Arminius

ï»ż
Arminius

Arminius (in einigen Quellen auch Armenius; * um 17 v. Chr.; † um 21 n. Chr.) war ein FĂŒrst der Cherusker, der den Römern im Jahre 9 n. Chr. in der Varusschlacht mit der Vernichtung von drei Legionen eine ihrer verheerendsten Niederlagen beibrachte. Die antiken Quellen bieten nur wenige biografische Angaben zu Arminius. Das nachantike Bild des CheruskerfĂŒrsten ist vor allem durch die von Tacitus geprĂ€gte Formel „Befreier Germaniens“[1] bestimmt. Arminius ist hĂ€ufiger Gegenstand von Belletristik und PopulĂ€rwissenschaft. Die an Arminius als historische Person angelehnte Gestalt Hermann der Cherusker wurde in Deutschland eine nationale Mythen- und Symbolfigur. Seit 1945 bewertet die deutschsprachige Forschung Arminius differenzierter. Sein germanischer Name ist unbekannt, weshalb ĂŒber historische Parallelen zum Drachentöter Siegfried aus dem Nibelungenlied spekuliert wurde.

Das Detmolder Hermannsdenkmal zeigt den CheruskerfĂŒrsten als Symbolfigur nationaler IdentitĂ€t

Inhaltsverzeichnis

Leben bis zur Varusschlacht

Herkunft und Jugend

Nur sehr wenige biografische Details ĂŒber Arminius sind bis zur Varusschlacht bekannt. Arminius kam aus einer der fĂŒhrenden Familien seines Stammes. Er wurde um 18/17 v. Chr. als Sohn des Cheruskers Segimer (lat. Segimerus) geboren, der eine fĂŒhrende Stellung in seinem Stamm hatte. Velleius Paterculus nennt Segimer princeps gentis eius („Erster seines Stammes“), was gewöhnlich mit der etymologisch Ă€hnlichen Bezeichnung „FĂŒrst“ ĂŒbersetzt wird.[2] Der Name seiner Mutter, die noch im Jahr 16 n. Chr. lebte, wird nicht genannt. Arminius’ Vater stand wie sein Onkel Inguiomer auf der Seite der Römer und fĂŒhrte die prorömische Partei unter den Cheruskern an. Ebenso wie sein Bruder Flavus diente Arminius als FĂŒhrer germanischer VerbĂ€nde (ductor popularium)[3] lĂ€ngere Zeit im römischen Heer und wurde so mit dem römischen MilitĂ€rwesen vertraut. In dieser Funktion diente er wĂ€hrend des dem Pannonienkrieg vorangehenden Feldzugs (prior militia) vom SpĂ€therbst 4 n. Chr. bis mindestens 6 n. Chr. im römischen Lager. Dabei erwarb er sich das römische BĂŒrgerrecht sowie den Rang eines Ritters[4] und erlernte die lateinische Sprache.[5] Wahrscheinlich war Arminius in den Jahren 6–7 n. Chr. mit seinem Verband an der Niederschlagung des pannonischen Aufstandes beteiligt. Wiederholte Annahmen, Arminius habe im römischen MilitĂ€r eine Karriere als „Berufsoffizier“[6] gemacht oder „eine den regulĂ€ren Auxiliareinheiten stark angenĂ€herte Truppe“ von Cheruskern kommandiert, sind unbeweisbare oder anachronistische Vermutungen.[7]

Die Verwandtschaft des Arminius

Um das Jahr 7/8 n. Chr. kehrte Arminius in das cheruskische Stammesgebiet zurĂŒck. Arminius besaß zu dieser Zeit keineswegs die alleinige Macht bei den Cheruskern. Er war damals innerhalb der cheruskischen FĂŒhrungsschicht mit Auseinandersetzungen konfrontiert. Segestes, der Vater der Thusnelda, war gegen eine Verbindung seiner Tochter mit Arminius, die wohl zu dieser Zeit seine Ehefrau wurde.

Aufstand gegen Varus

Als der Statthalter (legatus Augusti pro praetore) Publius Quinctilius Varus in das Cheruskerland bis an die Weser vorrĂŒcken wollte, sah Arminius im Herbst des Jahres 9 n. Chr. die Zeit fĂŒr einen Aufstand gekommen. Er hielt sich mit seinen Gesinnungsgenossen, von denen Segimer genannt wird,[8] bewusst im Lager des Varus auf, nahm dabei oft an dessen Tafel teil und versuchte, das Vertrauen des Statthalters zu gewinnen. Als Varus sich auf dem Weg in sein Winterlager befand, wurden ihm Unruhen gemeldet. Die Warnung des FĂŒrsten Segestes noch am Vorabend des Aufbruchs, Arminius in Ketten zu legen, da er Verrat an Rom plane, nahm Varus nicht ernst.[9] Der Vorwurf naiven Vertrauens und mangelnder Vorsicht des Varus gegenĂŒber Arminius, den manche Quellen erheben,[10] wird in der modernen Geschichtswissenschaft teilweise relativiert. Varus handelte wie gewöhnlich bei der Provinzialisierung eines eroberten Gebietes. Arminius wurde aufgrund seines römischen BĂŒrgerrechtes und seines Ritterranges von Varus wohl als römischer VerbĂŒndeter angesehen, der als AnfĂŒhrer der dringend benötigten germanischen Hilfstruppen helfen konnte, die Lage ruhig zu halten.[11]

Auf dem Weg zu dem von den Germanen gemeldeten Aufstand mussten die Römer durch ein ihnen wenig bekanntes GelĂ€nde, wo sie in einen Hinterhalt gerieten. Arminius besiegte in der Varusschlacht[12] durch einen ĂŒberraschenden Schlag die römische Besatzungsmacht. Die 17., 18. und 19. Legion sowie sechs Kohorten und drei Alen (Auxilien)[13] gingen am Saltus Teutoburgiensis unter; Varus nahm sich das Leben. Welche Rolle Arminius wĂ€hrend der Schlacht konkret spielte, ist ungewiss, sicher ist nur, dass er der Oberbefehlshaber der Germanen war, zu denen er noch auf dem Schlachtfeld sprach.[14] Schon seit Theodor Mommsen wird aufgrund von FundmĂŒnzen vermutet, dass die Schlacht im Raum Bramsche-Kalkriese stattfand. Seit 1987 werden in diesem Gebiet Ausgrabungen vorgenommen.

Aufgrund seiner Quellenanalyse schließt Dieter Timpe, dass es unmittelbar nach der Varusniederlage zu einer westwĂ€rtsgerichteten Offensive der aufstĂ€ndischen Germanen gekommen sei,[15] bei der bis auf eines alle römischen Kastelle im rechtsrheinischen Germanien erobert worden seien. Die Köpfe der Getöteten ließ Arminius auf Lanzen an den feindlichen Wall herantragen, um somit die HartnĂ€ckigkeit der Belagerten zu brechen.[16] Als die Germanen das GerĂŒcht vernahmen, Tiberius rĂŒcke mit einem Heer heran, zogen sich viele von ihnen zurĂŒck. Die Römer nutzten ihre Chance und kĂ€mpften sich bis zum Rhein durch.

Motive fĂŒr den Aufstand

Nach Tacitus berief Arminius sich auf das Vaterland, die Ahnen, Tradition, Ruhm und Freiheit.[17] Die antike Historiografie sieht die möglichen GrĂŒnde fĂŒr den Aufstand in der intensiveren Verwaltung und Rechtsprechung des Varus, dem damit verbundenen Einfluss- und Machtverlust, den Tributforderungen und dem durch die Quellen bezeugten arroganten und unsensiblen Auftreten des Varus und weiterer Römer gegenĂŒber den Cheruskern und anderen am Aufstand beteiligten StĂ€mmen. Römische Sitten und BrĂ€uche wurden in Germanien abgelehnt. Arminius mag auch nach Macht ĂŒber andere cheruskische und sonstige am Aufstand beteiligte StĂ€mme gestrebt haben oder von einem Ehrbegriff geleitet worden sein.[18]

Leben nach der Varusschlacht

Weitere Konflikte mit Rom

Die römische Niederlage bedeutete zwar einen großen RĂŒckschlag, jedoch noch nicht den endgĂŒltigen RĂŒckzug der römischen Germanienpolitik auf die Rheingrenze. Unter der militĂ€rischen FĂŒhrung des Tiberius wurde die Flotte wieder eingesetzt, die drei verlorenen Legionen wurden sofort ersetzt und ihre Zahl auf acht erhöht. Der einzige Zeitzeuge Velleius Paterculus berichtet von bedeutenden militĂ€rischen AktivitĂ€ten unter dem Kommando des Tiberius, bei denen weite Teile Germaniens verwĂŒstet worden seien. Allerdings ist das Ergebnis der FeldzĂŒge in den weiteren Quellen widersprĂŒchlich dargestellt,[19] weshalb nicht sicher ist, was Tiberius in den Jahren 10 bis 12 erreichte. Er soll nur mit Ă€ußerster Vorsicht und strenger Disziplin versucht haben, in Germanien vorzudringen.

Wohl in Erwartung weiterer Auseinandersetzungen mit Rom strebte Arminius daher ein BĂŒndnis mit dem Markomannenkönig Marbod an; der abgetrennte Kopf des Varus wurde an Marbod gesandt. Marbod lehnte das BĂŒndnisangebot des Arminius ab und schickte den Kopf an Augustus. Der Princeps soll, als er von der Niederlage erfuhr, seine Kleider zerrissen und ausgerufen haben: „Quintilius Varus, gib mir die Legionen zurĂŒck!“[20] Augustus ließ das Haupt des Varus ehrenvoll im Familiengrab bestatten.[21]

Im Jahre 13 ĂŒbergab Augustus Germanicus, dem von Tiberius adoptierten Sohn des Drusus, die Befehlsgewalt ĂŒber die Truppen. Mit acht von 25 Legionen befehligte er fast ein Drittel der gesamten römischen Streitmacht und damit ein wesentlich grĂ¶ĂŸeres Heer als Varus.

Die antiken Autoren ĂŒberliefern keine konkreten Zahlenangaben zum Arminiusheer, weshalb dessen StĂ€rke wĂ€hrend der Auseinandersetzungen mit Germanicus in den Jahren 14 bis 16 n. Chr. in der Forschung unterschiedlich eingeschĂ€tzt worden ist. So hat Kurt Pastenaci eine Zahl von 40.000 Mann angenommen,[22] neuere SchĂ€tzungen gehen von etwa 50.000 Mann aus,[23] mit betrĂ€chtlichem Spielraum nach oben und unten.

