Beamte

ï»ż
Beamte

Beamte (officers; employés; impiegati).


Inhalt: I. Begriffsbestimmung. Art des DienstverhĂ€ltnisses. II Einteilung der B. III. Voraussetzungen fĂŒr die Erlangung der Anstellung. Anstellungsakt. IV. Pflichten und Rechte aus dem DienstverhĂ€ltnis. V. Vermögensrechtliche AnsprĂŒche. BesoldungsverhĂ€ltnisse. VI. Auflösung des DienstverhĂ€ltnisses. Wohlfahrtseinrichtungen. VII. Anzahl und GesamtbezĂŒge der Bediensteten.


I. Die bei den Eisenbahnen beschĂ€ftigten Personen sind unter dem Sammelbegriff »Eisenbahnbedienstete« zusammenzufassen. Als solche sind sie – ganz allgemein betrachtet – Personen, die ihre Arbeitskraft, zumeist unter Ausschluß einer anderweitigen TĂ€tigkeit, einem Bahnunternehmen gegen ein entsprechendes Entgelt widmen und sich hinsichtlich ihrer TĂ€tigkeit der disziplinaren Gewalt der Bahnverwaltung unterwerfen. Bedienstete in diesem Sinne sind alle Angestellten und Arbeiter, dagegen können zu den Bediensteten nicht die Personen gezĂ€hlt werden, die sich, wie z.B. BahnĂ€rzte, Agenten u.s.w., ohne Unterordnung unter die dienstliche Gewalt der Verwaltung und ohne Verzicht auf anderweitige TĂ€tigkeit lediglich zu gewissen, entgeltlichen Dienstleistungen verpflichten.

Im Dienste der Staatseisenbahnen wie in dem der Privateisenbahnen lassen sich zwei Hauptgruppen von Bediensteten unterscheiden, nĂ€mlich B. und Arbeiter. Wegen der letzteren s. Arbeiter. Was den Begriff des B. anlangt, so ist er nicht einheitlich festgelegt und nicht scharf umgrenzt. Im allgemeinen wird nach den in Deutschland ĂŒblichen Anschauungen als B. jeder angesehen, der im unmittelbaren oder mittelbaren Staatsdienste in einem öffentlichen Amte angestellt ist. Ist hiernach der Ausdruck »B.« zunĂ€chst nur auf die TrĂ€ger eines öffentlichen Amtes, also bei Eisenbahnen nur auf die bei Staatsbahnen Angestellten anzuwenden, so gebraucht man doch mit RĂŒcksicht darauf, daß die bei Privatverwaltungen angestellten Personen wenigstens teilweise zugleich öffentlich-rechtliche Funktionen, nĂ€mlich die der Bahnpolizei, ausĂŒben, auch fĂŒr die Angestellten der Privatverwaltungen die Bezeichnung »B.«. So werden bei den deutschen Privatbahnen zumeist alle nicht zu den Arbeitern gehörigen Bediensteten als B. bezeichnet, wogegen es bei den österreichischen und ungarischen Privatbahnen ĂŒblich ist, als Bahnbeamte nur eine höhere Kategorie von Angestellten zu erklĂ€ren und im Gegensatze zu den B. Unterbeamte, Diener u. dgl. zu unterscheiden.

Das DienstverhÀltnis der bei der Staatseisenbahnverwaltung Angestellten ist teils ein öffentlich-rechtliches MandatsverhÀltnis (Staatsbeamte), teils ein rein privatrechtliches.

Zu den Staatsbeamten zĂ€hlen bei der preußischen Staatseisenbahnverwaltung:

A. die etatsmĂ€ĂŸigen B., d.h. die, denen eine im Besoldungsetat der Staatsbahnverwaltung unter Titel 1 der Ausgaben vorgesehene Stelle verliehen worden ist;

B. die außeretatsmĂ€ĂŸigen (diĂ€tarischen) B. Diese zerfallen:

1. in B., die sich noch im Probe- oder Vorbereitungsdienst befinden und die vorgeschriebene PrĂŒfung noch nicht abgelegt haben (DienstanfĂ€nger). Zu diesen gehören:


a) die DienstanfÀnger des mittleren technischen und nichttechnischen Eisenbahndienstes (Aspiranten und Zivilsupernumerare),

b) die im Probedienst beschĂ€ftigten versorgungsberechtigten DienstanfĂ€nger fĂŒr die Stellen der Unterbeamten;


2. in B., die nach vollendeter Probe- oder Vorbereitungszeit die vorgeschriebene PrĂŒfung bestanden haben.

Die im BeamtenverhĂ€ltnis befindlichen Personen sind entweder unkĂŒndbar (lebenslĂ€nglich) angestellt oder auf KĂŒndigung, so daß sie jederzeit im Wege der vorbehaltenen KĂŒndigung entlassen werden können, oder auf Widerruf, der ihre jederzeitige Entlassung ohne KĂŒndigung ermöglicht.

Die höheren B. werden stets unkĂŒndbar angestellt. Im KĂŒndigungsverhĂ€ltnis werden alle DienstanfĂ€nger nach bestandener PrĂŒfung bei ihrer Aufnahme in das außeretatsmĂ€ĂŸige BeamtenverhĂ€ltnis angestellt. Die etatsmĂ€ĂŸigen mittleren und ein Teil der unteren B. können nach einer fĂŒnfjĂ€hrigen befriedigenden Staatsdienstzeit unkĂŒndbar angestellt werden. Auf Widerruf werden nur die AnwĂ€rter fĂŒr die mittleren Stellen und die versorgungsberechtigten AnwĂ€rter fĂŒr Unterbeamtenstellen wĂ€hrend der Dauer des Vorbereitungsdienstes beschĂ€ftigt.

Auf Grund eines Dienstvertrages privatrechtlicher Natur, fĂŒr den in der Hauptsache die Bestimmungen des BĂŒrgerlichen Gesetzbuches (§§ 611–630) und die »Gemeinsamen Bestimmungen fĂŒr die Arbeiter aller Dienstzweige u.s.w.« maßgebend sind, werden bei den preußischen Staatsbahnen beschĂ€ftigt:

a) die HilfskrÀfte im unteren Dienste (z.B. Aushelfer, HilfsbahnwÀrter, Hilfsweichensteller u.s.w.),

b) die Gehilfen im mittleren Dienste,

c) die weiblichen Hilfsbediensteten (Aushelferinnen, SchrankenwÀrterinnen).

Bei der bayerischen Staatseisenbahnverwaltung unterscheidet man (s. Beamtengesetz vom 8. September 1908) gleichfalls etatsmĂ€ĂŸige und nicht etatsmĂ€ĂŸige B. Erstere erlangen die Unwiderruflichkeit der Anstellung entweder nach einer etatsmĂ€ĂŸigen Dienstzeit von 3 Jahren (die in der Gehaltsordnung fĂŒr die etatsmĂ€ĂŸigen Staatsbeamten vom 6. September 1908 in den Klassen 1–12 aufgefĂŒhrten B.) oder nach einer solchen von 10 Jahren (die ĂŒbrigen in den Klassen 13–30 der Gehaltsordnung benannten B). Das DienstverhĂ€ltnis der nicht etatsmĂ€ĂŸigen B. ist dauernd widerruflich. Dem nicht etatsmĂ€ĂŸigen Personal reihen sich die AnwĂ€rter, Aspiranten und Gehilfen des technischen und administrativen Dienstes an.

Ähnlich sind die VerhĂ€ltnisse bei den badischen, sĂ€chsischen und wĂŒrttembergischen Staatsbahnen geregelt.

Die Bediensteten der österreichischen Staatsbahnen sind nicht unmittelbare Staatsbedienstete und gelten fĂŒr sie besondere Normen (Dienstordnung). Soweit durch diese nicht eine Verschiedenheit in den Rechten und Pflichten bedingt ist, finden auf die Staatsbahnbeamten die fĂŒr Staatsbeamte und -diener geltenden Vorschriften sinngemĂ€ĂŸe Anwendung.


II. Im allgemeinen kann man bei Staats- und Privatbahnen Angestellte fĂŒr den höheren, mittleren und unteren Dienst unterscheiden. Zu dem höheren Dienste gehören die B., die durch ihre Vorbildung und ihre FĂ€higkeiten dazu berufen sind, leitende Posten bei den Zentralverwaltungsstellen oder sonstige mit einem bestimmten Grade von SelbstĂ€ndigkeit und Verantwortlichkeit verbundene Stellungen wahrzunehmen.

In Deutschland ist der Begriff des höheren Eisenbahnbeamten nicht scharf umgrenzt. Ohne weiteres werden die Stellen der Vorsitzenden, Mitglieder und Hilfsarbeiter der Zentral- und Bezirksverwaltungsbehörden (Generaldirektionen, Eisenbahnzentralamt, Eisenbahndirektionen u.s.w.), ferner die mit der technischen Leitung einzelner Dienstzweige betrauten Oberbeamten dem höheren Eisenbahndienst zugerechnet. Zuweilen greift aber der höhere Eisenbahndienst noch weiter, wie z.B. in Bayern, WĂŒrttemberg und Baden, wo höhere B. auch im Betriebsdienst, insbesondere bei der Besetzung der Verwalterstellen großer Bahnhöfe vorĂŒbergehend Verwendung finden.


In Preußen gehören zu den höheren B. die PrĂ€sidenten und Mitglieder des Eisenbahnzentralamts und der Eisenbahndirektionen, die VorstĂ€nde der Betriebs- (in neuerer Zeit werden kleinere, sog. NebenbetriebsĂ€mter ausnahmsweise auch mit mittleren Beamten besetzt), Verkehrs-, Maschinen- und WerkstĂ€ttenĂ€mter und Bauabteilungen sowie die Hilfsarbeiter bei dem Eisenbahnzentralamt und den Eisenbahndirektionen (Regierungsassessoren und Regierungsbaumeister). Den höheren B. werden ferner auch zugerechnet die Rechnungsdirektoren, Chemiker und Hauptkassenrendanten.

Zum mittleren Dienste gehören die technischen und nichttechnischen Bureaubeamten (einschließlich Zeichner und Kanzlisten), die Oberbahnhofs-, ObergĂŒter- und Oberkassenvorsteher, Eisenbahnassistenten und Bahnhofsverwalter, WerkstĂ€ttenvorsteher, Werkmeister, Oberbahnmeister, Bahnmeister I. Klasse, Bahnmeister, ZugfĂŒhrer, LokomotivfĂŒhrer, SchiffskapitĂ€ne I. Klasse, SchiffskapitĂ€ne, SteuermĂ€nner, Schiffsmaschinisten und Maschinisten bei elektrischen Anlagen sowie die DiĂ€tare und Aspiranten dieser Beamtenklassen.

Zum unteren Dienste gehören die WerkfĂŒhrer, Wagenmeister, Rangiermeister, Telegraphisten, Lademeister, Unterassistenten, Bahnhofsaufseher, Fahrkartenausgeber, MaschinenwĂ€rter, MaschinenwĂ€rter bei elektrischen Anlagen, SeemaschinenwĂ€rter, Weichensteller I. Klasse, Lokomotivheizer, FeuermĂ€nner, TriebwagenfĂŒhrer, Schiffsheizer, Magazinaufseher, Fahrkartendrucker, Bureaudiener, BrĂŒckengeldeinnehmer, Eisenbahngehilfinnen, Weichensteller, Eisenbahngehilfen, RottenfĂŒhrer, WagenwĂ€rter, Stationsschaffner (Pförtner und Bahnsteigschaffner), BrĂŒckenwĂ€rter, Kranmeister, Schaffner, Matrosen, RangierfĂŒhrer, Bahn- und KranwĂ€rter, NachtwĂ€chter und Steindrucker.

