Abfahrts- und Ankunftsanzeiger

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Abfahrts- und Ankunftsanzeiger

Abfahrts- und Ankunftsanzeiger (trainindicator; indicateur; indicatore). Der abfahrende Reisende und der Abholende benötigt auf dem Bahnhofe der Angabe ĂŒber die planmĂ€ĂŸige Abfahrts- und Ankunftszeit, VerspĂ€tungen, ĂŒber die Art des Zuges, die Klassenzahl, die Haltestationen und ĂŒber den Bahnsteig oder das Gleis, auf dem der Zug abfĂ€hrt oder ankommt. Er erhĂ€lt diese Auskunft durch die AushangfahrplĂ€ne, die Abfahrts- und Ankunftstafeln in den Vorhallen, WartesĂ€len und auf den Kopfbahnsteigen, durch die Abrufapparate in den WartesĂ€len, die Zugrichtungsweiser auf den Bahnsteigen und die VerspĂ€tungstafeln.

A. AushangfahrplĂ€ne (s. Aushangfahrplan u. Fahrplan). Die AushangfahrplĂ€ne (gelb fĂŒr die eigene Bahn, weiß fĂŒr fremde Bahnen) werden auf Papier gedruckt und auf Holztafeln aufgeklebt, die gewöhnlich in den Vorhallen oder auf den Bahnsteigen in Augenhöhe aufgehĂ€ngt werden. Übliche Abmessungen der Tafeln: Nutzbreite 1∙25 m, Nutzhöhe 1 m (Mindestmaße). Reichen die WĂ€nde nicht zu und ist in der Vorhalle genĂŒgend Platz vorhanden, so werden die Tafeln in Form von StĂ€ndern frei aufgestellt, und die senkrechte oder schwach geneigte FlĂ€che doppelseitig mit den FahrplĂ€nen beklebt. Reicht auch hierfĂŒr der Platz nicht zu, so werden Fahrplangestelle benutzt, die zahlreiche FahrplĂ€ne aufnehmen können. Gestelle in Buchform, bei denen eine Reihe senkrechter Tafeln an einem Mittelpfosten drehbar befestigt ist, sind unhandlich. Bei den Gestellen, Bauart »Woernle« (Abb. 1) ist eine beliebige Zahl (beispielsweise 10) senkrechter, doppelseitig zu beklebender Tafeln hintereinander aufgehĂ€ngt und durch Gegengewichte ausgeglichen, so daß sie an dem Handgriff bequem in Augenhöhe herunter gezogen werden können; durch das Auftreten auf ein Pedal gehen die Tafeln wieder nach oben. An der kurzen Seite des Gestells befindet sich ein Stationsverzeichnis, das die Nummer der Tafel und des darauf befindlichen Fahrplans angibt. Bei Fahrplangestellen, Bauart »Abel«, sind die PlĂ€ne auf ein endloses Leinenband geklebt und werden durch Bewegen eines Hebels in Augenhöhe gebracht.

B. Abfahrts- und Ankunftstafeln. Abfahrts- und Ankunftstafeln enthalten im Gegensatz zu den FahrplĂ€nen meistens nur die Angabe der Zugrichtung (Endstation oder Hauptstation), der Abfahrts- oder Ankunftszeit, der Zugart und des Bahnsteiges oder Gleises. Der Inhalt der Tafel wird entweder nach Stationen oder zeitlich, d.h. in der Weise geordnet, daß die ZĂŒge aller Richtungen hintereinander stehen. Nach Richtungen geordnete Tafeln sind jetzt auf allen Hauptstationen des Fernverkehrs vorhanden, zeitlich geordnete daneben auf großen Bahnhöfen und auf Stadtbahnstationen. Die schnellfahrenden und die zuschlagpflichtigen ZĂŒge werden meist durch farbige Schrift hervorgehoben.

