Silber

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Silber

Bei der Gewinnung des Silbers auf trockenem Wege wird das Silber in Blei angesammelt (Verbleien). Reiche Silbererze, z.B. mit √ľber 10 Proz. Silber, die Schwefel, Antimon oder Arsen enthalten, werden am einfachsten beim Abtreiben von Werkblei (s. Blei, Tafel ‚ÄļBleigewinnung‚ÄĻ, S. III) angesetzt (eingetr√§nkt), nachdem die Abstrichperiode beendigt ist. Die genannten Beimengungen werden dabei entweder von der Gebl√§seluft oxydiert oder vom Blei aufgenommen, w√§hrend ein andrer Teil Blei das freigemachte Silber bindet, das nach beendigtem Treiben zur√ľckbleibt. Mittelreiche Silbererze verschmelzt man mit Bleierzen oder bleiischen Produkten vom Abtreiben in Schacht√∂fen auf Werkblei. Arme Erze werden mitunter vor der Verbleiung im Schacht- oder Flammofen mit Schwefelkies und Flu√ümitteln verschmolzen (Roharbeit), wobei das Schwefeleisen des Schwefelkieses das Silber aus dem Erz aufnimmt und Rohstein bildet und die erdigen und oxydischen Beimengungen sich mit den Flu√ümitteln zu einer Schlacke vereinigen. Der Stein (Lech) wird in fl√ľssigem Zustand mit fl√ľssigem Blei in Herden umger√ľhrt (Eintr√§nkarbeit) oder mit bleiischen Erzen und Produkten im Schachtofen verschmolzen, wobei sich das Silber mit Blei vereinigt.

1‚Äď3. Deutscher Treibherd zum Abtreiben des Bleies.
1‚Äď3. Deutscher Treibherd zum Abtreiben des Bleies.

In √§hnlicher Weise wie Leche verbleit man auch Speisen (Antimon- und Arsenmetalle), Wismut-, Kobalt- und Nickelerze durch Schmelzen mit Bleierzen und bleiischen Produkten im Schachtofen. Silberhaltige Bleierze werden in Herd-, Flamm- oder Schacht√∂fen verschmolzen, wobei das Silber dem Blei folgt und sich im Werkblei ansammelt. Statt der √§ltern Schacht√∂fen verwendet man jetzt meist mehrf√∂rmige Rachette√∂fen oder wegen regelm√§√üigem Ganges Pilzsche Rundschacht√∂fen (s. Tafel ‚ÄļBleigewinnung‚ÄĻ, S. IV). Gediegen Silber mit 84‚Äď86 Proz. Silber wie das von Kongsberg wird auf beweglichem Mergeltaft niedergeschmolzen und feingebrannt.

Zur Entsilberung des Werkbleies wird der Abtreibeproze√ü angewendet, bei dem man das silberhaltige Blei einem oxydierenden Schmelzen aussetzt, so da√ü das Blei in Bleioxyd √ľbergeht und metallisches Silber zur√ľckbleibt. Der deutsche Treibherd (Fig. 1‚Äď3) besteht aus einem Flammofen, dessen runder, kesself√∂rmig vertiefter Herd A mit Mergel (Kalk, Ton, Dolomit, Zement) m m ausgeschlagen ist, einem Gew√∂lbe B und einer beweglichen Kuppe von Eisen (C), die im Innern mit feuerfestem Ton ausgekleidet und an einem Kran (G G') beweglich aufgeh√§ngt ist. F ist die Feuerung, P Eintrage√∂ffnung und Fuchs, a a sind zwei √Ėffnungen f√ľr die D√ľsen eines Gebl√§ses. Man schmelzt das Werkblei auf dem Herd ein, zieht die sich abscheidenden Verunreinigungen (s. Tafel ‚ÄļBleigewinnung‚ÄĻ, S. III) ab und l√§√üt das Gebl√§se an, sobald sich helles bildet. Dies schmilzt und flie√üt, von dem Luftstrom fortgetrieben, durch das Gl√§ttloch o ab; zuletzt bleibt nur ein d√ľnnes, in Regenbogenfarben schillerndes H√§utchen von Gl√§tte auf dem Silber zur√ľck, und sobald alles Blei entfernt ist, kommt pl√∂tzlich das Silber rein und gl√§nzend zum Vorschein (das Blicken des Silbers, der Silberblick). Der zur√ľckbleibende spr√∂de Silberkuchen (Blicksilber) enth√§lt noch 5‚Äď10 Proz. Unreinigkeiten, namentlich Blei, und wird nochmals einem oxydierenden Schmelzen (Silberfeinbrennen, Raffinieren) unterworfen. Bei dem englischen Treibofen mit beweglichem Herd kann man direkt auf dem Herde feinbrennen.

