Arbeiter

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Arbeiter

Arbeiter (workmen; ouvriers; operai). A. Begriff. Unter A. versteht man im allgemeinen diejenigen Personen, die mit der Kraft ihres K√∂rpers nach Weisung und Anleitung anderer eine T√§tigkeit aus√ľben, gleichviel ob sie f√ľr diese T√§tigkeit eine besondere handwerksm√§√üige Geschicklichkeit und Erfahrung erworben haben (Handwerker) oder nicht (Handarbeiter). Der A. steht hiernach im Gegensatz zu den leitenden und beaufsichtigenden Personen, die man Beamte zu nennen pflegt und die im allgemeinen keine unmittelbar produktive T√§tigkeit aus√ľben. Im Staatsdienst, als welcher sich der Eisenbahndienst infolge der mehr und mehr zunehmenden Verstaatlichung der Eisenbahnen der Hauptsache nach darstellt, haben die Begriffe A. und Beamte allm√§hlich einen anderen Inhalt bekommen. Wenngleich auch im gro√üen und ganzen die A. in einer oben begrifflich als Arbeitert√§tigkeit bezeichneten Besch√§ftigung verwendet werden, so ist das doch nicht das entscheidende Merkmal daf√ľr, ob jemand A. oder Beamter ist. Sowohl √ľben A. Beamtent√§tigkeit, als auch Beamte Arbeitert√§tigkeit aus. Das unterscheidende Merkmal ist jetzt vielmehr die Art des Anstellungsverh√§ltnisses geworden. Es kommt darauf an, ob jemand als A. angenommen oder als Beamter angestellt wird. Der Arbeitsvertrag ist stets ein rein privatrechtlicher Akt, w√§hrend die Anstellung als Beamter zwar nicht notwendig, aber in der Regel ein √∂ffentlich rechtlicher Akt ist, der ein Rechtsverh√§ltnis schafft, f√ľr das, ohne da√ü es hierzu vertraglicher Abmachungen bed√ľrfte, eine Reihe von gesetzlichen und reglementarischen Bestimmungen ohneweiters und unab√§nderlich ma√ügebend sind. Die Bedingungen des Arbeiterverh√§ltnisses werden dagegen allein durch den Inhalt des mit dem einzelnen A. geschlossenen Dienstvertrages bestimmt. Inhaltlich unterscheidet sich das Rechtsverh√§ltnis des A. von demjenigen des Beamten in der Regel dadurch, da√ü der A. nur f√ľr die Zeit Entgelt bezieht, w√§hrend der er Arbeit leistet und da√ü dieses Entgelt, Lohn genannt, nach Einheiten f√ľr kurze Zeitr√§ume (Stundenl√∂hne, Tagl√∂hne) bemessen wird. Demgegen√ľber wird das Entgelt f√ľr die T√§tigkeit des Beamten, Gehalt genannt, ohne R√ľcksicht darauf gezahlt, ob der Beamte Dienste leistet oder daran verhindert ist. Es wird nach Einheiten f√ľr gr√∂√üere Zeitr√§ume, in der Regel nach dem Jahresbetrage festgesetzt. Auch hinsichtlich der Dauer und der Beendigung des Dienstverh√§ltnisses bestehen Unterschiede. Der A. wird entweder nur f√ľr eine bestimmte Zeit oder f√ľr unbestimmte Zeit mit der Ma√ügabe angenommen, da√ü jede Partei das Dienstverh√§ltnis mit kurzer Frist, die in der Regel auf 14 Tage bemessen ist, aufk√ľndigen kann. Der Beamte wird niemals nur f√ľr eine im voraus bestimmte Zeit angenommen. Vielfach werden die Beamten auf Lebenszeit angestellt, soweit dies nicht geschieht, ist die K√ľndigungsfrist gr√∂√üer als die der A. Das Ausscheiden der A. findet stets, auch wenn Erwerbsunf√§higkeit die Ursache ist, durch Aufl√∂sung des Arbeitsvertrages statt. Das Ausscheiden der Beamten vollzieht sich vielfach in besonderen Formen und in f√∂rmlichem Verfahren (Disziplinarverfahren). Ist Dienstunf√§higkeit der Grund, so tritt nicht Entlassung, sondern Versetzung in den Ruhestand ein. In diesem Fall hat der Beamte, der eine gewisse Beamtendienstzeit zur√ľckgelegt hat, Anspruch auf ein Ruhegehalt, das sich nach der Zahl der anrechnungsf√§higen Dienstjahre und dem zuletzt bezogenen Diensteinkommen bemi√üt. Soweit Invalidit√§ts- und Altersversicherung f√ľr Arbeiter besteht, erh√§lt zwar auch der erwerbsunf√§hige A. eine Rente oder Pension. Die Bemessung dieser richtet sich aber nicht nach der Dienstzeit und dem zuletzt bezogenen Lohn, sondern nach der Zahl und der H√∂he der zu der Kasse entrichteten Beitr√§ge.

