Betriebseröffnung

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Betriebseröffnung

Betriebser√∂ffnung (opening of a line; ouverture de l'exploitation d'un chemin de fer; attivazione dell'esercizio), die Einf√ľhrung des √∂ffentlichen Verkehrs auf einer Bahnstrecke. Diese kann sich auf den Personen- und G√ľterverkehr oder auf beide gemeinsam erstrecken. Die B. kommt nicht nur bei neuausgebauten Bahnstrecken in Frage, sondern auch bei neuen zweiten oder weiteren Gleisen und bei der Anlage von neuen und weiteren Stationen an bereits in Betrieb befindlichen Bahnstrecken.

Unabh√§ngig von der Er√∂ffnung einer Bahn f√ľr den √∂ffentlichen Verkehr ist die Einf√ľhrung des Arbeitszugbetriebes (s. Arbeitszug) auf der neuen Bahnstrecke. Dieser wird im allgemeinen auf Eisenbahnneubaustrecken zur Erleichterung der Anfuhr von Baustoffen vor der Einf√ľhrung des √∂ffentlichen Verkehrs eingeleitet. Bei der Einf√ľhrung des Arbeitszugbetriebes unterscheidet man zwischen dem Arbeitszugbetrieb des Unternehmers mittels Rollwagen und dem Arbeitszugbetrieb auf dem endg√ľltigen Oberbau eines Teiles der neuen Bahnstrecke. Die Befugnis zum Befahren der Neubaustrecke liegt meist schon in der Baugenehmigung, erfordert aber in der Regel noch die besondere Genehmigung der staatlichen Beh√∂rden und verpflichtet den Unternehmer zur Einrichtung umfassender Vorsichtsma√üregeln, berechtigt ihn aber nicht, beim Baue nicht besch√§ftigten Personen die Mitfahrt zu gestatten.

Die Einf√ľhrung des √∂ffentlichen Verkehrs auf neuen Eisenbahnstrecken, auf zweiten und weiteren Gleisen sowie auf neuen und erweiterten Stationen kann in L√§ndern, deren Eisenbahnen unter Aufsicht der Staatsgewalt stehen, nur nach erteilter Genehmigung der Aufsichtsbeh√∂rde erfolgen, gleichg√ľltig, ob es sich um Haupt-, Neben- oder Kleinbahnen, Staats- oder Privatbahnen handelt (s. Abnahme der Bahn). Die Genehmigung zur B. ist an die Erf√ľllung einer Reihe von Bedingungen gekn√ľpft, um die Sicherheit und Regelm√§√üigkeit des Betriebs nach dem Zeitpunkt der B. sicherzustellen.

Unabh√§ngig von der Pr√ľfung und Abnahme einer Bahnlinie durch die Staatsbeh√∂rde wird auch die Bahnverwaltung selbst im eigenen Interesse vor der B. eine genaue eisenbahntechnische Pr√ľfung vornehmen, um festzustellen, ob f√ľr die B. die f√ľr die Inbetriebnahme erforderliche Vorsorge getroffen ist. Hierzu wird bei den preu√üischen Staatsbahnen die Neubaustrecke zur Pr√ľfung des Standes der Bauarbeiten und Sicherungsanlagen durch die zust√§ndigen Dezernenten der Eisenbahndirektion und Vorst√§nde der √Ąmter gemeinsam mit dem Neubaudezernenten und Vorstande der Eisenbahnbauabteilung bereist. Bei dieser Bereisung wird auch √ľber die rechtzeitige Einf√ľhrung des Personals in den neuen Dienst Bestimmung getroffen. Auf Grund des Ergebnisses dieser eisenbahntechnischen Pr√ľfung wird der Tag der Inbetriebnahme, vorbehaltlich der landespolizeilichen Abnahme und ministeriellen Genehmigung (s. weiter unten) festgelegt.