Tabelle

Zum Feinbrennen dient ein kleiner Herd h, in dessen Vertiefung man eine mit Mergel oder √Ąscher a ausgeschlagene Eisenschale b (Test, Fig. 4) setzt. Die durch die Gebl√§seluft oxydierten und geschmolzenen fremden Bestandteile saugen sich in die por√∂se Unterlage (Testasche) ein, und es bleibt feines Silber (Brandsilber) zur√ľck. Geringere Silberverluste verursacht das Feinbrennen in der Muffel. Man bedeckt den Test a (Fig. 5) mit einem Tongew√∂lbe (Muffel b), setzt ihn in ein mit Z√ľgen e d i versehenes √Ėfchen e (Fig. 6), verschlie√üt die Vorderwand bis auf eine zum Muffelmund f f√ľhrende √Ėffnung mit Mauerwerk, bringt das Blicksilber auf den Test 1, f√ľllt den Ofenraum mit Kohlen u. schmelzt bei mit einer Kohle geschlossener M√ľndung f das Silber ein.

7. Pattinsonkessel.
7. Pattinsonkessel.

Dann wird f wiederholt behufs des Luftzutritts zur Oxydation der fremden Metalle ge√∂ffnet, das Silber umger√ľhrt, die √Ėffnung f einige Zeit wieder verschlossen und so lange diese Prozedur wiederholt, bis das Silber fein ist, d.h. vollst√§ndig spiegelt. Dann k√ľhlt man dasselbe durch eingegossenes Wasser ab, wobei es durch Entweichen von absorbiertem Sauerstoff spratzt; h Fundament, i Schlot, k Zugl√∂cher in der Muffel. Gr√∂√üere Silbermengen schmelzt man im Flammofen mit vertieftem Herd, mit Holzkohlenklein und S√§gesp√§nen bedeckt, l√§√üt Luft zutreten und zieht die Kruste (Kr√§tze) wiederholt ab, bis die Oberfl√§che des Silbers spiegelt.

8 u. 9. Zinkdestillierofen.
8 u. 9. Zinkdestillierofen.

