Arbeitszug

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Arbeitszug

Arbeitszug (work train, train for carrying materials for construction; train de service; treno di lavoro), auch Materialzug (material train; train pour le transport des mat├ęriaux ou de ballast; treno trasporto materiali o di ballast), Sonderzug mit Dampf- oder elektrischen Lokomotiven (auch Motorwagen), der gebildet wird, um bei Neubauten, Erg├Ąnzungs- oder Unterhaltungsarbeiten die zur Herstellung oder Erhaltung des Bahnk├Ârpers und der Bauwerke erforderlichen Erdmassen und Baustoffe sowie die Bettungsstoffe f├╝r den Oberbau ÔÇô im letzten Falle auch Schotterzug (ballast train; train de ballast; treno di ballast) genannt ÔÇô oder andere Materialien und Ausr├╝stungsgegenst├Ąnde zur Verwendungsstelle zu bef├Ârdern, oder um die in Einschnitten u. dgl. gewonnenen Erd- und Felsmassen nach entfernteren D├Ąmmen und Ablagerungsstellen abzufahren. Die A. geh├Âren demnach zu den Dienstz├╝gen (s.d.). Sie k├Ânnen benutzen

eigene Gleise (Arbeitsgleise, Materialbahnen),

im Bau begriffene f├╝r den k├╝nftigen Eisenbahnbetrieb bestimmte Gleise und werden dann Bauz├╝ge (train of railway workmens; train de la route, train d'ouvriers; treno di lavoro) genannt,

oder auch bereits im Betrieb stehende Gleise.

In den einzelnen Verwaltungsgebieten des Deutschen Reichs und ├ľsterreichs sind teils eigene, das gesamte Arbeitszugwesen ordnende beh├Ârdliche Vorschriften erlassen, teils haben hierf├╝r die Bestimmungen der deutschen Eisenbahnbau- und -betriebsordnung (s.d.) und der ├Âsterreichischen Eisenbahnbetriebsordnung (s.d) oder auch einzelner je nach Erfordernis erlassener beh├Ârdlicher Verf├╝gungen Anwendung zu finden. In schwierigeren praktischen F├Ąllen ist es stets notwendig, die am Schl├╝sse dieses Aufsatzes angef├╝hrten Verordnungen, die zum Teil fortw├Ąhrenden ├änderungen durch neuerlassene Verf├╝gungen unterworfen sind, in ihrer letzten g├╝ltigen Form zu Rate zu ziehen.

I. Auf Neubaustrecken. Obwohl die Befugnis zur Einleitung der A. schon in der Baukonzession liegt, mu├č doch zur Er├Âffnung des vorl├Ąufigen Lokomotivbetriebs die Zustimmung (s. Ben├╝tzungskonsens und Betriebser├Âffnung) der zust├Ąndigen staatlichen Aufsichtsbeh├Ârde (im Deutschen Reiche die Landespolizeibeh├Ârde, in ├ľsterreich die Generalinspektion der ├Âsterreichischen Eisenbahnen) erwirkt werden. Beim Einholen dieser Genehmigung hat der Bahnunternehmer die zu befahrenden Strecken und das f├╝r diesen Betrieb verantwortliche Organ namhaft zu machen, den Nachweis der Kollaudierung der bei der Enteignungsverhandlung vorgeschriebenen feuersicheren Herstellungen in der betreffenden Strecke sowie ├╝ber Erprobung der Br├╝cken beizubringen.

