Seife

ÔĽŅ
Seife

Seife, das Produkt der Einwirkung von √§tzenden Alkalien und Wasser auf Fette. Letztere bestehen aus Glyzeriden der Stearins√§ure, Palmitins√§ure und √Ėls√§ure (Stearin, Palmitin und Olein), und diese Fetts√§ureglyzerylester werden durch L√∂sungen von √Ątzkali oder √Ątznatron (Laugen) zersetzt (verseift, Saponifikation), indem sich stearin-, palmitin- und √∂lsaures Alkali bilden und Glyzerin abgespaltet wird. Das Gemisch der genannten Alkalisalze ist die S. Je reicher das Fett an Stearin und Palmitin ist, um so h√§rter wird die S., w√§hrend die oleinreichen √Ėle weichere S. liefern. Von gr√∂√üerm Einflu√ü auf die Konsistenz der Seifen ist aber die Natur des Alkalis. Mit √Ątzkali bereitete Kaliseifen sind stets weich, schmierig, hygroskopisch (Schmierseifen), w√§hrend die Natronseifen (Sodaseifen) hart, fest, luftbest√§ndig sind. Wenn man die w√§sserige L√∂sung einer Kaliseife mit Kochsalz (Chlornatrium) behandelt, so entstehen Natronseife und Chlorkalium. Doch enth√§lt die S. stets noch etwas Kaliseife. Man erh√§lt auch S., wenn man fette S√§uren, wie die Oleins√§ure, die im Handel als Olein vorkommt, mit √§tzenden oder kohlensauren Alkalien neutralisiert. Man benutzt zur Seifenbereitung Talg, Palm√∂l, Palmkern√∂l, Kokos√∂l, Baum√∂l, Sesam√∂l, Erdnu√ü√∂l, Baumwollsamen√∂l, Tran, Lein√∂l, Hanf√∂l, seltener R√ľb√∂l, Schmalz, Pferdefett etc. Ferner wird die in Stearinfabriken abfallende √Ėls√§ure auf S. verarbeitet und zur Darstellung der Harzseifen das Fichtenharz, stets aber nur in Verbindung mit Fetten, da die Seifen aus reinem Harz niemals fest werden und auch als Schmierseifen nicht verwendbar sind. Die L√∂sungen von √Ątzkali oder √Ątznatron bilden die Laugen des Seifensieders. Fr√ľher bereitete der Seifensieder diese selbst aus Holzasche, aus Pottasche (kohlensaures Kali) oder Soda (kohlensaures Natron), mit Hilfe von √Ątzkalk, der dem Alkalisalz die Kohlens√§ure entzieht, so da√ü aus kohlensaurem Kali, resp. Natron √Ątzkali, bez. √Ątznatron wird. Bequemer ist die Benutzung von fertigem √Ątznatron aus den Sodafabriken. Da nun mit 40 Teilen √Ątznatron dasselbe erreicht wird wie mit 56 Teilen √Ątzkali, und da √ľberdies die Natronverbindungen erheblich billiger sind als die entsprechenden Kaliverbindungen, so werden letztere fast nur noch zu Schmierseifen benutzt, w√§hrend man fr√ľher, solange Pottasche billiger war als Soda, Kaliseifen darstellte und diese durch Kochsalz (Chlornatrium) in Natronseife verwandelte. Die Konzentration der Laugen richtet sich teils nach dem einzuschlagenden Verfahren bei der Seifenbereitung, teils nach der Natur des zu verarbeitenden Fettes. Talg erfordert z. B. schwache, Kokos√∂l sehr starke Laugen. Die zur Verseifung der Fette erforderliche Menge Alkali schwankt nach der Zusammensetzung der Fette. Man braucht zur Verseifung von

Tabelle

Bei der Fabrikation billiger Seifen wird auch Wasserglas in großer Menge angewendet, und in Nordamerika benutzt man zur Verseifung aus Kryolith erhaltenes Natronaluminat.