Das Recht, √ľber die B. zu entscheiden, haben sich die einzelnen Staaten in besonderen Eisenbahngesetzen und Verordnungen vorbehalten. Meist wird die Betriebsf√§higkeit der Bahn durch eine besondere Kommission der Staatsregierung und staatlichen Aufsichtsbeh√∂rde gepr√ľft.

In Preu√üen darf nach ¬ß 22 des Gesetzes √ľber die Eisenbahnunternehmungen vom 3. November 1838 eine Bahn (Haupt- oder Nebenbahn) dem Verkehre nicht eher √ľbergeben werden, als nach voraufgegangener Revision der Anlage von der Regierung die Genehmigung dazu erteilt ist. Die Revision (landespolizeiliche Abnahme) wird bei Privatbahnen durch den Regierungspr√§sidenten und den Eisenbahnkommissar, der in der Regel ein staatlicher Eisenbahndirektionspr√§sident ist, bei Staatsbahnen durch den Regierungspr√§sidenten und die Eisenbahndirektion bewirkt. Auf Grund des gemeinschaftlichen Gutachtens der beiden Beh√∂rden entscheidet auf Antrag des Bahnunternehmers der Minister der √∂ffentlichen Arbeiten, dem die Genehmigung zur Er√∂ffnung des Betriebs auf neuen Bahnstrecken vorbehalten ist (√ľber die Zul√§ssigkeit der B. vgl. auch ¬ß 1 des Regulativs, die Eisenbahnkommissare betreffend, vom 24. November 1848 und Erla√ü vom 16. Juli 1898).

Nach erfolgter Genehmigung des Ministers wird der Tag der B. √∂ffentlich bekanntgemacht. Der B. von Nebenbahnen mu√ü die auf Anordnung des Ministers der √∂ffentlichen Arbeiten seitens des zust√§ndigen Regierungspr√§sidenten zu erlassende √∂ffentliche Bekanntmachung √ľber die B. im Regierungsblatt vorausgehen.

√úber die bevorstehende Er√∂ffnung einer Bahnstrecke m√ľssen seitens der Eisenbahnbeh√∂rde besondere Mitteilungen erhalten: das Reichseisenbahnamt, das Reichspostamt, der Oberpr√§sident, die K√∂nigliche Regierung, die Oberpostdirektion, die Landr√§te, die B√ľrgermeister und Handelskammern des Bahngebiets der neuen Strecke, die gesch√§ftsf√ľhrende Direktion des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen, die Gesch√§ftsstelle der Vereinszeitung und die Redaktion des Handbuchs f√ľr den Eisenbahng√ľterverkehr. Dem Reichseisenbahnamt ist sp√§testens acht Tage vor der Inbetriebnahme Mitteilung zu machen. Am Tage der Inbetriebnahme ist dem Minister der √∂ffentlichen Arbeiten telegraphisch Anzeige √ľber die erfolgte Er√∂ffnung des Betriebs zu erstatten, wobei die Bahnl√§nge der dem Betrieb √ľbergebenen Strecke mitgeteilt werden mu√ü; ebenso ist dem Reichseisenbahnamt √ľber die erfolgte B. zu berichten.

Zur B. von Kleinbahnen (Stra√üenbahnen, Nebenbahnen und √§hnliche Kleinbahnen) bedarf es nach ¬ß 19 und 47 des Gesetzes √ľber Kleinbahnen und Privatanschlu√übahnen vom 28. Juli 1892 der Erlaubnis der zur Erteilung der Genehmigung zust√§ndigen Beh√∂rde, u. zw. ist zust√§ndig

1. wenn der Betrieb ganz oder teilweise mit Maschinenkraft beabsichtigt wird, der Regierungspr√§sident, f√ľr den Stadtkreis Berlin der Polizeipr√§sident im Einvernehmen mit der von dem Minister der √∂ffentlichen Arbeiten bezeichneten Eisenbahnbeh√∂rde;

2. in allen √ľbrigen F√§llen u. zw.

