Mätresse

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Mätresse
Madame de Pompadour, eine M√§tresse Ludwigs XV.

Als ‚ÄěM√§tresse‚Äú (franz√∂sisch: ‚Äěma√ģtresse‚Äú ‚Äď ‚ÄěMeisterin‚Äú) bezeichnete man bis etwa ins 19. Jahrhundert eine √∂ffentlich als solche bekannte Geliebte eines F√ľrsten, hochrangigen Adligen oder bedeutenden Amtstr√§gers. In gesellschaftlichen Verh√§ltnissen, in denen Ehen vorrangig unter politischen und materiellen Aspekten geschlossen wurden, hatten M√§nner h√§ufig eine Konkubine (‚ÄěBeischl√§ferin‚Äú), die sie nicht zu verbergen versuchten ‚Äď was ohnehin unm√∂glich gewesen w√§re ‚Äď sondern halb legitimierten. Meistens hatten sie zu dieser eine engere affektive und geistige Beziehung als zu ihrer Ehefrau. In der h√∂fischen Gesellschaft war der Status der M√§tresse anerkannt. Einige M√§tressen entfalteten bedeutenden politischen Einfluss, indem sie den F√ľrsten in seinen Entscheidungen bestimmten oder in seinem Namen Anweisungen gaben.[1] Der F√ľrst sorgte f√ľr den standesgem√§√üen Unterhalt der M√§tresse. Um ihnen Zugang bei Hof zu erlauben, wurden viele M√§tressen geadelt.

Der Begriff wurde umgangssprachlich auch als Synonym f√ľr ‚ÄěGeliebte‚Äú benutzt, ist in dieser Bedeutung heute aber veraltet. Als Favoritin wurde die bevorzugte M√§tresse des F√ľrsten bezeichnet.

Ein Synonym f√ľr M√§tresse lautet Kurtisane (fr. courtisane, √ľber ital. cortigiana, die weibliche Form von cortigiano ‚ÄěH√∂fling‚Äú, von corte ‚ÄěHof‚Äú).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die M√§tressen europ√§ischer F√ľrsten waren urspr√ľnglich Geliebte ohne den sp√§teren, halboffiziellen Status, traten selten oder gar nicht √∂ffentlich auf und hatten sich auf eine rein private Rolle zu beschr√§nken.

Als im Hochmittelalter in Frankreich und sp√§ter auch im √ľbrigen Europa die H√∂fe in Residenzst√§dten sesshaft wurden, √§nderte sich das Hofleben und nahm darin die Bedeutung der Frauen zu. Im Zusammenhang damit wandelte sich das Rollenbild der blo√üen Geliebten des F√ľrsten zu dem der M√§tresse, die in aller Regel dem Kreis der adligen Hofdamen und Ehrenjungfern entstammte.

Unter Franz I. etablierte die M√§tresse sich als inoffizielle Institution. Zwar war es f√ľr die Kirche offiziell ein Stein des Ansto√ües, dass dergestalt √∂ffentlich gegen das Verbot des Ehebruchs versto√üen wurde, die Kirche tolerierte jedoch die Situation, da der hohe Klerus ‚Äď der meist dem Adel entstammte ‚Äď am Hof verkehrte und sich teilweise selbst M√§tressen hielt.

Es gab so etwas wie mildernde Umst√§nde f√ľr F√ľrst und M√§tresse. Landesherren und auch hohe Adlige mussten Frauen heiraten, die sie nicht freiwillig gew√§hlt hatten. Da die so zustandekommenden Zwangsehen gegen die zentrale kirchliche Forderung nach Freiwilligkeit einer Eheschlie√üung verstie√üen, neigten Theologen dazu, bei F√ľrsten und anderen hochstehenden M√§nnern eine Ausnahme vom Gebot der Monogamie zu machen und ihnen M√§tressen zuzugestehen.

Die M√§tresse wurde im Laufe des 16., 17. und 18. Jahrhunderts an den H√∂fen immer mehr zu einer Allt√§glichkeit und erhielt einen Status mit ungeschriebenen Rechten und Pflichten. Die Problematik der mit dem F√ľrsten h√§ufig gezeugten Kinder wurde pragmatisch geregelt: War die M√§tresse verheiratet, galten sie als Kinder des Ehemannes (der mit allerlei Vorteilen entsch√§digt wurde); war sie ledig oder verwitwet, wurden sie legitimiert. In beiden F√§llen wurden die T√∂chter in der Regel sp√§ter mit Hochadligen verheiratet und die S√∂hne, die f√ľr die Thronfolge als Legitimierte ausschieden, mit hohen Posten in der Armee oder der Kirche versorgt.