Vor Er├Âffnung des Arbeitszugbetriebs ist daf├╝r zu sorgen, da├č die Fahrbarkeit der Wege und die Wasserabflu├čverh├Ąltnisse nicht gest├Ârt sind, die Weg├╝berg├Ąnge dem Durchgang der Z├╝ge kein Hindernis bereiten und da├č der Zustand der Bahngleise den Anforderungen des Arbeitszugbetriebs entspricht, insbesondere die Gleise gut gelascht, genagelt, gerichtet und gen├╝gend unterstopft sind, um den Schwellen ein festes Auflager zu geben. Auf den Stationen sind die etwa erforderlichen Vorkehrungen gegen das Abrollen der Fahrzeuge und f├╝r die Wasserversorgung der Lokomotiven (Hilfswasserstationen) zu treffen. Verkehrsreiche oder nicht ├╝bersichtliche Weg├╝berg├Ąnge in Schienenh├Âhe sind schon f├╝r den Arbeitszugbetrieb wenigstens mit vorl├Ąufigen, durch vereidigte und gepr├╝fte Organe bedienten und bewachten Schranken zu versehen; solange diese fehlen, m├╝ssen die Z├╝ge vor solchen Weg├╝berg├Ąngen anhalten. Dort, wo auch f├╝r den sp├Ąteren ├Âffentlichen Betrieb keine Schranken erforderlich sind, ist die Fahrgeschwindigkeit vor den Weg├╝berg├Ąngen nach den deutschen Vorschriften auf 15 km in der Stunde, nach den ├Âsterreichischen derart herabzumindern, da├č ein sofortiges Anhalten vor dem Weg├╝bergang gew├Ąhrleistet ist. Alle Weg├╝berg├Ąnge m├╝ssen mit Warnungstafeln, nach den deutschen Vorschriften dort, wo eine Bewachung nicht erforderlich ist, mit L├Ąutetafeln, gegebenenfalls auch mit Haltetafeln f├╝r das Lokomotivpersonal versehen sein.

W├Ąhrend des Arbeitszugbetriebs auf Neubaustrecken sind die f├╝r Kreuzungen oder ├ťberholungen bestimmten Stationen mit Aufsichtsbeamten zu besetzen und auf freier Strecke in bestimmten Abst├Ąnden Bahnw├Ąrter aufzustellen, denen auch die Bewachung und Instandhaltung der Strecke sowie die Bedienung der zugewiesenen Schranken und Signale obliegt. Ferner werden zur ├ťberwachung der Strecke und Aufsicht der Bahnw├Ąrter Streckenaufsichtsorgane bestellt, die der Bauleitung unmittelbar unterstehen. Spitzbefahrene Weichen m├╝ssen, wenn sie nicht st├Ąndig bewacht werden, verschlossen sein.

In den Bahnhofgleisen sind, wenn die endg├╝ltigen Sicherheitsmarken noch nicht vorhanden sind, solche an den durch die Umgrenzungslinie des lichten Raumes begrenzten Stellen vorl├Ąufig anzubringen. Die Umgrenzungslinie des lichten Raumes ist auch f├╝r das Fahrgleis des A. freizuhalten. Wo dies nicht m├Âglich ist, sind die betreffenden Stellen, wie ├╝berhaupt alle die Sicherheit des Verkehrs gef├Ąhrdenden Arbeitsstellen durch Signale zu decken.

Die Lokomotiven, die vorschriftsm├Ą├čig erprobt sein m├╝ssen, die Wagen, Mannschaften und das Betriebsmaterial f├╝r die A. auf Neubaustrecken, auf die Fahrzeuge von Betriebsstrecken aus ├╝bergehen k├Ânnen, werden meist von der Betriebsverwaltung gestellt. Nach den Vorschriften f├╝r die preu├čisch-hessischen Staatseisenbahnen m├╝ssen die Lokomotiven der A. mit L├Ąutewerken oder Handglocken zur Warnung der in den Gleisen oder in deren N├Ąhe sich aufhaltenden Personen ausger├╝stet sein. Die Lokomotiven sind in gutem Zustand zu erhalten und insbesondere vor dem Eindringen von Staub u. dgl. in die zu schmierenden Teile zu sch├╝tzen.