1. Richtungstafeln. Die Richtungstafeln wurden frĂŒher in der Weise hergestellt, daß Aufschriften mit schwarzen und farbigen Buchstaben auf weiß gestrichenen Holztafeln angebracht wurden. Beim Fahrplanwechsel mußte dann meist Grundanstrich und Schrift neu hergestellt werden und dadurch entstanden erhebliche Unkosten. Um diese zu vermeiden, ist man jetzt fast ĂŒberall zu auswechselbaren Email- oder Milchglastafeln ĂŒbergegangen. – Abb. 2 u. 3 zeigen Abfahrtstafeln mit auswechselbaren TĂ€felchen von »Schulze & Wehrmann« in Elberfeld. Wie aus der Abb. 3 – ersichtlich, können die einzelnen Hauptteile der Tafel nach Lösung einer Schraube herausgenommen werden, worauf das Auswechseln der TĂ€felchen (beim Fahrplanwechsel) im Stationsbureau an einem Tisch in Ruhe erfolgen kann. Die TĂ€felchen laufen oben und unten in Nuten, die durch gekrĂŒmmte Aluminiumschienen gebildet werden. Die herausnehmbaren StĂŒcke erhalten in der breiten Richtung nur eine einzige Abfahrtszeit, so daß, wenn eine Abfahrtszeit geĂ€ndert werden soll, keine anderen Teile der Tafel verschoben zu werden brauchen. Die Grundplatte der Tafel ist aus- Holz oder Eisenblech. Die Zeilenhöhe schwankt zwischen 25 und 100 mm, je nachdem die Tafel in Augenhöhe oder hoch an der Wand angebracht ist. In der Regel wird eine Zeilenhöhe von 61 mm angewandt, bei der sich die Schrift in einer Höhe von 1∙5–3 m ĂŒber dem Fußboden gut lesen lĂ€ĂŸt und das RaumverhĂ€ltnis zwischen SchriftgrĂ¶ĂŸe, Zeilenweite und FĂŒhrungsleisten ein gĂŒnstiges ist, so daß das Gesamtbild deutlich und klar wird. In Abb. 2 befinden sich neben den Abfahrtszeiten Angaben ĂŒber den Lauf des Zuges in kleinerer Schrift.

Abb. 4 zeigt eine Tafel auf dem Kopfbahnsteig der Station Liverpoolstreet in London, bei der jedesmal nur der nĂ€chste in einer Richtung abfahrende Zug angegeben ist. Die Abfahrtszeit wird durch ein Uhrzifferblatt mit verstellbaren Zeigern angegeben. Diese Einrichtung kann aber leicht zu IrrtĂŒmern Veranlassung geben, indem die ZifferblĂ€tter fĂŒr wirkliche Uhren gehalten werden. Die Tafeln mit den Stationsnamen und die mit den Gleisnummern sind auswechselbar.

LĂ€ĂŸt man auch noch die Abfahrtszeit weg, so kommt man zu einfachen Tafeln (Abb. 5), wie sie in Bahnsteigtunneln ĂŒblich sind, und die nur den Abfahrtsbahnsteig des nĂ€chsten in der betreffenden Richtung fahrenden Zuges anzeigen. Die TĂ€felchen mit der Angabe des Bahnsteiges sind auswechselbar. Ist die Fahrordnung des Bahnhofs eine gleichmĂ€ĂŸige, d.h. fahren alle ZĂŒge einer Richtung von demselben Bahnsteig ab, so sind diese Abfahrtstafeln entbehrlich und es genĂŒgen dafĂŒr Aufschriften an den TreppenaufgĂ€ngen.

Auf Kopfbahnhöfen wird das Ankunftsgleis des nĂ€chsten einfahrenden Zuges dem Reisenden und dem Bahnhofspersonal (GepĂ€cktrĂ€gern-Postbeamten u.s.w.) bisweilen durch Drehfeldr fernzeiger (Abb. 6 bis 8) angezeigt. De-Geber, Abb. 8, befindet sich im Befehlsstell, werk, das den Lauf der ZĂŒge regelt, und wird durch den Fahrdienstleiter betĂ€tigt. Der EmpfĂ€nger (Abb. 6) ist zweiseitig als Transparent ausgebildet; durch die Buchstaben P oder S im unteren Teil des EmpfĂ€ngers wird angezeigt, ob es sich um einen Personen- oder Schnellzug handelt. Vor der Umstellung des Zeigers ertönt ein Wecker. Die dargestellte Einrichtung setzt voraus, daß auf der freien Strecke nur ein Einfahrgleis vorhanden ist, so daß also nur ein Zug gleichzeitig einlaufen kann. Sind mehrere Einfahrgleise in dem Bahnhofe vorhanden, so muß fĂŒr jede Fahrtrichtung ein Zeigerwerk aufgestellt werden.