In den Jahren 14 bis 16 n. Chr. fĂŒhrte Arminius eine erweiterte Koalition germanischer StĂ€mme in Abwehr der von Germanicus gefĂŒhrten römischen Wiedereroberungsexpeditionen. Trotz gegenteiliger Darstellungen war der grĂ¶ĂŸte Erfolg des römischen Unternehmens lediglich die Gefangennahme Thusneldas, der Ehefrau des Arminius.[24]

Thusnelda wurde im Jahr 15 n. Chr. von Germanicus gefangen, als ihr Vater Segestes sie dem Römer auslieferte. Sie war zu dieser Zeit schwanger und brachte in der Gefangenschaft ihren Sohn Thumelicus zur Welt, der in Ravenna aufwuchs. Der von Tacitus[25] angekĂŒndigte Bericht ĂŒber dessen weiteres Schicksal ist nicht erhalten; vielleicht starb er also zur Zeit einer „LĂŒcke“ in den Annalen, etwa 30–31 n. Chr. Möglicherweise war er 47 n. Chr. bereits tot, als sich die Cherusker von Kaiser Claudius den Italicus zum König erbaten.[26] Sichere Belege gibt es jedoch nicht.

In der ersten Schlacht, nicht weit vom Ort der Varusschlacht, lockte Arminius die römische Reiterei in eine Falle. Jedoch hatte Germanicus rechtzeitig seine Legionen herangefĂŒhrt, so dass der Kampf unentschieden endete.[27] Danach zog sich Germanicus an die Ems zurĂŒck, wobei er die HĂ€lfte seiner Armee unter der FĂŒhrung des Caecina stellte; diese Armee sollte ĂŒber die langen BrĂŒcken nach Vetera marschieren und entlang der NordseekĂŒste den Rhein erreichen. Arminius ĂŒberholte die Legionen Caecinas in EilmĂ€rschen und wartete, bis die Römer ein Lager aufbauten, bevor er sie angriff. Es kam zu einer mehrtĂ€gigen Schlacht, die, wie von Tacitus[28] beschrieben, zunĂ€chst große Ähnlichkeit mit der Varusschlacht aufwies. Doch am letzten Tag, als die Römer geschlagen und entmutigt in ihrem Lager saßen, riet Arminius’ Onkel Inguiomer zum Angriff auf das Lager. Arminius plĂ€dierte dafĂŒr, bei der bewĂ€hrten Taktik des Überfalls auf das marschierende Heer zu bleiben, konnte sich aber nicht durchsetzen. Beim folgenden Sturm auf das Lager erlitten die Germanen einen RĂŒckschlag, der aber nur bedeutete, dass der germanische Sieg nicht so vollkommen war wie bei der Varusschlacht. Arminius blieb im Kampf unversehrt, Inguiomer wurde schwer verwundet, und die Reste der Armee Caecinas konnten sich ĂŒber den Rhein retten.

KĂ€mpfe des Jahres 16 n. Chr

Der römische Befehlshaber Germanicus war der Gegner des Arminius in den Jahren 14–16 n. Chr.

Im Jahre 16 n. Chr. unternahm Germanicus mit acht Legionen einen neuen Feldzug gegen die Cherusker und ihre VerbĂŒndeten, um erneut zu versuchen, Germanien zu erobern. Die Cherusker zogen sich hinter die Weser zurĂŒck und die Römer folgten ihnen. Vor der Schlacht lieferten sich Arminius und sein in römischen Diensten stehender Bruder Flavus angeblich ein StreitgesprĂ€ch, wobei sie sich von gegenĂŒberliegenden Seiten der Weser zuriefen. Laut Tacitus vertrat Arminius in diesem GesprĂ€ch das heilige Recht des Vaterlandes, die altĂŒberkommene Freiheit und die germanischen Götter, wĂ€hrend der romfreundliche Flavus seinem Bruder die GrĂ¶ĂŸe Roms, die Macht des Kaisers und die harten Strafen fĂŒr AufstĂ€ndische vorhielt. Flavus versicherte, Thusnelda und ihr Sohn wĂŒrden gut behandelt. Zur Einigung kam es dabei nicht, vielmehr soll Flavus nur von einem Kameraden von einem Gefecht zurĂŒckgehalten worden sein.[29]

Am folgenden Tag ĂŒberschritt Germanicus die Weser und bereitete alles zum Angriff vor. Einen Tag spĂ€ter trafen die Heere bei Idistaviso aufeinander. Tacitus beschreibt die Schlacht als großen römischen Sieg, Arminius wurde in der Schlacht schwer verwundet und konnte nur einer Gefangennahme entkommen, indem er sich das Gesicht mit seinem eigenen Blut bestrich. Trotz großer Verluste waren die Germanen noch stark und kampfeslustig genug, um den Römern erneut entgegenzutreten. Die Germanen wĂ€hlten sich mit dem Grenzwall der Angrivarier wiederum ein gĂŒnstiges Terrain zwischen einem Fluss und WĂ€ldern aus. In der Schlacht vom Angrivarierwall zeigte sich Arminius geschwĂ€cht, entweder wegen der bestĂ€ndigen Gefahren oder weil ihn die Verwundung hemmte. Obwohl die Römer siegten, sah sich Germanicus genötigt, Germanien bereits im Sommer erneut zu verlassen, lange vor einem geplanten RĂŒckzug ins Winterlager. Mit seinem RĂŒckzug an den Rhein war der römische Eroberungsversuch endgĂŒltig gescheitert. Der hartnĂ€ckige germanische Widerstand und die damit verbundenen römischen Verluste erklĂ€ren die Abberufung des Germanicus durch den neuen Kaiser Tiberius und damit den Verzicht auf eine weitere offensive römische Grenzpolitik. Tiberius hielt es fĂŒr das Beste, die Germanen ihren inneren Zwistigkeiten zu ĂŒberlassen.[30]

Interne Stammeskonflikte und Tod

In den Jahren 9 bis 16 n. Chr. gehörten zu den VerbĂŒndeten des Arminius neben den Cheruskern die Brukterer, die Usipeter, Chatten, Chattuarier, Tubanten, Angrivarier, Mattiaker und Lander.[31] Im FrĂŒhjahr 17 n. Chr. kam es zu einer Schlacht gegen Marbod, aus dessen Machtbereich die Semnonen und Langobarden zu Arminius ĂŒbergelaufen waren. Dagegen ging Inguiomer, der Onkel des Arminius, zu Marbod ĂŒber. Marbod wurde von Arminius besiegt und musste sich nach Böhmen zurĂŒckziehen.[32] Jedoch konnte Arminius seinen militĂ€rischen Erfolg nicht weiter ausnutzen, da er nicht in die natĂŒrliche Festung Böhmen eindringen konnte. Danach musste er sich mit innergermanischen RivalitĂ€ten und auf germanischer Seite zahlreichen wechselnden pro- und antirömischen Positionen auseinandersetzen. Vorwiegend (doch nicht stets) auf Seiten der Römer kĂ€mpften die Ubier, die Bataver und teils auch die Friesen.

Die Koalition des Arminius strebte kein eigenes Großreich an, sondern warf vielmehr Arminius vor, die Königsherrschaft ĂŒber ein solches anzustreben. Ein Angebot des ChattenfĂŒrsten Gandestrius, Arminius mit Gift töten zu lassen, lehnte Rom formal ab[33]; ob Rom dennoch versucht haben könnte, seinen Tod herbeizufĂŒhren, ist nicht bekannt. Das brieflich unterbreitete Angebot verdeutlicht nicht nur weitere Spannungen in der FĂŒhrungssippe, sondern einen Bruch des cheruskisch-chattischen BĂŒndnisses. Im Jahre 21 wurde Arminius von Verwandten ermordet. Ein in Niestetal-Windhausen ausgemachtes „Grab des Arminius“ war eine Mystifikation des Generals und hessischen Staatsministers Martin Ernst von Schlieffen (1732–1825), der dieses auf dem Grund seines Gutes Windhausen vermutete.[34]

Quellenlage

Das Wissen ĂŒber Arminius beruht ausschließlich auf römischen Schriftquellen und archĂ€ologischen Funden, da die Germanen keine Schriftkultur besaßen. Die zeitgenössische Historiografie urteilte, dass Verrat Varus zu Fall gebracht habe, und war an der Person des Arminius selbst nicht interessiert. Eine erste beilĂ€ufige ErwĂ€hnung des Arminius findet sich bei Strabon.[35] Velleius Paterculus sieht Varus als den Hauptverantwortlichen fĂŒr die verlorene Schlacht. Er verbindet die HerabwĂŒrdigung des Varus literarisch geschickt mit einer Charakterisierung des Arminius, die zahlreiche Topoi aufweist, worunter scheinbar charakteristische Merkmale verstanden werden, die oft nur die Unkenntnis ĂŒber die tatsĂ€chlichen VerhĂ€ltnisse widerspiegeln. Topoi wurden in der antiken Literatur, besonders in der Ethnografie, hĂ€ufig zur Beschreibung von „Barbaren“ verwendet. So werden die am Aufstand beteiligten Germanen als wild und verlogen charakterisiert.[36] Florus berichtet, die aufstĂ€ndischen Germanen hĂ€tten den römischen Soldaten in der Schlacht bei lebendigem Leib Augen und Zunge herausgerissen.[37]

Erst Tacitus setzt sich intensiv mit Arminius auseinander und misst ihm historische Bedeutung zu. Er kritisiert das Schweigen der zeitgenössischen Autoren im Hinblick auf Arminius:

„Die griechische Geschichtsschreibung kennt ihn nicht, und bei den Römern spielte er nicht die ihm gebĂŒhrende Rolle, da wir die alte Geschichte rĂŒhmend hervorheben und der neuen gleichgĂŒltig gegenĂŒberstehen“.[38]

Die Charakterisierung des Arminius bei Tacitus ist nicht so nĂŒchtern wie die des Velleius Paterculus, da Tacitus anders als dieser Arminius fĂŒr den Untergang der Legionen verantwortlich macht. Allerdings bedient sich auch Tacitus bei seiner Arminiusdarstellung der ĂŒblichen Topoi: Arminius wird als listiger Intrigant dargestellt, der sich rĂŒhmt, die Römer in einem ehrlichen Kampf besiegt zu haben,[39] wĂ€hrend in Rom allgemein bekannt war, dass Varus in einen Hinterhalt gelockt worden war. Gandestrius, der in Rom um Gift bittet, um Arminius zu töten, wird ebenfalls als hinterlistig beschrieben, indem seinem Angebot die römische Position entgegensetzt wird, Rom besiege seine Gegner nicht mit Betrug und Hinterlist, sondern im offenen Kampf. Arminius wird auch als gehĂ€ssig dargestellt: Er verspottet seinen romfreundlichen Bruder Flavus bei einem StreitgesprĂ€ch an der Weser wegen seines verlorenen Auges.[40] Tacitus charakterisiert Arminius in negativem Kontrast zu Segestes, Marbod und Flavus, die zumindest zeitweise eine romfreundliche Position vertraten.

