Alexander [1]

ÔĽŅ
Alexander [1]

Alexander (griech. Alexandros, ¬Ľder M√§nnerbesch√ľtzende¬ę), Name zahlreicher F√ľrsten. Hier sind behandelt: 1‚Äď3 Herrscher des Altertums, 4‚Äď11 P√§pste, 12‚Äď24 F√ľrsten der neuern Zeit.

Herrscher des Altertums.

1) A. der Gro√üe, K√∂nig von Makedonien (hierzu die Karte ¬ĽReich Alexanders d. Gr.¬ę), der gr√∂√üte Eroberer aller Zeiten, Sohn des K√∂nigs Philipp und der Olympias, einer Tochter des √Ąakiden Neoptolemos von Epeiros, war um die Zeit der Herbstnachtgleiche 356 v. Chr. geboren; er starb 323. Sein erster Erzieher war Leonidas, ein Verwandter der K√∂nigin und ein Mann von strengen Sitten, dann von seinem 13. Jahr ab der ber√ľhmte Philosoph Aristoteles. Diesem geb√ľhrt der Ruhm, in dem leidenschaftlichen Knaben den Gedanken der Gr√∂√üe, jene Hoheit und Strenge des Denkens geweckt zu haben, die seine Leidenschaften adelte und seiner Kraft Ma√ü und Bewu√ütsein gab. Sein Vorbild war Achilleus. Wie dieser den Patroklos, so liebte er seinen Jugendfreund Heph√§stion. Voll Tatendurst klagte er bei den Siegen seines Vaters, da√ü diese ihm nichts zu tun √ľbriglassen w√ľrden. In ritterlichen √úbungen √ľbertraf er alle. Die erste Waffenprobe legte A. durch die Unterwerfung der abgefallenen M√§der (einer thrakischen V√∂lkerschaft) ab; die Schlacht bei Ch√§roneia (338) wurde durch seine pers√∂nliche Tapferkeit gewonnen. Philipp war stolz auf seinen Sohn und erkannte in ihm den Vollender seiner k√ľhnsten Pl√§ne und stolzesten Hoffnungen. Sp√§ter jedoch st√∂rten die Versto√üung von Alexanders Mutter Olympias, Philipps Heirat mit einer zweiten Gemahlin, Kleopatra, und die Zur√ľcksetzungen und Kr√§nkungen, die A. selbst erfuhr, das gute Einvernehmen zwischen Vater und Sohn.

Nach der Ermordung Philipps bestieg A. im Herbst 336 den Thron von Makedonien unter schwierigen Verh√§ltnissen, Attalos, der Oheim der K√∂nigin Kleopatra, suchte die Krone dem neugebornen Sohne der Kleopatra zu √ľbertragen, um selbst die Herrschaft in seine Hand zu bekommen. Die Griechen bereiteten eine Erhebung vor. Mit Energie und Umsicht √ľberw√§ltigte A. alle Gefahren. Attalos, Kleopatra und ihr Kind wurden get√∂tet. A. selbst eilte nach Thessalien, durchzog die Thermopylen und r√ľckte in Theben ein. Die Athener schickten Gesandte entgegen. A. verzieh ihnen und allen Hellenen; doch mu√üten sie Gesandte nach Korinth schicken, wo in einer allgemeinen Versammlung der Krieg gegen Persien beschlossen und A. als Oberbefehlshaber der Hellenen anerkannt wurde. Nur die Spartaner verweigerten den Beitritt. Darauf wandte sich A. gegen die barbarischen Nachbarn im Norden, um dort w√§hrend seiner Abwesenheit die Grenze zu sichern; er √ľberschritt im Fr√ľhling 335 den H√§mos (Balkan), drang in das Land der Triballer bis an die Donau und √ľber diese in das der Geten ein und zwang sowohl die Triballer zum Frieden als auch die unruhigen Illyrier und die mit ihnen verb√ľndeten Taulantiner. Das Ger√ľcht, A. sei im Kampfe gegen die Illyrier gefallen, veranla√üte einen neuen Aufstand in Griechenland, namentlich in Theben und Athen. Aber pl√∂tzlich stand A. mit 20,000 Mann Fu√üvolk und 3000 Reitern vor Theben, das nach der Ablehnung des friedlichen Anerbietens Alexanders im Sturm erobert und dem Erdboden gleichgemacht wurde; nur Pindars Haus und Nachkommen wurden verschont. Den √ľbrigen griechischen Staaten ward Amnestie zu teil.

Nachdem Antipatros mit einem Heer von 13,500 Mann zum Reichsverweser in Makedonien bestellt worden war, brach A., als Oberhaupt des hellenischen Bundes, mit dem Beginn des Fr√ľhlings 334 zum Zuge gegen Persien auf, um f√ľr die Zerst√∂rung der griechischen Heiligt√ľmer Rache zu nehmen. Ein Heer von 30,000 Mann Fu√üvolk und 5000 Reitern (darunter nur 7000 Mann zu Fu√ü und 2100 Reiter von den hellenischen Bundesgenossen) schien ihm zu gen√ľgen, nachdem der Zug der 10,000 die Schw√§che des gro√üen Reiches offenbart hatte. Bei Sestos setzte das Heer nach Asien √ľber, er selbst bei El√§os, um die St√§tte von Troja zu besuchen und dort zu opfern. Am Granikos traf A. auf ein von persischen Satrapen zusammengebrachtes persisches Heer von 40,000 Mann, zur H√§lfte Reiterei, und besiegte es nach einem erbitterten Kampf, in dem er nur durch seinen Freund Kleitos gerettet wurde. Dieser Erfolg entschied nicht nur √ľber das Schicksal des feindlichen Fu√üvolkes, griechischer S√∂ldner, die niedergehauen wurden, sondern auch ganz Kleinasiens. Die Oligarchien und Tyrannenherrschaften, auf die sich in den griechischen St√§dten die persische Herrschaft st√ľtzte, wurden ohne Schwierigkeit gest√ľrzt und in Demokratien verwandelt, die 400 Schiffe starke persische Flotte durch Verschlie√üung aller asiatischen Landungspl√§tze gen√∂tigt, sich nach Samos zur√ľckzuziehen. Die Seele des Widerstandes war der von dem Perserk√∂nig in Sold genommene Grieche Memnon, der sich aber bei der Verteidigung von Halikarnassos von der Vergeblichkeit seiner Unternehmungen auf dem Festland √ľberzeugen mu√üte, weshalb er selbst die Stadt anz√ľndete und mit der persischen Flotte nach den griechischen Inseln ging; seinen Plan, von da aus einen Zug nach Makedonien zu unternehmen, verhinderte sein Tod. A. marschierte, nachdem er sich in den Besitz der K√ľste gesetzt hatte, landeinw√§rts nach Phrygien und hielt in dessen Hauptstadt Gordion Winterrast. Dann unterwarf er Paphlagonien, r√ľckte √ľber den Halys nach Kappadokien gegen die Kilikischen Tore vor und erreichte, da das hier aufgestellte persische Heer abzog, ohne Kampf Tarsos, wo er infolge eines kalten Bades im Kydnos erkrankte, jedoch von seinem Arzt Philippos gerettet wurde.

Inzwischen hatte der Perserk√∂nig 5‚Äď600,000 Mann, darunter 100,000 wohlbewaffnete asiatische Fu√üsoldaten und 30,000 griechische S√∂ldner, aufgeboten und stie√ü bei Issos auf A. Dieser griff das in dem engen, unebenen Tale des Flusses Pinaros zusammengepre√üte persische Heer sofort an (im November 333): er selbst warf sich auf das Zentrum der persischen Schlachtordnung, wo der Gro√ük√∂nig stand, und nach einem hitzigen Handgemenge, in dem die Umgebung des Dareios meist niedergemacht wurde, ergriff dieser die Flucht, in die auch das √ľbrige Heer mit fortgerissen wurde. Das ganze persische Lager mit ungeheuern Sch√§tzen ward Alexanders Beute; selbst Dareios' Mutter Sisygambis, seine Gemahlin Stateira und zwei T√∂chter wurden gefangen. Unbek√ľmmert um Dareios, dessen Anerbieten, ihm Persien bis zum Euphrat abzutreten, er ablehnte, nunmehr zur Eroberung des ganzen Reiches entschlossen, wandte sich A. gen S√ľden, um die K√ľsten zu besetzen und die ihm immer unbequeme persische Flotte vom Festland abzuschneiden. Tyros fiel erst nach siebenmonatigem hartn√§ckigen Widerstand (im August 332), auf dem Wege nach √Ągypten wehrte sich Gaza zwei Monate lang, das Land selbst √ľbergab der Satrap Mazakes ohne Schwertstreich. Die Bev√∂lkerung, der persischen Herrschaft l√§ngst √ľberdr√ľssig, leistete nirgends Widerstand, zumal da A. den heimischen Religionskultus durch Opfer und Gebete ehrte. Von Memphis fuhr er den Nil hinab und legte in der N√§he des westlichen Nilarms bei der Insel Pharos den Grundstein zu seinem gr√∂√üten und dauerndsten Denkmal, zu der Stadt Alexandreia. Als er dann einen Zug nach dem Heiligtum des Ammon in der Libyschen W√ľste unternahm, begr√ľ√üten ihn die Priester als den Sohn des Gottes, verk√ľndeten ihm, da√ü er die Welt beherrschen werde, und verliehen damit seinem Plane der Weltherrschaft die g√∂ttliche Weihe.