Die Schaltung beruht auf dem Grundsatz zweier zusammenarbeitender Drehfelder, die durch Spaltung eines Gleichstromes oder unmittelbar durch Wechselstrom erzeugt werden. Zur Verbindung von Geber und EmpfĂ€nger sind fĂŒnf Leitungen fĂŒr das Zeigerwerk, je eine Leitung fĂŒr die Zeichen P und S und eine fĂŒr die Klingel erforderlich. Einfachere Apparate beruhen auf dem Grundsatz des Spannungsmessers, wobei die Spannung durch Widerstandsschaltung am Geber verĂ€ndert wird. Sie erfordern nur zwei Leitungen, sind aber nur fĂŒr einfachere VerhĂ€ltnisse, d.h. fĂŒr eine geringe Anzahl von Zeichen brauchbar.

Auf dem Bahnhof Parkstraße (schleifenförmige Endstation) der Unterpflasterstraßenbahn in Boston befindet sich ein Schild, durch welches angezeigt wird, an welcher Stelle des in 5 Abschnitte eingeteilten Bahnsteiggleises der Wagen der betreffenden Richtung halten wird, bzw. welche Richtungen die nacheinander vorfahrenden nĂ€chsten fĂŒnf Wagen haben werden (Abb. 9). Die Zahlen sind auf dem dunklen Belag einer Glasscheibe ausgespart, und die Zahl, die sichtbar werden soll, wird durch eine GlĂŒhlampe von hinten beleuchtet. Der Geber befindet sich in einer Bude, von der aus man die Richtungsschilder der ankommenden Wagen beobachten kann. (Vgl. auch Kemmann, Zur Frage der Abfertigung von Zugreihen an Bahnsteigen. Ztg. d. VDEV. 1908, Nr. 76 u. 77.)

2. Zeittafeln. Zeittafeln werden in der Regel fĂŒr jede Fahrplanperiode auf Papier gedruckt. Abb. 10 zeigt einen Ausschnitt aus einer Ankunftstafel des Fernverkehrs. Abb. 11 eine Abfahrtstafel des Stadtverkehrs; Buchstabenhöhe 10 mm, bzw. 5 mm. HĂ€ufig wird eine Skizze der Gleisanordnung des Bahnhofs mit abgedruckt.

Abb. 12 zeigt eine zeitlich geordnete Abfahrtstafel fĂŒr den Fernverkehr mit Emailschildern auf einem Durchgangsbahnhof. Ölfarbenaufschrift, die frĂŒher allgemein ĂŒblich, wurde auch hier aus wirtschaftlichen GrĂŒnden verlassen.

C. Abrufapparate. Das Abrufen der ZĂŒge in den WartesĂ€len wird hĂ€ufig ĂŒberhört oder mißverstanden und erfordert auf grĂ¶ĂŸeren Bahnhöfen mehrere Beamte. Es ist daher zweckmĂ€ĂŸig und hĂ€ufig auch wirtschaftlich, das Abrufen durch mechanische Vorrichtungen vorzunehmen, die an der Wand des Wartesaales, meist ĂŒber der AusgangstĂŒr, angebracht werden. Die Abrufapparate werden in der Weise hergestellt, daß ein Schild, das die Zugrichtung angibt, 5 Minuten vor der Abfahrt des Zuges unter Ertönen eines Glocken- oder Huppenzeichens erscheint und im Augenblick der Abfahrt wieder verschwindet.