Geografische Beschreibungen der Schlachtfelder, die etwa durch feuchtkaltes Klima, dichte WĂ€lder und moorigen Untergrund geprĂ€gt gewesen seien, werden in der Forschung allgemein als topische Vorstellungen der Römer fĂŒr nördliche LĂ€nder angesehen, die die Autoren mittels einer Ekphrase nutzten. Schlachtdarstellungen, die auf die Varus-Niederlage folgten, wie etwa die Caecinaschlacht, wurden von den antiken Geschichtsschreibern vermutlich auf der Grundlage der detaillierten Berichte zur Varusschlacht nachmodelliert. Dadurch konnten Ereignisse, wie die gelungene Flucht des Caecina im Gegensatz zu Varus, der auf dem Schlachtfeld sein Leben ließ, direkt verglichen werden. Diese Schlachtdarstellungen gelten daher als unhistorisch.[41]

Der von Tacitus geschilderte Zornausbruch (ira) des Arminius nach der Gefangennahme seiner Frau durch die Römer mit kurzzeitigem Wahnsinn (brevis insania) ist vermutlich eine literarische Fiktion, da sich hierin Ansichten der damals sehr populÀren stoischen Schule spiegeln, welche das unbeherrschte Auftreten von Affekten als unrömisch und Kennzeichen eines Tyrannen oder Barbaren auffasste.[42]

Die soziale Struktur der Cherusker wird nur vage ĂŒberliefert. Tacitus gab durch den Begriff der Königsherrschaft und seinen Hinweis auf das Freiheitsverlangen der Cherusker seinem Publikum Assoziationen an das Ende der eigenen tyrannischen Königszeit vor. Er deutet damit eine Adelsherrschaft der Cherusker an, die Arminius abschaffen wollte. Die Amtsgewalten des StammesfĂŒhrers werden nicht beschrieben. Die Bezeichnung FĂŒrst (princeps), durch die Arminius charakterisiert wird, bezeichnet eine freiheitlich-republikanische Herrschaft im Gegensatz zum Begriff des rex (König), mit dem eine tyrannische Herrschaft beschrieben wĂŒrde.[43]

Namensherkunft

Neben der Suche nach dem Ort der Varusschlacht ist die Suche nach dem wirklichen Namen des Arminius die am hĂ€ufigsten diskutierte Frage in der Arminiusforschung. Die antiken Geschichtsschreiber Strabon, Cassius Dio und die Tacitushandschriften legen die Schreibweise Armenius nahe.[44] Velleius Paterculus (um 29/30 n. Chr.) ĂŒberliefert den Namen „Arminius, Sohn des Sigimer“, ohne weitere ZusĂ€tze:

„Damals gab es einen jungen Mann von vornehmer Abstammung, der persönlich tapfer, schnell von Begriff und ĂŒber das Maß der Barbaren hinaus begabt war; er hieß Arminius, der Sohn Sigimers, eines FĂŒrsten dieses Stammes.“[45]

GemĂ€ĂŸ dem ĂŒblichen römischen Sprachgebrauch bezeichnete Armenius einen Bewohner Armeniens. In der Forschung wurde daher vermutet, dass „Arminius“ ein cognomen sei und damit beispielsweise „der Armenische“ bedeuten könne und es sich somit auf einen fĂŒr Armenien zustĂ€ndigen Feldherrn beziehe. Allerdings wurde gegen diese Vermutung eingewandt, dass die entsprechende lateinische Bezeichnung nicht Armenius, sondern Armenicus oder Armeniacus war, wie die spĂ€ter Lucius Verus und Mark Aurel verliehenen Beinamen fĂŒr einen Sieg ĂŒber Armenien zeigen. Eine Ableitung aus dem geographischen Begriff „Armenien“ ist mit den damit verbundenen weitreichenden Konsequenzen fĂŒr die Biographie des jungen Arminius problematisch. Außerdem ĂŒberliefert Velleius niemals die Namensform Armenius, sondern immer nur Arminius.

Der Name Arminius scheint daher originĂ€r römisch und nicht von einem cheruskischen Namen ableitbar zu sein.[46] Da es zur Zeit des Augustus ĂŒblich war, dass ein Nichtrömer bei der BĂŒrgerrechtsĂŒbertragung den Namen des Römers annahm, der ihm dieses Recht verschafft hatte, wird außerdem vermutet, dass ein etruskisches Rittergeschlecht der Arminii Namenspatron gewesen sei und es sich somit bei Arminius um ein nomen gentile handele. Hans Kuhn wies insbesondere darauf hin, dass schon der Stammesname der Cherusker nicht germanischer Herkunft sei und nicht keltisch anzubinden ist. Daher sieht er bei beiden Namen eine Anbindung an indoeuropĂ€isches Sprachgut aus dem sogenannten Nordwestblock.[47]

Der spĂ€ter weitverbreitete Name „Hermann“, aus germ. *Charioman „Heer-mann“ lat. dux belli, fĂŒr Arminius kam erstmals 1530 im Umfeld Martin Luthers auf. Hermann ist somit ein Produkt aus der Zeit der beginnenden Germanenrezeption des Humanismus. Luther bekannte: „Wenn ich ein poet wer, so wollt ich den zelebrieren. Ich hab ihn von hertzen lib“.[48]

Arminius-Siegfried

Im 19 Jh. wurden Parallelen zwischen Arminius und Siegfried aus dem Nibelungenlied gezogen.

1837 versuchte der Germanist Adolf Giesebrecht[49] zu zeigen, dass das Nibelungenlied seinen historischen Ursprung in der Arminiusgeschichte habe und dass Arminius und Siegfried ein und dieselbe Person seien.[50] Diese Überzeugung hatte bereits Karl Ludwig Sand, der Mörder des Schriftstellers August von Kotzebue, kurz vor seiner Hinrichtung 1820 vertreten:

„Will uns die deutsche Kunst einen erhabenen Begriff von Freiheit bildlich geben, so soll sie unsern Hermann, den Erretter des Vaterlandes, darstellen, stark und groß, wie ihn das Nibelungenlied unter den Namen Siegfried nennt, der kein anderer als unser Hermann ist“.[51]

Im 20. Jahrhundert wurde diese These von namhaften Wissenschaftlern – zu den bekanntesten zĂ€hlen hier vor allem Dieter Timpe, Ernst Bickel und Otto Höfler – vertreten. Die BefĂŒrworter einer Parallele zwischen Arminius und Siegfried begrĂŒnden diese zum einem mit dem Namen Sigimer = Siegmar des Vaters von Arminius, bei der der Wortstamm von Generation zu Generation weitergegeben wurde (wie beispielsweise auch bei Segest und Segimund). Durch diese Weitergabe des Wortstammes „Sieg-“ und unter der Annahme, dass Arminius sein Erstgeborener sei, ist vermutet worden, dass der germanische Name des Arminius Siegfried sei. Auch seine Ermordung durch Verwandte wurde bereits hĂ€ufiger als Parallele zum Ende Siegfrieds in der nibelungischen Dichtung angesehen.[52] Der Hildesheimer Silberschatz wurde von Höfler als Tafelgeschirr des Varus und Siegesbeute des Arminius interpretiert. Zum anderen wurde der Bericht des Tacitus, nach dem Arminius noch zu Beginn des 2. Jahrhunderts Gegenstand germanischer Heldenlieder war und die Taten des Arminius gerĂŒhmt und sein tragischer und allzu frĂŒher Tod betrauert werden[53], mit einer Vorform des Nibelungenlieds gleichgesetzt. Jedoch ist diese Tacitus-Stelle umstritten, da unsicher ist, ob hier tatsĂ€chlich die frĂŒhesten germanischen Heldenlieder geschildert werden oder ob Tacitus nur einen Topos antiker Ethnografie aufnimmt. Die von Tacitus beschriebenen GesĂ€nge, in denen an Arminius erinnert worden sei, wurden als Preislieder angesehen, die nicht unbedingt Vorformen von Heldendichtung gewesen sein mĂŒssen. Weitere Parallelen zwischen Arminius und Siegfried wurden darin gesehen, dass beide Figuren heimtĂŒckisch durch die Verwandtschaft ermordet wurden. Die von Höfler in den Jahren 1961 bis 1978 publizierte Hypothese ĂŒber die Verwurzelung der Figur des Drachenkampfes in dem Sieger der Varusschlacht hat die moderne Forschung nicht ĂŒberzeugen können. Die Hypothese wird kritisch bewertet als eine Ausformung des wissenschaftlichen Positivismus in der durch die Romantik geprĂ€gten GrĂŒndungszeit der Germanistik. Von der Lokalisierung der Varusschlacht ĂŒber die Gleichsetzung von Arminius und Siegfried bis zur Symbolisierung der Schlacht als Drachenkampf ist kein Glied der Argumentationskette gesichert. Ferner wird die Bedeutung verschriftlichter mĂŒndlicher Überlieferung geringer eingeschĂ€tzt als noch vor einem Jahrzehnt.[54] Eine Verbindung zwischen dem Sieg des Arminius und dem Nibelungenlied bleibt insbesondere wegen des mehr als zwölf Jahrhunderte umfassenden Zeitabstands zwischen historischem Ereignis und seiner Verschriftlichung fraglich.

Rezeption

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts

In der Literatur des Mittelalters spielte der CheruskerfĂŒrst keine nennenswerte Rolle. Erst die Wiederentdeckung der Germania des Tacitus im Jahre 1455 im Kloster Hersfeld und der Annalen mit den Abschnitten ĂŒber Arminius im Jahre 1507 im Kloster Corvey weckten das Interesse an den Germanen und an Arminius. Beide Werke bildeten seit dem Zeitalter des Humanismus eine der wichtigsten Grundlagen fĂŒr das um die Person des Arminius entstehende deutsche Nationalbewusstsein. Tacitus schrieb ĂŒber Arminius:

„Er war unbestritten der Befreier Germaniens“ (liberator haud dubie Germaniae).[55]

Unter Bezug auf diese Worte wurde Arminius in der deutschen Literatur seit dem 16. Jahrhundert zur nationalen Symbolfigur erhoben.

