Baden [1]

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Baden [1]

Baden, Gro√üherzogtum (hierzu die Karte ¬ĽBaden¬ę), der Volkszahl nach der f√ľnfte, dem Fl√§cheninhalt nach der vierte Staat des Deutschen Reiches, im volkreichsten und bestbebauten Teil von S√ľddeutschland, zwischen 7¬į31¬ī und 9¬į51¬ī √∂stl. L. sowie zwischen 47¬į32¬ī und 49¬į47¬ī n√∂rdl. Br. gelegen, im N. an den bayrischen Regbez. Unterfranken und an Hessen (Provinz Starkenburg), im W., wo, wie gr√∂√ütenteils auch im S., der Rhein die Grenze bildet, an die bayrische Pfalz und das Elsa√ü, im S. an die Schweizer Kantone Basel, Aargau, Z√ľrich, Schaffhausen und Thurgau, im O. an W√ľrttemberg und Hohenzollern grenzend, bildet nahezu ein geschlossenes Ganze. Bei einer Gesamtl√§nge der Grenzen von 1530 km betr√§gt die Rheingrenze 382 km. Die gr√∂√üte Breite hat B. im S√ľden mit 139 km, dann verengert es sich zwischen Rastatt und Karlsruhe bis auf 18 km und erweitert sich darauf wieder gegen N. bis zu 87 km. Die gr√∂√üte L√§nge von SW. nach NO. betr√§gt 235 km.

Physische Beschaffenheit.

B. geh√∂rt gr√∂√ütenteils zum s√ľddeutschen Berg- und H√ľgelland, zum kleinern Teil zur oberrheinischen Tiefebene. Das vornehmste Gebirge ist der Schwarzwald (s. d.), der die s√ľdliche H√§lfte des Landes, mit Ausnahme der Rheinebene und des s√ľd√∂stlichen Gebietes, einnimmt; B. besitzt davon den h√∂hern und gr√∂√üern Teil (ungef√§hr vier F√ľnftel). Seine gr√∂√üten H√∂hen erreicht er im s√ľdlichen Teil im Feldberg mit 1493 m und im Belchen mit 1414 m; im mittlern Teil erheol er sich im Kandel bis zu 1241 m, im n√∂rdlichen Teil in der Hornisgrinde bis zu 1164 m. Unmittelbar an den n√∂rdlichen Schwarzwald schlie√üt sich das Pfinz- und Kraichgauer oder Neckarh√ľgelland an, das sich bis zum K√∂nigstuhl bei Heidelberg fortsetzt und nach N. zum Odenwald (s. d.) hinf√ľhrt, der sich l√§ngs des Neckar und der Nordgrenze bis gegen die Tauber erstreckt, √ľberwiegend nach Hessen und Bayern geh√∂rt, aber seinen h√∂chsten Punkt (den Katzenbuckel, 626 m) in B. hat. Die l√§ngs seines westlichen Fu√ües sich hin nehende Bergstra√üe (s. d.) liegt gleichfalls gr√∂√ütenteils in Hessen, nur ihr s√ľdlicher Teil in B. Das H√ľgelland setzt sich √∂stlich √ľber den Neckar als sogen. Bauland zur Tauber und zum fr√§nkischen H√ľgelland fort. An sonstigen Bodenerhebungen sind noch zu nennen: der Kaiserstuhl (s. d.) in der oberrheinischen Tiefebene bei Breisach, die s√ľdwestlichen Teile des Deutschen Jura mit dem Hohen Randen (924 m) und dem Heuberg (956 m) sowie den Kegelbergen des Hegaus (s. d.), endlich der Bergzug n√∂rdlich vom Bodensee mit dem H√∂chsten (837 m) und Gehrenberg (754 m). Das kristallinische Grundgebirge, und zwar vorzugsweise Gneis und Granit, mehrfach von Porphyr durchbrochen, ist im Schwarzwald von gro√üer Ausdehnung, im badischen Odenwald nur in geringer Verbreitung bekannt. Buntsandstein bedekt im Schwarzwald und im Odenwald gro√üe Fl√§chen; Rotliegendes und Tonschiefer kommen im Schwarzwald in geringerm Umfang vor. Das H√ľgelland n√∂rdlich von der Linie Rastatt-Pforzheim besteht haupts√§chlich aus Muschelkalk und Keuper. Dem Schwarzwald lagert sich s√ľd√∂stlich der Jura mit der gleichnamigen Formation, an seinem Rande gegen die Rheinebene der L√∂√ü vor; im Bodenseebecken herrschen terti√§re Gebilde (Molasse). Der Kaiserstuhl, nordwestlich von Freiburg, und die H√∂hen des Hegaus sind vulkanischen Ursprungs (Basalt und Phonolith). Vgl. ¬ĽGeologische Karte von Deutschland¬ę bei Art. ¬ĽDeutschland¬ę. ‚Äď An Gew√§ssern ist B. reich. Hauptflu√ü ist der Rhein, der, wie schon bemerkt, im S. und W. gro√üenteils die Grenze bildet. Zu seinem Gebiet geh√∂ren die meisten Fl√ľsse des Landes, darunter die wichtigsten di: zum Bodensee flie√üende Radolfzeller Aach, dann die Wutach, die obere Alb und Murg, Wehra, Wiese, Kander, Elz, Kinzig, Rench, Acher, die untere Murg (mit Oos), die untere Alb, Pfinz, Kraichbach, der Neckar (mit Kocher, Jagst, Steinach auf dem rechten, Enz nebst W√ľrm und Nagold sowie Elsenz auf dem linken Ufer) und die Weschnitz. Der Main ber√ľhrt im NO. die Grenze und empf√§ngt dort die Tauber. Die Donau (s. d.) geh√∂rt mit ihren beiden Quellfl√ľssen, der Brege und Brigach, die sich unterhalb Donaueschingen vereinigen, nach B. Von Seen ist vor allen der Bodensee zu nennen, von dem der n√∂rdliche Teil des Unter- oder Zellersees mit der Insel Reichenau und ein Teil des Obersees, namentlich der √úberlinger See mit der Insel Mainau, zusammen etwa 181 qkm, zu B. gerechnet werden. In der N√§he des Bodensees liegen der Mindel- und der Illmensee. Der Schwarzwald enth√§lt eine Anzahl kleinerer Seen, wovon der Mummelsee (s. d.) an der Hornisgrinde, der Feldsee (s. d.), der Titisee (s. d.) und der Schluchsee (s. d.) die bekanntesten sind. Schiffbare Kan√§le fehlen, dagegen hat B. in der mit Frankreich und Bayern im zweiten Viertel des 19. Jahrh. ausgef√ľhrten Rheinkorrektion ein gro√üartiges Werk des Wasserbaues aufzuweisen, das demn√§chst fortgesetzt werden soll (s. S. 247 f.). Unter den T√§lern Badens sind die meist wildromantischen T√§ler des s√ľdlichen Schwarzwaldabhanges (namentlich das Wutach-, Schl√ľcht-, Alb- und Wehratal), das gewerbreiche Wiesental, das romantische H√∂llental, das Elztal, das Simonsw√§lder- und Glottertal, das Kinzigtal mit seinen Nebent√§lern, das an B√§dern reiche Renchtal, das liebliche Oostal (mit Baden-Baden), das landschaftlich sch√∂ne Murgtal, das herrliche Neckartal hervorzuheben. Einzelne Gegenden Badens tragen besondere Namen. Die bekanntesten sind: der Hegau, westlich vom Unter- und Bodensee bis in die Schweiz; der Klettgau, von der untern Wutach bis gegen Schaffhausen (gr√∂√ütenteils schweizerisch); die Baar (das sich an den Schwarzwald anschlie√üende Hochplateau im Quellgebiete der Donau); das Markgr√§flerland (von Basel bis gegen Freiburg); der Breisgau (von der H√∂he des Schwarzwaldes zum Rhein mit Freiburg als Mittelpunkt); die Ortenau (die weitere Umgegend von Offenburg bis gegen B√ľhl, Gengenbach und Lahr); das Hanauerland (um Kehl); die Hardt (n√∂rdlich und s√ľdlich von Karlsruhe gegen den Rhein); die Pfalz (die Rheinebene n√∂rdlich der Hardt nebst dem begleitenden H√ľgel- und Bergland begreifend und in der bayrischen und hessischen Pfalz sich fortsetzend); der Kraichgau (das H√ľgelland √∂stlich der Hardt und Pfalz); die Bergstra√üe (der westliche Abhang des Odenwaldes von Heidelberg bis Darmstadt); das Bauland (die Gegend √∂stlich vom Neckar um Buchen, Adelsheim und Boxberg); der Taubergrund (die Gegend zu beiden Seiten der Tauber). Im allgemeinen unterscheidet man Oberland und Unterland, die etwa zwischen Oos und Kinzig sich scheiden. Den s√ľd√∂stlichen Landesteil jenseit der Baar und des Randen bezeichnet man kurzweg als Seegegend.

Flächeninhalt und Bevölkerung.

B. hat (ohne den Anteil am Bodensee) einen Fl√§cheninhalt von 15,081 qkm (273,9 QM.). Die Volkszahl, die 1815 nur 993,414 Seelen betrug, war 1895 auf 1,725,464 Einw. gestiegen und belief sich 1900 auf 1,867,944 Einw. Seit 1815 hat sich dieselbe um 88 Proz., im Jahresdurchschnitt um 0,7-Proz. vermehrt. F√ľr die innere Verwaltung ist B. in 4 landeskommissarische Bezirke mit 53 Amtsbezirken eingeteilt, deren Gr√∂√üe und Bev√∂lkerung nachstehend verzeichnet ist:

Tabelle

Unter der Bev√∂lkerung von 1900 waren 232,562 Nichtbadener (12,5 Proz. der Einwohner), davon 197,529 Angeh√∂rige andrer Bundesstaaten, 35,033 Reichsausl√§nder. Dem erheblichen Zugang vonau√üen steht im letzten Jahrzehnt ein nicht sehr bedeutender Wegzug von B. ins Ausland gegen√ľber: der st√§rkste Abzug findet in die Nachbarl√§nder (namentlich in die Schweiz) und nach Amerika (√ľberseeische Auswanderung im Jahrzehnt 1891‚Äď1900 etwa 26,500, 1901 nur 611 Personen) statt. Die Dichtigkeit der Bev√∂lkerung betrug 1900: 123,9 Einw. auf 1 qkm (1815: 65,9). B. nimmt hierin zur Zeit den dritten Rang unter den gr√∂√üern deutschen Staaten ein. Nach dem Geschlecht wurden 1900: 926,277 m√§nnliche und 941,667 weibliche oder unter 1000 Personen 496 m√§nnliche und 504 weibliche ermittelt. Von den √ľber 15 Jahre alten Ortsanwesenden waren

Tabelle

√úber die Bewegung der Bev√∂lkerung in B. geben folgende Zahlen Auskunft: Es betrug im Durchschnitte des Jahrzehnts 1891‚Äď1900 die j√§hrliche Zahl der Gebornen 59,572 (davon 1596 Totgeborne), der Gestorbenen (ohne Totgeborne) 38,489, der Eheschlie√üungen 13,585 und der Ehescheidungen 183. In der n√∂rdlichen Landesh√§lfte sowie in der ganzen Rheinebene wohnt die Bev√∂lkerung fast ausschlie√ülich in geschlossenen D√∂rfern und St√§dten zusammen, w√§hrend im Schwarzwald, s√ľdlich der Oos und in der Bodenseegegend die Siedelung eine mehr zerstreute und demnach die Zahl der kleinern Wohnpl√§tze (Weiler, H√∂fe etc.) recht erheblich ist. Die Zahl aller Gemeindeeinheiten betrug Ende 1901: 1608, davon 120 St√§dte, 1455 Landgemeinden und 33 abgesonderte Gemarkungen mit eigner polizeilicher Verwaltung. Es bestanden 1900: 398,068 Haushaltungen, die sich auf 241,808 bewohnte Geb√§ude etc. verteilten. Die Stadtgemeinden hatten 1900: 772,534, die Landgemeinden 1,095,410 Einw.; 6 St√§dte hatten mehr als 20,000 Einw., n√§mlich Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, Pforzheim, Heidelberg und Konstanz. Der Religion nach sind 1900 von den Einwohnern 1,131,639 (60,6 Proz.) Katholiken, 704,058 (37,7 Proz.) Evangelische, 5563 (0,3 Proz.) andre Christen, 26,132 (1,4 Proz.) Israeliten, 552 Sonstige. Die Badener geh√∂ren im Oberlande dem alemannischen, im Unterlande dem fr√§nkischen (pf√§lzischen), im SO. dem schw√§bischen Volksstamm an; entsprechend verteilen sich die Mundarten. Dazwischen treten Mischungen von Stamm und Dialekt auf, namentlich in der Gegend zwischen Ortenau und Pfalz, in der zu den alemannischen und fr√§nkischen auch schw√§bische Elemente gekommen sind (rheinschw√§bisch). In verschiedenen Landesgegenden sind die Volkstrachten bei der Landbev√∂lkerung noch in Gebrauch, so im Markgr√§fler- und Hanauerland, im Hauensteinschen und in zahlreichen T√§lern des Schwarzwaldes. Hinsichtlich des Berufs geh√∂ren (nach der Berufsz√§hlung 1895) etwa 729,000 Einw. der Land- und Forstwirtschaft, 598,000 der Industrie und den Gewerben, 171,000 dem Handel und Verkehr, 94,000 dem √∂ffentlichen Dienstund freien Beruf, 14,000 der gemischten Tagel√∂hnerei, 113,000 dem berufslosen Stand an.