Beim Zusammentreffen der Fette mit √Ątzkali bildet sich zuerst eine emulsions√§hnliche Mischung des Fettes mit der Lange, dann entstehen saure fettsaure Salze, die noch unzersetztes Fett suspendiert enthalten, und schlie√ülich wird letzteres allm√§hlich auch verseift, wobei die sauren Salze in neutrale, in S., √ľbergef√ľhrt werden. Zur Ausf√ľhrung der Arbeit benutzt man gro√üe, schmiedeeiserne Kessel und heizt diese mit direkter Feuerung oder Dampf. Zur Darstellung von Kernseife kocht man das Fett unter allm√§hlichem Zusatz von starker Lauge, bis eine Probe des entstandenen Seifenleims auf Glas vollkommen klar erscheint. Dann f√ľgt man 10‚Äď12 Proz. Kochsalz zu und erreicht dadurch bei der Unl√∂slichkeit der S. in Kochsalzl√∂sung eine vollst√§ndige Gerinnung des Seifenleims zu wei√ülichen Flocken, zwischen denen klare Salzl√∂sung steht. Bei weiterm Sieden (Klarsieden) zieht sich die S. mehr und mehr zu rundlichen K√∂rnern zusammen und erreicht endlich die erforderliche Beschaffenheit, um in Formen gesch√∂pft werden zu k√∂nnen, in denen sie erstarrt. Durchzieht man sie in den Formen mit einem R√ľhrstab der Breite, dann der L√§nge nach in geraden Linien, so zeigen sie nach dem Erstarren Mandeln oder Blumen, n√§mlich Reihen von dunklern mandelf√∂rmigen Stellen in hellerm Grunde. H√§ufig wird die Kernseife geschliffen, und zwar von oben, indem man nach dem Klarsieden ganz schwache Lauge oder Wasser hinzuf√ľgt, oder bei sehr unreinen Materialien von unten. indem man die Unterlauge (eine L√∂sung von Kochsalz, √ľbersch√ľssigem Alkali, allerlei Verunreinigung und als wichtigsten Bestandteil Glyzerin) abzieht und frische Lauge mit etwas Salz zusetzt. Bei starkem Kochen wird die S. dann wasserhaltiger. Nicht geschliffene S. erstarrt zu einer gleichm√§√üigen wei√ülichen oder grauwei√üen Masse, in der etwas wasserhaltigen aber scheidet sich bei langsamem Erkalten die Stearin- und Palmitinseife kristallinisch von der Oleinseife, die alle f√§rbenden Verunreinigungen (Eisenseife, Schwefeleisen) einschlie√üt. So entsteht die Kern- und Flu√übildung der marmorierten S., die noch verst√§rkt wird, wenn man Eisenvitriol, Bolus oder Frankfurterschwarz bei der Verseifung zusetzt. L√§st man m√∂glichst d√ľnn geschliffene S. l√§ngere Zeit ruhig stehen und sch√∂pft sie dann vom Bodensatz ab, so er h√§lt man glatte, abgesetzte wei√üe Kernseife, die aber mehr Wasser enth√§lt als die marmorierte. Die Marmorierung bietet also Garantie, da√ü der Wassergehalt eine gewisse Grenze nicht √ľberschreitet. 100 Teile Tal g geben 155 Teile Kernseife und etwa 5 Proz. mehr geschliffene marmorierte S. Marseiller S. wird aus 6 dz Baumwollsamen- und 6 dz Erdnu√ü√∂l mit Natronlauge dargestellt. Man salzt aus, zieht die Lauge ab, versiedet den Kern mit 4 dz Palmkern√∂l und 4 dz Kokos√∂l und Natronlauge, salzt aus, zieht die Lauge ab, siedet den Kern dreimal mit frischer Lauge, w√§scht ihn dann mit Salzwasser und f√ľgt etwas Wasser hinzu, um ihn anzuschleifen. Nach dem Ablassen der Lauge schleift man die S. noch mit etwas Wasser und bringt sie in Formen. Die sogen. Wachsseife (Bleichseife) wird aus einem Gemisch von Talg, Kokos√∂l und Palm√∂l dargestellt, ist sehr rein und vollkommen neutral, sch√§umt besser als Talgseife und eignet sich auch f√ľr F√§rbereien. Sie wird h√§ufig mit dem wie Bittermandel√∂l riechenden Nitrobenzol parf√ľmiert (Mandelseife). Kernseife wird auch mit Harz dargestellt, indem man fertige Kernseife mit fertiger Harzseife mischt, oder eine Mischung von Fetten mit Harz verseift, dann die S. aussalzt, klar siedet, in Formen f√ľllt und so stark mit hei√üem Wasser schleift, da√ü ein fl√ľssiger Leim entsteht. √Ėls√§ure neutralisiert man mit einem Gemisch von kohlensaurem und √§tzendem Alkali. Man setzt die √Ėls√§ure zu der siedenden Lauge, kocht unter weiterm Zusatz von Lauge, bis die S. fertig ist, salzt dann aus etc. Diese S. ist weicher und leichter l√∂slich als Talgkernseife, wird aber h√§rter, wenn man mit der √Ėls√§ure etwas Talg verarbeitet.