Beim Abtreiben sehr silberarmen Bleies entstehen gro√üe Verluste, und man sucht deshalb zun√§chst eine Konzentration des Silbers in einer kleinen Menge Blei zu erreichen, so da√ü nur geringere Quantit√§ten silberreichen Bleies zum Abtreiben kommen, der gr√∂√üte Teil des Bleies aber ohne solches als Handelsware erfolgt. Man entsilbert Werkbleie, die nicht den zehnten Teil des Silbers enthalten, das fr√ľher ein Werkblei treibw√ľrdig machte. Es geh√∂ren hierher der Pattinsonsche und der Parkessche Proze√ü. Nach dem Pattinsonschen Kristallisationsproze√ü (Pattinsonieren) werden gr√∂√üere Mengen Werkblei in einem eisernen Kessel a (Fig. 7: c Z√ľge um den Kessel herum, durch eine Scheidewand d gebildet; e Tragsteine, f Rost, g Aschenfall, h Fuchs) eingeschmolzen und dann durch Schlie√üen der Sch√ľr√∂ffnungen, Aufspritzen von Wasser, Absto√üen der Randkrusten etc. abgek√ľhlt. Hierbei bilden sich auf der Oberfl√§che des Bleies Bleikristalle, die mit einer durchl√∂cherten Kelle bis zu zwei Drittel oder sieben Achtel in einen Nachbarkessel gesch√∂pft werden. Das Silber sammelt sich gr√∂√ütenteils in der zur√ľckgebliebenen geringen Menge fl√ľssigen Bleies an, w√§hrend die Kristalle √§rmer an Silber sind. Dieselben werden unter Zusatz von Blei mit gleichem Silbergehalt nochmals und so oft umkristallisiert, bis schlie√ülich Armblei (Handelsblei) mit 0,001 Proz. Silber erfolgt. Das angereicherte Blei wird durch wiederholte Kristallisation in einer Reihe von Kesseln auf Blei mit etwa 2 Proz. Silber (Reichblei) gebracht und dieses dann zum Abtreiben gegeben. Man hat dieses Verfahren durch einen mechanischen Pattinson-Apparat (Pattinsonieren mittels Wasserdampfes; sogen. Rozanproze√ü), wirksamer durch den Karsten-Parkesschen Zinkproze√ü (1842 von Karsten angegeben, 1850 von Parkes ausgef√ľhrt, Parkesieren) verbessert. Man r√ľhrt das Werkblei mit 1‚Äď2 Proz. Zink, je nach dem Silbergehalt, gew√∂hnlich zu drei Malen in einem Pattinsonschen Schmelzkessel zusammen, l√§√üt die Masse einige Zeit in Ruhe, nimmt die an der Oberfl√§che des Bleies sich sammelnde Zinkkruste (Zinkschaum), die alles Silber enth√§lt, von dem Blei mittels durchl√∂cherter Kellen hinweg und bl√§st nach Corduri√© (1866) in das stets noch etwas zinkhaltige Blei bei Luftabschlu√ü √ľberhitzten Wasserdampf, der das Zink oxydiert und als Kr√§tze mit Bleioxyd oberfl√§chlich abscheidet, w√§hrend ein sehr reines Arm- oder Handelsblei mit 0,0005 Proz. Silber erfolgt, das im Gegensatz zu dem Pattinsonschen v√∂llig kupferfrei ist, indem das Zink alles Kupfer, auch Gold, hinwegnimmt. Nach Vollendung des Prozesses und Abziehen der Oxyde bl√§st man bei Luftzutritt weiter und erreicht dabei auch die Abscheidung des Antimons und Arsens. Der silberhaltige Zinkschaum wird in einem Kessel oder Flammofen m√§√üig erhitzt, um mechanisch beigemengtes Blei auszuseigern. Den geseigerten, aber noch immer bleihaltigen Zinkschaum erhitzt man in gu√üeisernem Kessel mit Blechhaube zur Rotglut und leitet Dampf von 2 Atmosph√§ren Spannung ein, wodurch Reichblei und ein Gemenge von Bleioxyd und Zinkoxyd mit K√∂rnern von Blei entstehen. Mitunter verschmelzt man auch den Zinkschaum mit eisenreichen Schlacken im Schachtofen auf Reichblei, wobei sich Zink verschlackt oder verfl√ľchtigt, oder man unterwirft den silberhaltigen Zinkschaum einer Destillation. Hierzu dienen mit einem Innen√ľberzug ausgekleidete Mufteln in Zinkdestillier√∂fen (s. Zink) oder die Retorte eines Kippofens. Fig. 8 und 9: a mit Gew√∂lbe √ľberdeckter Ofen, an den Achsen c aufgeh√§ngt auf einem Ger√ľst; d Zahnrad auf der Achse, in das eine mittels eines Kurbelrades zu drehende Schnecke b eingreift, so da√ü man den Ofen neigen kann; e Retorte, auf einem gemauerten Bogen f ruhend; g √Ėffnung im Gew√∂lbe zum Einf√ľllen von Koks; h Abzug f√ľr die Verbrennungsprodukte; i Rost; k √Ėffnung f√ľr den Retortenhals. Der mit Kohle gemengte Zinkschaum entl√§√üt beim Erhitzen in der Retorte Zinkd√§mpfe, die sich in einer Vorlage zu fl√ľssigem Zink verdichten. Nach beendigter Destillation nimmt man die Vorlage weg, kippt den Ofen und l√§√üt das in der Retorte zur√ľckgebliebene silberreiche Blei ausflie√üen.

Bei kupferhaltigen oder zusammengesetzten Erzen sammelt sich das Silber in den Zwischenprodukten (Steinen, Speisen) und im Kupfer an. Die Gewinnung des Silbers durch Verbleien gestaltet sich dann bei steigendem Kupfergehalt immer langwieriger, verlustreicher und kostspieliger, ohne die Produkte zu ersch√∂pfen. Diese Schwierigkeiten werden durch die Silbergewinnung auf nassem Wege, durch die Amalgamation, noch mehr durch die Langprozesse √ľberwunden.

Die Amalgamation, die darauf beruht, da√ü das metallische Silber von Quecksilber direkt aufgenommen wird, eignet sich besonders f√ľr geschwefelte Erze, wird haupts√§chlich in Amerika angewendet und liefert noch heute einen ansehnlichen Teil des auf der Erde gewonnenen Silbers; in Europa wurde das Verfahren vielfach zur Entsilberung von H√ľttenprodukten angewendet, ist jetzt aber fast ganz durch vollkommnere Prozesse verdr√§ngt worden. Bei der amerikanischen Haufenamalgamation (Patioproze√ü) wird das gepochte und mit Wasser auf Mahlvorrichtungen (arrastras) √§u√üerst fein gemahlene Silbererz auf einem mit Steinplatten gepflasterten Hof (patio) mit 3‚Äď5 Proz. Kochsalz mit Magistral (fr√ľher ger√∂steten Kupferkies, jetzt Kupfersulfat als wesentlichen Bestandteil enthaltend) innig gemischt, worauf wiederholt Quecksilber in feinem Regen auf den Haufen f√§llt, der jedesmal von Maultieren durchtreten wird; auf 1 Teil auszubringendes Silber sind 6‚Äď8 Teile Quecksilber erforderlich. Der chemische Proze√ü bei der Amalgamation ist noch nicht sicher aufgekl√§rt, es entsteht Silberamalgam und nebenbei Quecksilberchlor√ľr, dessen Gehalt an Quecksilber verloren geht. Der Gesamtverlust an Quecksilber betr√§gt 10‚Äď20 Proz. Nach 12‚Äď45 und mehr Tagen wird die Masse in Waschbottichen mit R√ľhrwerk und Wasserzuflu√ü verwaschen, das zu Boden gegangene Silberamalgam zur Entfernung des √ľbersch√ľssigen Quecksilbers in Lederbeuteln gepre√üt, sodann das feste Amalgam unter einer eisernen, mit gl√ľhendem Brennmaterial umgebenen, √ľber Wasser stehenden Glocke erhitzt, wobei Silber zur√ľckbleibt und das verfl√ľchtigte Quecksilber sich in dem Wasser kondensiert. Dieses Verfahren erfordert l√§ngere Zeit bei gro√üen Quecksilber- und Silberverlusten und wird nur noch angewendet, wo es an Brennmaterial und maschinellen Vorrichtungen fehlt. Erst 1786 f√ľhrte man in Schemnitz (Ungarn) die Amalgamation ein, und 1790 kam das Amalgamierwerk auf Halsbr√ľcke bei Freiberg in Betrieb, das bis 1857 bestand. Bei der Freiberger F√§sseramalgamation r√∂stete man die Silbererze mit Chlornatrium, um das Schwefelsilber in Chlorsilber √ľberzuf√ľhren; die gemahlene und gesiebte R√∂stmasse wurde dann mit Eisenabf√§llen und Wasser in um ihre Achse rotierende F√§sser gebracht; hierbei wurde das Chlorsilber zersetzt und das gebildete freie Silber durch sp√§ter zugesetztes Quecksilber ausgezogen. In Nordamerika zerreibt man das Erz in M√ľhlen mit eiserner Pfanne und L√§ufern unter Zusatz von Quecksilber, Wasser, Kochsalz, Kupfervitriol etc. (Waschoeproze√ü). Bei der verwandten Pfannenamalgamation (Rees-River-Proze√ü) wird ger√∂stetes Erz verarbeitet.

10. Amalgamierpfanne.
10. Amalgamierpfanne.

Fig. 10 und 11 zeigen eine Amalgamierpfanne: a gu√üeiserne Pfanne; b rotierender L√§ufer mit schraubenf√∂rmig angesetzten Fl√ľgeln c; d, Mantel mit L√∂chern zum Austritt des Erzbreies; e Reibschuhe, in Verbindung mit den Fl√ľgeln; f Riemenscheibe zum Umtrieb des R√§derwerkes g; h Getriebe zum H√∂her- und Tieferstellen des L√§ufers. Nach dieser Methode behandelt man haupts√§chlich die √§rmern Silbererze, w√§hrend die reichern nach dem Freiberger Verfahren verarbeitet werden. Die F√§sseramalgamation gestattete, das Silber bis auf 0,004 Proz. auszuziehen.

