Bahnhofbeleuchtung

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Bahnhofbeleuchtung

Bahnhofbeleuchtung (lighting of the station; √©clairage de la gare; illuminazione della stazione). Diese umfa√üt nicht nur die Beleuchtung der Empfangsgeb√§ude, Hallen, Vestib√ľle, Restaurants, Warter√§ume, Dienstr√§ume, G√ľterhallen, Werkst√§ttenr√§ume u.s.w. (innere B.), sondern auch die Beleuchtung der Vorpl√§tze, Gleisstra√üen, Weichen, Signale (√§u√üere B).

a) Allgemeines. Die k√ľnstliche Beleuchtung der Bahnhofanlagen ist aus Verkehrs- und Sicherheitsr√ľcksichten ein unbedingtes Erfordernis, und ist in den meisten Staaten den Bahnen im Verordnungswege die Verpflichtung auferlegt, f√ľr entsprechende innere und √§u√üere Beleuchtung der Bahnhofanlagen zu sorgen.

Die dem Publikum zug√§nglichen R√§ume m√ľssen mit R√ľcksicht auf dessen Anspr√ľche auf gro√üen Bahnh√∂fen entsprechend reichlich beleuchtet werden; es bilden hier in den verschiedenen Empfangs- und Repr√§sentationsr√§umen, Vestib√ľlen u.s.w. die Beleuchtungsk√∂rper eine Erg√§nzung der dekorativen Ausstattung der R√§ume; doch darf hierbei der eigentliche Zweck der Beleuchtungsk√∂rper nicht aus dem Auge gelassen werden. Architekt und Beleuchtungstechniker sollen im gegenseitigen Einvernehmen arbeiten, die B. darf unter den Anspr√ľchen des Architekten nicht leiden.

Im Gegensatz hierzu wird man sich in kleineren Bahnhofanlagen mit einer einfachen und mit R√ľcksicht auf die √∂rtlichen Verh√§ltnisse gerade ausreichenden Beleuchtung der Warter√§ume, Bahnsteige u.s.w. begn√ľgen.

Wesentlich verschieden von den Grunds√§tzen, nach denen die Beleuchtung von Personenbahnh√∂fen eingerichtet wird, sind jene, die f√ľr die Beleuchtung von Rangier- und Frachtenbahnh√∂fen sowie von Gleisstra√üen, Weichengruppen u.s.w. ma√ügebend sind.

Hieraus geht hervor, da√ü die Beleuchtung jeder Bahnhofanlage ein Problem f√ľr sich bildet, dessen L√∂sung unter Ber√ľcksichtigung des tats√§chlichen Bed√ľrfnisses, der sonstigen einschl√§gigen Verh√§ltnisse sowie der Kostenfrage zu erfolgen haben wird.

Ehe an die Feststellung des Programmes f√ľr die Errichtung der Beleuchtungsanlage geschritten werden kann, mu√ü zun√§chst mit R√ľcksichtnahme auf die Zahl und Austeilung der Lichtquellen die Entscheidung √ľber die wirtschaftlichste Beleuchtungsart getroffen werden.

Im Hinblicke auf die zahlreichen Methoden, nach denen eine moderne Beleuchtungsanlage ausgef√ľhrt werden kann, ist die Wahl der Beleuchtungsart nicht immer eine leichte, und m√ľssen hier vor allem die √∂rtlichen Verh√§ltnisse und die Kostenfrage die Hauptrolle spielen.

Doch kann diesbez√ľglich festgestellt werden, da√ü bei gr√∂√üeren Bahnhofanlagen nur mehr Gasbeleuchtung oder elektrisches Licht in Frage kommt; die Au√üenbeleuchtung erfolgt nahezu durchwegs mittels elektrischen Lichtes, u. zw. meist mittels Bogenlichtes. F√ľr provisorische Gleisbeleuchtung kommt in neuester Zeit auch h√§ufig die Starklichtlampe (s. Beleuchtungsk√∂rper) in Verwendung.

