Schwefelsäure

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Schwefelsäure

Zum Rösten der Schwefelkiese, die, einmal bis zur Rösttemperatur erhitzt, in großern Partien fortbrennen, benutzt man niedrige Schachtöfen (Kilns), die stets in Gruppen zusammenstehen und in der Art betrieben werden, daß man eine regelmäßige Gasentwickelung erhält.

1 u. 2. Kiesröstofen.
1 u. 2. Kiesröstofen.

Fig. 1 u. 2 zeigen einen Kiesr√∂stofen. a ist die Arbeitst√ľr mit der Schiebeklappe b zum Beobachten des Ofeninnern, c, c sind die T√ľren f√ľr die Roste und d f√ľr den Aschenfall, e ist eine kleine Arbeitst√ľr, und f f√ľhrt in den Zugkanal. g h i k ist die Vorrichtung zur Erzeugung von Salpeters√§ured√§mpfen. Diese √Ėfen sind f√ľr Grobkies konstruiert, wie man ihn durch Zerbrechen des Kieses auf einer Steinbrechmaschine und Absieben des Erzkleins erh√§lt. F√ľr letzteres baut man nach dem Vorgange von Gerstenh√∂fer besondere Feinkiesbrenner, von denen jetzt der Ofen Mal√©tra (Fig. 3 u. 4) am gebr√§uchlichsten ist.

3 u. 4. Malétraofen.
3 u. 4. Malétraofen.

Dieser Ofen enth√§lt sechs F√§cher, die durch ebene, in der Mitte unterst√ľtzte Tonplatten gebildet werden. Der fein gemahlene Feinkies wird oben aufgegeben und von einer Platte auf die andre geschafft, bis er endlich v√∂llig abger√∂stet den Ofen verl√§√üt. Die Hauptarbeit der R√∂stung findet auf der zweiten und dritten Platte von oben statt. Man brennt in 24 Stunden etwa 30 kg Pyrit auf 1 qm Brennfl√§che und erreicht eine Abr√∂stung auf ca. 1 Proz. und weniger Schwefel in den Abbr√§nden. Der Ofen besitzt sehr weite Gaskan√§le, die zugleich als Flugstaubkammern dienen, so da√ü die abziehenden Gase nahezu staubfrei sind. Der Plattenofen bietet auch den Vorteil, da√ü man in ihm keine Schlackenbildung zu bef√ľrchten hat. Die R√∂stgase verlassen den Ofen mit einer Temperatur von durchschnittlich 330¬į. Dieser Ofen hat vielfache Ab√§nderungen erfahren, man baut aber auch mechanische R√∂stofen, die namentlich das h√§ufige √Ėffnen von T√ľren und das damit verbundene Eindringen von falscher Luft vermeiden sollen.

W√§hrend Schwefelkies, einmal auf gen√ľgende Temperatur erhitzt, ohne weitere Zufuhr von W√§rme fortbrennt, bedarf Zinkblende, die h√∂chstens 33, oft herunter bis 18 Proz. Schwefel enth√§lt, zu v√∂lliger Abr√∂stung besonderer Feuerungen. Dazu kommt, da√ü sich schwer zersetzbares Zinksulfat bildet. Man baut aber verschiedene √Ėfen, welche die Verwertung des s√§mtlichen Schwefels der Blende in Bleikammern gestatten, indem sie die durch Verbrennung des Schwefels entstehende W√§rme mit √§u√üerlich angewendeter Erhitzung in der Art kombinieren, da√ü die Feuergase sich mit den R√∂stgasen nicht mischen k√∂nnen.

5.Gay-Lussacscher Turm.
5.Gay-Lussacscher Turm.

