Aborte in GebÀuden

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Aborte in GebÀuden

Aborte in GebĂ€uden (BedĂŒrfnisanstalten) (water-closets; lieux d'aisance; latrine, cessi), Anlagen zur Aufnahme der menschlichen Auswurfstoffe. A. sind ĂŒberall da notwendig, wo Bahnbedienstete wohnen, wo sie und die sonstigen mit der Beförderung der GĂŒter betrauten Angestellten beschĂ€ftigt sind und wo Reisende verkehren, also bei Wohn-, Dienst-, Verwaltungs-, EmpfangsgebĂ€uden, WerkstĂ€tten, Bahnsteigen u.s.w.

Über die A. in den Personen- und GepĂ€ckwagen s. A. in Eisenbahnwagen.

Die Abortanlagen werden in den GebĂ€uden selbst oder in Anbauten oder freistehend in besonderen Bauten untergebracht. In allen FĂ€llen ist fĂŒr unmittelbare, reichliche LichtzufĂŒhrung, möglichste Geruchlosigkeit und ausreichende LĂŒftung zu sorgen. Es empfiehlt sich, vor dem Abortraum einen seitlich offenen oder wenigstens gut lĂŒftbaren Vorraum anzulegen. Ist dies nicht möglich, so sind wenigstens SchutzwĂ€nde anzuordnen, die den Einblick in den A. hindern. Im Vorraum ordnet man beim Vorhandensein von Wasserleitung zweckmĂ€ĂŸig einen Zapfhahn mit Waschbecken an, der eine Schlauchverschraubung erhĂ€lt, um den Fußboden grĂŒndlich abspĂŒlen und sĂ€ubern zu können.

Die A. fĂŒr Wohnungen sind möglichst nach der Nord- oder Ostseite so anzulegen, daß jede von ihnen ihren eigenen A. erhĂ€lt, der vom Flur oder von der KĂŒche mittels balkonartiger oder lĂŒftbarer VorrĂ€ume zugĂ€nglich ist. Die vielfach ĂŒbliche Anordnung der A. auf den TreppenabsĂ€tzen ist wegen der damit verbundenen großen MißstĂ€nde grundsĂ€tzlich zu vermeiden. Bei lĂ€ndlichen VerhĂ€ltnissen werden die A. hĂ€ufig in Anbauten an die StallgebĂ€ude auf dem Hofe gelegt.

Bei den A. fĂŒr Bedienstete an ihrer Arbeitsstelle ist zu unterscheiden, ob es sich um eine grĂ¶ĂŸere oder kleinere Zahl von Beamten und Arbeitern handelt. Bei WerkstĂ€tten finden sich oft ausgedehnte Anlagen. Auf grĂ¶ĂŸeren Verschiebe- und Abstellbahnhöfen ordnet man – um weite Wege zu vermeiden – mehrere mittelgroße Anlagen an. In einzelnen FĂ€llen, z.B. in GĂŒterabfertigungs-, Stationsdienst-, EmpfangsgebĂ€uden kommt die Anlage getrennter A. fĂŒr die weiblichen Angestellten in Frage, ebenso eine Scheidung in A. fĂŒr Beamte und in solche fĂŒr Arbeiter, Kutscher, Gasthofbedienstete u.s.w.

Die A. fĂŒr Reisende auf den Bahnhöfen werden in der Regel, von großen Anlagen und besonderen VerhĂ€ltnissen abgesehen, in freistehenden GebĂ€uden untergebracht und in kĂŒrzester Verbindung mit den WarterĂ€umen angeordnet. Liegen die WarterĂ€ume innerhalb der Bahnsteigsperre, so werden auch die A. in die Absperrung einbezogen, was nicht der Fall ist, wenn die WarterĂ€ume außerhalb der Sperre liegen. Nur ausnahmsweise sind im ersteren Falle außerhalb, im zweiten innerhalb der Sperre liegende weitere A. erforderlich. Die Lage innerhalb der Sperre ist im allgemeinen zweckmĂ€ĂŸiger, weil die A. hier nicht dem allgemeinen Verkehr freigegeben sind und daher kleiner bemessen werden können, auch die Unterhaltungskosten geringer sind.