In Bayern gehören zum höheren Dienst: die PrĂ€sidenten der Eisenbahndirektionen, OberregierungsrĂ€te, RegierungsrĂ€te, Oberinspektoren, Oberbauinspektoren, Obermaschineninspektoren, DirektionsrĂ€te, Obergeometer, Direktionsassessoren, Eisenbahnassessoren u.s.w.; zum mittleren Dienste die Oberbahnverwalter, Bahnverwalter, technischen EisenbahnsekretĂ€re, EisenbahnsekretĂ€re, Oberbahnmeister u.s.w.; zum unteren Dienste die OberwerkfĂŒhrer, Oberrangiermeister, technischen Oberassistenten, Oberpackmeister, OberlokomotivfĂŒhrer, Wagenmeister, Bauassistenten, WerkfĂŒhrer, Maschinisten, Rangiermeister, Bureauassistenten, Packmeister, Direktionsdiener, Stationsaufseher, Lokomotivheizer, Fahrkartendrucker, Steindrucker, Weichensteller, BlockwĂ€rter, Kanalaufseher u.s.w.

In Sachsen zĂ€hlen zum höheren Dienste: der PrĂ€sident der Generaldirektion, die OberrĂ€te, FinanzrĂ€te, FinanzamtmĂ€nner, Finanzassessoren, Direktionsreferendare u.s.w.; zum mittleren Dienste die Oberbahnhofs- und ObergĂŒtervorsteher, die Bahnhofs-GĂŒter- und Kassenvorsteher, die Oberbahnmeister, Obertelegraphenmeister, Bahnmeister und Telegraphenmeister 1. und 2. Klasse, die EisenbahnsekretĂ€re und -obersekretĂ€re, Hauptkassierer, Bahnverwalter I. und II. Klasse, BausekretĂ€re und BauobersekretĂ€re, Botenmeister, Bureauinspektoren, Eisenbahnassistenten und Stationsverwalter, Heizhausvorsteher 1. und 2. Klasse, Kassierer, LokomotivfĂŒhrer u.s.w.; zum unteren Dienste die Bauaufseher, BahnwĂ€rter, StationswĂ€rter, RottenfĂŒhrer, Bureau- und Kassendiener, Eisenbahnschreiber, Stationsaufseher, Fahrkartendrucker, Steindrucker, FeuermĂ€nner 1. und 2. Klasse, MaschinenwĂ€rter 1. und 2. Klasse, Materialausgeber, Pförtner, Stationsschaffner, Telegraphenaufseher, TelegraphenwĂ€rter, WĂ€chter, WagenwĂ€rter, WeichenwĂ€rter 1. und 2. Klasse, WerkfĂŒhrer, Werkstattsaufseher, Zeichner, Zugschaffner u.s.w.

In WĂŒrttemberg gehören zu den höheren B. die VorstĂ€nde und Mitglieder der Kollegien, die Eisenbahnbetriebsinspektoren, Eisenbahnbetriebs- und Verkehrskontrolleure, Bahnhofinspektoren u.s.w.; zu den mittleren B. die OberbahnsekretĂ€re, Bahnhof- und GĂŒterverwalter, Bahnhof- und GĂŒterkassiere, Materialverwalter, EisenbahnsekretĂ€re, Oberbahnassistenten, Stationsverwalter, Stationskassiere, Kanzleiassistenten; zu den unteren B. die Stationsdiener, Bremser, Tag- und NachtwĂ€chter, WagenwĂ€rter und Wagenrevidenten, Schaffner, ZugfĂŒhrer, Bahnhofaufseher, SchrankenwĂ€rter, BahnwĂ€rter, OberbahnwĂ€rter, WeichenwĂ€rter, StationswĂ€rter, BlockwĂ€rter, Haltepunktvorsteher, Haltestellevorsteher, Lokomotivheizer und LokomotivfĂŒhrer.

In Baden gehören zum höheren Dienst: Der Generaldirektor der Staatseisenbahnen, die AbteilungsvorstĂ€nde und Mitglieder bei den Kollegialmittelstellen, die Hilfsreferenten und Inspektionsbeamten bei Zentralstellen, die VorstĂ€nde von Zentralanstalten und Bezirksstellen der Eisenbahnverwaltung der Gehaltsklasse I und II u.s.w.; zum mittleren Dienste die Bureaubeamten bei Zentralverwaltungen der Gehaltsklasse I und II, Hauptmagazinverwalter, Magazinsmeister, Eisenbahningenieure der Gehaltsklasse I und II, Geometer der Gehaltsklasse I und II, mittlere technische B. der Gehaltsklasse I und II, Zeichner der Gehaltsklasse I und II, Schreibbeamte der Gehaltsklasse I und II, VorstĂ€nde von StationsĂ€mtern I, II, III und von GĂŒterverwaltungen, Bahnmeister und Telegraphenmeister der Gehaltsklasse I und II, LokomotivfĂŒhrer der Gehaltsklasse I und II, Maschinisten der Gehaltsstufe I und II, SchiffskapitĂ€ne und Schiffsmaschinisten der Gehaltsklasse I und II, Zugrevisoren, Zugmeister der Gehaltsklasse I und II, WerkstĂ€ttenvorsteher, Werkmeister der Gehaltsklasse I und II u.s.w.; zum unteren Dienste die Bureaudiener, Magazinaufseher, Fahrkartendrucker, Vorsteher von StationsĂ€mtern IV und V, WeichenwĂ€rter, Schirrmeister der Gehaltsstufe I und II, SchirrmĂ€nner, Diener, Schaffner im Bahnsteigdienst der Gehaltsklasse I und II, RottenfĂŒhrer, BahnwĂ€rter, Lokomotivheizer der Gehaltsklasse I und II, MaschinenwĂ€rter, Wagenrevidenten, Schiffsheizer, Schaffner der Gehaltsklasse I und II, Bremser, WerkfĂŒhrer der Gehaltsklasse I und II, WagenwĂ€rter u.s.w.


Das Personal der österreichischen Staatsbahnen zerfĂ€llt in B., Unterbeamte, Diener, VolontĂ€re, Diurnisten, Aushilfsunterbeamte, Aushilfsdiener, Manipulantinnen, Arbeiter und die mit besonderem Dienstvertrag angestellten Personen. Zu den statusmĂ€ĂŸig eingereihten Bediensteten gehören nur die B., Unterbeamten und Diener, die ĂŒbrigen Bediensteten werden gegen Taggeld oder Taglohn beschĂ€ftigt.


In Österreich werden zum höheren Dienst die Zentralinspektoren, Oberinspektoren, Inspektoren u.s.w.; zum mittleren Dienst die Bahn-, Bau-, MaschinenkommissĂ€re, Offiziale, Revidenten, Bahnkonzipisten, Adjunkten, Geometer I., II. und III. Klasse, KapitĂ€ne I., II. und III. Klasse u.s.w. gerechnet. Die Angestellten, die den unteren Dienst versehen, heißen Unterbeamte oder Diener, zu ihnen gehören die Werkmeister, Maschinenmeister, LokomotivfĂŒhrer, Maschinisten, Offizianten, Skottisten, Stationsmeister, Wagenmeister, Wagenrevisoren, WerkfĂŒhrer, Zugsrevisoren, Beleuchtungsmeister, Dolmetsche, Hafenmeister, Kanzlisten, Magazinsmeister, Oberkondukteure, Platzmeister, Maschinenaufseher, Oberheizer, Wagenaufseher, Kanzleidiener, Kondukteure, Lokomotivheizer, Portiere, Stationsaufseher, Magazinsdiener, Stationsdiener, WĂ€chter u.s.w.


In Belgien unterscheidet man Bedienstete des höheren Dienstes (Fonctionnaires), Bedienstete des mittleren Dienstes (Employés) und Bedienstete des niederen Dienstes (Agents subalternes).

Das Personal der französischen Bahnen ist, mit Ausschluß der Arbeiter, aus sogenannten Agents commissionnĂ©s und Agents en rĂ©gie zusammengesetzt. Erstere sind definitiv angestellt und können nur wegen eines begangenen Verbrechens entlassen werden, letzteren wird aber gekĂŒndigt, sobald sie entbehrlich sind.

In der Schweiz pflegt man Beamte und Angestellte, erstere den höheren Dienst umfassend, zu unterscheiden.


III. Die Voraussetzungen fĂŒr Erlangung einer Anstellung im Eisenbahndienst sind bei den einzelnen Verwaltungen verschiedenartig geregelt, zeigen jedoch im Bereiche der einzelnen Staaten eine grĂ¶ĂŸere oder geringere Übereinstimmung. ZunĂ€chst wird bei fast allen kontinentalen Bahnen die ErfĂŒllung gewisser Vorbedingungen bezĂŒglich der persönlichen Eignung der Bewerber gefordert, u. zw.:

1. Staatsangehörigkeit. Sie ist bei den bestehenden Staatsbahnen vielfach ein unbedingtes Erfordernis. Privatbahnen können, mĂŒssen aber in der Regel nicht von ihren Angestellten die Staatsangehörigkeit fordern.

2. Ein bestimmtes Lebensalter, dessen Höchstgrenze beim Eintritt in den Staatsdienst in Deutschland 40, in Österreich 35, in Frankreich, Belgien und England 30 Jahre betrĂ€gt.

3. Körperliche Tauglichkeit. Die Bewerber mĂŒssen in körperlicher Hinsicht den Bestimmungen ĂŒber die Feststellung der körperlichen Tauglichkeit genĂŒgen, insbesondere das vorgeschriebene Seh-, Farbenunterscheidungs- und Hörvermögen besitzen.

4. Die Bewerber mĂŒssen ferner schuldenfrei sein, auch mĂŒssen sie unbescholten sein, d.h. sich in ihren bisherigen LebensverhĂ€ltnissen achtbar gefĂŒhrt haben.

5. Die Bewerber sollen im allgemeinen der aktiven MilitĂ€rdienstpflicht bereits genĂŒgt haben oder fĂŒr die Friedenszeit davon befreit sein.

Über die Anstellungsberechtigung der sog. MilitĂ€ranwĂ€rter fĂŒr bestimmte mittlere und untere Stellen des Staats- und Privatbahnbetriebs s.u. »Anstellungsberechtigung«.

Abgesehen von den obigen allgemeinen Erfordernissen muß die Bahnverwaltung im Interesse der Ordnung und Sicherheit des Betriebes streng darauf halten, daß niemand angestellt oder zur Dienstleistung verwendet wird, der nicht die fĂŒr den betreffenden Posten notwendige BefĂ€higung besitzt. Die BefĂ€higung wird im einzelnen Falle festgestellt:

1. durch den Nachweis eines bestimmten Maßes an Schul- und Fachbildung,

2. durch erfolgreiche ZurĂŒcklegung einer Probe- oder Vorbereitungszeit von vorgegeschriebener Dauer,

3. durch Abnahme von PrĂŒfungen.

Was ersteren Punkt anlangt, so richten sich die Anforderungen naturgemĂ€ĂŸ nach dem Posten, auf dem jemand Verwendung finden soll. BezĂŒglich der höheren B. s.u. Ausbildungs- und PrĂŒfungswesen.