Unterricht und Bildung, Armenpflege etc.

Das gesamte, reich gegliederte Unterrichts- und Schulwesen in B. steht unter der unmittelbaren Aussicht und Leitung des Staates (s. unten, S. 249 f.). Es bestehen 2 Universit√§ten, Heidelberg und Freiburg, jene mit protestantisch-, diese mit katholisch-theologischer Fakult√§t, 14 Gymnasien, 2 Progymnasien,-3 Realgymnasien (davon eins verbunden mit Reformgymnasium), 2 Realprogymnasien, 7 Oberrealschulen, 17 Realschulen, 10 h√∂here B√ľrgerschulen, 7 h√∂here M√§dchenschulen (davon eine verbunden mit M√§dchengymnasium); au√üerdem sind 46 Privatmittelschulen, meist f√ľr M√§dchen, vorhanden. Einfache und erweiterte Volksschulen gibt es 1583, daneben 20 Waisen-, Rettungs- und Erziehungsanstalten mit Volksschulunterricht und 5 Privatvolksschulen. An Lehrerbildungsanstalten sind 4 Volksschullehrerseminare und 3 Pr√§parandenschulen f√ľr diese, eine Turnlehrerbildungsanstalt, ein Lehrerinnenseminar und 3 mit h√∂hern M√§dchenschulen verbundene entsprechende Anstalten vorhanden. √úber die Volksschule f√ľhrt die Gemeinde durch den Ortsschulrat (bestehend aus dem B√ľrgermeister, dem Schullehrer und 3‚Äď5 gew√§hlten Mitgliedern) die lokale Aufsicht unter der allgemeinen Aussicht von 13 Kreisschulr√§ten. Mit der Volksschule, deren Unterricht obligatorisch vom vollendeten 6.‚Äď14. Lebensjahr w√§hrt, ist eine Industrie- (Handarbeits-) schule f√ľr M√§dchen verbunden, auch besteht allgemein ein zweij√§hriger Fortbildungs- und ein einj√§hriger Christenlehr- (Sonntagsschul-) unterricht f√ľr die aus der Volksschule Entlassenen. An technischen und Fachschulen hat B. eine technische Hochschule zu Karlsruhe, eine Akademie der bildenden K√ľnste und ein Konservatorium f√ľr Musik daselbst, 2 Kunstgewerbeschulen in Karlsruhe und Pforzheim, eine Baugewerk- und eine Malerinnenschule in Karlsruhe, ferner 45 Gewerbe- und 78 gewerbliche Fortbildungsschulen, 2 Taubstummeninstitute (in Meersburg und in Gerlachsheim), eine Blindenerziehungsanstalt (in Ilvesheim), eine Ackerbau- und eine Obstbauschule (Hochburg, bez. Augustenberg), 12 landwirtschaftliche Winterschulen und zahlreiche andre Fachschulen und -Anstalten; dazu kommen 525 Kleinkinderschulen, Kinderbewahranstalten und Kinderg√§rten. Die beiden Universit√§ten waren im Wintersemester 1901/1902 von 2859, die technische Hochschule von 1598 Studierenden, 87 Hospitanten und 134 H√∂rern, zusammen von 1819 Personen besucht. An den √∂ffentlichen und privaten Mittelschulen werden ca. 19,000, an den Volksschulen ca. 275,000 und an den Fachschulen ca. 15,000 Sch√ľler und Sch√ľlerinnen unterrichtet. Von Kunst- und wissenschaftlichen Sammlungen sind zu nennen: die Hof- und Landesbibliothek zu Karlsruhe, die Universit√§tsbibliotheken zu Heidelberg und Freiburg, die Bibliothek der technischen Hochschule in Karlsruhe, das Generallandesarchiv in Karlsruhe, das F√ľrstenbergsche Archiv und die Bibliothek zu Donaueschingen, die Gem√§ldesammlungen zu Karlsruhe u. Mannheim, die Altert√ľmersammlungen zu Karlsruhe, Mannheim, Konstanz, die Landesgewerbehalle zu Karlsruhe mit Filiale in Furtwangen u. a. Die Presse ist durch rund 300 Bl√§tter und Zeitschriften, darunter die H√§lfte politische Bl√§tter, vertreten.

Die Armen- und Krankenpflege des Landes ist musterhaft geordnet. B. besitzt drei staatliche Irrenanstalten (bei Emmendingen, Illenau u. Pforzheim), dazu die Irrenkliniken in Heidelberg und Freiburg; ferner gibt es 20 Versorgungs- (Pfr√ľndner-), 49 Kranken-, 7 Entbindungs-, bez. gyn√§kologische Anstalten, 2 Anstalten f√ľr Schwachsinnige, eine f√ľr Epileptiker, je 2 Anstalten f√ľr Taubstumme und Blinde, 59 vereinte Kranken- und Versorgungsanstalten, 9 Kreispflegeanstalten f√ľr Sieche, Hilflose, Geisteskranke und -Schwache, 34 Waisen- und Rettungs-, 6 Besserungsanstalten f√ľr Kinder etc. und 95 verschiedene andre Anstalten.

Bodenbenutzung. Landwirtschaft etc.

Die Beschaffenheit und Anbauf√§higkeit des Bodens ist trotz der erheblichen geologischen und klimatischen Verschiedenheiten in den einzelnen Landesgegenden im allgemeinen g√ľnstig. Die Rheinebene ist fast allgemein von gro√üer Fruchtbarkeit; nur von Rastatt abw√§rts enth√§lt sie Boden leichterer Art, der aber durch Kultur in hohem Grad ertragsf√§hig gemacht ist. Die Seitent√§ler der Rheinebene zum Schwarzwald haben auf ihrer Sohle und an den Abh√§ngen gleichfalls meist fruchtbaren Boden. Die h√∂hern und engern T√§ler und die Hochebenen des Schwarzwaldes sind sp√§rlicher mit ertragsf√§higem Boden bedeckt und deshalb sowie wegen des rauhern Klimas weniger zum Ackerbau geeignet, daher gro√üenteils der Wald- und Weidewirtschaft gewidmet. Besonders fruchtbar ist jedoch ungeachtet der hohen Lage die Gegend der Baar; von dagegen S. absteigend, treffen wir die weniger ergiebigen H√∂hen des Jurakalks, dann die fruchtbaren Fl√§chen und H√ľgel am Bodensee. Meist tonigen, gegen O. mehr kalkhaltigen Boden von gro√üer Fruchtbarkeit enthalten der Kraichgau und das Bauland, w√§hrend der Odenwald f√ľr den Anbau wenig ergiebig ist. Als gr√∂√üere Gegenden von ausgezeichneter Feuchtbarkeit sind die Ortenau und die sogen. untere Rheinebene (n√∂rdlich von Karlsruhe), insbes. die Pfalz hervorzuheben.

Nach der Erhebung √ľber die Bodenbenutzung von 1900 ergaben von der Gesamtfl√§che des Landes 1,429,656 Hektar oder 94,8 Proz. einen Ertrag; davon sind 37,7 Proz. Acker- und Gartenland, 1,3 Proz. Weinberge, 13,9 Proz. Wiesen, 0,04 Proz. (552 Hektar) Kastanienpflanzung, 4,9 Proz. Weide und Reutfeld, 36,9 Proz. Wald. Die Landwirtschaft hat auch in B. seit Jahren mit Schwierigkeiten zu k√§mpfen, befindet sich aber im allgemeinen noch immer in befriedigender Verfassung; der Feldbau ist haupts√§chlich auf K√∂rnerbau gerichtet; im Schwarzwald herrscht Weidewirtschaft vor, z. T. in der Form der Rente- oder Wechselwirtschaft, bei der das Gel√§nde gr√∂√ütenteils als Weide oder Busch liegt, in kleinern Teilen periodisch (meist je nach 12‚Äď15 Jahren) gereutet oder umgebrochen und gebrannt und auf kurze Zeit als Acker benutzt wird. Im Bereich des Schwarzwaldes und dieser Weidewirtschaft findet sich vielfach gr√∂√üerer b√§uerlicher Besitz, im √ľbrigen herrscht die Klein- und Zwergwirtschaft vor; nur in der Seegegend und im n√∂rdlichen H√ľgelland gibt es in nennenswerter Zahl Hofg√ľter, von denen jedoch keins die Gr√∂√üe von 500 Hektar erreicht. Bei der landwirtschaftlichen Betriebsstatistik von 1895 wurden in B. 236,159 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Gesamtfl√§che von 1,011,755 Hektar ermittelt. Davon waren 35,4 Proz. unter 1 Hektar, 18,8 Proz. nur 1‚Äď2 Hektar gro√ü; die kleinb√§uerlichen Anwesen von 2‚Äď5 Hektar machten 29 Proz., die mittlern b√§uerlichen Betriebe von 5‚Äď20 Hektar 15,5 Proz., die gr√∂√üern Bauerng√ľter von 20‚Äď100 Hek ar 1,2 Proz. aus. Gro√übetriebe von √ľber 100 Hektar waren nur 117 (0,1 Proz.) vorhanden, und von den letztern war eine erhebliche Anzahl im Besitze des Staates, der Gemeinden und der Kirchen. Am meisten geteilt ist der Boden in der untern Rheinebene. Der Getreidebau (Spelz, Weizen, Roggen und deren Gemenge, Gerste, Hafer), die gr√∂√üere H√§lfte des Ackerbaues ausmachend, umfa√üt eine Fl√§che von 287,000 Hektar, worauf eine Durchschnitisernte von etwa 470,000 Ton. Frucht erzielt wird. Der Ertrag deckt das Bed√ľrfnis des Landes nicht. Kartoffeln werden allgemein gebaut (auf 88,000 Hektar durchschnittlich im Jahr 7‚Äď800,000 T.). Hanf von besonderer G√ľte liefert namentlich das Hanauerland; jedoch ist dessen Anbau unter dem Druck ausl√§ndischer Konkurrenz stark zur√ľckgegangen (von 9500 im J. 1865 auf 724 Hektar); Tabak baut vornehmlich die Pfalz bis gegen Karlsruhe und die Ortenau bis gegen den Kaiserstuhl (1900 auf 6201 Hektar mit 15,441 T. Ertrag). Der gleichfalls vorzugsweise in der Pfalz gebaute Hopfen nimmt (1900) 2043 Hektar mit einem Jahresertrag von etwa 1470 T. ein; auch der Anbau von Zichorie auf etwa 1180 Hektar mit etwa 30,000 T. Ertrag ist von Bedeutung; an √Ėlgew√§chsen werden auf 1900 Hektar Raps, R√ľbsen und Mohn gebaut. Bedeutend ist der Futterbau; Klee, Luzerne und andre Futterpflanzen nehmen etwa 108,000 Hektar ein, darunter 24,000 Hektar als Nebennutzung; R√ľben und andre Futterhackfr√ľchte etwa 77,000; auch der Gem√ľsebau ist im ganzen erheblich, im einzelnen sind jedoch nur der Spargelbau in den Amtsbezirken Bruchsal und Schwetzingen, die Erdbeerkultur von Staufenberg bei Baden, der Zwiebelbau in der Konstanzer Gegend und der Meerrettichbau der Bezirke Offenburg, Achern, Baden und besonders Rastatt erw√§hnenswert. Die Wiesen sind zu etwa 40 Proz. bew√§ssert; sie bringen im Mittel 900,000 T. Heu und √Ėhmd. Obst (Apfel, Birnen, Kirschen, Zwetschen, N√ľsse) wird mit Ausnahme der h√∂hern Gebirgsgegenden allgemein gezogen. Im Juni 1900 wurden 2,878,000 Apfel-, 1,776,000 Birn-, 2,696,000 Pflaumen- und Zwetschen- und 996,000 Kirschb√§ume ermittelt. In der Gegend von B√ľhl, auch bei Heidelberg werden Kastanien, in besonders milden Lagen, wie an der Bergstra√üe, Pfirsiche und Mandeln in gr√∂√üerer Menge gewonnen. Das gewonnene Obst wird z. T. ausgef√ľhrt; auch wird daraus Obstwein und gebranntes Wasser (Kirsch- und Zwetschenwasser) bereitet. Die Weinberge nahmen 1900 ein Areal von 17,800 Hektar ein. Die haupts√§chlichsten Weingegenden finden sich in dem die Rheinebene begleitenden H√ľgelland (Markgr√§flerland, Breisgau, Kaiserstuhl, die Offenburger und B√ľhler Gegend); aber auch die Bodenseeufer, die Bergstra√üe, der Taubergrund kommen in Betracht (s. Badische Weine). Die Ertragsmenge schwankt je nach guten und schlechten Jahren erheblich. In den Jahren 1894‚Äď1900 wurden durchschnittlich ca. 549,000 hl im Werte von ca. 13 Mill. Mk. geerntet.

