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Eurƍpa (hierzu die Karten: »Europa. Fluß- und Gebirgssysteme« und »Politische Übersicht«), einer der fĂŒnf Erdteile, der kleinste der drei, welche die Alte Welt bilden. Übersicht des Inhalts:

Tabelle

Name, Weltstellung und Grenzen.

E. ist seiner Gliederung wie seiner kulturhistorischen und politischen Bedeutung nach unbedingt der wichtigste unter den fĂŒnf Erdteilen. Der Name ist wahrscheinlich assyrischen oder phönikischen Ursprungs (hier ereb = Dunkel, d. h. Sonnenuntergang). Seiner GrĂ¶ĂŸe nach stellt sich E. mehr als die grĂ¶ĂŸte der Halbinseln des mĂ€chtigen Asien dar, mit dem es seiner ganzen Breite nach im O. zusammenhĂ€ngt; aber die selbstĂ€ndige Entwickelung, die das menschliche Geschlecht auf seinem Boden genommen, Europas Stellung in der Weltgeschichte berechtigen vollstĂ€ndig, dasselbe als besondern Erdteil anzunehmen. Daß der kleine Erdteil seinen ĂŒberwĂ€ltigenden Einfluß auf die grĂ¶ĂŸern ausĂŒben kann, hat seinen Grund in der Weltstellung desselben. E. liegt nĂ€mlich gerade in der Mitte der LandanhĂ€ufung auf der Erdkugel, umlagert von drei Erdteilen in grĂ¶ĂŸerer oder geringerer Entfernung, von Asien, Afrika und Nordamerika, und wenn es auch nur mit einem unmittelbar zusammenhĂ€ngt, so ist es von den ĂŒbrigen doch bloß durch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig schmale und leicht zu passierende Meeresteile gesondert.

Die nordwestlichen Grenzen Europas berĂŒhrt der Atlantische Ozean. Das MittellĂ€ndische und Schwarze Meer im S., das Baltische im N. des Erdteils, Binnenmeere von einer Bedeutung, wie sie kein andrer Kontinent aufzuweisen hat, dringen mit ihren Armen vielfĂ€ltig und tief in denselben ein und bringen die entferntesten Erdteile in innigere BerĂŒhrung mit E., als sie das kontinentale Asien trotz der Landverbindung hat. Der grĂ¶ĂŸte Teil der Nord- und Nordwestgrenzen Europas ist ozeanisch; die SĂŒdgrenzen sind zwar ebenfalls grĂ¶ĂŸenteils maritim, aber an Binnenmeeren gelegen und an drei Stellen (Gibraltar, Dardanellen und Konstantinopel) nur durch schmale Straßen von den Nachbarkontinenten geschieden; die Ostseite Europas ist völlig kontinental. Die natĂŒrliche Ostgrenze Europas, die zunĂ€chst der Kamm des Ural, nach andern dessen Ostfuß bildet, zieht sich vom SĂŒdende dieses Gebirges aus lĂ€ngs des niedrigen LandrĂŒckens des Obschtschij Syrt zur Wolga nach Kamyschin und folgt von da dem Abfall der Wolgahöhen sĂŒdwĂ€rts ĂŒber Zarizyn bis zur ponto-kaspischen Niederung, in der die Kuma zum Kaspischen, der Manytsch zum Schwarzen Meer zieht. Es ist dies die Grenze des Ackerbodens gegen den der Salzsteppen und WĂŒsten um das Kaspische Meer, die vom Ural bis zum Kaukasus reichen; die Steppen des europĂ€ischen Rußland sind wohl baumlose Ebenen, aber ohne Salzboden. Die politische Ostgrenze Europas greift in den russischen Gouvernements Perm und Orenburg ĂŒber das Uralgebirge hinaus und hĂ€lt sich spĂ€ter westlich vom Uralfluß, den sie nur im Gouv. Orenburg ĂŒberschreitet. Die weitere Grenze bilden das Kaspische Meer und die FlĂŒsse Manytsch und Kugu Jeja, die das europĂ€ische Rußland von Kaukasien trennen.

