Montreal

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Montreal
Montreal
Skyline von Montreal
Skyline von Montreal
Wappen von Montreal
Wappen
Flagge von Montreal
Flagge
Motto: Concordia Salus
(lat.: „Wohlergehen durch Harmonie“)
Lage in Québec
Montreal (Québec)
Montreal
Montreal
Staat: Kanada
Provinz: Québec
Région administrative: Montréal
Koordinaten: 45° 30â€Č N, 73° 34â€Č W45.5077-73.562630Koordinaten: 45° 30â€Č N, 73° 34â€Č W
Höhe: 30 m (8 – 233 m)
FlĂ€che: 363,52 kmÂČ
Einwohner:
– Metropolregion:
1.620.693 (Stand: 2006)
3.635.571 (Stand: 2006)
Bevölkerungsdichte: 4.458,3 Einw./kmÂČ
Zeitzone: Eastern Time (UTC−5)
Gemeindenummer: 66023
Postleitzahl: H0H – H9X
Vorwahl: +1 514, +1 438
GrĂŒndung: 1642
BĂŒrgermeister: GĂ©rald Tremblay
WebprÀsenz: ville.montreal.qc.ca/

Montreal (deutsch [mɔntreˈa:l], englisch [ˌmʌntÉčiːˈɑːl]) bzw. MontrĂ©al (französisch [mĂ”Ê€eˈal]) ist eine Millionenstadt in Kanada. Sie liegt im SĂŒdwesten der Provinz QuĂ©bec auf der Île de MontrĂ©al, der grĂ¶ĂŸten Insel im Hochelaga-Archipel, die vom Sankt-Lorenz-Strom und von MĂŒndungsarmen des Ottawa umflossen wird. Die Nachbarprovinz Ontario liegt knapp 60 Kilometer westlich, die Grenze zu den USA etwas mehr als 50 Kilometer sĂŒdlich. Das Stadtbild wird vom Mont Royal geprĂ€gt, einem 233 Meter hohen HĂŒgelzug vulkanischen Ursprungs im Zentrum der Insel, von dem sich der Name der Stadt ableitet.

Als der französische Seefahrer Jacques Cartier im Jahr 1535 als erster EuropĂ€er die Gegend erforschte, lebten Sankt-Lorenz-Irokesen auf der Insel. 1642 grĂŒndeten Paul Chomedey de Maisonneuve und Jeanne Mance das Fort Ville-Marie, eine katholische Missionsstation. Daraus entwickelte sich in der Folge die Siedlung Montreal, die 1760 unter britische Herrschaft kam. Montreal erhielt 1832 die Stadtrechte und gehört seit 1867 zu Kanada. Die Stadt wuchs rasch und entwickelte sich zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Landes, verlor aber im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts diese fĂŒhrende Rolle an Toronto. Bedeutende Ereignisse von weltweiter Ausstrahlung waren die Weltausstellung Expo 67 und die Olympischen Sommerspiele 1976.

Die Wirtschaft Montreals ist stark diversifiziert. Wichtige Pfeiler des Dienstleistungssektors sind Finanzdienstleistungen, Medien, Handel und Design. Von großer Bedeutung ist auch der Tourismus, dies aufgrund der SehenswĂŒrdigkeiten und des vielfĂ€ltigen kulturellen Angebots, das neben Museen auch zahlreiche Festivals in den Bereichen Film, Theater und Musik umfasst. Mehr als 60 internationale Organisationen haben ihren Sitz in Montreal. Im Industriesektor sind Luftfahrt-, Pharma- und Hochtechnologieunternehmen vorherrschend. Mit vier UniversitĂ€ten und mehreren weiteren Hochschulen ist Montreal ein bedeutender Bildungsstandort. Außerdem ist die Stadt ein Knotenpunkt im Schienen- und Straßennetz und verfĂŒgt darĂŒber hinaus ĂŒber den grĂ¶ĂŸten Binnenhafen auf dem amerikanischen Kontinent.

Mit einer Bevölkerungszahl von 1.620.693 Einwohnern (Stand: 2006)[1] ist Montreal die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt Kanadas und die grĂ¶ĂŸte QuĂ©becs. Die Verwaltungsregion MontrĂ©al, die alle Gemeinden auf der Insel umfasst, zĂ€hlt 1.854.442 Einwohner (2006).[2] Der Ballungsraum CommunautĂ© mĂ©tropolitaine de MontrĂ©al, der urbane Gebiete im nĂ€heren Umkreis miteinbezieht, zĂ€hlt 3.635.571 Einwohner (2006).[3] Französisch ist die Amtssprache Montreals. Sie ist die Hauptsprache von 56,9 % der Bevölkerung, wĂ€hrend 18,6 % hauptsĂ€chlich Englisch sprechen. Der Rest entfĂ€llt auf verschiedene Sprachen von Einwanderern, womit Montreal eine multikulturelle Bevölkerung besitzt.[1] Hinter Paris gilt Montreal als zweitgrĂ¶ĂŸte frankophone Stadt der Welt.[4]

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage

Montreal liegt im SĂŒdwesten der Provinz QuĂ©bec, knapp 60 Kilometer östlich der Nachbarprovinz Ontario und etwas mehr als 50 Kilometer nördlich der Grenze zu den USA. Die Provinzhauptstadt QuĂ©bec ist 275 Kilometer entfernt im Nordosten, die Bundeshauptstadt Ottawa 167 Kilometer entfernt im Westen. In sĂŒdwestlicher Richtung sind es 502 Kilometer nach Toronto, in sĂŒdöstlicher Richtung 407 Kilometer nach Boston und in sĂŒdlicher Richtung 530 Kilometer nach New York.[5]

Topografie und Geologie

Satellitenfoto des Hochelaga-Archipels

Der ĂŒberwiegende Teil des Stadtgebiets befindet sich auf der Île de MontrĂ©al, der mit Abstand grĂ¶ĂŸten Insel im Hochelaga-Archipel. Die 499 kmÂČ große Insel, die annĂ€hernd die Form eines Bumerangs aufweist, ist 50 Kilometer lang und bis zu 16 Kilometer breit. Auf ihrer SĂŒd- und Ostseite wird die Île de MontrĂ©al vom Sankt-Lorenz-Strom (frz. Fleuve Saint-Laurent) umflossen, einem der mĂ€chtigsten FlĂŒsse Nordamerikas. Die westliche und nördliche Begrenzung bildet der RiviĂšre des Prairies, einer von drei MĂŒndungsarmen des Ottawa River (frz. RiviĂšre des Outaouais). Die großen FlĂŒsse verbreitern sich an zwei Stellen zu Seen, der Ottawa im Westen zum Lac des Deux Montagnes, der Sankt-Lorenz-Strom im SĂŒden zum Lac Saint-Louis. Eine weitere bedeutende Wasserstraße ist der 14,5 Kilometer lange Lachine-Kanal im SĂŒden der Insel, der zur Umgehung der Lachine-Stromschnellen gebaut wurde. Der Sankt-Lorenz-Seeweg, der den Lachine-Kanal 1959 ĂŒberflĂŒssig machte, erstreckt sich knapp außerhalb der Stadtgrenze dem Sankt-Lorenz-Strom entlang.

Ein kleiner Teil des Stadtgebietes erstreckt sich ĂŒber mehrere vorgelagerte Inseln. Die wichtigsten sind die Île Sainte-HĂ©lĂšne, die Île Notre-Dame und die Île des SƓurs im Osten sowie die Île Bizard im Westen. Knapp außerhalb der Stadtgrenzen befinden sich unter anderem die Île JĂ©sus im Nordwesten sowie die Île Sainte-ThĂ©rĂšse und die Îles de Boucherville im Nordosten. Auf dem Festland besitzt Montreal keine Gebiete.

Im Zentrum der ansonsten ĂŒberwiegend flachen Île de MontrĂ©al ragt der Mont Royal auf, ein aus vulkanischem Gabbrogestein bestehender HĂŒgelzug mit drei Gipfeln auf einer Höhe von 233, 211 und 201 Metern. Der westlichste der MontĂ©rĂ©gie-HĂŒgel entstand in der Kreidezeit vor rund 125 Millionen Jahren durch Intrusion von magmatischem Gestein und Hornfels. Durch Erosion wurden die umliegenden, bis zu zwei Kilometer dicken Schichten aus Sedimentgesteinen im Laufe der Jahrmillionen abgetragen.[6] Westlich und nördlich des Mont Royal lagerten sich auf dem Grund von Urmeeren mĂ€chtige Kalksteinschichten ab. Diese wurden bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in zahlreichen SteinbrĂŒchen abgebaut und ĂŒberwiegend fĂŒr den HĂ€userbau verwendet.[7] Ansonsten herrscht Geschiebemergel vor, den vorstoßende und zurĂŒckweichende Gletscher wĂ€hrend der Wisconsin Glaciation ablagerten.[8] In der Schlussphase der Kaltzeit, vor rund 13.000 bis 10.000 Jahren, lag das Sankt-Lorenz-Tal unter dem Meeresspiegel im Champlainmeer. Dieser seichte Meeresarm des Atlantiks verschwand allmĂ€hlich aufgrund der postglazialen Landhebung.

Nachbargemeinden

Gebiet der Stadt Montreal (dunkelblau) und der Gemeinden der Communauté métropolitaine de Montréal (hellblau)

Das Stadtgebiet ist zu mehr als drei Vierteln von WasserflĂ€chen umgeben. Nachbargemeinden im SĂŒdwesten der Île de MontrĂ©al sind Dollard-Des Ormeaux, Dorval, Kirkland, Sainte-Anne-de-Bellevue und Senneville. Innerhalb des Stadtgebietes gibt es sechs Enklaven. Es sind dies die Gemeinden CĂŽte-Saint-Luc, Hampstead, MontrĂ©al-Est, MontrĂ©al-Ouest, Mont-Royal und Westmount.[9]

Im Nordwesten, auf der anderen Seite des RiviĂšre des Prairies auf der Île JĂ©sus, liegt die Stadt Laval, im Norden die Gemeinde Charlemagne. Westlich der Île Bizard, am gegenĂŒberliegenden Ufer des Lac des Deux Montagnes, liegen Deux-Montagnes, Sainte-Marthe-sur-le-Lac und Pointe-Calumet. Im Osten und SĂŒden, entlang dem Sankt-Lorenz-Strom, reihen sich folgende Gemeinden aneinander: Varennes, Boucherville, Longueuil, Saint-Lambert, Brossard, La Prairie, Candiac, Sainte-Catherine und Kahnawake (ein Reservat der Mohawk).[9]

Klima

Schneebedeckte Straße im Stadtbezirk Le Plateau-Mont-Royal

Montreal liegt im Übergangsbereich verschiedener klimatischer Regionen. Üblicherweise wird das Klima als boreal und vollfeucht bezeichnet, was der effektiven Klimaklassifikation Dfb entspricht.[10] Die Sommer sind kurz und feuchtheiß mit einer durchschnittlichen Höchsttemperatur von 26° C. Dabei können die Temperaturen an einzelnen Tagen auch weit ĂŒber 30 Grad Celsius steigen, wobei durchgehend eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit vorherrscht. Der Winter ist von sehr kaltem, schneereichem und windigem Wetter geprĂ€gt, bei lĂ€nger anhaltenden Frostperioden bis unter −20° C. Der FrĂŒhling und der Herbst sind mild, es können aber starke Temperaturschwankungen auftreten. Bekannt sind Montreal und die Umgebung fĂŒr den Indian Summer, der vor allem an warmen, sonnigen Herbsttagen mit frostigen NĂ€chten zum Ausdruck kommt.

Die jĂ€hrliche Niederschlagsmenge betrĂ€gt rund 980 mm. In den Monaten November bis April fĂ€llt durchschnittlich etwa 220 cm Schnee, wobei an 33 Tagen die Schneedecke mehr als 20 cm dick ist. Gewitter können vom spĂ€ten FrĂŒhling bis zum frĂŒhen Herbst auftreten, AuslĂ€ufer von TropenstĂŒrmen bringen starke RegenfĂ€lle mit sich. Die Sonnenscheindauer betrĂ€gt jĂ€hrlich ĂŒber 2000 Stunden. Die tiefste jemals gemessene Temperatur betrug −37,8° C am 15. Januar 1957, die höchste 37,6° C am 1. August 1976. Die grĂ¶ĂŸte Regenmenge an einem Tag war 94 mm am 8. November 1996, die grĂ¶ĂŸte Neuschneemenge 102 cm am 12. MĂ€rz 1971.[10]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschlĂ€ge fĂŒr Montreal
Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) -5,7 -3,9 2,2 10,7 19,0 23,6 26,2 24,8 19,1 12,7 5,3 -2,2 Ø 11
Min. Temperatur (°C) -14,7 -12,9 -6,7 0,6 7,7 12,7 15,6 14,3 9,4 3,4 -2,1 -10,4 Ø 1,4
Temperatur (°C) -10,2 -8,4 -2,3 5,7 13,4 18,2 20,9 19,6 14,6 8,1 1,6 -6,3 Ø 6,2
Niederschlag (mm) 78,3 61,5 73,6 78,0 76,3 83,1 91,3 92,7 92,6 77,8 92,6 81,3 ÎŁ 979,1
Sonnenstunden (h/d) 4,2 5,2 6,6 7,2 9,6 10,2 11,4 10,0 7,3 5,8 3,6 3,3 Ø 7
Regentage (d) 16,9 13,2 13,7 12,8 13,0 13,1 12,1 12,3 12,0 13,2 15,0 16,0 ÎŁ 163,3
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
-5,7
-14,7
-3,9
-12,9
2,2
-6,7
10,7
0,6
19,0
7,7
23,6
12,7
26,2
15,6
24,8
14,3
19,1
9,4
12,7
3,4
5,3
-2,1
-2,2
-10,4
Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
78,3 61,5 73,6 78,0 76,3 83,1 91,3 92,7 92,6 77,8 92,6 81,3
  Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


Fauna und Flora

In der Stadt gibt es zahlreiche GrĂŒnflĂ€chen, insbesondere in den Uferzonen, auf der Île Bizard und auf dem Mont Royal. Sie weisen einen bedeutenden Baumbestand auf, der ĂŒberwiegend aus Laubwald besteht. Am hĂ€ufigsten kommen Spitzahorne, Silber-Ahorne, Zucker-Ahorne, Amerikanische Linden, Winter-Linden, Gleditschien, Rot-Eschen, Weiß-Eschen, Sibirische Ulmen und ZĂŒrgelbĂ€ume vor.[11] Die Stadt verfĂŒgt seit 1948 ĂŒber eine eigene Baumschule fĂŒr die Aufzucht von JungbĂ€umen und StrĂ€uchern, die spĂ€ter in den Parks und Straßen gepflanzt werden. Sie befindet sich in L’Assomption, etwa 30 Kilometer nördlich des Stadtzentrums.[12]

Verschiedene Tierarten haben sich an das Leben in urbaner Umgebung und an die harten Winter angepasst. Zu den am hĂ€ufigsten vorkommenden Arten gehören WaschbĂ€ren, Streifenskunks, Grauhörnchen und Waldmurmeltiere.[13] DarĂŒber hinaus werden vermehrt RotfĂŒchse und Kojoten beobachtet.

Die 17 bedeutendsten GrĂŒnflĂ€chen Montreals werden unter der Bezeichnung Grands parcs de MontrĂ©al zusammengefasst. Dazu gehören Parkanlagen und Naturparks, die zusammen knapp 1800 Hektar groß sind.[14] Hinzu kommen Dutzende kleinere Parkanlagen und GrĂŒnflĂ€chen, die von den Stadtbezirken verwaltet werden. Ein bedeutendes Naturreservat knapp außerhalb des Stadtgebietes ist der Parc national des Îles-de-Boucherville auf der gleichnamigen Inselgruppe im Sankt-Lorenz-Strom.