Die Viehhaltung ist im ganzen eine gen√ľgende und geht bez√ľglich der Rindvieh-, Schweine- und Ziegenhaltung √ľber den Reichsdurchschnitt hinaus. Der Viehstand der 222,637 viehbesitzenden Haushaltungen belief sich 1900 auf 75,600 Pferde, 651,700 St√ľck Rindvieh, 68,500 Schafe, 498,000 Schweine, 109,600 Ziegen. Au√üerdem gibt es 108,000 Bienenst√∂cke u. 2,334,600 St√ľck Federvieh (darunter 1,888,300 H√ľhner). Die Zahl der Schafe nimmt seit einem Menschenalter st√§ndig ab, die des Rindviehs, der Schweine und Ziegen, neuerdings auch die der Pferde zu.

F√ľr die Hebung der Landwirtschaft ist in neuerer Zeit durch die Bem√ľhungen der Regierung, der 67 landwirtschaftlichen Bezirksvereine, der zahlreichen √∂rtlichen Bauernvereine und des hoch entwickelten landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens viel geschehen. Insbesondere ist das Rindvieh durch weitgehende Kreuzung mit dem Simmentaler Schlag au√üerordentlich verbessert worden. Die oberbadischen Zuchtbezirke (von Me√ükirch, Pfullendorf, Engen, Donaueschingen etc.) haben im letzten Jahrzehnt auf allen deutschen landwirtschaftlichen Ausstellungen geradezu gl√§nzende Ergebnisse erzielt und finden f√ľr ihre Zuchttiere sowohl in Deutschland als im Auslande guten und lohnenden Absatz. Auch der Pferdeschlag wird durch Einf√ľhrung von Hengsten aus Belgien, Oldenburg, Hannover etc. gekr√§ftigt.

An Wald ist B. nahezu der reichste Staat Deutschlands, und seine Forstwirtschaft ist als musterg√ľltig anerkannt. Von dem Wald waren nach der Erhebung vom Juni 1900: 104,321 Hektar Kron- und Staats-, 255,806 Gemeinde-, 20,960 K√∂rperschafts- und Genossenschafts-, 186,708 Hektar Privatwald. Die meist bewaldeten H√∂hen des Schwarz- und Odenwaldes tragen den gr√∂√üten Teil des Waldes; doch enthalten auch die Ebene und das H√ľgelland ausgedehnte Waldungen, wie die Schwetzinger Hardt, die obere und untere Lu√ühardt bei Bruchsal, den Hardtwald bei Karlsruhe, Bahnwald bei Rastatt, Hagenschie√ü bei Pforzheim, Mooswald bei Freiburg u. a. Die ertragsf√§hige Waldfl√§che besteht aus ca. 286,900 Hektar Laub- und 282,000 Hektar Nadelwald, worunter ca. 48,600 Hektar Nieder-, ca. 57,500 Mittel-, ca. 20,100 Pl√§nter- und ca. 441,500 Hektar Hochwald. Die j√§hrliche Holznutzung wird auf 3 Mill. Festmeter im Wert von 27 Mill. Mk. gesch√§tzt. Die Jagd ist im ganzen gut bestellt; es gibt Rehe und viel Hafen, hier und da auch Hirsche, Damwild und Schweine; von V√∂geln: Enten, Schnepfen, Auer-, Birk- und Rebh√ľhner. ‚Äď Der Fischfang liefert neben den gew√∂hnlichen Fischarten Salme und Lachsforellen im Rhein, Seeforellen, Felchen und Gangfische im Bodensee, Bachforellen in den Gebirgsw√§ssern; Weise kommen im Mindel- und Illmensee vor.

An nutzbaren Mineralien kommt namentlich die reiche Ausbeute der Stein-, Kalk- und Gipsbr√ľche, der Kies- und Lehmgruben in Betracht; die erstern liefern z. T. vorz√ľgliches Bau- und Stra√üenmaterial. Der eigentliche Bergbau ist unerheblich; 1900 wurden 4450 Ton. Steinkohlen, 3005 T. Zink-, 67 T. silberhaltige Bleierze gewonnen. Die zwei Staatssalinen D√ľrrheim und Rappenau erzeugten 1900: 32,699 T. Salz. Besonders reich ist B. an Mineralb√§dern und Heilquellen. Die wichtigsten sind die weltbekannten Thermen von Baden-Vaden und Badenweiler (mit 72,000, bez. 4500 Kurg√§sten ohne Passanten), die Eisen- und Stahlquellen Rippoldsau, Petersthal, Griesbach und Antogast, die Schwefelquelle Langenbr√ľcken, die Solb√§der D√ľrrheim und Rappenau. Au√üerdem hat B. zahlreiche stark besuchte H√∂henluftkurorte etc.

Industrie, Handel und Verkehr.

Nach der Berufsverteilung von 1895 sind die Landwirtschaft einerseits, Gewerbe und Industrie, Handel und Verkehr anderseits in B. ziemlich gleichm√§√üig vertreten; doch ist die Industrie in raschem Vorr√ľcken begriffen. In manchen Strichen, wie im gr√∂√üten Teil der Seegegend und der obern Rheinebene, im n√∂rdlichen Schwarzwald und im gesamten Nordosten, ist die Landwirtschaft noch vorherrschend; in andern ausgedehnten Gebieten hat die Gewerbt√§tigkeit bereits eine hohe Bl√ľte erreicht. Als industriell lassen sich besonders das Wiesental (√Ąmter L√∂rrach, Schopfheim, Sch√∂nau) nebst dem anschlie√üenden Oberrheintal (S√§ckingen und Waldshut), der mittlere Schwarzwald (√Ąmter Triberg, Villingen und Neustadt) und die sogen. untere Rheinebene (√Ąmter Mannheim, Schwetzingen, Weinheim) bezeichnen; besonders lebhaft ist die Gewerbe- und Fabrikt√§tigkeit in Mannheim, Pforzheim, Karlsruhe, Freiburg, Lahr, Ettlingen, Durlach, Offenburg, Weinheim, Konstanz, Heidelberg, Bruchsal, Rastatt und in den Umgebungen dieser St√§dte. Der bedeutendste Industriezweig des Landes ist die Zigarren- und Tabakfabrikation, die in der ganzen Gegend des Tabakbaues (der Pfalz und der untern Rheinebene, s√ľdlich bis Karlsruhe, sowie der Ortenau) mit den Mittelpunkten Mannheim und Lahr, aber auch in andern Gegenden bl√ľht und im Herbst 1901 in 770 Fabrikbetrieben 34,724 Arbeiter und Arbeiterinnen besch√§ftigte. Danach folgt an Umfang die Textilindustrie mit dem Hauptsitz im Wiesental und obern Rheintal, sodann in Freiburg, Waldkirch und Ettlingen, auch in Offenburg, Lahr und Konstanz, vornehmlich als Baumwollspinnerei und -Weberei (als Druckerei besonders in L√∂rrach) und als Seidenzwirnerei und -Weberei (Bandweberei in S√§ckingen); die Maschinenfabrikation (Lokomotiven und Lokomobilen, N√§hmaschinen u. Fahrr√§der, landwirtschaftliche Maschinen etc.) hat ihre Sitze vornehmlich in Mannheim, Karlsruhe. Pforzheim, Weinheim, Gaggenau und Durlach; die Bijouteriefabrikation in Pforzheim, als bedeutendste ihrer Art in Deutschland, mit Ausfuhr nach allen Weltteilen; die chemische Gro√üindustrie ist haupts√§chlich in Mannheim und Umgegend m√§chtig entwickeltund produziert S√§uren, Soda, Chinin, Farben, k√ľnstlichen D√ľnger etc.; die Fabrikation von Leder ist in Weinheim, Lahr und Heidelberg; von Papier in Freiburg, Ettlingen, Emmendingen, Schopfheim; von Tapeten vornehmlich in Mannheim, Karlsruhe und Konstanz; von Kartonnagen in Lahr; von Hart- und Weichgummi und Kautschuk in Mannheim; von Steingut und Porzellan im Kinzigtal, sonstigen keramischen Erzeugnissen im Kandertal, Porzellankn√∂pfen in Freiburg ans√§ssig; Spiegelglas und Spiegel werden in Waldhof bei Mannheim hergestellt, Zement in Leimen bei Heidelberg; Schleifereien von Granaten und andern harten Steinen sind in Waldkirch und Zell am Harmersbach, Zichorienfabrikation in Lahr und Durlach, Parf√ľmerie- sowie Waffen- und Munitionsfabrikation in Karlsruhe ans√§ssig. Zahlreiche S√§gem√ľhlen richten den Reichtum des Waldes zu Handelsware her. Die einzige, aber gro√üe Zuckerfabrik ist Wagh√§usel unweit Schwetzingen. Bier wird in vielen Brauereien gebraut (Karlsruhe, Mannheim, Rastatt etc.); die Produktion belief sich 1900 auf 2,974,500 hl. Eigent√ľmlich ist die Industrie des Schwarzwaldes; dort ist eim lebhafte Uhrenfabrikation mit den Mittelpunkten Furt. wangen, Lenzkirch, Triberg, Neustadt und als Hausindustrie die Strohflechterei im Gange; Villingen, auch Waldkirch fertigen Musikwerke und Drehorgeln; Todtnau, das sich zugleich der Textilindustrie des Wiesentals anschlie√üt, und die angrenzende Gegend liefern B√ľrsten und Pinsel, der √ľbrige s√ľdliche Schwarzwald grobe Holzwaren.

Inmitten des volk- und gewerbreichsten Teiles Europas und an Hauptverkehrslinien von S. nach N. und von O. nach W. gelegen, selbst von einer dichten Bev√∂lkerung besetzt, hat B. einen starken Verkehr zu bew√§ltigen. Hierf√ľr dienen einige schiff- und fl√∂√übare Fl√ľsse, ein vorz√ľgliches Netz gut unterhaltener Stra√üen (1900: 10,570 km unter Staatsverwaltung und -Aussicht) und Ende 1900: 2056 km Eisenbahnen, darunter 1807 km normalspurig und 249 km schmalspurig. Die schiffbaren Fl√ľsse sind der Rhein, Main und Neckar. Bis Mannheim reicht die gro√üe Rheinschiffahrt (mit Fahrzeugen von bis 2000 Ton. Tragf√§higkeit); oberhalb Karlsruhe, das durch einen 1901 er√∂ffneten Hafen und Stichkanal mit dem Rhein verbunden ist, h√∂rt sie wegen starken Gef√§lles und beweglicher Sandb√§nke zurzeit fast ganz auf. Doch ist Ende 1901 zwischen den beteiligten Uferstaaten (B., Bayern und Elsa√ü-Lothringen) ein Staatsvertrag behufs Herstellung einer in jeder Jahreszeit leistungsf√§higen Fahrrinne von Mannheim bis Kehl-Stra√üburg vereinbart worden. Die internationale Rheinschiffahrts-Zentralkommission, an der B., Bayern, Hessen, Preu√üen und die Niederlande beteiligt sind, hat ihren Sitz in Mannheim. Auch auf dem Bodensee bewegt sich ein lebhafter Dampfschiffsverkehr. Fl√∂√übar sind au√üer den √ľbrigen Rheinstrecken die Kinzig, Murg, Enz und Nagold. Die Eisenbahnen sind zu einem gro√üen Teil (1900: 1539 km) Staatsbahnen; einige kleine Privatbahnen (52 km) stehen unter Staatsverwaltung. Hauptlinien oder Teile von solchen sind die Main-Neckarbahn (an der B. gleichfalls als Eigent√ľmer teilhat), von Frankfurt nach Heidelberg und Schwetzingen; die Linien Mannheim-Basel, Basel-Konstanz, Heidelberg-W√ľrzburg (Odenwaldbahn), Mannheim-Karlsruhe (Rheintalbahn), Graben-Karlsruhe-Rastatt (mit Fortsetzung nach R√∂schwoog i. Els., die sogen. strategische Bahn), Germersheim-Bruchsal-Bretten und Karlsruhe-M√ľhlacker, letztere beide an die W√ľrttemberger Bahn anschlie√üend; Appenweier-Stra√üburg, Offenburg-Singen (Schwarzwaldbahn), Freiburg-Donaueschingen. Das Anlagekapital der im Betriebe der badischen Staatsbahnverwaltung befindlichen Eisenbahnen betrug zu Ende des Jahres 1900: 530 Mill. Mk. Auf denselben wurden 1900: 35,2 Mill. Personen und 13,6 Mill. Ton. G√ľter bef√∂rdert. Dem Korrespondenzverkehr dienen Ende 1901: 1602 Reichs-Post- und Telegraphenanstalten; in 72 Gemeinden befinden sich Stadtfernsprecheinrichtungen. Haupthandelsplatz Badens und zugleich ganz S√ľddeutschlands ist Mannheim; als Endpunkt der gro√üen Rheinschiffahrt, zugleich am schiffbaren Neckar und an der Kreuzung wichtiger Schienenwege gelegen, mit gro√üartigen Hafen- und Lageranstalten ausgestattet, gewinnt es immer mehr Bedeutung (1901 betrug der Wasserverkehr in Mannheim 5,144,520 Ton., der Warenverkehr auf der Eisenbahn 1900 [Versand und Empfang]: 3,465,000 T.). Weitere Hafenanlagen sind in Rheinau, Leopoldshafen, Karlsruhe, Kehl, Konstanz, Wertheim und Heidelberg. Handelskammern bestehen in Mannheim, Heidelberg, Pforzheim, Karlsruhe, Lahr, Freiburg, Schopfheim, Villingen und Konstanz. An √∂ffentlichen Kredit- und Versicherungsanstalten sind unter andern zu nennen: Badische Bank, Rheinische Kreditbank, Rheinische Hypothekenbank, Oberrheinische Bank und S√ľddeutsche Bank in Mannheim, Karlsruher Versorgungsanstalt (Lebensversicherung), Kreishypothekenbank in L√∂rrach, Schwarzw√§lder Bankverein in Triberg, 97 Vorschu√ü- und Kreditvereine, 293 l√§ndliche Kreditvereine, endlich 149 √∂ffentliche Sparkassen mit 408,157 Einlegern und einem Einlageguthaben von mehr als 397 Mill. Mk. In Mannheim befindet sich eine Reichsbankhauptstelle, in Karlsruhe und Freiburg sind Reichsbankstellen, an acht andern Orten Reichsbanknebenstellen.

