Akkordlohn

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Akkordlohn

Akkordlohn (pay by the piece; salaire √† la pi√®ce; cottimo), St√ľck- oder Werklohn, Entlohnung des Arbeiters nach der Arbeitsleistung, im Gegensatze zum Zeitlohn (Stunden-, Tag-, Wochenlohn), bei dem die Verg√ľtung nach der Arbeitszeit ohne R√ľcksicht auf die geleistete Arbeitsmenge erfolgt.

Beim Zeitlohn ist der Verdienstbetrag gleich dem Produkt aus dem Lohnsatz f√ľr die Zeiteinheit und der zur Arbeit aufgewendeten Zeit. Hierbei hat der Arbeiter im allgemeinen keine Veranlassung, besonders angestrengt zu arbeiten, da er dadurch seinen Verdienst nicht aufbessert. Es ist allerdings unter einfachen Verh√§ltnissen m√∂glich, dem t√ľchtigeren und flei√üigeren Arbeiter einen h√∂heren Zeitlohn zu bewilligen, als seinen minder t√ľchtigen oder minder flei√üigen Genossen. Dieses Auskunftsmittel versagt aber z.B. in gro√üen Betrieben wegen der Schwierigkeit gerechter Absch√§tzung der T√ľchtigkeit und des Flei√ües vieler Arbeiter, ferner √ľberall dort, wo die Arbeiterschaft stark wechselt u.s.w. Unter solchen Verh√§ltnissen wird der Arbeiter seine Arbeitskraft zu schonen trachten, w√§hrend dem Arbeitgeber an ihrer m√∂glichsten Ausnutzung gelegen ist. Der Zeitlohn hat sich bis jetzt als vorherrschendes Lohnsystem in der Landwirtschaft erhalten.

Beim St√ľck- oder Werklohn wird der Widerstreit zwischen den Interessen des Arbeitgebers und jenen der Arbeitnehmer besser ausgeglichen. Die Zahlung seitens des Arbeitgebers steigt und f√§llt mit dem Wert der Leistungen der Arbeiter, die sich anderseits f√ľr erh√∂hte Anstrengung durch besseren Verdienst belohnt sehen. Dies weckt den Erwerbstrieb und hebt den Eifer des Arbeiters. √úberall, wo es sich um z√§hl- und me√übare, gleichm√§√üig sich wiederholende Einzelleistungen handelt und wo im Gewicht, im Ausma√ü und in der Zahl der gewonnenen, bearbeiteten oder bef√∂rderten Arbeitsst√ľcke ein Ma√üstab f√ľr die erfolgte Leistung liegt und eine Nachpr√ľfung der fertigen Arbeit m√∂glich ist, sind die Voraussetzungen zur Bezahlung nach der Leistung gegeben. Der St√ľck- oder Werklohn entstammt der Hausindustrie und der Bergarbeit. Im 19. Jahrhundert gewann er in der Gro√üindustrie immer mehr Ausdehnung und herrscht in dieser gegenw√§rtig derart vor, da√ü nach Dr. E. Schwiedland in der Gro√üindustrie jetzt 90% aller Arbeiten gegen Werklohn, nur 10% gegen Zeitlohn verrichtet werden.

Der Ermittlung des St√ľcklohnes liegt der durchschnittliche Satz des Zeitlohnes und die mittlere Zeitdauer, die ein Arbeiter mittlerer Leistungsf√§higkeit bei mittlerem Flei√üe f√ľr die Einzelleistung ben√∂tigt, zu gr√ľnde. N√∂tigenfalls wird zur Ermittlung des St√ľcklohnes eine Probearbeit vorgenommen. Der Vorteil f√ľr den f√§higeren oder flei√üigeren Arbeiter liegt darin, da√ü er in gleicher Zeit mehr Arbeitsst√ľcke (Raum-, Gewichtseinheiten) fertigstellt und daher mehr verdient als der mindere Arbeiter. Eine √Ąnderung der St√ľckl√∂hne hat nur dann zu erfolgen, wenn sich die Grundlagen der Preisermittlung wesentlich verschoben haben; so sollte beispielsweise eine Herabsetzung der St√ľckl√∂hne eintreten, wenn verbesserte Arbeitseinrichtungen (Werkzeuge, Arbeitsmaschinen) die Arbeit erleichtern oder beschleunigen; anderseits wird eine Erh√∂hung der orts√ľblichen Zeitl√∂hne die St√ľckl√∂hne steigern.