Geschichte

Herkunft des Namens

Karte der Île de MontrĂ©al von Jacques-Nicolas Bellin (1744), auf der die Stadt noch als Ville-Marie bezeichnet wird

Der Name der Stadt Montreal leitet sich vom Mont Royal (französisch: „königlicher Berg“) ab. Namensgeber war Jacques Cartier, der 1535 den markanten HĂŒgelzug auf der Insel entdeckte und ihn zu Ehren von König François I. benannte. Als der venezianische Kartograf Giacomo Gastaldi 1556 fĂŒr die von Giovan Battista Ramusio herausgegebene Buchreihe Navigationi et Viaggi eine auf Cartiers Aufzeichnungen basierende Karte anfertigte, gab er dem HĂŒgelzug die Bezeichnung Monte Real. François de Belleforest verwendete in La Cosmographie universelle de tout le monde, seiner 1575 erschienenen Kosmografie, als erster die davon abgeleitete Namensform MontrĂ©al. Nach Erscheinen einer 1612 von Samuel de Champlain angefertigten Karte ĂŒbertrug sich der Name auf die gesamte Insel. Die 1642 gegrĂŒndete erste französische Siedlung auf der Insel hieß Ville-Marie. Dieser Name wurde allmĂ€hlich durch MontrĂ©al verdrĂ€ngt und fiel in der ersten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts außer Gebrauch.[15]

Nach Ende der französischen Herrschaft 1760 behielt die Stadt ihren Namen bei, die englische Schreibweise kommt jedoch ohne Akut aus. Die Stadtbewohner werden auf Englisch als Montrealers bezeichnet, auf Französisch als MontrĂ©alais (maskulin) bzw. MontrĂ©alaises (feminin), wobei ursprĂŒnglich die Form MontrĂ©alistes gelĂ€ufig war. In den irokesischen Sprachen heißt die Stadt TiohtiĂ :ke, in den Algonkin-Sprachen Moniang.[15] Der ursprĂŒngliche Stadtname wird heute fĂŒr den zentralen Bezirk Ville-Marie verwendet.

FrĂŒhgeschichte und Entdeckung

Die frĂŒhesten Hinweise auf die Anwesenheit von Menschen auf dem Gebiet der heutigen Provinz QuĂ©bec sind rund zehn Jahrtausende alt. Bereits um 5000 v. Chr. lassen sich die Schwerpunkte der kulturellen Entwicklung an den Großen Seen und am Sankt-Lorenz-Strom fassen (Proto-Laurentian). Daraus entwickelte sich eine weitrĂ€umige Regionalkultur, die als Middle Great Lakes-St. Lawrence-Kultur bezeichnet wird. Die Ă€ltesten Spuren auf dem Gebiet von Montreal stammen aus der Zeit um 2000 v. Chr. Zwischen 1000 v. und 500 n. Chr. spricht man von der FrĂŒhen Woodland-Periode, die durch TongefĂ€ĂŸe und den Gebrauch von Pfeil und Bogen gekennzeichnet ist. Der Anbau von KĂŒrbissen prĂ€gte zunehmend die Kultur und ermöglichte eine sesshaftere Lebensweise von Gruppen, die als VorgĂ€nger von Algonkin und Irokesen gelten. Im Stadtteil Lachine kamen 2009 an der Fundstelle LeBer-LeMoyne rund 32.000 Artefakte zum Vorschein, die auf zwei Siedlungsphasen hinweisen. Die Ă€ltere dauerte von etwa 500 bis 1200, die jĂŒngere setzte zwischen 1200 und 1350 ein.[16] Im Jahr 2010 gab es auf dem Stadtgebiet Montreals insgesamt 125 archĂ€ologische Fundstellen, die vom Bureau du patrimoine betreut werden.[17]

Entlang dem Sankt-Lorenz-Strom siedelten die Sankt-Lorenz-Irokesen, die zusammen mit den Huronen und den Irokesen einer gemeinsamen Sprachfamilie angehörten. Um 1000 begannen sie verstĂ€rkt von Gartenwirtschaft zu leben, vor allem von KĂŒrbis, Mais und Bohnen. Sie erbauten mit Palisaden befestigte und von Feldern umgebene Dörfer, von denen einige ĂŒber tausend Einwohner zĂ€hlten. Dabei bevorzugten sie erhöhte Standorte, um vor Überschwemmungen geschĂŒtzt zu sein. Ließ die Fruchtbarkeit der Böden nach, so zerlegten sie ihre aus LanghĂ€usern bestehenden Dörfer und bauten sie an einem anderen Standort wieder auf.[18]

Idealisierte Darstellung Hochelagas von Giovan Battista Ramusio und Giacomo Gastaldi (1556), gemĂ€ĂŸ Jacques Cartiers Aufzeichnungen

Der erste EuropĂ€er, der in die Gegend der heutigen Stadt gelangte, war der französische Seefahrer Jacques Cartier. Am 2. Oktober 1535 entdeckte er am Fuße des Mont Royal, in einiger Entfernung vom Flussufer, das befestigte Dorf Hochelaga, dessen Name in der Sprache der Einheimischen (Laurentisch) „Biberdamm“ bedeutete. Im Jahr 1603 begab sich Samuel de Champlain auf Cartiers Spuren. Die Sankt-Lorenz-Irokesen und ihre Siedlungen waren jedoch mittlerweile verschwunden, wofĂŒr es mehrere Theorien gibt: Konflikte mit benachbarten StĂ€mmen, die Auswirkungen der von EuropĂ€ern eingeschleppten Epidemien oder eine Wanderungsbewegung in Richtung der Großen Seen. ArchĂ€ologische Anhaltspunkte und der historische Kontext deuten am ehesten auf kriegerische Auseinandersetzungen mit anderen IrokesenstĂ€mmen hin, insbesondere den Mohawk. Die wenigen Überlebenden scheinen von diesen oder von den Algonkin assimiliert worden zu sein.[19]

Nach weiteren Erkundungsreisen in Neufrankreich kehrte Champlain im Juni 1611 zurĂŒck und richtete einen temporĂ€ren Pelzhandelsposten ein. Als Standort wĂ€hlte er eine Landzunge an der MĂŒndung des FlĂŒsschens Petite RiviĂšre in den Strom, die Pointe-Ă -CalliĂšre. Die vorgelagerte Île Sainte-HĂ©lĂšne merkte er als geeigneten Standort fĂŒr eine allfĂ€llige StadtgrĂŒndung vor, aus diesen PlĂ€nen ergab sich jedoch letztlich nichts.[20]

Französische Besiedlung

Die Compagnie de la Nouvelle France, die das Handelsmonopol in Neufrankreich besaß, ĂŒbertrug 1636 die Grundherrschaft (Seigneurie) ĂŒber die Île de MontrĂ©al an Jean de Lauzon, einen spĂ€teren Gouverneur von Neufrankreich. Er nutzte sein Vorrecht aber nicht, weshalb die Seigneurie an die SociĂ©tĂ© Notre-Dame de MontrĂ©al ĂŒbertragen wurde. Diese 1639 gegrĂŒndete religiöse Laiengemeinschaft wollte im Rahmen eines idealistisch-utopischen Siedlungsprojekts eine katholische Missionsstation aufbauen, um die Indianer zu bekehren. Im Auftrag der Gemeinschaft segelten der Offizier Paul Chomedey de Maisonneuve und die Krankenpflegerin Jeanne Mance mit rund 40 Kolonisten nach Neufrankreich. Sie grĂŒndeten am 17. Mai 1642 an der Pointe-Ă -CalliĂšre das Fort Ville-Marie, benannt nach der Jungfrau Maria.[21]

In den ersten Jahren ihres Bestehens war die Kolonie hĂ€ufig Angriffen der Irokesen ausgesetzt, welche die Pelzhandelswege gewaltsam unter ihre Kontrolle bringen wollten. Die Bewohner waren gezwungen, fast stĂ€ndig hinter der Befestigung zu leben, weshalb die Landwirtschaft sich kaum entwickeln konnte. Zudem gelang es der SociĂ©tĂ© Notre-Dame de MontrĂ©al entgegen ihrer Absicht kaum, Indianer zu bekehren. Erst als Maisonneuve 1653 und 1659 in Frankreich rund zweihundert weitere Kolonisten anwarb, konnte das langfristige Überleben von Ville-Marie gesichert werden. Zu den Neuankömmlingen gehörte Marguerite Bourgeoys, die 1982 heiliggesprochene BegrĂŒnderin der ersten Schule und der CongrĂ©gation de Notre-Dame de MontrĂ©al.[22]

Das Seminar der Sulpizianer, erbaut 1684–1687, ist das Ă€lteste erhalten gebliebene GebĂ€ude Montreals

König Louis XIV. unterstellte Neufrankreich 1663 direkt der französischen Krone. Im selben Jahr löste sich die SociĂ©tĂ© Notre-Dame de MontrĂ©al auf und ihre Grundherrschaftsrechte gingen an die Sulpizianer ĂŒber. Der Orden nutzte seine grĂ¶ĂŸeren Ressourcen, um die Infrastruktur der Stadt auszubauen und die Insel fĂŒr die Landwirtschaft zu erschließen. Weitere Orden von Bedeutung fĂŒr die Entwicklung der Stadt waren die Jesuiten und die franziskanischen RĂ©collets.[23] MilitĂ€rische Interventionen des nach Neufrankreich entsandten Carignan-SaliĂšres-Regiments drĂ€ngten 1665/66 die unmittelbare GefĂ€hrdung durch die Irokesen vorlĂ€ufig zurĂŒck. Montreal entwickelte sich in der Folge zu einem bedeutenden Zentrum des Pelzhandels, denn die Stadt lag strategisch gĂŒnstig am Ausgangspunkt verschiedener Handelsrouten, die ĂŒber die Großen Seen bis ins Tal des Mississippi und in die westliche PrĂ€rie reichten.[24] 1687 wurde die Stadt mit einer Holzpalisade befestigt.[25]

Stadtplan von Montreal (1725)

Trotz militĂ€rischer PrĂ€senz drangen die Irokesen im Verlaufe der Biberkriege immer wieder in Richtung Montreal vor. Mehrere Dutzend Siedler kamen ums Leben, als am 5. August 1689, kurz nach Beginn des King William’s War, das nahe gelegene Dorf Lachine ĂŒberfallen wurde. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren die Indianer nicht nur durch Kriege und Epidemien stark dezimiert worden, sondern waren aufgrund der ĂŒbermĂ€ĂŸigen Bejagung der Pelztiere auch wirtschaftlich geschwĂ€cht. Im August 1701 unterzeichneten Vertreter von 39 StĂ€mmen den Großen Frieden von Montreal, mit dem sie die Einstellung aller Feindseligkeiten untereinander und gegen die Franzosen vereinbarten.[26]

Im Queen Anne’s War (1702–1713) und im King George’s War (1744–1748) konnte Großbritannien unter Ausnutzung der höheren Einwohnerzahl und ProduktionskapazitĂ€t seiner Kolonien die MachtverhĂ€ltnisse in Nordamerika zu seinen Gunsten verschieben. In diesem Zusammenhang errichteten die Franzosen zwischen 1717 und 1738 die Stadtmauern von Montreal. In den 1730er Jahren, als Montreal ĂŒber 3.000 Einwohner zĂ€hlte, entstanden die ersten VorstĂ€dte.[27] Der 1737 fertiggestellte Chemin du Roy ermöglichte einen intensiveren Warenaustausch mit der Stadt QuĂ©bec, da der im Winter zufrierende Sankt-Lorenz-Strom kein Hindernis mehr darstellte.

Britische Herrschaft

Französische Truppen ergeben sich der britischen Armee (1760)
Der Lachine-Kanal um 1850

Im SiebenjĂ€hrigen Krieg konnten sich die Briten endgĂŒltig durchsetzen. Nach der Eroberung QuĂ©becs am 13. September 1759 war Montreal isoliert. Die Garnison ergab sich am 8. September 1760 kampflos den zahlenmĂ€ĂŸig ĂŒberlegenen britischen Truppen. Der Pariser Frieden 1763 besiegelte das Ende Neufrankreichs und den Beginn der britischen Herrschaft. Der 1774 in Kraft getretene Quebec Act garantierte die Religionsfreiheit und stellte den Code civil im Privatrecht wieder her. Auf diese Weise sicherten sich die Briten die LoyalitĂ€t der Großgrundbesitzer und des Klerus.[28]

Am 13. November 1775 nahm die Kontinentalarmee die Stadt wĂ€hrend der (letztlich erfolglosen) Invasion Kanadas ein. Die Montrealer feierten die aufstĂ€ndischen Amerikaner zunĂ€chst als Befreier. Doch die Besatzer machten sich mit umstrittenen Maßnahmen, darunter die Bezahlung von GĂŒtern und Dienstleistungen mit Papiergeld anstatt mit Gold sowie ein Verbot des Handels mit Indianern, rasch unbeliebt. Eine Delegation des Kontinentalkongresses unter der Leitung von Benjamin Franklin versuchte im April und Mai 1776 vergeblich, die Bevölkerung wieder fĂŒr ihre Sache zu gewinnen.[29] Am 15. Juni 1776 zog die Kontinentalarmee aus Montreal ab. Zwei Tage spĂ€ter brachten die Briten die Stadt wieder unter ihre Kontrolle.[30]

Montreal blieb unter britischer Herrschaft organisatorischer Mittelpunkt des Pelzhandels. Die frankokanadischen HĂ€ndler wurden allmĂ€hlich an den Rand gedrĂ€ngt, da sie kaum mehr TransportvertrĂ€ge und Expeditionsfinanzierungen erhielten. An ihre Stelle traten ĂŒberwiegend schottische HĂ€ndler. Diese bĂŒndelten ihre Interessen in der 1779 gegrĂŒndeten North West Company, die der Hudson’s Bay Company (HBC) Konkurrenz machte.[31] Zwischen 1804 und 1817 wurden die Stadtmauern abgerissen, da immer mehr Bewohner aus dem ummauerten Teil in die VorstĂ€dte zogen. Ab 1815 setzte eine Einwanderungswelle von EnglĂ€ndern und Iren ein, die eine Stimulierung und Diversifizierung der Wirtschaft mit sich brachte. 1817 nahm die Bank of Montreal, die Ă€lteste Bank Kanadas, ihre TĂ€tigkeit auf. Die Bedeutung des Pelzhandels nahm hingegen laufend ab und 1821 fusionierte die North West Company mit der HBC. Die Montrealer HandelshĂ€user setzten vermehrt auf den Export von Weizen und den Import von KonsumgĂŒtern. Zur Umgehung der fĂŒr Frachtschiffe unpassierbaren Lachine-Stromschnellen wurde der Lachine-Kanal erbaut, der ab 1825 den Handel mit Oberkanada erleichterte.[32]

Brand des ParlamentsgebÀudes der Provinz Kanada (1849)

Ab den frĂŒhen 1830er Jahren hatte Montreal eine englischsprachige Mehrheit. EnglĂ€nder und Schotten lebten ĂŒberwiegend im Westen, Frankokanadier im Osten, die Iren waren in den Ă€rmlichen Arbeitervierteln im SĂŒdwesten konzentriert. Als Verkehrssprache dominierte das Englische.[33] 1832 erhielt Montreal den Stadtstatus und somit das Recht, sich mit einem Stadtrat und einem BĂŒrgermeister selbst zu verwalten. Ab 1844 war Montreal Hauptstadt der Provinz Kanada, einem Zusammenschluss der Kolonien Ober- und Niederkanada. Aufgrund der Aufhebung von Schutzzöllen auf Exporte nach Großbritannien herrschte eine Wirtschaftskrise, zudem waren die politischen VerhĂ€ltnisse instabil. Als das Parlament im MĂ€rz 1849 beschloss, sĂ€mtliche GeschĂ€digten der Rebellionen von 1837, also auch die damaligen AufstĂ€ndischen, fĂŒr ihre Verluste zu entschĂ€digen, kam es zu Protesten seitens der anglophonen Konservativen. Eine aufgebrachte Menge steckte am 25. April 1849 nach zweitĂ€gigen StraßenkĂ€mpfen den MarchĂ© Sainte-Anne, das provisorische ParlamentsgebĂ€ude in Brand, das vollstĂ€ndig zerstört wurde. Aufgrund der unsicheren Lage beschloss die Regierung, Toronto zur neuen Hauptstadt zu machen.[34]

Montrealer GeschĂ€ftsleute finanzierten den Bau der ersten Eisenbahnlinie auf kanadischem Boden; die 1836 eröffnete Champlain and St. Lawrence Railroad fĂŒhrte vom SĂŒdufer des Sankt-Lorenz-Stroms nach Saint-Jean-sur-Richelieu. Die erste kurze Bahnlinie auf Stadtgebiet, die 1847 eröffnete Montreal and Lachine Railroad, diente als ErgĂ€nzung zum Lachine-Kanal. Ab 1853 verband die Atlantic and St. Lawrence Railroad Montreal mit Portland, 1856 nahm die Grand Trunk Railway die Hauptstrecke nach Toronto in Betrieb. Mit der Inbetriebnahme weiterer Strecken in den folgenden Jahren entwickelte sich Montreal zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt.[35] Bis in die 1850er Jahre hinein war die rasch wachsende Stadt wiederholt von Cholera- und Typhus-Epidemien betroffen, die zahlreiche Tote forderten. Der folgenschwerste Brand ereignete sich 1852, als 1.200 HĂ€user zerstört und 9.000 Menschen obdachlos wurden. WohlfahrtsverbĂ€nde, Stiftungen und Hospize konnten gegen die zunehmende Verarmung zunĂ€chst kaum etwas ausrichten.[36]

Industrialisierung und rasches Wachstum

Ansicht von Montreal (1888)
Aussicht vom Mont Royal auf das Stadtzentrum (1902)

Um 1860 war Montreal die grĂ¶ĂŸte Stadt in Britisch-Nordamerika, im 1867 gegrĂŒndeten Bundesstaat Kanada das unumstrittene Zentrum von Wirtschaft und Kultur. Die sieben Jahrzehnte zwischen 1860 und 1930 werden bisweilen als „goldenes Zeitalter“ bezeichnet. In diesem Zeitraum nahm die Einwohnerzahl um das Neunfache zu, von rund 90.000 auf knapp 820.000.[37] Ursache dieser Entwicklung war die rasch voranschreitende Industrialisierung. Insbesondere entlang dem Lachine-Kanal und dem Sankt-Lorenz-Strom ließen sich unter anderem folgende Wirtschaftszweige nieder: Metallverarbeitung, Maschinenbau, Lebensmittelindustrie, Brauereien, Schuhindustrie und Textilindustrie. Von großer Bedeutung fĂŒr den Transportsektor waren der Hafen von Montreal sowie die GĂŒterbahnhöfe der Grand Trunk Railway und der Canadian Pacific Railway.[38]

Ab 1866 war die Bevölkerung Montreals wieder mehrheitlich französischsprachig: Die prosperierende Industrie benötigte viele ArbeitskrĂ€fte, was wiederum zahlreiche Bewohner lĂ€ndlicher Gegenden der Provinz QuĂ©bec dazu bewog, in die Stadt zu ziehen, da sie sich hier bessere Verdienstmöglichkeiten erhofften. Die stĂ€dtische Gesellschaft war zweigeteilt. Das anglophone BĂŒrgertum kontrollierte die bedeutendsten Konzerne Kanadas und unterhielt enge Beziehungen zu Großbritannien. Der wirtschaftliche Einfluss der frankophonen Mittelschicht beschrĂ€nkte sich weitgehend auf kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen. Die Zweiteilung manifestierte sich ebenso in einem getrennten Bildungs- und Gesundheitswesen. WĂ€hrend die anglophonen Institutionen weitgehend sĂ€kular waren, ĂŒbte die katholische Kirche in den frankophonen Institutionen großen Einfluss aus. Ab den 1880er Jahren ließen sich osteuropĂ€ische Juden in großer Zahl nieder.[39] Mit weiteren FlĂŒchtlings- und Einwanderungswellen kamen insbesondere Italiener, Polen und Russen in die Stadt, aber auch Chinesen.

