Rom [2]


Rom [2]

Rom (Roma; hierzu »Plan des alten Rom« und »Plan der Kaiserforen und des Palatin«), Hauptstadt des röm. Weltreichs (s. Römisches Reich), in der Landschaft Latium am Tiber unterhalb der Einmündung des Anio gelegen, da, wo die Schiffbarkeit des Stromes beginnt. Die Ortslage war in den tiefer gelegenen Teilen sumpfig, den Überschwemmungen des Tiber ausgesetzt und daher ziemlich ungesund.

Geschichte der Stadtentwickelung.

Die ältesten Erinnerungen städtischen Anbaues knüpfen sich an den isolierten Palatinischen Berg, die sogen. Roma quadrata, die als Gründung des Romulus galt und etwa 10 Hektar groß war. Die vielfach Unwahrscheinliches, ja Unmögliches berichtende Tradition läßt R. unter der Königsherrschaft dann in folgender Weise sich vergrößern. Zur Roma quadrata kam zunächst die Ansiedelung der Sabiner unter Titus Tatius auf dem Mons Capitolinus und Collis Quirinalis hinzu. Unter Tullus Hostilius ward der Cälius mit albanischen Geschlechtern bevölkert. Der Aventinus ward unter Ancus Marcius von besiegten Latinern kolonisiert; dieser König überbrückte auch den Tiber und befestigte jenseit desselben das Janiculum. Tarquinius Priscus, etruskischem Vorbild folgend, ließ durch seinen großartigen Kloakenbau die sumpfigen Gegenden zwischen Palatinus und Kapitol trocken legen; Servius Tullius erweiterte die Stadt durch Hereinziehung des Viminalis und Quirinalis und umgab alle bis dahin angebauten Hügel durch eine Mauer (Agger Servii Tullii), von der noch ansehnliche Reste erhalten sind. Ihre Bedeutung als Stadtbegrenzung verlor diese Servianische Mauer nach dem Hannibalschen Kriege. Schon in der republikanischen Zeit wurde sie vielfach verbaut; doch können wir ihren Zug aus den Resten und der bekannten Lage der Haupttore noch bestimmen. Die frequentesten Tore, in welche die begangensten Landstraßen einmündeten, waren: die Porta Carmentalis, gleich unter dem Kapitol an dem Abhang, der zum Tiber hinabführt, der Haupteingang zum Marsfeld, und daneben die Porta Flumentana; die Porta Trigemina, an der Nordecke des Aventinus, zum Emporium und nach Ostia hinabführend; die Porta Capena, das Haupttor nach dem Süden; die Porta Esquilina und die Porta Collina, beide an der östlichen Seite der Stadt. Der letzte römische König hatte den unter seinen Vorgängern begonnenen kapitolinischen Tempel vollendet, und die Stadt dadurch ihren Einigungspunkt in sakraler Hinsicht erhalten. Die erste Einteilung des Stadtgebiets in vier Regionen zu administrativen Zwecken rührt der Sage nach von Servius Tullius her und blieb bis zur neuen Organisation des gesamten städtischen Wesens durch Augustus in Geltung. Nach den neuesten Forschungen nahm indessen die Entwickelung Roms folgenden Verlauf.

Zu der ältesten, der Palatinischen Stadt, wurden der Cermalus (nordwestlicher Abhang des Palatin), die Velia, der Oppius und Cispius und die Sucusa (Nordspitze des Cälius) gezogen, und so entstand das Septimontium, die Siebenhügelstadt (was nicht in dem bekannten spätern Sinn zu verstehen ist). Die nächste Phase ist die Vierregionenstadt, die durch Einbeziehung des Cälius, Quirinalis und Viminalis entstand und in vier Regionen (1. Sucusana, 2. Esquilina, 3. Collina, 4. Palatina; außerdem das Kapitol mit den gemeinsamen Heiligtümern und der Burg) zerfiel. Daraus entwickelte sich schließlich das Servianische R., die Stadt der republikanischen Zeit, indem ein Teil des Quirinalisrückens, der Aventinus und das Tiberufer nördlich von letzterm zur Vierregionenstadt gezogen wurden. Sicher ist aber, daß große Teile des von der Servianischen Mauer umschlossenen Gebiets bis in späte Zeit nur spärlich oder gar nicht mit Häusern besetzt waren; erst zu Sullas Zeit war der Mauerring mit ihnen erfüllt. Durch den Einfall der Gallier ward die Stadt 390 v. Chr. fast ganz in Asche gelegt, ihr Wiederaufbau aber geschah in sehr eiliger, planloser Weise. 443 war das öffentliche Bauwesen und die städtische Polizei der Aussicht der Zensoren unterstellt worden; aber erst der Zensor Appius Claudius Cäcus (312) schritt zu bedeutendern Unternehmungen. Von ihm rühren z. B. die Via Appia, Aqua Appia u.a. her. Vorstädte außerhalb der Mauern entstanden erst, als wegen der Ausbreitung der Grenzen des Reiches kein feindlicher Angriff auf die Stadt selbst mehr zu befürchten war. Der Richtung auf das Nützliche, die das römische Bauwesen auch in der spätern Zeit unter den Kaisern eingehalten hat, verdanken die Basiliken am Forum, viele Tempel, Marktplätze, Brücken, Aquädukte etc. ihre Entstehung. Die reiche Nobilität steuerte zur Ausführung öffentlicher Gebäude, Denkmäler, Hallen und Bogen bei, und ihr verdankt vornehmlich die griechische Architektur ihre Aufnahme in der Stadt. So ward das äußere Ansehen derselben ein immer stattlicheres und prächtigeres. Eine neue Epoche begann aber mit der Kaiserherrschaft, indem nicht nur manche ganz neue Arten von Gebäuden, z. B. die Kaiserpaläste, entstanden, sondern auch die von den Machthabern seit Pompejus und Cäsar übernommene Obsorge für den Unterhalt der unbemittelten Menge sowie für Befriedigung ihrer Schaulust allerlei Anlagen und Bauten erforderte (s. unten).