Bereits 1529 rĂŒhmte Ulrich von Hutten den Cherusker Arminius in seinem Arminius-Dialog als „ersten Vaterlandsverteidiger“, um somit den Deutschen seiner Zeit eine gemeinsame kulturelle IdentitĂ€t sowie moralische und militĂ€rische Überlegenheit zuzuschreiben. In diesem Dialog wird Arminius in eine Reihe mit den grĂ¶ĂŸten Feldherrn der Antike gestellt – Alexander dem Großen, Hannibal und Scipio dem Älteren. Am Ende dieses Dialogs erscheint Arminius als wĂŒrdig, „König der Deutschen“ zu werden, nicht nur ein König unter vielen StĂ€mmen. Ähnlich wurde diese Thematik unter anderem von Beatus Rhenanus und Philipp Melanchthon bearbeitet. Reformatorische Kreise sahen in Arminius’ Kampf gegen die römische Herrschaft eine historische Parallele fĂŒr ihren Konflikt mit der römischen Kirche.

Im 16. und 17. Jahrhundert entstanden in großer Zahl weitere Fassungen, die zunehmend als Unterhaltungsliteratur geschrieben wurden, bei denen die AusschmĂŒckungen zunahmen und der historische Arminius in den Hintergrund trat. Die Idee, den Arminius-Stoff auf der BĂŒhne zu prĂ€sentieren, stammte aus Frankreich, wo Jean-Galbert de Campistron 1684 eine Tragödie in Paris urauffĂŒhrte. Die Franzosen machten aus dem Arminiusstoff eine Geschichte von LiebesrivalitĂ€ten um Thusnelda. Die Helden der Autoren waren große Persönlichkeiten, welche adlige Tugenden von mutiger Entschlossenheit, Großherzigkeit und Opferbereitschaft auf den Weg zur großen Liebe verkörperten. In Frankreich wurden diese Tugenden umso mehr gepriesen, je mehr der alte Adel durch das französische Königtum in die Defensive geriet. Im Zeitalter des Barock sahen sich die Franzosen ebenfalls als Nachkommen der Germanen und störten sich noch nicht daran, dass die Deutschen Arminius ihrerseits als Vaterlandsbefreier ansahen. Das Libretto Giovanni Claudio Pasquinis stellt das Liebespaar Arminius und Thusnelda in den Mittelpunkt, Hauptgegner ist Segestes, der eine VerstĂ€ndigung mit den Römern anstrebt. Besonders im Barock war das Publikum im Wesentlichen an der tragischen Liebesgeschichte von Arminius und Thusnelda interessiert. Antagonisten sind nicht Varus oder andere Römer, sondern stets der Germane Segestes, der seine Landsleute verrĂ€t und die eigene Tochter dem Feind ausliefert.

Eine bedeutende historische Interpretation des Arminius-Stoffes wĂ€hrend des Barocks war der 1689 postum erschienene Roman Großmuethiger Feldherr Arminius von Daniel Caspar von Lohenstein. Hierin versinnbildlicht Arminius Kaiser Leopold I., und auch die weiteren Personen reprĂ€sentieren großenteils Zeitgenossen des Autors. Im Vordergrund stehen die KĂ€mpfe zwischen Germanen und Römern, die als Parallele des DreißigjĂ€hrigen Krieges gedacht sind, sowie die politischen Folgen. Lohenstein schilderte daher die Gegenwart im Gewande der alten Geschichte. Unter dem Eindruck der nationalen Zerrissenheit durch die Folge des DreißigjĂ€hrigen Krieges propagierte er, dass nur durch den Verzicht auf partikulare Interessen und die Unterordnung der deutschen FĂŒrstentĂŒmer unter die kaiserliche AutoritĂ€t des Habsburgers in Zukunft ein starkes Reich entstehen könne. Lohenstein sieht Arminius als Vorbild fĂŒr die Einigung der ReichsstĂ€nde unter dem Kaiser gegen Ă€ußere Feinde, nĂ€mlich die Franzosen und TĂŒrken.

Arminius findet als Symbolfigur vaterlĂ€ndischer Tugenden, altdeutscher Heldengesinnung und eigenstĂ€ndiger Nationalkultur in der Ode Hermann und Thusnelda von 1752 Eingang in die Lyrik und spĂ€ter in den drei Barditen Hermanns Schlacht (1769), Hermann und die FĂŒrsten (1784) und schließlich Hermanns Tod (1787) von Friedrich Gottlieb Klopstock. Mit den drei Barditen wollte Klopstock an die von Tacitus ĂŒberlieferten SchlachtgesĂ€nge (barditus) anknĂŒpfen. Sie bedienen sich in der Schilderung des Geschehens zwischen Varusschlacht und der Ermordung Hermanns nicht nur eines neuen lyrisch-deklamatorischen Tons, sondern wirken auch besonders opernhaft-stilisiert in den zum Ausdruck gebrachten GefĂŒhlen. Das Blutmotiv, das sich hĂ€ufig in Klopstocks Barditen findet, verherrlicht die Bereitschaft, sein eigenes Leben fĂŒr das Vaterland zu opfern:

„Aber singt mir nun das Lied derer, die ihr Vaterland mehr als ihr Leben liebten. Denn ich sterbe! Alle: O Vaterland! o Vaterland! Mehr als Mutter, und Weib und Braut! Mehr als blĂŒhender Sohn Mit seinen ersten Waffen!“[56]

In Klopstocks Barditen, den religiös-patriotischen WeihegesÀngen, wird Arminius somit zum Vorbild wahrer Vaterlandsliebe stilisiert.

Im 18. Jahrhundert kamen weitere politische Aspekte bei der Umsetzung des Arminius-Stoffes hinzu, besonders der Kampf des Partikularismus gegen die Zentralgewalt. Die Idee, dass Arminius von seinen Verwandten an einer dauerhaften Errichtung einer Zentralgewalt gehindert worden sei, wurde als das tragische und mahnende Beispiel seiner Zeit angesehen, so von Justus Möser, der den politischen Zusammenhalt der deutschen Gebiete nach innen literarisch unterstĂŒtzen wollte.

Der Arminiusstoff inspirierte im 17. und insbesondere im 18. Jahrhundert die gesamte deutsche Geisteselite: Johann Elias Schlegel (1743), Christoph Otto von Schönaich (1751), Christoph Martin Wieland (1751), Jakob Bodmer (1756), Friedrich Hölderlin (1796) und schließlich auch Johann Wolfgang von Goethe, der 1801 an einem Entwurf arbeitete. Das 18. Jahrhundert war zugleich mit mindestens 75 komponierten Werken Höhepunkt der Arminius-Opern.[57]

Nationaler Mythos im 19. Jahrhundert

Hermannsschlacht, Kronprinz Friedrich Wilhelm, 1810
Grab des Arminius, Caspar David Friedrich, 1812
Die Hermannsschlacht, TheaterankĂŒndigung des Kleist-Dramas von 1923
Hermann zersprengt die Ketten von Germania (Karl Russ, Radierung, Leipzig 1813)
Hermann Heights Monument in New Ulm, Minnesota, USA, von deutschen Einwanderern bis 1897 errichtet.

Vor allem im 19. Jahrhundert wurde die Person des Arminius als „Hermann der Cherusker“ zunehmend von deutschnationalen Chauvinisten vereinnahmt. Beginnend mit den Befreiungskriegen gegen die französische Besatzung galt die Abgrenzung nach außen als zentrale Thematik des Arminius-Stoffes. Friedrich Ludwig Jahn machte sich in seinem 1810 zum ersten Mal erschienenen folgenreichen Buch Deutsches Volksthum Gedanken darĂŒber, wie mit der Erinnerung an den von ihm „Volksheiland“ genannten Hermann als Sieger in der „Hermannsschlacht“ und an Heinrich den Großen (919–936) als „Staatsretter“ gegenĂŒber den Ungarn nationale Erweckungsfeiern eingerichtet werden können.[58] Der Maler Caspar David Friedrich, ein AnhĂ€nger der patriotischen Bewegung der Deutschen Burschenschaft, fĂŒr die Jahns Buch zur PflichtlektĂŒre wurde,[59] spielte in der symbolischen Bildsprache seines Werkes Grab des Arminius auf die politischen Ereignisse an. WĂ€hrend der Kriege gegen Napoleon wurde der als Hermannsschlacht interpretierte Sieg des Arminius fĂŒr die Deutschen zum Symbol der Selbstbehauptung und der Befreiung von den Franzosen.

Die bekannteste Bearbeitung des Arminius-Motivs dieser Zeit, die Hermannsschlacht Heinrich von Kleists, die dieser unter dem Eindruck der napoleonischen Besetzung eines Teils Deutschlands im Jahre 1808 schrieb, verknĂŒpft den politischen Mythos mit der tagespolitischen Situation. Die Römer symbolisieren die napoleonischen Besatzer und werden subtil beschrieben, wĂ€hrend auf der Gegenseite die Cherusker Preußen darstellen. Unter den uneinigen deutschen StammesfĂŒrsten erkennt nur der „Preuße“ Arminius die Notwendigkeit eines germanischen Widerstandes. Hermann wird in diesem Schauspiel edeldenkend, politisch selbstbewusst, tatkrĂ€ftig und wirkungsvoll dargestellt.

Die Hermannsschlacht wurde erst 1860 uraufgefĂŒhrt. Ab den deutsch-französischen Kriegen und der deutschen ReichsgrĂŒndung wurde das Werk hĂ€ufiger inszeniert. Noch zu Beginn des Ersten Weltkriegs verkĂŒndeten Boten im Berliner Schillertheater zwischen den Akten dieses Dramas Siegesmeldungen von der französischen Front.[60]

Deutlicher als bei Kleist wurde der Bezug zu Frankreich in der zeitgenössischen Lyrik, die deutsche Soldaten gegen französische Truppen unter Bezug auf die „Hermannschlacht“ ins Feld ziehen ließ. Deutsche Soldaten wurden „Cherusker“ oder „Enkel Hermanns“ genannt.[61] Unter demselben Titel verfasste 1835 Christian Dietrich Grabbe ein TheaterstĂŒck, mit dem er seine Sehnsucht nach einem freien, geeinten Deutschland zum Ausdruck bringen wollte und die Bedeutung des Arminius fĂŒr die deutsche Geschichte hervorhob.