Durch die Eingemeindung zahlreicher Vororte in den Jahren 1883 bis 1918 erweiterte sich das Stadtgebiet um das FĂŒnffache. Dabei handelte es sich allerdings ĂŒberwiegend um Gemeinden mit Ă€rmlichen Arbeitervierteln, die sich beim Ausbau der Infrastruktur finanziell ĂŒbernommen hatten. Verbunden mit den sozialen Auswirkungen des Ersten Weltkriegs bĂŒrdete sich die Stadt Montreal eine derart große Schuldenlast auf, dass die Provinzregierung sie von 1918 bis 1921 unter Treuhandverwaltung stellen musste.[40] Die 1920er Jahre waren vom Aufschwung des Dienstleistungssektors geprĂ€gt.

Relativer Bedeutungsverlust und Strukturwandel

Montrealer SuppenkĂŒche (1931)

Die 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise hatte fĂŒr Montreal schwerwiegende Auswirkungen. Besonders stark betroffen war die Industrie, die zu einem großen Teil auf der Verarbeitung von natĂŒrlichen Rohstoffen basierte und somit vom Export abhĂ€ngig war. Die Arbeitslosigkeit stieg rasant an, worauf die Stadtverwaltung mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu reagieren versuchte.[41] Sinkende Steuereinnahmen und stark steigende Sozialausgaben belasteten das Stadtbudget; erschwerend kam hinzu, dass religiöse, soziale und erzieherische Institutionen von Grundsteuern befreit waren. Die Stadt widerstand Forderungen von GeschĂ€ftsleuten, die Steuern zu senken und fĂŒhrte 1935 stattdessen die erste Umsatzsteuer in der Provinz ein. Dennoch verschlechterte sich die finanzielle Situation zusehends, so dass die Stadt von 1940 bis 1944 erneut unter Treuhandverwaltung gestellt werden musste.[42] Die Kriegsökonomie wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs sorgte vorĂŒbergehend fĂŒr VollbeschĂ€ftigung; aufgrund steigender Steuereinnahmen konnte die Schuldenlast rasch abgebaut werden.

Montreal verlor allmĂ€hlich seine wirtschaftliche Vorrangstellung. Der Außenhandel war nicht mehr auf Europa ausgerichtet, sondern auf die Vereinigten Staaten; im Binnenhandel spielte Westkanada eine immer grĂ¶ĂŸere Rolle. Das zentral gelegene Toronto profitierte davon und stieg zum neuen Wirtschaftszentrum auf. Nach der Eröffnung des Sankt-Lorenz-Seewegs 1959 konnten hochseetaugliche Schiffe bis zu den Großen Seen verkehren.[43] Mit der ökonomischen Neuausrichtung verbunden war auch ein Bedeutungsverlust der anglophonen Montrealer Elite. WĂ€hrend der „Stillen Revolution“ in den 1960er Jahren erlebte die frankophone Gesellschaft eine durchgreifende Modernisierung. Sie drĂ€ngte den Einfluss der katholischen Kirche zurĂŒck, ĂŒbernahm die Kontrolle ĂŒber die eigene Wirtschaft und trat selbstbewusster auf. Dabei bildete sich auch eine separatische Bewegung heraus. Die linke terroristische Gruppierung Front de libĂ©ration du QuĂ©bec verĂŒbte im Großraum Montreal zahlreiche AnschlĂ€ge, bis sie 1970 im Zuge der Oktoberkrise zerschlagen wurde.[44] Die separatistische Parti QuĂ©bĂ©cois stellte ab 1976 erstmals die Regierung und setzte 1977 die Charta der französischen Sprache in Kraft, die dem Französischen den Vorrang in sĂ€mtlichen Lebensbereichen garantiert. Bedeutende Unternehmen verlegten ihren Hauptsitz daraufhin nach Toronto, entweder um ihre GeschĂ€fte weiterhin auf Englisch abwickeln zu können oder weil es ihnen an französischsprachigem Personal mangelte.[43]

Mit der VerdrĂ€ngung der Industrie durch den Dienstleistungssektor wandelte sich das Stadtbild Montreals grundlegend. Es entstanden zahlreiche Wolkenkratzer und das Stadtzentrum verlagerte sich weg von der am Flussufer gelegenen Altstadt (Vieux-MontrĂ©al) nĂ€her an den Mont Royal. Neue Autobahnen und BrĂŒcken ermöglichten schnellere Verbindungen in die Vororte, wobei sich der SiedlungsgĂŒrtel ĂŒber das Hochelaga-Archipel hinaus auszubreiten begann. Die Fertigstellung des Grundnetzes der MĂ©tro MontrĂ©al in den Jahren 1966/67 ermöglichte einerseits das Entstehen der weit verzweigten Untergrundstadt (Ville intĂ©rieure), andererseits wurde mit dem Aushubmaterial eine neue Insel im Sankt-Lorenz-Strom aufgeschĂŒttet, die Île Notre-Dame. Auf dieser sowie auf der benachbarten Île Sainte-HĂ©lĂšne fand 1967 die Weltausstellung Expo 67 statt, die zugleich das Hauptereignis der Hundertjahrfeier Kanadas war.

Als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1976 stand Montreal ein weiteres Mal im Fokus der Weltöffentlichkeit. Ein Boykott zahlreicher afrikanischer Staaten ĂŒberschattete die Veranstaltung. Massive KostenĂŒberschreitungen beim Bau des Olympischen Dorfes und der SportstĂ€tten fĂŒhrten zur AnhĂ€ufung eines Schuldenbergs in der Höhe von 1,5 Milliarden kanadischer Dollar. Zur Begleichung der Schulden musste die Provinz eine Sondersteuer auf Tabakwaren erheben. Das zum Zeitpunkt der Spiele noch fehlende Dach des Olympiastadions wurde mit elfjĂ€hriger VerspĂ€tung fertiggestellt, die Schulden waren erst 2006 endgĂŒltig abbezahlt.[45]

Das Wirtschaftswachstum fiel in den 1980er Jahren geringer aus als in zahlreichen anderen kanadischen GroßstĂ€dten. In den 1990er Jahre hatte sich das ökonomische Umfeld Montreals jedoch erheblich verbessert, da neue Unternehmen und Institutionen die traditionellen Wirtschaftszweige abzulösen begannen.[46] 1992 feierte die Stadt ihr 350-jĂ€hriges Bestehen mit zahlreichen kulturellen AnlĂ€ssen. Die Eröffnung der zwei höchsten Wolkenkratzer der Stadt im selben Jahr symbolisierte augenfĂ€llig den Wiederaufschwung Montreals. Im Zuge eines umfangreichen Stadterneuerungsprojekts zu Beginn des 21. Jahrhunderts konnten mehrere internationale Organisationen dazu bewogen werden, ihre Hauptsitze nach Montreal zu verlegen.

Fusionen und Abspaltungen

 
 
Die roten FlÀchen zeigen das Stadtgebiet Montreals vor 2002 (links) und nach 2006 (rechts), die blauen FlÀchen eigenstÀndige Gemeinden. In den Jahren dazwischen gehörten sÀmtliche Gebiete zur Stadt.

2001 beschloss die Provinzregierung der Parti QuĂ©bĂ©cois zahlreiche Gemeindefusionen; vorgesehen war unter anderem der Zusammenschluss sĂ€mtlicher Gemeinden auf der Île de Montreal. Die Regierung argumentierte, grĂ¶ĂŸere StĂ€dte seien effizienter und könnten besser gegen andere kanadische Metropolen bestehen, die ihr Territorium bereits vergrĂ¶ĂŸert hatten. Besonders im ĂŒberwiegend anglophonen Gebiet West Island regte sich heftiger Widerstand gegen die erzwungenen Fusionen. Die Gegner Ă€ußerten die Besorgnis, die EigenstĂ€ndigkeit der Vororte ginge verloren, die Steuerlast wĂŒrde sich erhöhen und die Sprachminderheiten wĂŒrden in der mehrheitlich frankophonen Stadt an Einfluss verlieren.[47]

Trotz der Bedenken setzte die Regierung die Vereinigung von 27 Gemeinden mit Montreal am 1. Januar 2002 durch. Bei den Provinzwahlen im April 2003 siegte die Parti libĂ©ral du QuĂ©bec, die traditionell den Anglophonen nahesteht. Eines ihrer Wahlversprechen lautete, in ganz QuĂ©bec die Fusionen nachtrĂ€glich einem Referendum zu unterstellen. Die neue Regierung legte aber schwierig zu erfĂŒllende Bedingungen fest. Erstens mussten ein Zehntel aller registrierten WĂ€hler eine Petition unterschreiben, um eine Abstimmung herbeizufĂŒhren. Zweitens mussten mindestens 35 % aller registrierten WĂ€hler zustimmen, eine einfache Mehrheit reichte somit nicht fĂŒr die Abspaltung.[48]

In 22 ehemaligen Gemeinden fanden am 20. Juli 2004 Abstimmungen statt. SĂ€mtliche Gemeinden stimmten der Loslösung von Montreal zu, doch Anjou, LaSalle, L’Île-Bizard, Pierrefonds, Roxboro, Sainte-GeneviĂšve und Saint-Laurent verfehlten das Quorum, weshalb diese Gemeinden endgĂŒltig bei der Stadt verblieben.[49] Keine Abstimmungen gab es in Lachine, MontrĂ©al-Nord, Outremont, Saint-LĂ©onard und Verdun. Die ĂŒbrigen 15 Gemeinden wurden am 1. Januar 2006 neu gegrĂŒndet, mussten aber zahlreiche ihrer frĂŒheren Kompetenzen an den Gemeindeverband abtreten.[47] Ungeachtet der Abspaltungen resultierte fĂŒr Montreal letztlich eine Verdoppelung des Stadtgebiets und eine Erhöhung der Bevölkerungszahl von einer Million auf 1,6 Millionen Einwohner.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Am Stichtag 1. Juli 2010 ermittelte das statistische Amt der Provinz QuĂ©bec folgende Einwohnerzahlen: Die Stadt Montreal zĂ€hlte 1.692.082 Einwohner[50], die Verwaltungsregion Montreal (entspricht dem Gebiet der Stadt und von 15 weiteren Gemeinden auf der Île de MontrĂ©al) 1.934.082 Einwohner[51] und die Metropolregion CommunautĂ© mĂ©tropolitaine de MontrĂ©al 3.859.318 Einwohner.[52] Somit ist Montreal die bevölkerungsreichste Gemeinde der Provinz und hinter Toronto die zweitgrĂ¶ĂŸte Stadt Kanadas.

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Bevölkerungsentwicklung gemĂ€ĂŸ den Ergebnissen der kanadischen VolkszĂ€hlungen, wobei wiederum die Stadt, die Verwaltungsregion und die Metropolregion miteinander verglichen werden.[37] Bis zur zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl kontinuierlich an. Die VolkszĂ€hlung von 1966 ergab ein vorlĂ€ufiges Maximum von 1.293.992 Einwohnern. Bis Ende der 1970er Jahre sank die Einwohnerzahl auf knapp ĂŒber eine Million und stagnierte die folgenden zwei Jahrzehnte. Die Zunahme um rund 600.000 Einwohner zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist auf verschiedene Eingemeindungen zurĂŒckzufĂŒhren. Weitaus grĂ¶ĂŸere Zuwachsraten sind in der Metropolregion feststellbar: Lebten 1901 noch 82,7 % aller Einwohner auf dem Gebiet der Metropolregion in Montreal, so waren es hundert Jahre spĂ€ter nur noch 30,3 %. Die Eingemeindungen bewirkten eine Zunahme auf 44,6 %.[37] GemĂ€ĂŸ EinschĂ€tzungen von Statistics Canada werden im Jahr 2030 fĂŒr die gesamte Metropolregion 4,9 Millionen Einwohner erwartet.[53]

Jahr Einwohner
Montreal Île de MontrĂ©al Metropolregion
1660 407
1700 2.969
1760 8.300
1781 17.945
1821 18.767
1841 40.356
1861 90.323
1871 130.022 144.044 174.090
1881 176.263 193.171 223.512
1891 254.278 277.525 308.169
1901 325.653 360.838 393.665
Jahr Einwohner
Montreal Île de MontrĂ©al Metropolregion
1911 490.504 554.761 594.812
1921 618.506 724.205 774.330
1931 818.577 1.003.868 1.064.448
1941 903.007 1.116.800 1.192.235
1951 1.021.520 1.320.232 1.539.308
1961 1.201.559 1.747.696 2.110.679
1971 1.214.352 1.958.595 2.743.208
1981 1.018.609 1.760.120 2.862.286
1991 1.017.666 1.775.691 3.127.242
2001 1.039.534 1.812.723 3.426.350
2006 1.620.693 1.854.442 3.635.571

Sichtbare soziale Probleme

Das Problem der Obdachlosigkeit kam spĂ€testens Mitte des 19. Jahrhunderts auf, als der Wechsel von Wirtschaftskrisen und Zuwanderungswellen die Zahl der Menschen auf der Straße anwachsen ließ. Anfangs reagierten WohltĂ€tigkeitsorganisationen und Kirchen darauf, indem sie ArmenkĂŒchen, UnterkĂŒnfte und Betreuung anboten. In den 1890er Jahren bestanden mehr als ein Dutzend Obdachlosenasyle. In den 1970er Jahren wies Montreal die höchste Obdachlosenrate im Land auf.[54] Mitte der 1980er Jahre schĂ€tzte man die Zahl der Obdachlosen auf 10.000 bis 15.000. Obwohl das Problem fĂŒr jeden sichtbar wurde, stieg ihre Zahl bis 2000 auf ĂŒber 28.000, von denen mehr als 12.000 seit ĂŒber einem Jahr kein Dach ĂŒber dem Kopf hatten. Dabei nahm der Anteil der Frauen allein zwischen 1989 und 1996 von 15 auf 20 % zu. Inzwischen sind 150 bis 200 VollzeitkrĂ€fte angestellt, um den Obdachlosen zu helfen. Unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen waren viele drogen-[55] und alkoholkrank, sie litten erheblich hĂ€ufiger unter Hepatitis und anderen typischen Krankheiten.[56] Seit 1992 erhielt die Frage der Obdachlosigkeit PrioritĂ€t und das Montreal model wurde entwickelt. Zum Kern wurde das RĂ©seau d'aide aux personnes seules et itinĂ©rantes de MontrĂ©al (RAPSIM), zu dem 60 Hilfsorganisationen zĂ€hlen. Hinzu kamen ein Forschungsinstitut und die FĂ©dĂ©ration des organismes sans but lucratif d'habitation de Montreal (FOHM), der 1995 bereits 60 HĂ€user zur VerfĂŒgung standen.