Da, wo verschiedene Bahnsteige fĂŒr dieselbe Fahrtrichtung in Frage kommen, wird außerdem der Abfahrtsbahnsteig und nach Erfordern auch die Zuggattung angegeben. Die Apparate werden gewöhnlich von dem Dienstraum des Fahrdienstleiters aus gesteuert. Die Abstellung kann durch den Bezirksaufsichtsbeamten erfolgen. Die Zahl der EmpfĂ€nger kann beliebig groß sein, d.h. es können die in verschiedenen WartesĂ€len angebrachten Apparate hintereinander geschaltet von einem Geber aus und gleichzeitig betĂ€tigt werden. Von Wichtigkeit ist es, die Zahl der Leitungen möglichst klein zu machen. Als Kraftquelle kommt die meist ohnehin vorhandene elektrische Stromquelle (Lichtleitung) oder statt dessen eine besondere Batterie in Frage; zum Auslösen kann ein Schwachstrom benutzt werden. Am Geber muß eine RĂŒckmeldung vorhanden sein, die die BetĂ€tigung des Abrufers bestĂ€tigt. Am einfachsten geschieht dies durch eine GlĂŒhlampe, die so lange brennt, wie das Schild im Wartesaal zu sehen ist.

Die einfachsten Abrufer, wie sie beispielsweise von der Allgemeinen ElektrizitĂ€ts-Gesellschaft hergestellt werden, bestehen aus Transparenten, deren Schrift erst sichtbar ist, wenn sie von hinten durch GlĂŒhlampen beleuchtet wird. FĂŒr jede Zugrichtung, jede Zuggattung und die Angabe des Bahnsteigs ist eine Hinleitung, ferner eine gemeinsame RĂŒckleitung und eine RĂŒckmeldeleitung erforderlich. Die Telephonfabrik, vormals I. Berliner in Hannover, versieht ihre Apparate außerdem mit einer Uhr, die die Zahl der bis zur Abfahrt bleibenden Minuten durch Ein- und Ausschalten von GlĂŒhlampen anzeigt und den Abrufer nach Ablauf der letzten Minute ausschaltet. Die Minutenzahlen 5–1 sind hintereinander in einer Reihe aufgemalt und hinter jeder Zahl befindet sich eine GlĂŒhlampe in einer besonderen Kammer.

Die Abrufer von C. W. Lorenz in Berlin bestehen aus Aluminiumtafeln von 800 × 200 mm GrĂ¶ĂŸe, die durch einen kleinen Elektromotor um 180° gedreht werden. Eine Seite ist mit dem Namen der Station beschrieben, die andere schwarz gestrichen. Am Geber zeigt eine weiße Scheibe hinter einem Fensterchen die Abrufstellung, eine rote Scheibe die Ruhestellung an. Der Stromverbrauch fĂŒr eine Bewegung betrĂ€gt nur 0∙4 Ampere bei 5 Volt Spannung.

Ein Abrufer von Siemens & Halske ist in den Abb. 13 u. 14 dargestellt. Der EmpfĂ€nger besteht aus einem Kasten, in dem sich eine Anzahl Richtungsschilder von 1000 × 200 mm GrĂ¶ĂŸe hintereinander befindet, von denen jedesmal eines durch senkrechte Bewegung aus dem Kasten heraustritt Außerdem ist noch die Zugart angegeben. Die Bewegung einer beliebigen Anzahl Richtungsschilder geschieht durch einen einzigen Elektromotor; der Geber wird in der Weise gehandhabt daß an dem gewĂŒnschten Richtungsschild ein Stöpsel eingesetzt und hierauf der Kurbelschalter gedreht wird. Die Schaltung ist so eingerichtet, daß durch begrenzte Drehung einer Welle das gewĂŒnschte Schild angekuppelt und vorgeschoben wird. Man kommt deshalb mit 4 Leitungen fĂŒr die gesamten Richtungsschilder aus. Der Apparat zeigt, im Gegensatz zu den frĂŒher beschriebenen, nur eine Fahrtrichtung an. Sollen mehrere ZĂŒge gleichzeitig abgerufen werden, so mĂŒssen mehrere Apparate nebeneinander aufgestellt werden. Der Apparat kann gleichzeitig auch als Zugrichtungsweiser auf dem Abfahrtsbahnsteig (s. unten unter D) dienen.

