aller Teile, die so erreicht wird, dass nichts weggenommen, zugefĂŒgt oder verĂ€ndert werden könnte, ohne das Ganze zu zerstören.“ (Leon Battista Alberti: 1452 in: De re aedificatoria)
  • Architektur ist nach Louis Sullivan (1896), „das Gesetz aller organischen und anorganischen, aller physischen und metaphysischen, aller menschlichen und ĂŒbermenschlichen Dinge, aller echten Manifestationen des Kopfes, des Herzens und der Seele, dass das Leben in seinem Ausdruck erkennbar ist, das die Form immer der Funktion folgt.“ (siehe auch: form follows function)
  • „Architektur entsteht heute nach ökonomischen, konstruktiven und funktionellen GesetzmĂ€ĂŸigkeiten. Wir stehen im harten Kampf mit der Wirklichkeit. Und wenn dann noch etwas Ähnliches wie das, was man mit dem Attribut Kunst bezeichnet dazukommt, dann kann man in seinem Leben von einem unwahrscheinlichen GlĂŒck sprechen.“ (Egon Eiermann: Grosse Architekten. HĂ€userBuch-Verlag)
  • „Architektur kombiniert Kunst und Wissenschaft (oder Technologie), um die Umwelt nach den BedĂŒrfnissen des Menschen zu ordnen“ (Louis Hellman)
  • „Architektur ist Wissen um die Technik, EmpfĂ€nglichkeit gegenĂŒber der kĂŒnstlerischen Seite der Angelegenheit.“ (Arne Jacobsen)
  • „Der elementare Ausdruck architektonischer Formen ist ein gestischer. Er beruht einerseits auf ZeigequalitĂ€ten der gebauten Dinge, anderseits auf Empfindungen des fĂŒhlenden, sich bewegenden Leibes.“ (Wolfgang Meisenheimer: Das Denken des Leibes und der architektonische Raum)

Architekturgeschichte

Torhalle Lorsch aus dem 9. Jahrhundert
→ Hauptartikel: Geschichte der Architektur

Die Geschichte der Architektur ist so alt wie die Menschheitsgeschichte und mit dieser als kulturelles Element eng verwoben. Einen Überblick der einzelnen Entwicklungsschritte findet man unter den Stichworten Geschichte der Architektur beziehungsweise Baustil, die ErlĂ€uterungen zu Methodik und Gebiet des Faches im Artikel Architekturgeschichte. In Frankfurt am Main gibt es hierzu das Deutsche Architektur Museum. In der Dauerausstellung „von der UrhĂŒtte zum Wolkenkratzer” zeigt es 34 große Modell-Panoramen.

EinflĂŒsse

Gebauter Absolutismus: Das Schloss Versailles - der König als zentraler Bezugspunkt
Gebaute Demokratie: Das ReichstagsgebĂ€ude - das Volk ĂŒber dem Parlament

Architektur manifestiert sich in einem einzelnen GebĂ€ude, einem GebĂ€udekomplex, einer Siedlungsstruktur oder auch in einer gesamten Stadtanlage. Sowohl Einzelgestalt kleinerer und grĂ¶ĂŸerer Einheiten als auch die gesamte Stadtmorphologie werden insbesondere durch klimatische, technische, topografische und wirtschaftliche Randparameter beeinflusst. Daneben haben aber auch rechtliche, religiöse, politische und andere gesellschaftliche Gegebenheiten massiven Einfluss auf Architektur, StĂ€dtebau und Stadtplanung. Vor allem die reprĂ€sentative Architektur ist oft der sichtbare Ausdruck der jeweiligen Gesellschafts- und Herrschaftsform. Zum Beispiel das Schloss Versailles als Ausdruck des Absolutismus. Die Architektur ist somit ein wesentlicher Teil der kulturellen IdentitĂ€t einer Gesellschaft.

Bedeutung

Der moderne Mensch ist ununterbrochen von GebĂ€uden und Architektur umgeben. Sie kann Stimmung und Psyche positiv wie negativ beeinflussen. Auch auf die physische Gesundheit kann sie Einfluss haben. Architektur hat also fĂŒr jeden Menschen eine sehr konkrete Bedeutung und bestimmt das alltĂ€gliche Leben viel stĂ€rker als Musik, Literatur oder Malerei. Die QualitĂ€t des Lebensumfeldes sollte der Gesellschaft daher ein wichtiges Anliegen sein.