Sprachen

Muttersprachliche Mehrheiten in der Agglomeration (blau=französisch, rot=englisch, grĂŒn=„Allophon“)

Die wichtigste Sprache Montreals ist seit der GrĂŒndung Französisch und ab etwa 1760 kam Englisch hinzu. Dabei prĂ€gte der Sprachenstreit die MontrĂ©aler Geschichte ebenso weitgehend, wie der konfessionelle zwischen Katholiken und Protestanten. Zugleich ist der Gebrauch verschiedener Sprachen vielfach ein Signum gesellschaftlicher Zugehörigkeit und Ungleichheit. Das galt bis in die 1980er Jahre fĂŒr die beiden Hauptsprachen, und gilt bedingt auch heute noch fĂŒr die weniger hĂ€ufig gebrauchten Sprachen.[57]

Der Anteil der Einwohner französischer Muttersprache betrĂ€gt 53,6 %, jener englischer Muttersprache 12,8 %. Mit einem Anteil von 33,1 % bilden die „Allophonen“, deren Muttersprache weder Französisch noch Englisch ist, die zweitgrĂ¶ĂŸte Gruppe. Die bedeutendste Sprache der Einwanderer ist Italienisch (5,6 %), gefolgt von Arabisch (4,3 %), Spanisch (3,7 %), Chinesisch (2,3 %), Haitianisch (2,1 %) und Griechisch (1,3 %).[58]

Die Verteilung auf die Arrondissements ist sehr unterschiedlich. Der Anteil der Frankophonen reicht von 25,8 % in CĂŽte-des-Neiges–Notre-Dame-de-GrĂące bis 80,4 % in Mercier–Hochelaga-Maisonneuve. Am kleinsten ist der anglophone Anteil in Rosemont–La Petite-Patrie mit 3,7 %, am grĂ¶ĂŸten in Pierrefonds-Roxboro mit 33,7 %. Auffallend sind die hohen Anteile von Italienisch in Saint-LĂ©onard (30,7 %), von Arabisch in Saint-Laurent (13,9 %) und von Jiddisch in Outremont (10,1 %).[58] In den 15 Gemeinden, die sich 2006 von Montreal abspalteten, ist der Anteil der englischen Muttersprachler bedeutend höher als in der Stadt (einzige Ausnahme ist das ĂŒberwiegend frankophone MontrĂ©al-Est). Hier stellen die Anglophonen einen Anteil von 47,5 %, die Frankophonen kommen lediglich auf 24,7 %. Den höchsten anglophonen Anteil weist MontrĂ©al-Ouest mit 67,6 % auf, den kleinsten frankophonen Anteil Hampstead mit 14,3 %.[58]

Eine Besonderheit Montreals im Vergleich zu anderen kanadischen GroßstĂ€dten ist, dass ĂŒber die HĂ€lfte der Bevölkerung (56,0 %) sowohl Französisch als auch Englisch versteht. 33,5 % verstehen ausschließlich Französisch, 10,0 % ausschließlich Englisch und 2,7 % keine dieser Sprachen.[59] FĂŒr 71,6 % der ErwerbstĂ€tigen ist Französisch die vorherrschende Sprache am Arbeitsplatz, der Anteil des Englischen betrĂ€gt 26,7 %.[60]

Minderheiten

Die ĂŒberwiegende Mehrheit der europĂ€isch-stĂ€mmigen Bevölkerung ist französischer, britischer, irischer oder italienischer Herkunft. Als „sichtbare Minderheiten“ (frz. minoritĂ©s visibles, engl. visible minorities) werden von den kanadischen Statistikbehörden jene Einwohner bezeichnet, die nicht-europĂ€ischer Herkunft sind (davon ausgenommen sind die Ureinwohner). In Montreal gehören 26,0 % der Bevölkerung einer sichtbaren Minderheit an.[61] Den grĂ¶ĂŸten Anteil stellen Afrokanadier mit 7,7 %; es folgen Araber mit 4,3 %, Lateinamerikaner mit 3,4 %, SĂŒdasiaten und Chinesen mit je 3,2 % sowie SĂŒdostasiaten mit 1,9 %.[62] Der Anteil der Ureinwohner an der Bevölkerung betrĂ€gt weniger als ein halbes Prozent. Im Jahr 2006 bezeichneten sich 4.285 Personen als Angehörige einer indianischen First Nation, 2.650 als MĂ©tis und 205 als Inuit.[63]

Religionen

Montreal ist ein bedeutendes Zentrum der römisch-katholischen Kirche. Mit einem Anteil von 65,9 % der Bevölkerung (letzte Erhebung 2001) ist sie die dominierende christliche Konfession.[64] Seit der Stillen Revolution hat sie aber markant an sozialem und politischem Einfluss verloren. DarĂŒber hinaus ging der Anteil der regelmĂ€ĂŸigen KirchgĂ€nger in der Provinz QuĂ©bec zwischen 1950 und 2000 von 88 % auf 20 % zurĂŒck und liegt somit deutlich unter dem nordamerikanischen Durchschnitt.[65]

WĂ€hrend die katholische Kirche ĂŒberwiegend Frankokanadier sowie Einwanderer aus Irland, Polen, Italien und Lateinamerika verbindet, sind bei den Anglophonen die Protestanten ĂŒberproportional vertreten. Ihr Anteil an der Bevölkerung betrĂ€gt 6,0 %[64], wobei hier aufgrund der britischen Kolonialtradition die Anglican Church of Canada vorherrscht, gefolgt von der United Church of Canada. Der Anteil der Orthodoxen betrĂ€gt 3,5 % (ĂŒberwiegend griechische und russische Einwanderer). 1,4 % gaben die Zugehörigkeit zu einer nicht nĂ€her definierten christlichen Konfession an, 5,4 % zum Islam (vor allem Einwanderer aus Nordafrika und dem Libanon), 2,1 % zum Buddhismus und 1,5 % zum Hinduismus.[64] Der Anteil der Juden an der Bevölkerung betrĂ€gt 2,4 %, wobei starke regionale Unterschiede feststellbar sind. In den Arrondissements Outremont, CĂŽte-des-Neiges–Notre-Dame-de-GrĂące und Saint-Laurent stellen sie ĂŒber einen Zehntel der Bevölkerung, in den benachbarten Gemeinden CĂŽte-Saint-Luc und Hampstead sogar mehr als zwei Drittel.[66]

Politik und Verwaltung

Übergeordnete Verwaltung

Die CommunautĂ© mĂ©tropolitaine de MontrĂ©al (CMM) ist ein ĂŒbergeordneter Zweckverband, dem 82 Gemeinden im Hochelaga-Archipel und in den angrenzenden Regionen Rive-Nord und Rive-Sud angehören, darunter die GroßstĂ€dte Laval, Longueuil und Terrebonne. Die CMM besitzt Planungskompetenzen in den Bereichen Raumplanung, Wirtschaftsentwicklung, Kunst- und Kulturförderung, öffentlicher Nahverkehr, Hauptstraßennetz, Sozialwohnungsbau, Infrastruktur und Dienstleistungen von regionaler Bedeutung, Abfallentsorgung, Naturschutz und LuftqualitĂ€t.[67]

Die Verwaltungsregion MontrĂ©al besteht aus der Stadt selbst sowie jenen 15 Gemeinden, die von 2002 bis 2006 mit ihr fusioniert waren. Geleitet wird sie von einem Regionalrat (confĂ©rence rĂ©gionale des Ă©lus) mit 31 Mitgliedern, von denen 16 Montreal vertreten. Die Verwaltungsregion ist fĂŒr die Bereitstellung folgender interkommunaler Dienstleistungen verantwortlich: Polizei, Feuerwehr, Trinkwasserversorgung, Wasserleitungen, Abwasserreinigung, öffentlicher Nahverkehr und Unterhalt von Hauptstraßen.[68]

StÀdtische Behörden

HĂŽtel de Ville, das Rathaus Montreals

Die stĂ€dtische Charta (Charte de la ville de MontrĂ©al) regelt die ZustĂ€ndigkeiten der verschiedenen AufgabentrĂ€ger auf kommunaler Ebene. Der alle vier Jahre im Mehrheitswahlverfahren gewĂ€hlte Stadtrat (Conseil municipal) ist die Legislative. Ihm gehören 45 StadtrĂ€te, 19 BezirksbĂŒrgermeister und der BĂŒrgermeister an, insgesamt 65 Personen. Er ist zustĂ€ndig fĂŒr öffentliche Sicherheit, Vereinbarungen mit Regierungsbehörden, Subventionen, Umwelt, Gebietsentwicklungsplan und Baufinanzierung.[69] In Kanada sind Parteien auf Bundes- und Provinzebene in der Regel voneinander getrennt (Mitglieder der einen Partei mĂŒssen nicht zwingend der anderen angehören). In Montreal setzt sich dieses System auch auf lokaler Ebene fort. Die letzten Stadtratswahlen fanden im November 2009 statt. Derzeit vertreten sind die liberale Union MontrĂ©al (39 Sitze), die progressive Vision MontrĂ©al (16 Sitze) und der links-grĂŒne Projet MontrĂ©al (10 Sitze).

Aus den Reihen des Stadtrates wird das zwölfköpfige Exekutivkomitee (Conseil exĂ©cutif) bestimmt, das die Exekutivgewalt ausĂŒbt und dessen Mitglieder fĂŒr einzelne Abteilungen der Stadtverwaltung zustĂ€ndig sind.[70] Vorsitzender des Stadtrates und des Exekutivkomitees ist der BĂŒrgermeister, der als Erster unter Gleichen gilt; er ist zugleich Vorsitzender des CMM und des Agglomerationsrates. Seit 2002 hat GĂ©rald Tremblay dieses Amt inne.

Montreal ist weiter in 19 Arrondissements unterteilt. Diese Stadtbezirke sind auf lokaler Ebene fĂŒr bestimmte zugewiesene Aufgaben verantwortlich. Jedes Arrondissement hat einen eigenen BezirksbĂŒrgermeister (zugleich Mitglied des Stadtrates) und einen Bezirksrat (Conseil d’arrondissement) mit drei bis sieben gewĂ€hlten Mitgliedern. BeschlĂŒsse der BezirksrĂ€te unterstehen der Kontrolle des Stadtrates und benötigen dessen Zustimmung.[71]

Stadtgliederung

→ Hauptartikel: Arrondissements von Montreal

Von 2002 bis 2006 war Montreal in 27 Arrondissements unterteilt. Seit der Abspaltung einiger zuvor fusionierter Gemeinden sind es noch 19:

Karte der Arrondissements

Wappen und Flagge

Stadtlogo

Das Wappen von Montreal besteht seit 1833 und wurde von Jacques Viger, dem ersten BĂŒrgermeister der Stadt, entworfen. Die heute verwendete Version mit einigen Abweichungen stammt aus dem Jahr 1938. Der unten spitz zulaufende und von einem Ahornkranz umgebene Wappenschild wird durch ein breites rotes Kreuz in vier silberne Felder unterteilt. Diese enthalten Blumensymbole, die fĂŒr die wichtigsten historischen Bevölkerungsgruppen Montreals stehen: Eine blaue Fleur-de-Lys fĂŒr die Franzosen bzw. Frankokanadier, eine rote Rose fĂŒr die EnglĂ€nder, eine purpurne Distel fĂŒr die Schotten und ein grĂŒner dreiblĂ€ttriger Shamrock fĂŒr die Iren. Die im Jahr 1939 eingefĂŒhrte Flagge von Montreal basiert auf dem Wappenschild. Ein rotes Georgskreuz teilt die Flagge in vier weiße Felder mit den Blumensymbolen. FĂŒr den alltĂ€glichen Behördenverkehr verwendet die Stadt seit 1981 ein Logo.[72]

StÀdtepartnerschaften

Seit 1979 unterhÀlt Montreal offizielle bilaterale Beziehungen mit anderen StÀdten. Diese Kooperationen haben zum Ziel, den Austausch von Informationen und Fachwissen in Bereichen von gemeinsamem Interesse zu ermöglichen.[73] Mit den sechs nachfolgenden StÀdten pflegt Montreal besonders enge Beziehungen. Hinzu kommen rund ein Dutzend weitere StÀdte, mit denen ein begrenzter Austausch auf einzelnen Gebieten erfolgt.

Stadtbild und Architektur

Typisches Montrealer Reihenhaus

Das Stadtbild ist vom Nebeneinander einer Vielzahl historischer und moderner Baustile geprĂ€gt, wobei die französische, die britische und die amerikanische Architekturtradition aufeinandertreffen. Mehr als anderthalb Jahrhunderte lang war Montreal das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Aus diesem Grund gehören nicht nur WohnhĂ€user und GeschĂ€ftsbauten zum architektonischen Erbe, sondern auch Fabriken, Silos, LagerhĂ€user, MĂŒhlen und Raffinerien. Die Stadt zĂ€hlt 49 historisch bedeutende StĂ€tten (National Historic Sites), mehr als jede andere Stadt Kanadas.[74]

Das Arrondissement Ville-Marie, zwischen dem Mont Royal und dem Sankt-Lorenz-Strom gelegen, umfasst das Stadtzentrum mit den wichtigsten Institutionen, öffentlichen Einrichtungen und SehenswĂŒrdigkeiten. Um das Kerngebiet mit Altstadt und GeschĂ€ftszentrum liegen mehrere dicht besiedelte Wohnviertel. Typisch fĂŒr die Ă€lteren Viertel sind zwei- oder dreistöckige ReihenhĂ€user, deren Treppen an der Vorderfassade angebracht sind. An den HĂ€ngen des Mont Royal erstrecken sich reprĂ€sentative Villenviertel. Das ĂŒbrige Stadtgebiet ist, von verdichteten Stadtteilzentren abgesehen, suburban geprĂ€gt.[75]

Vieux-Montréal (Altstadt)

Die Altstadt von Montreal, im Vordergrund der Alte Hafen

Vieux-MontrĂ©al, am Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms gelegen, ist der Ă€lteste Stadtteil. Seine Grenzen entsprechen im Wesentlichen dem frĂŒheren Verlauf der Montrealer Stadtmauer. Ein rund 250 Meter langes TeilstĂŒck wurde in der Parkanlage Champ-de-Mars, dem ehemaligen Exerzierplatz, freigelegt. Die Hauptverkehrsachse der Altstadt ist die Rue Notre-Dame, die parallel dazu verlaufende Rue Saint-Jacques war bis in die 1950er Jahre das Finanzzentrum. Der Alte Hafen (Vieux-Port) umfasst ehemalige Pieranlagen, die durch eine Uferpromenade verbunden sind, sowie den Uhrenturm Tour de l’Horloge.

Das vorherrschende Baumaterial der AltstadthĂ€user ist grauer Kalkstein. Ältestes Bauwerk in Montreal ist das Seminar des Sulpizianerordens (Vieux SĂ©minaire de Saint-Sulpice), erbaut von 1684 bis 1687. Rund zwanzig Jahre jĂŒnger ist das ChĂąteau Ramezay, die ehemalige Gouverneursresidenz. Weitere herausragende Bauwerke sind das Rathaus (HĂŽtel de Ville) und die Markthalle MarchĂ© Bonsecours. Von wenigen Ausnahmen abgesehen stammen die meisten ĂŒbrigen GebĂ€ude der Altstadt aus dem 19. Jahrhundert, dabei handelt es sich in der Regel um Wohn-, GeschĂ€fts- und LagerhĂ€user.

Mit der Verlagerung des GeschĂ€ftszentrums geriet die Altstadt allmĂ€hlich in eine Krise und wies Ghettoisierungsanzeichen auf. Zu Beginn der 1960er Jahre gab es PlĂ€ne, weite Teile von Vieux-MontrĂ©al abzureißen. Der niederlĂ€ndische Stadtplaner Sandy van Ginkel konnte die Behörden davon ĂŒberzeugen, die an dieser Stelle vorgesehene Stadtautobahn in den Untergrund zu verlegen. 1964 wurde die Altstadt als arrondissement historique (historischer Bezirk) unter Schutz gestellt, was in den folgenden Jahren zahlreiche Restaurierungen nach sich zog.[76] Aufgrund der gut erhaltenen Kolonialarchitektur ist Vieux-MontrĂ©al heute eine beliebte Touristendestination; kopfsteingepflasterte Straßen und darauf verkehrende Kaleschen heben das historische Flair zusĂ€tzlich hervor.