Der Gay-Lussac-Turm (Fig. 5) ist etwa 12 m hoch bei 2,85 m Durchmesser, er steht auf starken Ziegelpfeilern und ist aus Bleiplatten konstruiert, die durch ein Ger√ľst aus h√∂lzernen Pfosten gest√ľtzt werden. Bis etwa zur halben H√∂he ist der Turm mit Mauerwerk ausgef√ľttert, auf seinem Boden stehen Pfeiler, die einen Steinzeugrost tragen, und auf diesem ruht eine 2 m hohe Schicht von Zylindernaus s√§urefestem Steinzeug, Guttmannschen Kugeln oder Bettenhauser Kegeln. Jeder Zylinder steht auf dem Kreuzungspnukt von vier andern Zylindern, der √ľbrige Teil des Turms ist mit Koks gef√ľllt. Die Gase gelangen aus der letzten Bleikammer durch ein Rohr unten in den Turm und steigen in feiner Verteilung in der Zylinder- und Kokss√§ule auf, w√§hrend gleichzeitig m√∂glichst kalte konzentrierte Schwefels√§ure von 60‚Äď61¬į B. √ľber die Koks herabrieselt und die Salpetergase absorbiert. Die von letztern befreiten Gase ziehen am obern Ende des Turms durch Rohre ab. Die L√∂sung der Salpetergase in der Schwefels√§ure (Nitrose) flie√üt in ein Reservoir. Die konzentrierte S√§ure zur Speisung des Turmes passiert eine Vorrichtung, durch die sie gleichm√§√üig √ľber die Koks verteilt wird.

Bei dem Verdampfapparat von Ke√üler (Fig. 6) werden in einem mit Koksklein von Gaskoks betriebenen Gasgenerator mit gleich dar√ľber durch Sekund√§rluft stattfindender Verbrennung Feuergase erzeugt, die durch das Rohr a in den Saturex b str√∂men. Dieser ist aus s√§urefesten Steinplatten konstruiert und von einem Bleimantel umgeben.

6. Verdampfapparat von Keßler.
6. Verdampfapparat von Keßler.

D√ľnne Seitenw√§nde bewirken, da√ü die mit 300‚Äď450¬į eintretenden Feuergase in mehrfachen Windungen √ľber den Spiegel der S√§ure in b hin und her streichen und dabei dicht an oder selbst unter die S√§ure gezw√§ngt werden. Die Temperatur der Gase wird hierdurch schnell auf etwa 150¬į erniedrigt, w√§hrend die S√§ure ebenso schnell ihr Wasser abgibt und zum Teil verdampft. Bei f flie√üt sie kontinuierlich in konzentriertem Zustand in den K√ľhler g ab. Die Gase gelangen in den Rekuperator. Dieser besteht aus drei √ľbereinander liegenden Stein- und zwei Bleiplatten c und d, die alle vielfach durchl√∂chert, und deren L√∂cher mit aufgebogenem Rande mit Deckeln aus Porzellan bedeckt sind. Die R√§nder dieser Deckel sind ausgezackt. Die vorgew√§rmte Kammers√§ure flie√üt durch das Rohr e ein und von einer Platte auf die andre, zuletzt in den Saturex. Die aus letxterm entweichende, mit Wasser- und S√§uredampf beladene Feuerluft wird mit Hilfe eines Injektors durch die L√∂cher in den Platten gesaugt und gelangt so in innigste Ber√ľhrung mit der S√§ure. Hierbei wird, da die Temperatur bis auf 85¬į sinkt, aller S√§uredampf verdichtet, der die herabflie√üende S√§ure verst√§rkt, w√§hrend der Wasserdampf nicht kondensiert wird. Um in den entweichenden Gasen noch vorhandene S√§urenebel zu verdichten, leitet man sie durch zwei Kokskasten, die eine S√§ure liefern, die in den Rekuperator geleitet werden kann. Diese Apparate liefern ohne wesentliche Abnutzung und Betriebsst√∂rung bei geringem Aufwand von Brennmaterial und ohne K√ľhlwasser wasserhelle S√§ure von beliebiger St√§rke, selbst von 98 Proz. und mehr, die vollkommen frei ist von Stickstoffs√§uren.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

Synonyme:

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