D. Zugrichtungsweiser. Zugrichtungsweiser geben die Fahrtrichtung, Art und Abfahrtszeit des nĂ€chsten von dem betreffenden Gleise abfahrenden Zuges an. Auf Kopfbahnhöfen werden Tafeln nach Abb. 15 am Kopfende der Bahnsteiggleise aufgestellt, so daß sie vom Kopfbahnsteig aus gut sichtbar sind. Die Schrift ist auf Blechschildern angebracht, die zum Einschieben oder AnhĂ€ngen eingerichtet sind. Ein Kasten an der RĂŒckseite der Tafel enthĂ€lt die Vorratsschilder. Die Ankunft eines Zuges wird in der gleichen Weise angekĂŒndigt.

In Nordamerika, wo die Bahnhöfe in den grĂ¶ĂŸeren Orten als Kopfbahnhöfe ausgebildet sind, sind Zugrichtungsweiser im Gebrauch, die außer der Abfahrtszeit und der Zuggattung alle Haltstationen angeben. Abb. 16 u. 17 zeigen zwei verschiedene AusfĂŒhrungen, Bauart »Boyton« von Wheeler & Wilson in Bridgeport, Conn. Die Blechtafeln, die die Haltstationen angeben, sind drehbar; ihre RĂŒckseite ist schwarz. Sie sind ebenso wie die endlosen BĂ€nder oder die Uhrzeiger, die die Abfahrtszeit angeben, mit senkrechten Stangen verbunden. Alle diese Stangen mĂŒnden in einen Kasten, der sich am unteren Ende der Tafel befindet. FĂŒr jeden Zug ist ein durchlöcherter Blechstreifen vorhanden. Durch einen einzigen Handgriff werden die Abfahrtszeiten und die Haltstationen eingestellt, wobei nur die Stangen bewegt werden, fĂŒr die Löcher in dem Blechstreifen vorhanden sind. Ähnliche Abfahrtsanzeiger befinden sich auf dem Bahnhof »Wiesbaden« (Abb. 18 u. 19). Die Aufschriften der Zugart und Zugrichtung, auf 4- und 3 kantigen Trommeln angebracht, werden einzeln durch senkrechte Stangen bewegt. Abb. 18 zeigt den Zugrichtungsweiser in gebrauchsfertiger Stellung, Abb. 19 in der Umstellung.

Der Preis eines solchen Anzeigers betrÀgt etwa 300 M.

Auf Durchgangsbahnhöfen werden die Zugrichtungsweiser auf dem Bahnsteig so aufgestellt, daß sie beim Austritt aus der Bahnsteigtreppe gut sichtbar sind. Sie bestehen aus Blechschildern von etwa 1 m LĂ€nge, die um wagerechte Achsen drehbar sind. Im RuhezustĂ€nde hĂ€ngen die Schilder nach unten oder stehen nach oben und werden durch die WĂ€nde des Gestells oder die Nachbarschilder verdeckt. Im gezogenen Zustande stehen die Schilder wagerecht. Die Bewegung geschieht durch senkrechte GestĂ€nge, die am rĂŒckwĂ€rtigen Ende der Schilder angreifen. Die Handgriffe der GestĂ€nge befinden sich in Armhöhe. Bei den zuerst verwendeten Bauarten lief das GestĂ€nge in ein mit einem Loch versehenes Flacheisen aus; am StĂ€nder befand sich in wagerechter Dorn, auf den das Flacheisen aufgesteckt und so das Richtungsschild in gezogener Stellung festgehalten wurde. Die Löcher weiteten sich sehr schnell aus und die Schilder hingen dann schrĂ€g. Bei neueren Bauarten wird das senkrechte GestĂ€nge durch einen Winkelhebel bewegt, dessen Drehpunkt am StĂ€nder befestigt ist; alle Gelenke sind mit Vaselinschmierung versehen.