Centre-Ville (Downtown)

Die Centre-Ville ist die Downtown und der wirtschaftliche Mittelpunkt Montreals. Hier befinden sich die meisten HochhĂ€user und alle Wolkenkratzer der Stadt. Das Gebiet am Fuße des Mont Royal wird begrenzt von der Rue Sherbrooke im Nordwesten, dem Boulevard Saint-Laurent im Nordosten, der Rue Guy im SĂŒdwesten und der unterirdisch verlaufenden Autoroute 720 im SĂŒdosten. Zentrale LĂ€ngsachsen sind die Rue Sainte-Catherine (die bedeutendste Einkaufsstraße der Stadt) und der Boulevard RenĂ©-LĂ©vesque. GemĂ€ĂŸ stĂ€dtischer Bauordnung darf kein GebĂ€ude den 233 Meter hohen Gipfel des Mont Royal ĂŒberragen. DarĂŒber hinaus sind GebĂ€ude von mehr als 120 Metern Höhe auf bestimmte Parzellen beschrĂ€nkt. Mit diesen Maßnahmen soll erreicht werden, dass der HĂŒgelzug eine bedeutende Landmarke bleibt.[77]

Eine Besonderheit ist die Ville intĂ©rieure, die weit verzweigte Untergrundstadt. Dabei handelt es sich um ein System von Ladenpassagen und FußgĂ€ngertunneln, das sich ĂŒber eine FlĂ€che von zwölf Quadratkilometern erstreckt. Es verbindet zehn U-Bahn-Stationen und zwei Bahnhöfe mit Hunderten von LĂ€den, Restaurants und Kinos, mit zahlreichen öffentlichen Einrichtungen sowie mit 35 % der Wohn- und 80 % der BĂŒroflĂ€chen der Centre-Ville. FußgĂ€nger können sich auf diese Weise vor allem im strengen Winter vor klimatischen EinflĂŒssen geschĂŒtzt in der Innenstadt bewegen. Mit einer GesamtlĂ€nge von 32 Kilometern ist die Ville intĂ©rieure das lĂ€ngste Tunnelnetzwerk dieser Art weltweit.[78]

Bis Ende der 1920er Jahre war die Höhe von GebĂ€uden auf elf Stockwerke beschrĂ€nkt. Die Aufhebung dieser Regelung ermöglichte den Bau der ersten Wolkenkratzer, wobei Architekten die Baustile Beaux-Arts und Art DĂ©co bevorzugten. Herausragende Bauwerke jener Epoche sind der Tour de la Banque Royale von 1928 (121 m) und das Édifice Sun Life von 1931 (122 m). Im Britischen Empire waren sie zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung das höchste GebĂ€ude bzw. das GebĂ€ude mit der grĂ¶ĂŸten GeschossflĂ€che.[79] Die meisten Wolkenkratzer entstanden in den 1960er Jahren, wobei damals der internationale Stil vorherrschte. Zwischen 1962 und 1964 lösten sich drei Bauten als höchstes GebĂ€ude der Stadt ab: der Tour CIBC (187 m), der Place Ville-Marie (188 m) und der Tour de la Bourse (190 m). Nachdem die HochbautĂ€tigkeit in den zwei folgenden Jahrzehnten merklich abflaute, kam es in den 1990er Jahren zu einer dritten Phase mit vorwiegend postmodernen Bauten. 1000 de La GauchetiĂšre (205 m) und 1250 RenĂ©-LĂ©vesque (199 m), die zwei höchsten GebĂ€ude Montreals, wurden beide 1992 eröffnet.

Blick auf die Centre-Ville (Downtown) vom Mont Royal aus
Blick auf die Centre-Ville (Downtown) vom Mont Royal aus

Urbane FreirÀume

Der Lac aux Castors im sĂŒdlichen Teil des Parc du Mont-Royal

Als Hausberg Montreals ist der Mont Royal ein beliebtes Ausflugsziel fĂŒr Einwohner und Touristen. Am Osthang, der dem Stadtzentrum zugewandt ist, erstreckt sich der Parc du Mont-Royal. Diese bewaldete Parkanlage mit einer FlĂ€che von 190 Hektar wurde von Frederick Law Olmsted, dem Planer des New Yorker Central Park, entworfen und 1876 eröffnet. Von zwei Aussichtsterrassen aus kann die Stadt ĂŒberblickt werden. Am sĂŒdlichen Ende des Parks befindet sich der kĂŒnstliche See Lac aux Castors („Bibersee“), am nördlichen Ende das George-Étienne-Cartier-Monument. Nahe dem Gipfel stehen das Mont-Royal-Kreuz und der Sendeturm Mont Royal. Zwei ausgedehnte Friedhöfe liegen auf der Westseite des Mont-Royal, der Friedhof Notre-Dame-des-Neiges und der Friedhof Mont-Royal.

Der Parc Jean-Drapeau, der den grĂ¶ĂŸten Teil der Inseln Île Sainte-HĂ©lĂšne und Île Notre-Dame umfasst, ist das ehemalige AusstellungsgelĂ€nde der Expo 67. Nur wenige der damaligen Bauten stehen noch heute, darunter der amerikanische Expo-Pavillon BiosphĂšre, eine von Richard Buckminster Fuller entworfene geodĂ€tische Kuppel. Eine weitere bedeutende Parkanlage ist der Parc Maisonneuve im Arrondissement Rosemont–La Petite-Patrie: An dessen SĂŒdrand befindet sich der Botanische Garten Montreal, der mit ĂŒber 22.000 verschiedenen Pflanzenarten, 30 ThemengĂ€rten und einem Arboretum zu den umfangreichsten Einrichtungen dieser Art weltweit gehört.[80]

Verschiedene PlĂ€tze sind fußgĂ€ngerfreundlich gestaltet: Der Place d’Armes mit dem Maisonneuve-Denkmal und der Place Jacques-Cartier in der Altstadt sowie der Square Victoria, der Square Dorchester und der Place du Canada in der Centre-Ville.

Sakralbauten

Montreal zĂ€hlt ĂŒber 600 Sakralbauten verschiedenster Glaubensrichtungen. Es handelt sich dabei ĂŒberwiegend um christliche Kirchen, von denen die große Mehrheit der römisch-katholischen Konfession dient.[81] Montreal wird hĂ€ufig als „Stadt der hundert KirchtĂŒrme“ (Ville aux cent clochers) bezeichnet. 1881 sagte der amerikanische Schriftsteller Mark Twain: „Dies ist das erste Mal, dass ich jemals in einer Stadt war, wo man keinen Ziegel werfen könnte, ohne ein Kirchenfenster zu zerbrechen“ (This is the first time I was ever in a city where you couldn’t throw a brick without breaking a church window).[82]

Vier römisch-katholische KirchengebĂ€ude tragen den Ehrentitel einer Basilica minor. Das St.-Josephs-Oratorium, an exponierter Stelle am SĂŒdwesthang des Mont Royal gelegen, ist eine bedeutende Wallfahrtskirche. In den Jahren 1924 bis 1967 erbaut, wird sie von zwei Millionen Menschen jĂ€hrlich besucht. Mit einer Höhe von 97 Metern ist der markante Kuppelbau die grĂ¶ĂŸte Kirche Kanadas. Die Basilika Notre-Dame de MontrĂ©al, erbaut von 1823 bis 1843, ist 69 Meter hoch und war bis 1928 das höchste GebĂ€ude der Stadt. Sitz des römisch-katholischen Erzbistums Montreal ist die Kathedrale Marie-Reine-du-Monde de MontrĂ©al. Sie wurde von 1875 bis 1894 erbaut und ersetzte die Kathedrale Saint-Jacques de MontrĂ©al, die 1852 durch einen Brand zerstört worden war. Die Basilika Saint-Patrick de MontrĂ©al entstand von 1843 bis 1847 als Hauptkirche der Einwohner irischer Herkunft.

Ältestes erhalten gebliebenes KirchengebĂ€ude im Stadtzentrum ist die Wallfahrtskapelle Notre-Dame-de-Bon-Secours (1771–1773). Der Sitz des anglikanischen Bistums Montreal ist die von 1857 bis 1860 erbaute Christ Church Cathedral; sie ist zugleich die bedeutendste protestantische Kirche der Stadt. Vier weitere Konfessionen verfĂŒgen ebenfalls ĂŒber eine Kathedrale: die Griechischen Katholiken oder Melkiten (Saint-Sauveur), die Maroniten (Saint-Maron), die Russisch-Orthodoxen (Saints Pierre et Paul) und die Ukrainisch-Orthodoxen (Sainte-Sophie).

Weitere SehenswĂŒrdigkeiten

Die Architektur verschiedener Stadtteile ist von ethnischen Minderheiten geprĂ€gt. Am Übergang zwischen Centre-Ville und Altstadt befindet sich die Chinatown (Quartier chinois), deren Grenzen von vier Scheintoren (Pailou) markiert werden. Dieser Bereich war bis in die 1920er Jahre die bevorzugte Wohngegend der Juden.[83] Danach ĂŒbernahm das Arrondissement Outremont diese Rolle; vor allem im nördlichen und östlichen Teil Outremonts gibt es Synagogen sowie jĂŒdische Schulen und GeschĂ€fte. Das Zentrum der italienischen Gemeinschaft ist Petite Italie im Arrondissement Rosemont–La Petite-Patrie; dort befindet sich auch der MarchĂ© Jean-Talon, ein ĂŒberdachter Marktplatz.

Panoramaansicht auf Habitat 67 vom Hafen aus

Das Arrondissement Mercier–Hochelaga-Maisonneuve ist Standort des Olympiaparks mit dem Montrealer Olympiastadion. Es bietet Platz fĂŒr 66.000 Zuschauer und ist somit das grĂ¶ĂŸte Stadion Kanadas. Eine architektonische Besonderheit ist der 175 Meter hohe Stadionturm, der einen Neigungswinkel zwischen 22,5 und 81 Grad aufweist und mit einer Zahnradbahn erklommen werden kann.[84] Das Habitat 67, ein Wohnkomplex auf einer Halbinsel im Sankt-Lorenz-Strom, ist ein weiteres Beispiel futuristischer Architektur. Er besteht aus 354 stufenförmig aufgeschichteten Betonquadern mit 158 Wohneinheiten.[85] An die landwirtschaftliche Vergangenheit der Île de MontrĂ©al erinnern zwei WindmĂŒhlen, die 1719 erbaute WindmĂŒhle Pointe-aux-Trembles und die Fleming-WindmĂŒhle aus dem Jahr 1827.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Wirtschaft Montreals zeichnet sich durch einen hohen Grad an Diversifikation aus. Im Jahr 2010 betrug das in der Verwaltungsregion Montreal erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt (BIP) 102,986 Milliarden kanadische Dollar, was 34,5 % der Wirtschaftsleistung der Provinz QuĂ©bec entspricht.[86] Mit einem Pro-Kopf-BIP von 50.012 Dollar im Jahr 2009 nahm Montreal unter den 17 Verwaltungsregionen QuĂ©becs den zweiten Platz ein, hinter der rohstoffreichen Region Nord-du-QuĂ©bec.[87] Bedeutendster Wirtschaftssektor ist mit großem Abstand der Dienstleistungssektor mit einem Anteil von 86 % der BeschĂ€ftigten, der Rest entfĂ€llt auf Industrie und Bauwirtschaft.[88] Zwischen 2000 und 2010 betrug die Arbeitslosenquote im Durchschnitt 10,1 %.[89]

Industrie

Industriezone mit Molson-Brauerei

Mehrere bedeutende Industriekonzerne haben ihren Hauptsitz in Montreal. International am bekanntesten sind Bombardier, das auf den Bau von Flugzeugen und Schienenfahrzeugen spezialisiert ist, sowie Rio Tinto Alcan, einer der grĂ¶ĂŸten Hersteller von Aluminium. Die staatliche Hydro-QuĂ©bec versorgt die Provinz QuĂ©bec und den Nordosten der USA mit elektrischer Energie. SNC Lavalin ist in den Bereichen Industrie- und Anlagenbau tĂ€tig. Im Bereich der Nahrungsmittelindustrie sind insbesondere Molson und Saputo zu nennen; ersterer ist der kanadische Teil des fĂŒnftgrĂ¶ĂŸten Brauereikonzerns Molson Coors Brewing Company, letzterer Kanadas grĂ¶ĂŸter Hersteller von Milchprodukten.

Neben Seattle und Toulouse gehört die Region Montreal zu den bedeutendsten Zentren der Luftfahrtindustrie.[90] Nach den USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Italien gilt QuĂ©bec als sechstgrĂ¶ĂŸter Exporteur in dieser Branche. 80 % aller Erzeugnisse werden exportiert. Neben 15 Großunternehmen haben sich ĂŒber 200 kleine und mittlere Zulieferbetriebe angesiedelt.[91] Die Unternehmen Bombardier Aerospace (GeschĂ€fts- und Regionalflugzeuge), Bell Helicopter (Hubschrauber), Pratt & Whitney Canada (Motoren) und CAE (Flugsimulatoren) sind in ihren Bereichen WeltmarktfĂŒhrer. Ihren Hauptsitz in Montreal haben die Fluggesellschaften Air Canada und Air Transat, wĂ€hrend die Raumfahrtorganisation Canadian Space Agency im benachbarten Longueuil domiziliert ist.

Montreal gehört neben Edmonton und Sarnia zu den Zentren der kanadischen Mineralölindustrie.[92] Im Nordosten des Stadtgebiets und in der Enklave MontrĂ©al-Est befinden sich mehrere Erdölraffinerien und petrochemische Betriebe. Vertreten sind unter anderem die Unternehmen Suncor Energy, Gulf Oil, NOVA Chemicals, Shell Canada, Petro-Canada, Basell Polyolefins und Ultramar. Die benötigten Rohstoffe werden ĂŒber Pipelines und Erdölterminals im nahen Hafen angeliefert. Verschiedene Unternehmen der Papierindustrie sind ebenfalls in Montreal ansĂ€ssig. Dazu gehören AbitibiBowater, Domtar, Kruger und Tembec. DarĂŒber hinaus ist die Pharmaindustrie mit Zweigstellen von ĂŒber 20 verschiedenen Unternehmen prĂ€sent. Zu diesen gehören Pfizer, MSD Sharp & Dohme, Novartis, AstraZeneca, Sanofi-Aventis, Bristol-Myers Squibb, GlaxoSmithKline und Boehringer.[93]

Dienstleistungen

Hauptsitz der ICAO

Mit ĂŒber 100.000 BeschĂ€ftigten in mehr als 3000 Unternehmen ist die Finanzdienstleistungsbranche ein wichtiger Pfeiler der wirtschaftlichen AktivitĂ€ten.[94] Unter den internationalen Finanzzentren belegt Montreal den 26. Platz, in Nordamerika den achten Platz und in Kanada hinter Toronto den zweiten Platz.[95] Ihren Hauptsitz haben hier unter anderem die Großbanken Bank of Montreal und National Bank of Canada, die Beteiligungsgesellschaft Power Corporation of Canada, der Versicherungskonzern Standard Life Canada und der Pensionsfonds Caisse de dĂ©pĂŽt et placement du QuĂ©bec. Bedeutende Niederlassungen betreiben die Genossenschaftsbank Caisses Desjardins, die Royal Bank of Canada sowie die französischen GeschĂ€ftsbanken SociĂ©tĂ© GĂ©nĂ©rale und BNP Paribas. Die 1874 gegrĂŒndete Börse von Montreal ist auf TermingeschĂ€fte spezialisiert und wurde 2007 von der Toronto Stock Exchange ĂŒbernommen.

