Mutual Assured Destruction

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Mutual Assured Destruction

Mutual assured destruction (MAD, auf deutsch ‚Äěwechselseitige zugesicherte Zerst√∂rung‚Äú) oder Gleichgewicht des Schreckens (umgangssprachlich: Atompatt) bezeichnet eine Situation, in der die Nuklearm√§chte vom Ersteinsatz von Nuklearwaffen dadurch abgehalten werden, dass der potenzielle Gegner selbst nach einem nuklearen Erstschlag noch vernichtend zur√ľckschlagen k√∂nnte. Umgangssprachlich gab es hierf√ľr die Formulierung: ‚ÄěWer als erstes schie√üt, ist als zweites tot.‚Äú

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Das Konzept der mutual assured destruction wurde von dem US-Verteidigungsminister Robert McNamara gepr√§gt und fr√ľher auch als guaranteed mutual destruction (‚Äěgarantierte gegenseitige Zerst√∂rung‚Äú) oder als nuclear deterrence (‚Äěnukleare Abschreckung‚Äú) bezeichnet. Im deutschen Sprachgebrauch wird heute meist der Begriff "nukleare Abschreckung" verwendet, bis zum Ende des kalten Krieges aber √ľberwiegend "Gleichgewicht des Schreckens".

Theorie

Die Grundannahme der MAD-Doktrin besteht darin, dass keine Seite so irrational ist, f√ľr die Vernichtung des Gegners auch die Vernichtung des eigenen Landes zu riskieren. Deswegen nimmt man an, dass die Kontrahenten auf einen atomaren Erstschlag verzichten werden, wenn der Gegner danach noch die M√∂glichkeit eines Zweitschlages hat. Dies f√ľhrt zu einem zwar spannungsgeladenen, aber dennoch stabilen Frieden.

Um die Doktrin umsetzen zu k√∂nnen, m√ľssen alle potenziellen Kontrahenten eine Overkill-Kapazit√§t aufrechterhalten, so dass auch nach der Zerst√∂rung eines gro√üen Teiles der eigenen Atomwaffen der verbleibende kleinere Rest noch zur v√∂lligen Zerst√∂rung des Angreifers ausreichen w√ľrde. Von Bedeutung ist auch der Aufbau eines schwierig zu ortenden und zu zerst√∂renden, redundanten Systems von interkontinentalen Kernwaffentr√§gern. Man spricht von der ‚Äěnuklearen Triade‚Äú aus strategischen Bombern, Raketensilos und U-Booten. Letztere sind schwer zu orten und eignen sich daher als Vergeltungswaffe.

Praxis

Das milit√§rische Konzept der Friedenserhaltung durch gegenseitige Abschreckung (Dissuasion) ist so alt wie der Krieg selbst. Die Einf√ľhrung von Atomwaffen mit ihrer umfassenden Vernichtungskraft vervielfachte die Abschreckungswirkung jedoch und f√ľhrte unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg zur Entwicklung der MAD-Doktrin. In der offiziellen Milit√§rdoktrin der USA fand der Begriff erstmals im Jahr 1961 Verwendung.

Die Doktrin fand ihre erste und haupts√§chliche Anwendung in der Zeit des Kalten Krieges (1950er Jahre bis 1990er Jahre) zwischen den USA und der Sowjetunion. Die MAD-Doktrin wurde als Garant daf√ľr gesehen, dass es zu keinen direkten, umfassenden Zusammenst√∂√üen zwischen den Superm√§chten kam. Sie gerieten in so genannten Stellvertreterkriegen indirekt und vermittelt aneinander.