Die Darstellung des Arminius in der Oper Ă€nderte sich ebenfalls im 19. Jahrhundert. In den Jahren 1813 bis 1850, als zwölf weitere Arminius-Opern entstanden, war das Hauptthema nun nicht mehr die Liebesgeschichte zwischen Arminius und Thusnelda, sondern die „Befreiung Deutschlands“ durch den Freiheits- und Nationalhelden Arminius. Allein drei Opern zwischen 1835 und 1848 tragen den Titel Hermannsschlacht. Weiterhin betitelte der Komponist Franz Volkert seine 1813 in Wien uraufgefĂŒhrte Oper Hermann, Germania’s Retter, und die von Hermann KĂŒster 1850 in Berlin uraufgefĂŒhrte Arminius-Oper heißt Herrmann der Deutsche.

Auch in der bildenden Kunst wurde der Arminius-Stoff in nationalistischer Funktion aufgearbeitet. Bereits 1768 forderte Cornelius von Ayrenhoff alle FĂŒrsten Deutschlands auf, Arminius ein Denkmal zu setzen, um so die Nation mit den grĂ¶ĂŸten ihrer Helden bekannter zu machen und durch die Thaten ihrer Voreltern das Feuer der Tapferkeit und des erloschenen Patriotismus in ihr zu entflammen.[62] In der Folge wurden zahlreiche DenkmĂ€ler projektiert, jedoch nicht verwirklicht. Eine Ausnahme war der Vorschlag des Bildhauers Ernst von Bandel, der wegen seiner patriotischen Gesinnung Arminius ehren wollte. Bandel ging davon aus, dass die Schlacht im Teutoburger Wald stattgefunden habe. Die Entscheidung, das Denkmal auf der Grotenburg zu erbauen, wurde jedoch aus praktisch-Ă€sthetischen Überlegungen getroffen. 1838 begann der Bau des Hermannsdenkmals. Vier Jahre spĂ€ter wurde auf Anweisung des bayerischen Königs Ludwig I. die Hermannsschlacht im Giebelfeld der an der Donau neuerrichteten Walhalla in Stein verewigt.

Kurz nach dem Baubeginn des Hermannsdenkmals erschien 1844 Heinrich Heines Werk Deutschland. Ein WintermĂ€rchen, in dem er die nationale Begeisterung fĂŒr den Arminius-Mythos ins LĂ€cherliche zog:

„Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann / mit seinen blonden Horden / so gĂ€b’ es die deutsche Freiheit nicht mehr / wir wĂ€ren römisch geworden!“[63]

Die tiefergehende ironische Bedeutung dieser Verse war allerdings den wenigsten Zeitgenossen bewusst.

Die Reaktionsphase und das mangelnde finanzielle Interesse brachten den Bau des Denkmals nach der Revolution von 1848/49 bis 1863 zum Stillstand. Erst durch die GrĂŒndung des Deutschen Reiches nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870–1871) und das damit wieder aufkommende NationalgefĂŒhl wurde das Denkmalprojekt wieder populĂ€r. Sowohl der neue deutsche Reichstag als auch Kaiser Wilhelm I. ermöglichten mittels Großspenden 1875 die feierliche Einweihung des Denkmals. Das sieben Meter lange Schwert auf dem Hermannsdenkmal trĂ€gt die Inschrift: „Deutsche Einigkeit meine StĂ€rke – meine StĂ€rke Deutschlands Macht“ (siehe auch Hermannsdenkmal).

Daher steigerte sich der Arminius-Kult in dieser Zeit zu nationalen ÜberlegenheitsansprĂŒchen gegenĂŒber anderen Nationen. So sprach 1872 Felix Dahn in seinem Siegesgesang nach der Varusschlacht: „Heil dem Helden Armin. Auf den Schild hebet ihn. Zeigt ihn den unsterblichen Ahnen: Solche FĂŒhrer wie den gib uns, Wodan, mehr – und die Welt, sie gehört den Germanen!“[64] Als Symbol des „Deutschen“ schlechthin wurde Hermann im 19. Jahrhundert auch von Emigranten als Erinnerung an die Heimat verwendet, etwa in New Ulm, Minnesota.

Die nationale Inanspruchnahme des Arminius seit Anfang des 19. Jahrhunderts stand außerdem in einem anti-französischen Kontext (Erbfeindlegende), bei dem das Hermannsdenkmal vor allem in Zusammenhang mit den VercingetorixdenkmĂ€lern in Frankreich zu diskutieren ist. PlĂ€ne zu einem Hermannsdenkmal wurden schon vor der Grundsteinlegung 1838 in der französischen Presse genannt. Die etwa im selben Zeitraum erfolgte „Wiederentdeckung“ des Vercingetorix als französischem Heroen erfolgte als Reaktion auf die Mythifizierung des Arminius in der deutschen Literatur. NapolĂ©on III. stiftete 1865 das erste Vercingetorixdenkmal, das in Form und Inhalt dem Hermannsdenkmal Ă€hnelte. Allerdings wurde Vercingetorix von den Franzosen lange Zeit nicht als Nationalheld vereinnahmt. Erst nach der erneuten Niederlage 1871 wurde die Person ebenfalls als „GrĂŒnder der Nation“ in Abgrenzung zu Deutschland stilisiert. WĂ€hrend das Hermannsdenkmal den Sieg der Deutschen ĂŒber ihre Feinde als dreifache Wiederholung verkörpert (9 n. Chr., 1813/14, 1870/71), verdeutlicht Vercingetorix die Niederlage gegen die Römer (52 v. Chr.); wesentliches Element der französischen Sinnstiftung ist ebenfalls der erstmals als eine Nation gefĂŒhrte Kampf gegen einen Feind (Vereinigung aller gallischen bzw. germanischen StĂ€mme gegen die römische Invasion). Mit der Niederlage des Vercingetorix hielt – aus Sicht der Franzosen – die Zivilisation in Frankreich Einzug, wĂ€hrend Arminius und die Germanen im Barbarentum verblieben. Aus Sicht der Deutschen jedoch entstand mit der erfolgreichen Verteidigung der deutschen (germanischen) Kultur eine KontinuitĂ€t, die die Deutschen im 19. Jahrhundert als Kulturnation, die Franzosen aber durch vielfĂ€ltige BrĂŒche als Staatsnation auftreten ließen. Die antifranzösischen Ressentiments werden im Hermannsdenkmal durch das erhobene Schwert Hermanns dargestellt, das nicht nach SĂŒden (Rom), sondern nach Westen (Frankreich) ausgerichtet ist.

Arminiusbild bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

In der Weimarer Republik diente der Hermannslauf der Deutschen Turnerschaft der Bekundung der staatlichen Einheit und weniger dem Verlangen nach militĂ€rischer SouverĂ€nitĂ€t. Es traten 1925 insgesamt 120.000 Turner aus allen Teilen des Deutschen Reiches zu einem Stern- und Staffellauf an. Der Hermannmythos erlebte aber in den zwanziger Jahren unter dem Einfluss des als nationale Schmach empfundenen Versailler Vertrags eine signifikante Verschiebung. Weg von der Feier eines triumphalen Sieges, hin zur mahnenden Betrachtung des tragischen Bildes eines durch innere Zwietracht um die FrĂŒchte seines Sieges gebrachten und meuchlings ermordeten Helden, als der unter dem Signum der Dolchstoßlegende nun sowohl Hermann als auch in Siegfried gedeutet werden. Der Publizist Otto Ernst Hesse schrieb im Krisenjahr 1923:

Und doch ist es kaum nötig, Arminius zu heroisieren. Die Gegner haben es bereits selbst getan. was wir hinzulesen mĂŒssen [
] ist die Tragödie Hermanns – die Tragödie Deutschlands und des Deutschtums, die da beginnt, wo das deutsche Volk in die Geschichte eintritt.[65]

Die tragische Arminius-Deutung erreichte besondere Wirkungsmacht im völkisch-nationalistischen Diskurs der so genannten konservativen Revolution und ihres Vordenkers Arthur Moeller van den Bruck. In seinem 1923 erschienenen Werk Das Dritte Reich wird den Germanen eine angeblich rassisch begrĂŒndete „Kampfesfreude und KampffĂ€higkeit“ angedichtet, als deren Kronzeuge Arminius erscheint. Dieser habe als charismatischer FĂŒhrer sein Volk herausgerissen aus Festefeiern, MĂŒĂŸiggang und TrĂ€gheit“, und erst die freudige Unterordnung unter seinen Willen habe den Germanen des ersten Jahrhunderts die angeblich wahre Freiheit gebracht. Diese antidemokratische Geschichtsklitterung, die bei den rechten Feinden der Weimarer Republik weit verbreitet war, ließ sich nur allzu leicht im nationalsozialistischen Sinne als Vorbild kĂŒnftiger deutscher Einheit und StĂ€rke unter der FĂŒhrung Adolf Hitlers umdeuten. Im Wahlkampf zur Landtagswahl in Lippe 1933, dem letzten vor der sogenannten „Machtergreifung“, griffen die Nationalsozialisten ausgiebig auf den Hermannmythos zurĂŒck.[66] Ein Wahlplakat etwa zeigte Hitler mit verschrĂ€nkten Armen und entschlossenem Blick vor dem Hintergrund des Hermannsdenkmals und einer aufgehenden Sonne, in deren Mitte das Hakenkreuz stand. Einen Text hatte das Ă€ußerst sprechende Motiv dann nicht mehr nötig.[67]

Nach 1933 wurde die Person des Arminius noch hĂ€ufig literarisch rezipiert, vor allem unter dem Aspekt der populĂ€ren Geschichtsvermittlung. Jedoch distanzierten sich die Nationalsozialisten von der Figur des Arminius, da die konsolidierte nationalsozialistische Herrschaft im „FĂŒhrer“ selbst ihre Leitfigur fand. In der nationalsozialistischen Ideologie leitete der FĂŒhrer die Legitimation seines politischen und militĂ€rischen Handelns nicht aus der Geschichte, sondern aus dem eigenen Wollen ab. Neben ideologischen Aspekten spielten auch außenpolitische Aspekte bei der Distanzierung zu Arminius eine Rolle, besonders die RĂŒcksicht auf den italienischen VerbĂŒndeten. Im Jahr 1936 wurde bei einem Staatsbesuch Benito Mussolinis auf Anweisung der Reichskanzlei das Hermannsdenkmal aus dem Programm genommen, da man befĂŒrchtete, es könne ihn beleidigen. In der ganzen Zeit des Nationalsozialismus gab es keine spektakulĂ€re Großveranstaltung am Hermannsdenkmal. Das fehlende Interesse an der Arminiusgestalt zeigt sich auch darin, dass keine einzige Wehrmachts- oder SS-Einheit, kein Feldzugsplan, Kommandounternehmen oder Schiff den Namen Arminius trug.[68] Eine Ausnahme waren die GobelinentwĂŒrfe von Werner Peiner. Hitler hatte 1940 acht Gobelins, die fĂŒr die Marmorgalerie der neuen Reichskanzlei bestimmt sein sollten, in Auftrag gegeben, die acht große Schlachten, beginnend mit der Hermannschlacht, darstellen sollten. Der Politikwissenschaftler Herfried MĂŒnkler fĂŒhrt das geringe Interesse der Nationalsozialisten an der Arminius-Gestalt darauf zurĂŒck, dass „ihr Interesse mehr der germanischen Expansion galt als der Verteidigung des «heimatlichen Bodens».“ Als dann 1944 die Heere der Alliierten bis nach Deutschland vordrangen, sei es fĂŒr eine Wiederbelebung des Arminiuskultes zu spĂ€t gewesen.[69]

Belletristische Gegenwartsliteratur

Wie schon im 19. Jahrhundert werden mit vermehrtem Interesse wieder seit der Identifikation von Kalkriese als Schlachtenort historische Romane in insgesamt erheblicher Zahl veröffentlicht. Die geringen biografischen Informationen ĂŒber die Person des Arminius haben Autoren zu Abenteuerromanen ĂŒber Arminius inspiriert, in denen die Liebesgeschichte zwischen Arminius und Thusnelda und der Freiheitskampf in den Vordergrund rĂŒcken.