Handelt es sich um Arbeiten, die ein einzelner Arbeiter allein besorgt, so spricht man von Einzelakkord. Bei gr√∂√üeren Arbeiten, die von einem Arbeiter nicht fertiggestellt werden k√∂nnen, sondern mehreren Arbeitern zu gemeinsamer Ausf√ľhrung √ľberwiesen werden m√ľssen, liegt ein sogenannter Gruppenakkord vor. Der hierbei verdiente Betrag wird unter die einzelnen Arbeiter der Gruppe im Verh√§ltnisse der Zeitl√∂hne der beteiligten Arbeiter verteilt. Die Leistungen jedes einzelnen werden am gerechtesten bezahlt, wenn zu einer Gruppe nur Arbeiter gleicher Leistungsf√§higkeit vereint werden.

Die Beschleunigung der Arbeit sowie die daraus sich ergebende bessere Ausn√ľtzung der vorhandenen Anlagen und verh√§ltnism√§√üige Verringerung der Regiekosten ist wohl der wichtigste Beweggrund f√ľr die Einf√ľhrung des St√ľck- oder Werklohnes, wodurch oft die erzeugte Menge in der gegebenen Zeit verdoppelt wurde. Durch die Schnelligkeit der Arbeit wird aber ihre G√ľte gef√§hrdet, weshalb St√ľck- oder Werkl√∂hnung gemieden wird, wo es auf besondere, tadellose Leistung ankommt. In der Schwierigkeit einer gerechten Festsetzung der St√ľcklohnpreise, die vom Unternehmer h√§ufig derart gedr√ľckt wurden, da√ü der Arbeiter um die Pr√§mie f√ľr besonderen Flei√ü geprellt wurde, sieht Schmoller die Hauptursache, da√ü selbst sehr hochstehende Arbeiter den St√ľcklohn grunds√§tzlich und dauernd oder doch zeitweise bek√§mpft haben, wobei weiters behauptet wurde, da√ü der St√ľcklohn zu einer mi√übr√§uchlichen Verbilligung der Arbeit f√ľhre, die Arbeitszeit verl√§ngere, die Arbeit gef√§hrlicher mache, die Zahl der Besch√§ftigungslosen vermehre, den geringeren Arbeitern die Arbeitsgelegenheit nehme, gro√üe Unterschiede im Verdienste der Arbeiter schaffe, da√ü er √ľberhaupt die besondere Form der kapitalistischen Erzeugung sei. Trotzdem gibt auch Marx zu, da√ü der St√ľcklohn die Individualit√§t, das Freiheitsgef√ľhl, die Selbst√§ndigkeit und Selbstkontrolle der Arbeiter entwickle. Der Kampf der h√∂herstehenden Arbeiter gegen eine gerecht gehandhabte St√ľcklohnverrechnung hat in den letzten Jahrzehnten sehr nachgelassen. Schlo√ü vergleicht die Forderung einer allgemeinen Beseitigung der St√ľckl√∂hne mit der einer Aufhebung der Maschinenarbeit. W√∂rishoffer betont, da√ü der unbefangene deutsche Arbeiter √ľberwiegend den h√∂heren Verdienst des flei√üigeren, begabteren und geschickteren Arbeiters als richtig und gerecht empfinde. Indem die St√ľckl√∂hnung die Leistung erh√∂ht, erzieht sie zur wirksamen Arbeit und zur zweckm√§√üigen Ausgestaltung der Arbeitsweise des einzelnen Mannes. Schmoller sieht den Hauptwert des St√ľcklohnwesens darin, da√ü es teils durch Erziehung, teils durch Auslese wesentlich den neueren r√ľhrigen flinken Arbeiterschlag geschaffen hat, da√ü es im ganzen die L√∂hne und die Lebenshaltung gehoben hat, wenn es auch oft in mi√übr√§uchlicher Anwendung zu ungesundem Oberarbeiten und zu Lohndruck gef√ľhrt hat. Ein Mittel, den Nachteilen der St√ľckl√∂hnung vorzubeugen, sieht Schwiedland in der Verk√ľrzung der Arbeitsdauer in dem Ma√üe, als die Arbeitstunden wirksamer ausgenutzt werden, also einer K√ľrzung der Arbeitszeit. Auch k√∂nnen die Lohns√§tze durch Verabredung der Arbeiter mit den Arbeitgebern in allen Betrieben derart bemessen werden, da√ü der Arbeiter auch bei halbwegs ruhiger Arbeit bestehen k√∂nne (Tarifvertrag). Anderseits glaubt man, dem Familienleben und der Gesundheit des Arbeiters mit Einf√ľhrung des freien Sonnabend-Nachmittag einen gr√∂√üeren Nutzen zu erweisen, als mit der K√ľrzung der t√§glichen Arbeitszeit, und empfiehlt: angestrengte Arbeit, gr√ľndliche Erholung.