Gegen Ende des Kalten Kriegs wandten sich die Superm√§chte zu Gunsten vertrauensbildender Ma√ünahmen zusehends vom MAD-Konzept ab (vgl. unten). Die USA und Russland sind nach wie vor die beiden potentiell st√§rksten M√§chte der Welt, geopolitisch besteht faktisch weiterhin ein Antagonismus. Wenn auch nach 1989/91 ein schwerer Konflikt bisher nicht offen ausgebrochen ist, sind beide M√§chte doch theoretisch weiterhin in der Lage, sich in k√ľrzester Zeit gegenseitig auszul√∂schen und den Untergang des gr√∂√üten Teils der √ľbrigen Menschheit herbeizuf√ľhren. In der heutigen Zeit vergleichsweise geringer bilateraler Konflikte erscheint ein vors√§tzlicher Einsatz der Kernwaffe - eben der besagte Erstschlag - beinahe ausgeschlossen. Gleichwohl wird in ziemlich regelm√§√üigen Abst√§nden verlautbart (zuletzt vom russ. Generalstabschef im Januar 2008), in ‚Äěbesonderen Lagen zur Gefahrenabwehr‚Äú (oder mit √§hnlichen Begr√ľndungen) auch zur F√ľhrung eines Erstschlages bereit zu sein. In den Hochphasen des Kalten Krieges schien die Gefahr eines sogenannten ‚Äěnuclear exchange‚Äú aufgrund der politisch-ideologischen Konfrontation zwischen USA und UdSSR sicher akuter als heute. Ungeachtet dessen rechnet die fortdauernde technische ‚Äělaunch-on-warning‚Äú-F√§higkeit beider Seiten Tag f√ľr Tag implizit mit genau dieser M√∂glichkeit. Es ist umstritten, ob diese MAD-Situation zwischen den USA und Russland fortbesteht.

In begrenztem Ausma√ü besteht zwischen den beiden verfeindeten Staaten Indien und Pakistan seit ihrem Aufstieg zu Atomm√§chten eine MAD-Situation. Keiner der beiden Kontrahenten verf√ľgt aber vermutlich √ľber gen√ľgend Sprengk√∂pfe, um den anderen vollst√§ndig eliminieren zu k√∂nnen.

Abkehr von der MAD-Doktrin

Am 25. Juli 1980 sprach US-Pr√§sident Jimmy Carter in der Presidential Directive 59 von einer ‚ÄěAusgleichsstrategie‚Äú (countervailing strategy). Ziel der US-Sicherheitspolitik war fortan, einen Nuklearkrieg gewinnen zu k√∂nnen. Deklariertes Ziel der Nuklearsprengk√∂pfe waren nicht l√§nger die sowjetische Bev√∂lkerung, sondern zuerst die F√ľhrungsschicht, dann milit√§rische Ziele. Damit verband sich die Spekulation, die Sowjetunion w√ľrde aufgeben, bevor es zu einer totalen Zerst√∂rung der UdSSR und der USA k√§me.

US-Pr√§sident Ronald Reagan setzte auf diese Richtung und plante mit seiner Strategic Defense Initiative (SDI), das Gleichgewicht der MAD durch eine neue Strategie der amerikanischen √úberlegenheit zu ersetzen. Durch den Aufbau einer umfassenden Raketenabwehr sollten die USA vor Angriffen oder Gegenschl√§gen aus der Sowjetunion gesch√ľtzt werden, ihre eigene Erstschlagskapazit√§t aber behalten. Anh√§nger dieser sicherheitspolitischen Richtung sprachen dabei auch von mutual assured security. Doch letztlich scheiterte das SDI-Projekt und damit die Unterminierung der √úbereinkunft von der gegenseitigen gesicherten Zerst√∂rung an technischen und finanziellen H√ľrden.

Mit der Aufl√∂sung der Sowjetunion reduzierten sich die Spannungen zwischen Russland und den USA und zwischen den USA und China deutlich. In beiden F√§llen wurde MAD als Modell f√ľr Stabilit√§t zwischen den Atomm√§chten eigentlich abgel√∂st, dennoch halten diese L√§nder gegeneinander weiterhin ein sofort einsatzbares Arsenal an Kernwaffen mit mehrfacher Overkill-Kapazit√§t vor - insofern gilt das Prinzip von MAD stillschweigend bis heute. Obwohl die Regierung unter George W. Bush vom ABM-Vertrag zur√ľcktrat, betonte sie, dass das von ihr geplante Raketenabwehrsystem gegen nukleare Erpressung durch Staaten mit geringer nuklearer Kapazit√§t (wie etwa Nordkorea) aufgebaut werde. Dieses Prinzip der asymmetrischen Kriegf√ľhrung schlie√üe, anders als MAD, die Geiselnahme ganzer Bev√∂lkerungen aus. Die russische Regierung blieb dem Werben der USA um diese Strategie gegen√ľber aber reserviert, vor allem weil sie bef√ľrchtet, die USA w√ľrden davon mehr profitieren als Russland.

