Mumbai

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Mumbai
Mumbai
Mumbai (Indien)
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Staat: Indien
Bundesstaat: Maharashtra
Distrikt: Mumbai City
Mumbai Suburban
Lage: 18° 58â€Č N, 72° 50â€Č O18.96666666666772.83333333333311Koordinaten: 18° 58â€Č N, 72° 50â€Č O
Höhe: 11 m
FlĂ€che: 437,71 kmÂČ
Einwohner:
– Agglomeration:
12.478.447 (2011)[1]
18.414.288 (2011)[2]
Bevölkerungsdichte: 28.508 Einw./kmÂČ
Postleitzahl: 400001 - 400203
Website: www.mcgm.gov.in
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Mumbai (Marathi: à€źà„à€‚à€Źà€ˆ, MumbaÄ« [ˈmumbəi]), bis 1996 Bombay[3], ist die Hauptstadt des Bundesstaates Maharashtra in Indien und die wichtigste Hafenstadt des Subkontinents. Sie liegt auf der Insel Salsette vor der WestkĂŒste Maharashtras. Das Stadtzentrum befindet sich auf einem schmalen Landstreifen, der von der sumpfigen KĂŒste ins Arabische Meer hineinragt. Die Stadt ist das wirtschaftliche Zentrum Indiens. Sie ist Verkehrsknoten und Kulturzentrum mit UniversitĂ€ten, Theatern, Museen und Galerien.

Mumbai mit 12,5 Millionen Einwohnern in der eigentlichen Stadt (das heißt ohne VorortgĂŒrtel) die grĂ¶ĂŸte Stadt Indiens und eine der bevölkerungsreichsten StĂ€dte der Welt. Mit 18,4 Millionen Einwohnern in der „Mumbai Metropolitan Region“ (MMR), die auch die nördlichen Gebiete mit der Stadt Thane einschließt, gehört Mumbai auch zu den grĂ¶ĂŸten Metropolregionen der Welt (Zahlen jeweils VolkszĂ€hlung 2011).

Zahlreiche GebÀude im Zentrum Mumbais sind in einer regionalen Variation des Historismus erbaut worden, die teilweise britisch inspiriert und teilweise eine britische Interpretation des Mogul-Baustils ist. Zwei BaudenkmÀler der Stadt, der Chhatrapati Shivaji Terminus und die Höhle von Elephanta stehen auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

Inhaltsverzeichnis

Der Name der Stadt

Satelliten-Aufnahme von Mumbai

Seit Beginn der Kolonisation Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt als Bombay bekannt. Der Name Bombay leitet sich von der portugiesischen Bezeichnung „Bom Bahia“ (Gute Bucht) und der spĂ€teren Abwandlung „Bombaim“ her.[4] Der Name Mumbai wird angeblich von der örtlichen Bevölkerung schon genauso lange verwendet und von der regionalen Hindu-Göttin Mumbadevi abgeleitet.

Am 12. August 1996 beschloss der Stadtrat in der „Corporation Resolution No. 512“ (Maharashtra Act No. XXV of 1996) die Änderung des Namens Bombay in Mumbai.[5] Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Namens Mumbai fĂŒr Bombay“ (Restoration of name “Mumbai” for “Bombay” Act) erhielt am 1. September 1996 die Zustimmung des Gouverneurs von Maharashtra und wurde am 4. September 1996 erstmals in der „Maharashtra Government Gazette“ veröffentlicht.[3] Die BestĂ€tigung der NamensĂ€nderung erfolgte vom indischen Parlament in Neu-Delhi 1997.[4] Die LĂ€nder der EuropĂ€ischen Union haben Mumbai als offiziellen Namen der Stadt anerkannt.[6]

Inder verschiedener Muttersprachen in Mumbai, die oft ohnehin auf Englisch kommunizieren, verwenden Mumbai und Bombay nebeneinander. Einige öffentliche Einrichtungen wie etwa die Börse, der Gerichtshof und die technische EliteuniversitĂ€t IIT tragen weiterhin Bombay in ihrem Namen, andere wie z. B. die grĂ¶ĂŸte UniversitĂ€t der Stadt haben den alten Namen hingegen getilgt.

Geographie

Geographische Lage

Das administrative Stadtgebiet Mumbais
Mumbai

Mumbai liegt an der KĂŒste des Arabischen Meeres im Westen von Indien auf 18,57 Grad nördlicher Breite und 72,49 Grad östlicher LĂ€nge sowie im Durchschnitt elf Meter ĂŒber dem Meeresspiegel.

Das administrative Stadtgebiet hat eine FlĂ€che von 437,71 Quadratkilometern und erstreckt sich auf die der WestkĂŒste Maharashtras vorgelagerte Insel Salsette. Das Stadtzentrum von Mumbai befindet sich auf einer langgestreckten Halbinsel im SĂŒden der 619 Quadratkilometer großen Insel. Die Außenbezirke von Mumbai und die Stadt Thane liegen im nördlichen Teil der Insel Salsette.

Von einzelnen steilen Erhebungen von bis zu 496 Metern abgesehen, ist Salsette sehr flach, Teile im SĂŒden der Insel liegen unter dem Meeresspiegel. Im Stadtgebiet befinden sich drei große Seen: Tulsi Lake, Vihar Lake und Powai Lake. Die ersten beiden Seen liegen im Sanjay Gandhi National Park (frĂŒher Borivili National Park). Die beiden kleinen FlĂŒsse Oshiwara River im nördlichen Teil und Mithi River im sĂŒdlichen Teil des Stadtgebietes mĂŒnden in das Arabische Meer.

Östlich erstreckt sich der Konkan, ein bis zu 80 Kilometer langer ebener KĂŒstenabschnitt, dahinter befindet sich das 1.600 Meter ĂŒber der Tiefebene gelegene Hochplateau Westghats (auch Sahyadri). Die Verbindung nach Osten wird durch die sehr steilen Anstiege des Plateaus erschwert.

Die Mumbai Metropolitan Region (MMR) hat eine FlĂ€che von 4.355 Quadratkilometern und erstreckt sich im Norden bis an den Tansa River, im SĂŒden bis an den Patalganga River, im Westen bis an das Arabische Meer und im Osten bis an die Westghats. Zur Metropolregion gehören neben Mumbai weitere große StĂ€dte: Thane, Kalyan-Dombivli, Navi Mumbai, Mira-Bhayandar, Bhiwandi-Nizampur und Ulhasnagar.[7]

Stadtgliederung

Mumbai ist in sechs Zonen aufgeteilt. Diese gliedern sich in 24 Stadtbezirke (Wards). Den Zonen wurden Zahlen und den Stadtbezirken Buchstaben zugeordnet. Die Stadtbezirke sind noch in 227 Wahlbezirke (Electoral Wards) unterteilt. Die folgende Tabelle zeigt die einzelnen Zonen mit den dazugehörigen Stadtbezirken.[8]

Zone 1 Zone 2 Zone 3 Zone 4 Zone 5 Zone 6
Ward A Ward F/North Ward H/East Ward P/North Ward L Ward N
Ward B Ward F/South Ward H/West Ward P/South Ward M/East Ward S
Ward C Ward G/North Ward K/East Ward R/North Ward M/West Ward T
Ward D Ward G/South Ward K/West Ward R/South    
Ward E     Ward R/Central    

Siehe auch: Liste der Stadtbezirke von Mumbai

Die Stadt besteht aus den beiden Stadtdistrikten Mumbai City und Mumbai Suburban.

Klima

Die Stadt Mumbai befindet sich in der tropischen Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur betrĂ€gt 26,7 Grad Celsius. Die Temperaturen sind wegen der NĂ€he zum Meer ausgeglichen und unterliegen keinen großen Schwankungen. Der kĂŒhlste Monat ist der Januar mit durchschnittlich 23,9 Grad Celsius, der heißeste der Monat Mai mit 29,7 Grad Celsius im Monatsmittel.

Der Monsun beeinflusst das Klimageschehen stĂ€rker als die Temperatur. Er dauert normalerweise von Anfang Juni bis Ende September. Durchschnittlich 1.700 Millimeter, das sind 95 Prozent der jĂ€hrlichen Niederschlagsmenge, regnen in dieser Zeit ab. Im Juli 2005 kam es in Mumbai bei heftigen MonsunregenfĂ€llen zu den schwersten Überschwemmungen seit rund 100 Jahren. Mit 944 Millimetern wurde am 26. Juli 2005 ein Tagesniederschlagsrekord fĂŒr den Bundesstaat Maharashtra gemessen. 447 Menschen ertranken oder kamen durch andere damit zusammenhĂ€ngende UnfĂ€lle (StromschlĂ€ge, Erdrutsche) ums Leben. Die Infrastruktur, darunter das Straßen- und Trinkwassersystem, wurde beschĂ€digt. Der Flughafen sowie Schulen und UniversitĂ€ten mussten fĂŒr mehrere Tage geschlossen werden. Viele Unternehmen stellten ihre Arbeit ein und schickten ihre Angestellten nach Hause. Die Stadt war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten.[9][10]

Die Monate Oktober und November sind Ă€hnlich heiß wie die Monsunzeit, doch ĂŒberwiegend niederschlagsfrei. Mit Tagesmaxima von etwa 28 Grad Celsius sind die Monate Dezember bis Februar trocken und etwas weniger heiß als die Monate MĂ€rz bis Mai, in denen Tagesmaxima 33 Grad Celsius und mehr bei zunehmender Luftfeuchtigkeit erreicht werden.


Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschlĂ€ge fĂŒr Mumbai
Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 30,6 31,3 32,7 33,1 33,3 31,9 29,8 29,3 30,1 32,9 33,4 32,0 Ø 31,7
Min. Temperatur (°C) 16,4 17,3 20,6 23,7 26,1 25,8 24,8 24,5 24,0 23,1 20,5 18,2 Ø 22,1
Niederschlag (mm) 0,6 1,5 0,1 0,6 13,2 574,1 868,3 553,0 306,4 62,9 14,9 5,6 ÎŁ 2.401,2
Regentage (d) 0,1 0,1 0,0 0,1 1,0 14,9 24,0 22,0 13,7 3,2 1,1 0,4 ÎŁ 80,6
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
30,6
16,4
31,3
17,3
32,7
20,6
33,1
23,7
33,3
26,1
31,9
25,8
29,8
24,8
29,3
24,5
30,1
24,0
32,9
23,1
33,4
20,5
32,0
18,2
Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
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e
r
s
c
h
l
a
g
0,6 1,5 0,1 0,6 13,2 574,1 868,3 553,0 306,4 62,9 14,9 5,6
  Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


Quelle: [11]

Umweltprobleme

Der zunehmende Verkehr fĂŒhrt zu steigender Luftverschmutzung

Zu den grĂ¶ĂŸten Umweltproblemen der Stadt gehören die unzureichenden Entsorgungs- und ReinigungskapazitĂ€ten fĂŒr Abwasser, Abgase und AbfĂ€lle. Obwohl sich die Wasserversorgungslage der Haushalte seit Anfang der 1980er Jahre verbessert hat, verfĂŒgen nur wenige Haushalte ĂŒber eine Abwasserentsorgung. Mehr als die HĂ€lfte der Bewohner Mumbais lebt in Slums, ohne Wasseranschluss und Kanalisation.[12] Verschmutztes und verseuchtes Wasser tragen wesentlich zur Entstehung und Verbreitung von Infektionskrankheiten bei.

Probleme bereitet der jĂ€hrlich auftretende Monsun. Nach acht Monaten Trockenheit kommt es wĂ€hrend des viermonatigen Monsuns regelmĂ€ĂŸig zu Überschwemmungen. Der Regen spĂŒlt dabei immer wieder MĂŒll in die AbflĂŒsse und fĂŒhrt zu deren Verstopfung. Ein teilweiser Zusammenbruch der Kanalisation und eine Vermischung von Trink- und Abwasser sind die Folge. Auch hier kommt es zum Ausbruch von Infektionskrankheiten.

Die Luftverschmutzung in der indischen Metropole ist bedenklich. Der hohe Gehalt an Feinstaub stellt das grĂ¶ĂŸte Problem dar. Die Ursachen liegen sowohl in den zahlreichen Fabrikanlagen und Kraftwerken als auch im Verkehr und in den privaten Haushalten. Mumbai verfĂŒgt ĂŒber ein im Vergleich zu anderen indischen StĂ€dten gut ausgebautes Eisenbahnnetz.

Öffentliche Busse, Autorikschas und private Personenkraftwagen tragen jedoch nach wie vor zur Luftverschmutzung bei. Der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid nimmt in Folge der fortschreitenden Industrialisierung und eines stetig wachsenden Verkehrsaufkommens und Energieverbrauchs schnell zu. Die Folgen der Luftverschmutzung sind Atemwegs- und Hauterkrankungen unter der Bevölkerung Mumbais. Die unzureichenden technischen Anlagen in den Fabriken fĂŒhren immer wieder zu BeeintrĂ€chtigungen.

Geschichte

Ursprung

Die heutige Halbinsel im sĂŒdlichen Teil der Insel Salsette mit dem Stadtzentrum Mumbais ist das Ergebnis intensiver Landgewinnungsmaßnahmen, die bis in die Gegenwart anhalten. Vor der Ankunft der EuropĂ€er und bis in das 17. Jahrhundert hinein bestand das Gebiet aus sieben voneinander getrennten Inseln, von denen sich fĂŒnf (Bombay, Mahim, Mazagaon, Parel und Worli) kreisförmig um eine Lagune gruppierten, wĂ€hrend die zwei kleinsten (Colaba und Old Woman's Island) den sĂŒdlichen Fortsatz bildeten. Bis 1862 waren die grĂ¶ĂŸeren Projekte der Landgewinnung beendet und aus ehemals sieben kleineren entstand eine große Insel. Diese wurde dann im 20. Jahrhundert, ebenfalls durch Landgewinnungsmaßnahmen, mit den nördlich gelegenen Inseln Salsette und Trombay zu einer Insel verbunden.