Die Ermittlung der Verdienstbetr√§ge ist weder im St√ľcklohn noch im Zeitlohn in jeder Beziehung einwandfrei. In den letzten Jahren wurden daher verschiedene Pr√§mienlohnsysteme eingef√ľhrt, die die Vorteile der St√ľck- und Zeitl√∂hnung miteinander verschmelzen und dem Arbeiter einerseits eine sichere Mindesteinnahme und anderseits einen Mehrverdienst (Pr√§mie) nach Flei√ü und Anstrengung gew√§hrleisten wollen. Den Arbeitern wird ein bestimmter Stunden- oder Taglohn, auch bei Lohnfortgew√§hrung in Urlaubsf√§llen u. dgl. zugesichert; die St√ľckpreise werden aber so bemessen, da√ü flinke Arbeiter um etwa 25% mehr in einer Zeiteinheit zu verdienen verm√∂gen. Bei einer anderen Pr√§mienl√∂hnung wird dem Arbeiter neben dem St√ľcklohn noch ein Zuschlag gew√§hrt, wenn er eine bestimmte Zeitersparnis erreicht. Diese Entlohnungsart erm√∂glicht dem Arbeitgeber in F√§llen einer vor√ľbergehenden Arbeitsanh√§ufung mit seinem gew√∂hnlichen Arbeiterstande das Auslangen zu finden. Nach Halsey wird dem Arbeiter ein Teil des Zeitlohnes, den er dem Arbeitgeber durch flei√üige Arbeit erspart, verg√ľtet. Nach Rowan wird der Verdienstbetrag f√ľr jede ersparte Stunde um 1/10 aufgebessert. Nach Ro√ü wird f√ľr jede Arbeit ein Grundpreis festgestellt; es wird blo√ü der Zeitlohn ausbezahlt, sobald er h√∂her als der Grundpreis ist; sonst erh√§lt der Arbeiter den halben Unterschied zwischen Grundpreis und Zeitlohn als Pr√§mie. √Ąhnliche Systeme sind die von Schiller, Emerson, Jacobs u.a.m.

Auch werden Zeit- und St√ľcklohn durch Pr√§mien erg√§nzt, die f√ľr Ersparnisse an Arbeitsstoffen u. dgl. oder f√ľr sonstige besondere Erfolge ausgesetzt werden. S.Pr√§mien (Ersparnispr√§mien).

Bei den Eisenbahnen wurde die Einf√ľhrung der Arbeit nach St√ľck- oder Werklohn (Akkordarbeit, Verdingarbeit) in der mannigfaltigsten Weise und fast in allen Dienstzweigen versucht und ist vielfach auch beibehalten worden.