Bei den nach diesen GrundsĂ€tzen gebauten Zugrichtungsweisern, Bauart »Eisert« fĂŒr Stadtbahnstationen, liegt der Drehpunkt der Schilder bei einstieligen DĂ€chern 3∙15 m ĂŒber Oberkante Bahnsteig, sonst 3∙25 m. Auf einer Welle können 12 Schilder befestigt werden. Ein StĂ€nder bis zu 12 Schildern erhĂ€lt daher 2 Pfosten, ein solcher bis zu 24 Schildern 3 Pfosten u.s.w.; fĂŒr 4 Schilder genĂŒgt 1 Pfosten. Im Fernverkehr ist außer der Zugrichtung noch die Zugart anzugeben; die alsdann nötigen Schilder werden in verschiedenen Höhen an gebracht (Abb. 20 u. 21), die tiefer angebrachten Schilder mĂŒssen nach oben schlagen, da sonst beim Bewegen Reisende getroffen werden könnten. Die planmĂ€ĂŸige Abfahrtszeit wird durch eingesteckte Blechtafeln angegeben. ZweckmĂ€ĂŸig ist es, an diesem Richtungsweiser auch die VerspĂ€tungstafeln (s. unten unter E) anzubringen. Ein Kasten dient zur Aufnahme der Einstecktafeln der Abfahrtszeiten. Die Preise eines solchen Zugrichtungsweisers betragen etwa 90 M. fĂŒr den Pfosten und 22 M. fĂŒr das Schild (ohne Maurerarbeiten und Malerarbeiten).

Da die Blechtafeln, die die Fahrzeit angeben, bei jeder Änderung neu gestrichen werden mĂŒssen, sind dafĂŒr auch kleine KĂ€stchen im Gebrauch, bei denen hinter einem Glasfenster 3 endlose Wachstuchstreifen, (Ă€hnlich wie ein immerwĂ€hrender Kalender) ĂŒber Rollen laufen. Sie tragen in schwarzer Ölfarbenschrift die Zahlen 1–12, 0–5 und 0–9. Mit ihnen lĂ€ĂŸt sich jede Abfahrtszeit einstellen; eine Unterscheidung von Tages- und Nachtstunden ist nicht notwendig.

Wenn bei enger Zugfolge und verschiedenen Zielpunkten unvorhergesehene Änderungen im Lauf der ZĂŒge eintreten, so ist es hĂ€ufig schwierig, den mit der Handhabung der Richtungsweiser betrauten TĂŒrschließern rechtzeitig die verĂ€nderte Zugrichtung mitzuteilen, besonders dann, wenn mehrere Zugrichtungsweiser auf einem Bahnsteig zu bedienen sind. HierfĂŒr hat die Firma Siemens & Halske eine elektrische Fernsteuerung angegeben, die die Stellung der Schilder durch den Fahrdienstleiter gestattet (vgl. ETZ. 1909, H. 28). Sie ist auf dem Wannseebahnhof in Berlin ausgefĂŒhrt und in Abb. 22 dargestellt. Die Schaltung Ă€hnelt dem oben beschriebenen Zugabrufer derselben Firma. FĂŒr die 7 Richtungsschilder eines Gleises ist nur ein Elektromotor vorhanden, der der Raumersparnis wegen unter der Bahnsteigoberkante liegt. Die Kuppelung des gewĂŒnschten Richtungsschildes geschieht durch einen Elektromagneten. Die beiden Schilder mit der Aufschrift »dieser Zug fĂ€hrt zuerst ab«, werden durch einen besonderen Motor bewegt. Die Spannung des Kraftstroms fĂŒr die Motoren betrĂ€gt 120 Volt, die des Steuerstroms 22 Volt. Der Geber enthĂ€lt einen Knebel fĂŒr jedes Richtungsschild und einen Umlegknebel fĂŒr das Schild mit der Angabe des zuerst abfahrenden Zuges. So lange der Motor sich in Bewegung befindet, leuchtet am Geber eine GlĂŒhlampe. NachtrĂ€glich ist einer der Zugrichtungsweiser noch mit einem KĂ€stchen ausgestattet worden, das die Abfahrtszeit enthĂ€lt und ebenfalls fern gesteuert wird.