F├╝r die Bef├Ârderung der Arbeiter ist ein Personen-, ein gedeckter oder ein mit Sicherheitsgel├Ąnder versehener offener Wagen in den Zug einzustellen, in dem in der Regel auch die Zugger├Ąte sowie gegebenenfalls ein kleinerer Rettungskasten untergebracht werden. In den A. sind nur lauff├Ąhige Wagen mit gut wirkenden Bremsvorrichtungen in der erforderlichen Anzahl einzureihen, u. zw. in der Regel f├╝r diesen Zweck eigens bestimmte Schotterwagen, die mit niedrigen Bordw├Ąnden und Vorkehrungen zum Schutz gegen die beim Ausladen kaum zu vermeidende Verunreinigung der Lagerteile durch Staub und Sand versehen sein m├╝ssen. Die Wagen sind an den Ladestellen jedesmal vom Zugf├╝hrer zu untersuchen, insbesondere auch auf die gleichm├Ą├čige und zul├Ąssige Beladung, den ordentlichen Verschlu├č und die vollst├Ąndige Entladung. Die Einstellung, Verteilung und Besetzung der Bremsen erfolgt nach ausdr├╝cklichen Bestimmungen deutscher, Verwaltungen auf Grund der f├╝r den Betrieb auf Nebenbahnen erlassenen Vorschriften. F├╝r die Fahrten der A. sind schriftliche Fahrpl├Ąne, u. zw. wenn sie innerhalb mehrerer Bauabteilungen (Bauleitungen oder Baulose) verkehren, im Einvernehmen der Vorst├Ąnde derselben aufzustellen. In ihnen sind die Kreuzungs- und ├ťberholungsstationen zu bezeichnen sowie die Bremslast anzugeben. Auf einer eingleisigen Neubaustrecke darf sich zwischen zwei Stationen in der Regel nur ein A. oder nur eine Lokomotive befinden; andernfalls sind besondere Vorsichtsma├čregeln zur Sicherung der Z├╝ge zu treffen. Nach den preu├čischen Vorschriften ist sobald als tunlich eine Verbindung durch Telegraph oder Fernsprecher herzustellen; sie ist unerl├Ą├člich, wenn mehrere Z├╝ge gleichzeitig auf einem Gleis abgelassen werden. Die Fahrgeschwindigkeit richtet sich im allgemeinen nach der Beschaffenheit des Oberbaues, den Neigungsverh├Ąltnissen der Strecke und der Einrichtung der Wagen. Die H├Âchstgeschwindigkeit ist auf Neubaustrecken in Deutschland auf 25ÔÇô30 km, wenn der Zug gezogen, auf 15 km, wenn er geschoben wird, in ├ľsterreich allgemein auf 15 km, auf Sekund├Ąrbahnen auf 10 km in der Stunde festgesetzt. Die beim A. verwendete Lokomotiv- und Zugsbegleitungsmannschaft mu├č die in Betracht kommenden Bestimmungen ├╝ber den Arbeitszugbetrieb auf Neubaustrecken kennen, f├╝r die ihr obliegenden Verrichtungen geeignet und gepr├╝ft sein. Unkundige Personen d├╝rfen weder Bremsen bedienen noch Wagen kuppeln. Der Zugf├╝hrer ist f├╝r die Zusammensetzung und Bef├Ârderung des Zuges, Sicherung der Arbeiten, Untersuchung der Wagen, Besetzung der Bremsen, die Fahrgeschwindigkeit u.s.w. verantwortlich. Er ist der Vorgesetzte des ├╝brigen Zugbegleitungspersonals und w├Ąhrend des Verkehrs auf der Strecke in allem, was nicht die Besorgung der Lokomotive betrifft, auch der Lokomotivmannschaft. Der n├Ąchste Vorgesetzte des Zugpersonals ist der Vorstand der Bauabteilung (Baulos, Bauleitung), der im Bereich des Neubaues den Arbeitszugdienst unter pers├Ânlicher Verantwortung, jedoch unbeschadet der den Zugsbeamten nach ihren Dienstvorschriften und dem Bauunternehmer nach dem Bauvertrag zukommenden Verantwortung, ordnet und ├╝berwacht. W├Ąhrend der Fahrt des A. nimmt der mit Handsignalmitteln ausger├╝stete Zugf├╝hrer, wenn der Zug gezogen wird, auf einem m├Âglichst nahe der Lokomotive befindlichen Bremsersitz, bei geschobenen Z├╝gen auf dem an der Zugspitze laufenden Wagen Platz. Nach deutschen Vorschriften hat er in letzterem Falle zu dem bereits oben erw├Ąhnten Zweck eine Handglocke mit sich zu f├╝hren. ├ťber die an einem Tage stattgefundenen Fahrten des A. hat der Zugf├╝hrer einen Fahrbericht (Stundenpa├č) aufzustellen.