Zum Zwecke der polizeilichen Ordnung und Beaufsichtigung führte Augustus eine neue Einteilung der bedeutend gewachsenen Stadt in 14 Regionen ein (s. S. 73). Jede derselben stand unter einem Curator, denen für die Straßenquartiere Vicomagistri untergeordnet waren; für die Sicherheits- und Feuerpolizei hatten je zwei zusammen eine Kaserne für eine Kohorte der Vigiles. Nero gab sodann durch seine Restauration des bedeutendsten Teiles der Altstadt nach dem neuntägigen Brande vom Jahr 64, der besonders den zwischen Palatin und Esquilin gelegenen Stadtteil zerstörte, der Stadt ein ganz neues Ansehen. Die bisher engen Straßen und Plätze wurden seitdem breiter, geräumiger und mit Säulenhallen versehen; eine solidere Bauart trat an die Stelle der alten. Die folgenden Kaiser, namentlich Vespasian, Trajan, Hadrian, gefielen sich in der Schöpfung großartiger Markt- und Gerichtsplätze, prächtiger Tempel und Basiliken, kolossaler Grabmonumente u. dgl. Unter den spätern Kaisern zeichneten sich namentlich Septimius Severus und Caracalla durch Baulust aus. Um dieselbe Zeit beginnt in dem Aussehen der Stadt sich ausländischer Geist und Geschmack bemerklich zu machen (z. B. Caracallas ägyptische Bauten und Elagabalus' syrische Tempel) sowie in der zunehmenden Menge von Kasernen der jetzt kulminierende Militärdespotismus. Aurelian umgab die seit Sulla über die Servianische Mauer hinausgewachsene Stadt wiederum mit Befestigungswerken, die sämtliche 14 Regionen umfaßten und durch Probus vollendet wurden. Diese Aurelianische Mauer stimmt mit den jetzigen Mauern und Toren Roms im wesentlichen überein. Die wichtigern der 14 Tore wurden nach den durch sie hinführenden Landstraßen benannt, so: die Porta Flaminia (jetzt bei Porta del Popolo), Porta Portuensis (bei Porta Portese) und Ostiensis (Porta San Paolo), Porta Appia (Porta San Sebastiano), Porta Nomentana (bei Porta Pia), Porta Salaria (Porta Salaria) u.a. Die letzten Kaiser, die bedeutendere Restaurationen und Neubauten vornahmen, waren Diocletianus und Maxentius, dessen Bauten aber meist erst unter Konstantin d. Gr. vollendet wurden. Von 354 n. Chr. stammt das Regionenverzeichnis (s. unten, S. 73) her, die einzige Übersicht der Stadt, die wir aus dem Altertum besitzen. Später hat sich das Aussehen Roms vornehmlich durch die Bedürfnisse des christlichen Kultus verändert, die zahlreiche kirchliche Prachtgebäude hervorriefen, während die profanen Monumente aus der klassischen Zeit, namentlich seit der Einnahme der Stadt durch Alarich (410) und Geiserich (455), verfielen. Trotzdem war im 6. oder 7. Jahrh. noch vieles vorhanden, wovon uns der sogen. Anonymus Einsiedlensis berichtet. Aber die Stürme des Mittelalters vernichteten das meiste von diesem, und die »Mirabilia Romae« beweisen, daß im 12. Jahrh. nicht allein schon ein völliger Ruin des Alten, sondern auch eine große Unsicherheit aller Erinnerungen und Überlieferungen eingetreten war.

Bevölkerung, Straßen, Brücken, Plätze.