Staatsverfassung und Verwaltung.

B., das im deutschen Bundesrat drei Stimmen besitzt und im deutschen Reichstag durch 14 Abgeordnete vertreten ist (s. Karte ¬ĽReichstagswahlen¬ę), ist eine konstitutionelle Monarchie, erblich nach dem Erstgeburtsrecht und der Linearerbfolge im Mannesstamm, im Fall des Erl√∂schens des Mannesstammes auf m√§nnliche Nachkommen badischer Prinzessinnen √ľbergehend. Landesf√ľrst ist gegenw√§rtig Gro√üherzog Friedrich, geb. 9. Sept. 1826 (seit 24. April 1852, zuerst [bis 1856] als Regenl). Derselbe f√ľhrt den Titel: Gro√üherzog von Baden, Herzog von Z√§hringen. Er bekennt sich mit dem gro√üherzoglichen Haus zur evangelischen Konfession. Die badische Verfassung wurde vom Gro√üherzog Karl 22. Aug. 1818 verliehen. Nach derselben steht dem Gro√üherzog die aus√ľbende Gewalt zu, w√§hrend er die gesetzgebende mit den aus zwei Kammern zusammengesetzten Landst√§nden teilt. Die St√§ndeversammlung wird mindestens alle 2 Jahre berufen. Die Erste Kammer besteht aus den Prinzen des gro√üherzoglichen Hauses, den H√§uptern der standesherrlichen Familien, dem Erzbischof von Freiburg und dem evangelischen Pr√§laten, den vom Gro√üherzog f√ľr je eine Landtagsperiode bis zur Zahl von 8 ernannten Mitgliedern, aus 8 (auf je 8 Jahre gew√§hlten) Abgeordneten des grundherrlichen Adels, endlich aus 2 auf 4 Jahre gew√§hlten Abgeordneten der zwei Landesuniversit√§ten. Die Zweite Kammer besteht aus 63 Abgeordneten, 20 von 13 St√§dten und 43 der Landbezirke; dieselben werden in allgemeiner, aber indirekter Wahl auf 4 Jahre gew√§hlt, und zwar alle 2 Jahre zur H√§lfte. Der Gro√üherzog ernennt das Pr√§sidium der Ersten Kammer, w√§hrend die Zweite Kammer das ihrige selbst w√§hlt. Der Gro√üherzog beruft und schlie√üt die St√§ndeversammlung und kann dieselbe vertagen und aufl√∂sen; im Fall der Aufl√∂sung hat binnen 3 Monaten eine Neuwahl stattzufinden, und auch die Wahlen und Ernennungen zur Ersten Kammer sind zu erneuern. Die St√§nde bewilligen die Steuern und Anleihen; ihre Zustimmung ist erforderlich zu Erla√ü, Ab√§nderung und authentischer Erl√§uterung der Gesetze. Das Budget ist zweij√§hrig. Dasselbe sowie alle Finanzgesetze gehen zun√§chst an die Zweite Kammer. Die Erste Kammer votiert dieselben nur im ganzen; im Fall ihre Mehrheit dagegen stimmt, entscheidet das Stimmenverh√§ltnis beider Kammern zusammen. Zu Ver√§nderungen und Erg√§nzungen der Verfassung ist eine Stimmenmehrheit von zwei Dritteln bei Anwesenheit von drei Vierteln der Mitglieder in jeder Kammer erforderlich. Im √ľbrigen wird die Erste Kammer durch Anwesenheit von 10, die Zweite von 35 Mitgliedern beschlu√üf√§hig. Die Kammern haben das Recht des Gesetzesvorschlags, der Vorstellung und Beschwerde sowie der Ministeranklage. Die Abgeordneten erhalten, mit Ausnahme der Prinzen und Standesherren, Tagegelder in H√∂he von 12 Mk. und Ersatz der Reisekosten. F√ľr die Zeit, in der die Kammern nicht versammelt sind, besteht ein st√§ndischer Ausschu√ü, aus dem Pr√§sidenten der Ersten Kammer sowie 3 von der Ersten und 6 von der Zweiten Kammer gew√§hlten Mitgliedern zusammengesetzt.

An der Spitze der Staatsverwaltung steht das Staatsministerium, bestehend aus den Vorst√§nden der Einzelministerien, wovon einer den Titel Staatsminister f√ľhrt. Der Gro√üherzog pr√§sidiert in allen wichtigern Angelegenheiten pers√∂nlich. Ministerien bestehen zur Zeit vier: das Ministerium des gro√üherzoglichen Hauses und der ausw√§rtigen Angelegenheiten, das Ministerium des Innern, Ministerium der Finanzen, Ministerium der Justiz, des Kultus und Unterrichts. Au√üerdem ist ein f√ľnftes stimm f√ľhrendes Mitglied des Staatsministeriums ohne Portefeuille vorhanden. Die unabh√§ngig gestellte Oberrechnungskammer √ľberwacht das gesamte Rechnungswesen. Das Ministerium des gro√üherzoglichen Hauses und der ausw√§rtigen Angelegenheiten besorgt auch die Reichsangelegenheiten, ein schlie√ülich der Beziehungen zur Reichspostverwaltung, und ist mit der obersten Leitung des Eisenbahnwesens betraut. Die n√§here Verwaltung der Staatsbahnen (s. oben) liegt der Generaldirektion der badischen Staatsbahnen ob. Oberpostdirektionen bestehen zu Karlsruhe und Konstanz. Unter dem Ministerium des Innern steht die innere Verwaltung. Das Gro√üherzogtum ist f√ľr dieselbe in 53 Amtsbezirke eingeteilt, f√ľr deren jeden ein Bezirksamt besteht. Vier Landeskommissare (s. S. 244), die zugleich Ministerialr√§te sind, vermitteln die einheitliche F√ľhrung der Bezirksverwaltung. In den 53 Amtsbezirken steht dem Bezirksamte der Bezirksrat zur Seite, der in Verwaltungsangelegenheiten mitwirkt und in erster Instanz Verwaltungsrechtsstreite entscheidet. In zweiter Instanz und endg√ľltig werden die letztern vom Verwaltungsgerichtshof entschieden. Die Amtsbezirke sind in 11 Kreisen zusammengesetzt, die lediglich f√ľr die Selbstverwaltung gebildete K√∂rperschaften sind und in der Kreisversammlung und dem Kreisausschu√ü ihre Organe haben. Die praktischen Aufgaben der Kreisverwaltung sind vornehmlich das Stra√üen-, Kranken- und Armenwesen. Zur Handhabung der √∂ffentlichen Ordnung und Sicherheit besteht ein Gendarmeriekorps, dessen Organisation milit√§risch ist, und in 8 St√§dten eine Staatspolizei. Zum Gesch√§ftskreis des Ministeriums des Innern geh√∂ren auch das Wasser- und Stra√üenbauwesen, das Landeskulturwesen, die Katastervermessung, die Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, das Gesundheitswesen, die Elementar- sowie die Kranken-, Unfall-, Invalidit√§ts- und Altersversicherung und die Statistik. Unter ihm stehen die Oberdirektion des Wasser- und Stra√üenbaues mit 4 Rheinbau-, 18 Wasser- und Stra√üenbau- und 9 Kulturinspektionen, die Landesstatistik, das Generallandesarchiv, die Generalbrandkasse, das Landesversicherungsamt und die Badeanstaltenverwaltung. Dem Ministerium der Justiz, des Kultus und Unterrichts liegt die Aussicht √ľber die Rechtspflege, das Kirchen- und Schulwesen ob. F√ľr die Rechtspflege bestehen das Oberlandesgericht in Karlsruhe, 8 Landgerichte (Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim, Mosbach, Offenburg und Waldshut, wovon Karlsruhe und Mannheim mit Kammern f√ľr Handelssachen), 60 Amtsgerichte (s. die Textbeilage bei Art. ¬ĽGericht¬ę) und f√ľr die Gesch√§fte der freiwilligen Gerichtsbarkeit und des Grundbuchwesens 157 Notariate. Verwaltung und Justiz sind seit 1857 getrennt. Die beiden Landesuniversit√§ten und die technische Hochschule stehen unmittelbar unter dem Ministerium; f√ľr das Mittel- und Volksschulwesen besteht eine besondere Aufsichtsbeh√∂rde, der Oberschulrat.

