Relief


Relief

Relief (franz., spr. rölheff, ital. riliēvo), erhabene Arbeit, diejenige Gattung der Bildnerei, welche die Figuren aus einer Ebene oder vertieften Fläche, dem Grunde, erhaben heraustreten läßt. Das R. bildet eine Mittelgattung zwischen der eigentlichen Skulptur, von der sie die Darstellungsweise, und der Malerei, von der sie die Anordnung hat, so zwar, daß das plastische Prinzip mehr in den einfachen, ruhigen Reliefs der ältern griechischen Kunst, das malerische dagegen in den überfüllten, oft heftig bewegten der spätern römischen Kunst vorherrscht. Man unterscheidet das Flachrelief (Basrelief, basso rilievo), bei dem die Figuren nur wenig über den Grund heraustreten, von dem Hochrelief (Hautrelief, alto rilievo), bei dem sie etwa halbrund modelliert sind. Sind einzelne Teile rundplastisch herausgearbeitet oder unterschnitten, so spricht man von hocherhabener Arbeit. Reliefs sind schon in der altägyptischen und assyrischen Kunst sehr häufig. Bei den Ägyptern findet man neben dem Basrelief das Hohlrelief (R.en creux, Koilanaglyph, s. d. und Tafel »Bildhauerkunst I«, Fig. 8 u. 9; II, Fig. 3–5). Zu hoher Vollendung wurde das R. von den Griechen gebracht, die das Hochrelief vor allem bei den Metopen und Friesen der Tempel, das Flachrelief zur Ausschmükkung der Grabstelen etc. verwendeten. In der Blütezeit rollte man die Darstellung im wesentlichen auf, ohne jedoch Überschneidungen ängstlich zu vermeiden, wie denn auch die zur Raumfüllung nötige Isokephalie (gleiche Höhe der Köpfe) nicht pedantisch gehandhabt wurde (s. Tafel »Bildhauerkunst III«, Fig. 7 u. 9; IV, Fig. 4). Streng durchgeführt aber ist die Anordnung der Figuren auf einem Grunde. Durchaus malerisch gestaltet sind dagegen die hellenistischen Reliefs, die mit ihren landschaftlichen Hintergründen etc. als reine Übersetzungen der Wandgemälde erscheinen. Durch sie wurden der römischen, oft drei und mehr Reliefflächen verwendenden Technik die Wege gewiesen (Tafel VI, Fig. 7). In der Renaissancezeit wandte Ghiberti bei seinen Erztüren eine malerische, perspektivische Darstellungsart an (Tafel VII, Fig. 8), während Donatello und Luca della Robbia und dessen Schüler sowohl im Hoch- als im Flachrelief strengern plastischen Gesetzen folgten (Tafel IX, Fig. 4). Ganz frei wurde das R. von den Bildhauern der Barockzeit (Algardi, Bernini etc.) behandelt. Thorwaldsen führte, namentlich in seinem Alexanderzug (Tafel XIV, Fig. 3) auf Grund des Studiums reingriechischer Monumente, besonders des Parthenonfrieses, das R. zu schlichter Strenge zurück; in neuerer Zeit jedoch ist man wieder mehr zu dem malerischen Prinzip zurückgekehrt, ohne scharfen Unterschied zwischen Hoch- und Flachrelief zu machen. Vortreffliche Reliefs lieferten Rauch, Rietschel, Drake (Tafel XIV, Fig. 6), der Franzose Rude, in neuester Zeit Siemering (Tafel XVII, Fig. 3), E. Encke in Berlin, R. Weyr (Tafel XVIII, Fig. 2, und die Reliefs des Grillparzerdenkmals) in Wien, Dalou in Paris u. a. Die gesamte Reliefplastik des Altertums und teilweise noch die der ältern christlichen Kunst hat durchgängig die Farbe zur weitern Ausführung der Zeichnung verwendet; auch in der gotischen und Renaissancezeit wurden Reliefs aus Ton, Stuck, Holz, gepreßtem Papier u. dgl. bemalt und bisweilen auch vergoldet. Vgl. Hauser, Die neuattischen Reliefs (Stuttg. 1889); Conze u. a., Die attischen Grabreliefs (Berl. 1890 ff.); Robert, Die antiken Sarkophagreliefs (bisher nur Bd. 2 und 3, das. 1890–1904); Schreiber, Die hellenistischen Reliefbilder (112 Tafeln, Leipz. 1889–94); Courbaud, Le Bas-relief romain à représentations historiques (Par. 1899). – In weiterm Sinne nennt man R. jede erhabene Arbeit figürlicher oder ornamentaler Art, die zum Schmuck eines Gerätes dient. Während in der Plastik großen Stils Marmor, Bronze und, für dekorative Zwecke an Gebäuden, Kalkstein, Sandstein und Terrakotta die bevorzugten Materia-;ien sind, werden in der Kleinplastik und in der Kunstindustrie Reliefs in Elfenbein, edlen Steinen, Muscheln, Holz, Gold, Silber, plastischen Massen etc. ausgeführt (vgl. Holzverzierungen). – Im figürlichen Sinne gebraucht man das Wort R. auch für Ansehen, Aufmerksamkeit; z. B. einer Sache ein R. geben, sie so darstellen, daß sie Aufmerksamkeit erregt.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • relief — [ rəljɛf ] n. m. • 1050; de relever « enlever, relever », d apr. l a. forme tonique je relief I ♦ Vx Ce qu on enlève d une table servie. Mod., au plur. ⇒ reste. Les reliefs de la table. « des reliefs d ortolans » (La Fontaine). ♢ Fig. Les reliefs …   Encyclopédie Universelle