Hinsichtlich der Größe und des Umfanges der Stadt fehlen uns zuverlässige statistische Angaben. Der Umfang des Aurelianischen Mauerbaues wird als 18,83 km betragend angegeben, das von ihr umschlossene Areal auf ca. 1230 Hektar. Was die Bevölkerungsverhältnisse betrifft, hat J. Beloch für die ersten drei nachchristlichen Jahrhunderte eine Einwohnerzahl von etwa 800,000 Seelen berechnet, Pöhlmann dagegen hat nachgewiesen, daß es auch nicht annähernd möglich ist, Roms Einwohnerzahl für irgend einen Zeitpunkt zu bestimmen. Die Häuser der Stadt selbst waren entweder Domus oder Insulae. Jenes waren die zu eigner Bewohnung splendider eingerichteten Häuser der Vornehmern (die palazzi des neuern R.); diese dagegen wurden von den mittlern und niedern Klassen in engstem Zusammenleben bewohnt, waren Miethäuser mit mehreren Stockwerken übereinander (Trajan beschränkte ihre Höhe auf 60 Fuß), jedes mit einem besondern Zugang. Die gepflasterten Fahr- und Hauptstraßen hießen Viae; so die Via sacra, die alte Prozessionsstraße, die vom Kolosseum zum Kapitol das Forum durchschnitt; die Via nova auf dem Palatin und die Prachtstraße gleichen Namens in der zwölften Region; die Via lata (der jetzige Corso) u.a. Clivi hießen die zu den Hügeln hinausführenden, gleichfalls gepflasterten Fahrwege (nur für Fußgänger waren die Gradus oder Semitae), z. B. der Clivus Capitolinus, die einzige Fahrstraße, die zum Kapitol hinaufführte, der Clivus Publicius am Aventin u.a. Die Vici waren die kleinern und gewöhnlichen Verbindungswege der Stadt; die Angiportus enge Sack- und Nebengassen. Die Zahl der Brücken nahm mit der Erweiterung der Stadt zu; innerhalb der Stadt der Pons Aelius, von Hadrian zugleich mit seinem Grabmal angelegt (Ponte Sant' Angelo), der Pons Neronianus, der Pons Agrippae, der Pons Aurelius (Ponte Sisto), Pons Fabricius und Pons Cestius oder Gratiani (jetzt Ponte Fabricio und Ponte Cestio), der Pons Aemilius (beim Ponte rotto); ferner unmittelbar südlich von letzterm die uralte Holzbrücke, der Pons sublicius; endlich der Pons Probi oder Theodosii unter dem Aventin. Unter den Plätzen waren die Areae die zahlreichsten, freie Räume, wie sie bald als Umgebungen von Tempeln und Palästen sich notwendig machten (Area Capitolina, Palatina), bald aber auch selbständig als Handelsmärkte angelegt wurden. Ein geräumigerer und von vielen und mannigfaltigen Gebäuden, Tempeln, Basiliken und Hallen eingeschlossener freier Platz bildete ein Forum. Auch diese Plätze dienten sowohl als Verkaufsplätze, wie das Forum boarium, holitorium, suarium u.a., als auch zu öffentlichen Versammlungen, wie das Forum Romanum und die spätern kaiserlichen Foren. Die größten und weitesten Plätze, die mit Rasen bewachsen, auch wohl mit Gartenanlagen versehen waren, hießen Campi und wurden zunächst zu militärischen Übungen, Wettrennen, volkstümlichen Lustbarkeiten und Spielen benutzt, so: der Campus Martius oder Tiberinus, der Campus Agrippae, der Campus Esquilinus (vormals der gewöhnliche Begräbnisplatz) und der Campus Viminalis. Endlich sind noch die Horti zu erwähnen, weitläufige Park- und Gartenanlagen mit Prachtgebäuden, Villen, Tempeln, Rennbahnen etc., von denen die namhaftesten waren: die Horti Sallustiani zwischen Quirinal und Pincius; die Horti Lucullani und Horti Domitiorum auf dem Pincius (Collis hortorum); die Horti Maecenatis; die Horti Pallantiani, Epaphroditiani und Torquatiani im äußersten Osten; endlich jenseit des Stromes die Horti Agrippinae, mit einem berühmten Zirkus, und die Horti Domitiae; weiter stromab das von Cäsar zu Volkslustbarkeiten hergestellte und von Augustus mit einer Naumachie versehene Nemus Caesarum.

Das Forum Romanum und die übrigen Foren.

(Vgl. den Plan: »Kaiserforen des alten Rom und der Palatin«.)