Die »T. V.« bestimmen im § 50: »Es ist dafĂŒr zu sorgen, daß die A. von den WarterĂ€umen aus rasch und ungehindert erreicht werden können; sie sind mit weithin sichtbarer Bezeichnung zu versehen. WasserspĂŒlung der A. und sonstige Vorkehrungen, die ihre Geruchlosigkeit sichern, werden dringend empfohlen. FĂŒr grĂ¶ĂŸere Stationen wird eine ĂŒberdeckte Verbindung der A. mit dem EmpfangsgebĂ€ude und den Bahnsteigen empfohlen.«


Bei Bahnhöfen mit Zwischenbahnsteigen sind bei stĂ€rkerem Verkehr in der Regel auf jedem Bahnsteige A. einzurichten. Es empfiehlt sich, sie mit den Unter- oder Überbauten der Zugangstreppen in Zusammenhang zu bringen. Auf grĂ¶ĂŸeren Bahnhöfen ist die Vereinigung mit WaschrĂ€umen hĂ€ufig zweckmĂ€ĂŸig (Abb. 34). Die A. fĂŒr MĂ€nner und Frauen werden durch bis zur Decke reichende, möglichst gemauerte ZwischenwĂ€nde getrennt und an verschiedenen Seiten zugĂ€nglich gemacht (Abb. 35). Die kleinsten AbortgebĂ€ude bestehen aus zwei UrinierstĂ€nden und einem Sitz fĂŒr MĂ€nner, einem fĂŒr Frauen und einem fĂŒr Beamte. Man kann fĂŒr 50 bis 100 Reisende tĂ€glich einen Abortsitz und zwei PissoirstĂ€nde fĂŒr MĂ€nner und einen Abortsitz fĂŒr Frauen rechnen.

Die A. bestehen aus den PissoirstÀnden, den Abortzellen, der Aborteinrichtung mit den Abfallrohren und den SammelbehÀltern oder der Fortschwemmeinrichtung der Auswurfstoffe.

Die Pissoire werden meist nur fĂŒr MĂ€nner angelegt, doch hat man bei großem Massenverkehr, an dem das weibliche Geschlecht wesentlich beteiligt ist, auch Frauenpissoire ohne Sitze eingerichtet, z.B. auf dem SĂŒdfriedhof in Leipzig, bei denen die Fußböden als Zementtröge mit eiserner GitterĂŒberdeckung ausgebildet sind. Die PissoirstĂ€nde sind zum Schutz gegen NiederschlĂ€ge zu ĂŒberdecken. Ihre Tiefe betrĂ€gt bei einreihigen StĂ€nden 1∙40–1∙60 m, bei in ihn hineinschlagenden KlosettĂŒren 1∙80–2 m, bei zweireihigen StĂ€nden 2∙40–3 m. Die lichte Höhe ist auf 2∙50 m mindestens anzunehmen. Der Wandputz wird zweckmĂ€ĂŸig rauh, etwa als Spritzputz, ausgefĂŒhrt oder in Reichhöhe mit glasierten Platten bekleidet, um das Beschreiben und Beschmieren der WĂ€nde zu verhĂŒten. Die Pissoire dienen meist als Vorraum der A. und werden auf Bahnhöfen zweckmĂ€ĂŸig nicht mit Wandbecken ausgerĂŒstet, weil diese leicht beschĂ€digt und durch Zigarren-, Papierreste u. dgl. verstopft werden. Empfehlenswerter und auch genĂŒgend ist die Anordnung von Rinnen, u. zw. – namentlich bei WasserspĂŒlung und bei Ölpissoirs – nicht als erhöhte Rinnen, sondern im Fußboden als an die PissoirrĂŒckwand anstoßende, etwa 30 cm breite, 10–15 cm tiefe Vertiefung. Bisweilen wird vor der Rinne ein Gittertritt angeordnet. Der Fußboden des Abortraumes erhĂ€lt GefĂ€ll nach der Rinne zu.