Um der versehentlichen Ausl√∂sung eines Atomkriegs entgegenzuwirken, wurden Abr√ľstungsverhandlungen (z.¬†B. START, SALT) durchgef√ľhrt und Kommunikationsmechanismen installiert (z.¬†B. das ‚Äěrote Telefon‚Äú nach der Kuba-Krise). Sp√§testens mit den 1980er Jahren wurde das Konzept des ‚ÄěGleichgewichts des Schreckens‚Äú in der √∂ffentlichen Debatte immer st√§rker hinterfragt. So wurde im Zusammenhang mit dem NATO-Doppelbeschluss in der Bundesrepublik von der Gefahr des ‚Äěatomaren Holocaust‚Äú gesprochen.

Kritik

Kritiker der MAD-Doktrin f√ľhrten an, dass das Apronym MAD zum englischen Begriff mad (‚Äěverr√ľckt‚Äú, ‚Äěgeisteskrank‚Äú) passt, weil die Doktrin auf einigen anfechtbaren Annahmen beruht:

  • Perfekte Erkennung
    • Die Ortungssysteme m√ľssen absolut zuverl√§ssig sein, Falschmeldungen √ľber Raketenstarts m√ľssen kategorisch ausgeschlossen werden (vgl. den Stanislaw-Petrow-Zwischenfall).
    • Es darf keine M√∂glichkeit geben, einen Raketenstart zu verdecken.
    • Es gibt keine Angriffsalternative zur Nuklearrakete.
    • Die schw√§chere Interpretation von MAD h√§ngt auch von der perfekten Zuordnung eines Raketenstarts ab (Wer soll die Vergeltung zu sp√ľren bekommen, wenn ein Raketenstart an der chinesisch-russischen Grenze ausgemacht wird?).
  • Absolute Rationalit√§t
    • Schurkenstaaten werden keine Nuklearwaffen entwickeln (oder, wenn sie es doch tun, werden sie aufh√∂ren, Schurkenstaaten zu sein, indem sie sich der MAD-Logik unterwerfen).
    • Kommandeure haben nicht die M√∂glichkeit, einen Raketenstart zu beeinflussen.
    • Alle Oberh√§upter der Staaten mit Atomwaffen sorgen sich um das √úberleben ihrer Staatsb√ľrger.
    • Die Staatsf√ľhrer wagen nicht einen Erstschlag in der Hoffnung, dass das gegnerische Raketensystem versagt.
  • Unf√§higkeit zur Verteidigung
    • Keine ausreichenden Bunker zum Schutz der Bev√∂lkerung und Industrie.
    • Keine Entwicklung von Anti-Raketen-Technologie oder Schutzausr√ľstung.

Diese Annahmen f√ľr MAD k√∂nnen unter folgenden Begriffen zusammengefasst werden: Potenzial, Glaubw√ľrdigkeit, Kommunikation und Rationalit√§t. Auch wenn sie auf die beiden Antagonisten USA und Sowjetunion im Gro√üen und Ganzen zutrafen, ist zweifelhaft, inwieweit dies auch f√ľr einige gegenw√§rtige Atomm√§chte (z.¬†B. Nordkorea oder zuk√ľnftig m√∂glicherweise den Iran) gilt.

Wissenswertes

Siehe auch

Literatur

  • Lawrence Freedman: Deterrence, Polity, Cambridge 2004, ISBN 0-7456-3113-4
  • Franz B√∂ckle, Gert Krell (Hrsg.): Politik und Ethik der Abschreckung, Christian Kaiser Verlag, M√ľnchen 1984, ISBN 3-459-01558-6

Weblinks


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  • Mutual Assured Destruction ‚ÄĒ constant threat that was present between the USA and the Soviet Union and which helped prevent nuclear war (both countries had the ability to completely annihilate the other), MAD ‚Ķ   English contemporary dictionary

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