Nur ein Teil aller Bauwerke und GebĂ€ude ist von Architekten geplant. In wirtschaftlich wenig entwickelten Gebieten wird der ĂŒberwiegende Teil in Eigenbauweise oder durch Handwerker ohne viel Planung errichtet. In den Industrienationen herrscht die standardisierte Produktion von GebĂ€uden vor. Architekten werden vor Allem bei komplexen Planungen oder reprĂ€sentativen Bauwerken hinzugezogen. Daraus resultiert auch die weit verbreitete Meinung, Architektur bezöge sich nur auf besondere GebĂ€ude und sei vom „profanen“ Bauen zu differenzieren. Die negativen Folgen dieser Abgrenzung zwischen Architektur und Bauen sind in allen modernen StĂ€dten sichtbar.

Das Thema Architektur wird in Deutschland nicht gerade oft in der breiten Öffentlichkeit diskutiert und oft wird die Debatte ĂŒber zeitgenössische Architektur den „Fachleuten“ ĂŒberlassen. Die Verantwortung fĂŒr die gebaute Umwelt liegt aber nicht allein bei den Architekten. Der jeweilige Bauherr wĂ€hlt den Architekten aus und macht entscheidende Vorgaben. Das Öffentliche Baurecht gibt wesentliche Rahmenbedingungen vor. Ein allgemeingesellschaftliches Bewusstsein fĂŒr die Bedeutung der Architektur ist daher fĂŒr eine gute gebaute Umwelt unabdingbar.

In Deutschland versucht die Bundesstiftung Baukultur, das Bewusstsein fĂŒr die hohe Bedeutung der Architektur zu stĂ€rken. In Österreich gibt es in der Kunstsektion des Bundes eine eigene Abteilung fĂŒr Architektur und Design, außerdem eine Architekturstiftung und die Plattform fĂŒr Architekturpolitik und Baukultur. In einigen LĂ€ndern ist gute Architektur sogar als Staatsziel anerkannt, in Frankreich schon seit 1977 und Finnland seit 1998.

In manchen FĂ€llen erreicht Architektur eine hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung, die in einem Bauwerk ein Symbol ihrer Werte und Lebenseinstellung sieht. Beispiele sind der Eiffelturm in Paris (als Sinnbild fĂŒr die Stadt) oder die Twintowers in New York, die als Symbol des Kapitalismus und der westlichen Kultur zerstört wurden.

Zitate
  • „Architektur und StĂ€dtebau sind weder kultureller Luxus noch entbehrliche Dekoration. Vielmehr erwĂ€chst aus diesen grundlegenden Bausteinen einer Stadt lebenswerte Umwelt und stĂ€dtische IdentitĂ€t.“ (Aus der Zielsetzung des Wiesbadener Architekturzentrums)
  • „Unser Alltag wird zu einem wesentlichen Teil durch die Architektur bestimmt, die uns Tag fĂŒr Tag umgibt. [...] Die Architektur schafft den notwendigen baulichen Rahmen, in dem wir uns bewegen. Ohne Architektur wĂ€re die menschliche Gesellschaft nicht denkbar.“ (JĂŒrgen Tietz: 1998 In: Geschichte der Architektur des 20. Jahrhunderts.)

Wichtige Themen

Form: Bei der Basilius-Kathedrale in Moskau unterstreichen Farben, Material und Ornamente die Teilformen des GebÀudes
Konstruktion: Leipziger Messe

Bestimmte Themen beschÀftigen die Architekten immer wieder, unabhÀngig von Stil und Epoche. Diese Themen sind bei jedem Entwurf, der im Allgemeinen ein Unikat ist, neu zu bedenken.

