Salz

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Salz

Die Gewinnung des Steinsalzes geschieht entweder in steinbruch√§hnlichen Tagebauen oder durch bergm√§nnischen unterirdischen Abbau. Tagebaue sind heute nur noch in s√ľdlichen L√§ndern in Betrieb, wo m√§chtige Salzlager oft ganz frei zutage treten, wie an mehreren Stellen Persiens, oder nur von d√ľnner Schuttdecke verh√ľllt werden. Von Arabern wird ein solcher steinbruchartiger Bergbau am Persischen Golf betrieben; aber auch in Europa gewinnt man Salz noch auf diese Weise an mehreren Punkten Siziliens und bei Cardona in Katalonien.

1 und 2. Abbau im Erfurter Steinsalzbergwerk.
1 und 2. Abbau im Erfurter Steinsalzbergwerk.

Da die meisten Salzlager aber unter einer sch√ľtzenden Decke andrer Gesteine in √ľber 100 m Tiefe auftreten, geschieht die Ausbeutung aller solcher Vorkommen in unterirdischen bergm√§nnischen Grubenbauen. Hierbei kann der Betrieb auf die Gewinnung von Steinsalz selbst gerichtet sein, oder er bezweckt die Aufl√∂sung des Salzes in Wasser zu einer Sole, die nachher gereinigt und in Salinen auf Kochsalz versotten wird.

3. Querschnitt durch das Salzgebirge von Wieliczka. a gelber Sand, b roter Lehm, c Triebsand, d grauer Mergel mit Geschieben, e Karpathensandstein, f grauer bitumin√∂ser Schiefer, g Gr√ľnsalz, h Spizasalz, i Szybiker Salz, k Mergel mit Fasergips, l Sandstein, m Salzgebirge.
3. Querschnitt durch das Salzgebirge von Wieliczka. a gelber Sand, b roter Lehm, c Triebsand, d grauer Mergel mit Geschieben, e Karpathensandstein, f grauer bitumin√∂ser Schiefer, g Gr√ľnsalz, h Spizasalz, i Szybiker Salz, k Mergel mit Fasergips, l Sandstein, m Salzgebirge.

Die bergm√§nnische Erschlie√üung des Salzlagers und seine planm√§√üige Ausbeutung geht vielfach in derselben Weise vor sich, wie im Artikel ¬ĽKalisalze¬ę beschrieben wurde, besonders da, wo beide Arten von Salzen zusammen auftreten; ebenso wie bei den Kalisalzen geschieht auch die F√∂rderung des Salzes in der Grube zum Schacht und zu Tage und die Versorgung der Bergwerke mit frischer Luft.

Auf den meisten Salzlagern tritt nur Steinsalz ohne Kalisalze auf, auch hier ist eine √§hnliche Gewinnungsmethode in Gebrauch. So wird auf dem k√∂niglich preu√üischen Salzbergwerk bei Erfurt das nur 3‚Äď4¬į geneigt liegende Lager durch nahezu rechtwinklig sich schneidende G√§nge (Strecken) in Abschnitte von 60 m L√§nge und 35 m Breite zerlegt (s. Fig. 1 u. 2). Von diesen Abteilungen bleibt zur Sicherung der Grubenbaue neben den Strecken ein 10 m breiter und 60 m langer St√ľtzpfeiler (Sicherheitspfeiler) stehen. In 21 m Breite wird dann der Rest des Abschnitts mit Sprengarbeit gewonnen, und zwar zun√§chst das sehr reine, kristallklare unterste Salz in 1‚Äď1,75 m St√§rke, dann das dar√ľberliegende in flachen Scheiben wie beim Kalisalzbergbau. Die obersten 8,5 m des Salzlagers bleiben zur weitern Sicherung der Grube stehen, so da√ü also nur etwa zwei Siebentel der ganzen Lagerst√§tte gewonnen werden.