Beim Eisenbahnbau ist bei den meisten Arbeitsgattungen Akkordarbeit fast ausschlie√ülich √ľblich, u. zw. fast immer als Gruppenakkord, den der Bauunternehmer (bei Regiebau der Bauherr) mit den Arbeitern schlie√üt: z.B. bei Erd- und Felsarbeiten, Beton- und Mauerungsarbeiten, Sicherung der B√∂schungen und anderen Nebenarbeiten, bei Eisenkonstruktionen (Gruppenakkord nach der Zahl der Nieten) u.s.w.

Bei der Bahnunterhaltung eignen sich gewisse Oberbauarbeiten, dann die Erhaltung der D√§cher, der Anstriche der Hochbauten u.s.w. zur Verdingung an Unternehmer und Handwerker. Ferner werden gewisse Oberbauarbeiten an kleine Unternehmer (¬ĽAkkordanten¬ę) oder auch an Arbeiterrotten verdungen. Der VDEV. fa√üte im Jahre 1893 in Stra√üburg den Beschlu√ü: ¬ĽDie Verdingung der Oberbau-Erhaltungsarbeiten an Arbeiterrotten empfiehlt sich nur bei strenger Aufsicht- und √úberwachung und auch nur f√ľr fest abgegrenzte Leistungen, die leicht √ľberwacht, gemessen und verrechnet werden k√∂nnen, wie vollst√§ndige Gleisumbauten, Einzelauswechslungen von Schienen und Schwellen, Hebung l√§ngerer Gleisstrecken, Gewinnung, Beifuhr und Einbringen von Bettung, Abbinden und Legen von Weichen und Kreuzungen, Auf- und Abladen von Oberbauteilen. Bei allen nicht begrenzten Arbeiten verdient die Taglohnarbeit den Vorzug. Auf sehr verkehrsreichen Strecken und auf Bahnh√∂fen mit lebhaftem Verschiebedienste, wo h√§ufige St√∂rungen vorkommen, empfiehlt sich die Taglohnarbeit f√ľr alle Ausbesserungsarbeiten¬ę. Auch die Technikerversammlung zu Stra√üburg 1910 kam auf Grund eines sehr eingehenden Berichtes zu einem √§hnlichen Ergebnisse, wobei noch besonders hervorgehoben wurde, da√ü sich die Verdingung der regelm√§√üigen Gleisunterhaltung, also Anheben, seitliches R√ľcken, Unterstopfen der Schwellen, Wiedereinbringen der Bettung und ihre Entw√§sserung nicht empfehle, insbesondere nicht f√ľr Staatsbahn Verwaltungen, die den Schwankungen des Arbeitsmarktes nicht folgen und nicht am Anfange des Winters Arbeiterentlassungen in gro√üer Zahl vornehmen k√∂nnen.

Im Zugf√∂rderungs- und Werkst√§ttendienste ist die St√ľcklohnverg√ľtung bei der Kohlenbewegung und beim Putzen der Lokomotiven eingef√ľhrt, insbesondere aber in den Haupt- und Nebenwerkst√§tten bei Herstellung von Ersatzst√ľcken und Wiederherstellungs- und Ausbesserungsarbeiten an Lokomotiven und Wagen. In den Eisenbahnwerkst√§tten macht die St√ľcklohnarbeit nicht selten mehr als 75% der Gesamtarbeit aus. Bei gewissen Ausbesserungsarbeiten mu√ü von der Vergebung im St√ľcklohn wegen Schwierigkeiten in der Feststellung des Preises abgesehen werden. Andere Ausbesserungen sind mit so vielen kleinen Arbeiten verbunden, da√ü ihre Vorschreibung allein schon viel Zeit erfordert, die der Werkmeister zweckm√§√üiger mit der Aufsicht und √úbernahme der Arbeiten ausnutzen kann. Auch f√ľr besonders genaue Arbeiten, wie f√ľr jene der Werkzeugmacher, Feinmechaniker und Modelltischler wird besser der Zeitlohn gezahlt. Weit wichtiger als die eigentliche St√ľckl√∂hnung ist jedoch gegenw√§rtig im Zugf√∂rderungsdienste das Pr√§mienwesen, s. Pr√§mien (Ersparnispr√§mien).

