Emigranten

Emigranten (lat., franz. Émigrés, »Auswanderer«) heißen besonders die, welche, um politischer oder kirchlicher Bedrückung zu entgehen, ihr Vaterland für immer (oder mit Vorbehalt der Rückkehr in bessern Zeiten) verlassen. Die bekanntesten Emigrationen sind die Auswanderungen der französischen Protestanten zur Zeit Ludwigs XIV. nach Deutschland, England, Holland und Amerika (s. Réfugiés), die der Protestanten aus Salzburg (1732), die der Polen von 1795 und 1831, vornehmlich aber die während der ersten französischen Revolution. Diese begann nach der Erstürmung der Bastille (14. Juli 1789), als der jüngste Bruder des Königs, der Graf von Artois, den französischen Boden verließ. Ihm folgten ein großer Teil des französischen Adels, 1791 auch der ältere Bruder Artois', der Graf von Provence, sowie Scharen von Priestern und Mönchen. In Koblenz versammelten die ausgewanderten königlichen Prinzen einen Hof um sich, setzten eine Regierung mit Ministern und einen Gerichtshof ein und traten mit fremden Höfen behufs Unterdrückung der Revolution in Verbindung. Dieses Treiben der E. erregte in Frankreich große Erbitterung und trug nicht wenig dazu bei, die Lage des Königs zu verschlimmern und den Jakobinern die Macht in die Hände zu geben. Als sich 1792 unter des Prinzen Condé Anführung ein Emigrantenheer sammelte, das der preußischen Armee in die Champagne folgte, wurden in Frankreich die Güter der E. konfisziert und sie selber und alle, die sie unterstützten, mit Todesstrafe bedroht. Die damals aufgestellte Liste der E. zählte 30,000 Namen. Das Korps Condés mußte sich nach dem Luneviller Frieden förmlich auflösen, worauf viele E. in Rußland Aufnahme fanden. Die vom Ersten Konsul verkündete allgemeine Amnestie wurde von einem großen Teil der E. benutzt, der Rest kehrte erst nach Napoleons Sturz in die Heimat zurück. Durch Gesetz vom 27. April 1825 ward ihnen auf Antrag Villèles eine Entschädigung von 30 Mill. 3 proz. Rente zugestanden. Diese Rente ward jedoch 5. Jan. 1831 zugunsten des Staates wieder eingezogen. Vgl. Saint-Gervais, Histoire des Émigrés français (Par. 1823, 3 Bde.); Montrol, Histoire de l'Émigration (2. Aufl. 1825); Forneron, Histoire générale des Émigrés pendant la Révolution française (3. Aufl. 1884, 2 Bde.); Derselbe, Les Émigrés sous Napoléon I. (1890); A. de Puymaigre, Souvenirs sur l'Émigration, l'Empire et la Restauration (1884); E. Daudet, Histoire de l'Émigration (1886–90, 3 Bde.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Emigranten — (v. lat.), 1) Auswandernde; dagegen Emigrirte (Emigrées), Ausgewanderte, u. Emigration, Auswanderung (s.d.); 2) im engeren Sinne diejenigen, welche aus politischen od. religiösen Gründen ihr Vaterland verlassen, um der Intoleranz u. Verfolgung… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Emigranten — (lat.; frz. Emigrés), Auswanderer, welche wegen polit. oder religiöser Bedrückungen ihr Vaterland verlassen; insbes. die während der ersten Revolution ausgewanderten (meist adligen) Franzosen, aus denen sich das unter dem Prinzen Condé der preuß …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Emigranten — Emigranten, lat. deutsch, Auswanderer; vorzugsweise heißen E. diejenigen Franzosen, welche von 1789–91 auswanderten, um im Auslande eine Wendung der Dinge in Frankreich abzuwarten, od. mit der bewaffneten Hilfe des Auslandes eine solche… …   Herders Conversations-Lexikon

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