Andre Methoden der Gewinnung finden noch in Galizien und Siebenb√ľrgen Anwendung. Hier stellt man von einem Schacht aus glockenartige Erweiterungen (Glockenbau) von oben nach unten her, so z.B. auf dem siebenb√ľrgischen Bergwerk bei Thorda. An Stelle der glockenf√∂rmigen Weitungen stellt man auch parallelepipedische her, die, durch Zwischenpfeiler getrennt, sich aneinander reihen. Dieser Kammerbau ist besonders dort geeignet, wo es sich um gleichm√§√üige Lagermasse von unregelm√§√üiger Gestalt handelt. Er wird daher in Wieliczka und Bochnia angewandt, wo man die unregelm√§√üig geformten reinern Teile auf diese Weise gewinnt. Man unterscheidet dort nach ihrer eigent√ľmlichen Struktur und den verschiedenartigen Beimengungen drei Salzvariet√§ten: Gr√ľnsalz, Spizasalz und Szybiker Salz, deren Lagerung in den Schichten des Terti√§rgebirges sich aus Fig. 3 ergibt.

Aus unreinen Salzlagern wird das Salz durch Aufl√∂sen in zugef√ľhrtem Wasser gewonnen, aus dem das gel√∂ste Salz durch Salinenbetrieb als Kochsalz wieder ausgeschieden wird. Ein derartiges Verfahren steht auf den meisten Salzbergwerken der Alpen (Berchtesgaden, Hallein, Aussee, Ischl etc.) in Anwendung. Man gewinnt hier die Sole aus dem Haselgebirge, einem salzf√ľhrenden Ton, durch Auslaugen in planm√§√üig angelegten Bew√§sserungsr√§umen, den Sinkwerken (Lauchwerken), die an ihrer Sohle durch einen zum Abzapfen der ges√§ttigten Sole eingerichteten Damm oder Wehr geschlossen sind (vgl. Fig. 4 u. 5).

Die Vorrichtung solcher Sinkwerke geschieht in der Weise, daß man von einer Strecke (hier Schachtricht genannt) aus eine Seitenstrecke treibt und um diese herum auf einer ellipsoidalen Fläche ein Netz von Strecken herstellt, die dem später einzulassenden Wasser möglichst viel Angriffspunkte bieten.

4 und 5. Vorrichtung zum Sinkwerksbetrieb in Berchtesgaden.
4 und 5. Vorrichtung zum Sinkwerksbetrieb in Berchtesgaden.

Zur Zuf√ľhrung des Wassers wird von einer h√∂hern Strecke eine abw√§rts geneigte Strecke, der Ankehr- schurf a, bis in das Sinkwerk getrieben und durch diese das Wasser eingelassen, um die Gebirgsmassen der Auslaugung, der Verw√§sserung zu unterwerfen. Ist die Sole ges√§ttigt, so wird sie zur weitern Verarbeitung abgelassen und das Werk von neuem mit S√ľ√üwasser gef√ľllt. Dieser Wechsel wiederholt sich durch Jahrzehnte hindurch, bis die Gr√∂√üe der Auskesselung ein Zusammenbrechen des Deckgebirges bef√ľrchten l√§√üt. An Stelle dieses intermittierenden Betriebes hat man in neuerer Zeit auch eine kontinuierliche Verw√§sserung eingef√ľhrt, wobei fortw√§hrend am Boden reiche Sole abgezogen und von oben frisches Wasser nachgef√ľhrt wird. Die Sole von Berchtesgaden wird in einer √ľber 100 km langen Leitung den Salinen Frauenreuth, Reichenhall, Traunstein und Rosenheim zugef√ľhrt.

6. Steinsalzbbau durch Aussolung in Schönebeck.
6. Steinsalzbbau durch Aussolung in Schönebeck.

Auf √§hnliche Weise gewinnt man Sole aus den Steinsalzlagern Sch√∂nebeck und bei Bernburg durch Bespritzen der Grubenr√§ume mit Wasser unter hohem Druck. Die Strecken stellt man dadurch her, da√ü man aus zahlreichen √Ėffnungen eines horizontalen Verteilungsrohres a Wasser gegen das Salz spritzen l√§√üt und mit dem Rohr der sich bildenden Vertiefung folgt. Von solchen Strecken aus werden in der Decke vertikale L√∂cher hergestellt, in die man ein nach Art des Segnerschen Wasserrades drehbares Spritzrohr einf√ľhrt (vgl. Fig. 6); man verwendet hierzu auch Streud√ľsen, die das Wasser in Form eines aufgespannten Schirmes gegen das Salz spritzen lassen, und erh√§lt in beiden F√§llen zylindrische Aussolungskessel (Fig. 7). Die Form solcher Auskesselungen und ihre Anordnung zu Gruppen ist aus den Abbildungen zu ersehen.

