Einziehen

Einziehen, verb. irreg. (S. Ziehen,) welches in doppelter Gattung üblich ist.

I. Als ein Activum. 1. Hinein ziehen, in einen Ort ziehen. Einen Balken, eine Schwelle einziehen, in einem bereits stehenden Gebäude einen Balken, eine Schwelle befestigen. Einen Faden einziehen, ihn mit Stichen durch ein Stück Zeuges ziehen. S. Einzug 2. 2. In engerer Bedeutung, in seine Gewalt, in seine Gewahrsam ziehen, doch nur in einigen figürlichen Arten des Ausdruckes. 1) Gelder einziehen, Geld, welches man zu fordern hat, heben und in seine Verwahrung nehmen, es beziehen, eincassiren. 2) In gerichtlichem Verstande werden jemandes Güter von der Obrigkeit eingezogen, wenn sie ihn derselben beraubet, und sie zum Nutzen des gemeinen Wesens in Besitz nimmt; sie confisciren. Jemandes Erbschaft einziehen. Sein ganzes Vermögen ist eingezogen worden. Man hat ihm seine Besoldung eingezogen. In allen diesen Fällen ist die Einziehung die Folge eines begangenen Verbrechens. Aber der Landesherr ziehet zuweilen ein Lehen, eine Besoldung, ein Amt, einen Pacht u.s.f. ein, wenn er das Lehen nicht weiter verleihet, die Besoldung nicht weiter bezahlet, das Amt nicht weiter besetzet u.s.f. sondern alle diese Dinge unmittelbar in seine Verwaltung nimmt, oder doch den Ertrag davon an sich ziehet. 3) Einen Verbrecher einziehen, ihn in Verhaft nehmen. Man hat die Diebe, die Ausreißer eingezogen.


Gerichtlich zieht er bald des Weibes Ehmann ein,

Gell.


3. Nach innen zu ziehen, einwärts ziehen. 1) Eigentlich. Die Segel einziehen, in der Schifffahrt. Die Hörner einziehen, wie die Schnecken.

Sonst zieh ich meinen Kopf, als wie die Schnecken ein, Can. Den Hals einziehen, in den Körper. Die Pfeife einziehen, eine niedrige Figur, nachgeben, sich in seinem Affecte, in seinen Forderungen mäßigen, gelindere Saiten aufspannen. 2) Figürlich. (a) Einen Damm, einen Wall einziehen, ihn besser nach innen zu aufwerfen. So auch eine Linie, einen Graben einziehen. (b) Nach einer, vermuthlich von den Schnecken entlehnten Figur, bedeutet das Mittelwort eingezogen, und das Hauptwort die Eingezogenheit, diejenige Eigenschaft, da man im Gebrauche des gesellschaftlichen Vergnügens einen hohen Grad der Mäßigkeit beobachtet, sich des Umganges mit andern entschlägt. Er lebt sehr eingezogen, er kommt nicht viel aus dem Hause; ingleichen, er lebt einsam, ohne vielen Umgang. Ein eingezogenes Leben führen. Ein eingezogenes Frauenzimmer. Sich eingezogen halten, wenig unter die Leute gehen. Ich wundere mich über ihre Eingezogenheit. In Ansehung der weitern Bedeutung könnte dieses Wort auch zu der folgenden Art des Gebrauches gerechnet werden. 4. Zusammen ziehen, in die Enge ziehen, zusammen ziehen und dadurch enger machen; eine Fortsetzung der vorigen Bedeutung. 1) Eigentlich. Manschetten einziehen, sie auf einen Faden reihen, und enger zusammen ziehen. Das Hemd ist zu weit, man muß es ein wenig einziehen. Das Tuch ziehet sich ein, wenn es naß wird, kriecht ein. 2) Figürlich. (a) In einen engern Raum bringen. Die Goldschmiede ziehen das Metall, welches sie bearbeiten, ein, wenn sie die Schläge unter einem Winkel auf das Blech führen, wodurch der Körper länger aber auch enger wird. (b) In einen moralisch oder bürgerlich engern Raum bringen. Den Aufwand einziehen. Er ziehet sich sehr ein, vermindert seinen Aufwand gar sehr. Seine Haushaltung einziehen. Er hat alle seine Bedienten bis auf zehen eingezogen. So auch die Einziehung in allen Bedeutungen dieses Activi.

II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte seyn. 1. Hinein ziehen. 1) Mit einem Gefolge oder feyerlichen Gepränge in einen Ort ziehen. Der neu erwählte Kaiser zog gestern ein, in die Stadt; wofür man doch in der anständigern Schreibart lieber die Redensart gebraucht, seinen Einzug halten. Doch sagt man noch von Truppen, sie sind eingezogen, in die Stadt. Die Besatzung wird erst morgen einziehen. S. Einzug 1. 2) Mit seinem Gepäcke in einen Ort, in ein Haus ziehen. Sind sie schon eingezogen? haben sie das Haus, die Miethe schon bezogen? Wir werden erst morgen einziehen. Die Miethleute sind noch nicht eingezogen. S. Ziehen. 2. Einwärts ziehen, nach innen zu ziehen, von flüssigen Körpern, wenn sie in die Zwischenräume eines dichtern dringen. Das Wasser ist schon eingezogen, in die Erde. Das Öhl will nicht einziehen. Bestreiche das Leder mit Thran und laß ihn über dem Feuer einziehen.


http://www.zeno.org/Adelung-1793. 1793–1801.

Synonyme:

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  • einziehen — V. (Grundstufe) seine Wohnung wechseln, Gegenteil zu ausziehen Synonym: beziehen Beispiele: Wir sind gestern in das neue Haus eingezogen. Sie zieht für zwei Monate bei ihrer Oma ein. einziehen V. (Aufbaustufe) einen Körperteil anspannen und nach… …   Extremes Deutsch

  • einziehen — einziehen, zieht ein, zog ein, ist eingezogen Die Wohnung ist fertig. Wir können nächste Woche einziehen …   Deutsch-Test für Zuwanderer

  • Einziehen — Einziehen, 1) (Wasserb.), einen Damm nach innen zu mit flacher Dossirung aufwerfen; 2) eine Mauer, die unten stärker angelegt ist, nach oben allmählig od. in Absätzen schwächer machen; 3) in einem bereits stehenden Gebäude einen neuen Balken od.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Einziehen — von Rekruten, Reservisten, Landwehr etc. in den Dienst zur Übung oder Versetzung des Heeres auf Kriegsfuß (s. Mobilmachung) …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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  • einziehen — ↑konfiszieren …   Das große Fremdwörterbuch

  • einziehen — ein·zie·hen [Vt] (hat) 1 etwas einziehen etwas, das im Wasser oder in der Luft war, (wieder) zu sich holen ≈ ↑einholen (3) <eine Fahne, ein Netz, ein Segel einziehen>: Der Fischer musste das Netz einziehen, ohne etwas gefangen zu haben 2… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

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  • einziehen — 1. a) durchführen, durchziehen, einfädeln, ziehen. b) anbauen, anfügen, einbauen, einfügen, einsetzen, fügen; (Bauw.): unterziehen. 2. a) einholen, hereinholen, niederholen; (Seemannsspr.): bergen, einhieven; (Seemannsspr. veraltet): streichen.… …   Das Wörterbuch der Synonyme

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