Die Pissoirwand wird zweckmĂ€ĂŸig bei WasserspĂŒlung senkrecht oder nach rĂŒckwĂ€rts, bei Ölpissoiren etwas nach vorn geneigt, angeordnet. Sie besteht aus glattem, wasserdichtem Schiefer, Marmor, Torfit, glasierten Tonplatten, geschliffenen Rohglasplatten oder Zementputz. Torfit ist vielfach bei Ölpissoiren schwarz und unansehnlich geworden; glasierte Tonplatten sind wegen der vielen Fugen nicht zu empfehlen; fĂŒr einfachere Anlagen wird in der Regel Zementputz gewĂ€hlt. Aus den gleichen Baustoffen bestehen die Rinnen. Bei mehreren PissoirstĂ€nden werden die einzelnen 0∙75 bis 0∙85 m breiten StĂ€nde durch 1∙40–1∙50 m hohe ZwischenwĂ€nde (SchamwĂ€nde) abgeschieden. Man lĂ€ĂŸt sie hĂ€ufig 30–50 cm ĂŒber dem Fußboden aufhören, um die Rinne leichter reinigen zu können. Es ist auch zweckmĂ€ĂŸig, zwischen den SchamwĂ€nden und der RĂŒckwand einen etwa 5 cm großen Zwischenraum zu lassen, um diese grĂŒndlich sĂ€ubern zu können. Die Vorderkante darf nicht mehr als 45 cm von der RĂŒckwand entfernt sein, um nicht das Herantreten an die Rinnen zu hindern. Die SchamwĂ€nde werden meist aus dem gleichen Baustoff wie die RĂŒckwand, bei ZementrĂŒckwĂ€nden meist aus Schieferplatten hergestellt und mit verzinkten eisernen oder messingnen BĂŒgeln und StĂŒtzeisen befestigt.

Der Abfluß des Urins erfolgt durch einen einfachen oder doppelten Geruchverschluß. Die AbfluĂŸĂ¶ffnung wird zum Schutz gegen Rohrverstopfungen mit einem Sieb versehen. FĂŒr die Geruchlosigkeit ist grĂŒndliche WasserspĂŒlung oder der Einbau von ÖlgeruchverschlĂŒssen Haupterfordernis. Die WasserspĂŒlung von Rinnenpissoiren erfolgt entweder durch ein auf die RĂŒckwand gelegtes Rieselrohr, aus dem sie durch eine Reihe feiner nach innen gerichteter Bohrungen völlig mit Wasser bespĂŒlt wird, oder durch eine wagrecht an der RĂŒckwand entlang laufende SpĂŒlrinne, die am Rand eingekerbt ist, so daß das Wasser ĂŒberfließt. Die Rieselrohre bestehen aus Messing oder Kupfer, bei eisernen Rohren rosten die AusfluĂŸĂ¶ffnungen bald zu; in der Regel sind ihnen die SpĂŒlrinnen vorzuziehen. Über beide wird meist ein Spritzkasten aus Holz oder Blech gesetzt. Der tĂ€gliche Wasserverbrauch betrĂ€gt fĂŒr den Stand 3–4 m3. Um diesen hohen Wasserverbrauch herabzumindern, hat man die Pissoire mit selbsttĂ€tiger, nur zeitweiser SpĂŒlung mittels Schwimmer, Heber oder Kippschalen versehen, doch sind diese Einrichtungen leicht BeschĂ€digungen und im Winter durch Einfrieren Betriebsstörungen ausgesetzt, weshalb im allgemeinen ununterbrochene SpĂŒlung vorgezogen wird. Dagegen lassen sich bei gĂ€nzlichem Verzicht auf WasserspĂŒlung durch Anwendung von ÖlgeruchverschlĂŒssen erhebliche Ersparnisse erzielen. Hierbei werden die FlĂ€chen der RĂŒckwĂ€nde und der SchamwĂ€nde mit Öl eingerieben; der Urin haftet dann nicht an ihnen und fließt vollstĂ€ndig in die Rinne und zu dem an ihrem tiefsten Punkte angebrachten Ölgeruchverschluß, der nach Art der GlockenwasserverschlĂŒsse gebaut und mit einer 1–2 cm hohen, obenauf schwimmenden Ölschicht versehen ist. Der einfließende Urin sinkt sogleich unter die Ölschicht und bewirkt das Ausfließen einer gleichen Menge Urin durch den Auslauf. Die Ölschicht hĂ€lt den Uringeruch zurĂŒck, so daß bei einigermaßen sorgsamen Wartung ein solches Pissoir ebenso geruchlos ist wie bei WasserspĂŒlung.