11. Läufer der Amalgamierpfanne.
11. Läufer der Amalgamierpfanne.

Seit 1856 sind in Europa Laugprozesse in allgemeine Aufnahme gekommen. Man verarbeitet arme Erze, bei denen das Amalgamieren oder Schmelzen nicht rentabel ist, sowie Schwarzkupfer, Kupferstein und Speisen. Diese Prozesse arbeiten schnell und billig, sind auch im kleinen ausf√ľhrbar und liefern hohes Ausbringen; sie erfordern aber geschickte Arbeiter und best√§ndige √úberwachung. Das Silber wird durch sulfatisierende oder chlorierende R√∂stung, auch durch Chloration auf nassem Wege in den l√∂slichen Zustand versetzt. Zum R√∂sten dienen der Br√ľcknersche Zylinder (s. Tafel ‚ÄļGoldgewinnung II‚ÄĻ, Fig. 7) oder der Stetefeldtsche R√∂stofen (s. Ofen, Tafel ‚ÄļMetallurgische √Ėfen‚ÄĻ, S. III) etc.

Nach dem Laugeverfahren von Augustin in Eisleben (1843) wird chlorierend gerösteter Kupferstein, der das Silber als Chlorsilber enthält, in ein Auslaugegefäß a (Augustins Kochsalzlaugerei, Fig. 12), mit durchlöchertem Losboden und einem Filter von Stroh und Leinwand darauf, gebracht und mit aus b zufließender heißer oder auch kalter Kochsalzlösung behandelt, wobei das Chlorsilber gelöst wird.

12. Apparat f√ľr Kochsalzlaugerei.
12. Apparat f√ľr Kochsalzlaugerei.

Die L√∂sung flie√üt durch mit Kupfergranalien oder Kupferbarren versehene Beh√§lter c, in denen das Silber durch das Kupfer gef√§llt wird. Man kann es dann in Gestalt eines Kuchens abnehmen, der mit Schwefels√§ure und Wasser ausgewaschen oder im Gef√§√ü d mit Wasser, eingeleitetem Dampf und komprimierter Luft gereinigt, dann getrocknet und eingeschmolzen oder im Flammofen raffiniert wird. Die in c entstandene Kupferl√∂sung leitet man durch ein Eisenst√ľcke enthaltendes Reservoir e, in dem sich unter Aufl√∂sung von Eisen Kupfer niederschl√§gt. Einen der einfachsten Silbergewinnungsprozesse (Wasserlaugerei), dessen allgemeinere Anwendung nur dadurch verhindert wird, da√ü Antimon, Arsen und Blei noch st√∂render in betreff des Silberausbringens wirken als bei der Amalgamation und der Kochsalzlaugerei, schuf 1849 Ziervogel. Man r√∂stet Kupfersteine, die aus Schwefelkupfer, Schwefeleisen und Schwefelsilber bestehen, um neben Eisen- und Kupferoxyd in Wasser l√∂sliches schwefelsaures Silber zu erhalten. Das R√∂stgut wird mit hei√üem, etwas Schwefels√§ure enthaltendem Wasser ausgelaugt und die Silbervitrioll√∂sung wie oben behandelt.

Auf silber- und goldhaltige Kupferverbindungen, namentlich Kupfersteine und Schwarzkupfer, wendet man die Schwefels√§ureextraktion an. Die von Eisen fast vollst√§ndig befreiten Kupfersteine werden im Flammofen m√∂glichst vollst√§ndig in Oxyde verwandelt und diese in kochende Kammerschwefels√§ure einger√ľhrt. Letztere l√∂st das Kupferoxyd, w√§hrend Silber und Gold ungel√∂st zur√ľckbleiben. Die Kupfervitrioll√∂sung l√§√üt man in Kl√§rkasten ab und bringt sie zur Kristallisation. Der 1,8‚Äď2 Proz. Silber enthaltende R√ľckstand aus dem L√∂segef√§√ü wird nochmals mit verd√ľnnter Schwefels√§ure gekocht, ausgelaugt, getrocknet und mit bleihaltigen Produkten auf Werkblei verschmolzen, das zum Abtreiben kommt. Silber- und goldhaltiges Schwarzkupfer wird nach vorherigem Garmachen granuliert und im Flammofen oxydiert, um mit verd√ľnnter Schwefels√§ure behandelt zu werden, h√§ufiger wird es direkt in mit durchl√∂chertem Losboden versehenen Holzbottichen bei Luftzutritt mit hei√üer verd√ľnnter Schwefels√§ure √ľberrieselt. Dabei oxydiert sich das Kupfer und l√∂st sich als Sulfat. Die L√∂sung l√§√üt man mit dem Silberschlamm durch lange K√ľhlgerinne flie√üen, wobei der die Schlammteile einschlie√üende Kupfervitriol auskristallisiert. Man l√∂st denselben in hei√üem Wasser, bringt die klare L√∂sung zur Kristallisation und verbleit den Schlamm, der 2,5‚Äď3 Proz. Silber, 0,005‚Äď0,01 Gold und 30‚Äď40 Proz. Blei enth√§lt, nach dem Auswaschen in angegebener Weise.

