Schulte

Schulte, 1) Johann Friedrich, Ritter von, Kirchenrechtslehrer und Vertreter der altkatholischen Bewegung, geb. 23. April 1827 zu Winterberg in Westfalen, studierte in Berlin Philologie und die Rechte, promovierte daselbst 1851, arbeitete dann beim Kreisgericht und habilitierte sich in Bonn als Privatdozent. 1854 als außerordentlicher Professor des Kirchenrechts nach Prag berufen, wurde er hier 1855 ordentlicher Professor, 1856 Konsistorial- und Ehegerichtsrat, welch letztere Stellung er jedoch 1870 niederlegte, 1869 in den erblichen Ritterstand erhoben. 1872 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor der Rechte und Geheimer Justizrat nach Bonn. 1874–79 war er Mitglied des deutschen Reichstags, wo er sich der nationalliberalen Partei anschloß. An der altkatholischen Bewegung, deren Geschichte er in dem Werke »Der Altkatholizismus« (Gießen 1887) darstellte, nahm er hervorragenden Anteil. Er präsidierte den altkatholischen Kongressen zu München (1871), Köln (1872), Konstanz (1873), Freiburg (1874), Breslau (1876), ward 1872 zum Vorstand der in Köln eingesetzten Kommission für die Wahl eines altkatholischen Bischofs ausersehen, in welcher Eigenschaft er die bezüglichen Verhandlungen führte, und ist seit Begründung der altkatholischen Spezialrepräsentanz (29. Mai 1874) nächst dem Bischof deren Vorsitzender. Er schuf eine Reihe von grundlegenden Werken auf dem Gebiete der Dogmatik und Geschichte des katholischen Kirchenrechts, wie: »Handbuch des katholischen Eherechts« (Gießen 1855); »Das katholische Kirchenrecht« (das. 1856–60, 2 Tle.); »Lehrbuch des katholischen Kirchenrechts« (das. 1863; in 4. Aufl. erweitert als »Lehrbuch des katholischen und evangelischen Kirchenrechts«, 1886); »Die Geschichte der Quellen und Literatur des kanonischen Rechts« (Stuttg. 1875–80, 3 Bde.) und »des evangelischen Kirchenrechts« (das. 1880). Außerdem nennen wir von ihm: »Darstellung des Prozesses vor den katholischen geistlichen Ehegerichten Österreichs« (Gießen 1858); »Lehrbuch der deutschen Reichs- und Rechtsgeschichte« (Stuttg. 1861, 6. Aufl. 1892); »Die juristische Persönlichkeit der katholischen Kirche« (Gießen 1869); »Über Kirchenstrafen« (Berl. 1872); »Karl Friedrich Eichhorn, sein Leben und Wirken« (Stuttg. 1884); »Die Summa des Stephanus Tornacensis über das Decretum Gratiani« (das. 1891). Gegen den Ultramontanismus trat er in folgenden Schriften auf: »Die Macht der römischen Päpste über Fürsten, Länder, Völker und Individuen« (Prag 1871; 3. Aufl., Gießen 1896); »Denkschrift über das Verhältnis des Staats zu den Sätzen der päpstlichen Konstitution vom 18. Juli 1870« (Prag 1871); »Die Stellung der Konzilien, Päpste und Bischöfe« (das. 1871); »Die neuern katholischen Orden und Kongregationen« (Berl. 1872); »Der Zölibatszwang« (Bonn 1876).

2) Aloys, deutscher Geschichtsforscher, geb. 2. Aug. 1857 zu Münster i. W., studierte seit 1876, arbeitete 1880–83 am »Straßburger Urkundenbuch«, von dem er den 3. und 4. Band (Straßb. 1884–88) herausgab, war 1883–85 Archivsekretär am fürstlich Fürstenbergischen Archiv in Donaueschingen, 1885–1893 Archivrat am badischen Generallandesarchiv in Karlsruhe und wurde 1893 Professor der Geschichte in Freiburg, 1896 in Breslau, 1903 in Bonn, nach dem er 1901–03 das preußische historische Institut in Rom geleitet halte. S. schrieb: »Die sogenannte Chronik des Heinrich von Rebdorf« (Dissertation, Münster 1879); »Geschichte der Habsburger in den ersten drei Jahrhunderten« (Innsbr. 1887); »Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden und der Reichskrieg gegen Frankreich 1693–1697« (Karlsr. 1892, 2 Bde.); »Geschichte des mittelalterlichen Handels und Verkehrs zwischen Westdeutschland und Italien« (Leipz. 1900, 2 Bde.); »Die Fugger in Rom« (das. 1904, 2 Bde.); »Kaiser Maximilian I. als Kandidat für den päpstlichen Stuhl 1511« (das. 1906).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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