Von den Bewerbern fĂŒr mittlere Beamtenstellen wird bei den preußischen Staatsbahnen, abgesehen von den fĂŒr einzelne Beamtenkategorien vorgesehenen besonderen Erfordernissen (z.B. Nachweis des erfolgreichen Besuchs eines Gymnasiums oder einer diesem gleichartigen Lehranstalt bis Obersekunda oder Prima oder einer technischen Fachschule u.s.w.) namentlich verlangt, daß sie eine deutliche und gelĂ€ufige Handschrift schreiben, sowie Sicherheit in der Rechtschreibung und in den gewöhnlichen Rechnungsarten einschließlich der Dezimalbruch- und VerhĂ€ltnisrechnung besitzen, ferner hinreichende FĂ€higkeit, sich schriftlich angemessen auszudrĂŒcken und genĂŒgende Kenntnisse in der Erdkunde, insbesondere ĂŒber Deutschland und die benachbarten LĂ€nder.

Die Bewerber fĂŒr die unteren Beamtenstellen mĂŒssen in deutschen und lateinischen Buchstaben Gedrucktes und Geschriebenes lesen, deutsch leserlich schreiben und mit ganzen benannten Zahlen in den vier Grundarten rechnen können, soweit nicht fĂŒr einzelne Stellungen noch besondere weiter gehende Schulkenntnisse gefordert werden. WagenwĂ€rter, Stellwerksschlosser, Lokomotivheizer und LokomotivfĂŒhrer, MaschinenwĂ€rter und Maschinisten bei elektrischen Anlagen, Wagenmeister, WerkfĂŒhrer, Werkmeister, Bahnmeister und technische Bureauassistenten mĂŒssen nach nĂ€herer Vorschrift der fĂŒr sie maßgebenden besonderen Bestimmungen in den betreffenden Handwerken gehörig ausgebildet und in WerkstĂ€tten praktisch beschĂ€ftigt gewesen sein.

Ähnliche Anforderungen werden an die Bewerber auch bei den ĂŒbrigen deutschen und bei den meisten anderen kontinentalen Bahnen, wie z.B. in Österreich, Frankreich, Schweiz, Rußland u.s.w. gestellt. Abweichend wird dagegen in England und Nordamerika verfahren, wo von dem Personal bei seinem Eintritt keine besonderen Vorkenntnisse verlangt werden. Diese werden vielmehr erst dadurch erworben, daß das Personal zunĂ€chst in allen Dienstzweigen Verwendung findet und allmĂ€hlich in einem besonderen Dienstzweig vorrĂŒckt, wodurch es eine große Vertrautheit mit allen auf den Dienst und die BahnverhĂ€ltnisse bezĂŒglichen Einrichtungen erlangt und es dem einzelnen gelingt, bei entsprechender BefĂ€higung nach und nach gegebenenfalls die höchsten Posten des Betriebsdienstes zu erreichen. Seit einer Reihe von Jahren haben aber auch die englischen und nordamerikanischen Bahnen begonnen, fĂŒr eine grĂŒndlichere Ausbildung des Personals Sorge zu tragen. S. Ausbildungs- und PrĂŒfungswesen und Fachschulen.

Die Anstellung erfolgt im Staatseisenbahndienst bezĂŒglich der höheren Stellen durch den Landesherrn, soweit sie nicht dem zustĂ€ndigen Minister ĂŒbertragen ist, bezĂŒglich der ĂŒbrigen Stellen im allgemeinen durch letzteren oder durch die Direktionen; bei Privatbahnverwaltungen erfolgt die Anstellung in den obersten Stellen durch den Vorstand der Gesellschaft (Verwaltungsrat u.s.w.) oder in dessen Auftrag durch die Direktion, nur ausnahmsweise durch die Generalversammlung.

Der Unterschied zwischen der öffentlichrechtlichen Mandatsstellung der im Staatsdienste Angestellten und der bloß privatrechtlichen Stellung der außerhalb des BeamtenverhĂ€ltnisses beschĂ€ftigten Bediensteten von Staats- und Privatbahnen findet auch in der Form der Anstellung Ausdruck.

Staatsbeamte werden durch Dekret (Anstellungs-, Bestallungsurkunde, VerfĂŒgung) ernannt; ihr rechtliches VerhĂ€ltnis ist durch die Gesetzgebung und durch verwaltungsseitige Vorschriften geregelt, so daß es bei ihnen des Abschlusses von DienstvertrĂ€gen nicht bedarf. Die Ordnung der DienstverhĂ€ltnisse der Personen dagegen, denen die Eigenschaft von Staatsbeamten nicht zukommt, erfolgt nach den GrundsĂ€tzen des Dienstvertrages, u. zw. entweder durch Abschluß eines besonderen Übereinkommens zwischen Bahnunternehmen und Bediensteten oder – und das ist die Regel – dadurch, daß der Bedienstete sich den sĂ€mtlichen bestehenden und kĂŒnftig zu erlassenden Dienstvorschriften bei seiner Einstellung unterwirft und diese als fĂŒr sich verbindlich anerkennt.

Dem Akte der Anstellung folgt zunĂ€chst die Abnahme des Diensteides, sofern er nicht schon frĂŒher, bei der Einstellung (z.B. in Preußen von den Zivilsupernumeraren und den Aspiranten) abgelegt worden ist. NĂ€heres s.u. Diensteid.


IV. Aus der Anstellung erwachsen fĂŒr den B. einerseits Pflichten, anderseits Rechte. Beide ergeben sich fĂŒr Staatseisenbahnbeamte teils aus den allgemeinen, fĂŒr Staatsbeamte geltenden Vorschriften, teils aus besonderen Gesetzen, Verordnungen und Bestimmungen (in Preußen: Gemeinsame Bestimmungen fĂŒr alle B. im Staatseisenbahndienste), fĂŒr die sonstigen Bediensteten aus den Bestimmungen des besonderen Dienstvertrages oder aus allgemeinen, das DienstverhĂ€ltnis des Personals regelnden Normen, die vielfach auch in einer besonderen Vorschrift (in Preußen: Gemeinsame Bestimmungen fĂŒr die Arbeiter aller Dienstzweige der Staatseisenbahnverwaltung, in Österreich: Dienstordnung [Dienstpragmatik] fĂŒr die Bediensteten der k. k. österreichischen Staatsbahnen u.s.w.) zusammengefaßt sind.

Die Dienstpflichten sind teils allgemeine, d.h. sĂ€mtlichen Angestellten obliegende; teils besondere, die nur einzelnen bestimmten Beamtenklassen mit RĂŒcksicht auf ihre Stellung und ihre dienstlichen Aufgaben auferlegt sind.

Zu den allgemeinen Dienstpflichten des B. gehören: besondere Treue und Gehorsam gegen den Landesherrn, gewissenhafte Wahrnehmung des dienstlichen Interesses, ungesĂ€umte Befolgung der von den Vorgesetzten erteilten Anweisungen, musterhaftes Betragen in und außer dem Dienste, Wahrung des Dienstgeheimnisses, vollstĂ€ndige Hingabe seiner geistigen und sittlichen KrĂ€fte an das Amt als an einen Lebensberuf. Danach sind dem B. NebenbeschĂ€ftigungen oder Nebenerwerb entweder ganz verboten oder nur mit besonderer Genehmigung der vorgesetzten Behörde gestattet. Seinen ihm zur AusĂŒbung des Amtes zugewiesenen Wohnort darf der B. ohne Vorwissen und Genehmigung seiner Vorgesetzten nicht verlassen. Er ist verpflichtet, die Dienststunden genau innezuhalten und bei dringenden Veranlassungen auch außerhalb der festgesetzten Dienststunden jederzeit zu arbeiten. Bei Erkrankungen oder sonstigen Dienstbehinderungen hat er sofort seinem nĂ€chsten Vorgesetzten davon Anzeige zu machen. Auch muß der B. im Dienste die vorgeschriebene Dienstkleidung tragen.

Der Umfang der besonderen Dienstpflichten ergibt sich fĂŒr jeden einzelnen B. einerseits schon durch die zugewiesene Stellung, anderseits durch die Dienstanweisung oder Instruktion. Sehr zahlreich sind besonders in Deutschland die Dienstanweisungen fĂŒr die B. des mittleren und unteren Dienstes; fĂŒr die höheren B. (Mitglieder der Direktionen, AmtsvorstĂ€nde, Hilfsarbeiter u.s.w.) sind entsprechende Bestimmungen durch die Verwaltungsordnungen, GeschĂ€ftsordnungen u.s.w. gegeben.

Hinsichtlich der Feststellung dieser besonderen Dienstpflichten steht das kontinentale System, bei dem die besonderen Dienstpflichten jedes Angestellten bis in die Einzelheiten durch verwaltungsseitige Vorschriften geregelt werden, im Gegensatz zu dem System bei den englischen und amerikanischen Bahnen, bei denen noch immer das Schwergewicht darauf gelegt wird, daß jeder auch noch so niedrig gestellte B. im vollen Vertrauen seiner Vorgesetzten die ganze Verantwortlichkeit seiner Amtsverrichtungen selbst trĂ€gt, weshalb die Vorschriften möglichst kurz gehalten sind, um die selbstĂ€ndige Denkungs- und Handlungsweise der B. nicht zu beschrĂ€nken, sondern ihr vielmehr einen möglichst weiten Spielraum zu lassen.

Die Verletzung der Dienstpflichten durch die B. muß mit RĂŒcksicht auf die Gefahren, die eine PflichtversĂ€umnis hervorrufen kann, besonders streng geahndet werden. FĂŒr die. Behandlung der Verletzung der Dienstpflichten bestehen bei den meisten Verwaltungen besondere Disziplinarvorschriften (s.d.) unter Festsetzung bestimmter Disziplinarstrafen und des Verfahrens bei ihrer VerhĂ€ngung. FĂŒr Staatseisenbahnbeamte finden die fĂŒr Staatsbeamte allgemein geltenden Disziplinarvorschriften Anwendung. Abgesehen von der disziplinaren Behandlung unterliegen Pflichtverletzungen von B. aber auch der strafgerichtlichen Ahndung, falls diese Pflichtverletzungen sich als von den Strafgesetzen mit Strafe bedrohte Handlungen oder Unterlassungen darstellen; schließlich kann mit RĂŒcksicht auf die Schadensersatzpflicht der B. gegebenenfalls auch ihre zivilrechtliche Inanspruchnahme erfolgen.

Was die Rechte der B. anlangt, so sind diese teils formeller, teils vermögensrechtlicher Natur. Zu jenen gehören das Recht auf Rang und Titel, auf entsprechende Uniform oder ein sonstiges Dienstabzeichen, ferner im Rahmen seiner Amtsbefugnisse Anspruch auf. Gehorsam seiner Untergebenen und Befolgung seiner Anordnungen durch das Publikum. Damit der zur Vollstreckung von Gesetzen, Befehlen oder Vorschriften der Verwaltungsbehörde berufene B. ungehindert sein Amt ausĂŒben kann, bestehen zu seinem Schutze zahlreiche gesetzliche Bestimmungen.