Die beschriebenen Zugrichtungsweiser haben den Nachteil, daß auf Bahnhöfen mit starkem Zugverkehr, namentlich unter Bahnsteighallen, die Aufschriften sehr bald schmutzig werden und daher hĂ€ufig erneuert werden mĂŒssen, unter UmstĂ€nden alle Jahre. Um dies zu vermeiden, hat F. Wiese in Hamm, einen Zugrichtungsweiser erfunden, bei dem die Schrift unter Glas und dadurch vor den Einwirkungen der Luft und der Rauchgase geschĂŒtzt ist. Der Zugrichtungsweiser (Abb. 23) besteht aus einer hohlen SĂ€ule, die oben einen Glaskasten trĂ€gt. Die Unterkante des Glaskastens liegt 2∙5 m ĂŒber dem Bahnsteig. In dem Glaskasten befinden sich drei Ausschnitte, in denen die Zugrichtung, die Zugart und die planmĂ€ĂŸige Abfahrtszeit erscheint. Zugrichtung und Zugart sind je auf ein endloses, ĂŒber 2 Walzen laufendes weißes Leinenband mit Ölfarbenschrift aufgetragen, fĂŒr die Abfahrtszeit dienen 3 LeinenbĂ€nder. Die Walzen und damit die BĂ€nder werden durch Gliederketten bewegt, die in der hohlen SĂ€ule bis auf Armhöhe hinunter fĂŒhren. Auf dem Band fĂŒr die Zugrichtung ist leerer Raum gelassen, um hinzukommende Richtungen oder Endpunkte aufzeichnen zu können. Alle BĂ€nder sind zweifach vorhanden, da der Zugrichtungsweiser zweiseitig ausgebildet ist Bei der Aufstellung muß darauf geachtet werden, daß sich ĂŒber dem Anzeiger nicht etwa ein Oberlicht befindet, da sonst die Lesbarkeit der Schrift durch die Spiegelung der Glasscheibe beeintrĂ€chtigt wird. Am Pfosten ist auch die VerspĂ€tungstafel angebracht; sie wird zusammengeklappt, wenn keine VerspĂ€tung vorliegt.

Ein Zugrichtungsweiser sehr einfacher Bauart ist auf der Berliner Hoch- und Untergrundbahn im Gebrauch (Abb. 24). Er besteht aus Schildern von 1400 mm LĂ€nge und 250 mm Höhe, die mit zwei Rollen an Laufschienen hĂ€ngen. Die Laufschienen sind unter der Decke der Haltestelle befestigt und haben die doppelte LĂ€nge der Schilder. Im Ruhezustand werden die Schilder in das BahnsteighĂ€uschen geschoben, so daß sie nicht sichtbar sind. Die Beleuchtung erfolgt durch Lampen mit parabolischem Reflektor.

E. VerspĂ€tungstafeln. VerspĂ€tungstafeln werden in den Vorhallen und außerdem auf dem betreffenden Bahnsteig in Augenhöhe anbracht. Sie werden schwarz (mit sog. Schiefertafelfarbe) gestrichen, um Aufschriften mit Kreide herstellen zu können. Sie sollen die Zugart, Zugrichtung, die planmĂ€ĂŸige Ankunfts- (Abfahrts-) Zeit und die mutmaßliche Dauer der VerspĂ€tung enthalten. Die Angabe der Zugnummer ist entbehrlich, da sie den Reisenden doch meist nicht bekannt ist. Sind die VerspĂ€tungstafeln an dem Zugrichtungsweiser an gebracht, so kann ihre Aufschrift vereinfacht werden; ein Schild mit der Aufschrift: VerspĂ€tung etwa ... Minuten, wĂŒrde genĂŒgen. Im Stadtbahnbetrieb, bei dem sich bei VerspĂ€tung eines Zuges auch die nĂ€chstfolgenden ZĂŒge derselben Richtung verspĂ€ten, sind Tafeln mit der Aufschrift im Gebrauch: »Die ZĂŒge von ... nach ... haben ... Minuten VerspĂ€tung.« Bei grĂ¶ĂŸeren UnregelmĂ€ĂŸigkeiten werden auch wohl Tafeln mit der Aufschrift: »Die ZĂŒge in beiden Richtungen verkehren unregelmĂ€ĂŸig«, ausgehĂ€ngt.

In Nordamerika sind stellenweise VerspÀtungstafeln nach Abb. 25 im Gebrauch, die auch mit Fernsteuerung versehen werden können.