Im Betriebsdienste ist die Verdingarbeit ‚Äď vielfach in Verbindung mit Pr√§miensystemen ‚Äď ebenfalls, jedoch nicht so allgemein wie in anderen Dienstzweigen eingef√ľhrt, weil man die einzelnen Arbeiten nicht zu sch√§tzen vermochte; weil man ferner f√ľrchtete, da√ü die Betriebsicherheit dadurch gef√§hrdet werden k√∂nne. Nur bei einzelnen Stations- und Abfertigungsarbeiten fand der Akkord gr√∂√üere Verbreitung, am meisten beim Verladen und Entladen der St√ľckg√ľter, weniger bei den Verschiebearbeiten, bei denen Pr√§mien f√ľr besondere Leistungen vorkommen. Dagegen werden weniger wichtige Arbeiten vielfach an Unternehmer oder Bahnbedienstete verdungen. Die An- und Abfuhr der G√ľter wird in gr√∂√üeren St√§dten an Unternehmer (Rollfuhrunternehmer, G√ľterbef√∂rderer) zu bestimmten Preisen vergeben, haupts√§chlich um eine Stauung der G√ľter in den Schuppen zu vermeiden, die sich leicht ergibt, wenn die einzelnen Empf√§nger die G√ľter nicht sofort beziehen. Die Abfertigung und Besorgung des Gep√§cks (Verwiegen, Bekleben, Verladen u. dgl. m.) wurde bestellten Unternehmern oder Bahnbediensteten verdungen. Verschiedene kleinere Arbeiten, wie das Reinigen der Dienstr√§ume, das Waschen der Handt√ľcher werden meist verdungen, u. zw., wo es sich um umfangreiche Arbeiten handelt, an besondere Unternehmer, sonst meist an Frauen und Witwen von Bahnarbeitern. Ein Teil dieser Arbeiten ist bei den meisten Bahnverwaltungen des VDEV. verdungen; in manchen F√§llen haben die Staatsbahnverwaltungen die bei den ehemaligen Privatbahnen bestandene Verdingung gewisser Arbeiten an eigene Bedienstete aufgegeben; dies geschah jedoch nicht so sehr aus wirtschaftlichen Gr√ľnden, als vielmehr deshalb, weil die besonderen sozialpolitischen Anforderungen, die an Staatsbetriebe gestellt werden, dies r√§tlich erscheinen lie√üen.