Unter den merkwürdigen Örtlichkeiten der Stadt steht das berühmte Forum Romanum obenan. Dieser Mittelpunkt des städtischen und politischen Verkehrs in den Zeiten der Republik, 154 m lang, 52 m breit, lag zwischen dem Kapitol, Esquilin und Palatin in der Hauptausdehnung von NW. nach SO. An der Nordseite stand schon in der Königszeit das Rathaus (die angeblich von Tullus Hostilius erbaute Curia Hostilia) auf dem Comitium, wo sich die Patrizier in den Kuriatkomitien versammelten; diesem schräg gegenüber, am Fuß des Palatin, der Vestatempel und die Regia (die Wohnung des Pontifex maximus); der freie Platz in der Mitte war der Versammlungsort für die Plebs, seit dem Jahr 42 v. Chr. (s. unten) aber der Sitz des politischen Lebens mit der Rednerbühne (rostra), anfangs von Straßen eingefaßt, auf die sich Läden und Verkaufshallen öffneten. Im Laufe der Zeiten wurden hier Tempel, öffentliche Gebäude und Denkmäler errichtet. Das älteste, noch jetzt erhaltene ist der Carcer Mamertinus, ursprünglich ein Brunnenhaus, in der Nordwestecke des Forums; dann der Saturntempel, der Tempel der Dioskuren (Templum Castorum) vom Jahr 484 an der Südseite, und westlich vom Carcer der Tempel der Concordia (366). Dem wachsenden Verkehr bei den Gerichtsverhandlungen suchte man durch Errichtung von Basiliken (s. Basilika) nach den Seiten hin Raum zu schaffen; 184 erbaute der alte Cato die Basilica Porcia; 179 folgte die Basilica Aemilia, 169 die Basilica Sempronia, 151 die Basilica Opimia. In den Stürmen der Bürgerkriege sank die alte Kurie 52 v. Chr. in Trümmer, wurde zwar von Sullas Sohn Faustus wiederhergestellt, aber später von Cäsar niedergerissen. Durch letztern wie besonders durch Augustus erhielt das Forum eine ganz neue Gestalt, die durch die modernen Ausgrabungen zutage getreten ist. Cäsar begann 54 v. Chr. den Bau der Basilica Julia, die Augustus vollendete, wobei die Läden und Laubengänge, die das Forum früher umgaben, weggeräumt wurden. Derselbe errichtete auch eine neue Kurie (Curia Julia, heute Sant' Adriano) und dem Cäsar zu Ehren die Aedes Divi Julii, an der Ostseite des Forums, mit der Front nach dem Kapitol, vor welchem Tempel zugleich die neuen Rostra (Rednerbühnen) ihren Platz fanden, die zum Unterschied von den ältern, von Cäsar am Westende des Forums errichteten die Rostra Julia genannt wurden. Endlich erhoben sich zu derselben Zeit die beiden ersten Triumphbogen: der Arcus Augusti, der zum Andenken der Wiedererlangung der von den Parthern eroberten Feldzeichen neben den Aedes Divi Julii, und der Arcus Tiberii, der wegen der Wiedererlangung der bei des Varus Niederlage verlornen Feldzeichen neben dem Saturnustempel errichtet ward. Unter Titus brannte die Curia Julia nieder, die Domitian wieder aufbaute. Am Clivus Capitolinus errichtete derselbe 80 n. Chr. seinem Vater und Bruder zu Ehren einen Tempel (Templum Vespasiani) neben dem Tempel der Concordia und, wie dieser, an das Tabularium (das Staatsarchiv) sich anlehnend. Auch seine eigne kolossale Reiterstatue ließ der genannte Kaiser mitten auf dem Forum aufstellen. Von andern Monumenten daselbst sind besonders der Tempel des Antoninus und der Faustina vom Jahr 141 und der Arcus Septimii Severi vom Jahr 203 n. Chr., vor dem Tempel der Concordia, zu nennen.

Nördlich vom Forum Romanum entstanden in der glänzendsten Zeit des römischen Kaisertums eine Reihe andrer Foren (vgl. beifolgenden Plan), die gewöhnlich nach ihren kaiserlichen Urhebern benannt wurden, aber nicht mehr dem öffentlichen Staatsleben, sondern Gerichtsverhandlungen, der Erholung etc. dienten. Sie wurden mit außerordentlicher Pracht ausgestattet, gewöhnlich in der Mitte mit einem Tempel und ringsum mit Säulenhallen versehen. Hierher gehört zunächst das erst nach Cäsars Tod vollendete Forum Julium (Forum Caesaris) mit einem Tempel der Venus Genetrix, in der Nähe des Forum Romanum; daran sich anschließend das im J. 2 v. Chr. geweihte Forum Augustum mit dem in der Schlacht von Philippi gelobten Tempel des Mars Ultor, zwei Triumphbogen des Drusus und Germanicus und vielen auf die römische Kriegsgeschichte bezüglichen Denkmälern. Auch der von Vespasian nach der Besiegung der Juden errichtete Friedenstempel (Templum Pacis) südöstlich vom vorigen erhob sich auf einer forumartigen Anlage (Forum Vespasiani). Weiter gehört hierher das von Domitian begonnene und von Nerva vollendete Forum transitorium (oder Nervae), zwischen Forum Augusti und Forum Vespasiani, das als Durchfahrt diente und mit einem Tempel der Minerva und des Janus quadrifrons geziert war. Die großartigste Anlage aber war das Forum Trajani, das sich weit nach NO. hin erstreckte und noch jetzt bedeutende Trümmer hinterlassen hat; in ihm führte Trajan den schon von Cäsar geplanten Durchstich des das Kapitol mit dem Quirinal verbindenden Rückens aus. Hier befanden sich nordwestlich von der quadratischen Area (Hof) mit Trajans Reiterstatue die berühmte Basilica Ulpia und die Bibliotheca Ulpia, ein von Hadrian errichteter Tempel des Trajan und der Plotina sowie die berühmte, noch wohlerhaltene, 29,6 m hohe, jetzt mit der Statue des Apostels Petrus versehene Trajanssäule (s. d.); daß sie die Höhe der abgetragenen Erdmasse angebe, wird jetzt bestritten.

Kapitol, Palatinus, Marsfeld.