Auf eine frĂŒhe Besiedlung der Inselgruppe lassen archĂ€ologische Funde von Faustkeilen und anderen Steinwerkzeugen schließen. Drawidische Fischer (Kolis) bewohnten schon vor der arischen Einwanderung um das Jahr 1500 v. Chr. die Region. Erste Spuren hinterließen arische Siedler im 8. Jahrhundert v. Chr.

WÀhrend der nachfolgenden zwei Jahrtausende bis zur Ankunft der EuropÀer gehörte die heutige Region Mumbai verschiedenen Reichen an, unter anderem dem Maurya-Reich (bis 185 v. Chr.), dem Shatavahana-Reich (bis 220 n. Chr.) und dem Kshatrapa-Reich (bis etwa 300 n. Chr.). Anfang des 7. Jahrhunderts wurde das Land von den Chalukyas erobert, die nach einer jahrhundertelangen buddhistischen Periode den Hinduismus wieder in den Vordergrund stellten.

Die ehemaligen 7 Inseln Mumbais

Ab dem 8. Jahrhundert siedelten an der WestkĂŒste Indiens Juden aus Jemen und AnhĂ€nger der Religion des Zarathustra aus Persien, die vor dem Ansturm der islamischen Eroberer dorthin geflĂŒchtet waren. Bis Ende des 13. Jahrhunderts beherrschten verschiedene Dynastien diesen eher unbedeutenden und abgelegenen Landstrich. Die Ortschaft Puri auf der Insel Elephanta war bis dahin die grĂ¶ĂŸte Siedlung in der Region.

Im 13. Jahrhundert bestand in der Gegend das legendĂ€re selbstĂ€ndige Königreich unter König Raja Bhimdev. Er gilt als GrĂŒnder von Bombay, da er seinen Regierungssitz in die Stadt Mahikavati auf der Insel Mahim verlegte und dort Befestigungsanlagen baute. 1348 wurde die Stadt von dem muslimischen Schah Murabak I. besetzt und als militĂ€rischer Außenposten in das Sultanat Gujarat eingegliedert.

Portugiesische Kolonialzeit

1508 segelte der portugiesische Forscher und HĂ€ndler Francisco de Almeida mit seinem Schiff in den tiefen natĂŒrlichen Hafen der Insel Bombay. Angenehm beeindruckt durch die Geographie und die Bedingungen, nannte er sie Bom Bahia (gute Bucht). 1533 eroberten die Portugiesen die unmittelbar nördlich von Bombay gelegene Festung Bassein. Zur gleichen Zeit wurde der in dem Gebiet herrschende Sultan Bahadur Schah von Gujarat im Norden von den Mogulen angegriffen. Der Sultan erkannte die militĂ€rische StĂ€rke der Portugiesen und verbĂŒndete sich mit ihnen. Am 23. Dezember 1534 wurde der Vertrag von Bassein unterzeichnet, wonach der Sultan Bahadur Schah von Gujarat dem König von Portugal die Inseln Bassein, Bombay, Karanja und Salsette ĂŒbergab und vermachte.

Mit der Errichtung eines Forts und einer Faktorei durch die Kolonisten auf der Insel Bombay begann die Ära europĂ€ischer Herrschaft, die ĂŒber 400 Jahre bis zum 14. August 1947, dem Tag der UnabhĂ€ngigkeit Indiens, andauerte. Weitere Kastelle, Befestigungsanlagen und Faktoreien bauten die Portugiesen in den folgenden Jahren auf den anderen Inseln des Archipels. Die LĂ€ndereien wurden nach einem feudalen Pachtsystem an HĂ€ndler und katholische Ordensgemeinschaften, darunter vor allem Franziskaner und Jesuiten, vergeben. Viele einheimische Bewohner traten wĂ€hrend der portugiesischen Herrschaft, nicht immer freiwillig, zum christlichen Glauben ĂŒber.

1585 gehörten den Franziskanern und Jesuiten die Inseln Salsette, Bombay, Mahim, Parel und Worli. Die Einnahmen der Ordensgemeinschaften aus dem Handel mit GewĂŒrzen waren betrĂ€chtlich. Sie herrschten dabei ĂŒber die Einheimischen mit Gewalt und Ignoranz, die sich in der Zerstörung zahlreicher hinduistischer Tempel und islamischer Moscheen Ă€ußerte. 1629 schrieb der Erzbischof von Goa SebastiĂŁo de SĂŁo Pedro an den König von Portugal Philipp IV. : „Die grĂ¶ĂŸten Feinde der Interessen Portugals sind die Jesuiten. Sie scheren sich weder um die Anordnungen des Erzbischofs noch um die des Vizekönigs“. Die katholischen Orden schadeten somit der portugiesischen Herrschaft und waren nicht zuletzt auch verantwortlich fĂŒr den Machtwechsel zugunsten Großbritanniens.

Britische Kolonialzeit

High Court errichtet von den Briten
Kalbadevie Road um 1890

1583 kamen die ersten englischen Kaufleute an die indische WestkĂŒste. 1612 besiegte eine englische Flotte in der Seeschlacht von Suvali (Swally) nördlich von Surat die Portugiesen. Daraufhin errichtete die Britische Ostindien-Kompanie die erste feste Handelsniederlassung in der Hafenstadt Surat. 1626 griffen die Briten Bombay an und verbrannten das portugiesische Herrenhaus. Am 23. Juni 1661 wurde der Hafen und die Insel Bombay durch einen Heiratsvertrag zwischen dem englischen König Karl II. und der portugiesischen Infantin Katharina von Braganza an den König von England ĂŒbergeben.

Die Stadt behielt den vom portugiesischen „Bom Bahia“ abgeleiteten, anglisierten Namen Bombay bei. Dies war das erste StĂŒck Land in Indien, das wirklich als Kolonie bezeichnet werden kann. Überall sonst auf dem Subkontinent wurde den Briten nur das Recht eingerĂ€umt, Faktoreien, das heißt Handelsposten, zu errichten. Aufgrund seines geschĂŒtzten Naturhafens und der strategisch gĂŒnstigen Handelsposition bemĂŒhte sich die in Surat stationierte Britische Ostindien-Kompanie um den Erwerb dieses Landes. 1668 war der Handel perfekt, und Karl II. ĂŒberließ ihr Bombay fĂŒr den Betrag von jĂ€hrlich zehn Pfund Sterling. In den folgenden Jahren nahmen die Briten auch die Inseln Mahim, Mazagaon, Parel und Worli in ihren Besitz. Die EnglĂ€nder bemĂŒhten sich, ihren Außenposten zu festigen. Sie ließen sich in einem Gebiet nieder, das heute als Fort bekannt ist und wo sie das befestigte Bombay Castle als Hauptquartier einrichteten. Doch sie hatten auch zahlreiche Probleme: Die Stadt war einer stĂ€ndigen Bedrohung von außen durch Portugiesen, Franzosen, Marathen, Mogulen und Piraten ausgesetzt. Die Gouverneure wechselten hĂ€ufig, und Malaria und Cholera töteten viele der ersten Siedler. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts schrieb ein Kaplan der Britischen Ostindien-Kompanie, Reverend John Ovington:

„Eine der schönsten Stellen Indiens schien nichts weiter als ein Kirchenfriedhof, ein Leichenschauhaus... Das gewöhnliche Schicksal hat unter den dortigen EnglĂ€ndern ein Sprichwort geprĂ€gt, welches besagt, dass die Lebenszeit eines Mannes zwei Monsune umfasst.“

Gerald Aungier, der sechste Gouverneur (1669-1677), machte es sich zur Aufgabe, „die Stadt, die mit Gottes Hilfe gebaut werden soll“, zu planen. Anfang des 18. Jahrhunderts war die Niederlassung tatsĂ€chlich Verwaltungssitz der Britischen Ostindien-Kompanie geworden. Auf Aungiers Initiative geht jene ethnische Vielfalt zurĂŒck, die immer noch zum Erfolg der Stadt beitrĂ€gt, denn er ermutigte den Zuzug von Hindu-HĂ€ndlern aus Gujarat, Goanern (auf der Flucht vor der Verfolgung durch die Jesuiten), islamischen Webern und geschĂ€ftstĂŒchtigen Parsen.

Bombay um 1888

1803 vernichtete eine Feuersbrunst einen Großteil der britischen Siedlung im alten Fort, und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein blieb der Anteil der europĂ€ischen Bevölkerung vergleichsweise gering. Die Ankunft der Great Indian Peninsular Railway in den 1850er Jahren brachte eine Verbesserung der Kommunikationswege und noch mehr Einwanderer aus allen Teilen Indiens. Mitte des Jahrhunderts war das erste von zahlreichen Landgewinnungsprojekten fertiggestellt und verband die sieben Inseln miteinander. Am 18. November 1852 wurde die erste Eisenbahnlinie Asiens nach Thane eröffnet und 1864 die Strecke nach Ahmedabad, der zweitwichtigsten Textilstadt Indiens.

Die Vollendung der Eisenbahnstrecke zu den Baumwollfeldern des Dekkan fiel genau mit der US-amerikanischen Baumwollkrise nach dem Ende des Sezessionskrieges im Jahre 1865 zusammen, so dass ein mÀchtiger Baumwollboom ausbrach, der die Stadt zu einer bedeutenden Industrie- und Handelsstadt machte. Nach der Eröffnung des Sueskanals am 16. November 1869 und dem Bau riesiger Hafendocks verstÀrkte sich Bombays Einfluss auf die europÀischen MÀrkte noch.

In den folgenden Jahrzehnten hinterließen Briten, reiche Jains und Parsen mit gewaltigen Bauten ihre Spuren in der Innenstadt. Als wohlhabendste Stadt der Nation stand Bombay in der vordersten Front des UnabhĂ€ngigkeitskampfes. Mahatma Gandhi (1869-1948) benutzte dort drei Jahrzehnte lang ein Haus zur Organisation des Widerstands; heute ist dieses ein Museum. Passenderweise endete das Zeitalter der britischen Herrschaft in Bombay: Im Februar 1948 marschierte das letzte Kontingent britischer Truppen durch das Gateway of India.

Nach der UnabhÀngigkeit

Bombay entwickelte sich nach der UnabhĂ€ngigkeit Indiens von Großbritannien im Jahre 1947 zur Handels- und Kulturhauptstadt Indiens. Mit der GrĂŒndung des Bundesstaates Maharashtra am 1. Mai 1960 wurde sie dessen Hauptstadt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts verzehnfachte sich die Einwohnerzahl von 813.000 (1901) auf 8,2 Millionen (1981), und die Infrastruktur Bombays fing an, unter dem Druck der Überbevölkerung zu versagen.

Ein anderthalbjĂ€hriger Streik der Textilarbeiter 1982 und 1983 trieb Zehntausende von Fabrikarbeitern in die Armut. Grund war die von den Besitzern vorgesehene Schließung zahlreicher veralteter Fabriken. Der Streik scheiterte, die Betriebe wurden stillgelegt und die Arbeiter entlassen. Der Zustrom von LandflĂŒchtlingen hielt an, die Zahl der Arbeitslosen und die KriminalitĂ€tsrate stiegen. Die rechtsextreme Maharashtra-Partei „Shiv Sena“ gehörte zu den wenigen, die von der VerschĂ€rfung der Situation profitierten. Bal Thackeray, laut Eigenaussage ein Bewunderer von Adolf Hitler, grĂŒndete die Partei 1966.

Die kompromisslose Haltung der „Shiv Sena“ bezĂŒglich Zuwanderung und Arbeit fand besonders große Zustimmung unter den hauptsĂ€chlich Marathi sprechenden, enttĂ€uschten Hindus der unteren Mittelschicht, die in den Ă€rmeren Vororten lebten. Die Partei, die anfĂ€nglich ihre verbalen Angriffe gegen die zahlenstarke sĂŒdindische Gemeinde der Stadt richtete, griff bald vor allem die muslimische Minderheit Bombays an. 1984 kamen bei stĂ€dtischen Unruhen 90 Menschen ums Leben, und 1985 als die Shiv Sena bei den Stadtwahlen die Kongresspartei besiegte, flackerten die KĂ€mpfe erneut auf.

TerroranschlÀge in Mumbai

Mumbai wurde als Wirtschaftszentrum Westindiens seit den 1990er Jahren wiederholt Ziel von TerroranschlÀgen.