V. An vermögensrechtlichen AnsprĂŒchen kommen den B. insbesondere zu:

1. das stĂ€ndige Diensteinkommen (Gehalt, Monatsbesoldung, Taggeld u.s.w. sowie der dem Dienstorte entsprechende Wohnungsgeldzuschuß oder an seiner Stelle Dienstwohnung);

2. Zulagen und NebenbezĂŒge, teils in Form von Funktions-, Orts- oder Personalzulagen, teils als Ersatz fĂŒr besonderen Dienstaufwand (Reisekosten-, Umzugskosten-, FahrgebĂŒhren u.s.w.);

3. nach Maßgabe der bei den einzelnen Staaten in Geltung stehenden Normen, GehaltsvorrĂŒckungen (Dienstalterszulagen) nach Ablauf bestimmter Fristen;

4. sonstige BegĂŒnstigungen vermögensrechtlicher Art (Freifahrt, freie Ă€rztliche Behandlung u. dgl.);

5. RuhegenĂŒsse bei ErfĂŒllung der gesetzlichen Vorbedingungen;

6. Witwen- und Waisengelder fĂŒr ihre Hinterbliebenen.

Die Höhe der Besoldung hĂ€ngt von den verschiedensten UmstĂ€nden, von den allgemeinen LebensverhĂ€ltnissen des betreffenden Landes, von Angebot und Nachfrage, von dem Grade der erforderlichen Vorbildung und insbesondere von der Dauer und Sicherheit der Stellung ab. Bedienstete, die ohne weiteres ihrer Stellung enthoben werden können, mĂŒssen infolgedessen im VerhĂ€ltnis besser bezahlt werden als andere, deren DienstverhĂ€ltnis gar nicht oder nur unter besonderen BeschrĂ€nkungen und Voraussetzungen lösbar ist. Vielfach sind deshalb die Besoldungen bei Staatsbahnen, deren Bedienstete sich in der Regel einer gesicherten Stellung erfreuen, niedriger als bei Privatbahnen; auch bei Privatbahnen, bei denen die Altersversorgung der Angestellten durch Pensionsfonds sichergestellt ist, sind die Besoldungen niedriger als bei anderen, wo dies nicht der Fall ist.

Die Art der Entlohnung ist verschieden, im allgemeinen lassen sich drei Hauptformen unterscheiden: feste Entlohnung nach Zeit, Entlohnung nach GrĂ¶ĂŸe der Leistung und schließlich eine Vereinigung dieser beiden Formen, wonach nur ein Teil der BezĂŒge fest zugesichert ist, wĂ€hrend der andere Teil von dem Umfange und der GrĂ¶ĂŸe der Leistung sowie von dem finanziellen Erfolge abhĂ€ngig gemacht wird. Entlohnung nach Zeit ist die am hĂ€ufigsten vorkommende, die bezĂŒglich der Beamten des höheren, mittleren und unteren Dienstes bei Staats- wie auch bei Privatbahnen zumeist zur Anwendung kommt. Die Form der Bezahlung nach Maßgabe der Leistung, von der fast durchweg nur bei dem Arbeiterpersonal Gebrauch gemacht wird, ist nur noch bei einzelnen Beamtenklassen der nordamerikanischen Eisenbahnen ĂŒblich. Bei der dritten Art der Entlohnung beabsichtigt die Verwaltung, entweder den B. an dem finanziellen Ergebnis des Unternehmens zu interessieren (so z.B. in DĂ€nemark, Frankreich, Italien), indem sie ihm eine Beteiligung am Nettogewinn verspricht, oder sie stellt ihm eine besondere VergĂŒtung fĂŒr den Fall in Aussicht, daß seine Leistung den gewöhnlichen Arbeitsdurchschnitt ĂŒbersteigt.

Um die B. an der wirtschaftlichen Gebarung zu interessieren, haben zahlreiche Bahnverwaltungen PrĂ€mien fĂŒr Ersparnisse an Material eingefĂŒhrt. Außerdem bestehen auch PrĂ€mien fĂŒr Entdeckung oder VerhĂŒtung von SchĂ€den u.s.w.

Besonders auffĂ€llig ist die Verschiedenheit der Besoldung der Angestellten, die eine leitende Stellung innehaben; wĂ€hrend bei Privatbahnen die stĂ€ndigen BezĂŒge der Generaldirektoren nicht selten 100.000 M ĂŒbersteigen, auch PrĂ€sidenten einzelner großer nordamerikanischer Eisenbahnunternehmungen GehĂ€lter von 50.000–75.000 Dollars, VizeprĂ€sidenten bis zu 18.000 Dollars, Controllers zu 15.000 Dollars u.s.w. beziehen, erheben sich die GehĂ€lter der obersten kontinentalen staatlichen Eisenbahnverwaltungsstellen nicht ĂŒber 20.000 M.; so erhalten z.B. die PrĂ€sidenten des preußischen Eisenbahnzentralamts und der Eisenbahndirektionen 12.000 M., die PrĂ€sidenten der bayerischen und der Generaldirektor der sĂ€chsischen Staatseisenbahnen 13.000 M., der PrĂ€sident der wĂŒrttembergischen Staatseisenbahnen 11.000 M.

Bei den kontinentalen Bahnen wird fĂŒr die B. vielfach eine gemeinschaftliche Gehalts- oder Besoldungsordnung aufgestellt, in der sie nach Maßgabe des Gehalts in Klassen eingeteilt sind. Nach den Dienstklassen richten sich zugleich der jeweilige Wohnungsgeldzuschuß, die Tage- und Reisegelder, Umzugskosten u.s.w., die innerhalb ein und derselben Dienstklasse gleich bewertet sind.

Die GehĂ€lter der B. bilden einen ganz erheblichen Teil der Gesamtausgaben bei Staatsbahnen wie bei Privatbahnen. Mit RĂŒcksicht hierauf mĂŒssen die Bahnverwaltungen auch entsprechend wirtschaftlich verfahren und haben hauptsĂ€chlich dafĂŒr zu sorgen, daß nicht ĂŒberflĂŒssiges Personal angestellt und daß das zu entlohnende Personal genau nach der voraussichtlichen oder tatsĂ€chlich vorhandenen Arbeitsmenge bemessen werde.

Eine erhöhte FĂŒrsorge fĂŒr eine wirtschaftliche Personalgebarung erscheint um so dringender geboten, als die meisten Eisenbahnverwaltungen (so in Deutschland, Österreich, Ungarn, England, Italien, Schweiz u.s.w.) in den letzten Jahren sich veranlaßt gesehen haben, die BezĂŒge der B. und auch die Löhne der Arbeiter angemessen zu erhöhen, wodurch eine sprunghafte Steigerung der Personalkosten eingetreten ist.

Nicht minder verschieden als die BesoldungsverhĂ€ltnisse sind die BeförderungsverhĂ€ltnisse. Bei den Staatsbahnen bestehen meist bestimmte GrundsĂ€tze, nach denen den B. innerhalb gewisser Grenzen Gehaltserhöhungen nach einer Anzahl von Jahren (1 bis 5 Jahre) gewĂ€hrt werden, so z.B. in Österreich-Ungarn, Preußen, Bayern, WĂŒrttemberg, Sachsen, Baden u.s.w.


Beamte

BesoldungsverhÀltnisse einzelner Bahnen.


1. Deutsche Eisenbahnen.


Die GehĂ€lter der B. des höheren, mittleren und unteren Dienstes bei den preußischen, bayerischen, badischen, sĂ€chsischen und wĂŒrttembergischen Staatsbahnen ergeben sich aus nebenstehender Übersicht (Seite 76).

Bei den preußischen Staatsbahnen bestehen fĂŒr die etatmĂ€ĂŸigen Beamten durchweg 3jĂ€hrige VorrĂŒckungsfristen fĂŒr die Erreichung höherer Gehaltsstufen. Die VorrĂŒckung erfolgt in den oberen Stellen Mitglieder der Direktionen, VorstĂ€nde der Ämter, Regierungsbaumeister und Eisenbahnbauinspektoren, Rechnungsdirektoren, Hauptkassenrendanten) um je 600 M., in den mittleren Stellen um je 400 M., bzw. 300 M. und 250 M., im unteren Dienst um 200, bzw. 120, 100, 90, 80, 60 und 30 M.

Auch bei den ĂŒbrigen deutschen Staatsbahnen bestehen fast durchweg 3jĂ€hrige VorrĂŒckungsfristen (einzelne 2jĂ€hrige VorrĂŒckungsfristen finden sich bei den sĂ€chsischen Staatsbahnen, insbesondere fĂŒr das Lokomotivpersonal). Bei den bayerischen Staatsbahnen erfolgt die VorrĂŒckung im höheren Dienst (Gehaltsklasse 6, 7, 9, 12) um 500 M., im mittleren Dienst um 300 bis 400 M., im unteren Dienst um 150 M. Bei den sĂ€chsischen Staatsbahnen erfolgen die VorrĂŒckungen im mittleren Dienst um 300 bis 450 M., im unteren Dienst um 100–300 M.

Das Höchstgehalt wird je nach der Zahl der Gehaltsstufen in Preußen zumeist in 15–21 Jahren, bei der bayerischen Staatsbahn fast durchweg in 21 Jahren, bei der sĂ€chsischen Staatsbahn zumeist in 12–15 Jahren erreicht.

Bei den Reichseisenbahnen wird der Wohnungsgeldzuschuß in die GehĂ€lter eingerechnet. Daneben beziehen die B. noch einen nicht pensionsfĂ€higen Zuschuß von verschiedener Höhe. Die teilweise etwas höher als in Preußen bemessenen Besoldungen finden ihre BegrĂŒndung u.a. auch in den politischen VerhĂ€ltnissen.


2. Österreichische Eisenbahnen.


Bei den österreichischen Staatsbahnen werden die B. in 7 Dienstklassen (IV–X) und jede Dienstklasse in mehrere Gehaltstufen eingeteilt.

Beamtenaspiranten werden unter Voraussetzung der Ablegung der vorgeschriebenen DienstprĂŒfungen und mindestens 2jĂ€hriger Praxis zu B. der X. Dienstklasse ernannt.

Nachstehend folgt das Gehaltsschema der österreichischen Staatsbahnbeamten:


Beamte
Beamte

Nach den bestehenden Vorschriften fĂŒr das Zeitavancement erwirbt jeder B. unter der Vorraussetzung einer befriedigenden Dienstleistung nach Maßgabe der fĂŒr den Status, dem er angehört (Status I fĂŒr HochschĂŒler, Status II fĂŒr absolvierte MittelschĂŒler, Status III fĂŒr B. mit geringerer Vorbildung), festgesetzten Wartefristen Anspruch auf Beförderung in höhere Dienstklassen und innerhalb dieser auf VorrĂŒckung in höhere Gehaltsstufen bis zur Erreichung eines bestimmten Endgehaltes.

Den HochschĂŒlern ist nach 20 Dienstjahren die Beförderung in die Dienstklasse der Inspektoren (Gehalt 4800–6000 K), den absolvierten MittelschĂŒlern nach 19 Dienstjahren die Beförderung in die Dienstklasse der Oberrevidenten (Gehalt 3600–4400 K), allen ĂŒbrigen B. nach 15 Dienstjahren die Beförderung in die Dienstklasse der Offiziale (Gehalt 2800–3200 K) gewĂ€hrleistet. Soweit nicht die Beförderung in höhere Dienstklassen durch das Zeitavancement zugesichert ist, erfolgt diese nach Maßgabe der WĂŒrdigkeit unter der Voraussetzung der Versehung entsprechender Posten. Innerhalb der oberen Dienstklassen erfolgt die VorrĂŒckung in höhere Gehaltsstufen gleichfalls nach ZurĂŒcklegung bestimmter Wartefristen (4 bis 5 Jahre).