Eine allgemein g√ľltige Kostenvergleichung der verschiedenen Beleuchtungsarten kann aus den vorangef√ľhrten Gr√ľnden nicht aufgestellt werden. Es soll nur hervorgehoben werden, da√ü gegen√ľber den anderen Beleuchtungsarten sich die Kosten der elektrischen B. um so vorteilhafter gestalten, je besser die Anlage ausgenutzt, d.h. je gr√∂√üer die j√§hrliche Zahl von Brennstunden ist, da die Verzinsung und Amortisation der gesamten Beleuchtungsanlage einen sehr wesentlichen Faktor bei der Betriebsrechnung darstellt.

b) Beleuchtungsintensit√§t auf Bahnh√∂fen. F√ľr alle Arten der B. gelten hinsichtlich der Lichtverteilung, des Gleichf√∂rmigkeitsgrades der B. und der Intensit√§t der B. die gleichen Grunds√§tze. Seitens der √∂sterreichischen Staatseisenbahnverwaltung wurden hierf√ľr folgende Normen aufgestellt:

őĪ) √Ąu√üere B. Hier ist bei elektrischer Bogenlichtbeleuchtung und Anwendung sonstiger kr√§ftiger Lichtquellen eine m√∂glichst gleichm√§√üige Lichtverteilung anzustreben. Diese wird bei gro√üen Bahnhofpl√§tzen durch Aufstellung der Lampen in die Ecken gleichseitiger Dreiecke m√∂glichst gro√üer Seitenl√§ngen und durch m√∂glichst gro√üe Aufh√§ngeh√∂he der Lampen erzielt. Bei hoch aufgeh√§ngten Lampen sind aus Gr√ľnden besserer Lichtausbeute Klarglasglocken zu verwenden.

Bei langgestreckten, schmalen Bahnh√∂fen sind die Lampen tunlichst in der Mitte der Gleisanlage hintereinander aufzustellen. In allen F√§llen ist aber darauf Bedacht zu nehmen, da√ü nicht ein gro√üer Teil einzelner Lichtkegel au√üerhalb des Bahnhofrayons f√§llt und f√ľr die B. verloren geht.

Das Beleuchtungsminimum soll betragen:


1
Im Bereiche der Weichenstraßen
aller Bahnh√∂fe0¬∑5‚Äď0¬∑7 Lux
f√ľr Drehscheiben 0¬∑7 Lux
auf Verschiebebahnhöfen mit
starkem Verkehr 0·3 Lux
auf Verschiebebahnhöfen mit
schwachem Verkehr und
auf Kohlenverladeplätzen 0·2 Lux

Im Aufstellungsbereich f√ľr Wagen ist bei Einhaltung vorstehender Grenzen noch ein Minimum von 0‚ąô16 Lux zul√§ssig.

Die Wahl, Aufh√§ngung und Lage starker Lampen ist demnach derart zu bewirken, da√ü in den Punkten der geringsten B., also in den Schwerpunkten der vorerw√§hnten gleichseitigen Dreiecke, bzw. im halben Abstande zweier Lampen gleicher Lichtintensit√§t und gleicher Aufh√§ngeh√∂he die vorangef√ľhrten Werte mindestens erreicht, aber auch nicht erheblich √ľberschritten werden. Die Auslegerarme der Lampen sind stets derart anzubringen, da√ü der Schatten des Lampenmastes m√∂glichst wenig Nachteile bringt.

Die mittlere Beleuchtungsstärke soll betragen:


Auf Bahnhofvorplätzen, Bahnhofhallen
und Bahnhofveranden bei starkem
Verkehr 7 Lux
auf Bahnsteigen und Bahnhofveranden
mit geringerem Verkehr3‚Äď5 Lux
auf Bahnsteigen kleiner Stationen und
Magazinsbahnsteige 2 Lux
und auf Laderampen0·7 Lux

ő≤) Innenbeleuchtung. In gro√üen, hohen R√§umen mit Ausnahme der ringf√∂rmigen Heizh√§user ist die allgemeine B. vorteilhaft mittels elektrischen Bogenlichtes zu bewirken. Hier sind die Lampen mit m√∂glichst leicht durchl√§ssigen Glocken auszustatten und m√∂glichst hoch aufzuh√§ngen. Kleinere und niedere R√§ume sind bei elektrischen Anlagen mit Gl√ľhlicht und bei sonstigen Anlagen mit gleichwertigen Lampen zu beleuchten und ist auch hier stets eine tunlichst gleichm√§√üige Lichtverteilung anzustreben.