Europas nördlichster Punkt ist das Nordkap auf Magerö, 71°10' nördl. Br. und 25°50' östl. L. (der nördlichste Punkt des Festlandes ist das Nord-Kyn), sein sĂŒdlichster Punkt die Punta Maroqui, 35°59' 53'' nördl. Br. und 5°39' westl. L., sein westlichster das Kap da Roca, 38°40' nördl. Br. und 9°31' westl. L. Die grĂ¶ĂŸte LĂ€ngenausdehnung des Erdteils fĂ€llt in die Richtung von SW. nach NO., vom Kap St. Vincent (37°3' nördl. Br.) bis zum Karischen Golf, und betrĂ€gt 5560 km, seine grĂ¶ĂŸte Breite in der Richtung von N. nach S., vom Nordkap (oder Nord-Kyn) bis zum Kap Matapan (36°23' nördl. Br.), 3860 km; die schmĂ€lste Stelle ist zwischen dem Golfe du Lion und dem Vizcayischen Meerbusen, 370 km breit. Im allgemeinen nimmt die Breite des europĂ€ischen Festlandes von W. nach O. hin mehr und mehr zu, so daß sich, nach Abrechnung der anstoßenden Halbinseln, als Grundgestalt des Kontinents die Form eines rechtwinkligen Dreiecks ergibt, von dem die eine Spitze am Meerbusen von Vizcaya, die andre am Karischen Golf, die dritte, mit dem rechten Winkel, am Nordrand des Kaspischen Meeres gelegen ist.

Areal und Gliederung. Meere.

Der FlĂ€cheninhalt von E. begreift nach der politischen Grenzbestimmung (mit Ausschluß von Russisch-Kaukasien, den Kanarischen Inseln, Madeira und den Polarinseln) 9,732,119 qkm (176,745 QM.). Dagegen wĂŒrde E. innerhalb seiner natĂŒrlichen Grenzen (bis zur Manytschlinie, aber ohne die Kaspisteppe und die polaren Inseln) nur 9,246,000 qkm (167,917 QM.) groß sein. Die europĂ€ische KĂŒste am Eismeer betrĂ€gt 10,552 km, am Atlantischen Ozean (einschließlich Ost- u. Nordsee) 57,470 km, am MittellĂ€ndischen Meer 14,513 und am Schwarzen Meer 4338, die KĂŒstenentwickelung des ganzen Weltteils also 86,873 km. Bei keinem andern Erdteil findet eine so vielfĂ€ltige BerĂŒhrung zwischen Meer und Land statt. Entsprechend diesem VerhĂ€ltnisse sind auch die bedeutendsten Halbinseln auf der SĂŒd- und Nordwestseite des Erdteils angesetzt; nach dem unwirtbaren Pol hin strecken sich nur zwei geringere Glieder (Kanin und Kola), wĂ€hrend Skandinavien gegen den Norden hin durch hohe Gebirgsmauern abgeschlossen ist und JĂŒtland z. T. schon der WesthĂ€lfte des Erdteils angehört. Man kann im ganzen zwölf europĂ€ische Halbinseln unterscheiden, die sich als gesonderte, individuelle LĂ€nderrĂ€ume an das oben bezeichnete Dreieck anschließen. Es sind Kanin und Kola, Skandinavien, die Cimbrische Halbinsel, Nordholland, Normandie, Bretagne, die Iberische Halbinsel, Italien, Istrien, die Griechische Halbinsel und die Krim. Ihr FlĂ€cheninhalt wird auf 2,243,000 qkm (1/5 des Erdteils) oder mit Einschluß Finnlands, das manche auch zu den Halbinseln rechnen, auf 2,683,000 qkm (48,728 QM.) geschĂ€tzt.