Besteht sonach ein grunds√§tzlicher Unterschied zwischen der Stellung eines A. und der eines Beamten, so wird dieser in der Bezeichnung der einzelnen Pers√∂nlichkeiten doch nicht streng aufrecht erhalten. Werden A. dauernd in solchen Besch√§ftigungen verwendet, die in der Regel von Beamten versehen werden, so pflegen sie als Hilfsbeamte (auch Gehilfen) bezeichnet zu werden. Diese Hilfsbeamten (z.B. Hilfsbahnw√§rter, Hilfsbremser, Hilfsheizer u.s.w.) sind aber ihrer Anstellung nach nichtsdestoweniger A. Die Herausbildung des Arbeiter- und des Beamtenbegriffs im dienstpragmatischen Sinne, die wesentlich durch die moderne Arbeiterversicherungs-Gesetzgebung beeinflu√üt wurde, beansprucht nun aber keine allgemeine und gleichm√§√üige G√ľltigkeit f√ľr alle Rechtsgebiete. Insbesondere fa√üt das Strafgesetz den Beamtenbegriff wesentlich weiter. Im Sinne des Strafgesetzes, das die von der Pers√∂nlichkeit ausge√ľbte T√§tigkeit entscheidend mit ber√ľcksichtigt und im √ľbrigen den Beamtenbegriff au√üerordentlich weit fa√üt, sind A. vielfach als Beamte anzusprechen, insbesondere k√∂nnen sie Bahnpolizeibeamte sein.

B. Einteilung der A. Der Einteilung des Eisenbahndienstes in Bahnbau und Bahnunterhaltung, Betriebs- und Verkehrsdienst und Unterhaltung der Fahrzeuge entspricht auch die Einteilung der A. in Bahnunterhaltungsarbeiter, Betriebs- und Verkehrsarbeiter und Werkst√§ttenarbeiter. Handwerksm√§√üiger Vorbildung bedarf nur die Mehrzahl der Werkst√§ttenarbeiter und ein geringer Teil der Bahnunterhaltungsarbeiter, alle √ľbrigen sind Handarbeiter.

C. Umfang der einzelnen Dienstzweige.

1. Bahnbau und -unterhaltung. W√§hrend die Bahnunterhaltung grunds√§tzlich von den Eisenbahnverwaltungen in Regie ausgef√ľhrt zu werden pflegt, wird der Neubau in der Regel an Unternehmer vergeben. Die Neubauarbeiter sind daher in der Regel keine Eisenbahnarbeiter im engeren Sinne. Sie stehen im Abh√§ngigkeits- und Vertragsverh√§ltnis nur zu dem Unternehmer. Indessen finden auch auf sie diejenigen gesetzlichen Bestimmungen Anwendung, die f√ľr die Annahme und Besch√§ftigung von Eisenbahnarbeitern erlassen sind. In dieser Beziehung ist zu nennen die preu√üische Verordnung vom 21. Dezember 1846 (erweitert durch Verordnung vom 19. August 1867).