Erst jetzt, im Fr√ľhjahr 331, suchte A. wieder den Perserk√∂nig, der ein neues Heer gesammelt und in Assyrien aufgestellt hatte, auf, √ľberschritt ungehindert den Euphrat bei Thapsakos und den Tigris bei Bedzabde und traf im Herbst 331 bei Gaugamela, unweit von Arbela, auf den Feind. Dort kam es 1. Okt. zur Entscheidungsschlacht. Wieder errang A., mit der Phalanx das feindliche Zentrum durchbrechend, den Sieg. Dareios selbst entkam mit 8000 Mann nach Ekbatana. Dem Perserreich war der Todessto√ü gegeben. Babylon ergab sich, Susa wurde mit leichter M√ľhe genommen, nach m√ľhseligen M√§rschen auch Persepolis und Pasargad√§, wo dem siegreichen Heer unerme√üliche Beute zufiel. Die alte K√∂nigsburg lie√ü er in Flammen ausgehen zum Zeichen der S√ľhne der Verheerungen der Perser in Griechenland und des Endes ihres Reiches. Ende April 330 nahm er die Verfolgung des Dareios auf, der auf diese Kunde von Ekbatana nach den kaspischen Toren floh, aber, ehe er sie noch erreichte, von dem baktrischen Satrapen Bessos, der selbst nach der Krone strebte, ermordet wurde (im Juli 330). A. fand nur noch seine Leiche.

Nach dem Tode des Dareios sahen die V√∂lker Persiens in A. ihren legitimen Herrn, und die meisten persischen Gro√üen schlossen sich ihm an. Um so mehr glaubte sich A. verpflichtet, des Dareios Tod an seinen M√∂rdern zu r√§chen, die den Widerstand in den nord√∂stlichen Provinzen fortsetzten. Er durchzog und unterwarf die Landschaften Hyrkania, Areia, Drangiana, Gedrosien, Arachosien, erreichte Baktrien und bem√§chtigte sich jenseit des Oxus auch des Bessos, den er hinrichten lie√ü. Dann schreckte er durch √úberschreitung des Jaxartes die dortigen nomadischen V√∂lkerst√§mme, warf den Aufstand des Spitamenes in Sogdiana nieder und besch√§ftigte sich bis in den Anfang des Jahres 327 hinein mit der Ordnung der eroberten L√§nder und seiner durch die Besiegung des persischen K√∂nigs neu gewordenen Stellung. Seine Aufgabe gegen Hellas f√ľr gel√∂st haltend, schickte er die griechischen Bundestruppen von Ekbatana nach Hause; namentlich aber glaubte er, nunmehr den Orient und Okzident gleich behandeln zu m√ľssen, umgab sich mit persischem Prunk und verm√§hlte sich selbst mit der Tochter des Baktriers Oxyartes Roxane. Diese Politik erregte aber bittere Unzufriedenheit unter seinen Makedoniern, die bei dem Proze√ü des Philotas, des Sohnes des Parmenion, seines erprobten Feldherrn, schon im J. 330, dann bei dem des Kallisthenes (327) zum Ausbruch kam; beide lie√ü er hinrichten, den Parmenion durch Meuchelmord beseitigen.

Der Wunsch, das mit den Neuerungen unzufriedene Heer durch neue Erfolge an sich zu fesseln, durch das Wunderland Indien bis an das √∂stliche Meer vorzudringen und den in ihm durch seine Gro√ütaten wachgerufenen Gedanken der Gr√ľndung einer Weltmonarchie der Verwirklichung n√§her zu f√ľhren, trieb A. zu der Unterwerfung Indiens fort. Gegen Ende 327 brach er mit 120,000 Mann von Baktrien √ľber Alexandreia am Paropamisos nach dem nordwestlichen Indien (Pandschab) auf und erreichte nach vielen heftigen K√§mpfen den Indus im Fr√ľhjahr 326. Streitigkeiten zwischen den beiden K√∂nigen jenseit des Stromes erleichterten ihm den Weitermarsch; Taxilas √ľbergab sich ihm sofort, Poros, der Beherrscher des Gebietes zwischen dem Hydaspes und Akesines, wurde durch eine gro√üe Schlacht im Mai 326 besiegt und durch die Milde Alexanders f√ľr ihn gewonnen. So kam A. bis zum Hyphasis. Dort aber weigerten sich die ersch√∂pften Truppen, nach dem Gangesgebiet zu folgen. Alle Bem√ľhungen Alexanders blieben erfolglos; er mu√üte umkehren (im Herbst 326), suchte sich aber wenigstens noch die L√§nder bis zum Indusdelta zu unterwerfen, indem er auf einer Flotte den Hydaspes, Akesines und Indus bis zur M√ľndung hinunterfuhr, rechts und links von dem Landheer begleitet, √ľberall siegreich, wo sich ihm die V√∂lker nicht freiwillig ergaben. Darauf zog er mit dem gr√∂√üten Teil des Heeres in der N√§he der K√ľste nach Gedrosien und auf einem 60t√§gigen m√ľhseligen Marsch durch dessen W√ľste nach Karmanien, wo Krateros, der mit dem andern Teil eine mehr n√∂rdliche Richtung genommen hatte, und Nearchos mit seiner Flotte zu ihm stie√üen (Ende 325), und kehrte von da nach Susa zur√ľck. Hier war die Anwesenheit des Herrschers, der alles auf seine Person gestellt hatte, dringend notwendig. Den Ausschreitungen seiner Statthalter machte er rasch ein Ende. Schwieriger war es, die angefangene Verschmelzung des Abend- und Morgenlandes zu vollziehen. Er selbst nahm eine zweite (Stateira, Tochter des Dareios) und dritte Asiatin zur Frau und verm√§hlte gegen 80 seiner Gro√üen und √ľber 1000 andre Makedonier mit Perserinnen; als er aber auch dem Heer durch Einreihung von Persern seinen makedonischen Charakter nahm, meuterten die Veteranen; bei Opis kam es zum offenen Aufstand, den A. nur mit M√ľhe d√§mpfte (324), und er hielt es f√ľr zweckm√§√üig, 10,000 alte Soldaten in die Heimat zu entlassen und sie durch neue Mannschaft, die ihm Antipatros zuf√ľhren sollte, zu ersetzen. Gro√üe Erbitterung, namentlich in Griechenland, erregte endlich die Forderung der Verg√∂tterung seiner Person, eine Folgerung seiner Auffassung von der Hoheit der neuen Stellung. Aber er setzte seinen Willen durch und fand noch Zeit, r√§uberische V√∂lker niederzuwerfen und f√ľr Hebung des Handels und Verkehrs durch Stra√üen, Forschungsreisen, Hafenbauten und St√§dtegr√ľndungen zu sorgen. Insbesondere trug er sich mit dem Plan einer gro√üartigen Kolonisation an der Ostk√ľste des Persischen Golfs und einer Umschiffung Arabiens, um √Ągypten zur See mit dem Euphratland zu verbinden. Schon war der Tag der Abreise der Flotte unter Nearchos bestimmt, als der K√∂nig nach einem dem Nearchos gegebenen Abschiedsmahl an einem Fieber erkrankte, dessen St√§rke, da er sich nicht schonte, von Tag zu Tag zunahm. Im Juni 323 ereilte ihn der Tod, im 32. Jahre seines Lebens. Seine einbalsamierte Leiche wurde erst nach zwei Jahren mit unerme√ülicher Pracht von Ptolem√§os nach √Ągypten √ľbergef√ľhrt und in Memphis bestattet, sp√§ter in Alexandreia in einem ihm eigens erbauten Tempel beigesetzt. Da A. keinen regierungsf√§higen Nachfolger hinterlie√ü, so entbrannte sofort nach seinem Tod unter seinen ehrgeizigen Feldherren der heftigste Zwist, in dem Alexanders Haus zu Grunde ging und sein Reich zerfiel. Gleichwohl hatten seine gro√üartigen Eroberungen die Folge, da√ü Vorderasien der griechischen Kultur erschlossen wurde und sich, nach Beseitigung der Schranken, die bis dahin die einzelnen Staaten getrennt hatten, mit der griechischen Welt verschmolz, und da√ü aus dieser Verschmelzung die Kulturperiode des Hellenismus hervorging.