Um den so mannigfach gegliederten Körper Europas sind aber noch eine betrĂ€chtliche Zahl Inseln sehr gĂŒnstig gelagert. Dieselben haben inkl. der polaren Inseln einen FlĂ€chenraum von ca. 736,000 qkm (13,361 QM.), ohne letztere von ca. 469,000 qkm (8518 QM.), liegen dabei, mit Ausnahme Islands, sĂ€mtlich den KĂŒsten des Kontinents benachbart und sind meist durch schmale Meeresarme davon getrennt, ohne daß sie sich in langen Reihen weit in den Ozean hinaus verlaufen. Einzelne der E. gehörigen Inseln liegen im N. vor, sind aber nur öde, einflußlose Eilande; zahlreich sind die kleinen Felsinseln, die sich den KĂŒsten Skandinaviens und Finnlands anschließen; grĂ¶ĂŸere, nĂ€mlich die niedrigen dĂ€nischen Inseln, verknĂŒpfen SĂŒdskandinavien mit dem gegenĂŒberliegenden Festland. Um Großbritannien und Irland, die grĂ¶ĂŸten der europĂ€ischen Inseln, die allein es zur selbstĂ€ndigen politischen Entwickelung gebracht, gruppieren sich kleinere Inseln und Inselreihen, und nördlich von ihnen vermitteln die FĂ€röer die Verbindung Schottlands mit Island. Unter den Inseln des SĂŒdens sind die wichtigsten die drei großen italienischen: Korsika, Sardinien und Sizilien, in dessen SĂŒden die Maltagruppe den Übergang zu Afrika bildet. Griechenland, die gegliedertste der Halbinseln, besitzt auch die zahlreichsten Inseln lĂ€ngs seiner KĂŒsten, von denen im O. die zahllosen Inseln des Archipels die BrĂŒcke nach Asien bilden.

Meere. Europas SeekĂŒsten werden im N. vom Nördlichen Eismeer und dessen zahlreichen Buchten bespĂŒlt, von denen sogar das Weiße Meer ein halbes Jahr lang durch Eisbedeckung dem Schiffahrtsverkehr verschlossen ist. Vom Atlantischen Ozean erstrecken sich zwei vom Land umringte Binnenmeere tief nach O. in den Erdteil herein, das sĂŒdliche oder das Mittelmeer und das nördliche, die Nord- und Ostsee, verbunden durch die drei Straßen der Belte und des Sundes, eine wesentliche Bereicherung Nordeuropas, wenn auch jene Straßen zuweilen gĂ€nzlich zufrieren und jĂ€hrlich die innersten Teile-der Ostsee, der Finnische Meerbusen und von den Ålandsinseln an auch der Bottnische, sich monatelang mit Eis bedecken. Die Nordsee kennt kein solches Hemmnis der Schiffahrt; dort gefĂ€hrden nur die StĂŒrme den Schiffer, insbes. beim westlichen Zugang aus dem offenen Ozean durch den Kanal. Nur der Ozean und die Nordsee besitzen Ebbe und Flut in grĂ¶ĂŸerm Maßstab; mit voller Wucht treffen die Flutwellen die dortigen KĂŒsten in der Richtung aus SW. und stauen sich am höchsten am Westende des Kanals und in seiner Nachbarschaft, wo an den Scillyinseln die Springflut bis 6,5 m, an den NormĂ€nnischen Inseln bis 9,7 m steigt. Kaum nennenswert ist dagegen die GrĂ¶ĂŸe der Gezeiten im Mittelmeer und in der Ostsee. Auch die Strömungen des Meeres sind gewaltiger an der ozeanischen Seite; schwĂ€cher, wenn auch vorhanden, sind sie in den Binnenmeeren. Von den KĂŒsten der Nordsee und des Atlantischen Ozeans geht daher erst seit der höhern Ausbildung der Schiffahrt der Weltverkehr aus, wĂ€hrend das nur durch enge Straßen mit den Nachbarmeeren zusammenhĂ€ngende, einem See gleich geschlossene Mittelmeer frĂŒh schon den Verkehr zwischen seinen umliegenden KĂŒsten ermöglichte und E. die Bildungselemente aus dem Osten zufĂŒhrte, die sich auf dem gegliederten Boden Europas zu reicherer BlĂŒte entfalteten und endlich die in die Mitte seiner KĂŒsten gestellte italische Halbinsel zur Herrin aller MittelmeerlĂ€nder machten. Auch hier sind die östlichen Meeresteile (Schwarzes und Asowsches Meer) die am wenigsten begĂŒnstigten.