Nächst dem Forum war zur Zeit der Republik der wichtigste Stadtteil das Kapitol, die Burg. Es besteht aus drei Teilen: dem nördlichen, 50 m hohen Gipfel (jetzt Santa Maria in Araceli), dem südwestlichen, 47,5 m hohen Gipfel (Palazzo Caffarelli) und einer Einsenkung zwischen beiden (Piazza del Campidoglio). Im Altertum werden entsprechend geschieden: Arx, Capitolium und Inter duos lucos, und zwar lag die Arx auf der höhern Nordspitze und das Capitolium auf der Südwestspitze, beide waren gesondert befestigt. Auf der Arx waren das Auguraculum, von wo der Augur die himmlischen Zeichen beobachtete, der Tempel der Juno Moneta von 344, mit dem später die Münze verbunden wurde, und derjenige der Concordia. Auf dem Capitolium finden wir mehrere Heiligtümer erwähnt; besonders stand hier der große Tempel des Jupiter Capitolinus (dediziert 509, abgebrannt 83 v. Chr., von neuem 69 v. Chr. geweiht, 69 n. Chr. zum zweitenmal verbrannt, sofort wiederhergestellt, 80 abgebrannt und zum viertenmal prächtig von Domitian wiederhergestellt und erst 455 durch die Vandalen geplündert), in dem neben jenem Juno und Minerva verehrt wurden; rings um ihn die Area Capitolina. Von der Seite des Forums war im Altertum der einzige Zugang, nach NW. fiel der Berg steil ab; auf der Südspitze ist auch der Tarpejische Felsen zu suchen. Eine nähere Betrachtung verdient ferner der Palatinus mit den jetzt zum größten Teil ausgegrabenen kaiserlichen Palästen und einigen uralten Heiligtümern. Augustus, der auf dem Hügel geboren war, verlegte nach der Schlacht von Actium seine Rezidenz dorthin und erbaute daneben den prächtigen Tempel des Apollo (abgebrannt 363); Tiberius baute gegenüber dem Kapitol einen neuen Palast, Caligula setzte ihn sogar mit dem Kapitol durch eine Brücke in Verbindung. Neros »goldenes Haus« berührte den Palatin nicht. Die slavischen Kaiser aber schmückten das Vorhandene prächtig aus; Domitian fügte einen Neubau im Südosten hinzu. Nachdem unter Commodus ein beträchtlicher Teil des Palastes durch Feuer zerstört worden, stellte wahrscheinlich Septimius Severus denselben wieder her und fügte bei dieser Gelegenheit sein Septizonium an der Südspitze des Hügels hinzu. Auch von den spätern Kaisern bauten einige noch an dem Palast, der bis in die Zeiten des Mittelalters hinein sein Ansehen behauptete. Das Marsfeld (Campus Martius), zwischen dem Tiber und den Hügeln Kapitol, Quirinalis und Pineius, in älterer Zeit unbewohnt, ward erst durch Augustus zur Stadt gezogen und durch öffentliche Gebäude verschiedener Art, vorzüglich Theater und Thermen, ausgezeichnet. Es war früher zu Versammlungen sowie zu gymnastischen Übungen der Jugend bestimmt und dem Kriegsgott Mars geweiht. 221 v. Chr. ward auf seiner südlichen Hälfte der Circus Flaminius errichtet. Am Tiber selbst lagen die Navalia, das Marinearsenal, das schon 416 genannt wird, und das Terentum, wo die Säkularspiele abgehalten wurden. Die ganze Straße von der Porta Carmentalis am Fuße des Kapitols an nordwestlich bis zum Theatrum Pompeji (55 v. Chr.) war mit Prachtgebäuden (die Portikus der Octavia mit Tempeln des Jupiter Stator und der Juno, des Philippus mit einem Herkulestempel, die Theater des Marcellus und Balbus) besetzt, wovon sich ansehnliche Ruinen erhalten haben. An der andern Seite des Marsfeldes aber, vom Quirinal bis zum Pantheon, führten Cäsar, Augustus und Agrippa eine Reihe von Gebäuden auf, darunter die Saepta Julia (Wahllokal) mit dem Diribitorium (Saal zur Verteilung etc. der Stimmtafeln), die Porticus Argonautarum mit einem Tempel des Neptun und die Thermen des Agrippa mit dem prachtvollen Rundbau des Pantheons (s. d.), welch letzteres vollständig erhalten ist. Auch die das Marsfeld östlich begrenzende zweite Hauptstraße, die Via lata, gestaltete sich immer prächtiger und ward mit mehreren Triumphbogen geziert. In der nördlichen Gegend des Marsfeldes, zwischen der Via Flaminia, der Fortsetzung der Via lata, und dem Tiber erhoben sich ebenfalls unter Augustus die ersten Prachtbauten, darunter das noch jetzt in ansehnlichen Trümmern vorhandene Mausoleum Augusti, wo Augustus selbst und seine Familie beigesetzt wurden, u.a. Die beiden großen Feuersbrünste unter Nero und Titus legten diese Herrlichkeiten größtenteils in Asche und führten dadurch eine neue Gestaltung des Marsfeldes herbei, indem die frühern Gebäude teils restauriert, teils durch neue ersetzt wurden. Schon vor Neros Feuersbrunst waren die Thermae Neronianae (zwischen dem Pantheon und der Piazza Navona) entstanden, nachmals durch Alexander Severus restauriert und erweitert und seitdem Thermae Alexandrinae genannt. Domitian baute östlich der Saepta Julia das Templum Divorum und an der Stelle der heutigen Piazza Navona ein griechisches Stadium für gymnische samt einem Odeum für musische Spiele. Hadrian und die Antonine endlich begründeten in der Gegend der jetzigen Piazza Colonna eine neue Reihe prächtiger Portikus und Tempel.