a) sofern Kunststra√üen, die nicht als st√§dtische Stra√üen in der Unterhaltung und Verwaltung von Stadtkreisen stehen, benutzt oder von der Bahn mehrere Kreise oder nichtpreu√üische Landesteile ber√ľhrt werden sollen, der Regierungspr√§sident, im ersteren Falle f√ľr den Stadtkreis Berlin der Polizeipr√§sident;

b) sofern mehrere Polizeibezirke desselben Landeskreises ber√ľhrt werden, der Landrat;

c) sofern das Unternehmen innerhalb eines Polizeibezirks verbleibt, die Ortspolizeibehörde.

Wenn die zum Betrieb mit Maschinenkraft einzurichtende Bahn die Bezirke mehrerer Landespolizeibeh√∂rden ber√ľhrt oder in dem Falle unter 2a) die betreffenden Kreise nicht in demselben Regierungsbezirk liegen, so bezeichnet der Oberpr√§sident, falls jedoch die Landespolizeibezirke, bzw. Kreise verschiedenen Provinzen angeh√∂ren oder Berlin beteiligt ist, der Minister der √∂ffentlichen Arbeiten im Einvernehmen mit dem Minister des Innern die zust√§ndige Beh√∂rde.

Die Erlaubnis zur B. erfolgt auch hier auf Grund einer √∂rtlichen Pr√ľfung der Bahn. √úber das Ergebnis der Pr√ľfung ist eine Niederschrift aufzunehmen. Die Erlaubnis ist zu versagen, wenn wesentliche in der Bau- und Betriebsgenehmigung gestellte Bedingungen nicht erf√ľllt sind.

In √Ėsterreich kann eine Staats- oder Privatbahn ‚Äď sie mag von der Staatsverwaltung unmittelbar oder durch Privatpersonen betrieben werden ‚Äď oder eine Teilstrecke nur dann dem √∂ffentlichen Verkehr √ľbergeben werden, wenn die besondere Genehmigung des Eisenbahnministeriums erteilt ist. Zur Erwirkung dieser Genehmigung mu√ü durch eine eigene zu diesem Zwecke gebildete Kommission, der auch ein Abgeordneter der Statthalterei, zu deren Bereich die Eisenbahn oder Eisenbahnstrecke geh√∂rt, beiwohnt, festgestellt werden, da√ü nach der Bauart, Beschaffenheit und Menge der f√ľr den Bahnbetrieb vorhandenen Gegenst√§nde ein regelm√§√üiger, ungest√∂rter und sicherer Betrieb unbedingt erwartet werden kann. Insbesondere mu√ü daher nachgewiesen sein:

a) da√ü die Bahn und die dazugeh√∂rigen Geb√§ude den diesbez√ľglichen Sicherheits- und Sanit√§tsgesetzen und -vorschriften entsprechend gebaut erscheinen;

b) daß die Bahn mit den erforderlichen Fahrbetriebsmitteln in ausreichender Beschaffenheit und Menge versehen ist;

c) da√ü zur Verh√ľtung von Ungl√ľcksf√§llen die n√∂tige Vorsorge getroffen ist;

d) da√ü die bei etwa eintretenden Ungl√ľcksf√§llen zur Unterst√ľtzung, Rettung und Abwendung gr√∂√üerer Gefahren geeigneten Mittel in hinreichender Menge und geeigneten Beschaffenheit vorbanden sind;

e) daß die Bahn mit den zu einem geordneten Betrieb erforderlichen (gehörig qualifizierten) und wohlgeeigneten Angestellten (Bediensteten) versehen ist, und daß diese bereits die erforderlichen Dienstvorschriften und Anweisungen erhalten haben

(vgl. § 1 und 2 der österreichischen Eisenbahnbetriebsordnung, kaiserliche Verordnung vom 16. November 1851) (s. auch Benutzungskonsens).