Eine umfassende Anwendung der Akkordarbeit war bei der Rheinischen Eisenbahn eingef√ľhrt, wobei man nach vielerlei Versuchen zu einem wirtschaftlich brauchbaren Systeme des A. gelangte. Im Jahre 1866 wurde nach Fenten ein Pr√§mienakkordsystem f√ľr Wagenbewegung auf dem Zentral-G√ľterbahnhof K√∂ln eingef√ľhrt. Es wurden aus den bisherigen Kosten an Maschinen (75 M. per Tag), Verschiebern, Pferden und Wagenschiebern die Kosten jeder Wagenbewegung auf 40 Pf. f√ľr den beladenen Wagen ermittelt und angenommen, da√ü der leere Wagen die H√§lfte des beladenen koste. Jeder Wagen wurde sowohl in Ankunft als im Abgang in Anrechnung gebracht. Als zul√§ssige Ausgabe wurde f√ľr den beladenen Wagen 36‚ąô7 Pf., f√ľr den leeren 15 Pf. bestimmt. Von dem nach Abzug der Maschinenkosten und L√∂hne verbleibenden Reste wurden 40% an das Personal verteilt, 10% fielen in den Reservefonds f√ľr Ausf√§lle, Besch√§digungen u.s.w. und 50% erhielt die Eisenbahn. Der Akkord wurde 1871 eingestellt, jedoch 1874 mit anderen S√§tzen wieder aufgenommen. Gleichzeitig wurden in K√∂ln auch Ladepr√§mien eingef√ľhrt. Die zul√§ssige Ausgabe wurde mit 35 Pf. f√ľr eine Tonne St√ľckgutbewegung festgesetzt, wobei nur die Arbeiter, nicht die Beamten (Lademeister) eingerechnet wurden. Das Ladegut wurde einmal, das Umladegut doppelt in Anrechnung gebracht. Von den nach Abzug der Arbeitsl√∂hne sich ergebenden Betr√§gen wurden 40% unter das Personal verteilt. Durch die gesteigerten L√∂hne und ver√§nderten Arbeiterverh√§ltnisse stieg in wenigen Jahren der Preis f√ľr die G√ľterbewegung von 35 Pf. auf 90 Pf., der Gewinnanteil von 40 auf 60%. Diese Akkorde fanden auf verschiedenen Stationen Nachahmung, h√§ufig aber mit schlechterem Erfolg, da man bei der Feststellung der Akkordpreise die √∂rtlichen Verh√§ltnisse nicht gen√ľgend ber√ľcksichtigte. 1869 wurde in K√∂ln eine Wagenausnutzungspr√§mie f√ľr eine durchschnittlich 30% √ľbersteigende Ausnutzung der Tragf√§higkeit der St√ľckgutwagen eingef√ľhrt. Von 1866‚Äď1869 erwuchs der Rheinischen Eisenbahn auf dem Zentral-G√ľterbahnhofe ein Reingewinn von 85.791 M. An Pr√§mien waren gezahlt 65.190 M. Die Wagenausnutzung steigerte sich in kurzer Zeit von 30 auf 50% der Tragf√§higkeit. Durch die hohen Pr√§mien stellte sich der Lohn der G√ľterladearbeiter dem Lohn der industriellen Arbeiter ann√§hernd gleich. Es bildete sich ein fester geschulter Arbeiterstamm, der bef√§higt und gewillt war, so gut als m√∂glich zu arbeiten und Ladefehler, Besch√§digungen u.s.w. zu vermeiden.

Diesen Vorteilen stellten sich folgende Nachteile gegen√ľber: Neben den Akkordarbeiten wurden Arbeiten im Taglohne ausgef√ľhrt, wodurch die Kontrolle √ľber die Verwendung der Arbeiter unm√∂glich wurde. Ferner waren die Beamten an den Pr√§mien beteiligt, aber ihre Geh√§lter kamen nicht auf den Akkord in Anrechnung. Dies f√ľhrte zu dem Streben, Arbeiter durch Beamte (Lademeister, Aufseher etc.) zu ersetzen, so da√ü trotz der durch Verminderung der Arbeiterzahl scheinbar sich ergebenden Minderausgabe die Arbeiten teurer wurden. Der Hauptfehler aber lag darin, da√ü die Akkords√§tze nicht nach einer Arbeitsleistung berechnet waren, die man billigerweise zu fordern berechtigt war, sondern da√ü die S√§tze sich nach den bisherigen Ausgaben richteten. Bei der Wagenbewegung war irrt√ľmlich angenommen, da√ü die Kosten im Verh√§ltnis zur Wagenzahl steigen und fallen. Weiter war die Verteilung des Gewinnes f√ľr die Bediensteten schwer verst√§ndlich, was zu Mi√ütrauen Veranlassung gab.

F√ľr ein brauchbares Akkordwesen ergaben sich nach Fenten folgende Grunds√§tze:

1. Die Akkords√§tze m√ľssen den billigen Anforderungen an die Leistungen der Arbeitskr√§fte entsprechen. Nur √ľber das Ma√ü billiger Anforderungen hinausgehende Leistungen d√ľrfen pr√§miiert werden. 2. Die Akkordarbeit mu√ü den Vorteil der Eisenbahn und jenen des Publikums gleichm√§√üig wahren. 3. Es darf unter keinen Umst√§nden Taglohn und Akkord nebeneinander laufen. 4. Die Aufstellung der Leistungen und die Berechnung des Gewinnanteiles mu√ü den Bediensteten verst√§ndlich sein. 5. Die Abrechnung mu√ü in kurzen (monatlichen) Zeitr√§umen geschehen, damit das Interesse an der Arbeit stets rege gehalten werde. 6. Die Verrechnung mu√ü einfach und sicher sein.