Die rechtliche Stellung der kirchlichen Gemeinschaften gegen√ľber dem Staat ist durch das Gesetz vom 9. Okt. 1860 geregelt. Dasselbe beruht auf dem Grundsatz, da√ü die kirchlichen Gemeinschaften in allen religi√∂s-kirchlichen Sachen sich frei und selbst√§ndig verwalten, da√ü dagegen das den kirchlichen Bed√ľrfnissen gewidmete Verm√∂gen unter gemeinsamer Leitung der Kirche und des Staates verwaltet wird. Die Grundlage der Verfassung der evangelischen Kirche bildet die Pfarr- oder Kirchengemeinde, die durch einen gew√§hlten Kirchengemeinderat vertreten wird. Mehrere solcher Gemeinden sind in eine Di√∂zese vereinigt, mit regelm√§√üig j√§hrlich wiederkehrenden, aus s√§mtlichen Geistlichen und einer gleichen Anzahl gew√§hlter Kirchen√§ltesten zusammengesetzten Di√∂zesansynoden unter dem Vorsitz der Dekane. Als Repr√§sentant der Gesamtkirche erscheint die periodisch sich versammelnde Generalsynode, die aus dem obersten Geistlichen der evangelischen Landeskirche (Pr√§lat), 7 vom Gro√üherzog ernannten, 24 gew√§hlten geistlichen und 24 desgleichen weltlichen Abgeordneten besteht und alle 5 Jahre neu gew√§hlt und einberufen wird. Oberste Kirchenbeh√∂rde ist der vom Gro√üherzog ernannte, aus geistlichen und weltlichen Mitgliedern bestehende Oberkirchenrat. Die Zahl der Dekanate ist 25, die der Pfarrgemeinden 362. Die Vereinigung (Union) der lutherischen und reformierten Kirche erfolgte 1821. Die katholische Kirche ist durch die f√ľr die oberrheinische Kirchenprovinz erlassenen p√§pstlichen Bullen von 1821 und 1827 und das landesherrliche Edikt von 1830 organisiert; Landesbischof ist der Erzbischof von Freiburg, zu dessen Di√∂zese auch der preu√üische Regbez. Sigmaringen (Hohenzollern) geh√∂rt, und der zugleich Metropolit der oberrheinischen Kirchenprovinz ist; unter ihm stehen in B. 35 Land- und 3 Stadtkapitel, mit je einem Dekan und 783 Pfarreien. Die Verwaltung des √∂rtlichen Kirchenverm√∂gens und der kirchlichen Distriktsstiftungen wird durch gew√§hlte Stiftungsr√§te gef√ľhrt; die obere Aussicht dar√ľber sowie √ľber die Pfr√ľnden und die Verwaltung der allgemeinen kirchlichen Landesfonds etc. besorgt der katholische Oberstiftungsrat in Karlsruhe, dessen Mitglieder je zur H√§lfte von der Staatsregierung und vom Erzbischof ernannt werden. Die Israeliten haben einen f√ľr die Verwaltungsangelegenheiten vom Gro√üherzog ernannten, unter dem Vorsitz eines landesherrlichen Kommissars stehenden Oberrat in Karlsruhe und 15 Rabbinatsbezirke, deren geistliche und weltliche (gew√§hlte) Vertreter ebenfalls in einer Synode √ľber die Angelegenheiten ihrer Glaubensgemeinschaft mitzubestimmen haben. Zur Ausbesserung der Geh√§lter der Geistlichen etc. sowie f√ľr Bau- und Unterhaltungszwecke kirchlicher Geb√§ude bestehen sowohl bei der evangelischen und katholischen Kirche als bei der israelitischen Religionsgemeinschaft (auf Grund besonderer gesetzlicher Vorschriften seit 1888, bez. 1892) √∂rtliche und allgemeine (Landes-) Kirchensteuern. Das Finanzministerium verwaltet neben der Leitung des Finanzwesens die Dom√§nen und Forsten und das Hochbauwesen. Untergeordnet sind hierf√ľr die Steuerdirektion mit 35 Finanz√§mtern, die Zolldirektion (f√ľr Z√∂lle und Reichssteuern) mit 11 Hauptsteuer√§mtern und einem Hauptzollamt, die Dom√§nendirektion (f√ľr Dom√§nen, Forsten und Salinen etc.) mit 25 Dom√§nen√§mtern und 102 Forst√§mtern (98 landesherrliche und 4 st√§dtische) sowie 2 Salinen√§mtern und die Baudirektion mit 14 Bauinspektionen.

Die Finanzen des Staates befinden sich in guter Ordnung. F√ľr 1902 betragen nach dem seitens der Kammern genehmigten Staatshaushaltsetat die Einnahmen 83,578,147 Mk., die ordentlichen Ausgaben 83,800,489 Mk., die Mehrausgabe findet ihre Deckung aus √úbersch√ľssen der letztvorhergehenden Jahre. Die bedeutendsten Posten von beiden sind:

Tabelle

Die au√üerordentlichen Einnahmen und Ausgaben f√ľr die Etatsperiode 1902/3 betragen 4,404,579 Mk. (gro√üenteils Ersatz der Grundstocksverwaltung), bez. 18,745,575 Mk., die Mehrausgabe wird ebenfalls aus den Betriebs√ľbersch√ľssen der fr√ľhern Jahre und n√∂tigenfalls durch Ausgabe von Schatzanweisungen bis zum Betrage von 5 Mill. Mk. gedeckt. Die au√üerordentlichen Ausgaben betrafen: Neubauten, Erweiterungen, Besserungsbauten etc. an staatlichen Geb√§uden, au√üerordentliche Zusch√ľsse f√ľr wissenschaftliche, Besserungs-, Erziehungs- und Schulzwecke, f√ľr gemeinn√ľtzige Anstalten, f√ľr Stra√üen, Wege, Wasserversorgungen, Landwirtschaft und Gewerbe etc. Die Staatseisenbahnen werden gesondert verrechnet. Die Einnahmen sind f√ľr 1902 auf 73,838,800 Mk., die Ausgaben auf 60,931,940 Mk. (bei beiden einschlie√ülich der Bodenseedampfschiffahrt) veranschlagt; der Reinertrag von 12,906,860 Mk., wozu noch der auf B. entfallende Anteil an dem Ertrag der von Preu√üen, Hessen und B. gemeinschaftlich erbauten und betriebenen Main-Neckarbahn mit 774,150 Mk. sowie eine Dotation der Eisenbahnschuldentilgungskasse aus allgemeinen Budgetmitteln von 2 Mill. Mk. kommt, zusammen also 15,681,010 Mk., dient zur Verzinsung der Eisenbahnschuld. Im au√üerordentlichen Etat der Staatseisenbahnverwaltung sind f√ľr 1902/3 an Eisenbahnbau-Aufwendungen 55,667,925 M. (netto) vorgesehen, die durch Aufnahme von Anleihen gedeckt werden sollen. Ende 1900 stehen den sonstigen Verbindlichkeiten des Staates im Betrage von 46,685,686 Mk., worunter 20,5 Mill. Mk. unverzinsliche Schuld der Staatskasse an den Dom√§nengrundstock, Aktiva im Betrag von 56,118,961 Mk. gegen√ľber, so da√ü in Wirklichkeit eine Staatsschuld nicht besteht. Die reine Eisenbahnschuld belief sich zu Anfang 1902 auf 385,357,450 Mk.

[Heerwesen, Wappen, Orden.] Das badische Milit√§r bildet nach der mit Preu√üen abgeschlossenen Konvention seit 1871 einen Teil des preu√üischen Heeres, und zwar den gr√∂√üten Teil des 14. Armeekorps. B. stellt 9 Infanterieregimenter (Nr. 109‚Äď114, Nr. 142, 169 und 170), 3 Dragonerregimenter (Nr. 20 bis 22), 5 Feldartillerieregimenter (Nr. 14, 30, 50, 66 und 76), 1 Fu√üartillerieregiment, 1 Pionier- und 1 Trainbataillon (alle drei Nr. 14), Landwehrbezirke bestehen 14. Ein kleiner Teil der Truppen steht im Elsa√ü, w√§hrend preu√üische Truppen in B. garnisonieren. In Karlsruhe befindet sich ein Kadettenhaus, in Ettlingen eine Unteroffizierschule. Seit der Entfestigung von Restatt besitzt B. nur die zum Festungsbezirk Stra√üburg geh√∂renden Forts bei Kehl.

Die badischen Landesfarben sind Gelb, Rot, Gelb. Das Wappen (s. Tafel ¬ĽWappen I¬ę, Fig. 4) zeigt im goldenen Feld einen roten Schr√§grechtsbalken; der Schild wird von zwei r√ľckw√§rts sehenden, gekr√∂nten silbernen Greifen gehalten. B. hat vier Ritterorden: den Hausorden der Treue, 1715 gestiftet, mit einer Klasse; den milit√§rischen Karl Friedrich-Verdienstorden, 1807 gestiftet, mit drei Klassen (mit Pension verbunden), den Orden vom Z√§hringer L√∂wen, 1812 gestiftet, mit f√ľnf Klassen und einem Verdienstkreuz, und den Orden Bertolds I., 1896 gestiftet, mit vier Klassen (s. die besondern Artikel und Tafel ¬ĽOrden I¬ę, Fig. 7, 15 u. 16). Au√üerdem gibt es noch je eine gro√üe und kleine goldene und silberne allgemeine Verdienstmedaille (s. Tafel ¬ĽVerdienstmedaillen I¬ę, Fig. 1). Haupt- und Residenzstadt ist Karlsruhe.

[Geographisch-statistische Literatur.] ¬ĽDas Gro√üherzogtum B. in geographischer, naturwissenschaftlicher, geschichtlicher, wirtschaftlicher und staatlicher Hinsicht dargestellt¬ę (Karlsr. 1885); Krieger, Topographisches W√∂rterbuch des Gro√üherzogtums B. (Heidelb. 1893‚Äď98); die Verwaltungsberichte des Ministeriums des Innern (zuletzt f√ľr 1889/95); ¬ĽBeitr√§ge zur Statistik der innern Verwaltung¬ę (seit 1855), ¬ĽStatistisches Jahrbuch¬ę (seit 1868 j√§hrlich) und ¬ĽStatistische Mitteilungen f√ľr das Gro√üherzogtum B.¬ę (seit 1869), letztere drei Werke herausgegeben vom badischen statistischen Landesamt; ¬ĽHof- und Staatshandbuch¬ę, bearbeitet im Ministerium des gro√üherzoglichen Hauses und im statistischen Landesamt; Fraas, Geognostische Beschreibung von B., W√ľrttemberg und Hohenzollern (Stuttg. 1882); Platz, Geologische Skizze des Gro√üherzogtums B. (Karlsr. 1886); ¬ĽDie Kunstdenkm√§ler des Gro√üherzogtums B.¬ę (hrsg. von Kraus u. a., Freiburg 1887 ff.); v. Philippovich, Der badische Staatshaushalt (das. 1889); Gothein, Wirtschaftsgeschichte des Schwarzwaldes (Stra√üb. 1891); Wielandt, Das Staatsrecht des Gro√üherzogtums B. (Freib. 1895); L. Neumann, Die Volksdichte im Gro√üherzogtum B. (Stuttg. 1892); ¬ĽErhebungen √ľber die Lage der Landwirtschaft¬ę, bearbeitet im Ministerium des Innern (das. 1884, 4 Bde.); Buchenberger, Finanzpolitik und Staatshaushalt im Gro√üherzogtum B. 1850‚Äď1900 (Heidelb. 1902). Bibliographie: ¬ĽBadische Bibliothek¬ę (Karlsr. 1898 ff.). ‚Äď Kartenwerke: ¬ĽTopographischer Atlas von B. im Ma√üstab von 1: 50,000¬ę (1838‚Äď49) und ¬ĽTopographische Karte von B. in 1: 25,000¬ę (in 171 Bl√§ttern, 1875‚Äď36; neue Aufl. seit 1889).

Geschichte.

Baden im Mittelalter.

Die Geschichte Badens beginnt, genau genommen, erst mit der Sch√∂pfung des Gro√üherzogtums durch Napoleon I. Von einem Kronlande kann, zum Unterschied von Bayern und W√ľrttemberg, kaum die Rede sein. Die ehemals vorder√∂sterreichischen und kurpf√§lzischen Gebietsteile hatten, wie auch die √ľbrigen Erwerbungen Karl Friedrichs (s. unten), bis zur franz√∂sischen Revolution ihre eigne, von den Schicksalen der Z√§hringischen Lande unabh√§ngige Geschichte (s. Breisgau, Elsa√ü, Habsburg, Pfalz). Die j√ľngere Linie der Z√§hringer (s. d.) erlosch bereits 1218. Die Haupterbschaft traten auf dem Boden des heutigen B. die Grafen von Freiburg und F√ľrstenberg an. Die √§ltere, von Hermann I. gestiftete z√§hringische Linie erscheint nach der Spaltung in zwei Linien zum erstenmal urkundlich 1050. Anf√§nglich haupts√§chlich um Backnang im Murggau beg√ľtert, nannte sie sich erst 1112 nach der Burg B., dem alten Schlo√ü bei Baden-Baden, und behielt von dem im 11. und 12. Jahrh. ausge√ľbten Reichsamt der Markgrafschaft Verona den in der Folge auf ihre badischen Territorien √ľbertragenen Markgrafentitel. Schon zu Beginn des 13. Jahrh. zweigte sich eine durch den j√ľngsten Sohn Hermanns V., Heinrich I., gestiftete Seitenlinie ab. Sie nannte sich seit 1239 nach der Burg Hochberg bei Emmendingen, war zun√§chst am Kaiserstuhl beg√ľtert, erwarb dazu die in S√ľdbaden gelegenen Herrschaften R√∂teln und Sausenberg und spaltete sich 1306 abermals in die Linien der Markgrafen von Hochberg und R√∂teln. Die Hochberger Linie erlosch 1418 im Mannesstamm, nachdem der letzte Markgraf bereits 1415 sein Territorium an Markgraf Bernhard I. von B. verkauft hatte. Die R√∂teler erwarben aus der Erbschaft der Grafen von Freiburg Neuch√Ętel und Valangin, verwelschten rasch in dem Grenzlande zwischen den Eidgenossen und Frankreich-Burgund, starben aber schon 1503 im Mannesstamm aus, so da√ü Markgraf Christoph wieder alle badischen Lande der Z√§hringer vereinigte, w√§hrend er Neuch√Ętel dem Hause Longueville √ľberlassen mu√üte. Auch die Hauptlinie hatte erst im 13. Jahrh. zwischen Gebirge und Rhein festen Fu√ü gefa√üt, zun√§chst Pforzheim um 1217 als welfisches Heiratsgut, dann 1219 Ettlingen als Reichslehen, Durlach als Eigengut erhalten, das Cistercienserinnenkloster Lichtenthal gestiftet und 1283 die Altebersteinburg erworben. Obwohl sie im 14. Jahrh. vor√ľbergehend M√∂mpelgard und H√©ricourt erwarb, lief sie wie die Hochberger Linie Gefahr, durch die unsinnige Zersplitterung infolge der vielen Landesteilungen in Schulden zu verkommen. Die Geschichte des z√§hringisch-badischen Territorialstaates setzt daher eist ein mit der Wiedervereinigung der inzwischen abgerundeten Gebiete zwischen Schwarzach und Pfinz (1361). Als der eigentliche Staatsgr√ľnder aber ist anzusehen Markgraf Bernhard I. (s. d.), gest. 1431. Unter seiner langen Regierung hat sich die 1405 um Hochberg (s. oben) vermehrte Markgrafschaft in schweren K√§mpfen gegen ihre Nachbarn behauptet, so zwar, da√ü der Gegensatz zu Kurpfalz und Vorder√∂sterreich doch die ganze Folgezeit bestimmt hat. Durch die Erwerbung eines St√ľckes der zum andern Teile kurpf√§lzischen Grafschaft Sponheim an der Nahe und eines Anteils an den Herrschaften Lahr und Mahlberg unter Jakob I. (1431‚Äď53) nur versch√§rft, f√ľhrte er bereits in der Niederlage Markgraf Karls etc. bei Seckenheim (1462) zu einer Katastrophe. Doch trat die unter Christoph I. (1473‚Äď1527) noch einmal (1438) vereinigte Markgrafschaft verh√§ltnism√§√üig stark in das 16. Jahrh. ein. Markgraf Christoph baute auf dem unter Bernhard I. gelegten Grunde, namentlich auf dem Gebiete der Verwaltung, zwar weiter, verschuldete aber auch durch die Pragmatische Sanktion von 1515 die lange, verh√§ngnisvolle Teilung der Markgrafschaft und ihre heute noch erkennbare konfessionelle Scheidung. Als er 1527 geisteskrank starb, wurden seine Lande unter seine drei S√∂hne, Bernhard III., Philippi. und Ernst, und nach dem baldigen Tode Philipps (1533) in die obere Grafschaft mit der Hauptstadt B. und die untere Grafschaft mit der Hauptstadt Pforzheim, dann Durlach geteilt; jene erhielt Bernhard III., diese Ernst. Seitdem war das F√ľrstenhaus bis 1771 in die Linien B.-Baden und B.-Durlach geteilt.