Die Leimseifen werden stets mit Kokos√∂l dargestellt, das sich zwar sehr leicht, aber nur mit starken Laugen verseifen l√§√üt und eine S. liefert, die unbeschadet ihrer H√§rte 50‚Äď60, selbst 75 Proz. Wasser, auch schwache Lauge bindet, niemals marmoriert, sondern stets wei√ü, alabasterartig durchscheinend ist, sehr stark sch√§umt und sich nur mit sehr viel Kochsalz aussalzen l√§√üt. R√ľhrt man fl√ľssiges Kokos√∂l mit starker Lauge zusammen, so wird es sehr schnell verseift, und die S. kann alsbald in Formen gef√ľllt werden (kalt ger√ľhrte S.). Meist wird reine Kokosseife und besonders Toilettenseife auf kaltem Wege dargestellt, indem man das geschmolzene Fett in die Form bringt, die Lauge unter best√§ndigem R√ľhren zusetzt und, wenn die Masse hinreichend verdickt ist, Farbstoffe und Parf√ľme beimischt. Gemische von Kokos√∂l mit andern Fetten werden wie gew√∂hnlich gekocht, aber auch diese Seifen binden sehr viel Wasser und Salzl√∂sung, erscheinen dabei vollkommen hart, schrumpfen aber beim Aufbewahren stark ein und √ľberziehen sich, wenn sie freies Alkali enthalten, mit seinen wei√üen Kristallen. Diese Seifen werden vielfach mit St√§rke, Leim, Kreide, Ton etc. verf√§lscht, auch mit Wasserglas gef√ľllt. Die nach ihrem Ursprungsort benannten Eschweger Seifen (k√ľnstliche Kernseifen, Halbkernseifen) zeigen gute Marmorierung, sind fest und trocken, enthalten aber ziemlich viel Wasser. Zu ihrer Darstellung verseift man Talg oder Palm√∂l oder eine Mischung von beiden mit Sodalauge, salzt aus, sch√∂pft den Kern in eine K√ľhlb√ľtte, mischt ihn mit einer mit Kali- und Natronlauge bereiteten Kokosseife und kocht unter Zusatz von Lauge und etwas Salzwasser, um gr√∂√üere Ausbeute zu erzielen. Die S. wird dann in Formen gef√ľllt und die Flu√übildung durch gutes Zudecken bef√∂rdert. 100 Teile Fett liefern 200 Teile S. und mehr. Harzseifen werden aus Kokos√∂l, Palm√∂l, Talg und 30‚Äď100 Proz. Harz dargestellt. Diese Seifen pflegen stark mit Salzwasser gef√ľllt zu sein, enthalten freies Alkali, l√∂sen sich leicht in Wasser und sch√§umen sehr gut. Man erh√§lt 300 Proz. und mehr Ausbeute. Aus ungebleichtem Palm√∂l und wenig Harz erh√§lt man gelbe, bei sehr hohem Harzgehalt braune Seifen. Die in den h√∂lzernen oder eisernen Formen erstarrte S. wird mittels eines aus Draht gefertigten Seifenschneiders in Riegel zerschnitten.