├ťber die Teilung eines A. auf der Strecke, die Bewegung einzelner Wagen durch menschliche oder tierische Zugkraft und die bez├╝glichen von den Neigungsverh├Ąltnissen der Strecke und der Anzahl der vorhandenen und bedienten Bremsen abh├Ąngigen Vorsichtsma├čregeln sind verschiedene Bestimmungen getroffen. Gegen das Abrollen von Fahrzeugen sind ausreichende Sicherungsma├čnahmen anzuwenden. Bei gr├Â├čeren Neigungen mu├č die Lokomotive auf der Talseite stehen. A. sollen auf Neubaustrecken m├Âglichst nur bei Tage verkehren. Deutsche Vorschriften ordnen ausdr├╝cklich an, da├č bei ausnahmsweisen Fahrten w├Ąhrend der Dunkelheit, oder bei gest├Ârter Fernsicht Zugspitze und Zugende durch Signallaternen kenntlich zu machen sind und die ├Ąu├čerste Vorsicht (Dampfpfeife, Handglocke, L├Ąutewerk) anzuwenden ist. Das Stehenlassen von A. auf offener Strecke zur Nachtzeit ist m├Âglichst zu vermeiden und nur unter Bewachung und Beleuchtung durch rotgeblendete Zugschlu├člaternen zul├Ąssig. Die f├╝r Betriebstrecken vorgeschriebenen Signale gelten im allgemeinen auch f├╝r Neubaustrecken. Die beim A. befindlichen Arbeiter d├╝rfen sich w├Ąhrend der Fahrt nur in dem f├╝r sie bestimmten Mannschaftswagen aufhalten und haben sich im Innern desselben auf den Boden zu setzen. Nur bei kurzen Bewegungen des A. an der Arbeitsstelle d├╝rfen sie auf den Arbeitswagen, jedoch ebenfalls auf dem Wagenboden sitzend, bleiben. Die Mitfahrt ist nur den im Eisenbahndienst oder auf der Neubaustrecke besch├Ąftigten Personen gestattet; auch ist im allgemeinen nur die Bef├Ârderung von Baustoffen f├╝r die Neubaustrecke oder unmittelbar anschlie├čende bauliche Anlagen zul├Ąssig. Eine anderweitige Verwendung der Lokomotiven als f├╝r die Zwecke des A. ist nicht gestattet. Der ├ťbergang von A. von Neubau- auf Betriebstrecken ist nur mit Genehmigung der Bahndirektion (des Betriebsamtes) zul├Ąssig. Das Befahren der Verbindungsweichen zwischen beiden Strecken darf nur im Einvernehmen mit der zust├Ąndigen Betriebsdienststelle (Station, Zugmeldestelle) erfolgen.

Der Tag des Beginnes des Arbeitszugbetriebs (provisorischen Lokomotivbetriebs) ist 4ÔÇô6 Wochen vorher der Eisenbahndirektion zwecks ├Âffentlicher Bekanntmachung und Anzeige bei der staatlichen Aufsichtsbeh├Ârde und der politischen Beh├Ârde (Verwaltungs-, Polizeibeh├Ârde) mitzuteilen.

Im Deutschen Reiche sind von den Bahnverwaltungen f├╝r den Arbeitszugbetrieb auf Neubaustrecken zum Teil besondere Vorschriften erlassen, z.B. von den preu├čischhessischen Staatseisenbahnen die ┬╗Vorschriften f├╝r den Arbeitszugbetrieb der Eisenbahnverwaltungen auf Neubaustrecken┬ź; zum Teil gelten die sonstigen f├╝r den Arbeitszugbetrieb ├╝berhaupt erlassenen Vorschriften, die (z.B. bei den s├Ąchsischen Staatsbahnen die Vorschrift Nr. 196) eigene Kapitel, betreffend den Arbeitszugbetrieb auf Neubaustrecken, enthalten, teils die Vorschriften f├╝r den Neubaudienst (z.B. Bayern, Vorl├Ąufige Neubauordnung) und einzelne besondere Erlasse.