Hiernach darf die Annahme von A. nur durch einen von der Polizeibeh√∂rde beeidigten Aufsichtsbeamten geschehen und wird jeder A. vor der Abnahme mit einer Arbeitskarte versehen, die eine Anleitung zur Arbeit, die Rechte und Pflichten der Schachtmeister und Bauaufseher und alle von den A. zu beachtenden Vorsichtsma√üregeln bei Erd-, Fels- und Sprengarbeiten enth√§lt. Die Annahme darf erst nach Vorlage der Legitimationspapiere erfolgen, und d√ľrfen m√§nnliche A. nur wenn sie √ľber 17 Jahre alt sind, Frauen nur ausnahmsweise und mit Genehmigung der Ortspolizeibeh√∂rde angenommen werden. Auf Antrag der letzteren mu√ü jeder A. entlassen werden. Im ¬ß 9 der zitierten Verordnung finden sich auch noch besondere Vorschriften √ľber Lohnzahlung und Beaufsichtigung der A. An die preu√üische Verordnung schlie√üt sich die s√§chsische Verordnung vom 10. November 1868 (erg√§nzt durch Verordnung vom 31. Dezember 1873) an. In Bayern haben die Eisenbahnunternehmer die Verpflichtung, f√ľr entsprechende Unterbringung der A. und Verpflegung erkrankter und verungl√ľckter A. Sorge zu tragen, und die Kosten f√ľr au√üerordentliche polizeiliche Aufsicht zu √ľbernehmen, und mu√ü der Unternehmer auch die einer Gemeinde infolge Erkrankung oder Verungl√ľckung von Eisenbahnarbeitern etwa erwachsenden Kosten ersetzen. √Ąhnliche Bestimmungen bestehen auch in √Ėsterreich.

Mit dem Bahnunterhaltungsdienst ist der Bahnbewachungsdienst vereinigt. W√§hrend der erstere von Arbeitergruppen (Rotten oder Kolonnen) unter der Leitung eines Beamten (Rottenf√ľhrers) oder Vorarbeiters ausgef√ľhrt wird, wird die Bewachung der Bahnanlagen und der Schranken von einzelnen Personen bewirkt, die als Beamte Bahnw√§rter oder Schrankenw√§rter hei√üen. Wenn Arbeiter dazu st√§ndig verwendet werden, pflegt man sie Hilfsbahnw√§rter oder Hilfsschrankenw√§rter zu nennen. Der Bewachungs- und Unterhaltungsdienst mit dem dazu erforderlichen Beamten- und Arbeiterpersonal ist streckenweise einem Beamten, dem Bahnmeister, unterstellt, der mithin der unmittelbare Vorgesetzte aller Bahnunterhaltungsarbeiter auf dieser Strecke ist.

2. Betriebsdienst. Der Betriebsdienst umfa√üt die gesamte T√§tigkeit, die n√∂tig ist, um den Zugverkehr auf der Bahn vorzubereiten, auszuf√ľhren und zu sichern. Neben dem Lokomotiv- und Fahrdienst f√§llt somit darunter der Rangier- √∂der Verschiebedienst, der Weichen- und Signaldienst, der Stations- und Telegraphendienst und der Magazins- und Betriebsmaterialien-Verwaltungsdienst. Die in diesen Dienstzweigen besch√§ftigten A. nennt man Betriebsarbeiter. In √Ėsterreich werden vorstehend angef√ľhrte Dienstesobliegenheiten als ¬ĽVerkehrsdienst¬ę, die im nachstehenden unter 3 aufgez√§hlten dagegen als ¬ĽAbfertigungsdienst¬ę bezeichnet.

3. Verkehrsdienst. Vielfach wird zwischen Verkehrs- und Betriebsdienst nicht scharf unterschieden und der Verkehrsdienst in den Begriff des Betriebsdienstes eingeschlossen. Tats√§chlich handelt es sich hier aber um eine begrifflich anders geartete T√§tigkeit. In neuerer Zeit hat man den Begriff des Verkehrsdienstes sch√§rfer erfa√üt und nennt demgem√§√ü die Verordnungen, die die Rechtsgrundlage f√ľr den Transportvertrag bilden, nicht mehr Betriebsreglement, sondern Verkehrsordnung oder Transportreglement. Unter Verkehrsdienst ist die T√§tigkeit zu verstehen, die sich auf die Behandlung der auf der Bahn zu bef√∂rdernden Personen und G√ľter erstreckt. Der wesentlichste Teil des Verkehrsdienstes ist sonach der Abfertigungsdienst: Verkauf der Fahrkarten, Abfertigung des Reisegep√§cks, Annahme und Auslieferung der G√ľter. Aber auch die Behandlung von Personen und G√ľtern unterwegs f√§llt unter diesen Begriff: Schaffnerdienst, Verladung und Entladung von Reisegep√§ck und G√ľtern. Die A. des Verkehrsdienstes sind der Hauptsache nach die Gep√§cktr√§ger und die G√ľterbodenarbeiter.

