√Ątzen

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√Ątzen

√Ątzen, die Erzeugung von Vertiefungen auf der Oberfl√§che verschiedener K√∂rper durch Anwendung von L√∂sungsmitteln. Ist der zu √§tzende K√∂rper nicht vollkommen homogen, so werden einzelne Teile st√§rker angegriffen als andre, und es entstehen Muster, welche die wahre Struktur scheinbar homogener K√∂rper erkennen lassen (Widmanst√§ttensche Figuren bei Meteoreisen) und bisweilen zur Verzierung erzeugt werden (Damaszieren, Moir√© m√©tallique). √úberzieht man die Oberfl√§che homogener K√∂rper mit einer von dem √Ątzmittel nicht angreifbaren Masse (√Ątzgrund), so kann man durch Gravieren und √Ą. der blo√ügelegten Oberfl√§che mit einer Fl√ľssigkeit (√Ątzwasser) Zeichnungen hervorbringen, die nach Beseitigung des √Ątzgrundes mit Hilfe von Druckerschw√§rze von den ge√§tzten Platten auf Papier √ľbertragen werden k√∂nnen. Sollen in der √Ątzung verschiedene Abstufungen oder T√∂ne erreicht und deshalb einzelne Linien mehr oder weniger vertieft werden, so unterbricht man die √Ątzung, √ľberzieht die zu sch√ľtzenden Teile mit einer L√∂sung des √Ątzgrundes und setzt dann das √Ą. fort. Dies ist das Tief√§tzen, bei dem die dunkeln, einge√§tzten Stellen mit Druckerschw√§rze gef√ľllt werden und die Lichter stehen bleiben. √Ątzgrund besteht aus einer zusammengeschmolzenen Mischung von Wachs, Asphalt und Pech. Als √Ątzwasser benutzt man auf Kupfer verd√ľnnte Salpeters√§ure, auch eine L√∂sung von salpetersaurem Kupfer mit einer L√∂sung von Salmiak in Essig und etwas Salpeters√§ure, oder eine Mischung von verd√ľnnter Salzs√§ure mit einer siedend hei√üen L√∂sung von chlorsaurem Kali. Zum √Ą. in Stahl (Siderographie) benutzt man eine Mischung aus Holzessig, Weingeist und Salpeters√§ure oder eine L√∂sung von Quecksilberchlorid mit Weinsteins√§ure und einigen Tropfen Salpeters√§ure, auch eine saure L√∂sung von salpetersaurem Silber (Glyphogen) und eine L√∂sung von Jod und Jodkalium in Wasser. Die abgesp√ľlte und getrocknete Platte sch√ľtzt man durch einen √úberzug mit Firnis oder Talg vor dem Rosten. Zum √Ą. des lithographischen Steines wird meist verd√ľnnte Salpeter- oder Salzs√§ure angewendet.

Beim Hoch√§tzen werden die Lichter wegge√§tzt und die stehen bleibenden Erhabenheiten mit Schw√§rze √ľberzogen. So ge√§tzte Platten k√∂nnen in den Typensatz eingesetzt und mit diesem zugleich abgedruckt werden. Um Messer- u. S√§belklingen, Galanteriewaren etc. mit gl√§nzenden Figuren auf mattem Grund zu verzieren (unechte Damaszierung), √ľberzieht man die Stellen, die ihre Politur behalten sollen, mit fl√ľssigem √Ątzgrund u. setzt das Ganze D√§mpfen von Salzs√§ure aus.

Als √Ątzmittel auf Glas dient Flu√üs√§ure (Fluorwasserstoffs√§ure). Man r√ľhrt Flu√üspatpulver mit verd√ľnnter Schwefels√§ure zu einem d√ľnnen Brei und l√§√üt denselben bei 30‚Äď40¬į auf der Glastafel eintrocknen; die nicht durch √Ątzgrund gesch√ľtzten Partien werden hierbei matt. Eine L√∂sung von Fluorwasserstoff-Fluorkalium mit Salzs√§ure und schwefelsaurem Kali gibt eine sehr gleichm√§√üige √Ątzung. Auch kann man das Muster, das matt einge√§tzt werden soll, mit einem Kautschukstempel und einer fettigen Farbe auf das Glas √ľbertragen und mit Fluorwasserstoff-Fluorammonium bestreuen. Das Salz haftet nur an der Farbe und wirkt nach dem Anhauchen durch diese hindurch auf das Glas. Eine aus Fluorwasserstoff-Fluorammonium, gef√§lltem schwefelsaurem Baryt und rauchender Fluorwasserstoffs√§ure dargestellte Tinte liefert in 15 Sekunden eine scharfe √Ątzung. Die von B√∂ttger und Bromeis erfundene Hyalographie liefert ge√§tzte Glasplatten zum Druck. ‚Äď Zum √Ą. auf Zink werden Holzessig, Salpeters√§ure und Chlors√§ure angewendet. Gold √§tzt man mit K√∂nigswasser, Silber, Messing, Marmor u. Perlmutter mit verd√ľnnter Salpeters√§ure, Bergkristall, Amethyst, Achat und andre kiesels√§urereiche Steine √§tzt man mit Flu√üs√§ure, Bernstein und Elfenbein mit konzentrierter Schwefels√§ure. Zum √Ą. auf Metall benutzt man auch eine √Ątzmasse aus salpetersaurem Eisenoxyd mit etwas Platinchlorid f√ľr Eisen und Stahl und aus Antimonchlorid mit Platinchlorid f√ľr alle √ľbrigen Metalle, mit Ausnahme von Gold und Plat in. Die √Ątzmasse wird auf einer Glasplatte ganz d√ľnn und gleichm√§√üig verrieben und mittels eines Kautschukstempels auf die sehr sorgf√§ltig gereinigte Metallfl√§che √ľbertragen. Man erh√§lt eine matte √Ątzung oder eine fest haftende schwarze F√§rbung. Nach kurzer Zeit w√§scht man mit Wasser, das wenig Soda oder √Ątzammoniak enth√§lt, trocknet und reibt die √Ątzung mit etwas fettem √Ėl ein oder √ľberzieht sie ganz d√ľnn mit Spiritus- oder √Ėllack. √úber die Galvanokaustik s. d. Die √§ltesten √Ątzungen zeigen Waffen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Kunst entwickelte sich sehr schnell und wurde auf R√ľstungen und alle Eisenger√§te angewendet. Man rieb die vertieften Stellen mit einer Mischung von Schwarzlot und √Ėl ein und befestigte die Masse durch Erhitzen (Schwarz√§tzung). Vgl. Miller, Die Glas√§tzerei (3. Aufl., Wien 1896); Schuberth, Das √Ą. der Metalle f√ľr kunstgewerbliche Zwecke (das. 1888); Kampmann, Dekorierung des Flachglases (Halle 1889); S. Meyer, Die Liebhaberk√ľnste (3. Aufl., Leipz. 1902); Fischer, Das Gesamtgebiet der Glas√§tzerei (Braunschw. 1892); Boeheim, Waffenkunde (Leipz. 1890). Vorlagenwerke: Hansen, Der Kunst-Glas√§tzer (32 Tafeln, D√ľsseld. 1895); Haas, Moderne Glas√§tzereien (Berl. 1901).

√úber √Ą. in der Medizin s. √Ątzmittel.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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