Moderne Statue des römischen Oberbefehlshabers Varus, der gegen Arminius in der sogenannten Varusschlacht seinen Untergang fand.

Eine der zahlreichen Bearbeitungen des Arminiusstoffes ist ein 1993 veröffentlichter, geschichtsbezogener Roman von Jutta Laroche,[70] die Arminius eine homosexuelle Beziehung zu Varus zuschreibt, trotz seiner spÀteren Ehe mit Thusnelda.[71]

Ein Roman ĂŒber Arminius aus dem Jahr 2001 bildet den Abschluss der fĂŒnfbĂ€ndigen Germanensaga von Jörg Kastner. Hauptfigur ist neben Arminius dessen fiktiver Blutsbruder Thorag, der Protagonist der vorherigen BĂ€nde. Die Geschichte beginnt nach der Befreiung der Ehefrau Thorags aus römischer Geiselhaft im Jahre 19 und stellt in diesem Rahmen dar, wie die BlutsbrĂŒder gegen Intrigen der GermanenstĂ€mme kĂ€mpfen und sich gleichzeitig gegen die römischen Aggressoren wehren. Sie endet mit dem Tod des Arminius.[72]

Iris Kammerer lĂ€sst in ihrer Trilogie zu den römisch-germanischen Auseinandersetzungen zwischen der Varusschlacht im Jahre 9 und dem Ende der Germanicus-FeldzĂŒge im Jahre 16 Arminius ebenso wie Tiberius und Germanicus als wichtige Nebenfiguren auftreten. Anders als Kastner macht Kammerer einen fiktiven römischen Offizier zur Hauptfigur, der zeitweise in germanischer Geiselhaft lebt und spĂ€ter zu einem wichtigen Verbindungsmann zwischen den Kriegsparteien wird.[73]

Daneben gibt es zahlreiche andere Bearbeitungen, die aber teilweise den Schwerpunkt nicht auf die Person des Arminius legen, sondern auf die Varusschlacht. So wurde diese Schlacht dreimal fĂŒr das Kino verfilmt (UrauffĂŒhrungen in Deutschland 1924, 1977 und 1995: siehe Verfilmungen der Varusschlacht).

Moderne Forschung

Kontroversen

In der neueren Forschung wurden besonders zwei Thesen zu Arminius kontrovers diskutiert:

Nach Dieter Timpe, dessen 1970 veröffentlichte Arminius-Studien eine neue Phase der sachbezogenen Forschung zu Arminius einleiteten, war Arminius ein unter Eid stehender römischer Befehlshaber, der Aufstand damit eine Meuterei der germanischen Auxiliareinheiten gegen die Legionen des Rheinheeres. Ursache der Varusschlacht sei also nicht ein auf breiter Basis gefĂŒhrter Volkskampf gewesen, sondern eine interne militĂ€rische Revolte.[74] Der römische Kaiser Augustus habe dies verschwiegen, um davon abzulenken, dass die Rebellion aus der Mitte des eigenen Heeres kam. Denn damit wĂ€re eine der GrundstĂŒtzen der militĂ€rischen Strategie in Frage gestellt worden, nĂ€mlich die Verwendung grĂ¶ĂŸerer germanischer Auxiliartruppen. Diese Hypothese sorgte besonders außerhalb der Wissenschaft fĂŒr heftige Diskussion und stĂ¶ĂŸt in der heutigen Geschichtswissenschaft auf geteilte Zustimmung. FĂŒr sie spricht, dass Augustus Rekrutierungsschwierigkeiten nach der Varusniederlage hatte.[75] Mit seiner Hypothese, nach der Arminius lediglich der heimtĂŒckische, eidbrĂŒchige AnfĂŒhrer einer Meuterei von germanischen Hilfstruppen war, schuf Timpe einen Kontrapunkt zu der konservativ-pathetischen-nationalen Geschichtstradition, die Arminius als den umsichtigen FĂŒhrer der germanischen Freiheitsbewegung ansah.[76]

Reinhard Wolters lehnte die Timpe-These strikt ab, dennoch schlussfolgert er, dass durch die Rekrutierungsschwierigkeiten die germanischen Kontingente in grĂ¶ĂŸerer Anzahl beansprucht wurden.[77] Andererseits wird die These durch die Ausgrabungen am Kalkrieser Berg gestĂŒtzt, bei denen keinerlei Waffen oder Trachtbestandteile germanischer Stammeskrieger gefunden wurden.[78] Gegen die These Timpes wurde weiterhin argumentiert, dass der Titel eines römischen Ritters fĂŒr diese These nichts hergebe, da die Karrieren der FĂŒhrer der sich herausbildenden regulĂ€ren Auxiliareinheiten in dieser Zeit zu unterschiedlich waren und der Titel nicht einmal die Regel war.[79] Außerdem erwĂ€hne keine einzige Quelle die Rebellion einer Auxiliareinheit gegen die Legionen des Varus, obwohl dies ein schwerwiegender Vorfall gewesen wĂ€re. Gegen die Formulierung Timpes „einer internen militĂ€rischen Revolte“ hat der Göttinger Althistoriker Gustav Adolf Lehmann eingewandt, dass die Darstellungen von Cassius Dio[80] und Tacitus[81] die antirömische Erhebung ausdrĂŒcklich als gemeinsame Sache von principes (Stammesadel) und plebs (Volksmasse) des cheruskischen Stammes hervorheben.[82]

Des Weiteren ist die Interpretation einer Passage bei Velleius „adsiduus militiae nostrae prioris comes“[83] sehr umstritten. Ernst Hohl hat sie mit „stĂ€ndiger Begleiter meiner frĂŒheren Dienstzeit“ ĂŒbersetzt,[84] wĂ€hrend militia bisher als „Feldzug“ verstanden wurde. Durch diese These kam Hohl zur Schlussfolgerung, dass der Cherusker als ritterlicher Offizier im Heer des Augustus dieselbe Laufbahn wie Velleius und gleichzeitig mit ihm zurĂŒckgelegt habe. Dadurch wĂŒrde sich auch der Lebenslauf des Arminius grundlegend Ă€ndern. Nach der These Hohls sĂ€he der Lebenslauf des Arminius folgendermaßen aus:

  • 19 v. Chr. Geburt.
  • um 8 v. Chr. als römische Geisel Aufnahme in die Prinzenschule auf dem Palatin.[85]
  • um 1 v. Chr. Eintritt in die Armee als römischer Tribun.
  • Teilnahme am Orientfeldzug des C. Caesar, wobei er sich den Namen „der Armenier“ (Armenius) erwarb (bzw. sein Name so geprĂ€gt wurde).
  • 6 n. Chr. Ende der römischen Karriere und RĂŒckkehr in die Heimat der Cherusker.

Die Mehrheit der Forscher ist der These Hohls jedoch weitgehend nicht gefolgt. Gegen sie wurde unter anderem argumentiert, dass die Worte adsiduus comes auch nur ein „lĂ€ngeres Beisammensein“ bedeuten können, was die Interpretation Hohls entscheidend abschwĂ€chen wĂŒrde. Weiterhin wurde argumentiert, dass die Velleiusstelle nicht tragfĂ€hig genug sei, um weitreichende Folgerungen fĂŒr die Biografie des Arminius zu ziehen. Auch ist ĂŒber den angeblichen Eintritt des Arminius in eine römische Prinzenschule sonst nichts bekannt.

Darstellungen

Aufgrund des Abzugs der Leibwache durch Augustus hielt Dieter Timpe nach der Varusniederlage Verbindungen zwischen Arminius und der Leibwache in Rom fĂŒr wahrscheinlich, die Augustus dazu veranlasst hĂ€tten, diese zu entlassen. Allerdings widerspricht dieser These die RĂŒckfĂŒhrung der germanischen Leibwache nach Rom wenige Jahre spĂ€ter, die von Tacitus bezeugt wird.[86]

Das sorgfĂ€ltige Quellenstudium Timpes hat dazu beigetragen, dass bei den Ausgrabungen von Kalkriese keine nationalen ÜberschwĂ€nglichkeiten aufkamen. Die Studien Timpes legen auch heute noch den Grundstein fĂŒr die weitere aktuelle Forschung ĂŒber Arminius und die römisch-germanischen Beziehungen zu seiner Zeit.