7. Anordnung der Aussolungskessel beim Spritzverfahren in Sch√∂nebeck. a Hauptstrecke, b S√ľ√üwasserleitung, c Querschl√§ge, d Aussolungskessel.
7. Anordnung der Aussolungskessel beim Spritzverfahren in Sch√∂nebeck. a Hauptstrecke, b S√ľ√üwasserleitung, c Querschl√§ge, d Aussolungskessel.

Unter Umst√§nden sieht man von einem unterirdischen Abbau im Salze ganz ab und erschlie√üt das Lager nur durch Bohrl√∂cher. Durch das aus den h√∂her liegenden salzfreien Gebirgsschichten in solche Bohrl√∂cher eintretende Wasser wird Salz aufgel√∂st, und die so entstehende Sole, ebenso wie etwa vorhandene nat√ľrliche Sole durch geeignete Pumpvorrichtungen gehoben. Das √ľberm√§√üige Eindringen von s√ľ√üem Wasser verh√ľtet man dadurch, da√ü man das Loch durch eiserne Rohre abdichtet (verrohrt). Diese Methode der Solgewinnung ist bei weitem billiger als jede andre Art der Ausbeutung von Steinsalzlagern. Sie erm√∂glicht aber nur eine sehr beschr√§nkte Ausnutzung der Lagermasse, da die einzelnen Bohrl√∂cher in gr√∂√üerer Entfernung voneinander angelegt werden m√ľssen, um das Durchbrechen der Zwischenw√§nde und das Zusammenst√ľrzen des Deckgebirges √ľber den entstehenden Hohlr√§umen zu verh√ľten; es bleiben also bedeutende Teile der Lagermasse unbenutzt. Man hat solche Bohrl√∂cher im Durchmesser von 50, 30 cm und weniger bis 700 m Tiefe ausgef√ľhrt, besonders zur Ausbeutung unreiner Steinsalzlager.


Salzgewinnung II.

Aus den auf die eine oder die andre Weise gewonnenen Solen wird das Salz durch Verdampfung des Wassers gewonnen. Die Solen sind aber nicht gleich stark, und es h√§ngt von den √∂rtlichen Verh√§ltnissen (Preise der Brennstoffe etc.) ab, ob eine Sole direkt versotten werden kann. Viele Salinen versieden Solen mit ca. 25 Proz. Salzgehalt, und im allgemeinen sind 16 Proz. die untere Grenze der Siedew√ľrdigkeit. Schw√§chere Solen werden durch Aufl√∂sen von Steinsalz oder durch Gradieren bis zur Siedew√ľrdigkeit angereichert. Man bringt Steinsalz, besonders unreineres, mit Ton und Anhydrit gemischtes, in Kasten und unterwirft die Masse einer systematischen Auslaugung, wobei das Wasser die Kasten der Reihe nach durchflie√üt (vgl. Auslaugen). Diese Arbeit wird, je nach den Verh√§ltnissen, in der Grube oder √ľber Tage ausgef√ľhrt, auch wird mehrfach die ganze Sole auf solche Weise dargestellt. Beim Gradieren l√§√üt man die Sole √ľber Reisigw√§nde, die aus Schwarzdorn aufgebaut sind, tr√∂pfeln und belegt entweder nur die dem Wind entgegenstehende √§u√üere Fl√§che der Dornenwand mit Sole und √ľberl√§√üt es dem Winde, die Sole nach dem Innern der Wand zu verbreiten (Fl√§chengradierung), oder man l√§√üt auch das Innere der Wand betr√∂pfeln (kubische Gradierung). Ist nur eine Dornen wand vorhanden, so wird allein die dem Wind entgegenstehende H√§lfte benetzt, w√§hrend in der andern H√§lfte die verspritzte und verwehte Sole aufgefangen wird. Sind dagegen zwei Dornenw√§nde vorhanden, so wird die ganze dem Wind entgegenstehende Wand betr√∂pfelt, und die zweite Wand dient zum Auffangen. Bei solchen zweiw√§ndigen Gradierh√§usern wendet man endlich auch die kombinierte kubische und Dreifl√§chengradierung an, indem man die ganze dem Wind zugekehrte Wand und au√üerdem noch die dem Wind zugekehrte H√§lfte der andern Wand betr√∂pfelt. Dies letztere Verfahren gibt bei Gradieranstalten mit zwei Dornen w√§nden den gr√∂√üten Effekt; zwei parallele, in einem Geb√§ude vereinigte Gradierwerke leisten aber immer ansehnlich weniger, als dieselben W√§nde voneinander getrennt leisten w√ľrden.