4. Werkst√§ttendienst. W√§hrend die Eisenbahnverwaltungen ihre Fahrzeuge, also Lokomotiven und Wagen, in der Regel von Unternehmern anfertigen lassen, betreiben sie deren Unterhaltung grunds√§tzlich selbst. Dadurch entsteht ein besonderer Dienstzweig, der Werkst√§ttendienst. Der Natur der Sache nach erfordert die Untersuchung und Reparatur der Lokomotiven und Wagen handwerksm√§√üige Vorbildung. Demgem√§√ü besteht die √ľberwiegende Zahl der Werkst√§ttenarbeiter aus Handwerkern. Bei dem Vorwiegen der Bedeutung der Metallteile an den Fahrzeugen machen die Schlosser die gr√∂√üte Zahl aus, aber auch eine Reihe anderer Facharbeiter, wie Schmiede, Kupferschmiede, Former, Dreher, Bohrer, Hobler, Zimmerleute, Stellmacher, Tischler, Drechsler, Maler, Lackierer, Sattler und Tapezierer m√ľssen in jeder Werkst√§tte vorhanden sein.

Wenn auch nicht unter die Werkst√§tten zu rechnen, haben die Gas- und Lichtanstalten der Eisenbahnen doch mit den Werkst√§tten das gemein, da√ü ihre T√§tigkeit dem Betriebsdienst nicht zuzurechnen ist, wenn auch das Produkt ihrer T√§tigkeit f√ľr den Betrieb nicht entbehrt werden kann. Diese Anstalten werden daher zweckm√§√üig an dieser Stelle erw√§hnt. Die Besch√§ftigung der A. in diesen Anstalten beschr√§nkt sich der Hauptsache nach auf einfache Handarbeit, wie Heranschaffen der Materialien, Heizen der Kessel, Beseitigung von Schlacken und Asche u. dgl.

D. Eisenbahnarbeiter und Gewerbeordnung. Die Gewerbeordnung, die eine Reihe von Vorschriften √ľber die Rechtsverh√§ltnisse der gewerblichen A., √ľber ihre Besch√§ftigung und Sicherung im Gewerbebetriebe enth√§lt, findet weder in Deutschland noch in √Ėsterreich auf den Gewerbebetrieb der Eisenbahnunternehmungen Anwendung. Der Begriff des Gewerbebetriebes hat hier zu Zweifeln Anla√ü gegeben. Zwar ist nie Streit dar√ľber gewesen, da√ü der Betriebs-, der Verkehrs- und der Bahnbewachungs- und Unterhaltungsdienst zum Gewerbebetrieb der Eisenbahn geh√∂ren, dagegen ist vielfach in Theorie und Praxis die Auffassung vertreten, da√ü die sog. Nebenbetriebe, also die Werkst√§tten, Gas- u.√§. Anstalten keinen notwendigen Bestandteil des Eisenbahnbetriebes bilden, da die Reparatur der Wagen auch von Unternehmern bewirkt, Gas und Licht von anderen bezogen werden k√∂nne. Die Entwicklung des Eisenbahnverkehrs hat aber im Lauf der Jahre diese Anschauung korrigiert. In der Tat ist ein geordneter Eisenbahnbetrieb heutzutage ohne einen wohlgeordneten und umfassenden Werkst√§ttenbetrieb, der f√ľr die dauernde Betriebssicherheit der Fahrzeuge und f√ľr ihre schleunige Wiederherstellung und R√ľckgabe an den Betriebsdienst sorgt, wohl nicht denkbar. Dementsprechend geht in den letzten Jahren die konstante Rechtsprechung h√∂chster Gerichtsh√∂fe dahin, alle sog. Nebenbetriebe als unter den Gewerbebetrieb der Eisenbahnunternehmungen fallend und demgem√§√ü die Gewerbeordnung auf s√§mtliche Eisenbahnarbeiter f√ľr nicht anwendbar zu erkl√§ren. Damit entf√§llt die Anwendung aller Bestimmungen der Gewerbeordnung √ľber die Regelung der Arbeitsbedingungen, √ľber die Besch√§ftigung jugendlicher und weiblicher Personen, √ľber die Sicherung von Leben und Gesundheit der A. sowie √ľber die Beaufsichtigung der Arbeitsst√§tten durch die Gewerbeaufsichtsbeamten in bezug auf die Beobachtung dieser Bestimmungen. Endlich ist auch das aus der Gewerbeordnung hergeleitete Recht auf Arbeitseinstellung und auf Verabredungen und Vereinigungen zu diesem Zweck von keinem Eisenbahnarbeiter in Anspruch zu nehmen. Wenngleich sonach die Anwendbarkeit der Gewerbeordnung auch auf den Werkst√§ttenbetrieb zu verneinen ist, richten sich dennoch die Eisenbahn Verwaltungen, die Staatseisenbahnverwaltungen an der Spitze, nach dem Inhalt der darin zu gunsten der A. in bezug auf Arbeitsbedingungen, Sicherung und F√ľrsorge getroffenen Bestimmungen, so da√ü von einer sachlichen Schlechterstellung der Eisenbahnarbeiter gegen√ľber anderen gewerblichen A. nicht gesprochen werden kann.