In Frankreich erteilt der Minister f√ľr √∂ffentliche Arbeiten die Genehmigung zur B. der Hauptbahnen (Chemins de fer d'int√©r√®t g√©n√©ral), nachdem eine vom Minister ernannte Sonderkommission die Bahnen auf ihre Betriebsf√§higkeit gepr√ľft hat. Die Kommission besteht aus dem Inspecteur g√©n√©ral du contr√īle des travaux, dem Inspecteur g√©n√©ral directeur du contr√īle d'exploitation und einigen Chefingenieuren. Die Genehmigung zur B. der Nebenbahnen (chemins de fer int√©r√®t local) erteilt der Pr√§fekt, nachdem vorher die Bahnanlagen durch eine vom Pr√§fekten ernannte, aus mehreren Ingenieuren des Departements bestehende Kommission gepr√ľft und f√ľr betriebf√§hig erkannt worden ist. Die erfolgte B. mu√ü √∂ffentlich bekanntgegeben werden.

In Italien kann die Erlaubnis zur B. erst nach durchgef√ľhrter Kollaudierung (Art. 258 des Gesetzes √ľber die √∂ffentlichen Arbeiten vom 25. Juni 1865) erteilt werden. Art. 79 der Verordnung vom 17. Juni 1900 verf√ľgt, da√ü der Minister der √∂ffentlichen Arbeiten auf Grund einer vorl√§ufigen √úberpr√ľfung der Anlage eine teilweise Er√∂ffnung, jedoch h√∂chstens f√ľr eine Zeit von 6 Monaten erteilen kann; w√§hrend dieser Zeit hat jedoch die endg√ľltige Abnahme zu erfolgen.

F√ľr die Niederlande gilt hinsichtlich der B. das Gesetz vom 9. April 1875, betreffend den Betrieb und die Ben√ľtzung der Eisenbahnen. Nach Art. 7 dieses Gesetzes darf eine Bahn nicht eher er√∂ffnet werden, als bis der Minister f√ľr Wasserbau, Handel und Industrie seine Genehmigung dazu gegeben hat. Vorher hat eine Abnahme der Bahn und ihrer Anlagen von Regierungs wegen stattzufinden. Im Vertrag vom 21. Januar 1890, den der niederl√§ndische Staat mit der Gesellschaft zum Betrieb der Staatseisenbahnen abgeschlossen hat, sind im Hauptabschnitte 5 (Anfang und Ende des Betriebs) Vereinbarungen √ľber die B. neuer, von der Gesellschaft zu betreibender Bahnen oder Bahnstrecken getroffen. Drei Monate vor der voraussichtlichen Fertigstellung einer Staatsbahn macht der Minister f√ľr Wasserbau Mitteilung an die Gesellschaft. Sp√§testens 14 Tage, nachdem eine Staatsbahn oder eine Teilstrecke durch den Minister an die Gesellschaft √ľbergeben ist, mu√ü der Dienst darauf begonnen werden. F√ľr jeden Tag der Versp√§tung hat die Gesellschaft eine Summe von 500 fl. (holl√§ndisch) zu zahlen.

In der Schweiz mu√ü jede Bahn vor der B. durch Experten des Bundesrats untersucht und gegebenenfalls erprobt werden. Hierzu haben die Bahngesellschaften dem Bundesdepartement die beabsichtigte B. sp√§testens 30 Tage vorher anzuzeigen. Den Kantonen ist Gelegenheit zu geben, sich bei der Untersuchung und Erprobung der Bahnen vertreten zu lassen. Die Untersuchung hat sich auf den Unterbau, den Oberbau, die Hochbauten und auf alle f√ľr den regelm√§√üigen Betrieb erforderlichen Einrichtungen und Anordnungen zu erstrecken. Die Experten erstatten dem Eisenbahndepartement zu H√§nden des Bundesrats √ľber das Ergebnis ihrer Untersuchungen einen umfassenden Bericht, der mit dem Antrage schlie√üt, ob und unter welchen Bedingungen die Genehmigung zur B. erteilt werden kann (vgl. Art. 36 der Verordnung vom 1. Februar 1875 zum Bundesgesetz vom 23. Dezember 1872). Auf den Bericht der Experten erteilt der Bundesrat die Genehmigung zur B. Die Kosten der Untersuchungen tr√§gt die Bahngesellschaft (vgl. ¬ß 17 des Bundesgesetzes √ľber den Bau und Betrieb der Eisenbahnen auf dem Gebiete der schweizerischen Eidgenossenschaft vom 23. Dezember 1872).