Zwischen Dezember 1992 und Ende Januar 1993 erschĂŒtterten zwei Aufruhrwellen Bombay. Sie beschrĂ€nkten sich nicht auf die muslimischen Ghettos und die armen Industrie-Vororte, sondern wurden zum ersten Mal auch in großen Teilen der Innenstadt ausgetragen. Laut offiziellen Statistiken kamen 900 Menschen ums Leben und etwa 5.000 erlitten Verletzungen, 70 Prozent von ihnen Muslime.[13] Gerade als Bombay im Begriff war, zur NormalitĂ€t zurĂŒckzukehren, erschĂŒtterten am 12. MĂ€rz 1993 zehn Bombenexplosionen das Zentrum der Stadt (Bilanz: 257 Tote und 713 Verletzte).[14] Niemand bekannte sich zu den AnschlĂ€gen, doch wurden von offizieller Seite islamistische Gruppierungen mit Verbindungen nach Pakistan der Urheberschaft bezichtigt.[15]

Die Stadt erholte sich sehr schnell von den Bombenattentaten. In der Absicht, den Stolz und die Betriebsamkeit, mit der Indiens Metropole frĂŒher ihren GeschĂ€ften nachgegangen war, wiederzugewinnen, wurden am Rande der Autobahnen StellwĂ€nde („Bombay Bounces Back!“, „It's My Bombay“, „Bombay, I Love You“) errichtet, und bis zu einem gewissen Grad besaßen die BĂŒrger Mumbais fĂŒr einige Jahre ein GefĂŒhl von Frieden und Sicherheit. Aber schon am 27. Februar 1998 starben bei einem Bombenanschlag im Stadtteil Virar neun Menschen, und zwischen Dezember 2002 und August 2003 erschĂŒtterte eine ganze Serie von Bombenexplosionen Mumbai:[14]

  • 2. Dezember 2002 – Ghatkopar (drei Tote, 31 Verletzte)
  • 27. Januar 2003 – Vile Parle (ein Toter, 25 Verletzte)
  • 13. MĂ€rz 2003 – Mulund Railway Station (elf Tote, 80 Verletzte)
  • 14. April 2003 – Bandra (ein Toter, keine Verletzten)
  • 29. Juli 2003 – Ghatkopar (drei Tote, 34 Verletzte)
  • 25. August 2003 – Gateway of India und Zaveri Bazaar (50 Tote, 150 Verletzte)

BombenanschlĂ€ge am 11. Juli 2006 auf VorortzĂŒge forderten 181 Tote und 890 Verletzte.[14] Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass die islamistische Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba, welche von Pakistan aus operiert, fĂŒr den Anschlag verantwortlich ist.[16]

Bei TerroranschlĂ€gen am 26. November 2008 in der Stadt griffen Terroristen Passanten an mehreren Zielen mit Handgranaten und Schnellfeuerwaffen an. Betroffen waren von AuslĂ€ndern besuchte Orte wie der Hauptbahnhof und mehrere Luxushotels sowie eine jĂŒdische Einrichtung. Bei den AnschlĂ€gen kamen mehr als 195 Menschen ums Leben, mindestens 295 Menschen wurden verletzt.[17]

Am 13. Juli 2011 wurde Mumbai erneut Schauplatz eines Terroraktes. Bei drei BombenanschlÀgen kamen mindestens 23[18] Menschen ums Leben, mehr als 130 wurden verletzt.[19] Die Explosionen ereigneten sich nahezu zeitgleich in verschiedenen Wohn- und GeschÀftsvierteln der Stadt.

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung

HochhÀuser am Nariman Point
Stadtzentrum bei Nacht
Die Skyline mit Blick auf Chowpatty Beach

Seit Beginn der britischen Kolonialisierung verzeichnete das ehemalige Bombay ein schnelles Bevölkerungswachstum. Von 10.000 im Jahre 1661 verzehnfachte sich die Einwohnerzahl bis 1764 auf 100.000. 1845 hatte die Stadt schon eine halbe Million Einwohner. Bei der ersten VolkszĂ€hlung im Jahre 1864 waren es 817.000. In den 1860er und 1890er Jahren ging die Bevölkerungszahl bedingt durch Seuchen etwas zurĂŒck. 1911 ĂŒberschritt Bombays Einwohnerzahl die Millionengrenze.

1950 wurden die nahen und 1957 die weiter entfernt liegenden Vororte eingemeindet. Dadurch erhöhte sich die Einwohnerzahl weiter. Von 1911 bis 1991 verzehnfachte sich diese nochmals; in der eigentlichen Stadt ohne VorortgĂŒrtel lebten 9,9 Millionen Menschen, im Jahr 2011 waren es 12,5 Millionen. Die Metropolregion Mumbai hat mit 18,4 Millionen (2011) eine höhere Einwohnerzahl als das dichtbesiedelte Nordrhein-Westfalen (17,8 Millionen).

Die Bevölkerungsdichte in Mumbai erreicht Werte, die in kaum einer Agglomeration in Europa erzielt werden. In der Stadt leben 28.508 Menschen auf einem Quadratkilometer (2011), in Berlin sind es zum Vergleich 3.893. In Europa kommt Paris mit 20.980 Einwohnern pro Quadratkilometer Mumbai noch am nÀchsten. Der Stadtteil Marine Lines erreicht mit 114.001 Einwohnern pro Quadratkilometer (VolkszÀhlung 2001) den Spitzenwert und damit eine der höchsten Wohndichten der Welt.[20] Nach SchÀtzungen der Vereinten Nationen werden im Jahre 2020 im Ballungsraum Mumbai 28,5 Millionen Menschen leben. Ein ungelöstes Problem ist die Bildung von Slums, die nach wie vor in zahlreichen Stadtvierteln existieren.

Ein erheblicher Teil des Bevölkerungswachstums im ehemaligen Bombay wird seit Beginn der kolonialen Entwicklung durch Zuwanderung verursacht. Die Zuwanderer kommen, entsprechend der internationalen und ĂŒberregionalen Bedeutung der Stadt, nicht nur aus dem angrenzenden Hinterland, sondern aus ganz Indien und den benachbarten Staaten. Das Ergebnis ist ein Konglomerat von Menschen mit unterschiedlichem ethnischen und sprachlichen Hintergrund. Die einheimischen Marathen und die nördlich benachbarten Gujaratis – Gujarat gehörte bis 1960 zum ehemaligen Staat Bombay – bilden die grĂ¶ĂŸten Bevölkerungsgruppen. Die Bengalen, Marwaris, Panjabis und Tamilen stellen bedeutende Minderheiten. AuslĂ€ndischer Abstammung sind vor allem die Sindhi aus Pakistan sowie Afghanen, Chinesen und Nepalesen.

Bei der VolkszÀhlung 2001 lebten in Mumbai 11.978.450 Menschen. Davon waren 6.619.966 Personen (55,3 Prozent) mÀnnlich und 5.358.484 Personen (44,7 Prozent) weiblich. Die Analphabetenrate ist besonders bei Frauen immer noch sehr hoch, liegt aber unter dem Durchschnitt des Bundesstaates Maharashtra. Sie betrug in der gesamten Stadt 13,1 Prozent (MÀnner: 8,4 Prozent, Frauen: 18,9 Prozent). In Maharashtra lag sie zum Vergleich bei 23 Prozent (MÀnner: 14 Prozent, Frauen: 33 Prozent).[21]

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1845 handelt es sich meist um SchĂ€tzungen, von 1864 bis 2011 um VolkszĂ€hlungsergebnisse.

        Jahr         Einwohner
1661 10.000
1675 60.000
1764 100.000
1780 114.000
1806 200.000
1814 240.000
1830 229.000
1845 500.000
1864 816.562
1872 644.605
1881 773.196
1891 821.764
Jahr/Datum Einwohner
1901 812.912
1911 1.018.388
1921 1.244.934
1931 1.268.936
1941 1.686.127
1. MĂ€rz 1951 2.966.902
1. MĂ€rz 1961 4.152.056
1. April 1971 5.970.575
1. MĂ€rz 1981 8.227.382
1. MĂ€rz 1991 9.925.891
1. MĂ€rz 2001 11.978.450
9. Februar 2011 12.478.447

Sprachen

Menschen im Verkehr von Mumbai

In Mumbai werden etwa 200 verschiedene Sprachen und Dialekte einheimischer und auslÀndischer Herkunft gesprochen. Die am meisten in der Stadt gesprochene Sprache ist mit einem Anteil von 43 Prozent Marathi. Es ist die erste Amtssprache im Bundesstaat Maharashtra und die Lokalsprache. Es folgen mit einem Anteil von 19 Prozent Gujarati, die Sprache des nördlich gelegenen Nachbarstaates Gujarat und mit zehn Prozent Anteil Urdu. Letztere wird von den in Mumbai lebenden Muslimen als Muttersprache gesprochen. Urdu wird in arabischer Schrift geschrieben und war im Mogulreich offizielle Hofsprache.

Mit einem Anteil von acht Prozent liegt Hindi nur auf dem vierten Platz. Im restlichen Teil Nordindiens ist sie die am meisten gesprochene Sprache. Die bisher erwĂ€hnten Sprachen gehören zur indoarischen Sprachgruppe. Die dravidischen Sprachen Tamil und Telugu werden von etwa 2,5 Prozent der Einwohner gesprochen. Sie stammen aus SĂŒdindien und sind mit den indoarischen Sprachen nicht verwandt.

Nur auf dem zwölften Platz liegt Englisch, die zweite Amtssprache in Indien. Sie wird in Mumbai ĂŒberwiegend von der Oberschicht als Umgangssprache verwendet und bei amtlichen Befragungen nur von circa einem Prozent der Menschen als Muttersprache angegeben. FĂŒr viele ist Englisch jedoch eine Art Zweitsprache. Alle amtlichen Dokumente und Publikationen in der Stadt werden neben Marathi auch auf Englisch herausgegeben. Die beiden bedeutendsten Tageszeitungen in Mumbai erscheinen in englischer Sprache. Das MissverhĂ€ltnis zwischen der hohen Bedeutung als Verwaltungs- und Schriftsprache und der geringen Bedeutung im alltĂ€glichen Sprachgebrauch der Bevölkerung ist dadurch zu erklĂ€ren, dass Englisch als neutrale VerstĂ€ndigungsbasis von allen Sprachparteien anerkannt wird, wĂ€hrend Hindi von den Menschen im SĂŒden Indiens generell abgelehnt wird.

Religionen

Jama-Masjid-Moschee

Wie bei den Sprachen findet man auch bei der religiösen Zusammensetzung der Bevölkerung in Mumbai ein Ă€hnlich komplexes Muster. Der ĂŒberproportionale Anteil religiöser Minderheiten im Vergleich zu anderen Metropolen in Indien ist das auffĂ€lligste Merkmal. Buddhisten, Christen, Jainas, Juden, Parsen und Sikhs gehören zu diesen Minderheiten. Die Buddhisten haben laut VolkszĂ€hlung 2001 einen Anteil von 5,2 Prozent an der Gesamtbevölkerung, die Jainas von 4,0 Prozent und die Christen von 3,7 Prozent. Der Anteil der Juden, Parsen, Sikhs und Atheisten liegt zusammen bei 1,1 Prozent.

Die beiden grĂ¶ĂŸten Religionen sind Hinduismus und Islam. Zu Lasten des Hinduismus geht die zahlenmĂ€ĂŸige StĂ€rke der religiösen Minderheiten. WĂ€hrend in ganz Indien 80,5 Prozent dieser Glaubensrichtung angehören, sind es in Mumbai nur 67,4 Prozent. Die Hindus sind aber die mit Abstand dominierende Religionsgemeinschaft. In Mumbai spielen die Jainas und die Parsen eine wichtige ökonomische Rolle, obwohl es sich um kleine Religionsgemeinschaften handelt.

Nur die Muslime können hier mit einem Anteil von etwa 18,6 Prozent an der Bevölkerung mehr als die religiösen Minderheiten noch ein gewisses Gegengewicht schaffen. Sie fallen durch ihre Dominanz in einzelnen Branchen und ihr teilweise geschlossenes Auftreten in einzelnen Stadtvierteln von Mumbai wie zum Beispiel in Mahim und Dongri stÀrker ins Gewicht.

Die römisch-katholische Kirche der Region ist im Erzbistum Bombay organisiert. Das Apostolische Vikariat Bombay wurde 1820 errichtet und am 1. September 1886 von Papst Leo XIII. zum Erzbistum erhoben. Es ist einer der typischen Kardinalssitze der Katholischen Kirche, dessen Erzbischof zur Erledigung seiner Hirtenpflichten vier Weihbischöfe zur VerfĂŒgung stehen. Die Kirchenprovinz umfasst die SuffraganbistĂŒmer Kalyan, Nashik, Poona und Vasai. Seit 2006 ist Oswald Gracias Erzbischof von Bombay.

Bevölkerung nach Religionszugehörigkeit[21]
Mumbai
City
Anteil
in %
Mumbai
Suburban
Anteil
in %
Mumbai
Gesamt
Anteil
in %
Hindus 2.119.750 63,50 5.953.475 68,90 8.073.225 67,40
Muslime 734.484 22,00 1.488.987 17,23 2.223.471 18,56
Buddhisten 161.417 4,84 464.354 5,37 625.771 5,22
Jainas 159.021 4,76 319.339 3,70 478.360 3,99
Christen 106.240 3,18 340.166 3,94 446.406 3,73
Sikhs 16.330 0,49 53.271 0,62 69.601 0,58
Andere 39.482 1,18 17.833 0,21 57.315 0,48
Keine Angabe 1.307 0,04 2.994 0,03 4.301 0,04
Gesamt 3.338.031 100,00 8.640.419 100,00 11.978.450 100,00

Quelle: Census of India 2001

Wohnsituation

Appartements in Colaba
Der Dharavi Slum in Mumbai

AnsprĂŒche und Lebensstile der Eliten Mumbais Ă€ußern sich vor allem in den Wohnvierteln der reichen Oberschicht, Malabar und Cumballa Hills, auf der Westseite der Innenstadt (Mumbai City District) und Hiranandani Gardens am Powai Lake auf der Nordseite. Die alten Villen in den großzĂŒgig angelegten Parks dieser Gegenden wurden abgerissen und AppartementhochhĂ€user an ihre Stelle errichtet. Eigene Stromaggregate, Wassertanks und Wachpersonal ermöglichen der Elite schon seit den 1960er Jahren eine weitgehende Abkoppelung von der Lebenswelt der großen Mehrheit der Bevölkerung und die Verfolgung eigener Lebensstilkonzepte. Die wachsende stĂ€dtische Mittelschicht zog aufgrund der Kommerzialisierung vieler Bereiche der Innenstadt ĂŒberwiegend in die Außenbezirke (Mumbai Suburban District).