In ├ľsterreich gelten die Verordnung des ├Âsterreichischen Handelsministeriums vom 25. Januar 1879, RGB. Nr. 19, der Erla├č der k. k. Generalinspektion der ├Âsterreichischen Eisenbahnen, Z. 16.135 von 1883, und die Eisenbahnbetriebsordnung.

Falls die Ausf├╝hrung von Neubaustrecken Bauunternehmungen ├╝bertragen ist, so gelten die vorstehenden Bestimmungen dann vollinhaltlich, wenn der Arbeitszugbetrieb von der Bahnverwaltung f├╝r Rechnung des Bauunternehmers gef├╝hrt wird, wie dies z.B. die s├Ąchsischen Vorschriften (Nr. 196) ausschlie├člich vorsehen, w├Ąhrend z.B. die preu├čischen Vorschriften den vom Bauunternehmer eingerichteten Arbeitszugbetrieb nicht ber├╝hren. Wo der Arbeitszugbetrieb von der Bahnverwaltung f├╝r den Bauunternehmer gef├╝hrt wird, unterliegen alle A. und sonstigen Leistungen sowie die Verleihung von Lokomotiven, Wagen und Zugbegleitungspersonal der Genehmigung der Eisenbahndirektion, sofern die Stellung von A. nicht bereits in den Vertr├Ągen vorgesehen ist. Die Kosten f├╝r die erw├Ąhnten Leistungen werden dem Bauunternehmer nach in der Regel ein f├╝r allemal oder im Bauvertrag f├╝r jeden Bau besonders festgestellten Einheits├Ątzen in Rechnung gestellt. F├╝r den durch die Bauunternehmung selbst gef├╝hrten Arbeitszugbetrieb sind die den Arbeitszugbetrieb der Bahnverwaltung regelnden Vorschriften nicht in vollem Ma├če anwendbar. Hier├╝ber herrschen bei den einzelnen Bahnverwaltungen gro├če Verschiedenheiten. Je strenger sich der Unternehmer an die sonst g├╝ltigen Sicherheitsvorschriften h├Ąlt, desto besser wird es f├╝r ihn im Hinblick auf seine und seiner Bediensteten Verantwortlichkeit und Haftpflicht sein. Immerhin gestatten gewisse Umst├Ąnde, wie die geringe Zuglast und -geschwindigkeit (besonders bei schmalspurigen Materialbahnen) wesentliche Erleichterungen.

Sofern solche Bahnen in Betriebstrecken der Bahnverwaltungen einm├╝nden, gelten f├╝r sie die f├╝r Kleinbahnen und Privatanschlu├čgleise (in ├ľsterreich ┬╗Schleppbahnen┬ź, s. Privatanschlu├čgleise) bestehenden Bestimmungen. Die der Materialbef├Ârderung dienenden schmalspurigen Roll- (Material-) Bahnen (s.d.) sind lediglich als Hilfsmittel des Bauunternehmers aufzufassen. Auf sie finden die Eisenbahnkonzessionsgesetze und Eisenbahnbau- und -betriebsordnungen keine Anwendung. F├╝r schmalspurige Rollbahnen bestehen daher keine auf diesen Grundlagen beruhenden Vorschriften. Sie sind vielmehr nach den allgemeinen polizeilichen Vorschriften zu beurteilen. Gegen├╝ber diesen Erleichterungen wurde aber anderseits z.B. f├╝r ├ľsterreich durch den Erla├č des Handelsministeriums, Z. 2453 vom Jahre 1894 ausgesprochen, da├č die Bestimmungen der Eisenbahnbetriebsordnung (kaiserliche Verordnung vom 16. November 1851, RGB. Nr. 1 von 1852) mit den durch die Umst├Ąnde gebotenen Einschr├Ąnkungen auch f├╝r den provisorischen Lokomotivbetrieb auf f├╝r den sp├Ąteren ├Âffentlichen Verkehr bestimmten Neubaustrecken Anwendung zu finden haben. Der Unternehmer ist verpflichtet, das f├╝r die Durchf├╝hrung des provisorischen Lokomotivbetriebs verantwortliche Organ auch der Bahndirektion bekanntzugeben. Die Bahnverwaltung ├╝bt im Interesse ihres Eigentums und des regelm├Ą├čigen Baufortganges die ├ťberwachung und Oberaufsicht aus. Die Bauunternehmung und ihre Bediensteten haben alle Anordnungen der ├ťberwachungs- und sonstigen zust├Ąndigen Organe des Bau- und des Betriebsdienstes, insbesondere hinsichtlich der Betriebsicherheit, unverz├╝glich Folge zu leisten. Die Bauunternehmung hat ihren Arbeitern einen Aufseher (Vorarbeiter) beizugeben; sie ist daf├╝r verantwortlich, da├č dieser die Unfallverh├╝tungsvorschriften f├╝r Streckenarbeiter kennt und Sorge tr├Ągt, da├č sie von den Arbeitern beachtet werden. Der Bauunternehmer haftet dem Bauherrn f├╝r alle Handlungen und Unterlassungen seiner Angestellten und Arbeiter.