  • Raum: Die Definition, Dimensionierung, Disposition, FĂŒgung und formale Gestaltung von RĂ€umen ist die wichtigste Aufgabe der Architektur. Siehe dazu: Raum (Architektur)
  • Positionierung und Orientierung: Die Positionierung eines Bauwerks in der Landschaft beziehungsweise auf der zur VerfĂŒgung stehenden FlĂ€che (GrundstĂŒck) und seine Orientierung geben den Ausschlag ĂŒber das Erscheinungsbild des Bauwerks, den Grad der PrivatsphĂ€re gegenĂŒber dem öffentlichen Raum, die Erschließung, das VerhĂ€ltnis von Außenraum und Innenraum und mögliche solare WĂ€rmegewinne.
  • Form: Die Gestalt des GebĂ€udes, also sein Grundriss, seine Form und Kubatur, seine Proportion, das alles sind Ă€sthetische Aspekte, die sich nicht allein von der Funktion ableiten lassen. Ein Entwurf lĂ€sst sich nicht anhand aller Randparameter „generieren“. Dazu kommt immer die Komponente der Ă€sthetischen und formalen Gestaltung.
  • Funktion: Das gute Funktionieren eines GebĂ€udes ist oberstes Ziel eines Entwurfes. Das betrifft sowohl die FunktionsablĂ€ufe, das technische Funktionieren der GebĂ€udehĂŒlle als auch Ă€sthetische und nicht-technische Funktionen, die ein Bauwerk zu erfĂŒllen hat. Da Architektur eine der wenigen praktischen KĂŒnste ist (siehe auch Design), die neben dem Ă€sthetischen Wert auch einen Gebrauchswert haben, steht sie immer im Spannungsfeld von Kunst und Funktion. Siehe auch: Liste von Bauwerken nach Funktion
  • Konstruktion: Um die gewĂŒnschten RĂ€ume zu erzeugen, ist die Wahl der richtigen Baukonstruktion entscheidend. Dabei mĂŒssen zum Beispiel auch Kosten- und Terminfaktoren bedacht sowie Komfortstandards erreicht werden. Die Skelettbauweise ermöglicht zum Beispiel einen freien Grundriss, fĂŒr einen Apartmentblock ist unter UmstĂ€nden die Raumzellenbauweise die beste Lösung. Der Rahmen der Möglichkeiten erweitert sich dabei kontinuierlich, man vergleiche einmal eine romanische Kirche mit der Leipziger Messe.
  • Fassade: Wie sollen die Fassaden, also die Ă€ußere HĂŒlle eines GebĂ€udes aussehen? Welche Farben und Materialien werden verwendet? Das alles liegt im Ermessensspielraum der Gestalter (und damit sowohl des Architekten, aber auch des Bauherren).
  • Lesbarkeit: Darunter versteht man, inwieweit an der Ă€ußeren Erscheinung eines Bauwerks zu erkennen ist, „was in ihm steckt“, also zum Beispiel, welche Funktion es hat, welche Konstruktion, welche innere Gliederung oder auch welche Bedeutung. Ob ein GebĂ€ude dies nach außen zeigen soll, kann sehr unterschiedlich beantwortet werden. Die Französische Nationalbibliothek zum Beispiel hat die Form von vier aufgeklappten BĂŒchern und signalisiert somit ihre Funktion nach außen. Etwas subtiler gingen die Architekten Herzog & de Meuron bei der Bibliothek der Fachhochschule Eberswalde vor, wo die Fassade mit Fotomotiven ĂŒberzogen ist, was den Informationsgehalt einer Bibliothek nach außen hin symbolisiert. Andere GebĂ€ude verschleiern ihr Innerstes dagegen hinter einer Schaufassade.
  • BezĂŒge zur Umgebung: Das idealisierte Leitbild der Architektur ist der Entwurf eines Bauwerks, das mit der Umgebung in vielschichtiger Art und Weise in Verbindung steht. Ein Bauwerk kann sich in seine Umgebung einfĂŒgen oder bewusst als Kontrast gestaltet sein. Die Beziehung wird Ă€ußerlich zum Beispiel durch Formgebung, Farbgestaltung und Materialauswahl hergestellt. SichtbezĂŒge, Raumabfolgen und WegefĂŒhrungen außen und innen spielen eine entscheidende Rolle fĂŒr den Bezug zwischen Bauwerk und Umgebung.
  • Ideeller Bezug: Im Rahmen der Denkmalpflege haben bestimmte Orte, Straßen, PlĂ€tze oder GebĂ€ude eine besondere Bedeutung. Der ideelle Bezug leitet sich dabei weniger aus formal-Ă€sthetischen Gesichtspunkten ab, sondern aus einem oder mehreren historischen Ereignissen, Gegebenheiten oder einem besonderen historischen Kontext, in dem ein Areal oder ein GebĂ€ude steht oder stand, z. B. bestimmte Abschnitte der ehemaligen Mauer bzw. die Übergangsstelle Checkpoint Charlie in Berlin, GeburtshĂ€user oder Wohn- bzw. ArbeitsstĂ€tten bedeutender Persönlichkeiten, StĂ€tten politischen Umbruchs usw.; selbst bei fehlender architekturhistorischer Bedeutung haben Architekten und Planer bei RĂŒckbauten, Rekonstruktionen, Umnutzungen, Umbauten oder Erweiterungen solcher historisch und gesellschaftlich spezifischen Orte den ideellen Bezug zu berĂŒcksichtigen.
  • Nachhaltigkeit, Ökologie und Energieverbrauch: Seit den 1980er Jahren, jedoch verstĂ€rkt seit die Debatte um die Globale ErwĂ€rmung immer breiter gefĂŒhrt wurde, sind Nachhaltigkeit, Ökologisches Bauen und die Verminderung des Energieverbrauchs von GebĂ€uden zu wichtigen Themen in der Architektur geworden. Viele GebĂ€ude haben einen hohen Heiz- und KĂŒhlenergiebedarf; auf die Lebensdauer des GebĂ€udes projiziert gibt es erhebliche Energie-Einsparungspotenziale. Beim Entwurf von GebĂ€uden werden heute die Ausrichtung, die Form des Baukörpers, die GebĂ€udehĂŒlle und die Baustoffe auch in Hinsicht auf ökologische Aspekte gewĂ€hlt. Dies hat zum Teil weitreichende Auswirkungen auf die Architektur der GebĂ€ude. Unter dem Stichwort Solararchitektur werden Konzepte zusammengefasst, die eine weitgehende Minimierung des Energieverbrauchs zum Ziel haben. Viele moderne GebĂ€ude erreichen heute einen guten Energiestandard.
  • Kosten: Das Budget, das der Bauherr zur Errichtung eines GebĂ€udes bereitstellt, ist ein zentraler Faktor, der ĂŒber die QualitĂ€t des Ergebnisses entscheidet. Oft werden Entwurfsentscheidungen aufgrund des Budgets getroffen, es hat also wesentlichen Einfluss auf die Architektur. Das Thema Kosten begleitet die Planer durch den gesamten Planungs- und AusfĂŒhrungsprozess.
  • Weitere hĂ€ufig auftauchende Schlagwörter in der Architekturdebatte sind:

BezĂŒge

  • Musik: Musik und Architektur gehören seit langer Zeit zum menschlichen Kulturgut. In der griechischen und römischen Antike waren sie viel enger miteinander verknĂŒpft als dies heute der Fall ist. Die Proportionslehre in der Architektur (vor allem der Renaissance) bezieht sich auf die Harmonielehre in der Musik. Architekten, Musiker und Philosophen haben in den Jahrhunderten nicht nur immer wieder Verbindungen zwischen den beiden KĂŒnsten gesucht und auch geschaffen, sondern sich auch wechselseitig neue Impulse gegeben. Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling sagte im Jahre 1859: Architektur ist erstarrte Musik. In Ă€hnlicher Weise ist bei Arthur Schopenhauer zu lesen: Architektur ist gefrorene Musik. Auch die Akustik eines GebĂ€udes spielt eine große Rolle (z. B. bei OpernhĂ€usern, Konzerthallen, Theatern, etc.).
  • Psychologie: Die Psychologie setzt sich mit der Architektur unter verschiedenen Aspekten auseinander. Die KĂŒnstlergruppe der Situationisten befasste sich in den 1960er-Jahren mit diesem Forschungsgebiet (siehe „Psychogeografie“).
    Studien zeigen, dass Architekten und Laien eine völlig unterschiedliche Wahrnehmung von Architektur haben. Dieses beruht auf dem unterschiedlichen Wissensstand und der daraus resultierenden unterschiedlichen Sichtweise. Die Architekturvorstellungen von Laien werden darĂŒber hinaus stark durch Medien und durch Rollenvorbilder beeinflusst.[1]
    Aus den Erkenntnissen ĂŒber die Wechselwirkung von Mensch und bebauter Umwelt ging die Architekturpsychologie hervor.[2] Von Bedeutung ist auch die farbpsychologische Wirkung der Gestaltung von InnenrĂ€umen und Fassaden. So sind Architekturpsychologen in der Lage, z. B. patientenorientierte PraxisrĂ€ume [3] zu gestalten.[4] Erforderlich sind Schemata und Erhebungsinstrumenten zur Beurteilung von BĂŒros, Wohnungen, Schulen, UniversitĂ€ten und KrankenhĂ€usern.[5]
    Die Architekturpsychologie bezieht Ihre Erkenntnisse aus empirischen Studien. Sie ist nicht mit den spirituellen Lehren des Feng-Shui zu verwechseln.
  • Soziologie: Bei der Architektursoziologie geht es um die symbolische Interaktion zwischen den sozial handelnden Menschen mittels der Konstitution und Gestaltung von RĂ€umen, beispielsweise von StĂ€dten, Landschaften (Parks), HĂ€usern, BrĂŒcken, Denkmalen oder besonderen Bauteilen (TĂŒrmen, TĂŒren u.a.) bis hin zur Innenarchitektur; also auch um den Beruf des Architekten, um Baupolitik, Bauwirtschaft und Wohnen.
  • Gesetzgebung: In fast allen LĂ€ndern unterliegen Bauwerke umfassenden gesetzlichen Bestimmungen und einer behördlichen Überwachung. Die erforderlichen Bedingungen u.a. der Standsicherheit, der Sicherheit im Betrieb, der stĂ€dtebaulichen Einbindungen, der technischen Versorgung und der Energieeffizienz nehmen auf die Architektur Einfluss.