Wichtige Medienunternehmen aus Montreal sind Astral Media, Quebecor und Transcontinental. GrĂ¶ĂŸter Telekommunikationsanbieter im Osten Kanadas ist die von hier aus operierende Bell Canada, wĂ€hrend die CGI Group fĂŒhrend im Informations- und Prozessmanagement ist. Im Lebensmittel-Einzelhandel sind die Unternehmen Metro Inc. und Provigo tĂ€tig, im Pharmagroßhandel die Drogeriekette Uniprix. Eine hohe Wertschöpfung generiert die Computerspielbranche. Am Anfang des Booms stand 1997 die GrĂŒndung von Ubisoft Montreal, heute eines der weltweit grĂ¶ĂŸten Entwicklerstudios. Steuererleichterungen der Provinzregierung und das Vorhandensein zahlreicher FachkrĂ€fte vor Ort bewogen mehrere weitere Spieleentwickler dazu, hier ebenfalls Niederlassungen zu grĂŒnden.[96] Dazu gehören Behaviour Interactive, BioWare, Eidos Interactive, Electronic Arts, Strategy First, THQ und Warner Bros. Ebenfalls in Montreal ansĂ€ssig sind zahlreiche Unternehmen im Bereich Design. Die Stadt wurde aus diesem Grund im Jahr 2006 von der UNESCO zur City of Design ernannt in das Creative Cities Network aufgenommen.[97]

Montreal ist Sitz von mehr als 60 internationalen Organisationen, die ĂŒberwiegend im Quartier international angesiedelt sind. Zu den bekanntesten gehören die internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO, die internationale Flugtransportvereinigung IATA, die Welt-Antidoping-Agentur WADA und das statistische Institut der UNESCO. Diese Organisationen erzeugen einen regen Konferenzverkehr; es finden zahlreiche Konferenzen und Kongresse statt, beispielsweise im Palais des congrĂšs de MontrĂ©al. Die zahlreichen SehenswĂŒrdigkeiten und kulturellen Angebote beleben die Tourismusbranche zusĂ€tzlich. Im Jahr 2009 hielten sich ĂŒber 7 Millionen Besucher mehr als 24 Stunden in der Stadt auf.[98]

Medien

Eine Vielzahl von Medien ist von Montreal aus tÀtig, wozu Fernseh- und Radiosender, Zeitungen und Zeitschriften gehören. Der frankophone Teil der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt CBC/Radio-Canada hat seinen Sitz im Maison de Radio-Canada, in dem auch die wichtigsten Fernseh- und Radioprogramme produziert werden. Weitere französischsprachige Fernsehsender sind TVA, V, Télé-Québec und Canal Savoir. In englischer Sprache werden Programme von CBC/Radio-Canada, CTV und Global Montreal ausgestrahlt, wÀhrend CJNT sich an ein multikulturelles Publikum wendet.

In Montreal erscheinen die französischsprachigen Tageszeitungen La Presse, Le Journal de Montréal und Le Devoir sowie die englischsprachige Tageszeitung Montreal Gazette. ErgÀnzt wird das Angebot durch die Gratiszeitungen 24 heures und Metro sowie durch diverse Wochenzeitungen, Studentenzeitungen und LokalblÀtter.

Verkehr

BrĂŒcken und Straßen

Aufgrund der Insellage ist Montreal auf dem Landweg nur ĂŒber BrĂŒcken und Tunnel erreichbar, was im Straßenverkehr hĂ€ufig zu Überlastungen fĂŒhrt. Die Ă€lteste BrĂŒcke wurde 1847 ĂŒber den RiviĂšre des Prairies zur benachbarten Île JĂ©sus errichtet, sieben Jahre spĂ€ter folgte die erste BrĂŒcke ĂŒber den Ottawa River zum Festland. 1859 konnte mit der Pont Victoria, der damals lĂ€ngsten BrĂŒcke der Welt, erstmals auch der Sankt-Lorenz-Strom ĂŒberbrĂŒckt werden. Heute stehen 24 BrĂŒcken und drei Tunnel zur VerfĂŒgung, die von Straßenfahrzeugen, Eisenbahnen und U-Bahnen genutzt werden.

Montreal ist der wichtigste Autobahn-Knotenpunkt der Provinz QuĂ©bec. Die Autoroute 40 durchquert die gesamte Île de MontrĂ©al von SĂŒdwest nach Nordost und bildet eine Art RĂŒckgrat des Straßennetzes. Dem SĂŒdufer der Insel folgt die Autoroute 20. Von dieser zweigen die Autoroute 520 und die Autoroute 720 ab, wobei letztere das Stadtzentrum zum Teil unterirdisch erschließt. Vom Stadtzentrum aus in östlicher Richtung fĂŒhrt die Autoroute 10. Querverbindungen stellen die Autoroute 13, die Autoroute 15 und die Autoroute 25 her. Ab 2012 wird die Autoroute 30 das Stadtgebiet im SĂŒden weitrĂ€umig umfahren.[99] Das innerstĂ€dtische Straßennetz ist im Grundsatz gitterförmig angelegt, aufgrund der unregelmĂ€ĂŸigen Topografie ergeben sich jedoch zahlreiche Abweichungen. Im Gegensatz zum Rest der Provinz QuĂ©bec ist es auf der Île de MontrĂ©al nicht gestattet, an Ampelkreuzungen bei Rotlicht rechts abzubiegen.[100] Ausgangspunkt der meisten Fernbuslinien ist der Gare d’autocars de MontrĂ©al.

Flugverkehr und Schifffahrt

Der 1941 eröffnete Flughafen Pierre-Elliott-Trudeau (frĂŒherer Name: MontrĂ©al-Dorval) liegt in der Nachbargemeinde Dorval. Er ist ein Drehkreuz von Air Canada und mit fast 13 Millionen FluggĂ€sten jĂ€hrlich der am drittmeisten frequentierte Passagierflughafen Kanadas.[101] Aufgrund des starken Wachstums des Flugverkehrs beschloss die Bundesregierung 1969 den Bau des Flughafens Mirabel, der Dorval vollstĂ€ndig ersetzen sollte. Die stadtferne Lage (55 Kilometer entfernt), das Fehlen leistungsfĂ€higer Verkehrsanbindungen und die Konkurrenz Torontos hatten jedoch eine geringe Auslastung zur Folge. Seit 2004 wird Mirabel ausschließlich fĂŒr den Frachtverkehr genutzt.[102] Ältester Flughafen der Region ist der 1928 eröffnete Flughafen Saint-Hubert. Er liegt 16 Kilometer östlich des Stadtzentrums in der Nachbarstadt Longueuil und dient der allgemeinen Luftfahrt. Trotz fehlendem Passagierverkehr ist er gemessen an den Flugbewegungen der fĂŒnftwichtigste Flughafen des Landes.[103]

Der Hafen erstreckt sich nördlich des Stadtzentrums entlang dem Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms. Im Jahr 2010 fertigte er 26 Millionen Tonnen GĂŒter und 40.000 Kreuzfahrtpassagiere ab.[104][105] Gemessen an der GĂŒtermenge ist er der zweitgrĂ¶ĂŸte Hafen Kanadas und der grĂ¶ĂŸte Binnenhafen auf dem amerikanischen Kontinent. Aufgrund des geringen Höhenunterschieds bis zum Atlantik und der Breite des Stroms können auch hochseetaugliche Frachtschiffe den Hafen ansteuern. Eisbrecher sichern im Winter den Zugang, wĂ€hrend der zum Ontariosee fĂŒhrende Sankt-Lorenz-Seeweg jeweils wĂ€hrend rund drei Monaten zugefroren ist.

Eisenbahn

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist Montreal ein bedeutender Knotenpunkt im kanadischen Eisenbahnnetz. Die staatliche Bahngesellschaft Via Rail, die hier ihren Hauptsitz hat, bietet mehrmals tĂ€glich Zugverbindungen nach QuĂ©bec, Ottawa, Toronto und anderen StĂ€dten im QuĂ©bec-Windsor-Korridor an. Weniger regelmĂ€ĂŸig (drei- bis sechsmal wöchentlich) verkehren ZĂŒge nach GaspĂ©, Halifax, Saguenay und Senneterre. Einmal tĂ€glich verkehrt der Amtrak-Schnellzug Adirondack nach New York.

Die Bahngesellschaften Canadian Pacific Railway (CPR) und Canadian National Railway (CN) traten 1978 den Personenverkehr an Via Rail ab und konzentrieren sich seither auf den GĂŒterverkehr. Industriebetriebe vor Ort, Rangierbahnhöfe und der Hafen sorgen fĂŒr ein hohes Verkehrsaufkommen. Die CPR verlegte 1996 ihren Hauptsitz nach Calgary, die CN ist weiterhin in Montreal ansĂ€ssig. Weitere im GĂŒterverkehr tĂ€tige Bahngesellschaften, die Montreal bedienen, sind die Delaware and Hudson Railway, die Chemins de fer QuĂ©bec-Gatineau und die Montreal, Maine and Atlantic Railway. Ausgangspunkt sĂ€mtlicher FernverkehrszĂŒge ist der Gare Centrale, der 1943 mehrere Bahnhöfe der CN ersetzte. Die Zufahrt von Westen her erfolgt durch den 5,2 Kilometer langen Mont-Royal-Tunnel. Der Gare Windsor, der 1889 eröffnete CPR-Hauptbahnhof, wurde 1993 geschlossen.

Öffentlicher Nahverkehr

Die staatliche Behörde Agence mĂ©tropolitaine de transport (AMT) plant und koordiniert den gesamten öffentlichen Personennahverkehr in der Metropolregion Montreal. Neben einigen Express-Buslinien betreibt die AMT auch einen S-Bahn-Ă€hnlichen Vorortsverkehr: Die Trains de banlieue verkehren auf fĂŒnf Linien und verbinden Montreal mit verschiedenen StĂ€dten in der Region. Endstationen im Stadtzentrum sind der Gare Centrale und der Gare Lucien-L’Allier.

MĂ©tro-Station McGill

FĂŒr den Betrieb des öffentlichen Nahverkehrs innerhalb der Stadt und in den Nachbargemeinden auf der Île de MontrĂ©al ist die Verkehrsgesellschaft SociĂ©tĂ© de transport de MontrĂ©al (STM) verantwortlich. Wichtigstes Verkehrsmittel ist die MĂ©tro MontrĂ©al, ein 66 Kilometer langes U-Bahn-Netz mit vier Linien, von denen zwei nach Laval und Longueuil fĂŒhren. Die MĂ©tro wird tĂ€glich von mehr als 1,1 Millionen FahrgĂ€sten genutzt und ist somit die meistfrequentierte U-Bahn Kanadas.[106] Besonderheiten der MĂ©tro sind die Gestaltung zahlreicher Stationen mit Kunstwerken und der Einsatz gummibereifter ZĂŒge. FĂŒr die Feinerschließung sorgt das STM-Busnetz mit 197 Tages- und 23 Nachtlinien, auf dem tĂ€glich durchschnittlich 1,4 Millionen FahrgĂ€ste befördert werden.[106] Der mit Abstand grĂ¶ĂŸte Busbahnhof auf Stadtgebiet ist der von der AMT betriebene Terminus Centre-ville, Endstation zahlreicher Buslinien in die sĂŒdlichen und östlichen Vororte.

Die Geschichte des öffentlichen Nahverkehrs in Montreal reicht bis ins Jahr 1861 zurĂŒck, als die Montreal Street Railway Company die erste Pferdebahn eröffnete. Von 1884 bis 1918 fuhr eine Standseilbahn auf den Mont Royal, 1892 verkehrte die erste elektrische Straßenbahn. Die erste Buslinie nahm 1919 ihren Betrieb auf, das rasch wachsende Netz wurde von 1937 bis 1966 durch Trolleybusse ergĂ€nzt. Nachdem die Stadt 1950 die privaten Straßenbahngesellschaften ĂŒbernommen hatte, legte sie bis 1959 sĂ€mtliche Strecken still. Das erste TeilstĂŒck der MĂ©tro wurde 1966 eröffnet.[107]

Fahrradverkehr

Im Vergleich zu anderen nordamerikanischen StĂ€dten ist der Fahrradverkehr bedeutend. Das Radwegenetz auf der Île de MontrĂ©al ist ĂŒber 530 Kilometer lang und wird laufend ausgebaut.[108] DarĂŒber hinaus ist Montreal an die Route Verte angebunden, ein ĂŒber 4300 Kilometer langes Radwanderwegnetz. Seit 2009 stellt das Fahrradverleihsystem BIXI an ĂŒber 400 Verleihstationen mehr als 5000 FahrrĂ€der bereit.[109]

Bildung

KunstfakultÀt der McGill University

Älteste UniversitĂ€t der Stadt ist die 1821 gegrĂŒndete englischsprachige McGill University, die bisher acht NobelpreistrĂ€ger hervorbrachte. McGill gehört zu den renommiertesten UniversitĂ€ten weltweit und ist in verschiedenen Hochschulrankings regelmĂ€ĂŸig auf vorderen PlĂ€tzen zu finden.[110] Die englischsprachige Concordia University entstand 1974, als die Sir George Williams University und das jesuitische Loyola College sĂ€kularisiert wurden und sich zusammenschlossen.

Älteste französischsprachige UniversitĂ€t Montreals und mit 55.000 Studenten die zweitgrĂ¶ĂŸte Kanadas ist die UniversitĂ© de MontrĂ©al (UdeM). 1878 als Zweigstelle der in QuĂ©bec beheimateten UniversitĂ© Laval gegrĂŒndet, machte sie sich 1920 selbstĂ€ndig. Die SĂ€kularisierung der UdeM erfolgte 1967. Ebenfalls französischsprachig ist die UniversitĂ© du QuĂ©bec Ă  MontrĂ©al (UQAM), die dem Verbund der UniversitĂ© du QuĂ©bec angehört. Sie besteht seit 1969, als die Provinzregierung vier Hochschulen und ein sĂ€kularisiertes Jesuitenkollegium zusammenschloss.

Neben den vier UniversitĂ€ten gibt es mehrere Hochschulen. Mit der UdeM verbunden sind die Wirtschaftshochschule École des hautes Ă©tudes commerciales und die technische Hochschule École polytechnique de MontrĂ©al. Im Verbund mit der Concordia University ist die John Molson School of Business, im Verbund mit der UQAM sind unter anderem die Ingenieurhochschule École de technologie supĂ©rieure, die Verwaltungshochschule École nationale d’administration publique und das Forschungsinstitut Institut national de la recherche scientifique.

Grande BibliothĂšque

Auf der Mittelschulstufe gibt es in Montreal elf CĂ©geps (CollĂšge d’enseignement gĂ©nĂ©ral et professionnel), welche die Vorbereitung auf die universitĂ€re Bildung und die technische Berufsschule vereinen. Von diesen sind neun französisch- und zwei englischsprachig. Hinzu kommen mehrere private Mittelschulen.[111] Traditionell war das Schulwesen in QuĂ©bec konfessionell getrennt. Im Rahmen einer laizistischen Schulreform erfolgte eine Neuaufteilung nach sprachlichen Kriterien. Seit 1998 sind in der Verwaltungsregion Montreal fĂŒnf neue Schulbehörden tĂ€tig, die fĂŒr KindergĂ€rten, Grund- und Sekundarschulen, Erwachsenenbildung und Berufsbildung zustĂ€ndig sind. Frankophone Schulbehörden sind die Commission scolaire de MontrĂ©al, die Commission scolaire Marguerite-Bourgeoys und die Commission scolaire de la Pointe-de-l’Île. Anglophone Schulbehörden sind das English Montreal School Board und das Lester B. Pearson School Board. Die Aufsicht erfolgt durch SchulrĂ€te, die von den Einwohnern der betreuten Gebiete gewĂ€hlt werden.

Die BibliothĂšques publiques de MontrĂ©al sind ein Verbund von 43 öffentlichen Bibliotheken in der Verwaltungsregion Montreal. GrĂ¶ĂŸte Bibliothek der Stadt ist die Grande BibliothĂšque, die Haupteinrichtung der BibliothĂšque nationale du QuĂ©bec. Die Jewish Public Library besitzt Nordamerikas umfangreichste Sammlung an Judaica.

Versorgungsbetriebe und öffentliche Einrichtungen

Die Wasserversorgung wird vom Service de l’eau sichergestellt, einem Gemeinschaftsbetrieb der Verwaltungsregion. Das Trinkwasser stammt ĂŒberwiegend aus dem Sankt-Lorenz-Strom. 1853 ließ die Stadt den acht Kilometer langen Canal de l’Aqueduc von den Lachine-Stromschnellen ins Stadtzentrum errichten. Die daran angeschlossenen Wasserwerke Atwater und Charles-Jules Des Baillets stellen zusammen 88 % des Trinkwasserbedarfs bereit. Vier kleinere Werke beziehen Wasser aus dem RiviĂšre des Prairies und dem Lac Saint-Louis.[112] Die gesamten AbwĂ€sser der Insel werden in der Station J.-R. Marcotte, der drittgrĂ¶ĂŸten KlĂ€ranlage Nordamerikas, gereinigt.[113] Seit 1837 bzw. 1884 besteht die Gas- und Stromversorgung, die zunĂ€chst in privater Hand war. Aus der Fusion zweier Unternehmen entstand 1901 die Montreal Light, Heat and Power (MLH&P), die in der Region das Energiemonopol besaß. 1944 verstaatlichte die Provinz QuĂ©bec die MLH&P und ĂŒbertrug die Gas- und ElektrizitĂ€tswerke der neu gegrĂŒndeten Hydro-QuĂ©bec.[114] 1957 wurde die Gasversorgung an die halbstaatliche Gaz MĂ©tro ĂŒbertragen.