Die Unterbeamten der österreichischen Staatsbahnen zerfallen in bezug auf das Gehalts- und VorrĂŒckungsschema in 3 Gruppen:


Beamte

Die Diener der österreichischen Staatsbahnen zerfallen gleichfalls in 3 Gruppen:


Beamte

3. Ungarische Eisenbahnen.


FĂŒr die B. der ungarischen Staatsbahnen besteht folgendes Gehaltsschema:


Beamte

FĂŒr Unterbeamte und Diener sind bei den ungarischen Staatsbahnen folgende Mindest- und Höchstgehalte festgesetzt:


Beamte

Beamte

Die VorrĂŒckungen finden in den oberen Klassen zumeist um 200 K, im ĂŒbrigen um 100 K statt. Die VorrĂŒckungsfristen bewegen sich zwischen 2 und 5 Jahren.


4. Belgische Eisenbahnen.


Bei den belgischen Staatsbahnen bestehen zufolge kgl. Erlasses vom 5. MĂ€rz 1900 und spĂ€terer VerfĂŒgungen fĂŒr B. mit Jahresgehalt 12 Rangklassen und innerhalb dieser nach Maßgabe der in Betracht kommenden Verwendung verschiedene Anfangs- und Höchstgehalte.

Das untere Personal (z.B. Bahnmeister, WerkfĂŒhrer und Werkmeister, Oberbremser, LokomotivfĂŒhrer, Heizer, Bremser, WĂ€chter u.s.w.) steht zumeist im Monatslohn, der sich zwischen 60 und 280 Fr. bewegt.

Nachstehend folgt das Schema der Rangklassen der B:


Beamte

Beamte

B. der 1. Rangklasse sind der AdministrationsprĂ€sident (13.200–15.000), die RĂ€te der Staatseisenbahnverwaltung, die Administratoren und Generalinspektoren (12.000–13.200).

In die 2. Rangklasse fallen die Generalinspektoren und der Direktor der Administration; in die 3. Rangklasse die Inspektoren der Direktionen, Betriebsdirektoren, ferner die Chefingenieure der Direktionen und des Betriebsdienstes; in die 4. Rangklasse gehören die Inspektoren 1. Klasse, die Divisionschefs, juridischen RĂ€te (6500–7000 Fr.), die Oberingenieure 1. Klasse; die 5. Rangklasse umfaßt die Hauptbureauchefs, Oberkontrollore, Chefs der Hauptsektionen 1. Klasse, Inspektoren 2. Klasse, Divisionschefs 2. Klasse, Oberingenieure 2. Klasse, VorstĂ€nde der Hauptbahnhöfe u.s.w.; zur 6. Klasse gehören der Chef des Hochbaues, Chefs der Hauptsektionen 1. Klasse, Bureauchefs, juridische RĂ€te, Kontrollore 1. Klasse, Stationschefs 1. Klasse, UnterrechnungskommissĂ€re, Hauptdepotchefs, HauptwerkstĂ€ttenchefs; in die 7. und 8. Klasse gehören, von den juridischen RĂ€ten abgesehen, im allgemeinen dieselben Posten, jedoch minderen Grades als zur 6. Klasse, so z.B. Kontrollore, Stationschefs, Depotchefs, WerkstĂ€ttenchefs 2. und 3. Klasse u.s.w., außerdem fallen in die 7. Klasse Bureausouschefs, in die 8. Klasse Kommischefs u. dgl.; zur 9. Klasse gehören Aufseher 1. Klasse, SouskommissĂ€re der Aufsicht, Kommis 1. Klasse und Stationschefs 4. Klasse; zur Klasse 10 u.a. Kommis 1. und 2. Klasse, Expeditionsbeamte in den Stationen, Zugsrevisoren; zur Klasse 11 Kommis 2. und 3. Klasse, Expeditionsbeamte, Oberschaffner u. dgl.; zur Klasse 12 Expeditionsgehilfen, Polizeibeamte, Dolmetsche, WĂ€chter u.s.w.

Die normale Beförderung erfolgt im allgemeinen in den Grenzen der fĂŒr jeden Grad und jede Klasse festgesetzten Gehaltsstufen nach Maßgabe des Dienstalters und der Verwendbarkeit. Jedoch erhĂ€lt kein B. eine GehaltsvorrĂŒckung in eine höhere Stufe, der nicht in der bisherigen Gehaltsstufe mindestens 2 Jahre zugebracht hat, falls der Gehalt 2000 Fr. ĂŒbersteigt.

Eine Dienstaltersfrist kommt nicht in Betracht, wenn B. nach Maßgabe offener Stellen auf höhere Dienstposten gestellt werden.

Jeder B., der zu höheren Funktionen qualifiziert ist, kann, wenn er 6 Jahre in demselben Gehalte steht, innerhalb der Dienstklasse und der budgetÀren Grenzen den höheren Gehalt oder eine Gehaltszulage von 1/10 erhalten.

FĂŒr eine Anzahl von Klassen ist die Zeitbeförderung besonders geregelt. Beispielsweise erreichen Kommischefs und Kommis sowie Dessinateurs höhere Gehaltsstufen nach spĂ€testens 2 Jahren, wenn sie »au grand choix« qualifiziert sind, nach 4 oder 41/2 Jahren, wenn sie »au choix« qualifiziert und fĂŒr höhere Funktionen verwendbar sind, endlich nach 6 Jahren, wenn sie Ȉ l'ancienneté« qualifiziert, 50 Jahre alt und 30 Jahre im Dienst sind.

Bei anderen Klassen rĂŒcken die B. Ȉ titre de fin de carriĂšre« nach dem 50. Lebensjahre und 30 Dienstjahren sowie nach 6 in derselben Gehaltsstufe zugebrachten Jahren in gewisse höhere Gehaltsstufen vor.

Einzelnen B. auf bestimmten Posten kann vom Minister eine Zulage von 500–1000 Fr., technischen Bureauchefs eine solche von 500 Fr. zuerkannt werden.

Stationschefs 1. und 2. Klasse erhalten eine Zulage von 1000 Fr., die der 3. und 4. Klasse eine solche von 700 Fr. Souschefs der StationsvorstÀnde eine Zulage von 500 Fr.


5. DĂ€nische Staatsbahnen.


Bei den dĂ€nischen Staatsbahnen betrĂ€gt das Gehalt des Generaldirektors 10.000–13.000 dĂ€n. K., die Direktoren beziehen 8000–9800 K, die ĂŒbrigen B. und sonstigen Bediensteten sind in 23 Gehaltsklassen eingeteilt. Das Anfangsgehalt in der 23. Klasse betrĂ€gt 480 K., das Höchstgehalt 640 K.

Der Generaldirektor, die Direktoren und die B. der 21.–23. Gehaltsklasse sowie einzelne andere B. erhalten außer ihrem Gehalt unter gewissen Voraussetzungen Tantiemen. Das Höchstgehalt wird in der Regel in 16 Jahren erreicht, nur die B. der 22. und 23. Klasse erreichen das Höchstgehalt nach 12 Jahren.


6. Französische Eisenbahnen.


Bei den französischen Staatsbahnen zerfallen die B., zu denen auch die unteren Bediensteten zÀhlen, in 14 Gruppen, u. zw.:


Beamte

Beamte

Außerhalb der Gruppeneinteilung bleiben der Direktor (30.000–35.000 Fr.) und die Subdirektoren (25.000–28.000 Fr.).

In die Gruppe I gehören die Dienstchefs der Direktion; in die Gruppe II die Dienstsouschefs der Direktion und die Betriebschefs der Arrondissements; in die Gruppe III die Dienstchefs der Arrondissements, die Oberingenieure und die Dienstsouschefs der Direktion; in die Gruppe IV die Divisionschefs der Direktion, die Ingenieure und die Souschefs des Dienstes der Arrondissements; in die Gruppe V die Oberinspektoren und die Sousingenieure; in die Gruppe VI WerkstĂ€ttenchefs, Bureauchefs, MagazinsvorstĂ€nde, SektionsvorstĂ€nde; in die Gruppe VII BahnhofvorstĂ€nde I. Klasse, Stellvertreter der WerkstĂ€tten-, Bureau-, Magazins- und SektionsvorstĂ€nde; in die Gruppe VIII BahnhofvorstĂ€nde II. Klasse, Werkmeister, Stellvertreter der BahnhofvorstĂ€nde I. Klasse; in die Gruppe IX Distriktchefs, BahnhofvorstĂ€nde III. Klasse, Unterwerkmeister, Bahnhofvorstandstellvertreter II. Klasse; in die Gruppe X BahnhofvorstĂ€nde IV. Klasse, Verkehrkontrollore, Mechaniker, Bahnmeister, Bahnhofvorstandstellvertreter III. Klasse; in die Gruppe XI StationsvorstĂ€nde, Elektriker, Expedienten I. und II. Klasse, Bahnhofvorstandstellvertreter IV. Klasse, Technische Aufseher; in die Gruppe XII Heizer, RottenfĂŒhrer, HaltestellenvorstĂ€nde, ZugfĂŒhrer; in die Gruppe XIII Weichensteller, Vorarbeiter, GepĂ€cktrĂ€ger, Bremser; in die Gruppe XIV Magazinsarbeiter, BahnwĂ€rter, Oberbauarbeiter.

Bei den französischen Staatsbahnen besteht eine Gewinnbeteiligung der auf die Ökonomie des Betriebes gemĂ€ĂŸ ihrer Dienststellung Einfluß habenden B. Der fĂŒr diese Zwecke zur Auszahlung kommende Betrag ist seitens der Verwaltung mit höchstens 2% der gesamten Roheinnahmen festgesetzt. Die Vorschriften hierĂŒber wurden mit Erlaß des Ministeriums vom 16. Dezember 1899 erlassen. Die Zahl der B. und Arbeiter, die aus diesem Titel beteilt wurden, betrug Ende 1910 59.356; der fĂŒr diesen Zweck verwendete Gesamtbetrag belief sich im selben Jahre auf 5,624.720 Fr.

Die Beförderungen erfolgen auf Grund der Begutachtung der Leistungen des einzelnen, einschließlich des unteren Dienstes, durch besondere Kommissionen, die »Commissions rĂ©gionales« genannt werden. Diese Kommissionen werden durch Wahl gebildet, u. zw. fĂŒr jeden Bezirk 3 (eigentlicher Betriebsdienst, Zugförderungs- und Materialdienst, Bau- und Bahnunterhaltungsdienst). Eine Ă€hnliche Kommission besteht fĂŒr das Personal des Zentraldienstes. Die VorschlĂ€ge der Commissions rĂ©gionales werden durch eine »Commission de classement«, der die VorstĂ€nde sĂ€mtlicher Dienstzweige und vom Personale gewĂ€hlte Mitglieder angehören, ĂŒberprĂŒft. Den Vorsitz bei dieser Kommission fĂŒhrt ein Sous-directeur.

Bei den französischen Privatbahnen bestehen keine veröffentlichten Normen ĂŒber die Anstellungs- und Beförderungsbedingungen.

Bei der französischen Ostbahn sind die Anstellungsbedingungen fĂŒr jeden Dienstzweig und Posten verschieden. Die Beförderungen erfolgen ĂŒber Vorschlag der DienstvorstĂ€nde nach eingebĂŒrgerten Regeln, die aber nicht veröffentlicht worden sind. Die GehĂ€lter hĂ€ngen nicht allein von der Dienstzeit und Dienstesverwendung, sondern auch vom Stationsorte ab.