Verweise

Literatur

Über Architektur
  • Louis Hellman: Architektur fĂŒr AnfĂ€nger (Architecture A-Z - A Rough guide). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1988, ISBN 978-3-499-17551-0.
  • Hermann Hipp, Ernst Seidl (Hrsg.): Architektur als politische Kultur. philosophia practica. Reimer, Berlin 1996, ISBN 3-496-01149-1.
Nachschlagewerke
  • Hans Koepf, GĂŒnther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X.
  • Ingo Sauer, Christine Kretschmer: Kinder entdecken Architektur - Projekte fĂŒr die Grundschule. Klett-Kallmeyer 2011.[6]
  • Ernst Seidl (Hrsg.): Lexikon der Bautypen. Funktionen und Formen der Architektur. Philipp Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-010572-6.

Siehe auch „Literatur“ in den Artikeln: Geschichte der Architektur, Architekturtheorie

Filme

  • Sense of Architecture, Regie: Heinz Emigholz, 2009
  • siehe auch Kategorie:Film ĂŒber Architektur

Weblinks

 Commons: Architecture â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Architektur â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Architektur â€“ Zitate
 Wikisource: Architektur â€“ Quellen und Volltexte
Online-Datenbanken zu Architekten und Bauwerken
  • archINFORM - weltweit grĂ¶ĂŸte Internationale Architekturdatenbank mit Informationen zu Bauten und Architekten (dt. Version)
  • nextroom - architektur im netz umfangreiche Datenbank aktueller Architektur ab 1900 (vorwiegend Österreich)
Literaturrecherche
Artikel, Referate

Siehe auch

 Portal:Architektur und Bauwesen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Architektur und Bauwesen

Einzelnachweise

  1. ↑ Interview mit dem Psychologen Stephan GrĂŒnewald zur Wirkung von Medienbildern in der Architektur in: archimaera (Heft 2/2009).
  2. ↑ WestfĂ€lischen Wilhelms-UniversitĂ€t in MĂŒnster, Lehrstuhl Prof. Dr. R. Bromme, Thema: Experten-Laienkommunikation in der Architektur
  3. ↑ Artikel von dem Architekturpsychologen Ralf Zeuge zur Gestaltung patientenorientierter PraxisrĂ€ume In 'ZahnĂ€rztliche Mitteilungen', zm 98, Nr. 12 vom 16. Juni 2008, Seite 88-89
  4. ↑ Seminare von Dr. Riklef Rambow, BTU Cottbus
  5. ↑ Forschungsarbeiten von Dr. Rotraut Walden, UniversitĂ€t Koblenz
  6. ↑ Eva Pfister (10. August 2011): Wie man Kinder fĂŒr Architektur begeistert. rp-online.de. Abgerufen am 10. September 2011.

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