In England ist das Railway-Department des Board of Trade f√ľr die B. verantwortlich; es entsendet einen Ingenieur, der den Zustand der Bahn mit Bezug auf die Sicherheit des Verkehrs zu untersuchen hat. Erst nach erfolgter Untersuchung kann die Genehmigung zur B. erteilt werden. B. vor der Genehmigung zieht Strafe nach sich.

Der Tag der B. der ersten dem √∂ffentlichen Verkehr dienenden Eisenbahnen ist nachstehend f√ľr verschiedene L√§nder angegeben:


England (Stockton-Darlington)1825
√Ėsterreich (Linz-Budweis)1828
Frankreich (St. Etienne-Andrezieux)1828
Belgien (Br√ľssel-Mecheln)1835
Deutschland (N√ľrnberg-F√ľrth)1835
Rußland (Petersburg-Zarskoje-Selo)1838
Holland (Amsterdam-Harlem)1839
Italien (Neapel-Portici)1839
Schweiz (Basel-St. Ludwig)1844
Dänemark (Kopenhagen-Roeskilde)1847
Spanien (Barcelona-Mataró)1848
Vorderindien (Bombay-Thana)1853
Norwegen (Christiania-Strömmen)1854
Schweden (Nora-Karlskoga)1856
√Ągypten (Alexandria-Kairo)1856
Argentinien (Buenos Aires-Floresta)1857
T√ľrkei (Tschernavoda-Constantza)1860
Griechenland (Athen-Piräus)1869
Rumänien (Bukarest-Giurgiu)1869
Japan (Yokohama-Tokio)1872
Mexiko (Mexican-Eisenbahn)1873
China (Wusung-Shanghai)1876
Serbien (Belgrad-Nisch)1884
Deutsch-Ostafrika (Usumbara-Bahn
[14 km] Tanga-Pongwe)1894
Deutsch-S√ľdwestafrika (Swakopmund-
Windhuk, 382 km)1902
Togo (K√ľstenbahn Lome-Anecho)1905
Kamerun (89 km der von Bonaberi
ausgehenden Kameruner Nordbahn)1909

Auch f√ľr Bahnen, die nicht dem √∂ffentlichen Verkehre dienen (Privatanschlu√übahnen, Industriebahnen u.s.w.), wird im allgemeinen eine Genehmigung der Aufsichtsbeh√∂rde zur Inbetriebnahme erforderlich.

In Preu√üen bed√ľrfen Privatanschlu√übahnen, die mit √∂ffentlichen Bahnen derart in unmittelbarer Gleisverbindung stehen, da√ü ein √úbergang der Betriebsmittel stattfinden kann, wenn sie f√ľr den Betrieb mit Maschinen eingerichtet werden sollen, zur baulichen Herstellung und B. der polizeilichen Genehmigung. Zur Erteilung dieser ist im allgemeinen der Regierungspr√§sident, f√ľr den Stadtkreis Berlin der Polizeipr√§sident im Einvernehmen mit der von dem Minister der √∂ffentlichen Arbeiten bezeichneten Eisenbahnbeh√∂rde (Eisenbahndirektion) zust√§ndig. Die polizeiliche Pr√ľfung beschr√§nkt sich auf die betriebssichere Beschaffenheit der Bahn und der Betriebsmittel, auf die technische Bef√§higung und Zuverl√§ssigkeit der in dem √§u√üeren Betriebsdienst anzustellenden Bediensteten und auf den Schutz gegen sch√§dliche Einwirkungen der Anlage und des Betriebes (vgl. ¬ß¬ß 43, 45 und 47 des Gesetzes √ľber Kleinbahnen und Privatanschlu√übahnen vom 28. Juli 1892; f√ľr √Ėsterreich die √∂sterreichische Ministerialverordnung vom 29. Mai 1880, ¬ß 24, vom 25. Januar 1879, ¬ß 32; ferner f√ľr England: engl. Railway Relation, Act vom 13. Juli 1842, 5 und 6, Vict. chap. 55.