Im Gegensatz dazu steht die Verelendung großer Teile der stĂ€dtischen Bevölkerung. Laut Daten der VolkszĂ€hlung von 2001 lebten in Mumbai 6,5 Millionen Menschen (54,1 Prozent)[12] in Slums.[22] Viele Arbeitsuchende können sich das tĂ€gliche Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht leisten, das heißt der Wohnort muss sich in Gehdistanz zum Arbeitsplatz befinden. Die gewinnbringende Vorhaltung von BrachflĂ€chen durch einflussreiche Gruppen verhindert oft sozialen Wohnungsbau selbst dann, wenn finanzielle Mittel dafĂŒr zur VerfĂŒgung stehen. Die Probleme der Metropole Mumbai treten in den Slums besonders deutlich zutage: UnterernĂ€hrung, Hunger, mangelnde Entsorgung und unzureichende Wasserversorgung fĂŒhren zu erhöhter SĂ€uglingssterblichkeit und zum Ausbruch von Tuberkulose, Lepra und Malaria, soziale Auswirkungen – KriminalitĂ€t, Prostitution, Alkoholismus â€“ wachsen ebenfalls unter solchen Rahmenbedingungen.

Viele Slumbewohner leben unter der stĂ€ndigen Drohung verjagt zu werden. Ein Beispiel dafĂŒr ist das 2,23 Quadratkilometer große Dharavi, der grĂ¶ĂŸte Slum Asiens. Angaben zur Bevölkerungszahl des Gebietes variieren stark. Die indische Aktivistin Sheela Patel schĂ€tzte die Zahl der Bewohner 2007 auf 350.000 bis 600.000.[23] Der Economist bezifferte die Bevölkerung 2007 auf „ungefĂ€hr 600.000“[24], Time 2006 auf 600.000 bis eine Million.[25] Laut einer Studie des Kamla Raheja Vidyanidhi Institute of Architecture (KRVIA) lag die Bevölkerungsdichte im zentralen Bereich von Dharavi, Chambda Baazar, 2006 bei 336.643 Einwohnern pro Quadratkilometer.[26] Das ursprĂŒnglich am Rand von Mumbai gelegene Viertel wurde von der Stadt umwachsen, sodass es heute – unĂŒblich fĂŒr einen Slum – mitten in der Stadt liegt. Es bestehen PlĂ€ne der Stadtverwaltung, die SlumhĂŒtten von Dharavi abzureißen und (teilweise) durch soziale Wohnungsbauten, aber auch kommerzielle Bauprojekte, zu ersetzen. Kritiker befĂŒrchten, dass die PlĂ€ne zur Vertreibung der Bewohner in erster Linie dazu dienen, die attraktiv in der Innenstadt gelegene BodenflĂ€che des Slums fĂŒr wirtschaftliche Zwecke nutzbar zu machen.[27]

Politik

Stadtregierung

Rathaus (Municipal Corporation Building)

Seit den Wahlen am 10. MĂ€rz 2007 ist Shubha Raul von der Partei Shiv Sena BĂŒrgermeisterin (Mayor) der Stadt. Sie löste ihren umstrittenen VorgĂ€nger und Parteikollegen Datta Dalvi ab, der seit Februar 2005 regierte. Shubha Raul ist die dritte Frau im Amt des BĂŒrgermeisters von Mumbai[28]. Verwaltungsleiter (Municipal Commissioner) ist seit 4. Mai 2007 Jairaj Phatak. VorgĂ€nger im Amt war seit Februar 2004 Johny Joseph. Er wird von der von der Kongresspartei beherrschten Staatsregierung ernannt. Der Verwaltungsleiter ĂŒbt die Exekutivmacht (ausfĂŒhrende Gewalt) in Mumbai aus. Die Legislative (gesetzgebende Gewalt) wird vom BĂŒrgermeister und dem Stadtrat (den Municipal Corporators) gestellt. Die BĂŒrgermeisterin ist Vorsitzende des Stadtrates und wird von diesem alle zweieinhalb Jahre gewĂ€hlt.

Die GrĂŒndung der Stadtverwaltung (Municipal Corporation) erfolgte 1872 mit 64 Mitgliedern (Bombay Act No. III). Die erste Sitzung fand am 4. September 1873 statt. 1931 wurde die Amtsbezeichnung „PrĂ€sident“ in „BĂŒrgermeister“ geĂ€ndert (Bombay Act No. XXI). 1963 hatte der Stadtrat 140 Mitglieder. 1982 wurde die Anzahl der Ratsmitglieder auf 170 und 1991 auf 221 erhöht (30 Prozent der Sitze waren fĂŒr Frauen reserviert). Seit 2002 zĂ€hlt der Stadtrat 227 Mitglieder und reprĂ€sentiert die 24 Stadtbezirke (Wards). FĂŒnf Sitze sind fĂŒr Frauen bestimmter Kasten reserviert und 50 weitere Sitze fĂŒr kastenunspezifische Frauen. Der Stadtrat wird von der Bevölkerung Mumbais gewĂ€hlt. Zu seinen Hauptaufgaben gehört es, VorschlĂ€ge ĂŒber das Budget von neun stĂ€ndigen Behörden an den Verwaltungsleiter zu geben. Letzterer entscheidet dann allein ĂŒber die Annahme der vorgeschlagenen Maßnahmen.

Die Shiv Sena ist die mit Abstand grĂ¶ĂŸte Partei in der Metropole Mumbai. WĂ€hrend in den anderen großen StĂ€dten Indiens die Kommunistische Partei (Kalkutta) oder die Kongresspartei (Delhi) regiert, wird Mumbai von der hindunationalistischen „Shiv Sena“ (Shivas Armee) beherrscht. Die Partei des Hitler-Verehrers Bal Thackeray tritt in Mumbai ĂŒberwiegend mit promarathischer und antiislamischer Propaganda auf. Sie stellte zwischen 1985 und 1992 und wieder seit 1995 den BĂŒrgermeister Mumbais. Eines ihrer wichtigsten Ziele ist es, die Zuwanderung sĂŒdindischer und muslimischer Migranten zu stoppen beziehungsweise generell die illegalen Einwanderer (zumeist Muslime aus Bangladesch) aus der Stadt zu vertreiben. Die Shiv Sena wird auch fĂŒr die immer wieder aufflammenden gewalttĂ€tigen Ausschreitungen gegen die muslimischen Bewohner Mumbais verantwortlich gemacht. Seit 2008 macht zunehmend die Maharashtra Navirman Sena (MNS) des Thackeray-Neffen Raj Thackeray mit Polemik und Ausschreitungen gegen Nordinder auf sich aufmerksam. Raj grĂŒndete die MNS, nachdem er bei der Besetzung des Parteivorsitzendenposten bei der Shiv Sena zugunsten von Uddhav Thackeray verzichten musste.

StÀdtepartnerschaften

Mumbai unterhÀlt mit folgenden StÀdten Partnerschaften:[29]

Flag of the United Kingdom.svg London, Großbritannien
Flag of the United States.svg Los Angeles, USA
Flag of Russia.svg Sankt Petersburg, Russland
Flag of Germany.svg Stuttgart, Deutschland
Flag of Germany.svg Berlin, Deutschland
Flag of Japan.svg Yokohama, Japan

Kultur und SehenswĂŒrdigkeiten

Musik und Theater

Bandra-Kurla Complex

Mumbai ist ein kulturelles Zentrum und zieht die begnadetsten KĂŒnstler klassischer und moderner indischer Musik sowie Tanz- und Theaterkunst des ganzen Landes an. Die Stadt besitzt zahlreiche Bars und Klubs, Jazzkneipen konkurrieren mit Salsa-, Tabla-Tanzmusik- und Funklokalen. Namhafte einheimische und westliche Rockstars treten in den Stadien und Konzerthallen Mumbais auf.

Zahlreiche Konzerte und Vorstellungen finden im Bharatiya Vidya Bhavan statt, dem Hauptsitz der internationalen hinduistischen Kulturorganisation, aber auch in der Cowasjee Jehangir Hall gegenĂŒber dem „Chhatrapati Shivaji Maharaj Museum“, im Birla Matushi in Marine Lines, im Tejpal Auditorium in Nayak Marg, in der Shanmukhananda Hall in Yagnik Marg oder im MMRDA Ground, einer großen Konzerthalle im Bandra-Kurla Complex. Das National Centre for Performing Arts (NCPA) bietet auch moderne Gujarati-, Hindi-, Marathi- und englischsprachige TheaterauffĂŒhrungen sowie westliche Kammermusik. Im NCPA hat das 2006 gegrĂŒndete Symphony Orchestra of India seinen Sitz.

Eines der bekanntesten Theater Mumbais ist das Prithvi Theatre. Es wurde 1944 vom Film- und Theaterschauspieler Prithviraj Kapoor gegrĂŒndet. Es ist seit 1975 Teil des Shri Prithviraj Kapoor Memorial Trust and Research Foundation. Diese kĂŒnstlerische Einrichtung verfolgt ausschließlich nichtkommerzielle Ziele. Neben dem normalen Theaterbetrieb fĂŒhrt sie Freiluftveranstaltungen, Theaterfestivals und gesonderte Veranstaltungen fĂŒr Kinder durch. Gezeigt werden StĂŒcke in verschiedenen Sprachen, darunter Englisch, Hindi und Gujarati.

Museen

Das frĂŒhere Prince of Wales Museum

In einer GrĂŒnanlage Richtung Norden liegt das „Chhatrapati Shivaji Maharaj Museum“ (frĂŒher Prince of Wales Museum). Das Bauwerk aus der britischen Kolonialzeit, gekrönt von einer weißen Kuppel im Mogul-Stil, beherbergt eine Sammlung von GemĂ€lden und Skulpturen. Den Grundstein legte König Georg V., damals noch Prince of Wales, im Jahre 1905.

Mani Bhavan

Das GebĂ€ude gilt als „aufgeklĂ€rte“ (europĂ€ische) Interpretation der Gujarati-Architektur des 15. und 16. Jahrhunderts und verbindet islamische Feinheiten mit der typisch englischen Ziegelbauweise. Man spricht dabei von Anglo-Sarazenischem Stil. In der Zentralhalle ist eine kleine Auswahl der umfangreichen Sammlung, wie einige Mogul-GemĂ€lde, Waffen, Jadearbeiten und Miniaturfiguren aus Ton und Terrakotta der Maurya-Periode aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. und der Kushana-Periode aus dem 1. bis 2. Jahrhundert n. Chr., zu sehen.

Nahe dem Chhatrapati Shivaji Maharaj Museum befindet sich die „Jehangir Art Gallery“, Mumbais bekannteste Galerie fĂŒr zeitgenössische Kunst, bestehend aus fĂŒnf kleinen AusstellungsrĂ€umen, die Kunst und Kunsthandwerk aus aller Welt gewidmet sind. Die Ausstellungen dauern meistens nur eine Woche, und die StĂŒcke sind oft kĂ€uflich zu erwerben. Die Galerie wurde 1952 vom parsischen Prominenten Cowasji Jehangir, 2nd Baronet von Bombay, auf Anregung des Malers Kattingeri Krishna Hebbar und des Physikers Homi Jehangir Bhabha gegrĂŒndet.

„Mani Bhavan“ war zwischen 1917 und 1934 StĂŒtzpunkt Mohandas Gandhis in Bombay. Das in einer gutbĂŒrgerlichen Straße gelegene Haus ist heute eine GedenkstĂ€tte fĂŒr den als Mahatma bekannten Politiker und beherbergt neben dem Mahatma Gandhi Museum eine umfangreiche wissenschaftliche Bibliothek. Die WĂ€nde im Inneren, mit Holzmöbeln ausgestattet, zieren Fotos historischer Begebenheiten und GegenstĂ€nde aus dem Leben dieses ungewöhnlichen Mannes. Hinter Glas befindet sich Gandhis schlichter Wohn- und Schlafraum.

Bauwerke

Colaba

Das Taj Mahal Palace Hotel

Ende des 17. Jahrhunderts war Colaba eine von mehreren Inseln, die sich zu dem am sĂŒdlichsten Punkt von Mumbai stehenden Leuchtturm hin erstreckte. Heute sind die ursprĂŒnglichen Konturen des Landvorsprungs (dessen Name von den frĂŒhesten Siedlern, den Koli, abgeleitet wurde) unter den zahlreichen KolonialwohnhĂ€usern, Hotels, Bars, Restaurants und KunsthandwerkslĂ€den kaum noch zu erkennen.

In Colaba befindet sich eines der Wahrzeichen von Mumbai, das Gateway of India, 1924 nach PlĂ€nen von George Wittet (1878-1926) erbaut. Das Bauwerk, errichtet zur Erinnerung an den Besuch von König Georg V. und seiner Frau Maria von Teck im Jahre 1911, war ursprĂŒnglich als feierlicher Landungspunkt fĂŒr mit P&O-Dampfschiffen ankommende Passagiere gedacht. Am 28. Februar 1948 verließen von hier aus die letzten noch auf indischem Boden verbliebenen Truppen – das First Battalion of the Somerset Light Infantry – an Bord der R.M.S. „Empress of Australia“ das unabhĂ€ngig gewordene Land.

Ein Ende des Platzes rund um das Gateway sĂ€umt die lebensgroße Statue von Shivaji, dem bedeutendsten AnfĂŒhrer der Marathen im 17. Jahrhundert. Gleich hinter dem Gateway erhebt sich der Taj Mahal Palace & Tower. Er wurde am 16. Dezember 1903 im Auftrag des parsischen Industriellen Jamshedji Tata eröffnet. Im Hotel ĂŒbernachteten berĂŒhmte Persönlichkeiten wie Mick Jagger, Marianne Faithfull, Prinz Charles, The Beatles, Bill Clinton und Jacqueline Kennedy Onassis.

GebÀude am Oval Maidan

Rajabai Tower

Am sĂŒdlichen Ende der Bhaurao Patil Marg steht eine Statue von Bhimrao Ramji Ambedkar (1891-1956), von Geburt ein „UnberĂŒhrbarer“, der zum Buddhismus ĂŒbertrat. Eine betrĂ€chtliche Anzahl von Mitgliedern seiner Kaste folgten seinem Beispiel; viele von ihnen sind inzwischen in einer militĂ€rischen Bewegung organisiert, die sich Dalits (Parias, Kastenlose) nennt.