Fig. 1 zeigt die Einrichtung eines zweiwandigen Gradierwerkes. a Haupts√§ule; b √§u√üere Dornens√§ulen; c innere Dornens√§ulen; d Hauptsturmstreben; e Streben; f Oberhalter; g Tr√§ger f√ľr den Gerinnkasten; h Dornenw√§nde aus B√ľndeln von Schwarz- oder Schlehendorn; i Solkasten, mit Tonlage k umstampft und mit einem schr√§gen Dach l versehen, zur Aufnahme der gradierten Sole, die demselben durch die Rinne m zuflie√üt; n Hauptsolenleitung, aus der durch R√∂hren p sowohl die innern als √§u√üern Dornenw√§nde, letztere aus den R√∂hren o, mit Sole versehen werden; q Spunde, um die nach den R√∂hren o gelangende Sole abzustellen; r Gel√§nder um die Solenleitung herum.

Beim Gradieren erf√§hrt die Sole eine Reinigung, indem gewissen darin enthaltenen Salzen (Gips) durch die Verdunstung das zu ihrer L√∂sung erforderliche Wasser entzogen wird und andre Salze wie die Bikarbonate von Kalk, Magnesia, Mangan- und Eisenoxydul durch Entweichen von Kohlens√§ure unter Bildung von unl√∂slichen Karbonaten zersetzt werden. Die ausgeschiedenen Salze setzen sich dann auf den Dornen als Dornstein fest. Die Sole mu√ü stets mehreremal √ľber die W√§nde laufen; bei billigem Brennmaterial konzentriert man sie nur bis zu 15 Proz., auf den meisten Salinen bis 20 (auch 24) Proz. Der Betrieb der Gradierung ist mit Vorteil nur in der w√§rmern Jahreszeit m√∂glich und mu√ü selbst in dieser bei ung√ľnstiger Witterung eingestellt werden. In Deutschland sind 200‚Äď260 Tage j√§hrlich f√ľr den Betrieb geeignet. Durch den Wind, der gegen die Dornwand weht, wird nicht nur Wasser verdampft, sondern es wird auch feinzerst√§ubte Sole fortgetragen, und dadurch entsteht ein Verlust, der 20‚Äď33 Proz. des urspr√ľnglich vorhandenen Salzes betragen kann. Je reicher die Sole wird, desto mehr steigt der Salzverlust, der schlie√ülich den Vorteil der weitern Solanreicherung aufhebt. Bisweilen wird die gradierte Sole (Siedesole, Gutsole) noch durch Aufl√∂sen von Steinsalz angereichert. Auf einigen Salinen, deren Sole ohne Gradierung siedew√ľrdig ist, l√§√üt man dieselbe dennoch einmal durch die Dornenwand fallen, um sie von kohlensauren Salzen, namentlich kohlensaurem Eisenoxydul, das nur durch Oxydation vollst√§ndig entfernt werden kann, zu befreien. Organische Substanzen und schwefelsaure Magnesia entfernt man bisweilen durch F√§llung mit Kalkmilch, wobei man darauf zu achten hat, da√ü kein √ľbersch√ľssiger √Ątzkalk in der Sole bleibe.

Das Gradieren soll schon vor 500 Jahren in der Lombardei angewandt worden sein. Nach andern ist es deutschen Ursprunges und zuerst 1579 in Nauheim, 1599 in K√∂tschau bei Merseburg durch Meth, einen Arzt in Langensalza, eingef√ľhrt worden.

1. Dorngradierhaus.
1. Dorngradierhaus.

Die jetzige Gestalt mit Dornwänden hat die Gradierung 1730 durch Beust erhalten.

Die hinreichend konzentrierte Sole wird im Siedehaus (Sudhaus, Kote [von coctura], Salzkote) meist in offenen Pfannen versotten. Die Pfannen sind flach, gew√∂hnlich aus Eisenblech konstruiert und mit geeigneter Feuerung versehen. Zuweilen heizt man die Pfannen auch mit Wasserdampf oder l√§√üt die Feuergase bei gemauerten Pfannen √ľber die Oberfl√§che der Fl√ľssigkeit streichen (oberschl√§chtige Feuerung) oder durch R√∂hren ziehen, die in der Fl√ľssigkeit liegen. Offene Pfannen erhalten gew√∂hnlich einen h√∂lzernen Brodemfang, der die Oberfl√§che der Sole vor Abk√ľhlung sch√ľtzt und den Dampf bis √ľber das Dach des Siedehauses hinausf√ľhrt.