Die 14 Regionen der Stadt

waren folgende (s. Plan): 1) Porta Capena, im S. zu beiden Seiten der Appischen Straße, mit dem Drusus- und dem Trajansbogen und dem 1780 entdeckten Grabmal der Scipionen. 2) Caelemontium, der Cälius. Auf der Höhe des Hügels waren die Castra peregrina, das Lager der fremden Hilfstruppen. Von Baulichkeiten erwähnen wir hier den Tempel des Claudius, das Macellum magnum, einen mit einem Schlachthaus versehenen Platz zum Verkauf von Lebensbedürfnissen, die Domus Lateranorum, den heutigen Lateran, und eine Gruppe von Gebäuden, die zum Amphitheatrum Flavium, dem Schauplatz aller Gladiatorenspiele des kaiserlichen R., gehörten, das selbst in der dritten Region liegt. Den Bau desselben, des jetzigen Kolosseums (s. d.), hatte Vespasian begonnen, Titus vollendet. 3) Isis et Serapis (nach dem Heiligtum dieser beiden Götter genannt), enthielt außerdem die Moneta, die Münze der kaiserlichen Zeit; die Thermae Trajanae, die zum Teil auf den Fundamenten des »goldenen Hauses« erbaut wurden, und von denen noch ansehnliche Ruinen vorhanden sind, südöstlich davon die Thermae Titianae und die von Augustus erbaute und der Livia gewidmete Porticus Liviae mit einem Tempel der Concordia etc. 4) Templum Pacis (nach dem erwähnten Friedenstempel des Vespasian genannt), umfaßte die Via Sacra, die Subura (Bordellstraße), den Colossus, eine Statue des Apollo mit Neros Porträt, nach dem das Amphitheater seinen jetzigen Namen Kolosseum (Coliseo) erhielt, und die Meta sudans, einen prachtvollen Springbrunnen. Dicht dabei, vielleicht schon in der 10. Region, der Bogen des Konstantin (s. Tafel »Architektur V«, Fig. 7). Ferner lagen in dieser Region der von Hadrian gegründete Doppeltempel der Roma und der Venus (s. Tafel »Architektur IV«, Fig. 17 u. 18), am Fuß des Palatin der Bogen des Titus, die in sehr bedeutenden Ruinen erhaltene Basilika des Konstantin, der Tempel des Antoninus und die Basilica Aemilia. 5) Esquiliae, der nördliche und östliche Teil des Esquilin mit vielen Gärten und dem kleinen Amphitheatrum castrense (Ruinen bei der Kirche Santa Croce). 6) Alta Semita, der Quirinal, Viminalis und die Gegenden nordöstlich bis zur Mauer. Hier lagen die Thermen des Diokletian, von denen noch bedeutende Trümmer sichtbar sind, die Thermen Konstantins, und über den Zug der Aurelianischen Mauer vorspringend, die große Prätorianerkaserne, die Castra Praetoria. 7) Via lata, der Bezirk zwischen der gleichnamigen Straße, dem Quirinal und dem Pincius, der in der alten Zeit nicht, wie jetzt, vollständig ausgebaut war. Hier lag außer großen Gärten das Forum suarium, der Campus Agrippae und das Templum Solis des Aurelian. 8) Forum Romanum, außer dem alten Forum auf der einen Seite die kaiserlichen Foren und das Kapitol, auf der andern den größten Teil der Gegend zwischen dem Palatin und dem Kapitol bis an das Forum boarium umfassend. 9) Circus Flaminius, die Region des Marsfeldes (s. oben). 10) Palatium, die Region des Palatinus (s. oben). 11) Circus maximus, enthielt den angeblich bereits unter den Tarquiniern angelegten, von Cäsar erbauten und zu wiederholten Malen restaurierten Hauptzirkus Roms für 200,000 Zuschauer, in der Niederung zwischen dem Palatin und Aventin, nebst der nächsten Umgebung an den Abhängen des Aventin, das Velabrum und Forum boarium. Hier lagen die Tempel des Merkur, der Flora, Luna, Ceres, des Herkules, Pompejanus, Portunus etc. 12) Piscina publica (nach einem alten Badeteich genannt), zwischen dem Circus maximus und der Porta Ardeatina gelegen und von Caracalla mit den noch in großartigen Trümmern erhaltenen Thermae Antoninianae (s. Tafel: »Architektur V«, Fig. 10) geziert. 13) Aventinus, dieser Hügel selbst und die Vorstadt zwischen dem Aventin und Tiber. Zwischen der Via Ostiensis und dem Strom liegt hier jener Scherbenhügel (Monte Testaccio), aus den Tongefäßen entstanden, in denen 150–250 n. Chr. Öl und Getreide aus Spanien und Afrika nach R. geschafft wurden. Unter dem Aventin vor der Porta Trigemina befand sich das sehr belebte Emporium, wo die von Ostia herausgebrachten Waren aufgestapelt wurden, daher die vielen Speicher für Salz, Holz, Korn, Baumaterial etc. 14) Trans Tiberim, die Gegend jenseit des Stromes (jetzt Trastevere), umfaßte das Janiculum, ursprünglich Grenzkastell zur Abwehr von Einfällen von Etrurien her, und das Vaticanum mit den darunter längs des Flusses sich hinstreckenden Abhängen und die Tiberinsel. Die Region enthielt viel Parkanlagen. Unfern vom Strom selbst lag eine Naumachie, von Augustus angelegt, in den Gärten Cäsars. Gleich jenseit des Pons Aelius (Engelsbrücke) lag das gewaltige Mausoleum Hadriani (s. Tafel »Architektur V«, Fig. 8 u. 9), das die Gräber aller Kaiser und deren Familienmitglieder von dem Gründer bis auf Caracalla enthielt, seit Honorius aber die Hauptfeste der Stadt bildete (die jetzige Engelsburg). Nördlich davon lag eine vielleicht von Trajan erbaute Naumachie, westlich der Neronische Zirkus. Hier ward auf dem vom Blute der Märtyrer geheiligten Boden unter Konstantin d. Gr. die Basilica Sancti Petri erbaut, die mit der Zeit das erste Heiligtum des christlichen R. ward.