Einige der bedeutendsten viktorianischen GebĂ€ude Mumbais sĂ€umen den Ostrand des weitlĂ€ufigen, grĂŒnen Oval Maidan, hinter der Statue, wo fast tĂ€glich Cricket-Spiele ausgetragen werden. Das 1874 fertiggestellte Old Secretariat (Old Customs House) dient heute als stĂ€dtisches GerichtsgebĂ€ude.

Auf der anderen Seite der AS D'Mello Road, gegenĂŒber dem Old Secretariat, stehen zwei große GebĂ€ude, die zur Mumbai University (eingeweiht 1857) gehören und von George Gilbert Scott im neugotischen, an Oxford angelehnten Stil, entworfen wurden. Die von dem parsischen Philanthropen Cowasji Jehangir Readymoney, erster Baronet von Bombay, gestiftete Convocation Hall Ă€hnelt einer Kirche. Über ihrer EingangstĂŒr ist ein rundes Buntglasfenster eingelassen, die Darstellung eines Rades, dessen Speichen griechische Pilaster bilden, die wiederum die Trennlinien zwischen den Tierkreiszeichen formen.

Die Bibliothek auf dem Campus befindet sich unterhalb des 85 Meter hohen Rajabai Clock Tower. Der Glockenturm wurde zwischen 1869 und 1878 erbaut. WÀhrend der Kolonialzeit spielte er KlÀnge wie Rule, Britannia!, God Save the King, Auld Lang Syne und Home! Sweet Home!, nach der UnabhÀngigkeit nur noch alle Viertelstunde den Schlag der Glocke. Der Lesesaal ist mit einem Holzdeckengewölbe sowie hohen gotischen Fenstern und Glasmosaiken ausgestattet.

Zwischen 1871 und 1878 entstand nach PlĂ€nen des Architekten John Augustus Fuller das Bombay High Court (Oberster Gerichtshof). Es ist mit einer LĂ€nge von 170 Metern und einer Höhe von 60 Metern eines der grĂ¶ĂŸten viktorianisch-gotischen GebĂ€ude der Stadt. In Kontrast zu den im gotischen Stil errichteten Bauwerken der Umgebung steht das 1869 fertiggestellte Watson's Hotel. Es ist das einzige noch erhalten gebliebene GebĂ€ude in Gusseisen-Skelettbauweise in Mumbai. John Watson, ein wohlhabender TuchhĂ€ndler, ließ das komplette Bauwerk aus London importieren. Am 7. Juli 1896 fand im Watson's Hotel die erste Kinematograph-AuffĂŒhrung der BrĂŒder LumiĂšre in Indien statt. Eine Gedenktafel am GebĂ€ude erinnert an das historische Ereignis.

Fort-Viertel

Flora Fountain

In South Mumbai befindet sich das Fort-Viertel, wo sich sĂ€mtliche Banken und große GeschĂ€fte niedergelassen haben und zahlreiche GebĂ€ude der Raj-Ära stehen. Den Nordrand nimmt der verzierte Sandsteinbau Chhatrapati Shivaji Terminus (CST), der frĂŒhere Victoria Terminus ein, einer der meistbenutzten Bahnhöfe der Welt.

Über dem Haupteingang des Bahnhofes befindet sich eine rund 100 Meter hohe, begehbare, achteckige Kuppel, die von einer Rippenkonstruktion getragen wird. Der Innenbereich ist mit offenen SĂ€ulengĂ€ngen ausgestattet. Das GebĂ€ude ist reich mit Steinskulpturen und Reliefs verziert. Auf der Kuppel thront die Skulptur Lady of Progress. Das von 1878 bis 1888 errichtete BahnhofsgebĂ€ude ist ein Beispiel fĂŒr die ZusammenfĂŒhrung viktorianischer Neogotik mit traditioneller indischer Architektur. Es steht seit 2004 unter dem Schutz der UNESCO und gehört zum Weltkulturerbe der Menschheit. Der Knotenpunkt des innerstĂ€dtischen Eisenbahnnetzes, die „Churchgate Station“ liegt vier Kilometer weiter westlich.

Der Hutatma Chowk mit der Flora Fountain inmitten des Fort-GelĂ€ndes ist eine verkehrsreiche FĂŒnf-Straßen-Kreuzung, ein Kreisverkehr. Er wurde zum Gedenken an die FreiheitskĂ€mpfer, die im Kampf um die Aufnahme des Bundesstaates Maharashtra in die indische Union ihr Leben ließen, in Hutatma Chowk („Platz der MĂ€rtyrer“) umbenannt. Im Mittelpunkt der Kreuzung steht eine Statue der Göttin Flora, 1869 zu Ehren von Gouverneur Sir Bartle Frere (1815-1884) aufgestellt.

Das Ă€lteste englische Bauwerk von Mumbai ist die kleine St. Thomas' Cathedral. Die im Jahre 1718 eingeweihte Kirche verbindet klassizistischen und gotischen Stil. Nach einem Zeitungsverleger, der sich fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit Indiens einsetzte, wurde der nahe gelegene Horniman Circle, ehemals Elphinstone Circle, benannt. Der Platz ist 1860 auf Veranlassung des frĂŒheren Municipal Commissioners Charles Forjett an der Stelle des „Bombay Green“ errichtet worden.

Altstadt

Nördlich von Fort schließt sich die Altstadt mit ihren zahlreichen Basaren an, und noch weiter nördlich liegen die zentralen Stadtteile Byculla, Parel und Dadar, sowie die Villenviertel Bandra und Juhu. In den „Victoria Gardens“ in Byculla liegt neben dem Zoo das „Dr Bhau Daji Lad Museum“ (frĂŒher „Victoria and Albert Museum“), das AusstellungsstĂŒcke zur Stadtgeschichte beherbergt. Ein Denkmal zur Erinnerung an die „Bombay-Explosion“ von 1944 steht am Hauptquartier der Feuerwehr von Mumbai. Es soll an die 66 Feuerwehrleute erinnern, die wĂ€hrend der BekĂ€mpfung des Feuers starben. Am 14. April 1944 löste der Frachtdampfer Fort Stikine eine verheerende Explosion im Hafen aus. Das Feuer dauerte drei Tage und kostete nach offiziellen Angaben 740 Menschen das Leben, rund 1800 wurden verletzt (inoffizielle SchĂ€tzungen gingen von weit höheren Zahlen aus). Im Victoria Dock und im benachbarten Prince’s Dock wurden 27 Schiffe versenkt oder stark beschĂ€digt. Bis in die 1970er Jahre wurden immer wieder Goldbarren im Hafenbeckenbereich gefunden, in dem die Fort Stikine explodierte.[30]

Haji Ali Dargah

Haji Ali Dargah

Haji Ali Dargah ist eine Moschee und ein Dargah (Schrein des Sufismus) und befindet sich auf einer kleinen Insel vor der KĂŒste des Stadtteils Worli. Das GebĂ€ude wurde 1431 auf Wunsch des muslimischen Heiligen und afghanischen Mystikers Haji Ali errichtet, der auf seinen weltlichen Besitz verzichtete und sich der Meditation widmete. Das Grabmal mit seinen weißen Minaretten und Mogul-Kuppeln ist durch einen schmalen, zementierten Dammweg, der zur Ebbe begehbar ist, mit dem Festland verbunden.

Die islamische Überlieferung weiß von zwei unterschiedlichen GrĂŒndungsgeschichten, die jedoch darin ĂŒbereinstimmen, dass der Heilige auf dem Weg von Mekka, wo er zur Pilgerfahrt (Haddsch) war, nach Indien auf einem Segelschiff verstarb. Die eine Version besagt, das sein Sarg an der Stelle des Mausoleums strandete, nachdem er, wie von Haji Ali gewĂŒnscht, ins Meer vor dem heutigen Pakistan geworfen worden war. Die andere besagt, Haji Ali habe, als er erkannte, dass er Indien nicht lebend erreichen wĂŒrde, seine SchĂŒler, die BrĂŒder Fazla, gebeten, an der Stelle, an der er sterben wĂŒrde, ein Grabmal fĂŒr ihn zu errichten. Die BrĂŒder brauchten ein Jahr, bis der Bau fertiggestellt war.

Elephanta-Höhlen

Die Höhlen befinden sich auf der Insel Elephanta, eine Bootsstunde von Colaba entfernt. Die kleine bewaldete Insel wird nur von wenigen Menschen bewohnt. Sie hieß ursprĂŒnglich Gharapuri, die „Stadt der Ghara-Priester“, wurde jedoch im 16. Jahrhundert von den Portugiesen nach dem steinernen Elefanten umbenannt, den sie im Hafen fanden. Die Statue des Elefanten ist im „Dr Bhau Daji Lad Museum“ (frĂŒher „Victoria and Albert Museum“) in den „Victoria Gardens“ in Byculla zu sehen. Die Tempelhöhlen wurden im 8. Jahrhundert errichtet. Die große Elephanta-Höhle ist ĂŒber Stufen erreichbar, die mit zahlreichen Elefantenfiguren flankiert sind. Die Tempelhalle im hinteren Teil ist von Seitenhöfen und einigen Kapellen umgeben. Die sich im Höhlentempel befindende Trimurti (dreigesichtige) Shiva-Skulptur ist ein Beispiel hinduistischer Bildhauerkunst. Die Höhlen von Elephanta stehen seit 1987 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

TĂŒrme des Schweigens

Auf dem Malabar Hill stehen, durch eine große Mauer und einen dichten Vorhang aus GrĂŒnpflanzen umgeben, die sieben parsischen TĂŒrme des Schweigens, die Dokhmas. Die Parsen bestatteten ihre Toten, indem sie die Leichen auf hohe, zylinderförmige BehĂ€lter legen, damit Geier die Knochen sĂ€uberlich vom Fleisch befreien können. Dieses uralte Bestattungsritual, von dem angenommen wird, dass es noch vor dem 2.500 Jahre alten Glauben entstand, wurde vom Propheten Zarathustra befĂŒrwortet, um eine Verschmutzung der vier heiligen Elemente (Luft, Wasser, Erde und – das heiligste von allen â€“ Feuer) zu verhindern. In jĂŒngster Zeit wird unter den Parsen die Frage diskutiert, ob nicht zur hygienischeren und praktischeren Alternative der elektrischen Verbrennung ĂŒbergegangen werden sollte. Auf Balkonen, HausdĂ€chern und in GĂ€rten in der NĂ€he der TĂŒrme werden immer wieder von Geiern fallen gelassene Teile menschlichen Fleisches gefunden.

Parks

HĂ€ngende GĂ€rten

Der 104 Quadratkilometer große Sanjay-Gandhi-Nationalpark (bis 1981 Borivili National Park) liegt im Norden Mumbais. Bekannt sind die 109 Kanheri-Höhlen, die eine Felsenschlucht im Park sĂ€umen. Buddhistische Mönche nutzten die Höhlen vom 2. bis 9. Jahrhundert als Wohn-, Studier-, und Meditationsort. In der Großen Chaitya-Höhle befindet sich ein langer SĂ€ulengang und im hinteren Teil eine fĂŒnf Meter hohe Stupa. Ein Steinzaun und zahlreiche TorwĂ€chter- und Buddhafiguren sowie die Stupa verdeutlichen den buddhistischen Baustil.

Der 1969 eröffnete Park besitzt eine reiche Flora und Fauna, darunter mehr als 1.000 Arten an Pflanzen, 274 Arten von Vögeln, 5.000 Arten von Insekten, 40 Arten von SĂ€ugetieren, 38 Arten von Reptilien und 150 Arten von Schmetterlingen. Der Atlasspinner, einer der grĂ¶ĂŸten Schmetterlinge der Welt, lebt hier. Zu sehen sind zahlreiche Karvi-Pflanzen (Strobilanthes callosus), die nur alle sieben Jahre blĂŒhen.

Im Park lebt auch eine kleine Population von Leoparden. 2003 wurden erstmals seit Anfang des 19. Jahrhunderts wieder Spuren eines Tigers in der Region entdeckt. Außerdem befindet sich ein Mini-Zoo und ein Lion-Safari-Park in dem Gebiet. Nur ein kleiner Teil des Parks ist der Öffentlichkeit zugĂ€nglich. Probleme bereiten die seit Jahren stattfindenden Angriffe von Leoparden auf Menschen, bei denen beispielsweise 2004 rund 20 Personen starben, etwa die HĂ€lfte außerhalb des Parks[31].

Auf dem Malabar Hill befinden sich die HĂ€ngenden GĂ€rten von Mumbai (Ferozeshah Mehta Gardens), ein Kunstwerk des Gartenbaus. Zu sehen sind BĂŒsche und StrĂ€ucher mit der Form von Affen, Elefanten, Giraffen und anderen Tierarten. Zahlreiche Menschen sorgen stĂ€ndig fĂŒr die Pflege der ZiergĂ€rten. Es gibt weitere kleine und große Parks und GĂ€rten in Mumbai, darunter der Kamala Nehru Park, der Joggers Park, der grĂŒne und ĂŒppige Mahim Nature Park und der bekannte Oval Maidan. ErwĂ€hnenswert sind auch der Priyadarshini Park und der Veermata Jeejabai Udyan.