Bei der französischen Nordbahn werden Söhne von B. bei Besetzung von Beamtenstellen vorzugsweise berĂŒcksichtigt; diese können auch vor ihrer MilitĂ€rdienstzeit angestellt werden. Die Beamtinnenposten sind den Witwen, Frauen und Töchtern von B. vorbehalten. Das Personal der Nordbahn teilt sich in Teilnehmer an Pensionskassen und solche, die es nicht sind. Seit 1. Januar 1911 tritt die Zugehörigkeit zu einer Pensionskasse mit ZurĂŒcklegung einer ununterbrochenen einjĂ€hrigen Dienstzeit ein. Die Pensionsberechtigten stehen teils im Jahresgehalt, teils im Taglohn. Von den Nichtpensionsberechtigten bezieht ein Teil Monatslohn, der Rest steht im Taglohn und kann tĂ€glich entlassen werden. Die Bezahlung wechselt mit dem Stationsorte. Neben der Bezahlung beziehen gewisse Bedienstete, namentlich die des Fahrdienstes, noch besondere PrĂ€mien. Bestimmte VorrĂŒckungsfristen bestehen nicht. Die Beförderung erfolgt auf Grund der Dienstzeit oder auf Grund der Eignung fĂŒr bestimmte Posten. Wo die gleiche Dienststellung mehrere Gehaltsstufen umfaßt, erfolgt die Beförderung hauptsĂ€chlich nach der Dienstzeit oder auch mit BerĂŒcksichtigung der BefĂ€higung.

Allen großen französischen Eisenbahngesellschaften gemeinsam ist die Einrichtung, daß Bedienstete, die 3 Kinder oder mehr haben, eine sog. FamilienunterstĂŒtzung erhalten.


7. Italienische Staatsbahnen.


Die italienischen Staatsbahnen unterscheiden 17 Klassen, in die die verschiedenen Dienstposten, getrennt nach den 4 Hauptgruppen (Zentraldienst und Magazinsdienst, Bau- und Bahnunterhaltung, Zugförderungs- und WerkstĂ€ttendienst, Stations- und Zugdienst) mit bestimmtem Anfangs- und Höchstgehalt, eingeteilt sind. Von der X. Klasse angefangen sind auch Taglohnbedienstete in die Klasseneinteilung einbezogen. Die VorrĂŒckung in höhere Gehaltsstufen derselben Dienstklasse erfolgt in der Klasse III um 600 und 800 ÂŁ, in der Klasse IV–VII um 600, bzw. 400 und 300 ÂŁ, in den unteren Klassen um 150, 120, 60, 30 u.s.w.

Nachstehend folgt das Gehaltsschema rĂŒcksichtlich der im Jahresgehalt stehenden Angestellten. (In der Klasse XIV–XVII sind ausschließlich, in den Klassen XII–XIII vielfach im Taglohn stehende Bedienstete eingereiht.)


Gehaltsschema der B. der italienischen Staatsbahnen:


Beamte

Nach dem Gehaltsregulativ der italienischen Staatsbahnen enthalten die Rangklassen I–VI nur 1 Gehaltsstufe mit bestimmtem Anfangs- und Höchstgehalt. Von der VII. Klasse ab bestehen in jeder Klasse mehrere Gehaltsstufen mit verschiedenen Anfangs- und Höchstgehalten. Zur Rangklasse I gehören die VorstĂ€nde der Hauptdienstzweige bei der Generaldirektion; zur Rangklasse II die Vorstandstellvertreter; zur Klasse III die AbteilungsvorstĂ€nde; zur Klasse IV die Oberinspektoren auf Vorstandsposten; zur Klasse V sonstige Oberinspektoren und Hauptkassiere; zur Klasse VI Inspektoren und Kassiere 2. Klasse.

In die VII. Klasse fallen u.a. die VorstĂ€nde von Hauptbahnhöfen, MagazinsvorstĂ€nde 1. Klasse und Inspektoren-Stellvertreter; in die VIII. und IX. Klasse gehören zugeteilte Oberbeamte im Verwaltungsdienst und zugeteilte technische Oberbeamte, StationsvorstĂ€nde, MagazinsvorstĂ€nde, Kontrollore im Betriebsdienst u.s.w.; zur Klasse X gehören u.a. DienstvorstĂ€nde unteren Grades (Stations- und DepotvorstĂ€nde 3. Klasse), Obertelegraphisten, OberzugfĂŒhrer u.s.w.; zur Klasse XI StationsvorstĂ€nde 4. Klasse, HaltestellenvorstĂ€nde 1. Grads, Zugsrevisoren, zugeteilte B.; in der XII. – XIV. Klasse stehen vielfach, in der Klasse XV – XVII ausschließlich definitive Bedienstete im Taglohn.

Im Jahresgehalt stehen in der Klasse XII HaltestellenvorstĂ€nde 2. Grads, Wagenrevisoren, Magazinsaufseher, LokomitivfĂŒhrer, Verschubmeister u.s.w. In der Klasse XIII stehen im Jahresgehalte Schaffner und Heizer, in der Klasse XIV Bremser.

Durch Gesetz vom 13. April 1911 wurde mit Wirksamkeit vom 1. Februar 1911 eine Besoldungszulage gewÀhrt:

a) den SchrankenwĂ€rterinnen eine tĂ€gliche Zulage von 0∙45 ÂŁ;

b) den Angestellten mit einem Gehalt oder Taglohn von 1650 ÂŁ, bzw. 4∙50 ÂŁ oder weniger eine Zulage von 165 ÂŁ jĂ€hrlich, bzw. 0∙45 ÂŁ tĂ€glich. Ferner wird ihnen ein bei den spĂ€teren Gehaltsaufbesserungen zu ermĂ€ĂŸigender Zuschlag ausbezahlt, damit zusammen mit dem Lohn, der Besoldungszulage und dem Wohnungsgeldzuschuß ein Mindestlohn von 2∙50 ÂŁ tĂ€glich erreicht wird;

c) den Angestellten mit einem Gehalt von ĂŒber 1650 ÂŁ oder ĂŒber 4∙50 ÂŁ Taglohn, bis einschließlich zum Rang von Abteilungschefs (capo divisione) eine Zulage von 10% ihres Gehalts oder Taglohns im Höchstbetrage von 400 ÂŁ. FĂŒr die Inspektoratseleven tritt ein bei den spĂ€teren Gehaltsaufbesserungen zu ermĂ€ĂŸigender Zuschlag hinzu, damit zusammen mit dem Gehalt und der Besoldungszulage ein Mindestgehalt von 3000 ÂŁ erreicht wird.

Das erwĂ€hnte Gesetz sichert ferner den Angestellten Gratifikationen fĂŒr erzielte Ersparnisse an den Personalkosten zu. Es werden 10% des Unterschieds zwischen den ordentlichen Betriebs-Reineinnahmen und den ordentlichen Betriebs-Reinausgaben zur Belohnung von Angestellten fĂŒr besondere Leistungen oder Verdienste verwendet. 5% des gleichen Unterschiedes werden zur Belohnung der leitenden Beamten fĂŒr erzielte sparsame und regelmĂ€ĂŸige BetriebsfĂŒhrung bestimmt. 1/10 dieser Summe fĂ€llt den Betriebschefs und ihnen gleichgestellten B. zu.


8. NiederlÀndische Eisenbahnen


In den Niederlanden hat jede der den Betrieb fĂŒhrenden 4 Gesellschaften (HollĂ€ndischen Eisenbahngesellschaft, Gesellschaft fĂŒr den Betrieb der Staatseisenbahnen, NiederlĂ€ndische Zentraleisenbahngesellschaft, Nord-Brabant-Deutsche Eisenbahngesellschaft) besondere Bestimmungen fĂŒr ihr Personal; es schließen sich aber die Bestimmungen der beiden letzteren Gesellschaften, die nur ein sehr kleines Eisenbahngebiet verwalten, hauptsĂ€chlich jenen der Gesellschaft fĂŒr den Betrieb von Staatseisenbahnen an.

Bei der hollĂ€ndischen Eisenbahngesellschaft sind die B. (einschließlich der zur Dienerkategorie gehörigen) in 23 Klassen eingeteilt. Die Klassen 1–16 umfassen die eigentlichen B. im Jahresgehalt, die Klassen 17–23 außer den Aspiranten auf Beamtenstellen (Klerks im Stationsdienst) das gesamte, durchweg im Taglohn stehende Dienerpersonal (LokomotivfĂŒhrer, Heizer, Schaffner, Wagenmeister, Bahnmeister, WĂ€chter u.s.w.)

Nachstehend folgt das Schema der Klassen 1–16 der hollĂ€ndischen Eisenbahngesellschaft.


Beamte

Beamte

In die 1. Dienstklasse gehören die obersten Dienstchefs der Direktion und die VorstĂ€nde der HauptwerkstĂ€tten; in die 2. Dienstklasse die AbteilungsvorstĂ€nde 1. Klasse, die VorstĂ€nde der WagenwerkstĂ€tten sowie die Inspektoren fĂŒr den allgemeinen Dienst; in die 3. Dienstklasse die AbteilungsvorstĂ€nde 2. Klasse, die Betriebsinspektoren fĂŒr die verschiedenen Dienstzweige sowie die Ingenieure; in die 4. Dienstklasse die kommerziellen Agenten 1. Klasse, UnterabteilungsvorstĂ€nde 1. Klasse, Kassiere, VorstĂ€nde der Materialdepots, Inspektor- und Ingenieuradjunkten, ferner zugeteilte Oberbeamte des allgemeinen Dienstes. In die 5. Dienstklasse Ingenieuradjunkten fĂŒr Zugförderung, Material- und Bahnerhaltung; in die 6. Dienstklasse UnterabteilungsvorstĂ€nde 2. Klasse, StationsvorstĂ€nde 1. Klasse, kommerzielle Agenten 2. Klasse, technische B.; in die 7. Dienstklasse StationsvorstĂ€nde 2. Klasse, Hauptkassiere, BureauvorstĂ€nde, Tarifreferenten, ferner Bahn-, Magazins-, Signal, Telegraphenaufseher u.s.w.; in die 8. Dienstklasse Agenten 1. Klasse, StationsvorstĂ€nde und -stellvertreter, BureauvorstĂ€nde, Tarifreferenten 2. Klasse, kommerzielle Agenten 3. Klasse, Bahn-, Maschinen-, Signalaufseher; in die 9. Dienstklasse Agenten 2. Klasse, StationsvorstĂ€nde und -stellvertreter; in die 10. Dienstklasse StationsvorstĂ€nde 4. Klasse, Stationsbeamte und B. 1. Klasse, Maschinen- und Materialdepotaufseher; in die 11. und 12. Dienstklasse Aufseher 3. Klasse und Aufseheraspiranten; in die 13. Dienstklasse StationsvorstĂ€nde 3. Klasse fĂŒr Lokalbahnen; in die 14. Dienstklasse Stations- und sonstige B. 2. Klasse, Zollagenten; in die 15. Dienstklasse StationsvorstĂ€nde 4. Klasse fĂŒr Lokalbahnen, HaltestellenvorstĂ€nde, Stationsaufseher; in die 16. Dienstklasse Zugskontrollore, HaltestellenvorstĂ€nde, Stationsassistenten, Titularbeamte.

Die Beförderung der B. der Dienstklassen 1–8 erfolgt nach freiem Ermessen der Direktion, die der ĂŒbrigen in der Regel nach dem Dienstalter. Die Höhe der jĂ€hrlichen GehaltsvorrĂŒckungen betrĂ€gt 100 bis 180 fl., in den unteren Dienstklassen 60 fl.

