Auswandererbeförderung

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Auswandererbeförderung

Auswandererbef√∂rderung (convoyance of emigrants; transport des √©migrants; trasporto dei emigranti) ist die vertragsm√§√üige Bef√∂rderung solcher Personen, die sich entweder unter v√∂lligem Aufgeben ihres bisherigen Vaterlandes in einem neuen Vaterlande ansiedeln wollen oder zum Zweck des Erwerbes sich f√ľr unbestimmte Zeit nach dem Auslande begeben. Sie genie√üen unter Umst√§nden wegen ihrer wirtschaftlichen Schw√§che einen staatlichen Schutz und erhalten zur See, in manchen Staaten auch zu Lande, erm√§√üigte Fahrpreise.

In √Ėsterreich haben die Auswanderer bei der Bef√∂rderung auf der Eisenbahn, soferne sie sich mit von √∂sterreichisch-ungarischen oder von ausl√§ndischen Beh√∂rden ausgestellten Arbeitsb√ľchern, Dienstbotenb√ľchern, Heimatsscheinen, Reisep√§ssen oder sonstigen auf Namen lautenden Legitimationen als Arbeiter gewisser Arten ausweisen, bei gemeinsamen Fahrten in gr√∂√üerer Anzahl, mindestens in solcher von f√ľnf Personen (S.-B.) oder von zehn Personen (k. k. St.-B.), auf Entfernungen von mindestens 50 km in der III. Klasse der Personen- und gemischten Z√ľge Anspruch auf die erm√§√üigten Arbeiterkarten, die gegen√ľber den normalen Fahrpreisen einen f√ľnfzig- und mehrprozentigen Vorteil gew√§hren. In Ungarn gelten unter den gleichen Voraussetzungen √§hnliche Beg√ľnstigungen. In Deutschland werden f√ľr die Bef√∂rderung von Auswanderern, die in der Regel in der IV. Klasse erfolgt, Fahrpreiserm√§√üigungen nicht gew√§hrt, in der Schweiz gelten nur die allgemein √ľblichen Beg√ľnstigungen bei gemeinsamen Reisen von Gesellschaften in der Mindestzahl von 30 Personen. In Italien zahlen die Auswanderer bei gemeinsamer Fahrt von mindestens 10 Personen und Bef√∂rderungen in der III. Klasse einen Fahrpreis von 2‚ąô3 Cts. per Kilometer.

Die europ√§ische Auswanderung nach Amerika u.s.w. √ľber New York betrug in den Jahren 1909 und 1910:


Personenzahl.


Auswandererbeförderung

Noch deutlicher wird die Verteilung der Auswanderung nach den Herkunftsl√§ndern aus nachstehender Tabelle √ľber die europ√§ische Einwanderung in den Vereinigten Staaten vom Jahre 1901‚Äď1910:


Personenzahl.


Auswandererbeförderung

Der Anteil der wichtigsten europ√§ischen Auswanderungsh√§fen, Bremen und Hamburg, ergibt sich aus folgender Zusammenstellung √ľber das Jahr 1909:


Auswandererbeförderung

Die Auswanderung aus √Ėsterreich und aus Ungarn zeigt sich demnach als eine sehr starke, die nach den Vereinigten Staaten von Amerika sogar an die erste Stelle getreten ist. Hierbei ist jedoch zu ber√ľcksichtigen, da√ü im Jahre 1907 der Auswandererverkehr seinen H√∂hepunkt erreicht hat und da√ü die amerikanische Wirtschaftskrise, die im zweiten Halbjahre 1907 ausbrach und das ganze folgende Jahr anhielt, die Auswanderung aus Europa ganz besonders eingeschr√§nkt hat. Sie erlitt im Jahre 1908 einen Ausfall von nicht weniger als 963.881 Personen, da nur 402.000 Auswanderer gegen 1,364.865 im Jahre 1907 nach den Vereinigten Staaten bef√∂rdert wurden. Fast im gleichen Verh√§ltnis ging aber auch die Auswanderung aus der Monarchie zur√ľck, jedoch hebt sie sich nach Aufh√∂ren der Krise nicht nur neuerdings, sondern hat ihren fr√ľheren Durchschnitt bereits wieder erreicht.

Die wichtigsten inl√§ndischen Routen f√ľr die Auswanderer sind die √ľber Oderberg und Tetschen im Anschlu√ü an die deutschen Auswandererkontrollstationen Ratibor und Leipzig. Die Auswanderung aus den st√§rksten Auswanderungsprovinzen des Nordens der Monarchie, Galizien und der Bukowina, benutzt zumeist erstere Route, doch wird von ihr bei Einschiffung in Rotterdam, Havre oder Antwerpen auch die Route √ľber Buchs in Benutzung genommen. Auch der S√ľden, Dalmatien, das K√ľstenland und Krain, zieht letztere Route, soferne seine Auswanderer wegen Einschiffung in Hamburg oder Bremen nicht √ľber Leipzig gehen m√ľssen, vor. Die Auswanderer Ungarns fahren meist √ľber Oderberg, wo seitens der √∂sterr. Staatsbahnverwaltung eine freistehende Wartehalle mit einem Fassungsraum f√ľr 450 bis 500 Personen, nebst Dienstraum f√ľr den Arzt, Fahrkartenausgabe, B√ľffet, Geldwechsel, den n√∂tigen R√§umen f√ľr die Zollabfertigung u.s.w. erbaut wurde; die Auswanderer aus Kroatien und Slawonien halten sich jedoch fast ganz an die Route √ľber Buchs, wo ebenfalls f√ľr sie besondere R√§umlichkeiten vorgesehen wurden. Den gleichen Weg w√§hlen die Auswanderer der Balkanl√§nder und die √ľber die galizischen Grenzstationen einbrechenden Russen, die √ľbrigens hier bei Wien ber√ľhren. Wo ein Sammeldienst organisiert ist, werden, was haupts√§chlich von Ungarn gilt, die Auswanderer in geschlossenen Z√ľgen bef√∂rdert, sonst erfolgt die Auswandererbef√∂rderung gr√∂√ütenteils in besonderen Wagen, auch wird ab und zu f√ľr die Verk√∂stigung w√§hrend der Landreise vorgesorgt.

v. Frey.


http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912‚Äď1923.

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