Die Abortzelle erhĂ€lt eine Mindestbreite von 0∙80 m, eine Mindesttiefe von 1 m bei nach außen schlagender, von 1∙30–1∙50 m bei nach innen schlagender TĂŒr. Die TĂŒrbreite soll nicht weniger als 0∙60 m und nicht mehr als 0∙80 m betragen. Die TeilungswĂ€nde werden 2∙20 m hoch, meist aus Holz, gemacht und auf verzinkte etwa 15 cm hohe, eiserne StĂŒtzgabeln gestellt, um den Fußboden grĂŒndlich reinigen zu können. Dieser ist wasserdicht auszufĂŒhren, am hĂ€ufigsten erhĂ€lt er Asphaltbelag. Die Zellen werden mit 3–5 krĂ€ftigen Kleiderhaken, einem Haken fĂŒr Papier, einer Schale fĂŒr Zigarren und einem kleinem Wandbrett zum Ablegen von Blumen u. dgl. ausgerĂŒstet. Die TĂŒren mĂŒssen von innen verriegelt werden können, am besten durch Zeigerriegel mit entsprechender Aufschrift, deren Stellung anzeigt, ob die Zelle besetzt oder frei ist. Alle BeschlĂ€ge werden zweckmĂ€ĂŸig nicht in Messing oder Rotguß ausgefĂŒhrt, weil sie sonst wegen ihres Wertes abgeschraubt oder abgebrochen und gestohlen werden. Bei grĂ¶ĂŸeren Bahnhöfen wird ein Teil der Abortzellen, etwa die HĂ€lfte, unter Verschluß gehalten und nur gegen Erlegung einer GebĂŒhr an die Wartefrau oder durch Einwurf eines GeldstĂŒckes in ein selbsttĂ€tiges Schloß geöffnet. Es ist dann fĂŒr einen Raum fĂŒr eine Wartefrau zu sorgen, die, wenn nötig, durch eine Klingelanlage herbeigerufen werden kann (Abb. 34).

Die Aborteinrichtung besteht aus dem Abortsitz mit dem Abortbecken und dem Abfallrohr.