Abbr√§nde von spanischem Schwefelkies (mit 0,0013 Proz. Silber) werden einer chlorierenden R√∂stung unterworfen und ausgelaugt. Die Lauge f√§llt man nach Claudet mit Jodkalium, worauf man den Niederschlag (mit 5‚Äď6 Proz. Silber und 0,04‚Äď0,05 Proz. Gold) mit Zink und Salzs√§ure reduziert. Gibb gewinnt das Silber durch partielle F√§llung mit Schwefelwasserstoff, zieht aus den ger√∂steten Sulfiden das Silber mit Chlornatrium aus, f√§llt mit Kalkmilch und entkupfert den Niederschlag mit verd√ľnnter Schwefels√§ure; der R√ľckstand enth√§lt 9 Proz. Silber.

Nach Patera wird das zerkleinerte, mit Chlornatrium ger√∂stete Erz mit unterschwefligsaurem Natron (Lixiviacion ordinaria, nach Ki√ü mit unterschwefligsaurem Natron), dann (in Amerika) nach Russel mit einer Mischung von unterschwefligsaurem Natron und Kupfersulfat (Extrasolution) ausgezogen, um auch metallisches Silber, Schwefelsilber, Arsen- und Antimonverbindungen des Silbers, die durch Natriumhyposulfit allein nicht gel√∂st werden, sowie mehr Gold in L√∂sung zu bringen. Aus der L√∂sung wird durch Natriumkarbonat Blei gef√§llt, dann durch Schwefelnatrium (wobei die Hyposulfitl√∂sung vollst√§ndig regeneriert wird) ein Gemisch von Sulfiden. Den Niederschlag aus der reinen Hyposulfitl√∂sung r√∂stet man und entschwefelt ihn dann in Retorten vollst√§ndig, worauf das r√ľckst√§ndige Silber mit Blei abgetrieben wird. Den Niederschlag aus der Extrasolution r√∂stet man so weit, da√ü hinl√§nglich Schwefel zur Bildung eines silberreichen Kupfersteins zur√ľckbleibt, oder man behandelt ihn feucht mit Schwefels√§ure und Salpeter und f√§llt aus der L√∂sung das Silber durch Kupfer. Es bleibt Gold und etwas Chlorsilber zur√ľck.

Verbindet man das in Platten gegossene Silber in einem Säurebad mit dem positiven Pol einer elektromagnetischen Maschine und benutzt als negativen Pol reines Silberblech, so löst sich, sobald der Strom geschlossen ist, am positiven Pol Silber auf und schlägt sich am negativen nieder, während Unreinigkeiten als Schlamm sich zu Boden setzen. Über die elektrolytische Entsilberung und Raffination von Schwarzkupfer s. Kupfer, S. 831.

Die eigentlichen Silbergewinnungsprozesse sind in starkem R√ľckgang begriffen. Der gr√∂√üte Teil des Silbers stammt vom Bleitreiben oder von der Kupferraffination, nur 1/18 wird noch durch Laugerei oder Amalgamation gewonnen. In Australien stammt alles Silber aus dem Bleiproze√ü, in Deutschland, Spanien wird noch weniger Silber durch die nassen Silberprozesse gewonnen als in Nordamerika. Da fast alles Silber so viel Gold enth√§lt, da√ü sich dessen Abscheidung lohnt, so wird es meistens der Affination unterworfen. N√§heres s. Gold, S. 89.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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