A. wurde schon bei Lebzeiten durch die bildende Kunst verherrlicht wie kein Held vor ihm. Er selbst soll ein Edikt erlassen haben, da√ü ihn kein andrer als Apelles malen, kein andrer als Pyrgoteles in Stein schneiden und kein andrer als Lysippos in Erz gie√üen sollte. Doch spricht die gro√üe Verbreitung seiner Bilder in der alten Welt daf√ľr, da√ü dieses Edikt keine Beachtung fand. Auf uns gekommen sind jedoch nur wenige. Als die seine Z√ľge (auch die Ungleichheit der Halsmuskeln) am treuesten wiedergebenden B√ľsten gelten die im Louvre (1779 bei Tivoli gefunden), die durch die Inschrift gesichert ist, eine in der Sammlung des Grafen Erbach und eine im Britischen Museum; idealisiert sind eine kapitolinische B√ľste, zwei Marmorstatuen, eine in Paris, die andre in M√ľnchen, und eine herkulanensische Reiterstatue aus Bronze. An seinen Namen kn√ľpfen sich endlich eine ber√ľhmte Marmorb√ľste in Florenz, der ¬Ľsterbende A.¬ę (nach einigen ein Gigant), und das gr√∂√üte uns aus dem Altertum erhaltene Mosaik (s. Alexanderschlacht). F√§lschlich ist der in Konstantinopel befindliche Sarkophag (s. Tafel ¬ĽGrabm√§ler¬ę, Fig. 6) nach A. benannt. Vgl. M√ľller, Numismatique d'Alexandre le Grand (Kopenh. 1855); v. L√ľtzow, M√ľnchener Antiken (M√ľnch. 1861); Stark, Zwei Alexanderk√∂pfe der Sammlung Erbach u. des Britischen Museums (Leipz. 1879); Koepp, √úber das Bildnis Alexanders d. Gr. (Berl. 1892); Ujfalvy, Le type physique d'Alexandre le Grand (Par. 1902). Die ber√ľhmtesten Darstellungen aus der neuern Kunst sind ein Fresko des Soddoma (die Hochzeit Alexanders mit Roxane) in der Farnesina zu Rom; die Alexanderschlachten von Lebrun (im Louvre zu Paris), der Alexanderzug, ein Relief Thorwaldsens (s. d. und Tafel ¬ĽBildhauerkunst XIV¬ę, Fig. 1) und der Tod Alexanders von K. v. Piloty in der Berliner Nationalgalerie.

Alexanders Leben und Taten sind von mehreren seiner Begleiter, wie Onesikritos, Kallisthenes, Kleitarchos u.a., beschrieben worden. Aus solchen rhetorisch gef√§rbten und nicht immer zuverl√§ssigen Geschichtswerken haben Diodor, Curtius und Trogus Pompejus (im Auszug bei Justinus) gesch√∂pft, w√§hrend Arrian und meistens auch Plutarch den von ihnen allein f√ľr glaubw√ľrdig erkl√§rten Erz√§hlungen des Lagiden Ptolem√§os und des Aristobulos aus Kassandreia sowie des Nearchos gefolgt sind und also unter den Quellen f√ľr Alexanders Geschichte die erste Stelle einnehmen. Doch l√§√üt sich aus diesen Werken √ľber A. mit einiger Sicherheit nur das Milit√§rische feststellen, die Organisation des Heeres und die auch durch neuere geographische Forschungen aufgekl√§rten Feldz√ľge. Dagegen fehlt es fast ganz an Material √ľber Alexanders Ideen und Ziele, seine politischen Organisationen und Pl√§ne; die Entwickelung seines Charakters und Geistes w√§hrend seiner Heldenlaufbahn bleibt in v√∂lligem Dunkel. Die Fragmente seiner gleichzeitigen Biographen wurden von Geier (¬ĽAlexandri M. historiarum scriptores aetate suppares¬ę, Leipz. 1844) und D√ľbner (in der Ausgabe Arrians, Par. 1846) gesammelt. √úbrigens wurde A. auch fr√ľhzeitig der Mittelpunkt einer reichgestalteten Sage, die bereits im sp√§tern Altertum, namentlich aber von den mittelalterlichen Dichtern des Abend- wie des Morgenlandes mit Vorliebe bearbeitet wurde (s. Alexandersage). Vgl. Fr√§nkel, Die Quellen der Alexanderhistoriker (Bresl. 1883); Droysen, Geschichte Alexanders d. Gr. (5. Aufl., Gotha 1898); Joubert, Alexandre le Grand (Par. 1889); Hertzberg, Die asiatischen Feldz√ľge Alexanders d. Gr. (2. Aufl., Halle 1875); Kaerst, Forschungen zur Geschichte Alexanders d. Gr. (Stuttg. 1887); Jurien de la Gravi√®re, Les campagnes d'Alexandre (Par. 1883‚Äď1884, 5 Bde.); Zolling, Alexanders d. Gr. Feldzug in Zentralasien (2. Aufl., Leipz. 1875); Lauth, A. in √Ągypten (M√ľnch. 1876); Geiger, Alexanders Feldz√ľge in Sogdiana (Neust. a. H. 1884); H. Droysen, Untersuchungen √ľber Alexanders d. Gr. Heerwesen und Kriegf√ľhrung (Freib. i. Br. 1885); Schwarz, Alexanders d. Gr. Feldz√ľge in Turkistan (M√ľnch. 1893); Yorck v. Wartenburg, Kurze √úbersicht der Feldz√ľge Alexanders d. Gr. (Berl. 1897); Koepp, A. d. Gr. (Bielef. 1899); Wheeler, A. the Great (Lond. 1900).

2) A. Sevńďrus (¬Ľder Strenge¬ę), r√∂mischer Kaiser von 222‚Äď235 n. Chr., vollst√§ndig Marcus Aurelius A. Severus, vor seiner Thronbesteigung Alexianus, 208 in Ph√∂nikien geboren, von seiner klugen Mutter Julia Mam√§a sorgf√§ltig erzogen, wurde von seinem Vetter, Kaiser Elagabal, um die allgemeine Mi√üstimmung zu beseitigen, 221 zum C√§sar ernannt und 222, nach Ermordung Elagabals, zum Kaiser ausgerufen. Die Regierung f√ľhrten anfangs seine Mutter, der ber√ľhmte Jurist Ulpianus als pr√§torischer Pr√§fekt und ein Kronrat von Senatoren. Er selbst hatte den besten Willen und einen edlen, schw√§rmerischen Charakter, aber es fehlte ihm Energie und Festigkeit, und so hat er weder im Innern noch nach au√üen hin viel erreicht. Nur die Versuche des neuen Perserk√∂nigs, Artaxerxes, sein Reich nach Westen zu auszudehnen, hat er zur√ľckgewiesen (232‚Äď233); als er dann aber am Rhein die Grenze sichern wollte, wurde er 235 in der N√§he von Mainz von den Soldaten, die mit seiner strengen Zucht und der Sparsamkeit der Mutter unzufrieden waren, ermordet. Vgl Porrath, Der Kaiser A. Severus (Halle 1876).

3) Ostr√∂mischer Kaiser, folgte seinem √§ltern Bruder, Leo VI., 912 als Vormund f√ľr dessen unm√ľndigen Sohn Konstantin VII., starb aber schon 913.

Päpste.

4) A. I., nach sp√§terer √úberlieferung r√∂m. Bischof 105‚Äď115, starb als M√§rtyrer.

5) A. II., Papst 1061‚Äď73, vorher Anselm, aus Baggio im Mail√§ndischen, ein eifriger Anh√§nger der cluniacensischen Reform, lebte eine Zeitlang am Hofe Heinrichs III., wurde 1056 oder 1057 Bischof von Lucca und 1. Okt. 1061 im Gegensatze zu dem deutschen Hofe durch die auf Hildebrands Betreiben erfolgte Wahl der Kardin√§le auf den p√§pstlichen Stuhl erhoben. Die kaiserliche Partei stellte ihm den Bischof Cadalus von Parma als Honorius II. gegen√ľber. Mit diesem k√§mpfte A. 1062 um Rom, zog sich dann nach Lucca zur√ľck, wurde aber 1063 durch den von dem deutschen Hofe nach Italien geschickten Bischof Burchard von Halberstadt als rechtm√§√üiger Papst anerkannt und behauptete, auf dem Konzil zu Mantua 1064 unter Mitwirkung Annos von K√∂ln best√§tigt, Rom gegen seinen Widersacher. Seine durchaus unter Hildebrands Einflu√ü stehende Regierung hat die auf die Reform der Kirche und auf ihre Emanzipation von weltlicher Gewalt abzielenden Bestrebungen m√§chtig gef√∂rdert. Heinrichs IV. Verlangen nach Scheidung von seiner Gemahlin Berta lehnte A. 1069 ab und lud Anfang 1073 den K√∂nig zur Verantwortung wegen Simonie und andrer Vergehen nach Rom, starb aber 21. April. Vgl. Delarc in der ¬ĽRevue des questions historiques¬ę, Bd. 43.