Bei der Betriebsgesellschaft der niederlĂ€ndischen Staatsbahnen besteht keine eigentliche Einteilung in Rangklassen; fĂŒr einzelne Beamtenposten oder eine Gruppe von solchen sind bestimmte Mindest- und Höchstgehalte festgesetzt, so z.B.


Beamte

Die GehÀlter der B. auf sonstigen Dienstposten bewegen sich zwischen folgenden Mindest- und Höchstgrenzen:

1900–2300, 1800–2400, 1800–2000, 1700–2000, 1600–2300, 1600–2000 (u.a. Werkmeister), 1600 bis 1900, 1500–3000, 1500–2000 (u.a. StationsvorstĂ€nde 1. Klasse, Werkmeister), 1500–1800, 1650 bis 1600, 1400–1700, 1300–1850 (u.a. Werkmeister), 1200–1800, 1200–1700, 1200–1600, 1100–1600, 1100–1500 (u.a. StationsvorstĂ€nde 2. Klasse), 1100 bis 1400, 1000–1500 (u.a. Werkmeister), 1000 bis 1200 (Zugskontrollore), 900–1800, 990–1300, 850 bis 1160 (u.a. StationsvorstĂ€nde 3. Klasse), 800 bis 1500, 800–1300, 700–1450, 700–1300 (u.a. Stationsassistenten), 600–800 (u.a. StationsvorstĂ€nde 4. Klasse), 550–1300, 550–1000 (Klerks).

Die B. einer Kategorie steigen vom Anfangsgehalt nach bestimmten ZeitrĂ€umen um entsprechende BetrĂ€ge bis zum Höchstgehalt auf. Die VorrĂŒckungsbetrĂ€ge erreichen in den obersten Kategorien 1000 fl., 500 und 400 fl.; in den anderen Kategorien 200, 150, 100, 75, 50 fl. u.s.w. Die VorrĂŒckungsfristen betragen 1–2 und 5 Jahre. Die Fristen und BetrĂ€ge sind mitunter auch innerhalb derselben Kategorie verschieden.


9. Russische Eisenbahnen.


In Rußland besteht gegenwĂ€rtig noch keine Gehalts- und Beförderungsordnung fĂŒr die Eisenbahnangestellten, doch ist eine solche Norm in Ausarbeitung und soll der Duma in der Wintersession 1912/13 vorgelegt werden. Durchschnittlich betrĂ€gt (Österr. Eisenbahnzeitung 1906) das Jahreseinkommen der WĂ€chter und Arbeiter etwa 210 Rubel1 fĂŒr MĂ€nner und 140 Rubel fĂŒr Frauen. Das mittlere Einkommen der StreckenwĂ€rter beziffert sich auf etwa 172 Rubel, das der Weichensteller auf 174 Rubel. Besser gestellt ist das Bedienungspersonal der ZĂŒge und das Rangierpersonal, doch auch hier ĂŒbersteigt das durchschnittliche Jahreseinkommen nicht den Betrag von 375 Rubel. Die Stationschefs beziehen im Durchschnitt 55 Rubel monatlich, die Gehalte der Kassiere und Kontoristen schwanken zwischen 25 und 40 Rubel monatlich. In den Verwaltungen und Bureaus der verschiedenen Dienstzweige schwanken die Gehalte zwischen 300 und 900 Rubel jĂ€hrlich, jedoch fallen hier die Quartiergelder und die Bekleidung – die der ersteren Kategorie meist in natura oder in Geld verabfolgt wird – gĂ€nzlich fort.


10. Schweizerische Eisenbahnen.


Bei den schweizerischen Bundesbahnen wurden die BezĂŒge der B. durch das Bundesgesetz vom 23. Juni 1910 sowie die am 27. Juni 1911 erlassene Gehaltsordnung (mit GĂŒltigkeit ab 1. April 1912) neu geregelt. Es bestehen 7 Besoldungsklassen, und innerhalb jeder 2 oder mehrere Gehaltsstufen mit bestimmten Mindest- und Höchstgehalten.

Nachstehend folgt das Schema der Klassen I–VII.


Beamte

Beamte

Die VorrĂŒckung erfolgt innerhalb einer Gehaltsklasse bis zur Erreichung des Höchstgehalts von 3 zu 3 Jahren, u. zw. in den Klassen I und II um 500, in den Klassen III–V um 400, in den Klassen VI und VII um 350 Fr. Einem B. oder Angestellten, der das 25. Dienstjahr zurĂŒckgelegt hat und seine letzte Stelle in gleicher Dienstklasse versieht, ist die fĂŒr diese Stelle vorgesehene Höchstbesoldung zu gewĂ€hren.

Die einzelnen Dienstposten sind im Rahmen der Gehaltsordnung in eine der zu den Besoldungsklassen gehörenden Gehaltsstufen eingereiht.

In die Besoldungsklasse I (Gehaltsstufe 10.000 bis 15.000 Fr.) fallen die Mitglieder der Generaldirektion und (Gehaltsstufe 10.000–12.000 Fr.) jene der Kreisdirektionen.

In die Besoldungsklassen II und III fallen die leitenden B. der Generaldirektion und der Kreisdirektionen sowie ihre Stellvertreter, ferner wichtigere DienstvorstĂ€nde im Ă€ußeren Dienst (Betriebsinspektoren I. Klasse, WerkstĂ€ttenvorstĂ€nde, VorstĂ€nde der Hauptstationen, Materialdepotchefs u.s.w.).

In die Besoldungsklasse IV fallen die B. des mittleren Dienstes (Betriebsinspektoren II. Klasse, BahnhofvorstĂ€nde mittlerer Stationen GĂŒterverwalter und deren Stellvertreter, Depotchefs, Ingenieure, Zolldeklaranten, Tarifbeamte, ferner Oberaufseher, OberlokomotivfĂŒhrer u. dgl.).

In die Besoldungsklasse V gehören StationsvorstĂ€nde kleinerer Stationen, Stationsgehilfen, GepĂ€cksexpedienten, Zolldeklaranten, Bureaugehilfen, ferner BrĂŒcken- und Stellwerksaufseher, Bahnmeister, OberzugsfĂŒhrer, Zugkontrollore, LokomotivfĂŒhrer u.s.w.

In die Besoldungsklasse VI fallen StationsvorstĂ€nde der untersten Klasse, Stationsgehilfen 2. Klasse, GepĂ€cksexpedienten 2. Klasse, Bureaugehilfen und Telegraphisten der unteren Klassen, Magazineure und Magazinsgehilfen, GĂŒterschaffner, Bahnmeistergehilfen, Rangiermeister, Vorarbeiter u.s.w.

In die VII. Besoldungsklasse gehört alles andere untere Personal, insbesondere auch Stationsgehilfen und GepÀcksexpedienten unterster Kategorie, die verschiedenen Kategorien der WÀrter, Schaffner u.s.w.


11. Englische Eisenbahnen.


In England wurden frĂŒher die B. allgemein in Oberbeamte (officers) und Unterbeamte (officials) unterschieden, neuerdings wendet man die Bezeichnung officials auch auf B. an, die zweifellos zu Oberbeamten gerechnet werden mĂŒssen. Will man B. als zur Klasse der Oberbeamten gehörig besonders hervorheben, so wird von »principal officers« gesprochen.

Die weitaus grĂ¶ĂŸte Zahl der B. der Bahnen Englands gehört zu den niederen B. (clerks), die nach der Art ihrer Dienstleistung in 2 StĂ€be (staffs) geteilt werden. Die nicht uniformierten Clerks des inneren Dienstes bilden den »Clerical staff«, die uniformierten, den Ă€ußeren Dienst versehenden, den »Uniform staff«.

Kommen Stellen von »Principal officers« zur Besetzung, so werden diese zumeist durch Auswahl aus fĂŒr den Posten tauglich befundenen Clerks besetzt; da der Eintritt in den Dienst fast durchweg in sehr jungen Jahren erfolgt, so kann es daraus erklĂ€rt werden, daß infolge besonderer Brauchbarkeit eines B. fĂŒr einen höheren Posten, in England öfters sehr junge Leute in leitenden Stellungen zu finden sind. Ferner erklĂ€rt sich hieraus auch der Umstand, daß eine Beförderung auf einen höheren Dienstposten auf Grund des Dienstalters in England ausgeschlossen ist. In letzter Zeit wurden jedoch bei Mangel an passenden Bewerbern fĂŒr einen höheren Dienstposten auch Außenstehende (beispielsweise RechtsanwĂ€lte u. dgl.) zur Leitung von Gesellschaften berufen.

Jeder Clerk hat sich einer AufnahmsprĂŒfung, zu unterziehen, bei der die Kenntnis der 4 Rechnungsarten (mit Dezimal- und gemeinen BrĂŒchen), ferner ein Diktat nach einer Zeitung, Schönschreiben und Kopfrechnen gefordert wird. Ist diese PrĂŒfung bestanden, so erfolgt vorerst die Einberufung zur probeweisen Dienstleistung, die mit mindestens einem Jahre bemessen ist, und werden diese Bediensteten »Probationary clerks« genannt. WĂ€hrend der Probezeit kann der Austritt jederzeit sowohl auf Verlangen des Bediensteten als auch infolge KĂŒndigung seitens der Gesellschaft erfolgen.

Die Clerks werden in 2. Rangstufen eingeteilt, eine untere (2. Grad) und eine höhere (1. Grad). Die Clerks 2. Grades zerfallen in 2 Gruppen, in eine höhere, der »Upper division« und eine niedere, der »Lower division«.

Die GehĂ€lter der Clerks 2. Grades (Upper division) betragen bei der North-Eastern Railway Comp, wĂ€hrend der Probezeit 15 â‚€ jĂ€hrlich; mit dem 17. Lebensjahre steigt das Gehalt auf 20 â‚€ und wĂ€chst nun durchschnittlich um 10 â‚€ jĂ€hrlich bis zum Höchstgehalte von 90 â‚€, der mit dem 26. Lebensjahre erreicht wird2.

Hat ein Clerk das 19. Lebensjahr erreicht, so kann er sich zum 1. Teil einer DienstprĂŒfung melden; diese hat einen rein qualifizierenden Charakter – und nicht den eines Wettbewerbes zur Erlangung einer bestimmten Stelle.

Den zweiten Teil der erwĂ€hnten DienstprĂŒfung abzulegen sind die Clerks nicht verpflichtet. Diese PrĂŒfung umfaßt die Eisenbahngeographie (eigenes Netz und fremde Netze, Anschlußstationen), die Kenntnis der Organisation und des Dienstes der Railway Clearing Houses (Eisenbahn-Zentral-Abrechnungsstelle), fachtechnische Kenntnisse ĂŒber das Betriebsmaterial, Statistik, GeschĂ€ftsstil, Buchhaltung, Rechnen sowie französische und deutsche Sprache. Die Ablegung dieser PrĂŒfung wird jedoch jedem angeraten.

Die Ernennung zum Clerk 1. Grades erfolgt auf Grund besonderer Auswahl.

