Robertus, S. (6)

6S. Robertus (29. al. 17, 20 April., 21. März). Dieser hl. Abt und Ordensstifter war um das J. 1017 (1024) zu Troyes oder in dessen Umgebung in der Champagne geboren. Sein Vater Theodorich und seine Mutter Ermengardis glänzten nicht weniger durch ihre Tugenden, als durch den Adel ihres Geschlechtes. Einige glauben, er sei ein Abkömmling der Grafen von Brienne und Tonnerre gewesen. Seine Eltern waren durch ihre Wohlthätigkeit in der ganzen Gegend berühmt. Vor ihrer Entbindung träumte seine Mutter, die seligste Jungfrau reiche ihr einen Ring mit den Worten: »Mit diesem Ring will ich mir den Sohn, den du im Leibe trägst, vermählen« Schon in seinem 15. Lebensjahre verließ er die Welt und trat in die Benedictiner-Abtei Montier-la-Celle bei Troyes und wurde in kurzer Zeit von allen Mitbrüdern so geehrt und bewundert, daß sie ihn sogleich nach Beendigung des Noviziates zum Prior wählten. Einige Zeit später wurde er Abt von St. Michael von Tonnerre. Da er keine Hoffnung hatte, die Beobachtung der Regel zurück zu führen, entschloß er sich. Tonnerre zu verlassen. Er begab sich in eine in derselben Gegend befindliche Ein öde, Colan genannt, wo sieben Einsiedler ein beschauliches und bußfertiges Leben führten, denen er die Regel des hl. Benedictus erklärte. Nach kurzem Aufenthalte in Montier-la-Celle mußte er die Abtei St. Ayoul (Aigulfus. übernehmen. Auf Befehl des Papstes Alexander II. ging er dann wieder nach Colan zurück und führte die Einsiedler, weil die Gegend ungesund war, in den Forst Molesme, drei Stunden von Chatillon in dem Visthum Langres. Dort errichteten sie aus Baumstämmen und Aesten kleine Zellen und erbauten ein Bethaus, das sie am 20. Dec 1075 der seligsten Jungfrau weihten. Nach allen Seiten hin drang der Ruf von ihrer Heiligkeit und Bußstrenge. Ihre Armuth war so groß, daß sie oft der nothwendigsten Lebensbedürfnisse ermangelten. Mehrere frommen Seelen der Umgegend, aufgemuntert durch das Beispiel des Bischofs von Troyes, versahen sie mit angemessenem Lebensunterhalte, und die Beisteuern, die sie erhielten, waren so beträchtlich, daß allmählige Erschlaffung eintrat, und ungeachtet der ernsten Vorstellungen des Abtes der Verfall des Guten von Tag zu Tag sichtbarer wurde. Der hl. Robert verließ das Kloster und begab sich in die Einsiedelei von Dr. Jetzt gingen die Mönche von Molesme in sich und schämten sich, ihn zum Abgang gezwungen zu haben. Sie ließen ihm daher durch den Papst und den Bischof von Langres befehlen, wieder zu ihnen zurückzukehren, und versprachen ihm, seinen Ermahnungen und Weisungen sofort pünktlich zu gehorsamen Ohne Bedenken kehrte der Heilige zurück. Jedoch ließ die Mehrzahl der Mönche keine Veränderung ihres Wandels wahrnehmen. Da reiste er mit sechs Ordensbrüdern nach Lyon zu dem Erzbischof und päpstlichen Legaten Hugo und erhielt von ihm den Befehl, Molesme zu verlassen, und in seinem frommen Entschlusse, die Regel des hl. Benedictus nach ihrer ganzen Strenge zu beobachten, unbeweglich zu verharren. Bei seinem Abzuge von Molesme gesellten sich ihm alle eifrigen Ordensmänner bei. Einundzwanzig an der Zahl traten sie die Rcise an, und ließen sich i. J. 1098 in dem Wald von Citeaux (Cisterz), fünf Stunden von Dijons im Bisthum Chalons an der Saone, nieder. Die frommen Einsiedler begannen sogleich eine Strecke Landes nrbar zu machen, wo rauf sie mit Bewilligung des Bischofs Walther von Chalons und des Vicomis Rainald von Beaume Zellen erbauten. Auf Ansuchen des Erzbischofs von Lyon nahm der Herzog Eudo von Burgund die neuen Einsiedler unter seinen Schutz, ließ auf seine Kosten die Klostergebäude aufführen, und ermittelte für sie unveräußerliche und ziemlich beträchtliche Einkünfte. Der Bischof von Chalons (sur Marne) erhob das Kloster zu einer Abtei und übergab dessen Leitung dem heil. Robert. Dies war die Gründung des Ordens von Cisterz. (Cistercienser). Nichts war erbaulicher als der fromme Lebenswandel, den die ersten Bewohner von Cisterz führten; es wurden daselbst außerordentliche Abtödtungen geübt und bald waren die Segnungen des Himmels so sichtbar, daß man sich beim Aublicke dieser Ordensmänner in eine andere Welt versetzt glaubte. Bier Stunden der Nachtzeit schliefen sie, vier Stunden waren zum Lobe Gottes bestimmt. Am Morgen arbeiteten sie vier Stunden, worauf sie bis zur Non dem Lesen oblagen. Kräuter und Wurzeln waren ihre einzige Nahrung. Aber schon nach Verlauf eines Jahres schickten die Mönche von Molesme Gesandte nach Rom, um die Rückkehr des Abtes zu erwirken. Als Ursache schützten sie vor, sie seien ohne Vorsteher, die Klosterzucht nehme täglich mehr ab; seine Gegenwart allein könne Alles wieder in die gehörige Ordnung zurückführen, das Heil der Ordensmänner hänge gerade hievon ab. Urban II beauftragte den Erzbischof von Lyon, die Sache beizulegen und den Heiligen, wenn er es für gut fände, nach Molesme zurückzuführen. Dieses geschah. Der Heilige gehorchte und gab seinen Hirtenstab dem Bischofe von Chalons zurück, der ihn von allen gegen ihn übernommenen Verbindlichkeiten lossprach. Er wurde nun aufs Neue von dem Bischof von Langres zum Abt von Molesme eingesetzt. Der Heilige wäre freilich viel lieber in Cisterz geblieben. »Ich würde euch zu sehr betrüben,« schrieb er den dortigen Brüdern, »wenn ich meine Zunge als Feder, meine Thränen als Dinte, mein Herz als Papier benutzen könnte... Hier bin ich nur dem Leibe nach, weil der Gehorsam es so fordert, meine Seele ist bei euch!« Aber Molesme wurde unter ihm ein zweites Cisterz. Er stand dieser Genossenschaft vor bis zu seinem seligen Tode, der sich i. J. 1110am 21. März ereignete, weßhalb er zu Molesme in der Champagne an diesem Tage commemorirt wird, obschon sein Fest nach dem Mart. Rom. auf den 29. desselben Monats verlegt ist. Im J. 1222 wurde er vom Papst Honorius III. selig gesprochen. Seine Heiligsprechung erfolgte i. J. 1243 durch Papst Innocenz IV. Seine Reliquien wurden auf beinahe wunderbare Weise unversehrt er. halten, obwohl sie zur Revolutionszeit von der Behörde waren eingefordert worden. Sie befinden sich gegenwärtig in der Pfarrkirche von Molesme. Auf Bildnissen ist sein gewöhnliches Kennzeichen der Ring, welchen seine Mutter, noch ehe er zur Welt gekommen war, für ihn von der seligsten Jungfrau erhielt, öfter ein im Bau begriffenes Kloster, manchmal auch Erdbeeren. Die Gräfin Bar-sur-Seine hatte nämlich, so erzählt die Legende, in einer schweren Krankheit ein so sehnliches Verlangen nach Erdbeeren, daß sie fest glaubte, sie werde sterben, wenn sie solche nicht bekäme. Es war aber mitten im Winter. Ihr Gemahl nahm in dieser Noth zu dem hl. Abte seine Zuflucht und bat ihn um Rath und Hilfe. Der Heilige führte ihn in den Garten und sprach: »Beten wir!« Dann schob er den Schnee bei Seite und siehe, es zeigten sich gute und wohlschmeckende Erdbeeren. Sonst sieht man ihn auch als Abt dargestellt, im Ordenskleid der Cistercienser. Er ist ein Vorbild geistiger Arbeitsamkeit jeder Art; auch jetzt noch weckt er die Schläfrigen und Lauen und spornt zum Eifer im Berufsleben. (III. 662–678.)



http://www.zeno.org/Heiligenlexikon-1858. 1858.

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