2. Siedevorrichtung mit Planrostfeuerung.
2. Siedevorrichtung mit Planrostfeuerung.

Der untere Teil des Brodemfanges, der Pfannenmantel, besteht aus Klappen, die man nach Erfordernis auf dem Borde der Pfanne aufliegen l√§√üt oder zur√ľckschl√§gt. Fig. 2 zeigt eine Siedevorrichtung mit Planrostfeuerung: a Siedepfanne; b Planroste; c Z√ľge unter der Pfanne (Zirkulierherd); d Aschenfall; e Luftzuf√ľhrungskan√§le; f h√∂lzerner Dampfmantel, dessen Geviere g an dem Geb√§lk h aufgeh√§ngt ist; i Deckplatten oder Laden, am Mantelgerinne mit B√§ndern befestigt und mit ihrer Unterkante in einem rinnenartigen Falz k stehend; l Dunstesse (Brodemfang); m Dampfdach. Die Laden i sind die Arbeits√∂ffnungen, durch die man auch das ausgeschiedene Salz auskr√ľckt. L√§ngs der Pfanne sind nach dieser hin geneigte Tafeln aufgestellt, auf denen das ausgekr√ľckte Salz abtropft, um endlich in Kippwagen gesch√ľttet zu werden. Bei Anwendung von geschlossenen Pfannen wird der Dampf durch Essenzug oder Exhaustoren abgesaugt. Man verwendet ihn zum Trocknen des Salzes, zum Vorw√§rmen von Sole, zur langsamen Verdunstung von Sole, auch zur Erhitzung von Sole bis zur Siedehitze in Apparaten, in denen der Dampf komprimiert und dadurch auf eine h√∂here Temperatur gebracht wird. In der Regel verwendet man aber die W√§rme des Brodems nicht, auch haben Vakuumapparate, wie sie sonst vielfach zum Verdampfen benutzt werden, bei der Salzgewinnung im gro√üen bis jetzt keine Bedeutung erlangt. Man hat viele derartige Apparate eingef√ľhrt, aber sie haben sich nicht bew√§hrt. Meist scheiterten sie an der Ausscheidung des Gipses und des Salzes. Einen derartigen Apparat mit drei Verdampfk√∂rpern von Pick zeigt Fig. 3. A ist die Kochkammer, B die Heizkammer mit dem R√∂hrensystem, von dem Fig. 3a einen Querschnitt zeigt. Die Heizkammer des ersten K√∂rpers empf√§ngt direkten Dampf aus einem Dampfkessel oder Abdampf einer Maschine durch das Rohr E, w√§hrend das kondensierte Wasser durch einen Scheidetopf best√§ndig entfernt wird. Aus der Kochkammer des ersten K√∂rpers str√∂mt der entwickelte Dampf in die Heizkammer B' des zweiten K√∂rpers durch Rohr F, und auch hier wird das kondensierte Wasser abgeleitet. Der Dampf aus der Kochkammer A' gelangt aber durch das Rohr F' in die Heizkammer B¬ę des dritten K√∂rpers, und die Kochkammer dieses letztern steht durch das Rohr F¬ę in Verbindung mit dem Kondensator und der Luftpumpe. Die Apparate werden durch das Rohr G mit Salzsole gespeist und zwar automatisch. Das in den Kochkammern ausgeschiedene Salz sammelt sich in dem Raum C und f√§llt beim √Ėffnen eines Ventilschiebers mit Sole gemischt auf einen Filtrierboden im R√§ume D. Aus der Kammer unter dem Filtrierboden steigt die Sole durch das Rohr H infolge der Druckdifferenz in die Kochkammer zur√ľck. Durch die R√∂hren J k√∂nnen die Kochkammern A und A' ebenfalls mit dem Kondensator verbunden werden, um das Vakuum zu regulieren. Durch die R√∂hren K sind die Heizkammern B' und B¬ę mit dem Kondensator verbunden, um sch√§dliche Luft aus denselben zu entfernen. Der untere Teil des Steigerohres H ist biegsam und nimmt beim √Ėffnen des Ventils V die Form der punktierten Linie ein. Ein kleiner Apparat liefert 1000 kg Salz in 24 Stunden. Beim Beginn der Operation wird die Sole unter lebhaftem Sieden und steter Entfernung von Schaum und Schlamm verdampft und so lange frische Sole zugegeben, bis die Pfanne mit siedend ges√§ttigter Sole gef√ľllt ist. Nach dieser Arbeit, dem St√∂ren, l√§√üt man die Sole sich kl√§ren und bisweilen in andre Pfannen abflie√üen, in denen nun das Soggen (Salzwirken) beginnt. Man kocht entweder lebhaft weiter, um feink√∂rniges Salz zu erhalten, oder erm√§√üigt zur Erzielung eines mehr oder minder grobk√∂rnigen Salzes die Temperatur auf 90‚Äď70¬į. Bei ruhiger Oberfl√§che der Sole wachsen die dort ausgeschiedenen Kristalle zu trichterf√∂rmigen Gebilden an. Das Salz, das meist mit Handschaufeln, zuweilen aber auch durch maschinelle Vorrichtungen (Maschinenpfannen) ausgekr√ľckt wird (Sudsalz, Siedesalz, Soggsalz), ist anfangs sch√∂n wei√ü, wird aber im Laufe der Operation immer gelber und unreiner, so da√ü man das Sieden endlich unterbrechen und die Mutterlauge ablassen mu√ü. Der Salzschlamm brennt zum Teil auf dem Pfannenboden fest und bildet eine Kruste, die man von Zeit zu Zeit herausschlagen mu√ü. Sie enth√§lt neben Kochsalz viel Gips und gew√∂hnlich auch schwefelsaures Natron und hei√üt Hungerstein, w√§hrend der Salzstein (Pfannenstein), der beim Soggen aufbrennt, an Kochsalz viel reicher ist.