Wasserleitungen, Thermen, Theater etc.

Große Sorgfalt ward auf die Versorgung der Stadt mit Wasser verwendet. Die erste Wasserleitung (s. Aquädukt) war die des Appius Claudius (312 v. Chr.); dann folgten der Anio vetus (272), die Aqua Marcia (144) und die Aqua Tepula (125). Die erste Wasserleitung westlich des Flusses legte Augustus 2 v. Chr. an, die Aqua Alsietina, zu der unter Trajan die Aqua Trajana hinzukam (jetzt Acqua Paola). Östlich des Tiber erbaute Agrippa noch die Aqua Julia (33 v. Chr.) und die Aqua Virgo (19 v. Chr.), Caligula und Claudius die Aqua Claudia (s. Tafel »Architektur V«, Fig. 3) und den Anio novus, die riesenhaftesten Werke dieser Art. Später kamen die Aqua Severiana und Alexandrina hinzu. Im engsten Zusammenhang mit den Aquädukten standen die Fontes, Lacus, Nymphaea, Piscinae, Balnea und Thermae der Stadt, Anlagen, deren große Zahl und schöne Ausstattung, zum Teil auch kolossale Ausdehnung dem alten R. ein eigentümliches Ansehen verliehen. Die Lacus, 1352 an Zahl, waren große, mit Bildwerken verzierte und danach benannte Wasserbassins, zum Teil mit Springbrunnen (salientes), die Nymphaea große, kuppelförmige Quellengebäude, deren die Regionen im ganzen 15 zählen, die Piscinae offene oder bedeckte Teiche zum Schwimmen, die Balnea Badeanstalten, deren die Regionen im ganzen 856 zählen. Die Thermae waren nicht bloße Bäder, sondern Orte, wo gymnastische Übungen, gesellschaftliche Unterhaltungen stattfanden und auch Kunstgenüsse geboten wurden, weshalb sie zahlreiche und verschiedenartige Räumlichkeiten in sich schlossen und zuletzt so weitläufige und komplizierte Anlagen wurden, wie sie uns die Thermen Caracallas und Diokletians wenigstens in Trümmern noch vor Augen führen. Die Säuberung der Stadt von Unrat und Wasser ward durch die Kloaken bewirkt, großartige, schon zur Zeit der Könige begonnene, in der republikanischen und der Kaiserzeit erweiterte und öfters restaurierte Werke (s. Kloake). Hier mögen auch genannt werden die öffentlichen Bedürfnisanstalten (latrinae), deren das Regionsverzeichnis 144, und die Bordelle (lupanaria), deren es 46 anführt.

Als öffentliche Anstalten für Unterhaltung, Zerstreuung und Bildung bestanden Theater, Amphitheater, Zirkusse und Stadien, Bibliotheken u. dgl. Die Theater dienten zur Ausführung szenischer Spiele und wurden geraume Zeit nur von Holz ausgerichtet und nach geschehener Benutzung wieder abgebrochen. An die Stelle dieser traten dann die stehenden, von Stein und zum Teil im großartigsten Stil aufgeführten Theater des Pompejus (55), des Cornelius Balbus (13) und das von Augustus dem Andenken seines Schwiegersohnes geweihte Theater des Marcellus (11), alle drei auf dem Marsfeld. Das Theater des Pompejus soll 9–10,000, das des Balbus 7–8000 und das des Marcellus 14,600 Sitzplätze gehabt haben. Nero und Domitian führten auch regelmäßige Wettkämpfe in der Musik, Poesie und Beredsamkeit ein, für die letzterer das Odeum mit 10,800 Plätzen erbaute. Die Amphitheater für Gladiatorenspiele, Tierkämpfe und Schauspiele, bei denen ein komplizierter Mechanismus gebraucht wurde, datieren als besondere und stehende Gebäude gleichfalls erst aus der Kaiserzeit. Das erste steinerne Amphitheater errichtete Statilius Taurus (29), und da dieses bald nicht mehr ausreichte, entstand ca. 70 bis 80 n. Chr. das Amphitheatrum Flavium (s. Kolosseum). Die Circi waren die ältesten der in Rede stehenden Anstalten (s. Circus). Öffentliche Bildungsanstalten waren die Bibliotheken, deren die Regionen 28 zählen. Die erste derselben war die im Atrium Libertatis von Asinius Pollio begründete, andre die von Augustus angelegte, im Tempel des Palatinischen Apollo, die in der Domus Tiberiana auf dem Palatin, in der Porticus Octaviae, im Templum Pacis; die Bibliotheca Ulpia und die Capitolina; eine jede bestand aus zwei Abteilungen, für lateinische und griechische Literatur. Die erste eigentliche Bildungsanstalt errichtete Hadrian in dem Athenaeum. in dem unter Anleitung besonderer Professoren Übungen in griechischer und lateinischer Poesie und Beredsamkeit angestellt wurden. Was endlich die Anstalten zur Verschönerung der Stadt betrifft, so gereichten außer den genannten Prachtgebäuden die Porticus, die Jani und die Triumphbogen der Stadt zur besondern Zierde. Erstere waren entweder bedeckte, an die Häuser angebaute Kolonnaden oder selbständige Hallen, die zuletzt alle bedeutendern Straßen und Plätze umgaben. Die Jani waren Durchgangsbogen auf frequenten Straßen und entweder Gemini oder Quadrifrontes, je nachdem der Durchgang ein einfacher oder ein Kreuzweg war. Die Arcus schmückten dagegen als Triumphbogen vornehmlich solche Plätze und Straßen, die bei Triumphzügen oder sonstigen militärischen Festlichkeiten frequentiert zu werden pflegten. Endlich ist hier noch der Kolossalstatuen, Obelisken und riesigen Säulen zu gedenken, von denen die des Trajan auf dessen Forum und die Marc Aurels sich erhalten haben, ebenso wie des letztern Reiterstatue, die früher beim Lateran stand, seit 1538 auf dem Kapitolplatz. Augustus und Agrippa schmückten die Kreuzwege, die öffentlichen Plätze, die Hallen, Parke, Thermen und Theater mit plastischen Kunstwerken aller Art, und ihrem Beispiel folgten die spätern Kaiser. Namentlich ward der Friedenstempel nachmals der Sammelplatz der ausgezeichnetsten Kunstwerke. Alexander Severus ließ allenthalben in der Stadt, besonders aber auf dem Forum Trajani und dem Forum transitorium, Statuen berühmter Männer aufstellen. Infolge der Bevorzugung Konstantinopels verlor die alte Kaiserstadt manches schöne Kunstwerk, doch fand noch der Ostgote Theoderich eine bedeutende Menge besonders eherner Statuen vor. – Die Geschichte des alten R. fällt zusammen mit der Geschichte des römischen Staates (s. Römisches Reich, S. 114 f.).

