Pollio, S. (3)

3S. Pollio M. (28. al. 27. April). Der Schauplatz, auf welchem dieser hl. Martyrer das Zeugniß für Jesus Christus mit seinem Blute besiegelte, war die längst zerstörte Stadt Cibalä am See Hiulces in Unter-Pannonien. An ihrer Stelle steht jetzt der Flecken Vinkovcze. Sie war Geburtsort der Kaiser Gratian, Valentinian und Valens, und Konstantin d. Gr. erfocht in ihrer Nähe einen großen Sieg über Licinius. Der hl. Pollio findet sich am 28. April fast in allen alten Martyrologien, obwohl die Acten den 27. als Todestag nennen. Da Viele den diocletianischen Gesetzen nicht Folge leisteten, d.h. nicht vom Glauben abfallen und Heiden werden wollten, wurden sie beim Präses als Christen angegeben. Besonders war der erste Leiter Pollio notirt, daß er in seinem Uebermuthe nicht aufhöre, die Götter und die Reichsfürsten zu lästern. Sein Name wird auch Pullio und Apollio geschrieben. Probus, so hieß der Präses, fragte ihn zuerst um seinen Namen und ob er Christ sei. Nachdem er diese Frage bejaht hatte, fragte der Präses weiter: Was hast du für ein Amt zu versehen? Pollio antwortete: »Ich bin erster Vorleser«. Ach, sagte der Präses, das sind jene, von denen man sagt, daß sie leichtgläubigen Weiblein den Kopf verdrehen, indem sie ihnen das Heirathen verbieten und nur zur Bewahrung der Keuschheit bereden. Pollio antwortete: »Wie leichtgläubig und blöde wir sind, kannst du heute erproben«. Probus sagte: Wie? Pollio antwortete: »Leichtgläubig und blöde sind jene, die ihren Schöpfer bei Seite setzen, und euren abergläubischen Meinungen folgen. In der Treue zum ewigen Könige erprobt und standhaft werden nur die Frommen gefunden, welche die Gebote, welche sie gelesen haben, auch wenn Qualen und Foltern dazwischen treten, erfüllen«. Probus sagte: durch Lesung welcher Gebote? durch Treue gegen welchen König? Pollio antwortete: »Durch Lesung der sanften und heiligen Gebote des Königs Christus«. Der Präses Probus sagte: Welche? Pollio antwortete: »Jene, die nur Einen mit Donnerstimme sprechenden Gott im Himmel verkünden, die in heilsamer Erinnerung bezeugen, daß ein Gebilde aus Holz und Stein nicht Gott genannt werden kann, die das Sündhafte in Ordnung bringen und bessern, die Unschuldigen in ihrem Vorsatze und in ihrer Lebensweise stärken, die Jungfrauen die Höhe jungfräulicher Reinigkeit ersteigen lehren, die Gattin schamhaft und enthaltsam machen beim Kindergebähren; die den Herrn anrathen, durch die Erwägung des gleichen Standes, über die Knechte mehr mit Güte als Strenge die Herrschaft zu führen, und den Knechten, mehr aus Liebe, als aus Furcht zu gehorchen, die den Königen, wenn sie Gerechtes befehlen, gehorsam zu sein vorschreiben, wie überhaupt allen vorgesetzten Gewalten, wenn sie Gutes verordnen, bereitwillig zu dienen; die gegen die Eltern Ehrfurcht, gegen die Freunde Bereitwilligkeit, gegen die Feinde Verzeihung, gegen die Mitbürger aufrichtige Zuneigung, gegen Fremde Gastlichkeit, gegen die Armen Barmherzigkeit, gegen Alle Liebe vorschreiben; die uns lehren, Niemandem Böses zu thun, die empfangenen Beleidigungen mit Geduld zu ertragen, aber durchaus keine zuzufügen, die eigenen Güter hinzugeben, fremde nicht einmal mit Wohlgefallen zu begehren, so wie daß in Ewigkeit leben werde, wer für den Glauben den zeitlichen Tod, den ihr über uns verhängen könnet, verachtet haben wird. Gefällt dir das nicht, so magst du darüber bestens befinden und nach deinem Urtheile thun.« Der Präses Probus sagte: Was hat einer davon, wenn er todt ist und des Lichtes entbehrt und alle seine körperlichen Güter verliert? Pollio gab zur Antwort: »Ach, um wie viel besser als dieses kurze Licht ist jenes ewige, und um wie viel süßer die Güter, welche Bestand haben, als die vergänglichen? Es ist nicht klug, das Ewige dem Hinfälligen nachzusetzen.« Der Präses Probus erwiederte: Wozu das Alles? Thue, was die Kaiser befohlen haben! Pollio antwortete: »Was ist das?« Probus sagte: Opfern sollst du! Pollio antwortete: »Thue was dir vorgeschrieben ist. Ich werde dies nicht thun, weil geschrieben steht: Wer den Teufeln opfert, nicht aber Gott, wird ausgerottet werden.« Probus sagte: Ich werde dich mit dem Schwerte tödten lassen, wenn du nicht opferst. Pollio antwortete: »Thue was dir vorgeschrieben ist. Ich muß in die Fußstapfen der Bischöfe, der Priester und aller Väter, in deren Lehren ich unterrichtet bin, mit voller Wahrheit eintreten, weßhalb ich mit voller Freude Alles annehme, was du über mich verfügen willst.« Jetzt sprach der Präses Probus das Urtheil, daß er in den Flammen sterben solle. Sogleich ergriffen ihn die Knechte des Teufels und führten ihn einen Meilenstein weit aus der Stadt hinaus, wo der heil. Martyrer unerschrocken, Gott lobend, dankend und preisend, seinen Tod i. J. 304 erlitt. Von seinen Reliquien und seiner Verehrung wissen wir Nichts.



http://www.zeno.org/Heiligenlexikon-1858. 1858.

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