3. Pickscher Verdampfapparat, der erste Körper im Durchschnitt.
3. Pickscher Verdampfapparat, der erste Körper im Durchschnitt.

Fig. 4 u. 5 zeigen eine Rundpfanne mit R√ľhrwerk; a ist der Bord, b der die Pfanne schlie√üende Eisenblechmantel mit einem Schlitz c. Durch letztern steht das Innere der Pfanne mit dem Kasten d in Verbindung. e ist ein Hahn zum Einlassen frischer Sole, f sind √Ėffnungen dicht √ľber dem Boden des Kastens zum Ablassen der gest√∂rten Sole nach den Grobsalzpfannen. Das R√ľhrwerk, durch welches das Salz aus der Pfanne durch den Schlitz c nach dein Kasten d gekr√ľckt wird, besteht aus der senkrechten Welle g, die durch die Stopfb√ľchse h geht und durch ein Zahnradgetriebe n von einer Triebwelle aus in Bewegung gesetzt wird. Dicht √ľber dem Fu√ülager hat die Welle vier Arme H, die durch die Streifen l und die Anker m gehalten werden. Die Arme tragen je eine Stange mit Kr√ľckschaufeln, die bei einer Umdrehung der Welle alle Teile des Pfannenbodens bestreichen. Dabei wird das Salz nach dem Borde und in den Austragekasten bef√∂rdert. o ist ein Stutzen mit Rohr p zur Abf√ľhrung der Wasserd√§mpfe nach einer andern Pfanne, q sind die Treppenroste.

4. Rundpfanne mit R√ľhrwerk.
4. Rundpfanne mit R√ľhrwerk.

Das aus der Pfanne herausgekr√ľckte Salz l√§√üt man auf dem Pfannenmantel oder auf neben der Siedepfanne aufgestellten Abtropf- oder Leckb√ľhen abtropfen, w√§scht es, wenn es aus unreiner Sole kristallisierte, mit reiner hei√üer Sole wiederholt aus und trocknet es auf eisernen oder gemauerten, von unten geheizten Trockenpfannen, in Darrkammern (D√∂rrpfiesel), in mit hei√üer Luft oder Dampf geheizten Trommeln mit R√ľhrwelle etc. Feinstes Tafelsalz wird auch auf Zentrifugen ausgeschleudert und gedeckt.