Der Abortsitz besteht aus den seitlichen AbschlußwĂ€nden, der Sitzplatte und dem Deckel. Die WĂ€nde werden in Stein und Holz ausgefĂŒhrt, bei den sog. freistehenden Klosetts fallen sie ganz fort. Die Sitzplatte wird am besten in Holz ausgefĂŒhrt und politiert; ihre Oberkante ist 45–47 cm ĂŒber Fußboden, ihre Tiefe bis zur RĂŒckwand mindestens 50 cm. In 6–8 cm Abstand von der Vorderkante befindet sich die Sitzöffnung oder Brille, entweder kreisrund mit 30 cm Durchmesser oder ausgerundet 26–32 cm tief und 18–25 cm breit. Die Öffnung erhĂ€lt einen aufklappbaren hölzernen Deckel, der sich geöffnet gegen Holz- oder Gummiklötze lehnt, um den Wandputz und die DeckelbĂ€nder gegen BeschĂ€digung zu schĂŒtzen. Das Sitzbrett wird entweder fest mit den AbschlußwĂ€nden verbunden oder besser zum Aufklappen eingerichtet, damit die AbortverschlĂŒsse und SpĂŒleinrichtungen nachgesehen werden können. Auch bei freistehenden Klosetts wird der Sitz aufklappbar gemacht, damit das Becken auch als Pissoir benutzt und besser gereinigt werden kann. Die aufklappbaren Sitze erhalten Gummipuffer, damit die Becken beim Niederklappen der Sitze nicht beschĂ€digt werden. Um das Stehen auf dem Sitz zu verhindern, schrĂ€nkt man ihn zu einem etwa 8 cm breiten, die Brille einfassenden Holzring ein; dadurch ist jedoch nicht den Beschmutzungen begegnet, weil die Benutzung im Stehen oder Hocken doch möglich bleibt. Damit beim Hinsetzen die BerĂŒhrung des Sitzes und auch die Beschmutzung des Sitzes verhĂŒtet wird, sieht man neuerdings von einem geschlossenen Brillenring ab und ordnet nur zwei hölzerne, seitlich abgerundete Ringteile zur UnterstĂŒtzung der Oberschenkel an und lĂ€ĂŸt den vorderen und hinteren Ringteil ganz fehlen (Abb. 36).

Nur bei untergeordneten Abortanlagen fallen die Auswurfstoffe durch die Brille unmittelbar in die darunter befindlichen KĂŒbel, Tröge, Tonnen oder Gruben, sonst wird stets ein Abortbecken dazwischen angeordnet. Das Fehlen des Beckens hat den Nachteil, daß der Abschluß der ĂŒbelriechenden Gase nicht möglich ist und der Körper wĂ€hrend der Benutzung des Abortes der Zugluft ausgesetzt ist, abgesehen von den Eimer- oder KĂŒbelaborten. Diese finden vorteilhafte Verwendung, wenn WasserspĂŒlung nicht möglich und die Benutzung auf eine oder ganz geringe Zahl von Personen beschrĂ€nkt ist, wie dies z.B. meist in StellwerkgebĂ€uden der Fall ist. Die KĂŒbel werden tragbar eingerichtet und mit luftdicht schließendem Deckel versehen (Abb. 37). Um beim Vorhandensein von Abortbecken die ĂŒblen GasgerĂŒche abzuhalten, werden sie unten durch Klappen abgeschlossen, wenn kein Wasserverschluß möglich ist. Die Klappe wird entweder durch eine Stellstange geöffnet und geschlossen, oder sie öffnet sich selbsttĂ€tig unter dem Gewichte der Auswurfstoffe und schließt sich, nachdem diese hinabgefallen sind, wieder selbsttĂ€tig durch ein an ihr angebrachtes Gegengewicht. Beim Öffnen der Klappe ist das Eintreten der Gase in den Abortraum nicht zu vermeiden. Daher ordnet man, wenn möglich, am unteren Ende des Beckens WasserverschlĂŒsse an, die in den verschiedensten Formen ausgefĂŒhrt werden. Sie werden durch WasserspĂŒleinrichtungen nach jeder Benutzung unter gleichzeitiger Reinigung des Beckens neu gefĂŒllt. Erfolgt die SpĂŒlung unmittelbar von der Wasserleitung aus, so besteht die Gefahr, daß beim Schließen des Hahnes verunreinigtes Wasser aus dem Becken in die Leitung zurĂŒckgesogen wird und diese verseucht. Um dies zu vermeiden, ordnet man Rohrunterbrecher oder SpĂŒlbecken an. Die SpĂŒlbecken erhalten 6–10 l Inhalt, was zur krĂ€ftigen DurchspĂŒlung ohne Wasserverschwendung genĂŒgt, und sind durch 20–25 mm starke SpĂŒlrohre mit den Abortbecken verbunden. Sie sind meist aus Gußeisen gefertigt, 1∙50–2∙0 m ĂŒber dem Sitz angebracht und fĂŒllen sich selbsttĂ€tig mittels Schwimmerhahnes. Die gleichen Vorteile wie die SpĂŒlbecken bieten, bei genĂŒgendem Wasserdruck in der Leitung, die SpĂŒlhĂ€hne, die etwa 1 m ĂŒber dem Sitz angebracht werden. Sie schließen sich allmĂ€hlich, so daß nach erfolgter SpĂŒlung noch genĂŒgend Wasser zur NachspĂŒlung und zur Bildung des Geruchverschlusses eintritt. Die Dauer der selbsttĂ€tigen SpĂŒlung kann durch Einstellung des Hahnes geregelt werden. Um zu verhĂŒten, daß die SpĂŒlung unterbleibt, lĂ€ĂŸt man sie hĂ€ufig selbsttĂ€tig wirken, indem sie bei der jedesmaligen Benutzung des A. durch das Öffnen oder Schließen der ZellentĂŒr oder des Sitzdeckels oder das NiederdrĂŒcken oder Entlasten des Sitzes ausgelöst wird.