Zu den seitens der Bahnverwaltung zu treffenden Ma√ünahmen, die bei B. neuer Bahnstrecken zu beachten sind und von deren sachgem√§√üer Vorbereitung, Festlegung und Kl√§rung eine glatte Betriebsf√ľhrung abh√§ngig ist, geh√∂ren insbesondere: Einrichtung des Bahnaufsichts- und Bahnunterhaltungsdienstes, des Zugf√∂rderungs- und Werkst√§ttendienstes, des Wagengestellungsdienstes sowie des Betriebsdienstes auf den Stationen, Ladestellen und Betriebsausweichen; die Verteilung des Inventars und Betriebsmaterials, der Fahrkarten, Gep√§ckscheine und sonstigen Drucksachen, wozu zuweilen sog. Verteilungsz√ľge eingeleitet werden, die gleichzeitig auch das Streckenpersonal an seine Dienstorte bringen; Festsetzung der Telegraphenkontrollstationen, Dispositions- und Desinfektionsstationen, der Sammelstellen f√ľr Fundgegenst√§nde, Bestimmung √ľber Rechnungslegung und Regelung der Geldabfuhr (bei Bahnen mit Auslandsanschlu√ü sind die Anschlu√üstationen zu bestimmen und die Zollabfertigung zu regeln); Vergebung der Dienst- und Mietwohnungen; Bestellung der Bahn- und Kassen√§rzte; Aushang von Bekanntmachungen auf den Stationen u.s.w. Ferner Vergebung der Bahnhof wirtschaften; Bahnhofbuchhandel und Aushangwesen; Errichtung von G√ľternebenstellen; Rollfuhrwesen; Zuweisung der Postr√§ume u.s.w.

√Ėffentlich bekanntzumachen sind: der Er√∂ffnungstag; die zur Er√∂ffnung, gelangenden Stationen mit der Angabe, ob f√ľr den Gesamtverkehr oder f√ľr den Personen- oder G√ľterverkehr allein; die Fahrpl√§ne der verkehrenden Z√ľge, die Tarife u.s.w.

Beh√∂rden, fremden Bahnverwaltungen und Verkehrsanstalten sowie der gesch√§ftsf√ľhrenden Verwaltung des VDEV. ist die bevorstehende Er√∂ffnung einer Bahnstrecke anzuzeigen, unter Angabe der Spurweite, der gr√∂√üten Steigung, des kleinsten Bogenhalbmessers, des gr√∂√üten zul√§ssigen Radstandes und Raddruckes, der Art des Ladema√ües, etwaiger Anschl√ľsse, der L√§nge der Strecke, der Betriebsart, der Verkehrsbefugnis der Stationen u. √§.; dabei ist auch √ľber die Unterstellung unter das internationale Frachtrecht√ľbereinkommen Mitteilung zu machen.

Alle bei Er√∂ffnung neuer Bahnstrecken erforderlichen Ma√ünahmen (diese sind f√ľr die preu√üisch-hessischen Bahnen in besonderen Betriebser√∂ffnungsvorschriften niedergelegt) werden nur zum Teil erforderlich, wenn es sich um die B. neuer (auch zweiter oder weiterer Gleise) oder neuer und erweiterter Stationen handelt.

Giese.


http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912‚Äď1923.

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