6) A. III., Papst 1159‚Äď81, vorher als Kardinal Roland von Siena Kanzler Hadrians IV., ein eifriger Vertreter der hierarchischen Anspr√ľche, trat schon 1157 auf dem Reichstag zu Besan√ßon dem Kaiser Friedrich I. entgegen und wurde daher, als er nach Hadrians Tode 7. Sept. 1159 von der Mehrheit der Kardin√§le zum Papst gew√§hlt ward, von Friedrich nicht anerkannt, der sich f√ľr den Gegenpapst Viktor IV. erkl√§rte. A., in Pavia 1160 abgesetzt und gebannt, verband sich mit den aufr√ľhrerischen Lombarden, floh aber nach dem Fall Mailands 1162 nach Frankreich. Von Frankreich, Sizilien und Spanien anerkannt, kehrte er, da nach Ausstellung eines neuen kaiserlichen Gegenpapstes, Paschalis III., sein Anhang wuchs, 1165 nach Rom zur√ľck. Nach seiner Verbindung mit dem lombardischen St√§dtebunde, der ihm zu Ehren die neuerbaute Stadt am Tanaro Alessandria benannte, wurde er 1167 in Rom durch den Kaiser angegriffen und mu√üte nach Benevent fliehen. Doch stellte der Untergang des kaiserlichen Heeres durch die Pest sein Ansehen her, und nach der Schlacht bei Legnano (s. d.) kam in Venedig 1177 der Friede mit A. und ein Waffenstillstand mit den Lombarden zu stande. Friedrich opferte den dritten Gegenpapst Calixtus III., erkannte A. an und wurde vom Bann gel√∂st. Im M√§rz 1178 nach Rom zur√ľckgekehrt, erlie√ü A. im M√§rz 1179 auf einem Laterankonzil f√ľr alle Zukunft g√ľltige Bestimmungen √ľber das Verfahren bei der Papstwahl. Er starb 30. Aug. 1181. A. geh√∂rt zu den hervorragendsten P√§psten des Mittelalters und hat die Idee der Oberherrlichkeit des Papsttums √ľber jede weltliche Macht ihrer Verwirklichung bedeutend n√§her gef√ľhrt, auch den K√∂nig Heinrich II. von England zwang er zur Kirchenbu√üe f√ľr die Ermordung Thomas Beckets. Vgl. Reuter, Geschichte Alexanders III. (Leipz. 1860‚Äď64, 3 Bde.); M. Meyer, Die Wahl Alexanders III. (G√∂ttingen 1872); ¬ĽRolands, nachmals Papstes Alexanders III., Sentenzen¬ę (hrsg. von Gietl, Freiburg 1891).

7) A. IV., Papst 1254‚Äď61, vorher Reginald, Bischof von Ostia und Velletri, ein Neffe Gregors IX., voll hierarchischer Anspr√ľche, aber seiner Stellung nicht gewachsen. Im Streit mit Manfred von Sizilien gedem√ľtigt, mu√üte er, selbst von den Bisch√∂fen verlassen, aus Rom fliehen und starb 1261 in Viterbo.

8)A. [V.], Papst 1409‚Äď10, vorher Pietro Filargis, geboren in Kandia, war Professor in Paris, wurde Bischof von Vicenza, 1402 Erzbischof von Mailand, 1404 Kardinal und 1409 nach Absetzung Gregors XII. und Benedikts XIII. vom Konzil zu Pisa zum Papst gew√§hlt, fand aber nur bei einem Teil der Christenheit Anerkennung. A. starb, 70 Jahre alt, 3. Mai 1410, nach dem Glauben der Zeitgenossen von seinem Kanzler, nachmaligem Papst Johann XXIII., vergiftet. Vgl. Renieris, Der hellenische Papst A. V. (griech., Athen 1881); K√∂tzschke, Ruprecht von der Pfalz und das Konzil zu Pisa (Diss., Jena 1889).

9) A. VI., Papst 1492‚Äď1503, vorher Kardinal Rodrigo Borgia, geb. 1430 oder 1431 in Jativa bei Valencia, gest. 18. Aug. 1503, studierte anf√§nglich die Rechte, wurde dann durch seinen Oheim Papst Calixtus 111. 1456 zum Kardinal und 1458 zum Erzbischof von Valencia erhoben. Er f√ľhrte auch als solcher ein w√ľstes Leben. Die sch√∂ne Vanozza de Cataneis war seine anerkannte Konkubine und gebar ihm drei S√∂hne und eine Tochter; auch aus andern Verbindungen hat er Kinder gehabt, und noch als Papst ward ihm ein Sohn geboren, den er durch eine Bulle vom Jahre 1501 legitimirte. Nach Innocenz' VIII. Tod erkaufte er die Tiara und ward unter gro√üen Festlichkeiten 26. Aug. 1492 gekr√∂nt. Klug, kr√§ftig, umsichtig und berechnend, war er zugleich ma√ülos ehrgeizig und habs√ľchtig, treulos und schamlos, grausam und woll√ľstig. Sein Ziel war die Erhebung seines Hauses, der Borgia (s. d.), zu einer m√§chtigen Dynastie; daher war er tief verflochten in die verwickelten politischen K√§mpfe, deren Schauplatz damals Italien war. Trotz Alexanders Sittenlosigkeit und Entartung dauerte der politische Einflu√ü der Kirche unter ihm fort. A. entschied den Streit zwischen Spanien und Portugal √ľber die Teilung der Neuen Welt (vgl. Demarkationslinie). Unter seiner Regierung wurde die B√ľcherzensur versch√§rft und Savonarola 1498 als Ketzer verbrannt. Sein Tod wurde nicht durch Gift, wie man geglaubt hat, sondern durch das r√∂mische Fieber herbeigef√ľhrt. Vgl. Gregorovius, Lucrezia Borgia (3. Aufl., Stuttg. 1875); Leonetti, Papa Alexandro VI (Bologna 1880, 3 Bde.); Cl√©ment, Les Borgia (Par. 1882); H√∂fler, Don Rodrigo de Borja und seine S√∂hne (Wien 1888); Pastor, Geschichte der P√§pste, Bd. 3 (Freib. 1895). Die Rettungsversuche von Ollivier (Par. 1870), Kayser (Regensb. 1878) und Nemec (Klagenf. 1879) sind ohne jeden wissenschaftlichen Wert.

10) A. VII., Papst 1655‚Äď67, vorher Kardinal Fabio Chigi und w√§hrend der Friedensunterhandlungen zu M√ľnster und Osnabr√ľck Nunzius in Deutschland, wurde durch Frankreichs Einflu√ü 7. April 1655 gew√§hlt. 1661 best√§tigte er die von seinem Vorg√§nger Innocenz X. ausgesprochene Verdammung von f√ľnf jansenistischen Lehrs√§tzen. Sp√§ter geriet A. mit Ludwig XIV. in Streit: weil er sich weigerte, f√ľr eine durch seine korsische Leibwache dem franz√∂sischen Gesandten in Rom, Herzog von Cr√©qui, 20. Aug. 1662 zugef√ľgte Beleidigung Genugtuung zu geben, besetzte Ludwig Avignon und Venaissin und drohte, in Italien selbst einzufallen. A. versprach in dem schimpflichen Vertrag zu Pisa (1664), die Leibwache aufzul√∂sen und ein Denkmal mit einer Inschrift √ľber den Vorfall zu errichten, und sandte seinen Neffen Sigismondo Chigi im Juli 1664 nach Fontainebleau. Er starb 22. Mai 1667. Unter ihm wurde Rom vielfach, so namentlich durch die Kolonnade vor der Peterskirche, versch√∂nert; A. war selbst Dichter und Freund der K√ľnste und Wissenschaften. Eine Sammlung seiner Gedichte erschien Paris 1656. Vgl. Sforza Pallavicino, Vita di Alessandro VII (Prato 1839).

11) A. VIII., Papst 1689‚Äď91, vorher Pietro Ottoboni, Bischof von Torcello und Brescia, geb. 1610 in Venedig, gest. 1. Febr. 1691, erhielt von Ludwig XIV. Avignon und Venaissin zur√ľck. Gegen die vier Artikel von 1682, welche die gallikanischen Kirchenfreiheiten feststellten, setzte er den Kampf seines Vorg√§ngers Innocenz XI. fort. Durch Ankauf der B√ľcherei der K√∂nigin Christine von Schweden bereicherte er die Bibliothek des Vatikans mit kostbaren Handschriften.