Die Zeit der Trennung der badischen Linien.

War die Rolle der kleinern Territorien im allgemeinen mit dem Beginn der neuern Zeit ausgespielt, so sank doch B. im 16. und 17. Jahrh. nach den vielverhei√üenden Anf√§ngen unter Bernhard I. und Christoph I. fast zu v√∂lliger Bedeutungslosigkeit herab. Namentlich die Markgrafschaft B.-Baden hatte unter der Trennung zu leiden. Der einzige hervorragende F√ľrst der von Bernhard III. abstammenden, 1771 ausgestorbenen Linie, Markgraf Ludwig Wilhelm (s. d.), machte sich nur als General Kaiser Leopolds I. und als Reichsfeldherr gegen Ludwig XIV. einen Namen. Die verwandtschaftlichen Beziehungen zu den katholischen bayrischen Wittelsbachern, h√§ufige Minderj√§hrigkeiten, eine zweimalige bayrische Vormundschaft, die Unt√ľchtigkeit der m√ľndig gewordenen Landesherren und die Begehrlichkeit der evangelischen Durlacher Linie hatten einen fortw√§hrenden, f√ľr den Volkscharakter √§u√üerst verderblichen Wechsel der Konfession zur Folge. Wie die Wittelsbacher (s. Bayern, Geschichte) suchten die Z√§hringer w√§hrend des Drei√üigj√§hrigen Krieges auf Kosten der andern Linie ihres Hauses zu wachsen. Die Frage, ob Durlach B.-Baden annektiere oder umgekehrt, wurde erst im Westf√§lischen Frieden durch die Herstellung des alten Besitzstandes entschieden. Eine neue Leidenszeit f√ľr beide Markgrafschaften begann dann mit den Mordbrennerkriegen Ludwigs XIV., obwohl Ludwig Wilhelm fr√ľher als andre erkannt hatte, da√ü die oberrheinischen Lande seit dem Falle von Stra√üburg (1681) von Frankreich unausgesetzt bedroht waren. Erst der Tod des letzten B.-Badeners, August Georg (21. Okt. 1771), erm√∂glichte eine Wiederankn√ľpfung der territorialen Entwickelung, wo sie im Anfang des 16. Jahrh. stehen geblieben war.

Denn auch B.-Durlach hatte die Trennung zu b√ľ√üen gehabt. Der neuen Lehre fr√ľhzeitig (endg√ľltig 1555) zugewandt, war es doch zu schwach, um mit den Schmalkaldenern gemeinsame Sache zu machen. Zur Ohnmacht gesellte sich wie in B.-Baden der Mangel an Pers√∂nlichkeiten. Georg Friedrich (s. d.), der Hervorragendste dieser Linie, trat die Regierung an seinen Sohn ab, ehe er als Parteig√§nger f√ľr den Winterk√∂nig beim Beginn des Drei√üigj√§hrigen Krieges ins Feld zog. Im √ľbrigen litt die Markgrafschaft weniger durch die verh√§ltnism√§√üig kurze, 1648 r√ľckg√§ngig gemachte Gegenreformation, als durch Kriegsbedr√§ngnisse: die √∂fter landfl√ľchtigen F√ľrsten waren in Basel fast ebenso heimisch wie auf Schlo√ü Karlsburg in Durlach, an dessen Stelle Karl Wilhelm das seit 1715 erbaute, zum Mittelpunkt einer neuen Residenzstadt Karlsruhe (s. d.) gemachte Jagdschlo√ü in der reizlosesten Gegend seines sch√∂nen Landes zum dauernden Wohnsitz nahm. Auch die treffliche Regierung Karl Friedrichs (1738‚Äď46 unter Vormundschaft) h√§tte B.-Durlach im Napoleonischen Zeitalter schwerlich vor dem Schicksal der Mediatisierung bewahrt, w√§re nicht 1771 die Wiedervereinigung der z√§hringischen Lande vorausgegangen. Nur die Ortenau und das b√∂hmische Heiratsgut Ludwig Wilhelms fielen als erledigte Lehen an √Ėsterreich zur√ľck.

Entstehung des Großherzogtums Baden.

Durch die Wiedervereinigung der Wittelsbachischen Lande unter Karl Theodor (1772, s. Bayern, Geschichte) war die Kurpfalz ein Anhang Bayerns geworden. Der Breisgau als Teil Vorderösterreichs war schon längst ein nur schwach verteidigter Außenposten der habsburgischen Ländermasse gewesen. B. aber eignete sich erst seit 1771 wieder zum Kristallisationspunkte territorialer Neubildungen, obwohl die 3500 qkm der wiedervereinigten Markgrafschaft mit ungefähr 190,000 Einwohnern kein in sich abgeschlossenes Staatsgebilde darstellten.

Im ersten Koalitionskrieg stellte B. sein Kontingent zum Reichsheer, aber nach Moreaus √úbergang √ľber den Rhein bei Kehl (21. Juni 1796) wurde B. Schauplatz des Krieges, Karlsruhe von den Franzosen besetzt, und Karl Friedrich (s. d.) mu√üte zu Stuttgart einen Waffenstillstand (25. Juli 1796) und 25. Aug. zu Paris einen Frieden schlie√üen, wonach B. seine linksrheinischen Besitzungen und die Festung Kehl abtrat, 2 Mill. Frank Kontribution zahlte und ungeheure Lieferungen leistete. Beim Reichsdeputationshauptschlu√ü vom 25. Febr. 1803 gewann B. aus R√ľcksicht auf den dem F√ľrstenhaus nahe verwandten russischen Kaiser Alexander mit der kurf√ľrstlichen W√ľrde ein abgerundetes Gebiet, n√§mlich: alle diesseit des Bodensees und des Rheins gelegenen Besitzungen des Bistums Konstanz und Teile der Bist√ľmer Basel, Stra√üburg und Speyer, die pf√§lzischen √Ąmter Bretten, Heidelberg, Ladenburg und Mannheim, das Stift Odenheim, die Abteien Frauenalb, Schwarzach, Allerheiligen, Lichtenthal, Gengenbach, Ettenheim, Petershausen und Salmansweiler, die Herrschaft Lahr und die Reichsst√§dte Offenburg, Gengenbach, Zell, √úberlingen und Pfullendorf, insgesamt sehr fruchtbare Gebiete von 3500 qkm mit 240,000 Einw. Auch Kehl wurde wieder badisch, der Talweg des Rheins die Grenze zwischen B. und Frankreich. Das neue Kurf√ľrstentum B. wurde in drei Provinzen geteilt: die badische Markgrafschaft, die badische Pfalzgrafschaft und das obere F√ľrstentum, und z√§hlte 7200 qkm mit 495,000 Einw. Als Verb√ľndeter Napoleons erwarb der Kurf√ľrst im Frieden von Pre√üburg (1805) den Breisgau mit Freiburg, die Baar mit Villingen, die Ortenau, das Stift St. Blasien, die Grafschaft Bonndorf und die Stadt Konstanz (2530 qkm mit 160,000 Einw.) und erkl√§rte sich 5. Mai 1806 zum unumschr√§nkten Souver√§n. F√ľr seinen Beitritt zum Rheinbund erhielt er den gro√üherzoglichen Titel und die Souver√§nit√§t √ľber s√§mtliche in seinem Lande gelegene reichsunmittelbare Reichsst√§nde und Reichsritter (F√ľrstenberg, Leiningen, L√∂wenstein-Wertheim u. a.), insgesamt 5500 qkm mit 380,000 Einw. Das Gro√üherzogtum B. wurde in zehn Kreise eingeteilt. F√ľr Napoleons Kriege stellte B. 8000 Mann: dieses Kontingent k√§mpfte 1806‚Äď1807 gegen Preu√üen; 1808 ging eine Br gade nach Spanien, der Rest focht 1809 gegen √Ėsterreich. Im Wiener Frieden 1809 erhielt B. von W√ľrttemberg einen Landstrich von 750 qkm mit 45,000 Einw. abgetreten, mu√üte aber 230 qkm mit 15,000 Einw. an das Gro√üherzogtum Hessen abgeben.

Karl Friedrich starb 10. Juni 1811 und hinterlie√ü einen wohlorganisierten Staat von 15,000 qkm mit fast 1 Mill. Einw. Es folgte ihm sein Enkel Karl Ludwig Friedrich (1811‚Äď18), der Sohn des 1801 verstorbenen Erbprinzen Karl Ludwig, der, durch seine Verm√§hlung mit Napoleons Adoptivtochter Stephanie Beauharnais dem franz√∂sischen Kaiserreich eng verbunden, seine Truppen 1812 nach Ru√üland schickte und 1813 sein Kontingent f√ľr den Krieg in Norddeutschland neu organisierte. Erst nach der Schlacht bei Leipzig und der Aufl√∂sung des Rheinbundes schlo√ü er sich den Verb√ľndeten an und erhielt den Besitzstand und die Souver√§nit√§t des Gro√üherzogtums zugesichert; 1815 trat er dem Deutschen Bunde bei. Indes wurde die Integrit√§t des badischen Staatsgebiets von Bayern angefochten, dem von √Ėsterreich der Zusammenhang seiner Lande und deshalb beim Aussterben der direkten Nachkommenschaft des regierenden Gro√üherzogs Karl der badische Teil der ehemaligen Kurpfalz versprochen wo den war. Nun starben die beiden Prinzen, welche die Gro√üherzogin Stephanie nach l√§ngerer kinderloser Ehe gebar, kurz nach ihrer Geburt unter Umst√§nden, die zu Ger√ľchten und sp√§ter zu der grundlosen Behauptung Anla√ü gaben, der Findling Kaspar Hauser (s. d.) sei einer dieser Prinzen. Da auch die j√ľngern S√∂hne Karl Friedrichs aus seiner ersten Ehe mit einer hessischen Prinzessin keine nachfolgef√§higen Erben hatten, so beruhte die badische Erbfolge auf den S√∂hnen Karl Friedrichs aus seiner zweiten Ehe mit der Freiin Luise Geyer von Geyersberg, den Grafen von Hochberg (s. d.), die am 4. Okt. 1817 zu Markgrafen von B. ernannt und als sukzessionsf√§hige Prinzen anerkannt wurden. Mit feierlichem Einspruch erkl√§rte Bayern die Grafen von Hochberg f√ľr nicht sukzessionsf√§hig und bem√ľhte sich, seine Anspr√ľche bei den M√§chten zur Geltung zu bringen. Indes auf dem Aachener Kongre√ü gewann Minister v. Berstett den Kaiser von Ru√üland, dessen Gemahlin eine badische Prinzessin war, f√ľr die badische Sache, und da weder √Ėsterreich noch Preu√üen Bayern eine neue Gebietsvergr√∂√üerung g√∂nnten, mu√üte sich dieses mit dem pf√§lzischen Amt Steinfels und 2 Mill. Gulden begn√ľgen, wogegen √Ėsterreich das Amt Geroldseck an B. abtrat. Durch Vertrag vom 10. Juli 1819 verb√ľrgten Russland, √Ėsterreich, England und Preu√üen den ganzen Besitz stand Badens und erkannten die Grafen von Hochberg als sukzessionsberechtigt an.

