Clarendon

Clarendon (spr. klärrend'n), 1) Edward Hyde, Graf von, Großkanzler von England, geb. 18. Febr. 1609 zu Dinton in Wiltshire, gest. 9. Dez. 1674 in Rouen, gehörte seit 1640 im Parlament zur Reformpartei, trat aber den aufeine Änderung der Verfassung abzielenden Plänen derselben entgegen und begab sich 1642 nach York zum König, der ihn 1643 zum Mitgliede des Geheimen Rates und Kanzler der Schatzkammer ernannte. Später ward er dem Prinzen von Wales (nachmals Karl II.) beigegeben, den er 1646 nach der Scillyinsel und nach Jersey begleitete, und dem er 1648 nach Frankreich folgte. Er übernahm für denselben verschiedene diplomatische Sendungen und war seit 1654 der eigentliche Leiter der Politik des Prinzen. 1658 zum Lord-Kanzler ernannt, führte er die Verhandlungen über die Restauration der Stuarts und wurde darauf zum Peer mit den Titeln Baron Hyde, Viscount Cornbury und Graf von C. und zum Kanzler der Universität Oxford ernannt. Er führte die Wiederherstellung der bischöflichen Kirche durch, trat aber den Absichten des Königs, der die Katholiken zu begünstigen beabsichtigte, entgegen, während er das Parlament reizte, indem er dessen Recht der Kontrolle über die Verwendung der Einkünfte bestritt und Auflösung anriet. Da nun auch der von ihm begonnene Krieg mit Holland unglücklichen Verlauf nahm, ließ Karl ihn fallen; C. ward 30. Aug. 1667 abgesetzt und floh, des Hochverrats angeklagt, nach Frankreich. Sein Leichnam ward später in der Westminsterabtei beigesetzt. Unter seinen Schriften ist die »History of the rebellion and civil wars in England« (Oxford 1702, 3 Bde.; zuletzt 1849 in 7 Bdn.), ergänzt durch »The history of the civil war in Ireland« (Lond. 1721; neue Ausg. beider Werke in 1 Bd., Oxford 1842), die bedeutendste; sie hat lange die historische Auffassung der englischen Revolution beherrscht. Vgl. außerdem: »Calendar of the Clarendon's state papers« (Oxford 1767–86); »The life of Edward, Earl of C.« (das. 1761, 3 Bde.; neue Ausg., das. 1857) sowie Lister, Life and administration of C. (Lond. 1838). – Seine Tochter Anna Hyde, geb. 12. März 1637, verlobte sich mi November 1659 insgeheim mit dem Bruder des Königs, Jakob, Herzog von York, dem nachmaligen König Jakob II.; die Verbindung ward vom König nach der Restauration genehmigt, und im September 1660 fand die Heirat statt. Aus dieser Ehe entsprossen zwei Töchter, Anna und Maria, beide Königinnen von England.

2) George William Frederick Villiers, Graf von, engl. Staatsmann, geb. 12. Jan. 1800, gest. 27. Juni 1870, betrat 1820 als Gesandtschaftsattaché in St. Petersburg die diplomatische Laufbahn und wurde 1833 zum Gesandten in Madrid ernannt. Durch den Tod seines Oheims 1838 Lord C. geworden, kehrte er nach England zurück, nahm seinen Sitz im Oberhaus ein und wurde im Ministerium Melbourne im Januar 1840 zum Geheimsiegelbewahrer, im Oktober aber zum Kanzler des Herzogtums Lancaster ernannt. Nach Auflösung des Whigministeriums im September 1841 war er ein tätiges Mitglied der Opposition, unterstützte aber die Handelspolitik Peels. Im Whigkabinett des Jahres 1846 wurde C. Präsident des Handelsamtes, ging aber schon im Juni 1847 als Vizekönig nach Irland. Der Amtsantritt des Ministeriums Derby im Februar 1852 rief ihn von seinem Amt ab, doch wurde ihm noch 28. Dez. d. I. das Ministerium des Auswärtigen im Koalitionskabinett Aberdeen-Russell übertragen. In dieser Stellung war er namentlich beteiligt an den Verhandlungen vor dem Krimkrieg und während der Wiener Konferenzen, am Abschluß des Bündnisses zwischen Frankreich, der Türkei, Sardinien und England und an der diplomatischen Unterstützung Sardiniens bei dessen Streitigkeiten mit Österreich. Er behielt sein Portefeuille auch unter Lord Palmerston, vertrat auf den Pariser Konferenzen die antirussische Politik und bewirkte eine freundlichere Stellung zu Österreich, verletzte aber das Nationalgefühl durch allzu eifrige Unterstützung der nach dem Attentat auf Ludwig Napoleon eingebrachten Konspirationsbill. Mit dem Sturz Palmerstons im Februar 1858 trat C. in das Privatleben zurück und ward 1859 in dessen neues Ministerium nicht wieder aufgenommen. Erst im März 1864 trat er als Kanzler des Herzogtums Lancaster wieder auf und übernahm nach dem Tode Palmerstons im Oktober 1865 unter Russell wiederum das Ministerium des Auswärtigen, das er bis Juni 1866 bekleidete. Anfang 1868 ging er in geheimer diplomatischer Mission nach Turin und Rom und trat nach dem Sturz des Ministenums Disraeli (Dezember 1868) nochmnis als Minister des Außern in Gladstones Kabinett.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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