Die Akkords√§tze wurden nun in der Weise ermittelt, da√ü man die Zeitwerte f√ľr die verschiedenen Arbeiten den √∂rtlichen Verh√§ltnissen entsprechend feststellte und den √∂rtlichen Gehalt- und Lohnverh√§ltnissen entsprechend in Geldwerte umsetzte. Taglohnarbeit neben Akkordarbeit war vermieden. F√ľr die Folgen der Fehler und Vers√§umnisse hatte die Station aufzukommen. Die Rechnungen wurden monatlich durch die Station vorgelegt und noch im Laufe des Monats die √úbersch√ľsse ausbezahlt.

Dieses Akkordsystem hatte mit vielen Schwierigkeiten zu k√§mpfen. Dagegen wurden haupts√§chlich folgende Gr√ľnde laut:

1. Die Arbeiten auf den Stationen seien so verschieden, da√ü eine richtige Sch√§tzung nicht tunlich sei. 2. Die Beamten w√ľrden sich verlocken lassen, √ľber ihre Kr√§fte zu arbeiten, sich Krankheiten zuziehen, ja sogar sich und ihre Untergebenen leichtsinnigerweise Gefahren aussetzen. 3. Das Personal auf den Stationen w√ľrde auf eine so geringe Zahl herabgedr√ľckt, da√ü bei steigendem Verkehre, bei Erkrankungen etc. den Verwaltungen Verlegenheiten erwachsen k√∂nnen.

Dem ersten Einwurfe wurde dadurch Rechnung getragen, da√ü die √∂rtlichen Verh√§ltnisse genau ber√ľcksichtigt wurden. Die zweite Behauptung fand ihre Widerlegung in der Statistik √ľber Erkrankungen und Verletzungen. Da√ü das Personal auf eine m√∂glichst geringe Zahl herabgedr√ľckt wird, ist Zweck des Systems. Verlegenheiten aber k√∂nnen dadurch den Verwaltungen nicht erwachsen, wenn f√ľr Vertretung bei Erkrankungen, Beurlaubungen, an Ruhetagen u.s.w., f√ľr den Ersatz abgehender Beamten und f√ľr die notwendige Personalvermehrung bei steigendem Verkehre zweckm√§√üig gesorgt wird.

Der Erfolg des Akkordwesens war f√ľr beide Teile befriedigend.

Die Akkordarbeit wurde nach der Verstaatlichung 1880 aufgehoben (nach Fenten).

Seither haben aber auch die preu√üischen Eisenbahnen wieder √§hnliche Lohnsysteme f√ľr G√ľterbodenarbeiter eingef√ľhrt. Bei dem System mit abgestuftem, gew√§hrleistetem Lohnsatz und gleichm√§√üiger Verteilung des √úberschusses bilden die im St√ľcklohn arbeitenden G√ľterbodenarbeiter eine ¬ĽArbeitergemeinschaft¬ę. Der Verdienst f√ľr die von den Mitgliedern ausgef√ľhrten Arbeiten wird der Gemeinschaft gutgeschrieben. Die Verteilung auf die einzelnen erfolgt dann derart, da√ü jeder Mitarbeiter zun√§chst als gew√§hrleistetes Mindesteinkommen den ihm nach der Lohnordnung zustehenden Tagelohn erh√§lt. Der nach Abzug des Gesamttagelohnverdienstes dann noch verbleibende Oberschu√ü wird auf die Mitglieder dann im Verh√§ltnis der geleisteten Lohntagewerke gleichm√§√üig verteilt.

Weiter kommt auf G√ľterb√∂den das alte K√∂lner Verfahren vor. Hierbei werden die St√ľckarbeiten wieder von der ¬ĽArbeitergemeinschaft¬ę ausgef√ľhrt, an deren Spitze ein von der Eisenbahnverwaltung ernannter Obmann steht. Die Verwaltung teilt die Arbeiten in Gruppen ein und bestimmt die Gruppenf√ľhrer. F√ľr die Berechnung des Verdienstes ist der Begriff des ¬ĽLeistungstagewerkes¬ę eingef√ľhrt. Er bezeichnet das Produkt aus der Tonnenzahl der bewegten G√ľter und einem Zeitwert (Bruchteil von Tagewerken), der von der Eisenbahndirektion bei jeder Dienststelle besonders f√ľr die verschiedenen Besch√§ftigungsarten (Versand, Empfang, Umladung etc.) festgesetzt wird.