Abb. 26 zeigt einen VerspÀtungsanzeiger in Tafelform von »Wheeler & Wilson«; die Handhabung ist die gleiche wie bei den Zugrichtungsweisern der Firma.

Schimpff.

Abb. 1. Fahrplangestell, Bauart Woernle.
Abb. 1. Fahrplangestell, Bauart Woernle.
Abb. 2. Abfahrtstafel von Schultze & Wehr
Abb. 2. Abfahrtstafel von Schultze & Wehr
Abb. 3. Abfahrtstafel von Schulze & Wehrmann.
Abb. 3. Abfahrtstafel von Schulze & Wehrmann.
Abb. 4. Abfahrtstafel auf Bahnhof Liverpoolstreet, London.
Abb. 4. Abfahrtstafel auf Bahnhof Liverpoolstreet, London.
Abb. 5. Abfahrtstafel fĂŒr Bahnsteigtunnel.
Abb. 5. Abfahrtstafel fĂŒr Bahnsteigtunnel.
Abb. 6. Ankunftsanzeiger (EmpfÀnger).
Abb. 6. Ankunftsanzeiger (EmpfÀnger).
Abb. 7. Ankunftsanzeiger.
Abb. 7. Ankunftsanzeiger.
Abb. 8. Ankunftsanzeiger (Geber).
Abb. 8. Ankunftsanzeiger (Geber).
Abb. 9. Abfahrtsanzeiger in Boston.
Abb. 9. Abfahrtsanzeiger in Boston.
Abb. 10. Ausschnitt aus einer Ankunftstafel fĂŒr Fernverkehr. Zuschlagpflichtige SchnellzĂŒge werden in roter Farbe, die anderen ZĂŒge schwarz gedrĂŒckt.
Abb. 10. Ausschnitt aus einer Ankunftstafel fĂŒr Fernverkehr. Zuschlagpflichtige SchnellzĂŒge werden in roter Farbe, die anderen ZĂŒge schwarz gedrĂŒckt.
Abb. 11. Ausschnitt aus einer Abfahrtstafel fĂŒr Stadtverkehr.
Abb. 11. Ausschnitt aus einer Abfahrtstafel fĂŒr Stadtverkehr.
Abb. 12. Zeittafel.
Abb. 12. Zeittafel.
Abb. 13. Elektrischer Abrufer (EmpfÀnger).
Abb. 13. Elektrischer Abrufer (EmpfÀnger).
Abb. 14. Elektrischer Abrufer (Geber).
Abb. 14. Elektrischer Abrufer (Geber).
Abb. 15. Zugrichtungsweiser.
Abb. 15. Zugrichtungsweiser.
Abb. 16. Amerikanischer Zugrichtungsweiser.
Abb. 16. Amerikanischer Zugrichtungsweiser.
Abb. 17. Amerikanischer Zugrichtungsweiser.
Abb. 17. Amerikanischer Zugrichtungsweiser.
Abb. 18 u. 19. Zugrichtungsweiser in Wiesbaden.
Abb. 18 u. 19. Zugrichtungsweiser in Wiesbaden.
Abb. 20. Zugrichtungsweiser von Eisert.
Abb. 20. Zugrichtungsweiser von Eisert.
Abb. 21. Zugrichtungsweiser von Eisert.
Abb. 21. Zugrichtungsweiser von Eisert.
Abb. 22. Elektrischer Zugrichtungsweiser.
Abb. 22. Elektrischer Zugrichtungsweiser.
Abb. 23. Zugrichtungsweiser von Wiese.
Abb. 23. Zugrichtungsweiser von Wiese.
Abb. 24. Zugrichtungsweiser der Berliner Hoch- und Untergrundbahn.
Abb. 24. Zugrichtungsweiser der Berliner Hoch- und Untergrundbahn.
Abb. 25. Amerikanischer VerspÀtungsanzeiger.
Abb. 25. Amerikanischer VerspÀtungsanzeiger.
Abb. 26. Amerikanischer VerspÀtungsanzeiger.
Abb. 26. Amerikanischer VerspÀtungsanzeiger.

http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912–1923.

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