Wechsel

Wechsel, Wechselbrief (frz. lettre de change, engl. bill of exchange, ital. lettera di cambio), schriftliches Versprechen, durch das sich der Aussteller verpflichtet, nach einem hierfür geltenden besondern Recht (Wechselrecht, s.d.) an eine im Dokument genannte Person eine gewisse Summe Geldes (s. Wechselsumme) zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Orte (Wechseldomizil) entweder selbst zu zahlen oder durch jemand zahlen zu lassen. Der W. entstand im Mittelalter in Italien und hat sich zu einem förmlichen Papiergeld der Kaufleute ausgebildet, das nach Belieben als Zahlung verwendet werden kann (s. Indossament) und an der Börse verhandelt wird (Wechselkurs, Valuta), auch meist stempelpflichtig ist (s. Wechselstempel), wie bes. der gezogene, trassierte W. (Tratte), worin in Briefform der Bezogene von dem Aussteller aufgefordert wird, an den Remittenten (s.d.) oder Order, d.i. Nachmann, die Zahlung zu leisten; er heißt Platz-W., wenn am Orte der Ausstellung zahlbar. Die Form einer Schuldverschreibung hat der eigene oder trockne W., bei dem der Aussteller selbst die Zahlung leistet. Beide Arten W. können Domizil-W., d.i. an einem andern als dem gewöhnlichen Wohnorte des Bezogenen bezüglich Ausstellers (eigen-trassierte W.) zahlbar sein. Rekta-W., W. ohne die Formel »an Order«. W. an eigene Order, Tratte, die gelegentlich durch Indossament an den Remittenten übertragen wird. Man stellt die W. in einem (Sola-W.; fälschlich auch für Eigen-W. angewendet) oder mehrern Exemplaren (Wechselduplikat, als Prima-, Sekunda-, Tertia-W.) aus. Rücksichtlich der Zahlung etc. von W.s. Akzept, Ehrentage, Intervenieren, Notadresse, Protest, Regreß. Rück-W. (Retour-W, Ritratte), W., mittels dessen ein Inhaber den Betrag des vom Bezogenen nicht bezahlten W. nebst Kosten auf einen der Vormänner trassiert. Wechselreiterei, das Verfahren mittelloser Leute, sich durch gegenseitige Gefälligkeitsakzepte und deren Diskontierung Geld zu beschaffen; Keller-W., W. zu gleichem Zwecke mit fingiertem Aussteller, oft auch Bezogenen, auch einem oder mehrern fingierten Giranten. Wechselfälschung findet entweder durch Mißbrauch der Namensunterschrift bei Ausstellung eines W. oder durch Veränderung eines echten W. statt; das echte Akzept sowie die echten Indossamente behalten auf dem gefälschten W. wechselmäßige Wirkung. Ein W. verjährt dem Akzeptanten gegenüber in 3 Jahren, in bezug auf Regreßansprüche je nach der Entfernung des Wohnortes der Vormänner in 3, 6, 18 Monaten. Wechselfähigkeit, die Befugnis, Wechselverbindlichkeiten zu übernehmen, bes. W. auszustellen besitzt in Deutschland, wer vertragsfähig ist. Literatur s. Wechselrecht.


http://www.zeno.org/Brockhaus-1911. 1911.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Wechsel — Wechsel: Das westgerm. Substantiv mhd. wehsel, ahd. wehsal, niederl. wissel, aengl. wrixl (aus *wixl unter dem Einfluss von aengl. wrīgian »sich wenden«) ist mit dem unter 2↑ weichen behandelten Verb verwandt. Es bedeutet eigentlich »das Weichen …   Das Herkunftswörterbuch

  • Wechsel [1] — Wechsel (neulat. Cambium, ital. Lettera di cambio, franz. Lettre de change. engl. Bill of exchange), eine formelle Urkunde (Wechselbrief) über das Versprechen einer Geldsumme ohne Gegenversprechen. Der W., dessen Vorgeschichte bis in das Altertum …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Wechsel — Sm std. (8. Jh.), mhd. wehsel, ahd. wehsal, as. wehsal Stammwort. Wie afr. wixle n. Tausch, Handel und anord. víxl n. Tausch Bildung auf sla zu der Grundlage, die auch in l. vicem (Akk.) Wechsel und wohl in gt. in wikon kunjis seinis in der… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Wechsel [2] — Wechsel (fr. Lettre de change, engl. Bill of exchange, ital. Littera di cambio), ein in gesetzmäßiger Form ausgestelltes schriftliches Versprechen, durch welches der Aussteller sich nach dem geltenden Wechselrechte verpflichtet an eine darin… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Wechsel — (Wechselbalken) in der Balkenlage (s.d., Bd. 1, S. 529 ff., Fig. 1) angeordnete Querbalken. Sie kommen zur Anwendung an Stellen, wo ein Auswechseln (s.d. Bd. 1, S. 413 und Figur) nötig ist, um die gekürzten Balken (Trumpfe) aufzunehmen, die hier… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Wechsel [1] — Wechsel, 1) das Vertauschen einer Münzsorte gegen eine andere; 2) der Ort, wo vierläufiges Wild, vornämlich Hochwild, hin u. her zu laufen pflegt; bei dem Kleinwild Paß Geht das Wild zu Holze ein, so heißt es Ein (Heim ), geht es aus, Aus , geht… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Wechsel [3] — Wechsel, 5555 rhein. Fuß hoher Zweig der Norischen Alpen, an der Grenze von Steyermark u. Österreich unter der Enns …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Wechsel [2] — Wechsel, in der Studentensprache die Geldsumme, die ein Student von Hause für das Semester, bez. für den Monat empfängt. – In der Jägerei heißen W. die kleinen Steige, die Hirsche, Rehe und Sauen austreten, wenn sie auf denselben Gängen von einem …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Wechsel [3] — Wechsel, Bergrücken der Cetischen (Fischbacher) Alpen an der Grenze von Steiermark und Niederösterreich, aus Gneis bestehend, mit sanften Formen, erreicht im Hochwechsel (Hoher Umschuß) 1738 m, bietet eine schöne Aussicht dar und wird von… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Wechsel — s. Weichen …   Enzyklopädie des Eisenbahnwesens

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.