Die Abortbecken werden aus Porzellan, Fayence, Steingut oder emailliertem Eisen gefertigt. Sie sind am oberen Rand etwas grĂ¶ĂŸer als das Brillenloch, ihre untere AbfluĂŸĂ¶ffnung erhĂ€lt 7 cm Durchmesser; ihre Form ist trichter- oder schalenförmig; bei SpĂŒleinrichtungen ist zu beachten, daß die Kotmassen ĂŒber die Überfallkante leicht fortgespĂŒlt werden, nicht anhaften oder sich ablagern, ohne daß aber der Wasserstand zu gering wird und dadurch die ZuverlĂ€ssigkeit des Wasserverschlusses beeintrĂ€chtigt. Bei seltener Benutzung des A. trocknen die WasserverschlĂŒsse aus oder es saugt das ohne Druck im Geruchverschluß befindliche Wasser die ĂŒblen Gase auf und schon ein schwacher Winddruck reicht aus, um sie durch eine zu geringe Wasserhöhe hindurchzudrĂ€ngen. Auch kann bei niedrigem Stand das Wasser beim Hinabfallen grĂ¶ĂŸerer Kotmassen aus einem oberhalb gelegenen A. durch eine im Fallrohr entstehende LuftverdĂŒnnung abgesaugt werden. Man kann das durch Anbringen besonderer LĂŒftungsrohre oberhalb der GeruchverschlĂŒsse vermeiden, die man an das obere Ende des ĂŒber Dach gefĂŒhrten Fallrohres anschließt. Alle Verschluß- und SpĂŒleinrichtungen sollen möglichst einfach und gegen Einfrieren gesichert sein, wenn nötig durch Heizung der Abortanlagen, andernfalls sind selbsttĂ€tige Entleerungs- und AbsperrhĂ€hne vorzusehen.

Die Abortrohre verbinden die Abortbecken mit den BehĂ€ltern zur Sammlung der Auswurfstoffe oder den Leitungen zu ihrer Fortschwemmung. Sie werden unmittelbar an die Becken angeschlossen und bestehen meist aus glasierten Tonröhren oder gußeisernen, emaillierten oder asphaltierten Muffenröhren von mindestens 12 cm Durchmesser, bei weniger glatten Wandungen von mindestens 20 cm Durchmesser.

Die InnenflĂ€chen der Rohre sollen möglichst glatt sein, ihr Baustoff dem Angriffe der SĂ€uren, Salze und Gase widerstehen und ihre Verbindung untereinander durchaus dicht auch gegen die Gase sein. Die Rohre mĂŒssen möglichst senkrecht gefĂŒhrt werden, Abzweigungen nicht mit kleinerem Winkel als 45° anschließen. Zur EntlĂŒftung der Leitung werden die Fallrohre, wenn auch mit geringerem Durchmesser, ĂŒber Dach gefĂŒhrt.