F√ľrsten der neuern Zeit.

[Anhalt.] 12) A. Karl, letzter Herzog von Anhalt-Bernburg, Sohn des Herzogs Alexius Friedrich Christian aus dessen Ehe mit Friederike von Hessen-Kassel, geb. 2. M√§rz 1805, gest. 19. Aug. 1863. Seit 1834 Nachfolger seines Vaters, verm√§hlte er sich 30. Okt. d. J. mit der Prinzessin Friederike von Holstein-Gl√ľcksburg (geb. 1811, gest. 10. Juli 1902), der er 1855 unter dem Titel einer Mitregentin die Regierung des Landes √ľbertrug, das 1863 an den Herzog von Anhalt-Dessau fiel.

[Bulgarien.] 13) A. I., F√ľrst von Bulgarien, s. Hartenau, Graf von.

[Hessen.] 14) A. Ludwig Georg Friedrich Emil, Prinz von Hessen und bei Rhein, dritter Sohn des Gro√üherzogs Ludwig II. von Hessen-Darmstadt, geb. 15. Juli 1823 in Darmstadt, gest. 15. Dez. 1888, stand 1840‚Äď51 in russischen Diensten und zeichnete sich in den kaukasischen K√§mpfen aus, zuletzt als Kommandeur der gesamten Artillerie. Seit 1852 als Brigadegeneral im √∂sterreichischen Heere, tat er sich 1859 bei Montebello und Solferino hervor. Seit 1863 lebte er meist in Darmstadt oder Heiligenberg (Jugenheim), seiner Besitzung im Odenwald, wo er sich vornehmlich mit der Ordnung seines gro√üen M√ľnzkabinetts besch√§ftigte, das er selbst beschrieb (Darmst. 1854‚Äď56, 3 Bde.). Im J. 1866 f√ľhrte er das aus den w√ľrttembergischen, bayrischen, hessen-darmst√§dtischen und nassauischen Truppen und aus 12,000 √Ėsterreichern zusammengesetzte 8. Bundesarmeekorps, konnte sich aber erst nach den ungl√ľcklichen Gefechten von Laufach und Aschaffenburg und dem Verlust der Mainlinie mit den Bayern vereinigen. Nach den Niederlagen bei Tauberbischofsheim, Werbach und Gerchsheim (23.‚Äď25. Juli) l√∂ste sich das Korps auf. Vgl. die von ihm ver√∂ffentlichte Rechtfertigungsschrift: ¬ĽFeldzugsjournal des Oberbefehlshabers des 8. deutschen Bundesarmeekorps¬ę (2. Aufl., Darmst. 1867). Seit 28. Okt. 1851 war A. morganatisch mit Julie (geb. 12. Nov. 1825, gest. 19. Sept. 1895), der Tochter des ehemaligen polnischen Kriegsministers Grafen Moritz von Hauke, verm√§hlt, welche der Gro√üherzog zur Prinzessin von Battenberg erhob. Die Kinder aus dieser Ehe f√ľhren den Namen Prinzen und Prinzessinnen von Battenberg (s. d.).

[Rum√§nien.] 15) A. Johann I., F√ľrst von Rum√§nien, geb. 20. M√§rz 1820 in Husch aus der Bojarenfamilie Cusa (Kuza), gest. 15. Mai 1873 in Heidelberg, wurde in Paris erzogen, studierte in Pavia und Bologna, wurde Statthalter von Galatz und Abteilungsdirektor im Ministerium des Innern und verschw√§gerte sich mit den einflu√üreichen Sturdzas durch die Ehe mit einer Tochter des Bojaren Rosetti. 1848 ward er als Glied der patriotischen Partei nach dem Einmarsch der Russen verhaftet, entkam aber nach Wien. Nach dem Abmarsch der Russen nahm er im heimischen Heer Dienste: anfangs Adjutant des F√ľrsten Vogorides, stieg er sp√§ter zum Obersten auf. Bei den Verfassungsk√§mpfen war er Wortf√ľhrer der Unionspartei. 1857 Mitglied des Diwans, wurde er im Oktober 1858 dem General Georg Ghika als zweiter Hetman beigegeben und versah nach Vogorides' Abgang die Stelle eines Kriegsministers. Am 29. Jan. 1859 wurde er in Jassy und 17. Febr. in Bukarest zum Hospodar gew√§hlt und als A. Johann I. zum regierenden F√ľrsten der beiden vereinigten F√ľrstent√ľmer ausgerufen, aber erst Ende 1861 von der Pforte anerkannt. Die Einheit zu begr√ľnden, berief er im Januar 1862 beide Kammern nach Bukarest und setzte ein gemeinschaftliches Ministerium ein. Sein Streben nach absolutistischer Zentralisation erregte bald Unzufriedenheit, obwohl sich A. durch Aufhebung der Leibeigenschaft und Verteilung von L√§ndereien an die Bauern Verdienste erwarb. Dr√ľckende finanzielle Not lie√ü das Mi√üvergn√ľgen im Lande wachsen; auch Kammeraufl√∂sungen wirkten nichts. A. versuchte 14. Mai 1864 einen Staatsstreich, indem er einen Senat und Staatsrat einsetzte, sonst aber absolut regierte; doch vermochte er nicht die materielle Not zu lindern. Am 22. Febr. 1866 zur Abdankung gezwungen, lebte A. meist in Wien und Wiesbaden. Im Mai 1866 folgte ihm Karl von Hohenzollern.

[Ru√üland.] 16) A. Jaroslawitsch Newskij, Gro√üf√ľrst von Ru√üland, geb. 1218 in Wladimir, gest. 14. Nov. 1263 auf der R√ľckreise vom Hofe des Tataren-Gro√üchans, erhielt, als sein Vater, Gro√üf√ľrst Jaroslaw II. von Nowgorod, 1236 den Thron von Susdal bestieg, das F√ľrstentum Nowgorod, siegte 1240 an der Newa (daher sein Beiname Newskij) √ľber die Schweden und k√§mpfte auf dem Peipussee gl√ľcklich gegen die livl√§ndischen Deutschritter. Nachdem er 1247 seinem Vater gefolgt war, wurde er 1252 durch den Tod seines Bruders Andreas auch Gro√üf√ľrst von Wladimir, wo er nach seinem Tod auch beigesetzt wurde. Der Plan Innocenz' IV., 1251 die Russen in den Scho√ü der katholischen Kirche √ľberzuf√ľhren, scheiterte an Alexanders Standhaftigkeit. Man z√§hlt A. unter die gr√∂√üten Heiligen der russischen Kirche; Peter d. Gr. erbaute ihm 1712 das A. Newskij-Kloster (s. d.) und stiftete 1722 den Alexander Newskij-Orden (s. d.).