Die badischen Verfassungsk√§mpfe 1818‚Äď48.

W√§hrend sich die badische Regierung noch auf dem Wiener Kongre√ü gegen repr√§sentative Landesverfassungen erkl√§rt hatte, beschlo√ü sie zur Festigung der Beziehungen zwischen Herrscher und Volk dem Land eine Verfassung zu geben. Sie wurde 22. Aug. 1818 vom Gro√üherzog verliehen; einen Teil bildet das Hausgesetz von 1817 und der Grundsatz von der Unteilbarkeit und Unver√§u√üerlichkeit des Gro√üherzogtums; ohne Genehmigung der zwei Kammern darf kein Gesetz erlassen, keine Ver√§u√üerung von Dom√§nen vorgenommen, keine Anleihe kontrahiert, keine Steuer ausgeschrieben werden. ‚Äď Dem Gro√üherzog Karl folgte sein Oheim Gro√üherzog Ludwig (1818‚Äď30), der als alter Soldat den zahlreichen Antr√§gen auf liberale Reformen, welche die Zweite Kammer des am 22. April 1819 zusammengetretenen Landtags beschlo√ü, durchaus nicht Folge geben wollte. Die Abgeordneten wurden, soweit sie abh√§ngig waren, gema√üregelt, die Presse beschr√§nkt; das Recht der St√§nde, im Staatshaushaltsentwurf Abstriche vorzunehmen, und ihr Steuerbewilligungsrecht wurde von der Regierung bestritten. Die liberale Mehrheit der Zweiten Kammer verteidigte unter F√ľhrung Rottecks (s. d.) und Itzsteins ihre Rechte; aber 1824 ward der Landtag aufgel√∂st. Der neue Landtag (mit nur drei Liberalen) nahm 1825 ein Gesetz an, wonach die Zweite Kammer nur alle 6 Jahre neu gew√§hlt und der Landtag alle 3 Jahre versammelt werden solle, und bewilligte alles, was die Regierung w√ľnschte.

Auf Ludwig folgte 30. M√§rz 1830 sein Stiefbruder, Gro√üherzog Leopold (1830‚Äď52) aus der Hochberger Linie, der sich streng an die Verfassung hielt, die Anh√§nger des Absolutismus aus seiner Umgebung entfernte und die Neuwahlen 1830 unbeeinflu√üt lie√ü. Jetzt gab es eine liberale Mehrheit, das bisherige Ministerium wurde durch ein gem√§√üigt-liberales ersetzt, dessen bedeutendstes Mitglied L. G. Winter (s. d.) war. Die Regierung gab schon in der Landtagstagung von 1831 den Liberalen in wichtigen Punkten nach: das Gesetz vun 1825 √ľber die Dauer des Landtags wurde aufgehoben, eine Gemeindeordnung, eine Zivilproze√üordnung, die Abl√∂sung der Zehnten und ein neues Pre√ügesetz, das aber schon 1832 auf Beschlu√ü des Bundestags zur√ľckgenommen werden mu√üte, zugestanden. Die Erregung des Volkes, durch die Schlie√üung der Universit√§t Freiburg 1832 noch vermehrt, legte sich bald, da die Regierung dem gem√§√üigten Fortschritte treu blieb und durch Anschlu√ü an den Zollverein, durch ein Forst- und Zehntabl√∂sungsgesetz, durch Befreiung der Schule von der Kirche u. a. das materielle und geistige Wohl des Landes f√∂rderte. Erst als nach Winters Tod (1838) der reaktion√§re Blittersdorff (s. d.) der leitende Minister wurde, sch√§rfte sich die Opposition der Zweiten Kammer besonders wegen der Beeinflussung bei den Landtagswahlen. Auch Blittersdorffs Nachfolger B√∂ckh (1843) und Nebenius (1845) behielten sein System bei, aber aus den Wahlen 1846 gingen die Liberalen noch mehr gest√§rkt hervor. Jetzt wurde Bekk (s. d.) an die Spitze des Ministeriums berufen, dessen Haltung die Opposition zerspaltete. Die Radikalen unter Hecker (s. d.) und Struve stellten auf einer Volksversammlung in Offenburg (12. Sept. 1847) ihr Programm auf, das die weitgehendsten Forderungen (Vereidigung des Milit√§rs auf die Verfassung, Verwandlung des Heeres in eine Miliz, progressive Einkommensteuer, Ausgleich des Mi√üverh√§ltnisses zwischen Kapital und Arben) erhob. Die Liberalen tagten 10. Okt. zu Heppenheim und legten das Hauptgewicht auf eine gesamtdeutsche Volksvertretung. Einen dahin gehenden Antrag stellte Bassermann (s. d.) 5. Febr. 1848 in der Kammer und begr√ľndete ihn 12. Febr. in einer Rede, die in ganz Deutschland die nationalen Hoffnungen belebte.

Die badische Revolution.

W√§hrend der franz√∂sischen Februarrevolution wurden in B. von den radikalen Agitatoren Hecker, Struve und Fickler allerorts Volksversammlungen abgehalten, welche die Offenburger Forderungen wiederholten. Die Zweite Kammer nahm die letztern erweitert und in zw√∂lf W√ľnsche zusammengefa√üt 4. M√§rz fast einstimmig an. Die Regierung erlie√ü eine Amnestie und verhie√ü Reformen: mehrere Minister wurden durch Liberale ersetzt und an Stelle Blittersdorffs Welcker zum Bundestagsgesandten ernannt (7. M√§rz), mit dem Auftrag, beim Bundestag die Berufung einer deutschen Volksvertretung zu beantragen. Als die Regierung zu ihrem Schutz gegen das von Agitatoren fanatisierte Volk Bundestruppen einr√ľcken lie√ü, und Fickler (s. d.) 8. April in Karlsruhe auf Mathys (s. d.) Veranlassung verhaftet wurde, erhob sich im Seekreis der offene Aufstand. Die wenig zahlreichen Freischaren wurden nach dem kurzen Gefecht bei Kandern (20. April) geschlagen, Hecker floh nach der Schweiz, Freiburg, wo sich die Aufst√§ndischen verschanzt hatten, wurde 24. April genommen und 27. April die franz√∂sisch-deutsche Legion Herweghs, die von Stra√üburg aus in B. einfiel, bei Dossenbach zersprengt. Die republikanische Partei, der 12 Abgeordnete in der Nationalversammlung angeh√∂rten, war damit nicht vernichtet; und die Regierung hoffte, zu schw√§chlich, durch die Erf√ľllung der Volksw√ľnsche die Gem√ľter zu beruhigen. Infolge der Beschl√ľsse der Frankfurter Nationalversammlung verk√ľndete sie Anfang 1849 die Grundrechte als Gesetz, und eine Reihe gesetzgeberischer Ma√ünahmen wurden beschlossen, die den Verfassungsstaat vollenden sollten. Die radikale Partei wurde aber hierdurch nicht beschwichtigt, sondern gereizt durch die Ablehnung ihres Antrags, einen konstituierenden Landtag zu berufen, durch die Zweite Kammer (10. Febr. 1849) und ermutigt durch den Ausgang des Prozesses gegen Struve (s. d.), erneuerte sie ihre revolution√§re Agitation unter dem Milit√§r. Eine Soldatenmeuterei in Rastatt 11. Mai gab das Zeichen. Am 12. und 13. Mai verk√ľndeten in Offenburg st√ľrmische Volksversammlungen die Revolution: man beschlo√ü die Verschmelzung des Heeres mit der Volkswehr unter selbstgew√§hlten F√ľhrern und errichtete einen Landesausschu√ü, der die Reichsverfassung mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln durchf√ľhren solle. Ein Soldatenaufstand in Karlsruhe am Abend des 13. Mai trieb den Gro√üherzog mit seiner Familie zur Flucht nach dem Elsa√ü, und ihm folgten 14. Mai die Minister. Der Landesausschu√ü als einzige tats√§chliche Regierung hielt am Nachmittag des 14. Mai unter F√ľhrung Brentanos (s. d.), umgeben von Freischaren und rebellischen Soldaten, seinen Einzug in Karlsruhe. √úberall im Lande kam nun die revolution√§re Bewegung zum Ausbruch: in Bruchsal wurden die Gef√§ngnisse erbrochen und mit den politischen auch andre Verbrecher befreit; die wehrhafte Jugend wurde vom Landesausschu√ü unter die Waffen gerufen und bildete mit den meuterischen Soldaten und den Freischaren die Volkswehr. Aber in der am 1. Juni eingerichteten provisorischen Regierung bek√§mpften sich die Gem√§√üigten unter Brentano und die roten Republikaner unter Struve, und die am 10. Juni er√∂ffnete konstituierende Landesversammlung in Karlsruhe, die aus lauter Radikalen bestand, erwies sich als unf√§hig und machtlos. Auch gelang es den Revolution√§ren nicht, die Nachbarstaaten in die Emp√∂rung hineinzuziehen: Hessen und W√ľrttemberg wiesen jeden Versuch, den Aufruhr hin√ľberzuspielen, zur√ľck. Nur mit der provisorischen Regierung der aufst√§ndischen Pfalz wurde 17. Mai ein B√ľndnis geschlossen und in Gemeinschaft mit dieser ein Gesandter nach Paris geschickt, um franz√∂sische Hilfe zu erbitten. Inzwischen hatten B. und Bayern Preu√üen um Beistand gebeten und unter der Bedingung, da√ü B. dem Dreik√∂nigsb√ľndnis beitrete, zugesagt erhalten. Mitte Juni r√ľckte ein preu√üisches Korps von der Nahe her in die Pfalz ein, ein andres zog von Frankfurt gegen den Neckar, ein Korps Reichstruppen drang an der w√ľrttembergischen Grenze entlang nach S√ľden vor: den Oberbefehl f√ľhrte der nachmalige Kaiser Wilhelm I. Die Aufst√§ndischen befehligte der Pole Mieroslawski, der etwas Plan und Ordnung in die milit√§rischen Operationen brachte; aber die Preu√üen besetzten die Pfalz fast ohne Schwertstreich. Mieroslawski warf sich den aus der Pfalz nach B. √ľbertretenden Preu√üen 20. Juni bei Wagh√§usel mit seinen 12,000 Mann entgegen, wurde aber von vier preu√üischen Bataillonen und einer halben Batterie geschlagen. Nur an wenigen Punkten wagten die Aufst√§ndischen noch Widerstand; Regierung und Landesversammlung fl√ľchteten nach Freiburg, wo sie sich Ende Juni ausl√∂sten. Die Preu√üen r√ľckten 25. Juni in Karlsruhe ein, zernierten Anfang Juli Rastatt und besetzten bis 11. Juli ganz B. bis zur Schweizer Grenze. Rastatt mu√üte sich mit 4500 Mann 23. Juli auf Gnade und Ungnade ergeben. √úber die gefangenen F√ľhrer der Aufst√§ndischen, namentlich die ehemaligen Offiziere, wurde ein strenges Strafgericht verh√§ngt und zahlreiche Todesurteile vollzogen; die politischen Leiter des Aufstandes waren meist nach der Schweiz entkommen. Das Heer wurde nach preu√üischem Muster neu organisiert, auch f√ľr einige Zeit nach preu√üischen Garnisonen verlegt, w√§hrend preu√üische Truppen in B. blieben.

Gro√üherzog Leopold kehrte 18. Aug. 1849 in seine Residenz zur√ľck, ernannte ein neues Ministerium, Kl√ľber-Marschall, und l√∂ste den Landtag auf. Die Neuwahlen ergaben eine gro√üe ministerielle Mehrheit, die 1850 ein: Reihe von Gesetzen zur St√§rkung der Regierung genehmigte. Wie in ganz Deutschland, so gewann auch in B. die Reaktion die Oberhand; sie bewirkte eine Ann√§herung an √Ėsterreich, namentlich nachdem Preu√üen seine Unionspolitik 1850 aufgegeben, seine Truppen aus B. zur√ľckgezogen und Rastatt ger√§umt hatte. B. beschickte wieder den Bundestag und unterst√ľtzte 1851‚Äď52 √Ėsterreichs Verlangen, in den Zollverein aufgenommen zu werden. Dem am 24. April 1852 verstorbenen Gro√üherzog Leopold folgte, da der Erbgro√üherzog Ludwig (gest. 22. Jan. 1858) regierungsunf√§hig war, sein zweiter Sohn, Prinz Friedrich (. d.), erst als Regent, seit 1856 als Gro√üherzog.