II. Auf Betriebstrecken. F├╝r den Verkehr von A. auf im Betrieb befindlichen Eisenbahnen, also von Sonderz├╝gen, die zur Bef├Ârderung von Baustoffen dienen, treffen im wesentlichen, besonders hinsichtlich der Bef├Ârderung der Arbeiter, der Gattung und Untersuchung der Wagen, Aufstellung der Fahrpl├Ąne und sonstigen Vorsichtsma├čregeln die vorstehenden Ausf├╝hrungen in sinngem├Ą├čer Weise zu und es entfallen nur die aus der Natur des Betriebs auf der Neubaustrecke hervorgehenden Beschr├Ąnkungen und besonderen Anordnungen. Dagegen bestehen zur Verh├╝tung von Unf├Ąllen, inbesondere der gegenseitigen Gef├Ąhrdung der A. und der dem regelm├Ą├čigen Betrieb dienenden Z├╝ge strenge Bestimmungen, die die Signalisierung der A., ihr Eintreffen in den Stationen vor Ankunft oder Abgang von Gegen- oder Folgez├╝gen und die Obliegenheiten des Zugpersonals genau bestimmen.

Auf zweigleisigen Strecken d├╝rfen die Arbeiter nur auf der dem andern Gleis abgekehrten Seite ein- und aussteigen. W├Ąhrend des Haltens auf der Strecke sind die A. zu decken. Die Trennung von A. beim Halten auf freier Strecke ist auf unbedingt notwendige F├Ąlle zu beschr├Ąnken und in Deutschland auf gr├Â├čeren Neigungen als 10ÔÇ░ untersagt. Bei solchen Zugtrennungen mu├č die Lokomotive auf der Talseite stehen (in ├ľsterreich jedoch nur auf gr├Â├čeren Neigungen als 2ÔłÖ5ÔÇ░). Jeder abgetrennte Zugteil mu├č die n├Âtige Anzahl bedienter Bremsen besitzen; das Verschieben darf nur durch angeh├Ąngte Lokomotiven erfolgen. Die Deckung hat sich auch auf den abgetrennten Zugteil zu erstrecken.