Freizeit und Erholung

Strand in Mumbai

Nicht weit von der Churchgate Station liegt die „Netaji Subash Chandra Marg“, auch bekannt unter der Bezeichnung „Marine Drive“. Als „Queen's Necklace – Halsband der Königin“ wird er von den Einheimischen bezeichnet. Es handelt sich dabei um Mumbais Meerespromenade, die in den 1920er Jahren auf aufgeschĂŒttetem Land erbaut wurde, bestehend aus einer achtspurigen Stadtautobahn und einem breit angelegten Gehweg. Der Marine Drive beschreibt einen Bogen von den HochhĂ€usern des „Nariman Point“ bis zum Fuß des „Malabar Hill“ und dem „Chowpatty Beach“. Hier befinden sich verschiedene Sportanlagen und das „Taraporevala Aquarium“ mit BestĂ€nden tropischer Fische. Chowpatty Beach ist auch Mittelpunkt politischer Kundgebungen: Mahatma Gandhi hat hier oft gesprochen.

30 Kilometer nördlich vom Stadtzentrum liegt Juhu Beach. Abgelegene StrÀnde Mumbais befinden sich in Versova, Madh Island, Marwe, Manori, und Gorai.

Sport

In der NĂ€he des Marine Drive befinden sich zwei große Cricketstadien, das 1937 eröffnete Brabourne Stadium (KapazitĂ€t: 20.000 Zuschauer) und das 1975 fertiggestellte Wankhede Stadium (KapazitĂ€t: 45.000 Zuschauer) sowie eine Anzahl von CricketplĂ€tzen, so genannte Gymkhanas, wo an fast jedem Wochenende Spiele ausgetragen werden. Einige sind fĂŒr bestimmte Religionsgruppen reserviert, oder dienen als Kulisse fĂŒr Parsenhochzeiten; andere sind fĂŒr Katholiken, Muslime oder Hindus, ein Gymkhana besitzt einen Pavillon im klassischen Kolonialstil. Cricket ist Nationalsport in Indien und erregt dort ein ebenso lebhaftes Interesse wie Fußball in Deutschland und ganz Europa.

Der bekannteste und erfolgreichste Fußballverein Mumbais ist Mahindra United. Der Klub spielt in der höchsten Klasse des Landes, der National Football League. Mahindra United wurde 2006 Landesmeister und gewann im gleichen Jahr den Federation Cup, ein Fußball-Pokalwettbewerb, der dem DFB-Pokal Ă€hnelt. SpielstĂ€tte der Mannschaft ist der 12.000 Zuschauer fassende Cooperage Ground Mumbai.

Brabourne-Cricket-Stadion

Sehr populĂ€r ist auch Indiens anderer Nationalsport Hockey. Zahlreiche Sportler aus Mumbais Vereinen spielen in der indischen Hockey-Nationalmannschaft. Weitere Sportarten werden in den Klubs und Gymkhanas ausgeĂŒbt, darunter Tennis, Squash, Billard, Badminton, Tischtennis und Golf. Mumbai ist eine der wenigen StĂ€dte im Land, wo auch Rugby gespielt wird. Beliebt bei der Bevölkerung sind auch Pferdesport, Volleyball und Basketball.

RegelmĂ€ĂŸige Veranstaltungen

Seit 1992 wird jĂ€hrlich an zwei Tagen im Januar das „Banganga Music Festival“ veranstaltet. Am „Banganga Tank“ treten an beiden Tagen bekannte indische Musiker und TĂ€nzer an acht kreisförmig um das Becken gebauten historischen Tempeln auf. Banganga Tank ist Teil des „Walkeshwar Temple Complex“ und wurde im 12. Jahrhundert wĂ€hrend der Silhara-Dynastie errichtet. Der Legende nach stammt das Wasser im Becken aus dem fĂŒr Hindus heiligen Fluss Ganges. Seinen Höhepunkt findet das Festival am Abend des zweiten Tages, wenn alle Tempelglocken gleichzeitig erklingen.

Das Banganga-Becken wÀhrend des Banganga Music Festivals

Seit 2004 findet jedes Jahr im Monat Januar der Mumbai-Marathon statt. Die Veranstaltung ist Teil der Serie The Greatest Race on Earth. Die anderen drei LĂ€ufe sind der Singapur-Marathon, der Nairobi-Marathon und der Hongkong-Marathon. Die Wettbewerbe werden von der Standard Chartered Bank gesponsert.[32]

Weitere bedeutende Veranstaltungen sind die Verleihung des indischen Filmpreises Star Screen Award (im Januar im Andheri Sports Complex) und das Mumbai International Film Festival (im Februar im Auditorium der Films Division). Ebenfalls im Januar/Februar finden das Mumbai Festival, das Kala Godha Arts Festival, die „Mumbai Motor Show“ im Grand Hyatt Exhibition Ground, die „Mumbai International Boat Show“ im Bandra-Kurla Complex und das „Elephanta Festival“ statt. Veranstaltungsort des Festivals im klassischen indischen Tanz sind die Höhlen auf der Insel Elephanta. Am 1. Mai feiert Mumbai aus Anlass der GrĂŒndung des Bundesstaates Maharashtra im Jahre 1960 den „Maharashtra Day“.

Jedes Jahr im Juni wird zu Ehren des Gottes Ganesh mit dem Elefantenhaupt das Fest Ganesh Chaturthi veranstaltet, das zahlreiche Menschen anzieht. Hindus in ganz Indien feiern diesen Tag, der aber in Mumbai eine ganz besondere Bedeutung hat. FĂŒr viele Hindus in anderen Gegenden Indiens bedeutet Ganesha nur eine untergeordnete Manifestation, hier dagegen ist er fĂŒr die meisten die wichtigste Darstellung Gottes, hier ist er die Hauptgottheit. Ganesh Chaturthi ist darum fĂŒr sie der bedeutendste Festtag des ganzen Jahres.

Am 9. August jeden Jahres begeht die Stadt den „Tag der Revolution“ (Kranti Divas). Es ist der Jahrestag von Mahatma Gandhis Ansprache im Jahre 1942, als er im „Gowalia Tank Maidan“ (heute August Kranti Maidan), ein Park im Zentrum Mumbais, die UnabhĂ€ngigkeit Indiens von britischer Kolonialherrschaft forderte. Im August oder September wird die „Art Access Week“ in der Birla Academy of Art and Culture veranstaltet und die Homosexuellen der Metropole feiern „Gay Mumbai's Tribute to Ganesh“.

Von November bis April geht die Saison im Pferderennsport. Austragungsort ist der „Mahalaxmi Racecourse“, eine der bedeutendsten Pferderennbahnen der Welt. Traditionell am ersten Sonntag im Februar wird das „Indian Derby“ ausgetragen, der Höhepunkt der Pferderennsaison in Mumbai. Es wird als das „Crown Jewel of the Triple Crown“ bezeichnet. Der Triple Crown besteht aus drei Rennen fĂŒr dreijĂ€hrige Rennpferde. Der Gewinn aller drei Rennen ist die grĂ¶ĂŸte Herausforderung fĂŒr Reiter und Rennpferd. Ein weiteres bedeutendes Rennen auf dem Mahalaxmi Racecourse ist das „Gool S Poonawalla Million Race“ im April.

Gastronomie

Mumbai Beach Bar

Die KĂŒche Mumbais spiegelt sowohl die ethnische Vielfalt als auch die unterschiedlichen historischen und religiösen PrĂ€gungen der Stadt wider. Eine einheitliche Kochkultur existiert daher nicht, vielmehr unterscheiden sich Zutaten und Essgewohnheiten stark voneinander.

So gibt es rein vegetarische Restaurants, in denen der Gast Gujarati- und sĂŒdindische Gerichte serviert bekommt, und gleich daneben muslimische CafĂ©s mit Fleischgerichten. Die Stadt beherbergt China-Restaurants, aber auch iranische GaststĂ€tten, deren SpezialitĂ€t Lamm- und Hammelfleisch in Pfefferminzsoße ist. Nicht-Vegetarier können sich in den Parsen-Restaurants in einem Linseneintopf namens „Dhansak“ geschmorte Fleischportionen bestellen, in den goanischen und mangalorischen „Lunch-Homes“ Schweinefleisch Vindaloo oder scharfes Fischcurry ausprobieren. Als Grundnahrungsmittel dienen neben Reis verschiedene Weißbrotsorten (Roti), deren verbreitetste Variante Chapati, ein ungesĂ€uertes Fladenbrot aus Weizenvollkornmehl, ist.

FĂŒr das Mittagessen der BĂŒroangestellten sind in Mumbai die Dabbawala zustĂ€ndig. Sie transportieren das Essen vom Zuhause des Arbeitnehmers oder einer Dabba-KĂŒche in speziellen mehrteiligen Boxen, sogenannten „Tiffins“, an den Arbeitsplatz.

Handel

Crawford Market

Der „Mahatma Jyotiba Phule Market“, besser bekannt als Crawford Market, ist eine 1869 fertiggestellte Markthalle in britischem Stil. Die Halle mit ihrem normannisch-gotischen Turm liegt an der Lokmanya Tilak (frĂŒher Carnac Road), Ecke Dr D N Marg. Die Friese rings um die Außenfassade sind eine viktorianische Darstellung indischer Bauern bei der Feldarbeit, entworfen 1865 von Rudyard Kiplings Vater Lockwood, damals Rektor der Bombay School of Art. Die Haupthalle ist in verschiedene Sektoren gegliedert, in denen unter anderem Obst und GemĂŒse, KrĂ€uter, GewĂŒrze, Haustiere und GeflĂŒgel sowie Tabak verkauft werden.

Die Straßen unmittelbar nördlich des Crawford Market und westlich der Mohammed Ali Road bilden einen großen Basar. Zu beiden Seiten der Mangaldas Lane liegt der Kleiderbasar. Von hier fĂŒhren niedrige TĂŒrschwellen zu einem ĂŒberdachten MarktgelĂ€nde mit zahlreichen StĂ€nden. Die Memon Street, die nördlich von der Jami Masjid (erbaut um 1800) abgeht, wird vom „Zaveri Bazaar“, dem Schmuckmarkt, eingenommen.

Bedeutende Einkaufszentren sind die Phoenix Mills in Parel sowie zahlreiche Zentren in den VorstÀdten (Inorbit Mall, Center One, Orchid).

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Überblick

Phiroze Jeejeebhoy Towers, seit 1980 Sitz der Bombay Stock Exchange

Die Stadt beherbergt eine vielseitige Industrie, sie ist das Zentrum von Finanzindustrie, Wirtschaft, Handel und Mode in Indien. In Mumbai befindet sich, bezĂŒglich der Anzahl der jĂ€hrlich produzierten Filme, eine der grĂ¶ĂŸten Filmindustrien der Welt. Es werden Maschinen, Metall, Metallprodukte, Chemikalien, DĂŒngemittel und Textilien aus Baumwolle hergestellt sowie Erdölprodukte verarbeitet. Manugraph, der bedeutendste Bogen-Offsetdruckmaschinenhersteller des Landes, ist in der Stadt beheimatet, große Bedeutung haben auch die Informationstechnologie, das Kunsthandwerk, das Verlagswesen, der Schiffbau und die Schiffsreparatur sowie die Fischerei. Im Stadtteil Trombay steht ein 1957 fertiggestelltes Kernkraftwerk.

Die Stadt allein erwirtschaftete 2004 etwa 26 Prozent des Bruttoinlandsproduktes des Bundesstaates Maharashtra, die Metropolregion rund 40 Prozent. Zehn Prozent der industriellen ArbeitsplĂ€tze Indiens befinden sich in der Stadt und 40 Prozent des indischen Außenhandels werden in Mumbai abgewickelt. Sein acht Quadratkilometer großer Hafen, einer der grĂ¶ĂŸten NaturhĂ€fen der Welt, hat sich zu einem der bedeutendsten UmschlagplĂ€tze am Arabischen Meer entwickelt. Mumbai ist auch Finanzhauptstadt Indiens, denn es steuert den höchsten Betrag zur Einkommenssteuer des Landes bei. 33 Prozent der gesamten Einkommenssteuer-Einnahmen Indiens kommen aus Mumbai, des Weiteren 60 Prozent der gesamten Zoll-Einnahmen und 20 Prozent der gesamten Verbrauchssteuer-Einnahmen. Die Banken in Mumbai tragen zu mehr als 27 Prozent der Bankkredite Indiens bei.[33]

Die 1875 gegrĂŒndete Bombay Stock Exchange, die Ă€lteste Börse in Asien und die zweitgrĂ¶ĂŸte in Indien nach der National Stock Exchange of India haben ihren Sitz in der Stadt. Letztere wurde 1992 auf Initiative indischer Politiker gegrĂŒndet und unterscheidet sich von anderen Börsen im Land durch die Trennung von Handel und Management.

Soziale Situation

WĂ€scherei

Wohlstandssymbole in dieser stĂ€ndig Reichtum produzierenden Metropole finden sich an vielen Orten Mumbais, von der Phalanx von BĂŒrohochhĂ€usern am Nariman Point bis zu den teuren Luxusautos auf den Straßen der Stadt, die sich nur die reiche Oberschicht leisten kann. Die Immobilienpreise in diesen Gegenden Mumbais gehören zu den höchsten der Welt. Die Kehrseite der Erfolgsgeschichte ist die hier herrschende Armut. Jeden Tag strömen Hunderte Menschen aus dem Hinterland des Bundesstaates Maharashtra in die Stadt, um dem Elend ihrer Dörfer zu entkommen. Einige finden Arbeit und eine Unterkunft, die meisten jedoch, mehr als die HĂ€lfte der Stadtbevölkerung, endet auf den ĂŒberfĂŒllten Straßen oder lebt in unbeschreiblichem Elend in den grĂ¶ĂŸten Slums von ganz Asien.[12] Viele sammeln Lumpen oder betteln auf den Straßen. Manchen gelingt es auch, in ein LohnarbeitsverhĂ€ltnis zu gelangen, in dem sie unter erbĂ€rmlichen Bedingen zumindest ihr nacktes Überleben sichern können.