Man kann davon ausgehen, dass viele F√ľrstinnen die M√§tressen tolerierten, solange sie von ihnen mit dem gebotenen Respekt behandelt wurden, zumal auch sie selbst zwangsweise verheiratet worden waren und meistens keine tiefere Beziehung zu ihrem Gemahl hatten. Allerdings war es den F√ľrstinnen schon wegen der zu bef√ľrchtenden Schwangerschaften und Geburten so gut wie unm√∂glich, auch ihrerseits Geliebte zu haben.

Die Verhältnisse um Katharina die Große sind eher untypisch, da das Vorhandensein der ersten Geliebten hier geheimgehalten wurde, sich dabei allerdings offenbar einer gewissen Duldung durch den wohl nicht ganz zurechnungsfähigen Ehemann und die Zarin erfreute, die Katharinas Schwiegermutter war. Größere Offenheit in Bezug auf die späteren Geliebten zog hier erst ein, nachdem Katharina selbst Zarin geworden war.

Seinen H√∂hepunkt erreichte das M√§tressenwesen in Europa im 17. und 18. Jahrhundert. So heiratete Ludwig XIV. nach dem Tode seiner Frau sogar ‚Äělinker Hand‚Äú seine langj√§hrige M√§tresse Madame de Maintenon, w√§hrend die ber√ľhmt gewordene M√§tresse Ludwigs XV., Madame de Pompadour, ma√ģtresse en titre (wie man damals sagte) blieb, auch nachdem das sexuelle Verh√§ltnis zum K√∂nig zu seinem Ende gekommen war. Madame de Maintenon und Madame de Pompadour besa√üen nennenswerten Einfluss auf die Politik Frankreichs und f√∂rderten in eigener Initiative K√ľnstler und Intellektuelle.

Auch an anderen H√∂fen im Europa jener Zeit bl√ľhte das M√§tressenwesen. In Sachsen z. B. war Gr√§fin Cosel die offizielle Geliebte des Kurf√ľrsten August des Starken.

Nach dem Ende des Zeitalters der absoluten Herrscher war die klassische Epoche der M√§tressen vor√ľber. Lola Montez beeinflusste allerdings noch den Bayernk√∂nig Ludwig I.

Ma√ģtresse-en-titre

Die Ma√ģtresse-en-titre war die Favoritin der franz√∂sischen K√∂nige. Die halboffizielle Position war mit eigenen R√§umen im Schloss verbunden. Der Titel war von der Regierungszeit K√∂nig Heinrichs IV. an bis zum Ende des Ancien R√©gime in Gebrauch.

Ma√ģtresse-en-titre waren unter anderem:

Das Verh√§ltnis zu Henrietta Anne Stuart (Henrietta von England, 1644-1670), seiner ihm ebenb√ľrtigen Schw√§gerin, ist eher eine Aff√§re gewesen.

Bekannte Mätressen

12. Jahrhundert

14. Jahrhundert

15. Jahrhundert

16. Jahrhundert

17. Jahrhundert

18. Jahrhundert

19. Jahrhundert

Siehe auch

Literatur

  • Caroline Hanken: Vom K√∂nig gek√ľ√üt. Das Leben der gro√üen M√§tressen. Aufbau-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-7466-1590-9.
  • Eleanor Herman: Liebe im Schatten der Krone. Die Geschichte der k√∂niglichen M√§tressen. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-15987-3.
  • Sylvia Jurewitz-Freischmidt: Galantes Versailles. Die M√§tressen am Hofe der Bourbonen. Piper, M√ľnchen 2006, ISBN 3-492-24494-7.
  • Sybille O√üwald-Bargende: Die M√§tresse, der F√ľrst und die Macht. Christina Wilhelmina von Gr√§venitz und die h√∂fische Gesellschaft. Campus, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-5933-6637-1.
  • Sigrid Ruby: Mit Macht verbunden. Bilder der Favoritin im Frankreich der Renaissance. Fwpf, Freiburg 2010, ISBN 978-3-939348-18-4.
  • Hermann Schreiber: M√§tressen der Weltgeschichte. Weltbild, Augsburg 2003, ISBN 3-8289-0537-4.
  • Helga Thoma: ¬ęMadame, meine teure Geliebte‚Ķ¬Ľ Die M√§tressen der franz√∂sischen K√∂nige. Piper, M√ľnchen 1999, ISBN 3-492-22570-5.
  • Yury Winterberg: M√§tressen. Die geheime Macht der Frauen. Egmont, K√∂ln 2005, ISBN 3-8025-1705-9.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Richard Delau: August der Starke. Mitteldeutscher Verlag, Halle / Leipzig 1989, S. 191

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  • M√§tresse ‚ÄĒ s|se* die; , n <aus gleichbed. fr. ma√ģtresse, eigtl. ¬ĽHerrin¬ę, zu ma√ģtre, vgl. ‚ÜĎMa√ģtre>: 1. (fr√ľher) Geliebte eines F√ľrsten. 2. (abwertend) Geliebte bes. eines verheirateten Mannes ‚Ķ   Das gro√üe Fremdw√∂rterbuch


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