Schmierseife wird aus Lein√∂l, Hanf√∂l, Tran, R√ľb√∂l, √Ėls√§ure und Kalilauge dargestellt. Man setzt indes stets etwas Natronlauge zu, weil sie billiger ist und natronhaltige S. mehr Wasser bindet, ohne zu weich zu werden. Das Fett wird zuerst mit schwacher Lauge, dann unter Zusatz von st√§rkerer Lauge gekocht und schlie√ülich die S. mit sehr starker Lauge abgerichtet. 100 Teile Fett liefern 240‚Äď250 Teile Schmierseife, doch werden h√§ufig bis 400 Teile dargestellt, indem man Harzseife zusetzt oder die S. mit St√§rkemehl, Ton, Speckstein, Wasserglas verf√§lscht. Man unterscheidet im Handel √Ėlseife (Kronseife, braune, schwarze, gr√ľne S.), eine dicke, durchscheinende, braune bis schwarze, auch gr√ľne, penetrant riechende Masse mit 50 Proz. Wassergehalt, die aus Hanf√∂l, Lein√∂l, R√ľb√∂l, Tran, √Ėls√§ure dargestellt und mit Indigo gr√ľn, mit Gall√§pfelabkochung und Eisenvitriol schwarz gef√§rbt wird, und glatte Elain-, Sch√§l- oder Silberseife, die gew√∂hnlich aus Palm√∂l und √Ėls√§ure oder aus √Ėlen unter Zusatz von Sodalauge dargestellt wird und gelblichwei√ü mit silberartigem Schein ist. Eine klare Schmierseife mit gr√∂bern, k√∂rnig kristallinischen Ausscheidungen von stearin- und palmitinsaurem Kali erh√§lt man aus √Ėl mit Palm√∂l oder Talg und m√∂glichst sodafreier Lauge, wenn man die S. bei 9‚Äď12¬į langsam erkalten l√§√üt. Solches Korn wird auch durch Beimischung von St√§rke-, Ton- und Kalkk√∂rnchen nachgeahmt. Toilettenseifen, wie Mandelseife etc., werden sorgf√§ltig aus sehr reinen Materialien dargestellt, gef√§rbt und parf√ľmiert. Man verwandelt die S. in Sp√§ne, setzt die Riech- und Farbstoffe zu, mischt die Masse auf der Piliermaschine oder Broyeuse zwischen Walzen und formt sie durch Pressen auf der Ballmaschine oder Peloteuse. Transparente S. erh√§lt man durch Aufl√∂sen trockener Talgseife in Spiritus und Eingie√üen der klaren, gef√§rbten und parf√ľmierten S. in Blechformen, in denen sie in einigen Wochen erstarrt; auch mit Soda- und Zuckerl√∂sung wird transparente S. dargestellt. Glyzerinseife erh√§lt man durch L√∂sen von Glyzerin in S. Bimssteinseife wird durch Einr√ľhren von Bimssteinpulver in geschmolzene S. dargestellt und von Handarbeitern benutzt. Seifenmehl (Seifenpulver, Waschpulver, Fettlaugenmehl, Seifenextrakt), ein als Wasch- und Reinigungsmittel vielgebrauchtes Fabrikat, wird durch Verseifen von Olein mit √Ątznatronlauge, Zusatz von mehr oder weniger kalzinierter Soda und Wasser, Verdampfen, Trocknen und Mahlen hergestellt. Die zum Mahlen benutzte M√ľhle von Dick in Haaren bei Aachen besitzt ein Brechwerk, Mahlwalzen und ein Siebwerk.