E. Arbeiterl√∂hnung. Die A. werden nach verschiedenen Systemen gel√∂hnt. Entweder wird die Arbeitszeit zur Grundlage f√ľr die Lohnh√∂he genommen: Zeitlohn (Taglohn, Stundenlohn); oder es wird die geleistete Arbeitsmenge bezahlt: St√ľcklohn (Akkordlohn, s.d.). Daneben findet noch eine Verbindung beider Systeme Anwendung, indem der A. einen festen Zeitlohn bezieht, aber beim √úberschreiten einer gewissen Arbeitsleistung daneben f√ľr die Mehrleistung noch eine besondere Verg√ľtung erh√§lt: Pr√§miensystem. Dem St√ľcklohn- und dem Pr√§miensystem liegt der Gedanke zu gr√ľnde, da√ü einmal die Interessen der Verwaltung dabei in vollem Ma√üe gewahrt werden und sodann, da√ü der A. von der Ausnutzung seiner besonderen Geschicklichkeit und. Leistungsf√§higkeit sowie von seinem Flei√ü gegen√ľber minder t√ľchtigen Mitarbeitern Vorteil hat. Die Anwendbarkeit dieser Systeme ist aber beschr√§nkt auf die F√§lle gleichm√§√üiger oder doch √§hnlicher und fortlaufender Arbeit. Solche Arbeit kommt im eigentlichen Betriebsdienst gar nicht, im Bahnunterhaltungsdienst nur ausnahmsweise vor. Im Verkehrsdienst ist sie h√§ufiger. Hier bildet die Behandlung der St√ľckg√ľter und teilweise auch die des Reisegep√§cks h√§ufig den Gegenstand eines Akkord- oder eines Pr√§mienverfahrens. Besonders ausgebildet ist das St√ľcklohnsystem im Werkst√§ttenbetriebe. Die wichtigsten Reparaturarbeiten wiederholen sich hier erfahrungsgem√§√ü. Durch Feststellung der Preise f√ľr eine gro√üe Menge solcher Arbeiten wird die Anwendung des St√ľcklohnverfahrens in gr√∂√üerem Ma√üstab erm√∂glicht. Vorteile und Nachteile der verschiedenen Lohnsysteme zu er√∂rtern, ist hier nicht der Ort. Es sei daher nur auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die in den sehr h√§ufigen F√§llen des gemeinschaftlichen Akkordes f√ľr die Verteilung des Akkordverdienstes unter den an diesem Akkord teilnehmenden A. entstehen k√∂nnen. An sich nimmt das Akkordsystem auf nichts als auf die geleistete Arbeit R√ľcksicht. Wenn mehrere A. eine Arbeit gemeinschaftlich ausf√ľhren, f√ľr die ein Gesamtst√ľcklohn besteht, so w√ľrde es daher nur folgerichtig sein, wenn jeder Teilnehmer den gleichen Anteil bez√∂ge. Diese Regelung kommt demgem√§√ü auch vor. Im allgemeinen hat man aber den Grundsatz der besseren Bezahlung der √§lteren A., der wohl fast √ľberall bei den Eisenbahnen besteht, auch auf die Akkordarbeiten angewendet. Hier ist f√ľr jeden A. ein Zeitlohn festgesetzt, dessen Wirkung auf den St√ľckverdienst eine doppelte sein kann: entweder erh√§lt jeder A. seinen Zeitlohn vorweg und der Oberverdienst wird zu gleichen Teilen verteilt, oder der Zeitlohn bildet lediglich den Ma√üstab f√ľr die Verteilung des Gesamtst√ľckverdienstes. Im letzteren Falle wird der Unterschied zwischen den Bez√ľgen der einzelnen Akkordteilnehmer gr√∂√üer als im ersten. In beiden F√§llen aber erlangt der Unterschied zwischen den Zeitlohns√§tzen der Akkordteilnehmer f√ľr den Lohnbezug des einzelnen eine Bedeutung, die dazu n√∂tigt, schon bei der Zusammensetzung der einzelnen Akkordkolonnen hierauf R√ľcksicht zu nehmen.