5. Grundriß.
5. Grundriß.

Die in Fig. 6 abgebildete mechanische Dampfsalzdarre besteht aus 6 zwischen 4 S√§ulen B1, B2, B3 und B4 in Zwischenr√§umen √ľbereinander befestigten hohlen Scheiben A, in deren Hohlraum Dampf eingelassen wird. Eine durch die Mitte s√§mtlicher Scheiben hindurchgehende stehende Welle enth√§lt an Armen Kr√ľcken a, die beim Rotieren der Welle das Salz abwechselnd nach der Peripherie u. Mitte hinschieben. Hier befinden sich passende √Ėffnungen, so da√ü das Salz allm√§hlich von einer Scheibe auf die andre gelangt und von der untersten zwischen Walzen gestrichen wird, die etwaige Kl√ľmpchen zerkleinern sollen.

Zur Erleichterung des Vertriebes und um die Verpackung zu sparen, bereitet man auf vielen Salinen Formsalz, besonders auf √∂sterreichischen Salinen St√∂ckel, F√ľderl; in Galizien Gurmanen, neuerdings auch Salzbriketts. Zu deren Darstellung benutzt man Pressen, die Briketts von ca. 5 kg Gewicht, auch kleine s√§ulenf√∂rmige St√ľcke f√ľr den Tafelgebrauch, liefern. Bei der Brikettpresse von Mayer wird das Salz auf einer elektromagnetischen automatischen Wage abgewogen und selbstt√§tig in die Formen gebracht.

6. Mechanische Dampfsalzdarre.
6. Mechanische Dampfsalzdarre.

Die Briketts werden in wasserdichtes Papier (Ledrette) geschlagen und in Ballen oder Kisten verpackt. Die Briketts bieten gegen√ľber den F√ľderln manche Vorteile; sie f√ľhren sich indes schlecht ein, und es scheint, als wenn das lockere Salz mehr und mehr das geformte verdr√§ngen wird. Letzteres wird, bevor es in den Handel gelangt, h√§ufig durch Walzen oder Holzfegen (Leisten mit L√§ngsfugen in einem Rahmen) von Brocken befreit, auch zur Erzeugung von feinem Tafelsalz gemahlen. Derartiges Salz hat nicht das gl√§nzende Aussehen von in Pfannen gewonnenem Feinsalz und ist auch weniger volumin√∂s.

Meerwasser enth√§lt in 1 cbm durchschnittlich 26 bis 31 kg Chlornatrium, 3‚Äď7 kg Chlormagnesium, 0,5‚Äď6 kg Magnesiumsulfat, 0,14‚Äď6 kg Calciumsulfat, 0,01‚Äď1 kg Chlorkalium. In den w√§rmern Klimaten wird an den K√ľsten des Meeres in sogen. Meersalinen oder Salzg√§rten eine bedeutende Menge von Kochsalz (Seesalz, Bay- oder Boysalz) aus Meerwasser gewonnen, so z.B. in Portugal zu Setubal, in Spanien, in Frankreich an der K√ľste des Mittell√§ndischen Meeres (Languedoc, Provence) und des Atlantischen Ozeans, namentlich zu Croisic und Marennes, in Italien an der K√ľste des Tyrrhenischen Meeres, in Dalmatien und Istrien, auch in den Vereinigten Staaten. Man stellt auf tonigem, v√∂llig geebnetem Boden eine gro√üe Verdampffl√§che her, teilt diese in Abteilungen und bildet so ein System von vierseitigen, sehr flachen Bassins. Aus einem sehr gro√üen und flachen Sammelteich (Fig. 7b), den man mit Hilfe von Pumpen oder bei der Flut durch Schleusen a f√ľllt, speist man die Salzg√§rten nach Bed√ľrfnis. Das Wasser flie√üt langsam durch Vorteiche c, um dann in den Kanal d und aus diesem in eine Zisterne e zu gelangen. Aus dieser wird die angereicherte Sole in den Kanal f gepumpt, der sie den Verdunstungsbassins h zuf√ľhrt, in denen so wie in c sich haupts√§chlich Gips nebst Bittersalz absetzt. Selten wird schon hier Salz auf den Damm g ausgekr√ľckt. Die ges√§ttigte Sole flie√üt aus h durch i in die Zisterne k und wird von hier mittels Pumpen durch den Kanal m in die Kristallisierbassins n geschafft, aus denen das ausgeschiedene Salz auf die D√§mme o gekr√ľckt und zu kleinen Haufen, dann sp√§ter zu gro√üen, runden q oder viereckigen p formiert wird. Diese l√§√üt man, mit Stroh bedeckt, einige Zeit im Freien stehen, damit sich die Mutterlauge absondern kann. Auch l√§√üt man wohl die Feuchtigkeit der Luft darauf einwirken, um die Mutterlauge noch vollst√§ndiger abzuscheiden. Durch Umkristallisieren (Raffinieren) kann ganz reines Salz erhalten werden. Beim Verdunsten von 1000 Lit. Meerwasser auf 23 Lit. Mutterlauge gewinnt man 80‚Äď85 Proz. des darin enthaltenen Chlornatriums. Die Mutterlauge von dem ausgeschiedenen Salz flie√üt, wenn sie nicht weiter verarbeitet werden soll, durch den mit Schleuse s versehenen Kanal r in das Meer zur√ľck. Bei der Meersaline Giraud in S√ľdfrankreich gruppieren sich die Verdunstungsbeh√§lter konzentrisch um einen gro√üen, fast genau in der Mitte des Teiches befindlichen Beh√§lter, der zugleich die tiefste Stellung einnimmt. Hier sammelt sich eine Sole von 25¬į B., die nun in die Salzbeete gelangt, diese der Reihe nach durchflie√üt und dabei auf 27¬į B. konzentriert wird.