Montrealer Feuerwehrfahrzeug

In der Stadt gibt es vier Gerichte, die fĂŒr VerstĂ¶ĂŸe gegen das Provinzrecht von QuĂ©bec zustĂ€ndig sind. Das Munizipalgericht (Cour municipale) behandelt vor allem Verkehrsdelikte. Im Palais de Justice sind die erstinstanzlichen Gerichte fĂŒr Straf-, Privat- und Jugendrecht sowie das Obergericht (Cour supĂ©rieure) untergebracht, im Édifice Ernest-Cormier eines von zwei Appellationsgerichten der Provinz. Montreals Polizei besteht seit 1843; der Service de police de la ville de MontrĂ©al zĂ€hlt rund 4400 Polizeibeamte und ist seit 2002 fĂŒr die gesamte Verwaltungsregion zustĂ€ndig.[115] Im selben Gebiet tĂ€tig ist die Montrealer Feuerwehr, der 1863 gegrĂŒndete Service de sĂ©curitĂ© incendie de MontrĂ©al mit ĂŒber 2700 Bediensteten.[116]

Montreals KrankenhĂ€user werden in drei Gruppen unterteilt. Das McGill University Health Centre ist ein Zusammenschluss von KrankenhĂ€usern, die mit der McGill University verbunden sind. Im Verbund mit der UniversitĂ© de MontrĂ©al stehen die KrankenhĂ€user des Centre hospitalier de l’UniversitĂ© de MontrĂ©al; dazu gehört auch das 1645 von Jeanne Mance gegrĂŒndete HĂŽtel-Dieu de MontrĂ©al, das Ă€lteste Krankenhaus auf kanadischem Boden. Die dritte Gruppe umfasst allgemeine KrankenhĂ€user, die von der Provinz QuĂ©bec betrieben werden.

Kultur

Montreal ist fĂŒr seine vielfĂ€ltige kulturelle Szene bekannt und gilt als „Kulturhauptstadt Kanadas“.[117] Die PrĂ€senz einer bedeutenden frankophonen Bevölkerung verleiht der Stadt unter den nordamerikanischen Metropolen einen besonderen Charakter. Französische, britische und amerikanische EinflĂŒsse verbinden sich, zusĂ€tzlich bereichert durch kulturelle EinflĂŒsse verschiedener Einwanderergruppen.[75] Eine weitere Besonderheit Montreals ist die (fĂŒr Nordamerika untypische) belebte Innenstadt. Dies kommt besonders im Sommer mit zahlreichen Festivals sowie anderen kulturellen und sozialen Veranstaltungen zum Ausdruck. Als Zentrum des kulturellen Lebens gilt das Quartier des Spectacles.

Museen

In Montreal gibt es ĂŒber drei Dutzend Museen, von denen die meisten dem Interessenverband SociĂ©tĂ© des directeurs des musĂ©es montrĂ©alais angehören. GrĂ¶ĂŸtes Museum der Stadt ist das MusĂ©e des beaux-arts de MontrĂ©al mit diversen Kunstausstellungen. Auf zeitgenössische Kunst spezialisiert ist das MusĂ©e d’art contemporain de MontrĂ©al. Mit Forschung und Technik befassen sich das Wissenschaftsmuseum Centre des sciences de MontrĂ©al, das Umweltmuseum BiosphĂšre und der BiodĂŽme de MontrĂ©al im frĂŒheren olympischen Radstadion. Das Insectarium de MontrĂ©al ist das grĂ¶ĂŸte Insektarium Nordamerikas.

Das McCord-Museum befasst sich mit der Geschichte Kanadas, das Redpath-Museum mit Naturgeschichte, Ethnologie und ArchĂ€ologie. Am einstigen Standort des Fort Ville-Marie steht das MusĂ©e Pointe-Ă -CalliĂšre, ein Museum ĂŒber die Geschichte und ArchĂ€ologie der Stadt Montreal. Weitere stadtgeschichtliche Ausstellungen bietet das Centre d’histoire de MontrĂ©al. Das ChĂąteau Ramezay dient als ethnologisches Museum und PortrĂ€tgalerie. In der Fabrikantenvilla ChĂąteau Dufresne finden zeitgeschichtliche Ausstellungen statt, das MusĂ©e Stewart im Fort de l’Île Sainte-HĂšlĂšne ist auf MilitĂ€rgeschichte spezialisiert. An die Opfer des Holocausts erinnert das Centre commĂ©moratif de l’Holocauste Ă  MontrĂ©al.

Mehrere Museen befassen sich mit dem Kulturerbe. Das MusĂ©e Marguerite-Bourgeoys erlĂ€utert Leben und Wirken der Heiligen Marguerite Bourgeoys. Im Maison Saint-Gabriel, dem Ă€ltesten erhalten gebliebenen Bauernhaus Montreals, wird die Lebensweise der frĂŒhen französischen Siedler prĂ€sentiert. Das MusĂ©e des maĂźtres et artisans du QuĂ©bec widmet sich dem Kunsthandwerk, das Centre canadien d’architecture der Architekturgeschichte, das Pelzhandelsmuseum Lachine dem nordamerikanischen Pelzhandel.

Theater und Film

Kulturzentrum Place des Arts

Es bestehen zahlreiche Theater, wobei französischsprachige Produktionen ĂŒberwiegen. Der Place des Arts im Quartier des Spectacles ist das bedeutendste Zentrum fĂŒr darstellende und bildende KĂŒnste und umfasst unter anderem fĂŒnf TheatersĂ€le. Besonders hoch ist die Dichte an Theatern im angrenzenden UniversitĂ€tsviertel Quartier Latin. Als bekannteste HĂ€user gelten das ThĂ©Ăątre Saint-Denis, das ThĂ©Ăątre du Rideau Vert und das ThĂ©Ăątre du Nouveau Monde. Englischsprachige Produktionen werden vor allem im Centaur Theatre, dem ehemaligen BörsengebĂ€ude, aufgefĂŒhrt. Mehrere Theater dienen gemeinsam als Austragungsort des Comedy-Festivals Juste pour rire.

Das World Film Festival ist das einzige Filmfestival mit Wettbewerb in Nordamerika, das beim internationalen Filmproduzentenverband FIAPF akkreditiert ist. Daneben finden weitere kleinere Filmfestivals statt: Das Festival du Nouveau Cinéma ist auf Independentfilme spezialisiert, die Cinemania auf französischsprachige Filme, das Rendez-vous du cinéma québécois auf Filme aus Québec und die FanTasia auf Filme in den Bereichen Fantasy, Science-Fiction und Horror. Das Filmarchiv CinémathÚque québécoise konserviert und dokumentiert Filme und Fernsehsendungen. Montreal ist auch Sitz der staatlichen Filmbehörde National Film Board of Canada.

Musik und Tanz

Das Kulturzentrum Place des Arts bietet auch KonzertsĂ€le fĂŒr klassische Musik. Ihr Domizil haben dort die beiden Sinfonieorchester Orchestre symphonique de MontrĂ©al und Orchestre MĂ©tropolitain sowie die OpĂ©ra de MontrĂ©al. Aus Montreal stammen ebenfalls die Kammerorchester I Musici de MontrĂ©al und Orchestre de chambre McGill. Die Stadt verfĂŒgt ĂŒber eine lange Tradition in der Jazzmusik, verkörpert durch bekannte Musiker wie Maynard Ferguson, Oliver Jones und Oscar Peterson. Das Festival International de Jazz de MontrĂ©al gehört mit ĂŒber 3.000 beteiligten Musikern, 800 Konzerten und 2,5 Millionen Besuchern zu den fĂŒhrenden Jazzfestivals der Welt.[118]

Zahlreiche Vertreter der örtlichen Rock- und Popszene haben Bekanntheit erlangt, sei dies in französischer oder englischer Sprache. Dazu gehören die SolokĂŒnstler Isabelle Boulay, Leonard Cohen, Robert Charlebois, CĂ©line Dion, Diane Dufresne und Marie-Mai sowie die Bands Arcade Fire, A Silver Mt. Zion, Beau Dommage, Bran Van 3000, Godspeed You! Black Emperor, Les Cowboys Fringants, Offenbach, Simple Plan, The Dears, The Sainte Catherines und Wolf Parade. Montreal ist Austragungsort mehrerer jĂ€hrlich wiederkehrender Musikfestivals. Auf ĂŒber fĂŒnfzig Standorte verteilt ist das Festival Pop MontrĂ©al mit rund 400 Konzerten. Das FrancoFolies de MontrĂ©al ist auf Chansons spezialisiert und eines der grĂ¶ĂŸten AnlĂ€sse dieser Art weltweit. Mehrere Zehntausend Besucher zĂ€hlen ebenfalls die Openair-Festivals Heavy MTL (Metal, Hardrock) und Osheaga (Rock, Pop). An Sonntagnachmittagen im Sommer versammeln sich am George-Étienne-Cartier-Denkmal mehrere hundert Trommler und TĂ€nzer zu den Tam-Tams.[119]

Montreal ist Hauptsitz des Zirkusunternehmens Cirque du Soleil, dessen Produktionen auf artistischen und theatralischen Elementen basieren. Das TOHU ist ein vom Cirque du Soleil unterstĂŒtztes Ausbildungszentrum fĂŒr Zirkusartisten und -produzenten. Die Grands Ballets Canadiens sind eine Ballettkompanie mit internationalem Ensemble. Weitere Tanz- und Theaterproduktionen bieten die Agora de la danse und das Segal Centre for Performing Arts.

FreizeitaktivitÀten

Die Stadt besitzt ein vielfĂ€ltiges Nachtleben mit den lĂ€ngsten Öffnungszeiten Kanadas. Die internationale Ausstrahlung wurde in den 1920er Jahren begrĂŒndet, als die Prohibition in den Vereinigten Staaten in Kraft war. Zahlreiche Amerikaner kamen damals nach Montreal, um sich bei Alkohol und GlĂŒcksspiel sowie in Nachtclubs und Bordellen zu vergnĂŒgen. Der Ruf, eine Sin City („Stadt der SĂŒnden“) zu sein, blieb bis heute bestehen.[120] Heute konzentriert sich das Nachtleben ĂŒberwiegend an sechs Orten: Le Plateau-Mont-Royal, Rue Crescent, Boulevard Saint-Laurent, Rue McGill, Quartier Latin und Village gai (Schwulen- und Lesbenviertel).

An der Nordspitze der Île Sainte-HĂ©lĂšne befindet sich La Ronde, ein von Six Flags betriebener Freizeitpark mit mehreren Achterbahnen. Im Sommer ist er auch Austragungsort des Feuerwerkwettbewerbs L’International des Feux Loto-QuĂ©bec. Dessen Hauptsponsor, die Lotteriegesellschaft Loto-QuĂ©bec, betreibt seit 1993 im ehemaligen Quebecer Expo-Pavillon auf der Île Notre-Dame die Spielbank Casino de MontrĂ©al, die zu den zehn grĂ¶ĂŸten weltweit gehört, und eines von vier Casinos in der Provinz darstellt.

Sport

Die McGill University spielte bei der Entwicklung mehrerer moderner Sportarten eine fĂŒhrende Rolle. Das erste Rugbyspiel mit festen Regeln auf nordamerikanischem Boden fand 1865 in Montreal zwischen britischen Offizieren und McGill-Studenten statt.[121] 1874 traten die UniversitĂ€ten McGill und Harvard in zwei fußballĂ€hnlichen Spielen mit unterschiedlichen Regeln aufeinander. Die sich daraus ergebenden Kompromissregeln bildeten die Grundlage fĂŒr American Football und Canadian Football.[122] Zwei Studententeams veranstalteten 1875 das erste Eishockeyspiel in einer Halle. 1877 folgte die GrĂŒndung des ersten Eishockeyvereins und der Student James Creighton entwickelte die Regeln weiter.[123] James Naismith, ein McGill-Absolvent, erfand 1891 die Basketball-Regeln und wird oft auch als Erfinder der Footballhelms bezeichnet.[124]

Eishockeyspiel der Canadiens gegen die Boston Bruins

Das Interesse an Eishockey in Montreal seitens der Öffentlichkeit war stets sehr hoch, so dass die Stadt auch als „Welthauptstadt des Eishockey“ bezeichnet wird. Sechs verschiedene Teams konnten zusammen 41 Mal den Stanley Cup, die wichtigste TrophĂ€e in dieser Sportart, gewinnen. Rekordmeister mit 24 Titeln sind die Canadiens de MontrĂ©al. Sie gehören der nordamerikanischen Profiliga National Hockey League an und tragen ihre Heimspiele im Centre Bell aus. Die Montreal Alouettes in der Canadian Football League gewannen bisher siebenmal den Grey Cup, den Canadian-Football-Meisterpokal. Ihr Heimstadion ist das Stade Percival-Molson, fĂŒr Playoff-Spiele nutzen die Alouettes das Olympiastadion. Ein bedeutender Nutzer des Olympiastadions war auch das Baseball-Team Montreal Expos, ein Franchise der Major League Baseball, das 2005 nach Washington D.C. umzog. Der Fußballverein Montreal Impact spielt derzeit in der zweithöchsten Liga North American Soccer League und nutzt das Stade Saputo als Heimstadion. Ab 2012 wird das gleichnamige Franchise in der höchstklassigen Profiliga Major League Soccer vertreten sein.

Der Circuit Gilles Villeneuve, eine rund 4,4 Kilometer lange temporĂ€re Motorsport-Rennstrecke auf der Île Notre-Dame, ist seit 1978 Schauplatz des Großen Preises von Kanada der Formel 1. Seit 2007 finden dort auch NASCAR-Rennen der Nationwide Series statt. Ein international bedeutendes Tennisturnier ist das gemeinsam mit Toronto ausgetragene Canada Masters (auch als Rogers Cup bekannt), wobei die StĂ€dte sich jĂ€hrlich in der Organisation des MĂ€nner- und des Frauenturniers abwechseln; Spielort in Montreal ist das Stade Uniprix. Der Royal Montreal Golf Club organisiert gelegentlich das RBC Canadian Open, ein Golftunier im Rahmen der PGA Tour. JĂ€hrlich wiederkehrende Sportveranstaltungen sind außerdem der Montreal-Marathon und das Straßenradrennen Grand Prix Cycliste de MontrĂ©al. Das Sportereignis mit der international grĂ¶ĂŸten Ausstrahlung waren die Olympischen Sommerspiele 1976. In Montreal fanden unter anderem auch die die Straßen-Radweltmeisterschaften 1974, die Turn-Weltmeisterschaften 1985, die Schwimmweltmeisterschaften 2005 und die Outgames 2006 statt.

FĂŒr den Amateur- und Breitensport können zahlreiche stĂ€dtische Sportanlagen genutzt werden, darunter der Complexe sportif Claude-Robillard, das CEPSUM und das Centre Pierre-Charbonneau. Daneben gibt es mehrere Dutzend HallenbĂ€der und FreibĂ€der. Im Winter stehen zahlreiche Eisbahnen sowie 170 Kilometer Skilanglauf-Loipen zur VerfĂŒgung.[125] Die Lachine-Stromschnellen verursachen mehrere permanente stehende Wellen; insbesondere jene beim Wohnviertel Habitat 67 erfreut sich bei Wildwasserpaddlern, Raftern und Flusssurfern großer Beliebtheit.[126]

Persönlichkeiten

Montreal ist der Geburts- und Wirkungsort zahlreicher prominenter Persönlichkeiten, beispielsweise der Schriftsteller Saul Bellow, Naomi Klein und Mordecai Richler. Als bekanntester Montrealer Schauspieler gilt William Shatner. Unter den bekanntesten Sportlern sind hauptsÀchlich Eishockeyspieler zu finden, die mehrmals den Stanley Cup gewinnen konnten. Zu diesen gehören Mike Bossy, Scotty Bowman, Doug Harvey, Mario Lemieux und Maurice Richard. Ihre Kindheit in Montreal verbracht haben die deutsche Komikerin Anke Engelke und die französische PopsÀngerin MylÚne Farmer.

Aufgrund der kurzen Amtszeiten hatten bis ins 20. Jahrhundert hinein nur wenige BĂŒrgermeister einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt. Einige von ihnen wurden vor allem durch andere TĂ€tigkeiten bekannt, beispielsweise der spĂ€tere Premierminister Kanadas John Abbott sowie der Journalist und Schriftsteller HonorĂ© Beaugrand. Vier Amtszeiten von insgesamt 18 Jahren LĂ€nge hatte Camillien Houde zwischen 1928 und 1954. Er fĂŒhrte Montreal durch die Weltwirtschaftskrise und wurde von 1940 bis 1944 ohne Anklage inhaftiert, nachdem er sich öffentlich gegen die EinfĂŒhrung der Wehrpflicht ausgesprochen hatte. Am lĂ€ngsten im Amt war Jean Drapeau, von 1954 bis 1957 und von 1960 bis 1986. In diese Zeit fallen der Bau von Wolkenkratzern und MĂ©tro sowie die Ausrichtung der Weltausstellung Expo 67 und der Olympischen Spiele 1976.