Die mittlere Beleuchtung der Bodenflächen in Innenräumen hat zu betragen:


In Abfahrtsvestib√ľlen gro√üer
Stationen 7Lux
In Ankunftsvestib√ľlen gro√üer
Stationen 5Lux
In Abfahrtsvestib√ľlen und
im Ausgang in kleinen
Stationen sowie Gängen 4Lux
In Wartes√§len 5‚Äď10Lux
In Restaurants (Bufetten) 8‚Äď12Lux
In Restaurants (Speises√§len)20‚Äď25Lux
In Hofwartesälen 50Lux
In Gep√§cksmanipulationsr√§umen 5‚Äď7Lux
In Magazinsr√§umen 5‚Äď7Lux
In Verkehrsbureaus, allgemeine
Bodenbeleuchtung 7Lux

Die Tischbeleuchtung soll betragen:


Bei Kassen am Schalterbrett
mindestens 12 Lux
im Telegraphenbureau bei jedem
Apparate 35 Lux
auf Bureauschreibtischen30‚Äď35 Lux

In Heizh√§usern ist die Gl√ľhlicht- oder eine sonstige gleichwertige Beleuchtung einzuf√ľhren, die im Mittel 3‚ąô5‚Äď4 Lux auf der Bodenfl√§che betragen mu√ü, wobei die Lampen nicht unter 3 m Aufh√§ngeh√∂he anzubringen sind.

c) Au√üergew√∂hnliche B. Es kann der Fall eintreten, da√ü einzelne Stationen, sei es aus Betriebs- oder milit√§rischen Gr√ľnden vor√ľbergehend reichlicher als dies mit den vorhandenen feststehenden Beleuchtungsk√∂rpern m√∂glich ist, beleuchtet werden m√ľssen, oder aber, da√ü zur Behebung von gr√∂√üeren Bahnunf√§llen, bei n√§chtlichen Bauten rasch gro√üe Lichtquellen herbeigeschafft werden m√ľssen.

In diesen F√§llen bedient man sich entweder der Starklichtlampen (s. Beleuchtungsk√∂rper) oder der mobilen elektrischen Beleuchtungsgarnituren, deren Aufstellung je nach Geschicklichkeit und √úbung der manipulierenden Organe in 4‚Äď6 Stunden erfolgen kann, so zwar, da√ü, wenn nicht besondere Schwierigkeiten vorliegen, in dieser Zeit 8‚Äď12 elektrische Bogenlampen in T√§tigkeit gesetzt werden k√∂nnen.

F√ľr vor√ľbergehende B. bedient man sich unter Umst√§nden auch der Fackeln (s. Beleuchtung, Beleuchtungsk√∂rper, Beleuchtungsmaterialien).

d) F√ľr die Bedienung der Beleuchtungsanlage sind in den gr√∂√üeren Stationen zumeist eigene Personen (Lampisten, Beleuchtungsaufseher etc.) bestellt. Diesen obliegt insbesondere das rechtzeitige Anz√ľnden der Lampen, die Reinigung und Instandhaltung der verschiedenen Teile der Beleuchtungsanlage sowie andere Gesch√§fte, die mit der Beleuchtung im Zusammenhang stehen. F√ľr die Besorgung dieser Obliegenheiten sind den betreffenden Bediensteten in den meisten Stationen eigene R√§ume (Lampistereien, Beleuchtungskammern) zugewiesen.

Literatur: Schmitt, Bahnh√∂fe und Hochbauten auf Lokomotiveisenbahnen. Leipzig 1882, Bd. I u. II; Bd. XLIV, S. 213; Bd. XLI, S. 147; Bd. XLVI, S. 22, 285; Bd. XLVII, S. 75. ‚Äď Organ f√ľr die Fortschritte des Eisenbahnwesens. Bd. XII, S.40; Bd. XIII, S. 165, 251; Bd. XVII, S. 61, 125; Bd. XVIII, S. 82; Bd. XIX, S. 146, 188; Bd. XX, S. 149; Bd. XLVIII, S. 354. ‚Äď Bulletin de la Commission internationale du Congr√®s des chemins de fer. Br√ľssel, August und September 1887. ‚Äď Sartiaux und Wei√üenbruch (Referat f√ľr den dritten internationalen Eisenbahnkongre√ü in Paris 1889). L'eclairage √©lectrique des trains et des gares. ‚Äď Barkhausen, Eisenbahn technik der Gegenwart, Bahnhofsanlagen. Wiesbaden 1909, Bd. II, 3. Teil. ‚Äď √Ėsterr. Eisenbahnztg. 1911, Wunderlich, Beleuchtung der Bahnh√∂fe mit auf hohen Lichtmasten montierten Gas-Starklichtlampen.

Scheichl, Wietz.

1

1 Lux entspricht der Beleuchtung einer ebenen Fläche durch die Hefnerkerze im Abstande von 1 m.


http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912‚Äď1923.

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