Spinnerei

Spinnerei, die Arbeit des Spinnens, auch die hierfür eingerichtete Fabrik. Das Spinnen bezweckt, die Gespinstfasern (s.d.) nach entsprechender Vorbereitung (Reinigung etc.) so umzuordnen, daß sie einen beliebig langen, gleichmäßig dicken Faden bilden, dessen Festigkeit schon durch die Zusammendrehung der Fasern und ihre dadurch bedingte gegenseitige Annäherung begründet ist. Die Hand-S. benutzt einfache Hilfsmittel (Handspindel, Spinnrad) unter Betätigung der Hände, die mechan. S. verschiedene nacheinander arbeitende Maschinen. Der Gebrauch der Handspindel verliert sich ins Vorgeschichtliche und wird in manchen Gegenden noch heute geübt. Einen großen Fortschritt bedeutet das 1530 von Jürgen erfundene Spinnrad. Die eigentliche Spinnereiindustrie beginnt zu Anfang des 18. Jahrh. mit Einführung der Spinnmaschinen. Das durch mechan. und chem. Reinigung vorbereitete Spinnmaterial erlangt auf der Krempel, einer mit feinen Häkchen besetzten Trommel, die erste Umordnung zu einem zusammenhängenden, gleichförmigen Faserband, welches durch stufenweises Strecken (in der Baumwoll-, Kammgarn-, Flachs-, Hanf-, Jute- und Werg-S.) oder durch Längsteilung (in der Streichgarn-S.) zu Vorgarn oder Vorgespinst, der fadenförmigen Vorstufe zum Feingarn oder Feingespinst, umgewandelt wird. Die eine Vielzahl von Fäden verarbeitenden Feinspinnmaschinen verwandeln durch Strecken und Drehen das Vorgespinst in Feingespinst, das nun die endgültige Feinheit und Festigkeit besitzt. Gegenwärtig sind zwei Hauptarten von Feinspinnmaschinen in Gebrauch, der Selfaktor und die Drosselmaschine. Beim Selfaktor, der aus der Mulefeinspinnmaschine von Crompton hervorging, wechseln, wie bei der Handspindel, das Spinnen und Aufwinden ab, indem die zur Aufnahme des Gespinstes bestimmten Spindeln auf einem Wagen so angeordnet sind, daß sie bei dessen Entfernung von dem Streckwerk (Ausfahrt) die Zusammendrehung des Vorgespinstes und bei dessen Annäherung an das Streckwerk (Einfahrt) das Aufwinden des soeben gefertigten Feingespinstes bewirken. Bei der Drosselmaschine dagegen erfolgt, wie beim Spinnrad, das Spinnen und Aufwinden gleichzeitig, wodurch Raumersparnis, sowie eine größere Leistung erzielt wird. Eine Verbesserung der Drosselmaschine ist die Ringmaschine, bei welcher das Aufwinden geringern Widerstand findet, so daß auf ihr feinere Garne als auf der Drosselmaschine gesponnen werden. Die feinsten Nummern verbleiben dem Selfaktor. – In der Kammgarn-S. erfolgt nach dem Krempeln noch das Kämmen mit der Kämmaschine, die eine weitere Parallellegung der Fasern und ein Abschneiden kurzer querliegender Fasern bewirkt. (S. auch Baumwollspinnerei, Flachsspinnerei etc.)


http://www.zeno.org/Brockhaus-1911. 1911.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Spinnerei [1] — Spinnerei [1], Inbegriff der Arbeiten, mittels welcher durch Zusammendrehen mehr oder weniger kurzer Rohfasern (als Baumwolle, Flachs, Schafwolle, Seidenabfälle u.s.w.) ein beliebig langer Faden (Garn) gebildet wird. Hiervon unterscheidet sich… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Spinnerei [2] — Spinnerei. – Die Neuerungen, die auf dem Gebiete der Spinnerei zu verzeichnen sind, sind hauptsächlich veranlaßt worden durch die stetig neigenden Arbeitslöhne (so z.B. Ausbildung der selbsttätigen Bedienung, Bedienungserleichterungen… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Spinnerei — Spinnerei, 1) die Art u. Weise zu spinnen, überhaupt das ganze Verfahren beim Spinnen. Man unterscheidet dabei nach dem Stoff, welcher gesponnen wird, Flachs , Wollen u. Baumwollenspinnerei; auch nach dem Werkzeug, womit gesponnen wird; die… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Spinnerei — Spinnerei, s. Spinnen …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Spinnerei — Dieser Artikel behandelt das Spinnen als Tätigkeit der Garnherstellung. Spinnen als Tiere werden in Spinne und Spinnentiere beschrieben. Zum deutschen Schriftsteller Burkhard Spinnen (* 1956) siehe Burkhard Spinnen. Das Produkt beim Spinnen ist… …   Deutsch Wikipedia

  • Spinnerei — die Spinnerei, en (Aufbaustufe) Produktionsbetrieb, in dem Fäden hergestellt werden Beispiel: In dem Gebäude der alten Spinnerei befindet sich jetzt ein Krankenhaus. die Spinnerei, en (Oberstufe) ugs.: eine sehr seltsame, leicht verrückte Idee… …   Extremes Deutsch

  • Spinnerei — Flausen (umgangssprachlich); Allüren * * * Spin|ne|rei 〈f. 18〉 I 〈unz.〉 1. das Spinnen (, 2, 3) 2. 〈fig.; umg.〉 anhaltendes, lästiges Spinnen (4, 5.1, 5.2) II 〈zählb.〉 1. Betrieb, in dem tierische, pflanzliche od. künstliche Fasern od.… …   Universal-Lexikon

  • Spinnerei — Spin·ne·rei1 die; , en; ein Betrieb, in dem man Wolle o.Ä. herstellt || K: Baumwollspinnerei, Flachsspinnerei Spin·ne·rei2 die; , en; gespr pej; eine Idee oder Sache, die man für sinnlos und unvernünftig hält …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Spinnerei — Spinne reif 1.Phantasiegebilde;Hirngespinste;unsinnigeGedanken;Torheit.⇨spinnen1.Seitdem19.Jh. 2.Nervenheilanstalt.1900ff …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

  • Spinnerei — Spin|ne|rei …   Die deutsche Rechtschreibung

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.