Ebenfalls aus Montreal stammen Pierre Trudeau (Premierminister Kanadas), Georges Vanier (Generalgouverneur Kanadas) sowie Charles-EugĂšne Boucher de Boucherville, Robert Bourassa und Jacques Parizeau (alle Premierminister QuĂ©becs). Zu den bedeutendsten Wirtschaftsvertretern gehören der Reeder Montagu Allan, der Pressemagnat Conrad Black und der Brauereiunternehmer John Molson. Das Testament des PelzhĂ€ndlers James McGill ermöglichte die GrĂŒndung der nach ihm benannten McGill University. Zwei aus Montreal stammende Chemiker, Sidney Altman und Rudolph Arthur Marcus, erhielten den Nobelpreis.

Literatur

  • Paul-AndrĂ© Linteau: Histoire de MontrĂ©al depuis la ConfĂ©dĂ©ration. Éditions BorĂ©al, Montreal 1992, ISBN 2-89052-441-8.
  • StĂ©phane Castonguay, MichĂšle Dagenais: Metropolitan Natures: Environmental Histories of Montreal. University of Pittsburgh Press, Pittsburgh 2011, ISBN 978-0-8229-4402-7.
  • Gilles Havard: The Great Peace of Montreal of 1701. French-Native Diplomacy in the Seventeenth Century. McGill-Queen's University Press, Montreal/Kingston 2001, ISBN 9780773522190.
  • Robert David Lewis: Manufacturing Montreal. The Making of an Industrial Landscape, 1850 to 1930. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2000, ISBN 080186349X.
  • Filippo Salvatore: Fascism and the Italians of Montreal. An Oral History 1992-1945. Guernica Editions, Montreal 1995, ISBN 1550710583.
  • Serge Jaumain, Paul-AndrĂ© Linteau: Vivre en Ville. Bruxelles et MontrĂ©al aux XIXe et XXe siĂšcles, BrĂŒssel 2006, ISBN 1-55071-058-3.

Weblinks

 Commons: Montreal â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ a b MontrĂ©al (Ville). In: Profils des communautĂ©s de 2006. Statistics Canada, 7. Dezember 2010, abgerufen am 1. September 2011 (französisch).
  2. ↑ MontrĂ©al (Territoire Ă©quivalent). In: Profils des communautĂ©s de 2006. Statistics Canada, 7. Dezember 2010, abgerufen am 1. September 2011 (französisch).
  3. ↑ MontrĂ©al (RĂ©gion mĂ©tropolitaine de recensement). In: Profils des communautĂ©s de 2006. Statistics Canada, 7. Dezember 2010, abgerufen am 1. September 2011 (französisch).
  4. ↑ Zwar sind einige frankophone StĂ€dte in Afrika grĂ¶ĂŸer (beispielsweise Kinshasa, Algier und Abidjan), ihre Einwohner sprechen Französisch aber ĂŒberwiegend als Zweitsprache.
  5. ↑ Cities located close to Montreal. Distance Calculator. Time and Date AS, 2011, abgerufen am 1. September 2011 (englisch).
  6. ↑ Pierre BĂ©dard: Origine du mont Royal. In: Excursion gĂ©ologique au mont Royal. Abgerufen am 1. September 2011 (französisch).
  7. ↑ Pierre grise de MontrĂ©al et moellons de calcaire. In: Vieux-MontrĂ©al. Stadt Montreal und Provinz QuĂ©bec, abgerufen am 1. September 2011 (französisch).
  8. ↑ Carte des dĂ©pĂŽts meubles - Île de MontrĂ©al. École polytechnique de MontrĂ©al, abgerufen am 1. September 2011 (PDF, 433 KB, französisch, Geologische Karte der Île de MontrĂ©al).
  9. ↑ a b RĂ©pertoire des municipalitĂ©s. Provinz QuĂ©bec, Ministerium fĂŒr Gemeinden und Regionen, 23. MĂ€rz 2011, abgerufen am 1. September 2011 (französisch, Kurzinfos zur Gemeinde Montreal mit Lagekarten).
  10. ↑ a b Canadian Climate Normals 1971-2000, AĂ©roport international Pierre-Elliott-Trudeau de MontrĂ©al. Environment Canada, 18. Mai 2011, abgerufen am 4. Juni 2011 (englisch).
  11. ↑ Les arbres sur le domaine public. Stadt Montreal, abgerufen am 1. September 2011 (französisch).
  12. ↑ La pĂ©piniĂšre municipale : cultiver la forĂȘt urbaine montrĂ©alaise. Stadt Montreal, abgerufen am 1. September 2011 (französisch).
  13. ↑ Écozones forestiĂšres du Canada : Plaines Ă  forĂȘts mixtes. Ressources naturelles Canada, abgerufen am 9. Oktober 2007 (französisch).
  14. ↑ Le rĂ©seau des grands parcs. Stadt Montreal, abgerufen am 1. September 2011 (französisch).
  15. ↑ a b Information cartographique, Île de MontrĂ©al. Ressources naturelles Canada, 14. Juli 2010, abgerufen am 1. September 2011 (französisch).
  16. ↑ Site historique et archĂ©ologique LeBer-LeMoyne, Bilan des fouilles archĂ©ologiques 2009. MusĂ©e de Lachine, 2009, abgerufen am 12. August 2010 (PDF, 65 KB, französisch).
  17. ↑ Sites archĂ©ologiques Ă  MontrĂ©al. In: Patrimoine archĂ©oloique. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  18. ↑ Les Iroquoiens. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  19. ↑ Bruce Trigger: The Disappearance of the St. Lawrence Iroquoians. In: The Children of Aataentsic: A History of the Huron People to 1660. McGill-Queen's University Press, Montreal 1976, ISBN 0773506276, S. 214–228.
  20. ↑ Samuel de Champlain. In: Dictionary of Canadian Biography. Toronto 1979 ff., ISBN 0-8020-3142-0 (englisch, französisch), abgerufen am 1. September 2011.
  21. ↑ Paul-AndrĂ© Linteau: Histoire de MontrĂ©al depuis la ConfĂ©dĂ©ration. S. 22.
  22. ↑ Paul-AndrĂ© Linteau: Histoire de MontrĂ©al depuis la ConfĂ©dĂ©ration. S. 23–24.
  23. ↑ Une sociĂ©tĂ© distincte. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  24. ↑ Au cƓur d’un empire. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  25. ↑ Paul-AndrĂ© Linteau: Histoire de MontrĂ©al depuis la ConfĂ©dĂ©ration. S. 44.
  26. ↑ Grande Paix de MontrĂ©al. EncyclopĂ©die de l’Agora, 2. November 2006, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  27. ↑ Paul-AndrĂ© Linteau: Histoire de MontrĂ©al depuis la ConfĂ©dĂ©ration. S. 42.
  28. ↑ Des annĂ©es d’incertitude. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  29. ↑ George Stanley; Samuel Stevens Hakkert (Hrsg.): Canada Invaded 1775-1776. Sarasota, Toronto 1977, ISBN 0888665784, S. 110–116.
  30. ↑ George Stanley: Canada Invaded 1775-1776. S. 130–131.
  31. ↑ Une ville conquise. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  32. ↑ Le relais commercial britannique. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  33. ↑ Une population nouvelle. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  34. ↑ Artikel MontrĂ©al riots / Émeutes de MontrĂ©al in der Canadian Encyclopedia: englisch, französisch, abgerufen am 1. September 2011.
  35. ↑ Artikel Railway history / Histoire du chemin de fer in der Canadian Encyclopedia: englisch, französisch, abgerufen am 2. September 2011.
  36. ↑ La gestion de la ville. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  37. ↑ a b c Population totale. In: MontrĂ©al en statistiques. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  38. ↑ L’impact de l’industrie. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  39. ↑ Une ville britannique oĂč bat un cƓur français. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  40. ↑ Un ajustement douloureux. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  41. ↑ Crise et guerre 1930–1945. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  42. ↑ La ville en difficultĂ©. In: MontrĂ©al, 500 ans d’histoire en archives. Abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  43. ↑ a b Calvin Veltman; Joshua A. Fishman, Andrew W. Conrad, Alma Rubal-Lopez (Hrsg.): Post-Imperial English. De Gruyter Mouton, Berlin 1996, ISBN 9783110147544, S. 206–207.
  44. ↑ Artikel Quiet Revolution / RĂ©volution tranquille in der Canadian Encyclopedia: englisch, französisch, abgerufen am 1. September 2011.
  45. ↑ Quebec's Big Owe stadium debt is over. CBC News, 19. Dezember 2006, abgerufen am 27. September 2011 (englisch).
  46. ↑ Montreal Journal; No Longer Fading, City Booms Back Into Its Own. The New York Times, 6. Mai 2000, abgerufen am 2. September 2011 (englisch).
  47. ↑ a b Deming K. Smith: Inter-municipal collaboration through forced amalgamation: A summary of recent experiences in Toronto & Montreal. The Centre for Human Settlements, University of British Columbia, Vancouver, Oktober 2007, S. 10–11, abgerufen am 2. September 2011 (PDF, 75 KB, englisch).
  48. ↑ Robert K. Whelan, Pierre Joncas: Montreal demergers: an update. BNET, 2005, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  49. ↑ RĂ©fĂ©rendums du 20 juin 2004. Directeur gĂ©nĂ©ral des Ă©lections du QuĂ©bec, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  50. ↑ Estimation de la population des municipalitĂ©s du QuĂ©bec de 15 000 habitants et plus. Institut de la statistique du QuĂ©bec, 3. Februar 2011, abgerufen am 4. September 2011 (französisch).
  51. ↑ Estimation de la population des rĂ©gions administratives. Institut de la statistique du QuĂ©bec, 3. Februar 2011, abgerufen am 4. September 2011 (französisch).
  52. ↑ Estimations de la population des rĂ©gions mĂ©tropolitaines de recensement. Institut de la statistique du QuĂ©bec, 3. Februar 2011, abgerufen am 4. September 2011 (französisch).
  53. ↑ Population by visible minority group and place of residence, scenario B (reference scenario), Canada, 2031. In: Projections of the Diversity of the Canadian Population. Statistics Canada, abgerufen am 4. September 2011 (englisch).
  54. ↑ Dies und das Folgende nach: David Levinson: Encyclopedia of homelessness, Bd. 1, Thousand Oaks: SAGE 2004, S. 396f.
  55. ↑ Zum Drogenkonsum unter Montrealer Jugendlichen: E. Roy, N. Haley, P. Leclerc, L. Cedra, L. Blais, J. F. Boivin: Drug injection among street youths in Montreal : predictors of initiation, in: Urban Health, 80,1 (2003) 92-105.
  56. ↑ Lisa Arangua, Lillian Gelberg: Homeless Persons, in: Ronald Andersen, Thomas H. Rice, Gerald F. Kominski (Hrsg.): Changing the U.S. Health Care System:. Key Issues in Health Services Policy and Management, San Francisco: John Wiley & Sons, 2007, S. 491-547, hier: S. 509.
  57. ↑ Monica Hellerl: Ethnic Relations and Language Use in MontrĂ©al, in: Nessa Wolfson, Joan Mane (Hg.): Language of Inequality, Berlin, New York, Amsterdam: Mouton 1985, S. 75-90.
  58. ↑ a b c Population selon la langue maternelle. In: Annuaire statistique de l'agglomĂ©ration de MontrĂ©al, recensement de 2006. Stadt Montreal und Statistics Canada, 2006, abgerufen am 4. September 2011 (französisch).
  59. ↑ Population selon la connaissance des langues officielles. In: Annuaire statistique de l'agglomĂ©ration de MontrĂ©al, recensement de 2006. Stadt Montreal und Statistics Canada, 2006, abgerufen am 4. September 2011 (französisch).
  60. ↑ Population totale de 15 ans et plus selon la langue utilisĂ©e le plus souvent au travail. In: Annuaire statistique de l'agglomĂ©ration de MontrĂ©al, recensement de 2006. Stadt Montreal und Statistics Canada, 2006, abgerufen am 4. September 2011 (französisch).
  61. ↑ La mosaĂŻque ethnoculturelle du Canada. In: Recensement de 2006. Statistics Canada, 4. September 2009, abgerufen am 4. September 2011 (französisch).
  62. ↑ CaractĂ©ristiques de la population des minoritĂ©s visibles. In: Profils des communautĂ©s de 2006. Statistics Canada, 7. Dezember 2010, abgerufen am 4. September 2011 (französisch).
  63. ↑ Profil de la population autochtone de 2006. In: Recensement de 2006. Statistics Canada, 4. September 2009, abgerufen am 4. September 2011 (französisch).
  64. ↑ a b c Faits saillants pour la communautĂ© de MontrĂ©al. In: Recensement de 2001. Statistics Canada, 1. Februar 2007, abgerufen am 4. September 2011 (französisch).
  65. ↑ In depth: Catholicism in Canada - Church attendance. Canadian Broadcasting Corporation, 1. Februar 2007, abgerufen am 4. September 2011 (englisch).
  66. ↑ Population selon certaines rĂ©ligions. In: Annuaire statistique de l’agglomĂ©ration de MontrĂ©al, recensement de 2001. Stadt Montreal und Statistics Canada, 2001, S. 41, abgerufen am 4. September 2011 (PDF, 3,77 MB, französisch).
  67. ↑ Institution. CommunautĂ© mĂ©tropolitaine de MontrĂ©al, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  68. ↑ Conseil d’agglomĂ©ration. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  69. ↑ Conseil municipal. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  70. ↑ ComitĂ© exĂ©cutif. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  71. ↑ Conseils d’arrondissement. Stadt Montreal, abgerufen am 2. September 2011 (französisch).
  72. ↑ Armoiries, drapeau et symboles. Stadt Montreal, abgerufen am 4. Juni 2011 (französisch).
  73. ↑ Relations bilatĂ©rales. Bureau des affaires internationales, Stadt Montreal, abgerufen am 12. September 2011 (französisch).
  74. ↑ RĂ©pertoire des dĂ©signations d'importance historique nationale au Canada. Parks Canada, 22. Februar 2005, abgerufen am 25. September 2011 (französisch, die Liste enthĂ€lt zwei zusĂ€tzliche Objekte in Nachbargemeinden).
  75. ↑ a b Artikel MontrĂ©al in der Canadian Encyclopedia: englisch, französisch, abgerufen am 1. September 2011.
  76. ↑ Sandy van Ginkel rescued Old Montreal from freeway developers. The Globe and Mail, 23. Juli 2009, abgerufen am 25. September 2011 (englisch).
  77. ↑ Les limites du hauteur, arrondissement de Ville-Marie. In: Plan d’urbanisme. Stadt Montreal, 2009, abgerufen am 25. September 2011 (PDF, 512 KB, französisch).
  78. ↑ Pieter Sijpkes, David Brown: Montreal's Indoor City - 35 years of development. In: Observatoire de la ville intĂ©rieure. Institut d'urbanisme de l'UniversitĂ© de MontrĂ©al, abgerufen am 25. September 2011 (PDF, 3,59 MB, englisch).
  79. ↑ About MontrĂ©al. Emporis, abgerufen am 25. September 2011 (englisch).
  80. ↑ Lieu historique national du Canada du Jardin-Botanique-de-MontrĂ©al. Lieux patrimoniaux du Canada, abgerufen am 25. September 2011 (französisch).
  81. ↑ Inventaire des lieux de culte du QuĂ©bec. Conseil du patrimoine religieux du QuĂ©bec, 13. Juni 2011, abgerufen am 25. September 2011 (französisch).
  82. ↑ Mark Twain in Montreal. The New York Times (twainquotes.com), 10. Dezember 1881, abgerufen am 25. September 2011 (englisch).
  83. ↑ When Chinatown was a Jewish neighbourhood. Spacing MontrĂ©al, 28. Januar 2008, abgerufen am 25. September 2011 (englisch).
  84. ↑ DonnĂ©es et statistiques. Parc olympique de MontrĂ©al, abgerufen am 25. September 2011 (französisch).
  85. ↑ Gestapelt wie Bauklötze - Die experimentelle Siedlung Habitat. In: Die Geschichte der Weltausstellungen. expo2000.com, abgerufen am 25. September 2011.
  86. ↑ Produit intĂ©rieur brut (PIB) aux prix de base, MontrĂ©al et ensemble du QuĂ©bec, 2006-2010. Institut de la statistique du QuĂ©bec, 18. August 2011, abgerufen am 8. September 2011 (französisch).
  87. ↑ Produit intĂ©rieur brut rĂ©gional par industrie au QuĂ©bec, 2009. Institut de la statistique du QuĂ©bec, Dezember 2010, S. 23, abgerufen am 8. September 2011 (PDF, 3,61 MB, französisch).
  88. ↑ Emploi par industrie, selon les secteurs du SCIANÂč, MontrĂ©al et ensemble du QuĂ©bec, 2006-2010. Institut de la statistique du QuĂ©bec, 15. Februar 2011, abgerufen am 8. September 2011 (französisch).
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