Die KotsammelbehĂ€lter sind entweder fest oder beweglich, Gruben, feste oder bewegliche Tonnen. Die Gruben werden meist aus Ziegeln gemauert oder in Eisenbeton (Monierbauweise), vielfach auch in verzinktem oder emailliertem Eisen ausgefĂŒhrt. Sie mĂŒssen unbedingt dicht sein, so daß keine flĂŒssigen Bestandteile in das umgebende Erdreich und in die Luft keine Zersetzungsgase ausströmen können. Sie werden in mindestens 1 m Abstand von der Umfassungswand bei WohngebĂ€uden und möglichst an ihrer Nordseite liegend angeordnet, die Sohle legt man tiefer als die Kellersohle. Man rechnet auf den Kopf fĂŒr das Jahr 1/4–1/2 cm3 Inhalt; die lichte Höhe soll mindestens 1∙8 m betragen, dagegen der Grubenumfang möglichst gering sein. Die in der gewölbten Decke anzubringende Einsteigeöffnung von 0∙78 m lichter Weite erhĂ€lt doppelten Deckelverschluß, deren Zwischenraum mit Erde oder Stroh ausgefĂŒllt wird. Über den Deckeln ordnet man eine 50 cm hohe ErdĂŒberschĂŒttung an. Die gemauerten Gruben erhalten meist rechteckigen Querschnitt mit innen ausgerundeten Ecken; ihre WĂ€nde werden 2 Stein stark gemacht und innen und außen 2–3 cm stark mit Zement geputzt; man umgibt die Gruben mit einer 15–30 cm starken Ton- oder Lehmschicht ebenso wie die Sohle. Diese wird ebenfalls undurchlĂ€ssig aus zwei Rollschichten mit dazwischen liegender Zementschicht und mindestens 1/30 GefĂ€ll ausgefĂŒhrt. Die aus Eisenbeton oder Eisenblech hergestellten SammelbehĂ€lter sind wegen ihrer grĂ¶ĂŸeren Dichtigkeit den gemauerten Gruben vorzuziehen. Sie werden meist kreisrund ausgefĂŒhrt und wie die gemauerten Gruben in das Erdreich versenkt oder in KellerrĂ€umen frei aufgestellt.

Der Inhalt der Gruben wird abgefahren, was zur möglichsten Ausnutzung des DĂŒngwertes recht oft geschehen soll, um Zersetzungen vorzubeugen. Das Ausschöpfen der Grube mit der Hand und ihr Entleeren durch Herausholen des Inhalts in GefĂ€ĂŸen durch Arbeiter ist feuer- und lebensgefĂ€hrlich. Jedenfalls muß die Grube vorher sehr grĂŒndlich gelĂŒftet werden. Besser ist das Entleeren mit festen oder aufsetzbaren Pumpen oder noch besser mittels luftleergemachter AbsaugebehĂ€lter.

Aber eine BelĂ€stigung der Hausbewohner ist auch hierbei kaum zu vermeiden. Man hat daher, um die Auswurfstoffe leicht und in nicht belĂ€stigender Weise beseitigen zu können, vielfach in Erd- oder Kellergeschoß bewegliche BehĂ€lter aufgestellt meist in Form von stehenden oder liegenden, tragbaren oder fahrbaren, hölzernen oder eisernen Tonnen, letztere sorgfĂ€ltig gestrichen, verzinnt oder verzinkt. Die Tonnen werden dicht, meist mittels eines beweglichen Rohrstutzens und eines Hakenverschlusses an das Fallrohr angeschlossen und kĂŒhl, aber frostfrei, aufgestellt. FĂŒr geregelte Abfuhr ist zu sorgen. Der Tonnenraum erhĂ€lt mindestens 1∙8 m Höhe und fĂŒr jede Tonne nebst Überlaufseimer 1 m2 GrundflĂ€che. Die tragbaren Tonnen sollen von zwei Arbeitern mittels Tragstangen entfernt werden können; sie erhalten 40–50 cm Durchmesser, bei 80–90 cm Höhe und 100–110 l Inhalt. Die Tonnen erhalten BĂŒgel zum Anheben und werden zweckmĂ€ĂŸig auf ein kleines Gestell mit RĂ€dern aufgesetzt. Stehen sie im Keller, so empfiehlt sich die Anbringung eines Kranes mit Flaschenzug vor dem Kellerschacht, um die Tonnen aufwinden zu können. In tragbare Tonnen mĂŒndet meist nur ein Abfallrohr. Bei grĂ¶ĂŸeren Anlagen gibt man den BehĂ€ltern grĂ¶ĂŸeren Fassungsraum bis zu 2000 l, setzt sie in Form von liegenden FĂ€ssern auf ein Wagengestell und lĂ€ĂŸt bis zu vier Abfallrohre in sie mĂŒnden.