Das Gehalt der Clerks 1. Grades der North-Eastern Railway Comp, betrĂ€gt im 1. Dienstjahre nach der Ernennung 100 â‚€ und wĂ€chst bis zum 17. Dienstjahre auf 200 â‚€ jĂ€hrlich. Bis 150 â‚€ erhöht sich das Gehalt jĂ€hrlich um 10 â‚€, von 150 bis 180 â‚€ um 15 â‚€ und schließlich um 20 â‚€.3

Die Great Northern Railway Comp, setzt die BezĂŒge der Clerks fĂŒr die Woche fest und unterscheidet in der Gehaltsbemessung zwischen Dienstposten in London und in der Provinz. Die Clerks dieser Gesellschaft erhalten bis zum 8. DienstjĂ€hre in London ohne RĂŒcksicht auf ihre Verwendung (bei der Zentralleitung, den Divisions- oder Distriktsleitungen sowie bei den anderen Dienststellen) das gleiche Gehalt. In der Provinz ist das Gehalt niedriger als in London, jedoch ebenfalls bei jeder Verwendung gleich bemessen.

FĂŒr London betrĂ€gt der Wochenlohn im 1. Dienstjahr 10 sh., im 8. Dienstjahr 30 sh. Bis 28 sh. wĂ€chst der Wochenlohn jedes Jahr um 3 sh.4.

In der Provinz ist der Wochenlohn durchweg um 2 sh. geringer.

Der höchste Wochenlohn betrĂ€gt 32 sh. und wird in London bei der Zentralleitung mit 9 Dienstjahren, von den Clerks bei den Distrikts- und Divisionsabteilungen in London mit 10 Dienstjahren, bei den anderen Dienststellen mit 11 Jahren, auf dem Lande mit 12, bzw. 13 Jahren erreicht. Nach dieser Dienstaltersgrenze beginnen die JahresbezĂŒge. Diese betragen 90–120 â‚€ und werden von Clerks in der Provinz erreicht, falls sie in Haupt-, Divisions- oder Distriktsleitungen verwendet werden. Der Höchstgehalt von 100 Pfund wird erreicht nach 17 Jahren, bei anderen Dienststellen auf dem Lande der Höchstgehalt von 90 â‚€ nach 14 Jahren, bei Clerks in London der Höchstgehalt von 120 â‚€ beim Zentraldienst in 16 Jahren, von 110 â‚€ bei den Divisions- und Distriktsleitungen in 17 Jahren und bei den anderen Londoner Dienststellen der Höchstgehalt von 100 â‚€ in 16 Jahren.

Die GehÀlter der B. auf höheren Dienstposten werden entsprechend den an sie gestellten Anforderungen besonders festgestellt und sind gewöhnlich sehr hoch bemessen.

Im Jahre 1910 waren im vereinigten Königreich ungefĂ€hr 650.000 Bedienstete im Eisenbahndienste tĂ€tig; davon entfielen rund 300.000 auf den Verwaltungs- und Betriebsdienst, 200.000 auf den Bahnerhaltungs-, WerkstĂ€tten- und Reparatursdienst, der Rest auf die ĂŒbrigen Dienstzweige und die Nebenbetriebe.

Die in England bis ins kleinste vorherrschende Arbeitsteilung bedingt auch im Eisenbahnwesen Englands eine ĂŒberaus große Anzahl von Diensttiteln beim Personale. So enthĂ€lt eine Liste des Personales der London and North-Western Railway Company 801 verschiedene Bezeichnungen der einzelnen Kategorien von Bediensteten. In der Verkehrsabteilung sind 135 Klassen, die Bahnunterhaltungsabteilung hat 144 Klassen, jede nach der Art der Dienstleistung des Betreffenden anders genannt.

Auch Frauen finden bei den englischen Bahnen Verwendung; so beschÀftigte die London and North-Western Ry. 1542 als Clerks angestellte Frauen (im Jahre 1909) zumeist Töchter von Bediensteten.


12. Amerikanische Eisenbahnen


FĂŒr sĂ€mtliche Eisenbahnen der Vereinigten Staaten von Amerika ist in der Statistik der Interstate Commerce Commission fĂŒr das Jahr 1908/09 die Höhe der durchschnittlichen tĂ€glichen Besoldung der Angestellten angegeben. Danach bezogen fĂŒr den Tag:


5
General Officers (Direktoren)12∙67 Doll.
Other Officers (Andere Oberbeamte) 6∙40 Doll.
General Office Clerks (Bureaubeamte) 2∙31 Doll.
Station Agents (Stationsagenten) 2∙08 Doll.
Other Station Men (Andere Stationsbedienstete) 1∙82 Doll.
Enginemen (LokomotivfĂŒhrer) 4∙44 Doll.
Firemen (Heizer) 2∙67 Doll.
Conduktors (ZugfĂŒhrer) 3∙81 Doll.
Other Trainmen (Andere Zugbedienstete) 2∙59 Doll.
Section Foremen (RottenfĂŒhrer, Vorarbeiter) 1∙96 Doll.
Other Tracemen (Streckenarbeiter) 1∙38 Doll.
Switch Tenders pp. (Weichensteller u.s.w.) 1∙73 Doll.
All other Employees and Labourers
(Alle anderen Bediensteten und Arbeiter) 1∙77 Doll.

(Vgl. Hoff & Schwabach, Die nordamerikanischen Eisenbahnen.)


VI. Die Dauer des DienstverhĂ€ltnisses ist entweder eine lebenslĂ€ngliche, wie bei Staatsbeamten, in welchem Falle die Entlassung nur aus ganz bestimmten GrĂŒnden erfolgen kann, oder sie ist durch Dienstvertrag festgelegt; in der Regel wird das VerhĂ€ltnis bei Staats- wie bei Privatbahnen auf unbestimmte Zeit mit beiderseitiger KĂŒndigung eingegangen. Die KĂŒndigungsfrist schwankt je nach Dienstvertrag zwischen 14 Tagen und einem Jahr. Von dem KĂŒndigungsrecht kann entweder aus bestimmten GrĂŒnden oder ohne Angabe der GrĂŒnde Gebrauch gemacht werden. KĂŒndigt die Bahnverwaltung, so erhĂ€lt der B. mitunter eine vertraglich festgesetzte Abfindungssumme.

Die Auflösung des DienstverhĂ€ltnisses erfolgt durch Tod, freiwilliges Ausscheiden, durch AusĂŒbung des KĂŒndigungsrechts, soweit ein solches vorbehalten ist, Versetzung in den Ruhestand (Pensionierung) oder durch Entlassung aus dem Dienste.

Zur Verbesserung des Loses der B. bestehen vielfache Wohlfahrtseinrichtungen: Pensions-, Kranken- und Vorschußkassen, UnterstĂŒtzungs- und Unfallversicherungsanstalten (caisses de retraite et de secours), Heilanstalten (in England: health resorts and Sanatorium for railway clerks), Erholungsheime, Ledigenheime, ÜbernachtungsgebĂ€ude, Kantinen, Versicherungsvereine u.s.w.

Vielfach wird auch die Lage der B., die ein geringes Gehalt beziehen, dadurch verbessert, daß die Bahnverwaltungen deren Angehörige, insbesondere Frauen, in ihre Dienste nehmen, z.B. im SchrankenwĂ€rterdienste, bei der Fahrkartenausgabe u.s.w.

Zum Schutze der sozialen Stellung der B. ist ein bestimmtes Mindesteinkommen vom der PfĂ€ndung gesetzlich befreit. In Deutschland ist das Diensteinkommen der B. der Staatsbahnen, sofern es jĂ€hrlich nicht 1500 M. ĂŒbersteigt, ĂŒberhaupt nicht, darĂŒber hinaus nur bis zum dritten Teile des Mehrbetrags pfĂ€ndbar; in Österreich muß dem Staatsbeamten der Mindestsatz von 1600 K, den Privatbahnbeamten von 1200 K belassen werden.

Da ferner die Eisenbahnen die volle Arbeitskraft der B. in Anspruch nehmen und es diesen dadurch unmöglich gemacht wird, durch einen Nebenerwerb sich und den Ihrigen ein ihre Zukunft sicherndes Vermögen zu verschaffen, so erscheint es billig, daß von den Verwaltungen fĂŒr die Hinterbliebenen eines verstorbenen B. gesorgt wird. DemgemĂ€ĂŸ besteht ein Recht der Hinterbliebenen auf das sog. Gnadenvierteljahr, sowie Witwen- und Waisengelder, auch können ihnen aus eigens hierzu bestimmten Fonds UnterstĂŒtzungen gewĂ€hrt werden.


VII. Nachstehend folgen einige Angaben ĂŒber die Anzahl der in Verwendung stehenden Bediensteten und die Höhe der persönlichen Ausgaben der Bahnen einiger Staaten.


Beamte

Seydel.

1

1 Rubel = 2∙16 Mark = 2∙59 Kronen

2

1 Pfund Sterling = 20 Shilling = 20∙43 Mark = 24 Kronen.

3

1 Pfund Sterling = 20 Shilling = 20∙43 Mark = 24 Kronen.

4

1 Dollar = 4∙20 Mark = 4∙94 Kronen.

5

1 Dollar = 4∙20 Mark = 4∙94 Kronen.


http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912–1923.

Schlagen Sie auch in anderen WörterbĂŒchern nach:

  • Beamte — Beamte, jeder, der mit einem Amt, bes. einem öffentlichen, versehen ist, s.u. Amt. Daher Beamtenadel u. Beamtenaristokratie, s.u. Adel u. Aristokratie 
   Pierer's Universal-Lexikon

  • Beamte — Beamte,der:Staatsdiener·Staatsbedienstete 
   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Beamte(r) — (mit Adjektiv Flexion) Sm std. (14. Jh.) Hybridbildung. Kontrahiert aus Beamteter, der Substantivierung eines partizipialen Adjektivs zu beamten, weiter zu Amt. ✎ LM 1 (1980), 1720f.; Grundbegriffe 7 (1992), 1 96. deutsch E(kelt) 
   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Beamte — ↑ Amt 
   Das Herkunftswörterbuch

  • Beamte(r) — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: ‱ Offizielle(r) ‱ FunktionĂ€r(in) Bsp.: ‱ Ein paar Regierungsbeamte waren auf der Versammlung anwesend 
   Deutsch Wörterbuch

  • Beamte — [Network (Rating 5600 9600)] Auch: ‱ Beamter ‱ Wachtmeister 
   Deutsch Wörterbuch

  • Beamte — Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen LĂ€ndern zu schildern. Der Begriff des Beamten (weibliche Form: die Beamte oder die Beamtin) wird unterschiedlich verstanden. Man unterscheidet… 
   Deutsch Wikipedia

  • Beamte — Be|aÌŁm|te(r) 〈f. 30 (m. 29)âŒȘ Inhaber eines öffentl. Amtes, entweder im Staatsdienst (StaatsBeamte) od. im Dienst einer sonstigen Körperschaft öffentlichen Rechts ● politische Beamte bestimmte höhere Ministerialbeamte, wie z. B. StaatssekretĂ€re… 
   Universal-Lexikon

  • Beamte — Be|aÌŁm|te , der; n, n   ‱ Beamte Das Wort hat folgende Beugungsformen: – der Beamte, ein Beamter, zwei Beamte, die Beamten – einige Beamte, alle Beamten, solche Beamte[n], beide Beamten (seltener: Beamte) – die Versorgung ausscheidender Beamter – 
   Die deutsche Rechtschreibung

  • Beamte — 1. Beamte thun ein Eid und halten ihn wie s Sonntagskleid. Holl.: Alle landsbedienden hebben een eed gedaan. (HarrebomĂ©e, I, 37.) Lat.: Videant consules, ne quid detrimenti respublica capiat. (Wiegand, 937.) 2. Die Beampte haben die SchlĂŒssel zu… 
   Deutsches Sprichwörter-Lexikon


Share the article and excerpts

Direct link

 Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.