Antr├Ąge auf Einlegung von A. sind von der in Betracht kommenden Dienststelle rechtzeitig unter Einreichung des Fahrplans beim Fahrdienstbureau zu stellen, das nach Pr├╝fung des Fahrplans die Einleitung der A. veranla├čt. Im Fahrplan sind der Ausfall oder die Verlegung von Zugfahrten, die im bildlichen Fahrplan vorgesehen sind, ausdr├╝cklich zu erw├Ąhnen und Fahrten auf unrichtigem Gleis besonders kenntlich zu machen. Die Belade- und Entladestellen auf freier Strecke m├╝ssen sowohl nach der Stationierung (Kilometrierung) als auch durch Angabe der benachbarten Bahnh├Âfe bezeichnet werden. Den Bestimmungen ├╝ber die Zugfolge ist genau Rechnung zu tragen. Strecken, auf denen der A. von der Lokomotive geschoben wird, sollen besonders bezeichnet werden. Hat ein A. auf einem Schottergruben- oder auf einem sonstigen Nebengleis eine Kreuzung oder eine ├ťberholung abzuwarten, so ist dies im Fahrplan ebenfalls ausdr├╝cklich zu bemerken. Sofern die Fahrt ausnahmsweise nicht nach einem Fahrplan geschieht, mu├č der Verkehr des Zuges von den beiden Nachbarstationen (Zugmeldestellen) vereinbart werden. Die zul├Ąssige H├Âchstgeschwindigkeit f├╝r A. auf Betriebstrecken ist in Deutschland 45, in ├ľsterreich 25 km in der Stunde. Die f├╝r die Einstellung in A. vorgesehenen Wagen (Schotterwagen, Arbeitswagen, Bahndienstwagen) und die zusammengestellten A. werden, wenn sie ausschlie├člich zu Bahnunterhaltungszwecken bestimmt sind, in der Regel den einzelnen Streckenbezirken (Bahnerhaltungsabteilungen, Betriebs├Ąmtern) nach einer im voraus festgesetzten Reihenfolge zugewiesen.

Nach ┬ž 173 der ┬╗Technischen Vereinbarungen des VDEV.┬ź ist bei A. das Schieben des Zuges gestattet, ohne da├č sich an seiner Spitze eine f├╝hrende Lokomotive zu befinden braucht. In solchen F├Ąllen mu├č jedoch die schiebende Lokomotive angekuppelt sein und darf die Fahrgeschwindigkeit von 25 km in der Stunde nicht ├╝berschreiten. Ferner ist bei Fahrten au├čerhalb der Stationen der vorderste Wagen durch einen Zugbegleiter zu besetzen.

Nach ┬ž 176 der ┬╗Technischen Vereinbarungen┬ź sollen A. nur auf bestimmte Anordnung der Betriebsverwaltung und nach bestimmten Fahrpl├Ąnen verkehren. Auch sollen Anordnungen getroffen sein, da├č die Bewegungen solcher Z├╝ge mindestens den beiden, die Fahrstrecke begrenzenden Stationen bekannt sind.

F├╝r alle anderen hier nicht erw├Ąhnten Sicherheitma├čregeln beim Verkehr von A. auf Betriebsstrecken, f├╝r ihre Einleitung, Zusammenstellung und Begleitung gelten die f├╝r den regelm├Ą├čigen Zugbetrieb vorgeschriebenen Bestimmungen. F├╝r das Deutsche Reich sind hierf├╝r ma├čgebend die Eisenbahnbau- und -betriebsordnung (s.d.), die Eisenbahnsignalordnung (s. Signalordnung) und die Fahrdienstvorschriften, ferner die von einzelnen Bahnverwaltungen erlassenen Vorschriften (z.B. f├╝r Sachsen die ┬╗V.f.d. Arbeitszugwesen┬ź, Nr. 196), f├╝r ├ľsterreich die Eisenbahnbetriebsordnung, die Grundz├╝ge der Vorschriften f├╝r den Verkehrsdienst auf Hauptbahnen, die Grundz├╝ge der Vorschriften f├╝r den Betrieb auf Lokalbahnen, die Signalvorschriften und die Vorschriften f├╝r den Verkehrsdienst.

Literatur: Die einzelnen oben angef├╝hrten Vorschriften, insbesondere die von einzelnen Verwaltungen herausgegebenen Vorschriften f├╝r Arbeitszug betrieb, die Neu bau Ordnungen, Verwaltungsordnungen u.s.w.; ferner f├╝r ├ľsterreich: Rybicki u. Mikuli, Bauvorschriften f├╝r Eisenbahnen, Wien, k. k. Hof- und Staatsdruckerei 1896.

v. Enderes.


http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912ÔÇô1923.


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