Alkalische Erden, Erden und Metalloxyde bilden mit den S√§uren der Fette unl√∂sliche Seifen. Kalkseife entsteht beim Waschen mit hartem Wasser; daher bildet letzteres mit S. keinen Schaum und eignet sich √ľberhaupt nicht zum Waschen. Kalkseife entsteht auch in Dampfkesseln, wenn mit kalkhaltigem Speisewasser Schmier√∂l hineingelangt. Auch spielt sie eine Rolle bei der Darstellung von Stearins√§ure. Tonerdeseife kommt beim Wasserdichtmachen der Gewebe, beim Avivieren mit Tonerdesalzen gebeizter Gewebe und beim Leimen des Papiers zur Anwendung; Manganseife dient als Sikkatif; Bleiseife ist Bleipflaster; ein Gemenge von Kupfer- und Eisenseife dient zum Bronzieren von Gipsabg√ľssen; Arsenikseife ist ein Gemisch von S., Arseniger S√§ure, Pottasche, Kalk und Kampfer und wird zum Konservieren von Tierb√§lgen benutzt. Zu medizinischen Zwecken bereitet man eine Kaliseife (Sapo kalinus) aus 20 Teilen Lein√∂l, 27 Teilen Kalilauge und 2 Teilen Weingeist im Dampfbad und eine Natronseife (medizinische S, Sapo medicatus) aus 120 Teilen Natronlauge, 50 Schmalz, 50 Oliven√∂l, 12 Weingeist und 200 Teilen Wasser im Dampfbade; letztere wird mit einer L√∂sung von 25 Teilen Kochsalz und 3 Teilen Soda in 80 Teilen Wasser ausgesalzen. dann abgewaschen, stark ausgepre√üt, getrocknet und gepulvert. Auch Jalappenseife aus gleichen Teilen Natronseife und Jalappenharz, Schwefelseife mit 510 Proz. Schwefel oder Schwefelcalcium, Teerseife, Sublimatseife werden arzneilich benutzt. Durch Zentrifugieren des Seifenleims hat man neutrale Seifen f√ľr medizinische Zwecke hergestellt. √úberfettete S. ist neutrale S., aus 3 Teilen Talg und 1 Teil Oliven√∂l mit Natronlauge bereitet, enth√§lt 2 Proz. Lanolin und 3 Proz. Oliven√∂l. Man benutzt S. in der Medizin als desinfizierendes Mittel bei verschiedenen Hautkrankheiten, √§u√üerlich auch bei Skrofulose, Tuberkulose und sehr allgemein (besonders die √ľberfettete S.) als Vehikel f√ľr Arzneimittel (Sublimat, Jod, Jodoform, Salizyls√§ure, Menthol etc.). Solche Arzneimittel werden auch in Mischung mit Seifenpulver angewandt. Schlie√ülich dient S. zu Zahnseifen (Odontine, Kalodont), Suppositorien, Klistieren.

Gew√∂hnliche S. l√∂st sich in Alkohol und in wenig Wasser. Mit viel Wasser zersetzt sich die S. unter Abscheidung von unl√∂slichem sauren, stearin- und palmitinsauren Alkali, w√§hrend basisches Salz gelost bleibt. Dies wirkt l√∂send auf den Schmutz, welcher der Haut oder den Geweben meist durch Vermittelung von Fett anhaftet, das Fett wird von der alkalischen L√∂sung aufgenommen, und so wird der Staub etc. beweglich und haftet an den Flocken des unl√∂slichen sauren Salzes, das also f√ľr die Reinigung nicht bedeutungslos ist. Bei der Wirkung der S. kommt auch die gro√üe Benetzbarkeit aller K√∂rper durch Seifenl√∂sung und die alkalische Beschaffenheit der letztern in Betracht.

Bei der Untersuchung von S. wird der Wassergehalt durch anhaltendes Trocknen bei 110¬į und sofortiges W√§gen bestimmt. Zur Bestimmung des Fetts√§uregehalts √ľbergie√üt man 6‚Äď10 g S. mit der 20‚Äď30 sachen Menge zw√∂lffach verd√ľnnter Schwefels√§ure, erw√§rmt bis zur v√∂llig klaren Abscheidung der fetten S√§uren, schmelzt diese mit einer gewogenen Menge gut getrockneten wei√üen Wachses oder Stearins√§ure zusammen, w√§scht den erstarrten Kuchen auf einem Filter mit destilliertem Wasser, bis dieses frei von Schwefels√§ure ist, und trocknet ihn unter einer Glocke √ľber konzentrierter Schwefels√§ure. Von dem Gewicht des Kuchens zieht man dasjenige des Wachses ab, der Rest repr√§sentiert die fetten S√§uren der S. Verf√§lschungen von S. mit Kiesels√§ure, Kreide, St√§rkemehl bleiben ungel√∂st zur√ľck, wenn man die S. in Alkohol l√∂st; enth√§lt die S. Wasserglas, so scheidet S√§ure aus der w√§sserigen L√∂sung gallertartige Kiesels√§ure ab. Zusammensetzung einiger Scisen:

Tabelle

Im Homerischen Zeitalter war die S. nicht bekannt, und noch lange Zeit benutzte man zum Waschen Holzasche, nat√ľrliche Soda, Pflanzenabkochungen, vor allem aber gefaulten Urin. Vielleicht haben die Ph√∂niker die S. erfunden, nach Plinius bereiteten die Gallier feste und fl√ľssige S. aus Ziegentalg und Buchenasche und benutzten sie als √§u√üerliches Arzneimittel und als Haarversch√∂nerungsmittel; Galenos spricht von der deutschen S., die als Reinigungsmittel benutzt werde. Vielleicht aber war diese S. nur eine Mischung von Fett mit Asche, sp√§ter mit Aschenlauge, wie dergleichen die Kabylen noch heute auf den Markt von Inneralg√©rien bringen. Durch die Benutzung von gebranntem Kalk bei der Herstellung der Lauge wurden dann bessere Seifen erzielt. Nachdem die Seifensiederei aus einem Haushaltungsgesch√§ft in den gewerblichen Betrieb √ľbergegangen war, scheint sie sich jahrhundertelang durch das Mittelalter hindurch ohne besondere Entwickelung erhalten zu haben. Schon im 9. Jahrh. hatte Marseille einen bedeutenden Seifenhandel, im 15. Jahrh. lag der Handel besonders in den H√§nden Venedigs, und im 17. Jahrh. hatten Savona, Genua und Marseille die F√ľhrung. Marseille hat sich seitdem zum wichtigsten Fabrikplatz der Welt erhoben. M√§chtige F√∂rderung erhielt die Seifenindustrie, seitdem Chevreul die Natur der Fette und mithin das Wesen des Verseifungsprozesses kennen gelehrt, anderseits die Entwickelung der Sodaindustrie einen m√§chtigen Ansto√ü gegeben hatte. Gegenw√§rtig wird aus Liverpool allein mehr S. j√§hrlich ausgef√ľhrt als vor Begr√ľndung der Sodaindustrie aus s√§mtlichen H√§fen Gro√übritanniens zusammengenommen. Weiterhin wurde die Seifenindustrie durch die Einf√ľhrung von Palm√∂l, Kokos√∂l, s√ľdamerikanischem und australischem Talg und nordamerikanischem Fichtenharz beg√ľnstigt. Das Kokos√∂l gestattete die Herstellung der Leimseifen, es kam um 1830 nach Deutschland, und Douglas bereitete zuerst Kokosnu√ü√∂l-Sodaseife auf kaltem Wege f√ľr medizinische Zwecke. Deutschland f√ľhrte 1905 an S. 14,539 dz ein und 98,906 dz aus. Vgl. die Handb√ľcher der Seifenfabrikation von Wiltner (6. Aufl., Wien 1906), Fischer (8. Aufl., Leipz. 1904), Engelhardt (2. Aufl., Wien 1896, 2 Bde.; ¬ĽToiletteseifen¬ę, das. 1888), Deite (3. Aufl. mit andern Fachm√§nnern, Berl. 1903‚Äď06, 2 Bde.); Brannt, Treatise on the manufacture of soap (Lond. 1888); Watt, Art of soap making (6. Aufl., das. 1901); Moride, Trait√© pratique de savonnerie (2. Aufl., Par. 1895, 2 Bde.); Lamborn, Modern soaps etc. (das. 1906); Eger, Seifenindustrie (Hannov. 1907); Stiepel, Grundz√ľge der allgemeinen Chemie und die Technik der Untersuchung etc. in der Seifenindustrie (Augsb. 1907); Unna, √úber medizinische Seifen (Leipz. 1885); Jessner, Die kosmetische und therapeutische Bedeutung der S. (2. Aufl., W√ľrzb. 1906). Zeitschriften: ¬ĽDer Seifenfabrikant¬ę (Berl., seit 1881); ¬ĽSeifensieder-Zeitung¬ę (Augsb., seit 1873); ¬Ľ√Ėl- und Fettzeitung¬ę (Berlin, seit 1904).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Seife [1] ‚ÄĒ Seife wird hergestellt durch Behandeln von Fett oder fettem Oel mit Lauge, meist durch Sieden, in einzelnen F√§llen durch Zusammenr√ľhren des geschmolzenen Fettes mit der Lauge, bisweilen auch auf halbwarmem Wege. Die Laugen sind entweder Kali… ‚Ķ   Lexikon der gesamten Technik