Unter den alten Quellen der Topographie Roms stehen neben den Inschriften der kapitolinische Stadtplan (zusammengesetzte Reste davon im Konservatorenpalast; hrsg. von Jordan in »Forma urbis Romae regionum XIV«, Berl. 1874) und das Regionenverzeichnis der Stadt R. obenan. Dasselbe ist in einer zweifachen Redaktion vorhanden, einer ältern, der »Notitia«, und einer jüngern, dem »Curiosum urbis Romae regionum XIV cum breviariis suis«. Beide rühren aus einer unter Konstantin d. Gr. aufgenommenen Urkunde her, die eine übersicht über die 14 Regionen des Augustus gab. Die Literatur über die Topographie des alten R. beginnt mit dem Wiederaufleben der klassischen Studien im 15. Jahrh. und wurde dann besonders gefördert durch die seit Anfang des 19. Jahrh. (zuerst unter Feas Leitung) angestellten Ausgrabungen. Die wichtigsten Werke sind von Flavius Blondus (1474), Donatus (Rom 1638), Desgodetz (Par. 1682), Overbeke (Haag 1707, 2 Bde.), Piranesi (Rom 1756; Par. 1836 ff.; Auswahl von 320 Tafeln, Wien 1892), Guattani (Rom 1805, 2 Bde.), Fea (das. 1820, 3 Bde.), Rossini (das. 1822–23), CaninaIndicazione topografica di Roma antica«, 4. Aufl., das. 1850; »Edifizj di Roma antica«, das. 1848–56, 6 Bde.), NibbyRoma nell' anno 1838«, 1843, 4 Bde.). Aus der neuern Literatur sind anzuführen: Platner, Bunsen, Gerhard, Urlichs u.a., Beschreibung der Stadt R. (Hauptwerk, Stuttg. 1830 bis 1842, 3 Bde.; im Auszug 1843); W. A. Becker, Topographie der Stadt R. (Leipz. 1843); Preller, Die Regionen der Stadt R. (Jena 1846); Jordan, Topographie der Stadt R. im Altertum (Bd. 1, 1. u. 2. Abt., Berl. 1878–85; 3. Abt., bearbeitet von Hülsen, 1906; vorher erschien Bd. 2, das. 1871); O. Richter, Topographie von R. (in J. Müllers »Handbuch der klassischen Altertumswissenschaft«, Bd. 3, 2. Aufl., Münch. 1901); Gilbert, Geschichte und Topographie der Stadt R. im Altertum (Leipz. 1883 bis 1890, 3 Bde.); Lancianis großer Plan vom alten R.: »Forma urbis Romae«, 1: 1000 (46 Blatt, Mail. 1893–1901), und dessen übrige Werke (s. Lanciani); Homo, Lexique de topographie romaine (Par. 1900); H. Kiepert u. Hülsen, Formae urbis Romae antiquae (Berl. 1896, 3 Blatt) und Hülsens »Wandplan von R.«, 1: 4250 (2. Aufl., das. 1905); Hülsen, Das Forum Romanum, seine Geschichte und seine Denkmäler (2. Aufl., Rom 1905), und Hülsens Arbeiten in den »Mitteilungen des kaiserlich deutschen archäologischen Instituts«; die »Notizie degli scavi« (seit 1876) und das »Bullettino della commissione archeologica municipale« (seit 1872).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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