17) A. I. Pawlowitsch, Kaiser und Selbstherrscher aller Reu√üen, geb. 23. (12.) Dez. 1777 in Petersburg als √§ltester Sohn des Gro√üf√ľrsten Paul und seiner zweiten Gemahlin, Maria Feodorowna von W√ľrttemberg, gest. 1. Dez. 1825 in Taganrog, ward durch den freisinnigen Schweizer Laharpe nach Rousseauschen Grunds√§tzen erzogen. Weich und sentimental, zeigte sich A. wohlwollend und f√ľr Ideale begeistert, aber auch schwach und unbest√§ndig; 1793 wurde er mit der Prinzessin Elisabeth von Baden verm√§hlt. Als er durch die Ermordung seines Vaters Paul I. 23. M√§rz 1801 auf den Thron gelangte, war er, obwohl er weder von dem Morde gewu√üt noch ihn gebilligt hatte, doch anfangs von R√ľcksichten auf die M√∂rder Subow, Pahlen und Bennigsen abh√§ngig; sp√§ter erlangte das ¬ĽTriumvirat¬ę Stroganow, Nowossilzow und Adam Czartoryiski bedeutenden Einflu√ü. W√§hrend der ersten Jahre seiner Regierung war er bestrebt, das Finanzwesen zu ordnen, die geistige Bildung zu f√∂rdern und das Los der Leibeignen zu mildern. In Esthland, Livland und Kurland wurde unter ihm die Leibeigenschaft aufgehoben und eine Bauernordnung nach liberalen Grunds√§tzen eingef√ľhrt. In der ausw√§rtigen Politik zeigte sich A. friedfertig, erneuerte den Seevertrag mit England und schlo√ü Frieden mit Frankreich, mit dem gemeinsam er auf die deutschen Angelegenheiten gro√üen Einflu√ü aus√ľbte. Napoleons Eroberungssucht f√ľhrte jedoch bald einen Bruch herbei. A. trat 1805 der Koalition gegen Frankreich bei; nach der Schlacht bei Austerlitz zog er sich nach Ru√üland zur√ľck, erneuerte aber 1806 den Kampf zugunsten Preu√üens. Bis √ľber die Memel zur√ľckgedr√§ngt, vermittelte A. nach der Zusammenkunft vom 25. Juni 1807 (auf dem Niemen) den Frieden von Tilsit. A. lie√ü sich von Napoleon f√ľr den Gedanken einer gemeinsamen Leitung der europ√§ischen Angelegenheiten gewinnen; daf√ľr gab er seinen preu√üischen Bundesgenossen preis. In Erfurt (Oktober 1808) wurde der Bund erneuert und A. der Besitz Finnlands und der T√ľrkei versprochen. Nachdem 1809 Finnland besetzt worden, begann A. einen Krieg gegen die Pforte. Indes die Verletzung russischer Interessen durch Napoleon veranla√üte 1812 einen neuen Bruch. Anfangs schien Ru√üland unterliegen zu m√ľssen, und nach der Einnahme von Moskau wurde A. nur durch Freiherrn vom Stein umgestimmt. Die Friedensanerbietungen Napoleons wurden zur√ľckgewiesen, der religi√∂se und nationale Fanatismus der Russen wachgerufen und das franz√∂sische Heer auf seinem R√ľckzug fast vernichtet. Im Befreiungskrieg √ľbte A. als der m√§chtigste unter den verb√ľndeten Herrschern gro√üen Einflu√ü aus: auf die milit√§rischen Operationen, die schonende Behandlung Frankreichs und, nach Aufgabe seines urspr√ľnglichen Plans, Bernadotte als Herrscher einzusetzen, auf die R√ľckf√ľhrung der Bourbonen. Beim Wiener Kongre√ü war er f√ľr Eintracht und Ordnung unerm√ľdlich t√§tig. Er setzte die Anerkennung der Neutralit√§t der Schweiz und die republikanische Selbst√§ndigkeit der Ionischen Inseln durch; Polen, das ihm zugefallen war, gab er eine freisinnige Verfassung. Unter dem Einflu√ü der gro√üen Begebenheiten dieser Zeit und auf Anregung der ihn damals in ihre Mystik ziehenden Juliane v. Kr√ľdener (s. d.) entstand bei dem christlich-frommen Kaiser der Gedanke einer Heiligen Allianz (s. d.), die den Frieden der Welt auf einer von den zeitherigen politischen B√ľndnissen abweichenden Grundlage feststellen sollte, aber nur die Handhabe f√ľr die politische Reaktion wurde. Durch die Unzufriedenheit der V√∂lker erschreckt und mit Mi√ütrauen erf√ľllt, bot A. die Hand, mit den Aufst√§nden auch den politischen Fortschritt zu unterdr√ľcken. In Ru√üland wurden die Zensur und die strengste √úberwachung der B√ľchereinfuhr wieder eingef√ľhrt, die Wissenschaft, Literatur und der Unterricht gefesselt, Untersuchungen wegen demagogischer Umtriebe eingeleitet, die Freimaurerlogen und Missionsgesellschaften unterdr√ľckt. Da√ü sich der Geist des Widerstandes dennoch nicht bannen lie√ü, verbitterte das krankhaft erregte Gem√ľt des Kaisers, der teils in den Zerstreuungen eines gl√§nzenden, √ľppig-fr√∂mmelnden Hofes, teils in religi√∂ser Mystik Befriedigung suchte. Als der griechische Auf stand ausbrach, war das russische Volk den Glaubensverwandten zugetan; A. aber mi√übilligte ihn, weil er nur eine Auflehnung gegen den rechtm√§√üigen Oberherrn sei. Der Tod seiner einzigen nat√ľrlichen Tochter, die furchtbare √úberschwemmung, die 1824 Petersburg heimsuchte, endlich die Furcht vor einer russisch-polnischen Verschw√∂rung gegen das Haus Romanow ersch√ľtterten das Herz des Kaisers. Leidend und verd√ľstert reiste er Mitte September 1825 mit seiner kranken Gemahlin nach der Krim, wo er von einem endemischen Fieber ergriffen wurde. Die Macht Ru√ülands stieg unter A. sehr hoch, und es erlangte ma√ügebenden Einflu√ü auf die Angelegenheiten Europas. Unter den vielen Denkm√§lern, die sein Andenken in Ru√üland verewigen, ist die 1832 auf dem Schlo√üplatz in Petersburg aufgestellte Alexanders√§ule zu nennen. Vgl. Gr√§fin Choiseul-Gouffier, M√©moires historiques f√ľr l'empereur Alexandre et la cour de Russie (Par. 1829); Dieselbe, R√©miniscences f√ľr l'empereur Alexandre I (Besan√ßon 1862); Bogdanowitsch, Geschichte der Regierung des Kaisers A. (russ., Petersb. 1866, 4 Bde.); Golowin, Histoire d'Alexandre I (Leipz. 1859); Joyneville, Life and times of A. I (Lond. 1875, 3 Bde.); Vandal, Napol√©on et Alexandre I (Par. 1891‚Äď93, 2 Bde.); Tatischtschew, Alexandre I et Napol√©on d'apr√®s leur correspondance (das. 1891); Nadler, Kaiser A. I. und die heilige Allianz (Riga 1886, 2 Bde.); Schilder, Beitr√§ge zur Geschichte Kaiser Alexanders I. (russ., Petersb. 1897‚Äď98, 3 Bde.); Ulmann, Russisch preu√üische Politik unter A. I. u. Friedrich Wilhelm III. bis 1806 (Leipz. 1899); ¬ĽBriefwechsel K√∂nig Friedrich Wilhelms III. und der K√∂nigin Luise mit Kaiser A. I.¬ę (hrsg. von Bailleu, das. 1900); Pypin, Die politische und literarische Bewegung unter A. I. (russ., 2. Aufl., Petersb. 1885; deutsch, Berl. 1894).