Barbara Patzek hat 1988 die Varusschlacht und die anschließenden Auseinandersetzungen zwischen Römern und den Germanen ethnografisch begrĂŒndet. Ein Teil der Germanen habe sich durch die Begegnung mit der römischen Kultur in einem Ă€ußerlich nicht bemerkbaren Zustand der Verunsicherung befunden. Durch die Erziehung adliger Söhne in Rom, zu denen Arminius gehörte, habe der Fast-Römer Arminius die intellektuelle FĂ€higkeit gewonnen, die römische Kultur abzulehnen und dieses Unbehagen der Germanen gegenĂŒber der römischen Kultur zu formulieren und politisch umzusetzen. Dementsprechend interpretiert Patzek die Varusschlacht und die weiteren Auseinandersetzungen nicht als Volksaufstand der Germanen, sondern als Folge einer kulturellen Bewegung.[87]

Alexander Demandt hat 1995 staatsrechtliche Aspekte beim Handeln des Arminius diskutiert. Demandt sieht die Geschichte des Arminius als wichtige Phase der Staatsentstehung. Das Handeln des Arminius bezeichnet er als Ansatz zum Verfassungswandel, wobei sich ein locker gefĂŒgtes Stammeswesen zu einem dauerhaften dynastischen Stammeskönigtum entwickele. Jedoch ist es weder Arminius noch einem anderen westgermanischen Herrscher gelungen, ein Stammeskönigtum zu begrĂŒnden. Die GrĂŒnde dafĂŒr sieht Demandt im Adel, der einerseits die Voraussetzung fĂŒr die Bildung persönlicher Herrschaft ist, andererseits aber die Verfestigung der Monarchie behinderte – beispielsweise wurde Arminius von Verwandten getötet und das Königtum des Marbod gestĂŒrzt. Eine weitere Ursache sieht Demandt in Rom selbst: das Reich habe allgemein Könige unterstĂŒtzt, wenn diese sich in die römische Klientel fĂŒgten, jedoch die Adelsopposition gestĂ€rkt, wenn diese zu stark wurden. Demandt bezieht seine Argumentation hier auf die wirtschaftliche und militĂ€rische StĂ€rke, welche die Germanen zur Abwehr bewegt habe. Diese StĂ€rke spiegele sich darin, dass Arminius die römische Kriegschule durchlief und eng mit der römischen Kultur in BerĂŒhrung kam.[88]

Quellen

  • Cassius Dio: Römische Geschichte. Übersetzt von Otto Veh, Band 3 (= BĂŒcher 44–50) und 4 (= BĂŒcher 51–60), Artemis-Verlag, ZĂŒrich 1986, ISBN 3-7608-3672-0 und ISBN 3-7608-3673-9, (englische Übersetzung bei LacusCurtius; fĂŒr Arminius ist insbesondere das Buch 56 relevant).
  • Velleius Paterculus: Römische Geschichte. Historia Romana. Übersetzt und lateinisch/deutsch herausgegeben von Marion Giebel, Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-008566-7, (lateinischer Text mit englischer Übersetzung, fĂŒr Arminius ist die Stelle 2,118 relevant.)
  • Tacitus: Annalen. Lateinisch/deutsch herausgegeben von Erich Heller, 5. Aufl., Artemis & Winkler, MĂŒnchen/ZĂŒrich 2005, ISBN 3-7608-1645-2, (lateinischer Text; in den Annalen sind fĂŒr Informationen ĂŒber Arminius die Stellen 1,55–68, 2,9–17, 2,44–46 und 2,88 relevant).
  • Hans-Werner Goetz/Karl-Wilhelm Welwei: Altes Germanien. AuszĂŒge aus antiken Quellen ĂŒber die Germanen und ihre Beziehungen zum Römischen Reich. 2 Teile, WBG, Darmstadt 1995, ISBN 3-534-05958-1.
  • Joachim Herrmann (Hrsg.): Griechische und lateinische Quellen zur FrĂŒhgeschichte Mitteleuropas bis zur Mitte des 1. Jahrtausends u. Z. Teil 1: Von Homer bis Plutarch (8. Jahrhundert v. u. Z. bis 1. Jahrhundert u. Z.). Berlin 1988, ISBN 3-05-000348-0; Teil 3: Von Tacitus bis Ausonius (2. bis 4 Jh. u. Z.). Berlin 1991, ISBN 3-05-000571-8.
  • Lutz Walther (Hrsg.): Varus, Varus! Antike Texte zur Schlacht im Teutoburger Wald. Lateinisch-griechisch-deutsch. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 3-15-018587-4.
  • Wilhelm Capelle: Das alte Germanien – Die Nachrichten der griechischen und römischen Schriftsteller. Eugen Diedrichs, Jena 1937.

Literatur

Der historische Arminius

Rezeption der Arminius-Gestalt

  • Paola Barbon/Bodo Plachta: Arminius auf der BĂŒhne des 18. Jahrhunderts. In: Rainer Wiegels, Winfried Woesler (Hrsg.): Arminius und die Varusschlacht. Schöningh, Paderborn/MĂŒnchen/Wien/ZĂŒrich 1995, S. 265–290, ISBN 3-506-79751-4.
  • Henning Buck: Der literarische Arminius. Inszenierungen einer sagenhaften Gestalt. In: Wolfgang SchlĂŒter (Hrsg.): Kalkriese – Römer im OsnabrĂŒcker Land. ArchĂ€ologische Forschungen zur Varusschlacht. Bramsche 1993, S. 267–281.
  • Otto Höfler: Siegfried, Arminius und der Nibelungenhort. Wien 1978, ISBN 3-7001-0234-8.
  • Otto Höfler: Siegfried, Arminius und die Symbolik. Heidelberg 1961.
  • Stefan Mischer, Ullrich MĂŒller u.a.: Die Hermannsschlacht. DVD-Spielfilm, Dokumentation und Interviews, Hamburg 2005.
  • Hans Gert Roloff, Der Arminius des Ulrich von Hutten. In: Rainer Wiegels und Winfried Woesler (Hrsg.): Arminius und die Varusschlacht. Schöningh, Paderborn/MĂŒnchen/Wien/ZĂŒrich 1995, S. 211–238, ISBN 3-506-79751-4.
  • Georg Spalatin: Von dem thewrern Deudschen FĂŒrsten Arminio. Ein kurtzer auszug aus glaubwirdigen latinischen Historien. durch Georgium Spalatinum zusammen getragen und verdeutscht. Georg Rau, Wittenberg 1535.
  • Gerd Unverfehrt: Arminius als nationale Leitfigur. In: Ekkehard Mai, Stephan Waetzoldt (Hrsg.): Kunstverwaltung, Bau- und Denkmalpolitik im Kaiserreich. Berlin 1981, S. 315–340.

Belletristik

Arminius ist in unzÀhligen Dramen und historischen Romanen[89] dargestellt worden, hier einige neuere Bearbeitungen des Stoffes:

Weblinks

 Commons: Arminius â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Tacitus: Annalen 2,88, 2.
  2. ↑ Velleius 2, 118, 2.
  3. ↑ Tacitus: Annalen 2, 10.
  4. ↑ Velleius 2, 118.
  5. ↑ Tacitus: Annalen 2, 10.
  6. ↑ Ernst Hohl: Zur Lebensgeschichte des Siegers im Teutoburger Wald. In: Historische Zeitschrift. Bd. 167, 1943, S. 457–475, hier: S. 459ff.
  7. ↑ Reinhard Wolters: Die Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius, Varus und das römische Germanien. Beck, MĂŒnchen 2008, S. 97. Vgl. dazu auch: Peter Kehne: Der historische Arminius 
 und die Varusschlacht aus cheruskischer Perspektive In: 2000 Jahre Varusschlacht: Mythos. Herausgegeben vom Landesverband Lippe, Stuttgart 2009, S. 104–113, hier: S. 105.
  8. ↑ Cassius Dio 56,19,2.
  9. ↑ Cassius Dio 56,18,5; 56,19,3; Velleius 2,118,4.
  10. ↑ Velleius 2,118,2ff.; Cassius Dio 56,19,2–3.; Florus 2,30,33; Tacitus: Annalen 1,58,2.
  11. ↑ Dazu Jörg Daumer: AufstĂ€nde in Germanien und Britannien. Unruhen im Spiegel antiker Zeugnisse, Frankfurt/Main 2005, S. 93 ff. (EuropĂ€ische Hochschulschriften. Reihe III, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Bd. 1021), ISBN 3-631-54654-8.
  12. ↑ NĂ€here Informationen zu den diesbezĂŒglichen Forschungen und Lokalisierung des Ortes finden sich unter dem Hauptartikel: Varusschlacht
  13. ↑ Velleius 2, 117,1.
  14. ↑ Tacitus: Annalen 1,61.
  15. ↑ Dieter Timpe: Arminiusstudien, S.113.
  16. ↑ Frontin: Strategemata 2,9,4.
  17. ↑ Tacitus: Annalen 2,9-10.
  18. ↑ So Herwig Wolfram: Die Germanen. MĂŒnchen 1995, S. 39.
  19. ↑ Vgl. die unterschiedlichen Darstellungen Velleius 2, 120–121; Sueton: Tiberius 18–20; Cassius Dio 56,24,6.
  20. ↑ Sueton: Augustus 23, 2.
  21. ↑ Velleius 2, 119, 5.
  22. ↑ Kurt Pastenaci: Die Kriegskunst der Germanen. Karlsbad 1943, S. 200.
  23. ↑ Ralf GĂŒnter Jahn: Der Römisch-Germanische Krieg (9–16 n. Chr.). Dissertation, Bonn 2001, S. 117 f.
  24. ↑ Tacitus: Annalen 2,18-22; 1,55.
  25. ↑ Tacitus: Annalen 1, 58, 6.
  26. ↑ Tacitus: Annalen11, 16.
  27. ↑ Tacitus: Annalen 1, 63.
  28. ↑ Tacitus: Annalen 1, 63–69.
  29. ↑ Tacitus: Annalen 2, 9-10.
  30. ↑ Tacitus: Annalen 2, 16-26.
  31. ↑ Zur politischen Parteinahme der germanischen StĂ€mme vgl. Ralf GĂŒnter Jahn: Der Römisch-Germanische Krieg (9–16 n. Chr.). Dissertation, Bonn 2001, S. 117 f.
  32. ↑ Tacitus: Annalen 2, 46.
  33. ↑ Tacitus: Annalen 2, 88.
  34. ↑ Klaus Sippel: Das "Grab des Arminius" bei Gut Windhausen - oder: Hier irrten Sie, Herr Staatsminister!. In: hessenArchĂ€ologie 2009. Jahrbuch fĂŒr ArchĂ€ologie und PalĂ€ontologie in Hessen. Wiesbaden 2010, S. 154ff.
  35. ↑ Strabon 7,1,4.
  36. ↑ Velleius 2,118,1f.
  37. ↑ Florus 2,30,37.
  38. ↑ Tacitus: Annalen 2,88,3.
  39. ↑ Tacitus: Annalen 1,59,3.
  40. ↑ Tacitus: Annalen 2,9,3.
  41. ↑ Vgl. Reinhard Wolters: Die Römer in Germanien. MĂŒnchen 2004, S. 53 f.
  42. ↑ Änne BĂ€umer: Senecas Aggressionstheorie, ihre philosophischen Vorstufen und ihre literarischen Auswirkungen. Frankfurt/Main 1982, S. 77.
  43. ↑ Frank M. AusbĂŒttel: Germanische Herrscher. Von Arminius bis Theoderich. S. 10, 25.
  44. ↑ Cassius Dio 56,19,2.; Strabon 7, 1, 4 und öfter, sowie an einigen Stellen in den Tacitushandschriften (Annalen 1,55, 2,88 und 11,16).
  45. ↑ Velleius 2,118,2.
  46. ↑ Klaus Bemmann: Arminius und die Deutschen, S. 104.
  47. ↑ Heinrich Beck, Horst Callies, Hans Kuhn: Arminius. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Bd. 1, Heinrich Beck, Herbert Jankuhn, Hans Kuhn, Kurt Ranke, Reinhard Wenskus (Hrsg.). de Gruyter, Berlin – New York 1973, S. 417–421.
  48. ↑ Martin Luther: Tischreden 5,415.
  49. ↑ Adolf Giesebrecht: Über den Ursprung der Siegfriedsage. In: Germania 2, 1837, S. 203 ff.; dazu auch Otto Höfler: Siegfried, Arminius und die Symbolik. Heidelberg 1961, S. 22 ff.
  50. ↑ Arminius=Siegfried?
  51. ↑ Carl Courtin: Carl Ludwig Sands letzte Lebenstage und Hinrichtung. Frankenthal 1821, S. 21 (zitiert nach Ulrich Schulte-WĂŒlwer, Das Nibelungenlied in der deutschen Kunst und Kunstliteratur zwischen 1806 und 1871. Phil. Diss. Kiel 1974, S. 74).
  52. ↑ Otto Höfler, Siegfried Arminius und die Symbolik. Mit einem historischen Anhang ĂŒber die Varusschlacht, Heidelberg 1961, S. 60–64.
  53. ↑ Tacitus: Annalen 2,88,3; Tacitus, Germania 2,2.
  54. ↑ Johannes Fried, Der Schleier der Erinnerung. GrundzĂŒge einer histroischen Memorik, MĂŒnchen 2004, S. 255–289.
  55. ↑ Tacitus: Annalen 2,88,2.
  56. ↑ Zitiert nach: Henning Buck: Der literarische Arminius – Inszenierungen einer sagenhaften Gestalt. In: Wolfgang SchlĂŒter (Hrsg.): Kalkriese – Römer im OsnabrĂŒcker Land: ArchĂ€ologische Forschungen zur Varusschlacht. Bramsche 1993, S. 267–281, hier S. 273.
  57. ↑ Reinhard Wolters: Die Schlacht im Teutoburger Wald. Arminius, Varus und das römische Germanien, MĂŒnchen 2008, S. 183.
  58. ↑ Friedrich Ludwig Jahn: Deutsches Volksthum. Hildesheim-New York 1980 (Neudruck der Auflage von 1813), S. 349 f., 359, 389 f., 395.
  59. ↑ GĂŒnther Jahn: Friedrich Ludwig Jahn, Volkserzieher und VorkĂ€mpfer fĂŒr Deutschlands Einigung. Göttingen-ZĂŒrich 1992, S. 33.
  60. ↑ Reinhard Wolters, Die Römer in Germanien. 5., durchgesehene und aktualisierte Auflage, MĂŒnchen 2006, S. 114.
  61. ↑ Vgl. Gerd Unverfehrt: Arminius als nationale Leitfigur. In: Ekkehard Mai/Stephan Waetzoldt (Hrsg.): Kunstverwaltung, Bau- und Denkmalpolitik im Kaiserreich. Berlin 1981.
  62. ↑ Hubert Schrade: Das deutsche Nationaldenkmal. MĂŒnchen 1934, S. 95.
  63. ↑ Heinrich Heine: Deutschland. Ein WintermĂ€rchen. Kap. 11.
  64. ↑ Zitiert nach Reinhard Wolters: Die Römer in Germanien. MĂŒnchen 2004, S. 115.
  65. ↑ Andreas Dörner, Politischer Mythos und politische Symbolik. Der Hermannmythos: zur Entstehung des Nationalbewußtseins bei den Deutschen, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1996, S. 230 ff.
  66. ↑ Andreas Dörner, Politischer Mythos und politische Symbolik. Der Hermannmythos: zur Entstehung des Nationalbewußtseins bei den Deutschen, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1996, S. 234 f.
  67. ↑ Abgebildet bei Hans-Ulrich Thamer, VerfĂŒhrung und Gewalt. Deutschland 1933–1945 (=Die Deutschen und ihre Nation, Bd. 5), Siedler Verlag, Berlin 1994, S. 219.
  68. ↑ Klaus Bemmann: Arminius und die Deutschen, S. 253.
  69. ↑ Herfried MĂŒnkler, Die Deutschen und ihre Mythen, Rowohlt, Berlin 2009, S. 179
  70. ↑ Jutta Laroche: Arminius. FĂŒrst der Cherusker. 1993.
  71. ↑ Rezension zum Roman von Jutta Laroche.
  72. ↑ Jörg Kastner: Arminius, FĂŒrst der Germanen. LĂŒbbe Verlag, 2001, ISBN 3-404-14546-1
  73. ↑ Iris Kammerer: Der Tribun. Heyne, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-453-87359-9 (Rezension). Dies.: Die Schwerter des Tiberius. Heyne, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-453-87360-2 (Rezension). Dies.: Wolf und Adler. Heyne, MĂŒnchen 2007, ISBN 3-453-87362-9.
  74. ↑ Dieter Timpe: Arminiusstudien, S. 49.
  75. ↑ Cassius Dio 56,23,1–3.
  76. ↑ Ernst Hohl: Zur Lebensgeschichte des Siegers im Teutoburger Wald. In: Historische Zeitschrift. Bd. 167, 1943, S. 457–475, hier: S. 474.
  77. ↑ Reinhard Wolters: Römische Eroberung und Herrschaftsorganisation in Gallien und Germanien. Zur Entstehung und Bedeutung der sogenannten Klientel-Randstaaten. Bochum 1990 (Bochumer historische Studien. Alte Geschichte, Nr. 8), S. 228.
  78. ↑ Jörg Daumer: AufstĂ€nde in Germanien und Britannien: Unruhen im Spiegel antiker Zeugnisse. Frankfurt/Main 2005 (EuropĂ€ische Hochschulschriften. Reihe III, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Bd. 1021), S. 97.
  79. ↑ Reinhard Wolters: Römische Eroberung und Herrschaftsorganisation in Gallien und Germanien. Zur Entstehung und Bedeutung der sogenannten Klientel-Randstaaten. Bochum 1990 (Bochumer historische Studien. Alte Geschichte, Nr. 8), S. 214.
  80. ↑ Cassius Dio 56,18,4.
  81. ↑ Tacitus, Annalen 1,55,2f.
  82. ↑ Gustav Adolf Lehmann, Die Varus–Katastrophe aus der Sicht des Historikers, in: Bendix Trier, Rudolf Aßkamp (Hrsg.), 2000 Jahre Römer in Westfalen, Mainz 1989, S. 85–98, hier: S. 94.
  83. ↑ Velleius 2,118,2.
  84. ↑ Ernst Hohl: Zur Lebensgeschichte des Siegers im Teutoburger Wald. In: Historische Zeitschrift 167, 1943, S. 457–475, hier: S. 458.
  85. ↑ Ernst Hohl: Zur Lebensgeschichte des Siegers im Teutoburger Wald. In: Historische Zeitschrift. Bd. 167, 1943, S. 457–475, hier: S. 465.
  86. ↑ Tacitus: Annalen 1,24,2.
  87. ↑ Barbara Patzek: Fremdverstehen in Tacitus' „Germania“. S. 27–51, hier S. 46.
  88. ↑ Alexander Demandt: Arminius und die frĂŒhgermanische Staatenbildung. In: Rainer Wiegels und Winfried Woesler (Hrsg.): Arminius und die Varusschlacht. Schöningh, Paderborn/MĂŒnchen/Wien/ZĂŒrich 1995, S. 185–196.
  89. ↑ Historische Romane ĂŒber Arminius
Dies ist ein als exzellent ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 18. Mai 2007 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen WörterbĂŒchern nach:

  • Arminius — Arminius, also known as Armin or Hermann (18 BC/17 BC AD 21) was a chieftain of the Cherusci who defeated a Roman army in the Battle of the Teutoburg Forest. His tribal coalition against the Roman Empire successfully blocked the efforts of… 
   Wikipedia

  • Arminius —  Cet article concerne le chef de guerre germain. Pour le thĂ©ologien protestant, voir Jacobus Arminius. La statue d Arminius Arminius (16 av. J. C 
   WikipĂ©dia en Français

  • ArminÄ­us [1] — ArminÄ­us (Armin, ein aus deutschem Stamm römisch gebildeter Beiname, der nicht unserm Hermann entspricht), FĂŒrst der Cherusker, geb. 17 v. Chr. als Sohn des CheruskerfĂŒrsten Sigimer, leistete nach der Weise jener Zeit mit seinem Bruder Flavus den 
   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Arminius — Arminius, 1) so v.w. Hermann 1); 2) (Jacob, eigentlich Hermanni od. Harmensen), geb. 1560 zu Oudewater in SHolland, studirte in Basel, Padua u. Rom u. wurde 1587 Prediger in Amsterdam. Es war damals in Holland die Streitfrage, ob der ewige… 
   Pierer's Universal-Lexikon

  • ArminÄ­us [2] — ArminÄ­us, Jakob (eigentlich Harmensen), Stifter der Arminianer (s. d.), geb. 10. Okt. 1560 zu Oudewater in SĂŒdholland, studierte in Utrecht, Marburg und Leiden, hörte 1582 in Genf Beza und besuchte Italien (Rom). 1588 ward er in Amsterdam als… 
   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Arminius — ArminÄ­us (fĂ€lschlich fĂŒr die röm. Form des Namens Hermann gehalten), Befreier Deutschlands vom röm. Joch, geb. 17 v. Chr., Sohn des CheruskerhĂ€uptlings Segimer, vereinte, aus dem röm. Kriegsdienst nach Deutschland zurĂŒckgekehrt, die unzufriedenen 
   Kleines Konversations-Lexikon

  • Arminius [2] — ArminÄ­us, Jakob, BegrĂŒnder der Arminianer (s.d.) 
   Kleines Konversations-Lexikon

  • Arminius — Arminius, s. Hermann 
   Herders Conversations-Lexikon

  • Arminius — Arminius, Jacob 
   Enciclopedia Universal

  • ARMINIUS — Germanorum Cheruscorum Dux fortissimus, qui Varum cum exercitu suo delevit. Dein a Germavico cruencissimĂŽ duplici praeliĂŽ superatus, illĂŽ in Orientem avocatĂŽ, Marroboduum et Inguiomerum patruum sibi adversantes vicit. Tandem au. 12. principatus… 
   Hofmann J. Lexicon universale


Share the article and excerpts

Direct link

 Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.