Ein Beispiel dafĂŒr ist das in einen riesigen Stein gehauene Waschviertel „Open Laundry“ („Dhobi Ghat“) in Mahalakshmi. Dort waschen etwa 10.000 Menschen die WĂ€sche aus den Restaurants, Hotels, KrankenhĂ€usern und Privathaushalten der Stadt. In hunderten von Betonbecken nebeneinander steht je ein Mann in Seifenlauge und schlĂ€gt WĂ€schestĂŒcke auf einen Stein. Die Frauen bĂŒgeln die WĂ€sche mit BĂŒgeleisen, die mit glĂŒhender Kohle betrieben werden. In der nahegelegenen Siedlung wohnen die Arbeiter. In einer HĂŒtte leben etwa 15 bis 20 Personen. Gearbeitet wird tĂ€glich 14 Stunden und sieben Tage in der Woche fĂŒr 150 Rupien (2,40 Euro) pro Tag. Wegen fehlender Gummihandschuhe sind Krankheiten und Verletzungen an HĂ€nden und FĂŒĂŸen, hervorgerufen durch die verwendeten Chemikalien, an der Tagesordnung. Eine staatliche Krankenversicherung gibt es in Indien nicht und auch die Rente obliegt der Selbstvorsorge, die sich keiner der dort Arbeitenden leisten kann.

Obwohl die Slumbewohner den Großteil der arbeitenden Bevölkerung Mumbais stellen – Industriearbeiter, Bauarbeiter, Hausangestellte â€“ wird ihnen die stĂ€dtische Infrastruktur verweigert: Elektrischer Strom, Trinkwasser, Abwasserentsorgung. Die jĂ€hrlichen Überschwemmungen aufgrund des Monsunregens treffen die Slumbewohner besonders hart. Viele von ihnen leben auch unter der stĂ€ndigen Drohung verjagt zu werden, weil die Stadtverwaltung Kampagnen durchfĂŒhrt, um Bombay zu „verschönern“. Im Dokumentarfilm Bombay: Our City, Regie: Anand Patwardhan, Indien 1985, wurde die Geschichte des tĂ€glichen Überlebenskampfes von ĂŒber vier Millionen Slumbewohnern im damaligen Bombay anschaulich dargestellt.

Perspektiven

World Trade Towers

Die Entwicklungsmöglichkeiten in Mumbai werden vor allem im Dienstleistungsbereich erwartet. GĂŒnstige Möglichkeiten hat auch die Computerindustrie. Tata Consultancy Services (TCS), das grĂ¶ĂŸte IT-Unternehmen Indiens, hat seinen Hauptsitz in Mumbai. Solche Unternehmen in der Stadt haben fĂŒr europĂ€ische Kunden arbeitsintensive Bereiche der Datenerfassung und -verarbeitung ĂŒbernommen. Aufgrund der zunehmenden Nachfrage der indischen Mittelschicht sowie als potenzieller Zulieferer der globalen Automobilindustrie bietet im industriellen Bereich der Fahrzeugbau noch nicht genutzte Möglichkeiten. HierfĂŒr ist der 190 km entfernte Autocluster der Stadt Pune von besonderer Bedeutung.

Mumbai hat darĂŒber hinaus Chancen, als Forschungs- und Entwicklungsstandort ausgebaut zu werden und sich zum Handels- und Distributionszentrum zu entwickeln. Aufgrund der geringeren Immobilienpreise wird der Norden von Mumbai (Greater Mumbai) fĂŒr Unternehmen zusehends interessanter. Wegen der geographischen Gegebenheiten (Halbinsellage) findet die Expansion der Stadt verstĂ€rkt in den nördlichen Gegenden und entlang der Autobahn nach Pune und Nashik statt.

GegenĂŒber anderen StĂ€dten in den asiatischen SchwellenlĂ€ndern ist der Nachholbedarf in Mumbai jedoch erheblich. Konzentrierte staatliche Hilfeleistungen sind zu dessen Behebung notwendig. Bleiben diese aus, werden die gĂŒnstigen Bedingungen, wie sie beispielsweise die moderne Hafen- und Flughafeninfrastruktur bieten, von den schlechten StraßenverkehrsverhĂ€ltnissen zunichte gemacht. Voraussetzung ist jedoch eine moderne Verwaltung, die die Eigendynamik der Wirtschaft fördert und die Korruption bekĂ€mpft. Dann hat die Metropole Mumbai die Chance, sich zu einem globalen Zentrum zu entwickeln.

Verkehr

Fernverkehr

Chhatrapati Shivaji Terminus
Mumbai Airport Domestic Terminal

Mumbai ist ein wichtiger Verkehrsknoten mit Autobahnen, Überland-Busterminals, Hafen, Flug- und Eisenbahnverbindungen sowie zwei SeehĂ€fen, den Jawaharlal Nehru Port (JNPT) und den circa 20 Schiffsminuten entfernten Containerterminal Nhava Sheva Port (NSICT). Die Stadt ist Hauptknotenpunkt fĂŒr den Verkehr in Richtung SĂŒdindien. Die meistbenutzten Strecken sind die an der Gujarat-KĂŒste in Richtung Norden, nach Rajasthan und Delhi; nach Nordwesten in den Dekkan, via Aurangabad und die Höhlen von Ellora und Ajanta, sowie nach SĂŒden, durch Pune und das hĂŒgelige GelĂ€nde der Westghats Richtung Goa und zur MalabarkĂŒste.

Die meisten Überlandbusse der Maharashtra State Road Transport Corporation (MSRTC) fahren vom State Transport Terminal an der JB Behram Marg ab, gegenĂŒber dem Bahnhof Mumbai Central. Die Gesellschaft bedient von hier unter anderem die Strecken nach Ahmedabad, Bengaluru, Goa, Indore, Pune und Surat. Die 1996 auf Beschluss der Regierung des Bundesstaates Maharashtra gegrĂŒndete MSRTC mit Sitz in Mumbai ist eine der grĂ¶ĂŸten Busgesellschaften Indiens. Sie befördert mit einer Busflotte von rund 16.000 Fahrzeugen auf 17.000 Linien 5,8 Millionen Passagiere pro Tag.[34]

In Mumbai laufen zwei Hauptlinien der Eisenbahn zusammen: Nach Nord- und Westindien fĂ€hrt die Western Railway und in die Regionen im Osten, SĂŒden und der Landesmitte die Central Railway. Am 1888 fertiggestellten Chhatrapati Shivaji Terminus (CST) halten die meisten ZĂŒge aus den zentralen, sĂŒdlichen und östlichen Regionen Indiens, am Bahnhof Mumbai Central die ZĂŒge aus dem Norden und an der Dadar Station die Eisenbahn aus dem SĂŒden des Landes. Der Lokmanya Tilak Terminus (LTT) in der NĂ€he von Kurla besitzt Verbindungen nach Kalkutta und Bengaluru.

1920 nahm im ehemaligen Bombay der erste Flughafen in Indien den Betrieb auf. Der 1971 eröffnete heutige Chhatrapati Shivaji International Airport ist der betriebsamste Flughafen des Landes. Er befindet sich ungefĂ€hr 15 Kilometer nördlich des unmittelbaren Stadtzentrums. Der Flughafen trug ehemals den Namen Sahar International Airport, wurde jedoch nach dem hinduistischen Marathenkönig (Chhatrapati) Shivaji aus dem 17. Jahrhundert umbenannt. Bei InlandsflĂŒgen landen die FluggĂ€ste auf dem Santacruz Domestic Airport. Indian Airlines und andere einheimische Gesellschaften fliegen von Santacruz aus zu ZielflughĂ€fen in ganz Indien.

Nahverkehr

Menschenmassen in Mumbai

Am 7. Mai 1907 fuhr in Mumbai die erste elektrische Straßenbahn. Sie ersetzte die seit 9. Mai 1874 in Betrieb befindliche Pferdestraßenbahn. Ab 1920 wurde das Netz sukzessive auf doppelstöckige Straßenbahnwagen umgerĂŒstet. 1935 verkehrten 433 Straßenbahnen auf einem 47 Kilometer langen Streckennetz. Es teilte das Schicksal aller indischen Straßenbahnnetze mit Ausnahme Kalkuttas (heute einziges Straßenbahnnetz des Landes): Es wurde als ĂŒberholt und den Autoverkehr störend empfunden. Am 31. MĂ€rz 1964 erfolgte die Einstellung der letzten Linie.[35]

S-Bahn-Verkehr

Am 15. Juli 1926 wurde in Mumbai der motorisierte Omnibusverkehr aufgenommen. Elektrisch betriebene Oberleitungsbusse fuhren zwischen 11. Juni 1962 und 24. MĂ€rz 1971. Das grĂ¶ĂŸte stĂ€dtische Busunternehmen ist die Brihanmumbai Electric Supply and Transport (BEST). Die 3.400 Omnibusse der Gesellschaft befördern auf 340 Linien 4,5 Millionen Passagiere pro Tag. Die staatseigene Organisation, die 1873 gegrĂŒndet wurde, bedient ein komplexes Busnetz, das bis in die entlegensten Teile der Stadt und teilweise auch ĂŒber die Stadtgrenze hinaus reicht. Alle Busse sind mit einer Liniennummer gekennzeichnet. Die Zahlen sind vorne in Marathi und an den Seiten in arabischen Ziffern angeschrieben. ZusĂ€tzlich zu den Bussen betreibt die BEST auch einen FĂ€hrverkehr.[35]

Die am 5. Januar 1928 in Betrieb genommene elektrische S-Bahn (Mumbai Suburban Railway) ist wesentlich schneller als die Omnibusse, doch sind die Waggons selbst außerhalb der Stoßzeiten ĂŒberfĂŒllt.[36] Die ZĂŒge fahren alle paar Minuten und halten an Dutzenden kleinen Stationen. Sie befördern jeden Tag sechs Millionen Pendler zwischen dem Zentrum von Mumbai und den Vororten im Norden. Da die beidseitigen TĂŒren der Wagen wĂ€hrend der Fahrt nicht geschlossen werden, gibt es fast tĂ€glich tödliche UnfĂ€lle. Eine Bahnstrecke beginnt am Chhatrapati Shivaji Terminus und fĂŒhrt am Ostrand der Stadt entlang bis nach Thane und Kalyan-Dombivali. Die andere Linie folgt von Churchgate aus der Kurve der Back Bay bis Chowpatty Beach und biegt dort in Richtung Norden nach Mumbai Central, Dadar, Santacruz und Vasai-Virar, außerhalb der Stadtgrenze, ab. Betreiber des 302 Kilometer langen S-Bahn-Netzes sind Western Railways und Central Railways.

Die Metro Mumbai ist seit 2008 im Bau, die erste Strecke soll 2011 fertig sein.[37]

Die sogenannten Motor-Rikschas, kleine dreirĂ€drige Minitaxis, fahren nur in den Außenbezirken von Mumbai, in der Innenstadt ist der Betrieb verboten. Den Hafen von Mumbai verlassen in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden FĂ€hrschiffe. Sie verbinden die Stadt mit dem auf der anderen Seite liegenden Ufer und einigen dazwischenliegenden Inseln. Die FĂ€hre nach der Insel Elephanta fĂ€hrt vom Gateway of India ab und ist die am meisten genutzte. Boote nach Mandve, von wo es eine Verbindung nach Alibag in der Region Konkan gibt, dem Verkehrsknotenpunkt fĂŒr die selten genutzte KĂŒstenstrecke nach SĂŒden, fahren ebenfalls vom Gateway of India ab.

Medien

Printmedien

Hauptsitz der Videsh Sanchar Nigam Ltd., einem der grĂ¶ĂŸten Telekommunikationsunternehmen Indiens

Trotz einem Anteil von 13 Prozent Analphabeten (VolkszĂ€hlung 2001) in der Stadt, die keinen Zugang zu Publikationen haben, verzeichnen Mumbais gedruckte Periodika eine stabile bis wachsende Leserschaft. Zeitungen und Magazine werden insgesamt stĂ€rker von MĂ€nnern gelesen, die formal ĂŒber eine höhere Bildung und ĂŒber ein relativ hohes Einkommen verfĂŒgen.

Die wichtigsten Tageszeitungen in englischer Sprache sind The Times of India, Mid-Day, Daily News and Analysis, Hindustan Times, The Asian Age, Mumbai Mirror und Indian Express. PopulĂ€re Zeitungen in Marathi sind Loksatta, Sakaal und Maharashtra Times sowie in Hindi Dainik Bhaskar und Dainik Jagran. Die Marathi-sprachige Zeitung Saamna ist das Sprachrohr der rechtsextremen "Shiv Sena". Weitere Zeitungen sind in den Sprachen Gujarati, Malayalam, Bengali, Urdu, Telugu und Tamil kĂ€uflich zu erwerben. Die grĂ¶ĂŸeren Tageszeitungen sind mit einer Online-Version im Internet prĂ€sent, die aber wegen der geringen Verbreitung des Internets vor allem von der wohlhabenden Bevölkerung gelesen wird.