18) A. II. Nikolajewitsch, Kaiser von Ru√üland, Sohn des Kaisers Nikolaus I. und der Kaiserin Alexandra, geb. 29. (17.) April 1818, gest. 13. (1.) M√§rz 1881, durch den Dichter Shukowskij trefflich erzogen, bestieg den Thron 2. M√§rz (18. Febr.) 1855 und wurde 7. Sept. 1856 in Moskau gekr√∂nt. Den Krieg gegen die Pforte setzte er zun√§chst fort und besuchte im November selbst Odessa und die Krim. Der Pariser Friede (1856) schw√§chte dann zwar Ru√ülands Machtstellung im Orient sehr; doch erholte es sich durch die vorsichtige, aber tatkr√§ftige Politik des Kaisers bald. Die Unterwerfung der kaukasischen Bergv√∂lker wurde fortgesetzt und vollendet, w√§hrend zugleich die Gebiete zwischen dem Kaspischen Meer und dem Aralsee besetzt oder doch unter russischen Einflu√ü gebracht wurden. Wichtiger war die von A. in Angriff genommene innere Reform, deren wesentlichste Bestandteile die seit 1861 durchgef√ľhrte Aufhebung der Leibeigenschaft, die Justizreform und die neue Milit√§rorganisation sind. Der polnische Aufstand 1863 wurde schonungslos niedergeworfen. Die Reformen und die Umgestaltung der wirtschaftlichen Verh√§ltnisse riefen in vielen davon betroffenen Kreisen tiefe Mi√üstimmung hervor und halfen in der gro√üenteils ungebildeten Bev√∂lkerung sozialistische und kommunistische Ideen verbreiten (s. Nihilismus), w√§hrend der Sieg √ľber die Polen die nationale Leidenschaft der Russen erweckte und den Panslawismus ins Leben rief. Dabei duldete A. gewissenlose, habs√ľchtige hohe Beamte in seiner n√§chsten Umgebung, infolgedessen denn auch die Unzufriedenheit in gewissen Schichten des Volkes gegen Alexanders wohlwollende Regierung stieg. Ein im April 1866 von dem Edelmann Karakosow versuchtes Attentat auf den Kaiser, das durch den Bauer Kommissarow verhindert wurde, veranla√üte Untersuchungen, die das Vorhandensein zahlreicher Geheimb√ľnde aufdeckten. Dies und ein zweites Attentat, das w√§hrend der Pariser Ausstellung (1867) von einem wahnsinnigen Polen, Berezowski, versucht wurde, machten auf den Kaiser tiefen Eindruck. Die Zensur wurde in alter Strenge wiederhergestellt und eine umfassende polizeiliche √úberwachung eingerichtet. W√§hrend des Krieges zwischen √Ėsterreich und Preu√üen 1866 bewahrte A. eine neutrale, aber preu√üenfreundliche Haltung. Auch w√§hrend des Krieges zwischen Frankreich und Deutschland 1870/71 gab A. seine Vorliebe durch Ordensverleihungen an die deutschen Heerf√ľhrer und durch Ernennung des Kronprinzen und des Prinzen Friedrich Karl zu russischen Generalfeldmarsch√§llen kund. Das neue Deutsche Reich und sein Kaiser waren A. durch Dankbarkeit und verwandtschaftliche Bande verpflichtet, und das eine Revanche ersehnende Frankreich bewarb sich eifrig um seine Freundschaft. Das im September 1872 auf einer pers√∂nlichen Zusammenkunft mit den Kaisern Wilhelm und Franz Joseph zu Berlin geschlossene Dreikaiserb√ľndnis machte der langen Spannung zwischen Ru√üland und √Ėsterreich ein Ende. Der Feldzug nach Chiwa 1873 erweiterte Ru√ülands Macht in Innerasien. W√§hrenddessen betrieb A. die Reorganisation des Heeres nach deutschem Muster; noch ehe sie vollendet war, wurde er durch die panslawistische Agitation, die namentlich die altrussischen Adels- und Beamtenkreise ergriffen hatte, zur neuen Einmischung in die orientalische Frage gedr√§ngt. Er duldete die Unterst√ľtzung Serbiens und Montenegros durch Freiwillige und Gelder und sprach sein Mitgef√ľhl f√ľr die Christen in der T√ľrkei und seinen Willen aus, ihr Los zu bessern. Bei der Begr√ľ√üung durch den Adel in Moskau lie√ü er sich 10. Nov. 1876 durch die drohende Haltung Disraelis (9. Nov.) zu einer kriegerischen Rede hinrei√üen, die ihn im Falle des Scheiterns der Konferenz in Konstantinopel zum Kriege verpflichtete. 1877 folgte A. dem Donauheer nach Bulgarien und schlug sein Hauptquartier in Gorny Studen auf, wo er w√§hrend der Ungl√ľcksmonate Juli bis September standhaft ausharrte. Als der Fall von Plewna den Eindruck der Niederlagen verwischt hatte, kehrte er 15. Dez. 1877 heim und wurde am 22. in Petersburg mit Jubel empfangen. Auch nach dem Kriege blieb seine Lage inmitten der sich bek√§mpfenden Richtungen in Ru√üland schwierig, besonders nach den neuen Ausschreitungen der Nihilisten 1879. Mehrere Attentate wurden auf das Leben des Kaisers von den Nihilisten unternommen: 14. April 1879 scho√ü Solowiew beim Palais f√ľnf Sch√ľsse auf A. ab; 1. Dez. d. J. versuchten die Nihilisten bei Moskau den Eisenbahnzug, in dem A. fuhr, und 17. Febr. 1880 das Winterpalais in die Luft zu sprengen. Die strengsten Gegenma√üregeln waren die Folgen davon. Am 3. Juni 1880 starb seine Gemahlin Maria Alexandrowna, Tochter des Gro√üherzogs Ludwig II. von Hessen (geb. 8. Aug. 1824, verm√§hlt 1841). Am 31. Juli verm√§hlte er sich mit der Prinzessin Katharina Dolgorukow (sp√§tern F√ľrstin Jurjewskaja, s. d.), von der er schon drei Kinder (F√ľrsten Jurjewski) hatte. Seiner Absicht, eine Reichsvertretung zur Beratung gro√üartiger Ver√§nderungen im Staatsleben Ru√ülands zu berufen, machte 13. (1.) M√§rz 1881 ein Attentat der Nihilistenpartei ein Ende. Auf der Fahrt von der Michaelmanege zum Winterpalais, am Katharinenkanal, wurde er durch Dynamitbomben so verwundet, da√ü er anderthalb Stunden sp√§ter im Winterpalais starb. Sein √§ltester Sohn, Nikolaus (geb. 1843). war schon 1865 gestorben. Au√üer dem Thronfolger, A. III., hatte A. II. noch vier S√∂hne: 1) Wladimir, geb. 22. April 1847; 2) Alexei, geb. 14. Jan. 1850; 3) Sergius, geb. 11. Mai 1857; 4) Paul. geb. 3. Okt. 1860, und eine Tochter, Maria. geb. 17. Okt. 1853,23. Jan. 1874 mit dem Herzog Alfred von Edinburg, sp√§term Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha (gest. 30. Juli 1900), verm√§hlt. Denkm√§ler wurden ihm 1884 in Helsingfors und 1898 im Kreml zu Moskau errichtet. Vgl. Jomini, La Russie sous l'empereur A. II (Par. 1862); Golowin, Ru√üland unter A. II. (Leipz. 1870); Lafert√© (Pseudonym der F√ľrstin Dolgorukow), Alexandre II, √©tudes in√©dits f√ľr sa vie intime et sa mort (Basel 1882); Cardonne, L'empereur A. II; vingt-six aus de r√®gne (Par. 1883); Safonow, Der Zar-Befreier A. II. (russ., Moskau 1898).

19) A. III. Alexandrowitsch, Kaiser von Ru√üland, Sohn des vorigen und der Prinzessin Marie von Hessen-Darmstadt, geb. 10. M√§rz (26. Febr.) 1845, gest. 1. Nov. (20. Okt.) 1894 in Livadia, ward durch den Tod seines √§ltern Bruders, Nikolaus, 24. April 1865 Thronfolger und verm√§hlte sich 9. Nov. (28. Okt.) 1866 mit dessen Braut (s. unten). Im T√ľrkenkrieg 1877 kommandierte A. den linken Fl√ľgel der Donauarmee (11., 12. und 13. Korps); nach dem √úbergang √ľber den Balkan begab sich A. nach Petersburg. Durch das j√§he Ende seines Vaters 13. (1.) M√§rz 1881 auf den Thron berufen, lie√ü er sich 27. Mai 1883 in Moskau kr√∂nen. Die Reformpl√§ne des Vaters gab er auf, entlie√ü Loris-Melikow und betonte in seinem ersten Manifest seine autokratische Gewalt. Vor nihilistischen Nachstellungen zog er sich in das streng bewachte Schlo√ü Gatschina zur√ľck. Er bek√§mpfte die Bestechungen und Betr√ľgereien in der Bureaukratie, entlie√ü mehrere hohe Beamte und gab selbst das Beispiel der Einfachheit und Sparsamkeit. Dagegen sah sich A. trotz seiner wiederholt betonten Friedensliebe bald zu gro√üen R√ľstungen veranla√üt. Nachdem er 15. Sept. 1884 mit den Kaisern Wilhelm und Franz Joseph im polnischen Schlosse Skierniewice eine Zusammenkunft gehabt und letzterm 25. Aug. 1885 in Kremsier einen Besuch abgestattet hatte, wurde er durch das, wie er meinte, undankbare Verhalten des F√ľrsten Alexander von Bulgarien 1885 gekr√§nkt. Gegen √Ėsterreich, besonders aber gegen Deutschland zeigte er sich mi√ütrauisch. Seinem Einverst√§ndnis mit Frankreich gab er 1891 in Kronstadt offen Ausdruck und zog einen gro√üen Teil des russischen Heeres an der Westgrenze zusammen. In der innern Politik hielt A. unter dem Einflu√ü seines fr√ľhern Lehrers Pobjedonoszew am Absolutismus und am Altrussentum in Religion und Sitte fest, w√§hrend er die Unterdr√ľckung westeurop√§ischer Nationalit√§ten und Religionen zulie√ü; die baltischen Provinzen und Finnland wurden ihrer Rechte beraubt und die Juden verfolgt. Den Nihilismus vermochte auch er nicht zu unterdr√ľcken; die Ausf√ľhrung eines √§hnlichen Attentats, wie es gegen seinen Vater ver√ľbt worden, wurde 13. M√§rz 1887 nur zuf√§llig verhindert, und bei Borki entging der Zar mit seiner Familie 29. Okt. 1888 auf wunderbare Weise dem Tode. 1893 erkrankte A. an einem Nierenleiden, das seinen Tod zur Folge hatte. Aus seiner Ehe mit Maria Feodorowna (Prinzessin Dagmar von D√§nemark), geb. 26. Nov. 1847, Tochter K√∂nig Christians IX., stammen: 1) Nikolaus (der jetzige Kaiser), geb. 18. (6.) Mai 1868; 2) Georg, geb. 9. Mai 1871, gest. 10. Juli (28. Juni) 1899; 3) Xenia, geb. 6. April 1875; 4) Michail (Gro√üf√ľrst-Thronfolger), geb. 5. Dez. 1878; 5) Olga, geb. 13. Juni 1882. Ihm folgte sein √§ltester Sohn, Nikolaus II. Vgl. v. Samson-Himmelstjerna, Ru√üland unter A. III. (Leipz. 1891); Notowitsch, A. III. und seine Umgebung (deutsch, das. 1894); C. Low, A. III. of Russia (Lond. 1894); Neub√ľrger, Ru√üland unter Kaiser A. III. (Berl. 1895).