7. Meersaline (Salzgarten).
7. Meersaline (Salzgarten).

In den Salzbeeten scheidet sich sehr reines Salz aus. Die Mutterlauge wird in einem andern System kleinerer Beete weiter konzentriert und liefert hier die gemischten Salze, Chlornatrium mit Magnesiumsulfat, die man auf die Zusammensetzung 2NaCl + MgSO4 bringt und in Wasser l√∂st. Aus der mit Eismaschinen auf_-6¬į abgek√ľhlten L√∂sung kristallisiert Glaubersalz (Na2SO4 + 10H2O). Die letzte Mutterlauge des Meerwassers liefert im Winter Bittersalz (MgSO4 + 7H2O). Bei weiterer Verdampfung im Sommer erh√§lt man Chlornatrium, Magnesiumsulfat und Kainit (Sommersalz), und die dann bleibende Lauge verarbeitet man auf Brom. In Nordru√üland und Sibirien l√§√üt man Salzl√∂sungen wiederholt gefrieren, wobei man das sich ausscheidende Eis entfernt, und gewinnt eine Sole, aus der gel√∂schter Kalk Gips abscheidet, und die dann bei schwachem Eindampfen Salz liefert, das man durch Absickern und Absp√ľlen von Chlorcalcium und Chlormagnesium befreit. Vielfach wird auch Meerwasser direkt oder nachdem es in Salzg√§rten etwas konzentriert worden ist, zum Aufl√∂sen von Meersalz oder Steinsalz oder zum Auslaugen salzreichen Erdreichs benutzt und dann in Pfannen mit Unterfeuer verdampft.

Schließlich verdient Erwähnung, daß Salz auch als Nebenprodukt bei der Darstellung von Kalisalpeter aus Chilisalpeter (Natronsalpeter und Chlorkalium) gewonnen wird.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

Synonyme:

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  • salz ‚ÄĒ salz¬∑burg; salz¬∑git¬∑ter; ‚Ķ   English syllables

  • Salz ‚ÄĒ [Basiswortschatz (Rating 1 1500)] Bsp.: ‚ÄĘ Tu mehr Salz in die Suppe! ‚Ķ   Deutsch W√∂rterbuch

  • Salz ‚ÄĒ Salz, 1) s. Salze; 2) (Kochsalz, K√ľchensalz, Sal culinare), ist Chlornatrium = Na Cl. Es kommt in der Natur sehr verbreitet vor, theils fest, als Steinsalz (s.d.), theils gel√∂st in den Salzsooten u. im Meerwasser. Au√üerdem findet es sich in allen ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Salz ‚ÄĒ Salz, im weitern Sinne, s. Salze; im engern Sinne das Koch S. (Chlornatrium, s. Chlor). Dieses findet sich im tierischen K√∂rper (im Menschen 0,5 kg; Verbrauch eines Erwachsenen j√§hrl. 7,75 kg) und in vielen Pflanzen (Salzpflanzen), kommt in… ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon


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