  • Seife [4] ‚ÄĒ Seife und Seifenpulver. Der stets wachsende Bedarf der Kunstbutterfabriken an guten Fetten aller Art, die fr√ľher haupts√§chlich in der Seifenfabrikation Verwendung fanden, hat bereits vor dem Kriege in dieser einen Notstand hervorgerufen, der sie… ‚Ķ   Lexikon der gesamten Technik

  • Seife [3] ‚ÄĒ Seife. ^– In neuerer Zeit haben viele Seifenfabriken angefangen, Fetts√§uren mit L√∂sungen von kohlensauren Alkalien in Seife √ľberzuf√ľhren. Diese sogenannte Karbonatverseifung wird in folgender Weise ausgef√ľhrt: Die zuvor genau berechnete… ‚Ķ   Lexikon der gesamten Technik

  • Seife [5] ‚ÄĒ Seife in Zinntuben ist neuerdings ein begehrter Artikel geworden. Sie mu√ü eine milde Seife sein, da bei einem Alkali√ľberschu√ü das Zinn angegriffen wird. Dies tritt besonders ein, wenn man bei der Herstellung st√§rkere kohlensaure L√∂sungen… ‚Ķ   Lexikon der gesamten Technik

  • Seife [2] ‚ÄĒ Seife, in der Druckerei und F√§rberei. Unter Seife versteht man bekanntlich ein Gemisch von Alkalisalzen einiger h√∂herer Homologe der Fetts√§urereihe, namentlich der Stearin , Palmitin , Oels√§ure und andrer nahe verwandter S√§uren. Die Natriumsalze… ‚Ķ   Lexikon der gesamten Technik

  • Seife ‚ÄĒ Seife: Das westgerm. Substantiv mhd. seife, ahd. seifa, seipfa, niederl. zeep, engl. soap, das im Ahd. und Aengl. auch ¬Ľ‚ÄĻtropfendes‚Äļ Harz¬ę bedeutete, geh√∂rt mit mhd. sńęfen, aengl. sńępian ¬Ľtr√∂pfeln, sickern¬ę zu der unter ‚ÜĎ Sieb behandelten… ‚Ķ   Das Herkunftsw√∂rterbuch

  • Seife ‚ÄĒ Sf std. (8. Jh.), mhd. seife, ahd. seiffa, mndd. sńďpe, mndl. sńďpe Stammwort. Entsprechend ae. sńĀpe. Ae. sńĀp, ahd. seifa bedeuten Harz , das Wort Seife kann eine Zugeh√∂rigkeitsbildung dazu sein. Das Harz wiederum kann als das Tr√∂pfelnde bezeichnet ‚Ķ   Etymologisches W√∂rterbuch der deutschen sprache

  • Seife ‚ÄĒ Seife, 1) (Chem.), die Fette lassen sich in chemischer Beziehung betrachten als Salze, welche aus einer od. mehren eigenth√ľmlichen S√§uren, die bei gew√∂hnlicher Temperatur theils fl√ľssig, theils fest sind, u. einer gemeinsamen Base, dem Lipyloxyd… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Seife ‚ÄĒ [Basiswortschatz (Rating 1 1500)] Auch: ‚ÄĘ Seifenoper Bsp.: ‚ÄĘ Nimm viel Seife und Wasser! ‚ÄĘ Ich habe Seife ‚Ķ   Deutsch W√∂rterbuch

  • Seife ‚ÄĒ Seife, zum Waschen dienendes chem. techn. Produkt, das beim Versieden von Fetten mit Kali oder Natronlauge, sowie beim Neutralisieren von Fetts√§uren mit Alkalien oder kohlensauren Alkalien entsteht. Die dabei stattfindende chem. Reaktion,… ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.