Abortgruben und Tonnen erhalten gelegentlich Einrichtungen zur Trennung der flĂŒssigen Stoffe von den festen Sinkstoffen, um deren faulige Zersetzung zu verzögern und bei Ableitung der FlĂŒssigkeit die Grube weniger oft zu entleeren, die Tonnen auswechseln zu mĂŒssen. Bei Tonnenaborten wird dadurch die Einrichtung von WasserspĂŒlung ermöglicht, dagegen bei Grubenaborten die Entleerung mittels Absaugen unmöglich gemacht.

Meist werden die flĂŒssigen Stoffe vor der Ableitung desinfiziert, doch desinfiziert man auch die gemischten Stoffe, um die ĂŒblen Gase zu beseitigen und zu verringern. Zur Desinfektion verwendet man KarbolsĂ€ure, Kreosot, Verbindungen von Eisen und Zink, Chlorkalk, Erde, SĂ€gespĂ€ne, Holzkohle, Torfmull. Namentlich der letztere ist sehr zweckmĂ€ĂŸig, weil er mit den Auswurfstoffen ein gutes DĂŒngemittel bildet. Bei seiner Verwendung – in den sog. Streuaborten – mĂŒssen die Abfallrohre stets senkrecht gefĂŒhrt werden, weil sonst das Gemenge an den Rohrwandungen haften bleibt und Verstopfungen herbeifĂŒhrt.

Gruben und TonnenrĂ€ume mĂŒssen gut gelĂŒftet werden, durch besondere ĂŒber Dach gefĂŒhrte Dunstrohre, die man, wenn angĂ€ngig, neben KĂŒchenschornsteine legt oder durch Lockflammen erwĂ€rmt, um einen starken Luftzug hervorzubringen.

Die Fortschwemmung der Auswurfstoffe erfolgt in unterirdischen Leitungen, möglichst mit natĂŒrlichem GefĂ€lle, nach WasserlĂ€ufen oder Rieselfeldern. Die Leitungen erhalten 1/50–1/100 GefĂ€lle und werden innerhalb der GebĂ€ude in Eisenrohren, außerhalb in Tonrohren ausgefĂŒhrt. An den Knickpunkten werden EinsteigeschĂ€chte angelegt.

Die Kosten fĂŒr einen Abortsitz betragen einschließlich der Gruben, Leitungen u.s.w. 120–200 M. fĂŒr einen Pissoirstand 20–100 M. ohne Kosten der GebĂ€ude.

Literatur: Handbuch der Architektur, III. Teil, Bd. 5, 3. Aufl. 1908; Lueger, Lexikon der gesamten Technik, 2. Aufl. 1904; Verwaltungsbericht der Stadt Leipzig 1888.

Cornelius.

Abb. 34. Abort auf einem großen Bahnhof.
Abb. 34. Abort auf einem großen Bahnhof.
Abb. 35. Abort fĂŒr kleine Bahnhöfe.
Abb. 35. Abort fĂŒr kleine Bahnhöfe.
Abb. 36. Abortsitz mit geteiltem Ring.
Abb. 36. Abortsitz mit geteiltem Ring.
Abb. 37. KĂŒbelabort.
Abb. 37. KĂŒbelabort.

http://www.zeno.org/Roell-1912. 1912–1923.

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