F. Arbeiterf√ľrsorge und Wohlfahrtseinrichtungen. Soweit die F√ľrsorge bei Krankheit, Erwerbsbeschr√§nkung durch Unfall und im Falle der Invalidit√§t und hohen Alters gesetzlich geregelt ist, handelt es sich um Arbeiterversicherung (s.d.). √úber die durch Gesetz vorgeschriebenen Leistungen hinaus wenden die Eisenbahnverwaltungen aber noch vielfach eine besondere F√ľrsorge zu. Hier sind insbesondere zu nennen: Zusatzkassen zu den Krankenkassen. F√ľr den Bereich der Preu√üisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft und der Reichseisenbahnen in Elsa√ü-Lothringen besteht eine solche Kasse (Verbandskrankenkasse), die es erm√∂glicht, da√ü der Versicherte bei Krankheit seinen vollen Lohn als Krankengeld weiter bezieht. Ferner bestehen Pensionskassen, die ihren Mitgliedern eine Zusatzrente zu der gesetzlichen Invalidit√§tsrente gew√§hren. In Preu√üen, Sachsen, Bayern und Elsa√ü-Lothringen bestehen solche Einrichtungen, die, als Zwangskassen eingerichtet, nicht nur den Mitgliedern eine Zusatzrente zahlen, sondern auch Sterbegelder und den Witwen und Waisen der Mitglieder Hinterbliebenenbez√ľge gew√§hren. Neben dieser F√ľrsorge f√ľr die F√§lle von Krankheit, Erwerbsunf√§higkeit oder Tod kommen den A. vor allem bei den deutschen und √∂sterreichischen Staatsbahnen noch mancherlei Wohlfahrtseinrichtungen zu gute. Durch Errichtung gesunder Wohnungen zu billigem Mietzins oder von Ledigenheimen f√ľr Unverheiratete sowie durch Gew√§hrung von Darlehen zu Eigenh√§usern wird auf dem Gebiete der Wohnungsf√ľrsorge mancherlei Gutes gewirkt. Durch Belohnungen f√ľr l√§ngere Dienstzeit wird ein Ansporn zu treuer Pflichterf√ľllung gegeben. Unterst√ľtzungsfonds sind f√ľr die F√§lle von Not und au√üergew√∂hnliche Ereignisse bereitgestellt. Aufenthaltsr√§ume mit Einrichtungen zum Kochen und W√§rmen der Speisen bieten Schutz gegen die Unbilden der Witterung in Dienstpausen. Schutzkleider gegen K√§lte, N√§sse und f√ľr besondere Arbeitsleistungen werden von den Verwaltungen geliefert. Bei dem weit verbreiteten Verbot des Alkoholgenusses im Dienst endlich wird den A. durch Vorhaltung billiger erw√§rmender (Kaffee, Tee, Milch) oder k√ľhlender Getr√§nke (Selterwasser und Limonade) die M√∂glichkeit zur Erfrischung geboten.

Leese.


http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912‚Äď1923.

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