  • relief — re‧lief [rɪˈliːf] noun 1. [uncountable] when a bad situation is reduced or stops for a time: • Any sign of relief from price pressures will be welcome news for the economy. 2. money, food, clothes etc given to people who are poor or hungry: • a… …   Financial and business terms

  • relief — re·lief n: redress, assistance, or protection given by law esp. from a court should state what relief the plaintiff seeks: as a: release from obligation or duty relief from judgment b: an order from a court granting a particular remedy (as return …   Law dictionary

  • relief — RELIÉF, reliefuri, s.n. 1. Configuraţie a suprafeţei terestre constituită din totalitatea neregularităţilor de forme pozitive sau negative considerate faţă de un plan de referinţă general sau local. 2. Ridicătură, proeminenţă pe o suprafaţă. ♢… …   Dicționar Român

  • relief — Relief. s. m. Bosse eminente en ouvrage de Poterie, de fonte ou de Sculpture. Relief entier ou haut relief, qui est de l épaisseur de toute la figure, demi relief, qui est moins que la moitié des images de relief entier. Ouvrage à demi relief, à… …   Dictionnaire de l'Académie française

  • relief — Relief, m. acut. Descend du verbe Relever, composé de Re, qui signifie Derechef, et lever, car il se dit d une chose chute, de sorte que Relever est remettre en son estant une chose qui en est deschute. Et se prend Relief ores pour le benefice du …   Thresor de la langue françoyse

  • Relief — Re*lief (r? l?f ), n. [OE. relef, F. relief, properly, a lifting up, a standing out. See {Relieve}, and cf. {Basrelief}, {Rilievi}.] 1. The act of relieving, or the state of being relieved; the removal, or partial removal, of any evil, or of… …   The Collaborative International Dictionary of English

  • relief — ► NOUN 1) a feeling of reassurance and relaxation following release from anxiety or distress. 2) a cause of relief. 3) the action of relieving. 4) (usu. light relief) a temporary break in a generally tense or boring situation. 5) financial or… …   English terms dictionary

  • Relief — Sn Abbildung mit erhabener bzw. vertiefter Oberfläche per. Wortschatz fach. (18. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus frz. relief m., eigentlich Hervorheben , zu frz. relever hochheben, aufheben , dieses aus l. relevāre, zu l. levāre heben, wegheben,… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • relief — [ri lēf′] n. [ME releef < OFr relief < relever: see RELIEVE] 1. a) an easing, as of pain, discomfort, or anxiety b) a lightening of a burden, as of taxation, oppression, etc. 2. anything that lessens tension or strain, or offers a pleasing… …   English World dictionary


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.