Im Jahre 1777 gab Rustomji Kashaspathi mit dem Bombay Courier die erste Zeitung in englischer Sprache heraus.[38] Die Àlteste kontinuierlich erscheinende Zeitung Asiens ist Bombay Samachar. Herausgeber der ersten Auflage in Gujarati war am 1. Juli 1822 der Parsen-Gelehrte und Priester Fardunjee Marzban, ein Pionier des Journalismus im westlichen Indien. Als Wochenzeitung bis 1832 veröffentlicht, dann zweimonatlich bis 1855, erschien sie dann als Tageszeitung und spielte eine bedeutende Rolle wÀhrend des indischen UnabhÀngigkeitskampfes.[39] Bombay Durpan ist die Àlteste zweisprachige Zeitung und wurde am 6. Januar 1832 erstmals von Balshastri Jambhekar in Marathi und Englisch veröffentlicht. Sie ist auch die Àlteste kontinuierlich erscheinende Zeitung in Marathi.[40]

Rundfunk

Mumbai ist die GeburtsstĂ€tte des indischen Rundfunks. Im Juni 1923 grĂŒndeten Amateure im ehemaligen Bombay einen Radioklub und begannen mit der tĂ€glichen Ausstrahlung von Hörfunkprogrammen. Am 23. Juli 1927 wurde ebenfalls im damaligen Bombay die „Indian Broadcasting Company“ (1936 als All India Radio verstaatlicht) gegrĂŒndet, der erste kommerzielle Radiosender Indiens. Heute gibt es in Mumbai zahlreiche staatliche und private Radiostationen. Die populĂ€rsten Radiosender sind Radio Mirchi 98.3, Radio City 91, RED FM 93.5, Radio One 92.5 und AIR FM2 100.7. Der Radiomarkt in Mumbai und ganz Indien befindet sich durch die erst zögerliche EinfĂŒhrung des privaten Rundfunks 1993, dessen Verbot 1998 und WiedereinfĂŒhrung 1999 im Umbruch. Die Hörfunklandschaft Ă€ndert sich nachhaltig, weitere Sender kommen hinzu und die Nutzung des Hörfunks steigt durch das breitere Angebot.

Fernsehen

1972 wurde im ehemaligen Bombay von „All India Radio“ (1976 Abspaltung von „Doordarshan“) mit der Ausstrahlung von regelmĂ€ĂŸigen Fernsehprogrammen begonnen. Aus Anlass der Asienspiele im Jahre 1982 in Neu-Delhi ist dann das Farbfernsehen eingefĂŒhrt worden und im gleichen Jahr begann die Ausstrahlung von Fernsehprogrammen ĂŒber Satellit. Heute verfĂŒgen etwa 80 Prozent der Haushalte Mumbais ĂŒber terrestrischen Fernsehempfang, auf dem Land sind es nur rund 30 Prozent. Satelliten- und Kabelfernsehen war am Anfang nur der Elite vorbehalten, erreicht aber mit zunehmendem Wohlstand die wachsende stĂ€dtische Mittelschicht und damit eine breitere Bevölkerung. Die nationale Fernsehgesellschaft Doordarshan liefert zwei frei empfangbare terrestrische Programme, wĂ€hrend drei Hauptkabelnetze die meisten Haushalte bedienen. Insgesamt sind ĂŒber das Kabelfernsehen mehr als 100 KanĂ€le empfangbar. Die populĂ€rsten Fernsehsender sind Zee Marathi, DD Sahyadri, Zee TV, Star plus und mehrere NachrichtenkanĂ€le.

Filmindustrie

Metro Cinema

Die in Mumbai ansĂ€ssige nordindische Filmindustrie ist unter dem Namen Bollywood bekannt. Sie produziert Filme ĂŒberwiegend in den Sprachen Hindi und Urdu. Mit jĂ€hrlich etwa 250 Filmen nimmt sie etwa ein FĂŒnftel der gesamten indischen Filmproduktion ein und ist bezĂŒglich der Produktionsmenge mit dem tamilischen Film in Chennai vergleichbar. Nur dem Hindi-Film ist es jedoch gelungen, die regionalen Sprachgrenzen in Indien zu ĂŒberschreiten und auch am internationalen Markt seine Produkte erfolgreich zu lancieren.

Mumbai ist die Heimat des Hindi-Blockbusters, des „All-India Film“. Um Sprach- und Religionsbarrieren zu ĂŒberwinden, folgt der Bollywood-Film strikten Regeln. Die Handlungen und das Schicksal der Protagonisten sind wie in der Mythologie vorhersehbar. Im Gegensatz zum Hollywood-Schema, das fĂŒr gewöhnlich jedes Drehbuch einem Genre zuordnet, verfĂ€hrt der Hindi-Film nach dem so genannten masala format, in Anspielung an die indische GewĂŒrzmischung. So sind in den Masala-Filmen, die gewöhnlich eine Spieldauer von drei Stunden haben, verschiedene Genres (Liebe, Gewalt, Dramatik, Komik, Musik) enthalten.

Die Erfolge der Filmschauspieler und ihr ausschweifender Lebensstil, der sich in den Klubs der Stadt und im MillionĂ€rsviertel „Malabar Hill“ manifestiert, sind ein unerschöpflicher Gegenstand von Prominenten-Geschichten, die in Fanmagazinen wie Stardust, Star and Style, Film World und Cine Blitz millionenfach Absatz finden, wĂ€hrend sich die Fachwelt eher an das reserviertere Screen hĂ€lt. Von den rund 200 Kinos in der Stadt zeigen nur wenige regelmĂ€ĂŸig Filme in englischer Sprache.

Mit seinen steigenden Produktionskosten, zunehmenden Drehorten im Ausland und mehr FreizĂŒgigkeit auf der Leinwand ist Bollywood in den letzten Jahren Hollywood gar nicht so unĂ€hnlich. Aber angesichts von um 30 Prozent gesunkenen Besucherzahlen und vielen widerrechtlichen Kopien spielen manche teuer produzierte Filme Verluste von vielen Millionen Rupien ein. Eine Hauptausgabe der Filmproduzenten sind die stĂ€ndig steigenden Gagen der Superstars, die oft einen ĂŒberproportional hohen Anteil des Filmbudgets ausmachen.

Bildung

Mumbai beherbergt eine Vielzahl hervorragender Bildungseinrichtungen, darunter zwei UniversitĂ€ten (University of Mumbai und SNDT WomanÂŽs University) und eine Anzahl Forschungsinstitute, Akademien und Colleges. Der 1857 gegrĂŒndeten University of Mumbai sind fast alle Colleges der Stadt angeschlossen, ebenso in Indien fĂŒhrende Lehr- und Forschungseinrichtungen wie das 1934 eröffnete Mumbai University Institute of Chemical Technology und das 1945 eingerichtete Tata Institute of Fundamental Research (TIFR). Auch das 1958 gegrĂŒndete renommierte Indian Institute of Technology Bombay hat seinen Sitz in Mumbai.

FĂŒr die Allgemeinbildung der Bevölkerung in Mumbai sorgen ĂŒber 1.000 staatliche und eine Anzahl privater Schulen. Dem Schulsystem ist der westliche Einfluss anzumerken. Schuluniformen sind Pflicht, alle FĂ€cher, außer Hindi, werden in englischer Sprache unterrichtet. Die staatlichen Schulen sind gebĂŒhrenfrei, wegen der ĂŒberfĂŒllten KlassenrĂ€ume und mangelhaft ausgebildeter Lehrer jedoch unattraktiv. Die Privatschulen sind kostenpflichtig und deshalb ĂŒberwiegend der besser verdienenden Bevölkerung vorbehalten. Letztere können aber auch durch die Erlangung eines Stipendiums besucht werden.

Mit sechs Jahren kommen die SchĂŒler in Mumbai und in ganz Indien auf die Primary School, die der deutschen Grundschule entspricht. Es folgt die Secondary School und anschließend die Senior Secondary School, die man im Alter von 11 bis 15 beziehungsweise 16 bis 17 Jahren besuchen kann. Nach erfolgreichem Abschluss an diesen Schulen können die SchĂŒler ein Studium an der UniversitĂ€t aufnehmen oder ein College besuchen. Je nach Schulform dauert die letzte Bildungsphase drei bis fĂŒnf Jahre. WĂ€hrend fĂŒr die reiche Bevölkerung eine gute Schulbildung Standard ist, scheitert der Schulbesuch der Ă€rmeren Bewohner oft, da die Kinder Geld verdienen mĂŒssen, um das Überleben ihrer Familie zu sichern, und sie sich die vorgeschriebene Uniform und die Schulmaterialien nicht leisten können.

Siehe auch: Liste weiterfĂŒhrender Bildungseinrichtungen in Mumbai

Persönlichkeiten

Mumbai war Geburtsort zahlreicher prominenter Persönlichkeiten. Die bekanntesten sind unter anderem der Physiker Homi Jehangir Bhabha, der frĂŒhere indische Premierminister Rajiv Gandhi, der Bildhauer Anish Kapoor, der NobelpreistrĂ€ger fĂŒr Literatur Rudyard Kipling, der Dirigent Zubin Mehta, der Schriftsteller und Poet Dom Moraes, der Tennisspieler Karan Rastogi, die Tennisspielerin Sania Mirza sowie die Schriftsteller Salman Rushdie, Manil Suri und Terence Hanbury White.

Siehe auch: Liste der Persönlichkeiten der Stadt Mumbai

Siehe auch

Literatur

Wissenschaftliche und populÀrwissenschaftliche Werke

  • Martin Heintel u. a.: MegastĂ€dte der Dritten Welt im Globalisierungsprozess. Mexico City, Jakarta, Bombay – Vergleichende Fallstudien in ausgewĂ€hlten Kulturkreisen. UniversitĂ€t Wien, 2000, ISBN 3-900830-40-1
  • Rainer Krack: Kulturschock Mumbai, Reise-Know-How Verlag Peter Rump GmbH, Bielefeld, 2008, ISBN 978-3-8317-1698-2
  • Barbara Malchow, Keyumars Tayebi: Menschen in Bombay. Lebensgeschichten einer Stadt. Rowohlt, Reinbek 1986, ISBN 3-499-15918-X
  • Suketu Mehta: Bombay – Maximum City. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004, ISBN 0-375-40372-8
  • Ministry of Finance: Mumbai: An International Financial Centre. SAGE Publications, 2007, ISBN 0-7619-3630-0
  • Sudha Mohan: Urban Development and New Localism: Politics in Mumbai. Rawat Publications, 2006, ISBN 81-7033-918-9
  • Heinz Nissel: Bombay. Untersuchungen zur Struktur und Dynamik einer indischen Metropole. Institut fĂŒr Geographie der TU Berlin, 1977, ISBN 3-7983-0573-0
  • Heinz Nissel: Mumbai: Megacity im Spannungsfeld globaler, nationaler und lokaler Interessen. Geographische Rundschau 56(4), S. 55 - 61 (2004), ISSN 0016-7460
  • Derek O'Brien: The Mumbai Fact File. Penguin Books India, 2003, ISBN 0-14-302947-9
  • Sujata Patel (Hrsg.): Bombay and Mumbai: The City in Transition. Oxford University Press India, 2005, ISBN 0-19-567711-0
  • Pauline Rohatgi: Bombay to Mumbai: Changing Perspectives. Marg Publications India, 2002, ISBN 81-85026-37-8
  • I. Suraiya: Bombay. Die Stadtneurotiker. In: Indien, GEO-Special, Nr. 4/1993

Romane und ErzÀhlungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Census of India 2011: Provisional Population Totals. Cities having population 1 lakh and above.
  2. ↑ Census of India 2011: Provisional Population Totals. Urban Agglomerations/Cities having population 1 lakh and above.
  3. ↑ a b Bombay High Court: Restoration of name “Mumbai” for “Bombay” Act, Maharashtra 1996
  4. ↑ a b Tata Institute of Fundamental Research: The Name
  5. ↑ Municipal Corporation of Greater Mumbai: History of MCGM
  6. ↑ n-tv: Wohin fliegt Merkel? – Bombay oder Mumbai?, vom 30. Oktober 2007
  7. ↑ MMRDA: Basic Statistics
  8. ↑ MCGM: Administrative Wards
  9. ↑ Department of Relief and Rehabilitation: Maharashtra Floods 2005
  10. ↑ News India Times: Heaviest rainfall in 100 yrs lashes Mumbai; 750 killed in Maharashtra
  11. ↑ WMO: World Weather Information Service
  12. ↑ a b c censusindia.net: Census of India 2001 - Slum Population in Municipal Corporations
  13. ↑ Sabrang Communications: Full Report of the Justice BN Srikrishna Commission
  14. ↑ a b c South Asia Terrorism Portal: Bomb Blasts in Mumbai, 1993-2006
  15. ↑ GlobalSecurity.org: India – Bombay Appears Cautious About Laying Blame For Bombings
  16. ↑ Der Spiegel: AnschlĂ€ge von Mumbai – Vierter VerdĂ€chtiger in Haft, vom 24. Juli 2006
  17. ↑ Der Spiegel: Polizei befreite mehr als 600 Menschen aus der Gewalt der Terroristen, vom 29. November 2008
  18. ↑ Blast toll, 24. Juli 2011
  19. ↑ Frankfurter Allgemeine Zeitung: Innenminister: Noch keine Spur von AttentĂ€tern, 14. Juli 2011.
  20. ↑ Demographia: Mumbai Wards & Districts - Population & Density by Sector 2001
  21. ↑ a b Census India Maps: VolkszĂ€hlung 2001
  22. ↑ Neelima Risbud: The Case of Mumbai, India. Urban Slums Reports, Case Studies for the Global Report on Human Settlements 2003
  23. ↑ Sheela Patel und Jockim Arputham: An offer of partnership or a promise of conflict in Dharavi, Mumbai?, von Oktober 2007
  24. ↑ Economist: The strange allure of the slums, vom 3. Mai 2007
  25. ↑ Time: Life in Dharavi – Inside Asia's Biggest Slum, vom 12. Juni 2006
  26. ↑ Dharavi.org: Intro: Lakhs of Residents, Billions of Dollars
  27. ↑ Der Spiegel: Bombay bietet grĂ¶ĂŸtes Elendsviertel Asiens zum Kauf an, vom 30. Mai 2007
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  33. ↑ MCGM: Greater Mumbai City Development Plan (2005 to 2025)
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  36. ↑ CORE: Railway Electrification on Indian Railways
  37. ↑ http://www.mumbaimetro1.com/HTML/project_update.html
  38. ↑ Tata Institute of Fundamental Research: 18th Century History of Mumbai
  39. ↑ Gulf News: Mumbai's pioneering Gujarati newspaper completes 184 years, vom 30. Juni 2006
  40. ↑ Pune Newsline: All in the name

Weblinks

 Commons: Mumbai â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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