[Schottland.] K√∂nige: 20) A. I., Sohn Malcolms III., regierte 1107‚Äď24 √ľber den n√∂rdlichen Teil Schottlands, beg√ľnstigte die Kirche und gr√ľndete 1115 das Kloster Scone. ‚Äď 21) A. II., Sohn Wilhelms des L√∂wen, regierte 1214‚Äď49, unterwarf 1222 die bis dahin fast unabh√§ngige Landschaft Argyll. ‚Äď 22) A. III., Sohn des vorigen, folgte seinem Vater 1249, k√§mpfte seit 1263 mit Norwegen um die Hebriden und erwarb sie durch einen Vertrag 1266. Mit ihm starb 1286 der Mannesstamm der schottischen K√∂nige aus, und heftige Thronstreitigkeiten folgten.

[Serbien.] 23) A. Karageorgevińá, F√ľrst von Serbien, Sohn Georg Czernys (Karageorgs), des Befreiers von Serbien, geb. 11. Okt. 1806 in Topola, gest. 3. Mai 1885 in Temesvar, trat nach Ermordung seines Vaters (1817) ins russische Heer, wo er es bis zum Stabskapit√§n brachte. Michael Obrenovińá rief ihn nach Serbien zur√ľck und machte ihn zu seinem Adjutanten. Nach Michaels Sturz 1842 von den Serben zum F√ľrsten gew√§hlt, st√ľtzte er sich in seiner ausw√§rtigen Politik auf √Ėsterreich und blieb unter dessen Einflu√ü auch w√§hrend des Krimkrieges neutral. Dadurch aber zog er sich den Ha√ü der russenfreundlichen Nationalpartei zu. Als die er√∂ffnete Skupschtina 21. Dez. 1858 von A. die Thronentsagung forderte, floh er nach Belgrad zu den T√ľrken, worauf man 23. Dez. den alten Milosch zum F√ľrsten w√§hlte. A., von der Pforte und √Ėsterreich im Stiche gelassen, dankte 3. Jan. 1859 f√∂rmlich ab und lebte seitdem abwechselnd in Pest und auf seinen G√ľtern in der Walachei. Der Miturheberschaft bei der Ermordung des Michael Obrenovińá (10. Juni 1868) angeklagt, ward er von den serbischen Gerichten in contumaciam zu unj√§hriger Gef√§ngnisstrafe, von den ungarischen zu 8 Jahren Kerker verurteilt. Seine Anspr√ľche auf den serbischen Thron √ľbertrug er auf seinen Sohn Peter Karageorgevińá, geb. 1846 in Belgrad, 11. Aug. 1883 mit der Prinzessin Zorka von Montenegro (gest. 17. M√§rz 1890) verm√§hlt.

24) A. I., K√∂nig von Serbien, einziger Sohn des K√∂nigs Milan Obrenovińá und der K√∂nigin Natalie, gebornen Keschko, geb. 14. Aug. 1876 in Belgrad. Als zwischen seinen Eltern Zwiespalt ausbrach, nahm ihn seine Mutter mit sich nach Ru√üland und Deutschland und verweigerte 1888 in Wiesbaden seine von Milan verlangte Herausgabe; doch wurde er 13. Juli durch die Polizei nach Belgrad gesandt. Durch die Thronentsagung seines Vaters ward A. 6. M√§rz 1889 K√∂nig von Serbien, zun√§chst unter einer Regentschaft, erkl√§rte sich 13. April 1893 durch einen Staatsstreich f√ľr gro√üj√§hrig und entsetzte die Regentschaft. Da er indes der hieraus entstandenen Wirren nicht Herr werden konnte, rief er 1894 seinen Vater zu Hilfe und hob auf dessen Rat 21. Mai 1894 die Verfassung von 1889 auf, an deren Stelle die von 1869 treten solle, bis eine neue Verfassung ausgearbeitet sei. Die innere Ruhe vermochte er hierdurch nicht herzustellen. Die √§u√üere Stellung Serbiens suchte er durch Besuche an den benachbarten H√∂fen, auch in Berlin und Moskau, zu heben. Am 21. Juli 1900 verlobte er sich mit einer ehemaligen Hofdame seiner Mutter, Draga Maschin, geborne Lunjewitza. Die Verlobung bewog das Ministerium Georgievińá zum R√ľcktritt sowie den Exk√∂nig Milan zur Niederlegung des Oberbefehls √ľber das serbische Heer und zum Verlassen des Landes. Die Verm√§hlung fand 14. Ang. in Belgrad statt; die Anfang 1901 schon in der Thronrede verk√ľndete Hoffnung auf Nachkommenschaft erwies sich im Mai als T√§uschung.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Alexander I. ‚ÄĒ Alexander hie√üen folgende Herrscher: Inhaltsverzeichnis 1 Herrscher namens Alexander 1.1 Alexander I. 1.2 Alexander II. 1.3 Alexander III. 1.4 Alexander IV ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Alexander ‚ÄĒ stammt vom altgriechischen Namen őĎőĽő≠őĺőĪőĹőīŌĀőŅŌā, Al√©xandros, und bedeutet so viel wie Der die (fremden) M√§nner abwehrt und Der Besch√ľtzer. Die Bedeutung des Namens wird auch in Zusammenhang mit einem Golem in der j√ľdischen Mythologie gebracht,… ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Alexander VI ‚ÄĒ ¬†¬†¬†¬†Pope Alexander VI ¬†¬†¬†¬†‚Ć Catholic Encyclopedia ‚Ėļ Pope Alexander VI ¬†¬†¬†¬†Rodrigo Borgia, born at Xativa, near Valencia, in Spain, 1 January, 1431; died in Rome, 18 August, 1503. His parents were Jofre Lan√ßol and Isabella Borja, sister of ‚Ķ   Catholic encyclopedia

  • Alexander ‚ÄĒ Alexander, Christopher Alexander, islas de Alexander, sir Harold * * * (as used in expressions) William Alexander Abbott Agassiz, Alexander (Emmanuel Rodolphe) Alexander, archipi√©lago Alexander, Harold (Rupert Leofric George) Alexander, 1 conde… ‚Ķ   Enciclopedia Universal

  • ALEXANDER¬į ‚ÄĒ ALEXANDER¬į, name of three Russian czars. ALEXANDER I, czar of Russia 1801‚Äď25. Alexander I s character and actions were to a large extent shaped by the vicissitudes he experienced in his struggle against napoleon . His ties with Metternich and the ‚Ķ   Encyclopedia of Judaism

  • Alexander ‚ÄĒ puede refererirse a: Alexander Art√≠culos en Wikipedia Todas las p√°ginas que comienzan por ¬ęAlexander¬Ľ Contenido 1 Personajes 2 ‚Ķ   Wikipedia Espa√Īol

  • Alexander ‚ÄĒ Alexander, AR U.S. town in Arkansas Population (2000): 614 Housing Units (2000): 305 Land area (2000): 0.448323 sq. miles (1.161152 sq. km) Water area (2000): 0.000000 sq. miles (0.000000 sq. km) Total area (2000): 0.448323 sq. miles (1.161152 sq ‚Ķ   StarDict's U.S. Gazetteer Places

  • Alexander V ‚ÄĒ ‚ÄĘ Pietro Philarghi, born c. 1339, on the island of Crete (Candia), whence his appellation, Peter of Candia; elected 26 June, 1409; died at Bologna, 3 May, 1410 Catholic Encyclopedia. Kevin Knight. 2006. Alexander V ¬†¬†¬† ‚Ķ   Catholic encyclopedia

  • Alexander I ‚ÄĒ may refer to:*Alexander I of Macedon, king of Macedon 495 450 B.C. *Alexander I of Epirus King of Epirus about 342 B.C. *Pope Alexander I, Pope from 106 to 115 *Alexander I of Scotland (c. 1078 1124), King of Scotland *Alexandru I cel Bun… ‚Ķ   Wikipedia

  • ALEXANDER¬į ‚ÄĒ ALEXANDER¬į, name of seven popes. The following are the most significant for Jewish history: ALEXANDER II, reigned 1061‚Äď73, consistently followed the policy set by Pope gregory the Great at the end of the sixth century of applying suasion rather… ‚Ķ   Encyclopedia of Judaism

  • ALEXANDER ‚ÄĒ (c. 36‚Äď7 B.C.E.), son of herod and mariamne . As Herod s heir presumptive, Alexander was educated in Rome with his younger brother Aristobulus from c. 23‚Äď17 B.C.E. On his return to Judea he married Glaphyra, the daughter of Archelaus, king of… ‚Ķ   Encyclopedia of Judaism


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.