Die Regierung des Großherzogs Friedrich.

Die Anf√§nge seiner Regierungszeit waren der Regelung des Verh√§ltnisses zwischen dem Staat und der katholischen Kirche gewidmet, die unter dem Freiburger Erzbischof in der Frage der Vorbildung der Geistlichkeit und sonst jeden Einflu√ü der Regierung abwies. Im Mai 1854 endlich lie√ü die Regierung die widersetzlichen Geistlichen und den Erzbischof selbst verhaften, kn√ľpfte aber Verhandlungen mit der r√∂mischen Kurie an, und nachdem 1856 der klerikale Minister Meysenbug das Ausw√§rtige und Stengel das Innere √ľbernommen hatten, kam es 28. Juni 1859 zu einem Konkordat mit dem Papst, das der Kirche das Besetzungsrecht in 209 Pfarreien, die Entscheidung in Ehesachen, volle Disziplinargewalt √ľber die Geistlichen, die Aussicht √ľber den Religionsunterricht und die theologische Fakult√§t in Freiburg, das Recht, Orden einzuf√ľhren, u. a. gew√§hrte. Die Ver√∂ffentlichung des Konkordats (3. Dez.) rief gro√üe Aufregung hervor. Da es eine Verfassungs√§nderung enthielt, so mu√üte es der Landtag genehmigen, falls es Rechtsverbindlichkeit erhalten sollte. Aber der Landtag bat um eine gesetzliche Regelung der kirchlichen Angelegenheiten. Der Gro√üherzog entlie√ü Meysenbug und Stengel, berief anderen Stelle Stabel und Lamey, und das neue Ministerium legte 22. Mai dem Landtag sechs Gesetzentw√ľrfe zur Regelung der kirchlichen Verh√§ltnisse vor, die sofort genehmigt wurden. Wenn auch die erzbisch√∂fliche Kurie aufs sch√§rfste protestierte, so lie√ü sie sich duch in den praktischen Fragen der Pfr√ľndenbesetzung und der Verwaltung des Kirchenverm√∂gens auf einen Modus vivendi ein; auch als 1864 ein neues Schulgesetz erlassen wurde, das den Pfarrern nur die Mitgliedschaft in den kollegialischen Schulaufsichtsbeh√∂rden einr√§umte, gestattete sie, um den Einflu√ü auf die Schule nicht ganz zu verlieren, den katholischen Geistlichen den Eintritt in diese Beh√∂rden. Die 1862 erlassene bedingungslose Amnestie und die Einf√ľhrung der Selbstverwaltung der Gemeinden (1863) befestigten die Herrschaft des liberalen Systems.

Mit dem Eintritt Roggenbachs ins Ministerium als Leiter der ausw√§rtigen Angelegenheiten (1861) und Mathys als Finanzminister (1863) n√§herte sich B. Preu√üen wiederum, obwohl der preu√üische Verfassungskonflikt und Preu√üens Haltung in der schleswig-holsteinischen Frage 1863‚Äď64 die Mehrzahl der Minister und die Liberalen in B., die entschieden f√ľr das Recht des Augustenburgers eintraten, pers√∂nlich der Vormacht wenig g√ľnstig gestimmt hatten. Daher ward der preu√üenfreundliche Roggenbach im Oktober 1865 durch Edelsheim ersetzt, der 1866 mit √Ėsterreich die schleswig-holsteinische Sache durch den Bund entschieden wissen wollte. Die Kammern bewilligten im Mai und Juni die f√ľr die Mobilmachung geforderten Gelder. Der Gro√üherzog gab ungern, aber gezwungen seine Zustimmung, denn nach dem Scheitern aller Vers√∂hnungsversuche war Neutralit√§t unm√∂glich. Das badische Kontingent unter dem Oberbefehl des Prinzen Wilhelm stie√ü in Frankfurt zum 8. Bundeskorps, dessen Feldzug erst nach der Entscheidung bei K√∂niggr√§tz begann. Der Prinz lieferte der preu√üischen Mainarmee beim R√ľckzug des 8. Bundeskorps von Darmstadt nach W√ľrzburg nur die Gefechte bei Hundheim (23. Juli) und Werbach (24. Juli) und schlo√ü, da ein weiterer Kampf g√§nzlich nutzlos schien, 28. Juli einen Waffenstillstand mit Preu√üen, worauf die ba dische Division in die Heimat zur√ľckkehrte. Schon 22. Juli hatte die Zweite Kammer den Gro√üherzog gebeten, den Krieg aufzugeben und den Anschlu√ü an Preu√üen herbeizuf√ľhren; Edelsheim erhielt 24. Juli seine Entlassung, und Mathy (s. d.) bildete 27. Juli ein nationalgesinntes und liberales Ministerium, in das Freydorf (Ausw√§rtiges) und Jolly (Inneres und Justiz) eintraten. Sofort erkl√§rte B. seinen Austritt aus dem Deutschen Bund und schlo√ü 17. Aug. mit Preu√üen Frieden (Kriegskontribution von 6 Mill. Gulden) sowie ein Schutz- und Trutzb√ľndnis. Dem Wunsche der Kammern entsprechend gab die Regierung unter Mitwirkung des preu√üischen Milit√§rbevollm√§chtigten, General v. Beyer, der badischen Armee preu√üische Bewaffnung und Organisation und f√ľhrte ein dem preu√üischen nachgebildetes Wehrgesetz ein (Anfang 1868), worauf v. Beyer selbst das Kriegsministerium √ľbernahm. Den sofortigen Eintritt in den Norddeutschen Bund w√ľnschte Bismarck selbst nicht, um Frankreich nicht den geringsten Vorwand zur Einmischung zu geben. Das Zustandekommen des von Bayern geplanten S√ľdbundes verhinderte Badens ablehnende Haltung. 1870 erkl√§rte B. sofort den Fall des B√ľndnisses von 1866 f√ľr eingetreten und stellte die badische Division, die erst General v. Beyer, dann v. Gl√ľmer kommandierte, unter preu√üischen Befehl; sie wurde der dritten Armee des Kronprinzen zugeteilt, nach der Schlacht bei W√∂rth mit der Belagerung von Stra√üburg beauftragt und bildete dann den Hauptteil des 14. Armeekorps des Generals v. Werder, unter dem sie bei Dijon, Nuits und Belfort k√§mpfte; sie verlor insgesamt 3438 Mann an Toten und Verwundeten. Schon 2. Okt. beantragte B. seinen Eintritt in den Norddeutschen Bund, der durch Vertrag vom 15. Nov. 1870 erfolgte; es behielt blo√ü die Besteuerung des Branntweines und Bieres als Reservatrecht. Durch die Milit√§rkonvention vom 25. Nov. wurde die badische Division in das 14. preu√üische Armeekorps umgestaltet; das Kriegsministerium und das des Ausw√§rtigen wurden 1871 aufgel√∂st, alle Gesandtschaften aufgehoben.

Auch im Innern waren das Ministerium, dessen Leitung nach Mathys Tode (3. Febr. 1868) Jolly (s. d.) erhielt, und der Landtag bestrebt, durch Reformen die geistige und materielle Entwickelung des Landes zu f√∂rdern. Ein Ministerverantwortlichkeitsgesetz, ein Pre√ügesetz und ein Schulgesetz, das den allgemeinen Schulzwang einf√ľhrte, wurden 1867, ein Verfassungsgesetz, das die Rechte der Zweiten Kammer erweiterte, 1869 und ein neues Wahlgesetz 1870 vereinbart. Der Streit mit der Freiburger Kurie wurde durch eine Verordnung vom 6. Sept. 1867, die allen Geistlichen eine staatliche Pr√ľfung vorschrieb, deren Befolgung aber die Kurie allen katholischen Geistlichen verbot, wieder angefacht, und nach dem Tode Vicaris (14. April 1868) blieb das Freiburger Erzbistum lange Zeit unbesetzt. Nun wurden 1869 die obligatorische Zivilehe und die Standes√§mter eingef√ľhrt und 1870 Stiftungen, die nicht kirchlichen Zwecken gewidmet waren, der kirchlichen Verwaltung entzogen. 1872 wurden die Ordensmitglieder vom Elementarunterricht und von der Aushilfe in der Seelsorge ausgeschlossen, den nicht staatlich gepr√ľften Pfarrern die Aus√ľbung geistlicher Handlungen verboten und alle Knabenseminare und Konvikte geschlossen; dagegen wurde die Bildung altkatholischer Gemeinden beg√ľnstigt. Jolly brachte 1876 noch ein Pfarrdotationsgesetz und ein neues Schulgesetz, das konfessionell gemischte Volksschulen gestattete, durch, erhielt aber 21. Sept. 1876 seine Entlassung und ward durch Turban als Staatsminister ersetzt. Dieser f√ľhrte 1878‚Äď79 die Reichsjustizreform durch und bahnte 1880 die Vers√∂hnung mit der Kurie an. Nachdem diese in dem Examenstreit prinzipiell nachgegeben hatte, indem sie die Einholung des Dispenses gestattete, wurde das Staatsexamen √ľberhaupt fallen gelassen und als Vorbildung f√ľr die Geistlichen nur das Maturit√§tsexamen und dreij√§hriger Universit√§tsbesuch gefordert; 1882 wurde auch der erzbisch√∂fliche Stuhl durch Ernennung des gem√§√üigten Domkapitulars Orbin wieder besetzt. 1888 wurden die Herstellung der katholischen Seminare und Konvikte und die Zulassung von Ordensgeistlichen unter gewissen Beschr√§nkungen vom Landtage genehmigt, aber bei den Wahlen zum Landtag 1891 behaupteten die Nationalliberalen nur mit einer Stimme die Mehrheit, seit 1893 nur mit Hilfe der Konservativen. 1897 gewannen die Ultramontanen nebst Demokraten, Sozialdemokraten und Freisinnigen die Mehrheit und suchten eine √Ąnderung des Wahlrechts auf demokratischer Grundlage durchzuf√ľhren; doch setzte die Regierung heftigen Widerstand entgegen. Der Gro√üherzog versicherte den Staatsminister Nokk (s. d.), der seit Turbans R√ľcktritt 1893 das Portefeuille inne hatte, seines Vertrauens und ernannte die Pr√§sidenten der Ministerien des Innern und der Finanzen, Eisenlohr und Buchenberger, 15. Sept. 1899 zu Ministern. Nach Eisenlohrs R√ľcktritt 17. Sept. 1900 erhielt die Leitung des Ministeriums des Innern Schenkel (s. d.). Am 27. Juni 1901 trat auch Nokk zur√ľck, und an seine Stelle trat in der Leitung des Staatsministeriums v. Brauer (s. d.), w√§hrend der bisherige Oberstaatsanwalt v. Dusch (s. d.) das Ministerium f√ľr Justiz, Kultus und Unterricht leitet.

[Geschichtsliteratur.] Vierordt, Badische Geschichte bis zum Ende des Mittelalters (T√ľbingen 1865); v. Weech, Badische Geschichte (Karlsr. 1890); Drais, Geschichte der Regierung und Bildung von B. unter Karl Friedrich (Freib. 1818, 2 Bde.); Nebenius, Karl Friedrich von B. (das. 1868); v. Weech, B. unter den Gro√üherz√∂gen Karl Friedrich, Karl, Ludwig, 1738‚Äď1830 (das. 1863); Mone, Quellensammlung zur badischen Landesgeschichte (Karlsr. 1848‚Äď1867, Bd. 1‚Äď4); H√§usser, Denkw√ľrdigkeiten zur Geschichte der badischen Revolution (Heidelb. 1851); Bekk, Die Bewegung in B. (Mannh. 1850, Nachtrag 1852); v. Weech: B. in den Jahren 1852‚Äď77 (Karlsr. 1877), Geschichte der badischen Verfassung (das. 1868), Badische Biographien (Heidelb. u. Karlsr. 1875‚Äď91, 4 Bde.); Leonhard M√ľller, Badische Landtagsgeschichte (Berl. 1899‚Äď1902, 4 Tle.); E. H. Meyer, Badisches Volksleben im 19. Jahrhundert (Stra√üb. 1900); v. Chrismar, Genealogie des Gesamthauses B. (Gotha 1891); Kienitz, Historische Karte des Gro√üherzogtums B. (Karlsr. 1886) und die Geschichtskarten bei Art. ¬ĽDeutschland¬ę.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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