Agram [2]

Agram, Hauptstadt des Königreichs Kroatien-Slawonien, königliche Freistadt, liegt am Fuße des Sljemegebirges, unweit der Save, ist Knotenpunkt der Zagorianer Bahn, der Bahnen nach Budapest, Brod, Fiume, Steinbrück, Samobor u. Banjaluka und zerfällt in drei gesonderte Stadtteile: die amphitheatralisch gebaute Oberstadt mit dem Palais des Banus, Regierungsgebäuden, zwei Kirchen, dem Landesnationaltheater und der eine prachtvolle Aussicht gewährenden Stroßmayer-Promenade liegt auf dem Hügel Grič, auf den eine Bergbahn hinausführt.

Wappen von Agram.
Wappen von Agram.

Die Kapitelstadt mit dem erzbischöflichen Palais und dem nach dem Erdbeben (1880) restaurierten gotischen Dom (von 1099) nimmt den obern Teil des Abhanges ein, wogegen die moderne untere Stadt sich in der Ebene halbkreisförmig ausdehnt. Mittelpunkt derselben und des Verkehrs ist die Hauptstraße Ilica und der Jellachichplatz. Auf letzterm erhebt sich das in Erz gegossene Reiterstandbild des Banus Jellachich (von Fernkorn). Bemerkenswert ist ferner die Maria Valeriestraße mit dem Kunst- und Gewerbemuseum, der prächtige Zrinyplatz (mit Springbrunnen und den Büsten von Chr. Frangepan, Jurisich, Schiavone und Clovio) mit dem Gebäude der südslawischen Akademie, das auch das Nationalmuseum und eine Gemäldegalerie enthält. Nebenan steht das chemische Laboratorium und vor diesem das Standbild des heil Georg (von Fernkorn). Der größte Platz ist der Universitätsplatz mit Park und der Franz Josephs-Universität. In der Nähe des Bahnhofs erhebt sich das neue Villenviertel. A. zählt (1901) 57,689 Einw., mit Militär 61,002, treibt bedeutenden Wein- u. Getreidehandel, hat eine entwickelte Industrie (besonders für Tabak, Leder- und Leinenwaren etc., insgesamt 37 Fabriken mit 3147 Arbeitern), ist Sitz des Banus, eines römisch-katholischen Erzbischofs, der Landesregierung, eines General- und Honvéd-Distriktskommandos, der Septemviral- und Banaltafel und zahlreicher Behörden sowie einer Handels- und Gewerbekammer; der Universität (1874 eröffnet, 1901: 829 Studierende) fehlt die medizinische Fakultät. Ferner hat A. 3 Seminare, 7 Mittelschulen und 22 Volksschulen, eine südslawische Akademie der Wissenschaften (seit 1867), eine Landesmusikakademie, eine Universitäts- und mehrere andre Bibliotheken, ein Nationalmuseum, die Stroßmayer-Bildergalerie, einen botanischen Garten, Parkanlagen (Park Maxim ir) und eine sehr hübsche Umgebung. Täglich erscheinen neun Zeitungen. – Der Begründer des Bistums und der Kapitelstadt war Ladislaus I. der Heilige (1094). Nachdem die alte Ansiedelung von den Mongolen Anfang 1242 zerstört war, baute Béla IV. die Stadt neu auf und erhob sie zur königlichen Freistadt. Zwischen der Altstadt (Kapitel) und der Oberstadt tobte indes jahrhundertelang Fehde; erst die Türkengefahr versöhnte die Parteien. Während der Türkenherrschaft spielte A. die Rolle einer vielbedrohten Grenzfestung. Der neue Aufschwung datiert vom J. 1867, als A. das politische Zentrum von Kroatien und Slawonien wurde. Am 9. Nov. 1880 und im Dezember 1901 wurde A. durch Erdbeben schwer heimgesucht. Vgl. »Monumenta historica liberae regiae civitatis Zagrabiae«, hrsg. von Tkalčić (Bd. 1–3: Diplomata 1093–1526, Agram 1889–97); Führer von Hartmann (das.) und Lihl (Darmst. 1897).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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