Bei dem sog. neuen K√∂lner Verfahren sind f√ľr die St√ľcklohnarbeit die Arbeiter in Gruppen eingeteilt. Dies erfolgt durch die Eisenbahnverwaltung, ebenso die Ernennung der Gruppenvorarbeiter. Wie in vorstehender Weise werden die ¬ĽLeistungstagewerke¬ę berechnet. Von diesen werden die wirklich geleisteten Arbeitstage abgezogen. Der Oberschu√ü, die ¬ĽMehrtagewerke¬ę werden besonders verg√ľtet, u. zw. erh√§lt jeder Arbeiter f√ľr seine Mehrtagewerke den Durchschnittslohn verg√ľtet, der von der Eisenbahnverwaltung zu Beginn des Etatsjahres allgemein festgesetzt wird.

Schlie√ülich kommt noch das sog. Hamburger Verfahren vor. Hierbei bilden alle im St√ľcklohn besch√§ftigten Arbeiter eine Gesellschaft (BGB. ¬ß 705) unter dem Namen ¬ĽG√ľterbodengemeinschaft¬ę, an deren Spitze ein Vorstand (Obmann und Beisitzer) steht. Der Vorstand wird in einer Hauptversammlung gew√§hlt. Die Arbeiter arbeiten in Gruppen unter je einem Vorarbeiter, der von dem Dienstvorsteher bestimmt wird. Der Gesamtverdienst der Gemeinschaft ermittelt sich aus den von der Verwaltung festgesetzten St√ľckpreisen und der Menge der bewegten G√ľtertonnen und wird auf die Mitglieder im Verh√§ltnis der geleisteten Tagewerke verteilt. Die Gemeinschaft kann nach Bedarf Hilfsarbeiter (bis zu 1/3 der Mitgliederzahl) besch√§ftigen und hat sie selbst√§ndig zu lohnen (Schwarze).

Auch die Holl√§ndische Staatsbahn, die Niederl√§ndische Zentralbahn und die k. k. priv. S√ľdbahn haben √§hnliche Stationsakkorde eingef√ľhrt.

Literatur: G. Schmoller, Grundri√ü der allgemeinen Volkswirtschaftslehre, II. Teil, Leipzig 1904. ‚Äď Marx, Kapital, I. Bd., 5. Aufl., 1903. ‚Äď Schlo√ü, Methods of industrial remuneration, 3. Aufl., 1898. ‚Äď L. Bernhard, Handbuch der L√∂hnungsmethoden (Bearbeitung d. vor.), Leipzig 1906. ‚Äď Dr. E. Schwiedland, Lohnformen und Lohnh√∂he, Rundschau f√ľr Technik und Wirtschaft 1910. ‚Äď B. Schwarze, Das Lohnwesen in amerikanischen Werkst√§tten, Glasers Annalen 1910. ‚Äď Beschl√ľsse der Jahresversammlung des VDEV., Stra√üburg 1878 und der Technikerversammlung in Stra√üburg 1910. ‚Äď Fenten, Wie ermittelt man die zur G√ľterbewegung auf den G√ľterschuppen erforderlichen Arbeitskr√§fte?, Zeitung des VDEV. 1904. ‚Äď A. v. L√∂hr, Beteiligung des Personales am Gesch√§ftsgewinn bei den D√§nischen Staatsbahnen, √Ėsterr. Eisenbahnzeitung 1903, 1904, 1906. ‚Äď Beteiligung des Personales der Italienischen Staatsbahnen an den Betriebsersparnissen, √Ėsterr. Eisenbahnzeitung 1910.

v. Enderes.


http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912‚Äď1923.

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