Bodengestaltung.

(Vgl. die Karte »Fluß- und Gebirgssysteme«.)

Der vielgestaltigen horizontalen Gliederung Europas entspricht die Erhebung seines Bodens, wenn auch der grĂ¶ĂŸte Teil desselben Tiefland, nur ein kleiner Berg- und Gebirgsland ist. Den ganzen Osten Europas nimmt ein großes Tiefland ein, das in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Tiefland Turans und Sibiriens steht und von der Grenze Asiens bis zu der WestkĂŒste Europas am Kanal reicht. Es legt sich mit den nordöstlichen Gliedern des Atlantischen Ozeans trennend zwischen das gebirgige Skandinavien im N. und das von niedern HĂŒgelzĂŒgen bis zur Hochgebirgshöhe sich erhebende Berg- und Gebirgsland im S. des Kontinents. Dieses große europĂ€ische Tiefland, das eine FlĂ€che von 5,5 Mill. qkm (100,000 QM.), also fast 3/5 des Kontinents bedeckt, lĂ€ĂŸt sich in ein grĂ¶ĂŸeres osteuropĂ€isches (russisches) und ein kleineres germanisches Tiefland teilen; beide werden voneinander durch das Gebiet der Weichsel und die Sumpflandschaften am obern Dnjepr getrennt. Im allgemeinen ist das große Tiefland keine einförmige Ebene, sondern eine wellenförmige, teils aus niedrigen Platten bestehende, teils von HĂŒgelreihen durchzogene FlĂ€che. Die osteuropĂ€ische Ebene wird durch mehrere HöhenzĂŒge unterbrochen, die jedoch nicht, wie man frĂŒher annahm, als zusammenhĂ€ngende LandrĂŒcken zu betrachten sind. Jenseit des 60. Breitengrades zieht sich zwischen den Flußgebieten der Petschora und Dwina das sogen. Timangebirge hin; sĂŒdlich davon streicht in ostwestlicher Richtung der schmale Nordrussische LandrĂŒcken, im östlichen Teil Uwalli genannt, bis etwa zur Stadt Wologda und bildet die Wasserscheide zwischen Petschora und Dwina einerseits und dem Wolgasystem anderseits. Eine Depression zwischen dem Weißen Meer und dem Finnischen Meerbusen trennt vom Dwinabecken die granitische Seenplatte von Finnland. Der bisher erwĂ€hnte Teil des großen Tieflandes, den man auch als die arktische Ebene bezeichnet, steht durch eine breite Pforte zwischen der Quelle der Suchona und dem Ladogasee mit den sĂŒdlichen Niederungen in Verbindung, wĂ€hrend im N. der Waldaihöhe eine andre Niederung in die Ebene der russischen Ostseeprovinzen hinĂŒberleitet. Die Waldaihöhe (351 m) ist der nördliche AuslĂ€ufer des zentralen Plateaus von Rußland (mittelrussische Bodenschwelle), das sich zwischen dem 58. und 50. Breitengrade sĂŒdwĂ€rts bis zum Wolgaknie und dem Dnjepr erstreckt und im Durchschnitt 220 m hoch ist. Von der Waldaihöhe zieht sich bis ĂŒber den obern Niemen hinaus der westrussische oder litauische LandrĂŒcken hin, der aus mehreren HöhenzĂŒgen besteht. Rechts des Dnjepr fĂŒhren die Plateaus von Wolhynien und Podolien zu den Karpathen ĂŒber.

Die germanische Tiefebene wird an der Ostsee durch die baltische Seenplatte eingerahmt, die am Niemen beginnt und sich bis nach JĂŒtland hinzieht. Im S. der Seenplatte lassen sich von der mittlern Weichsel bis zur Elbe drei große LĂ€ngstĂ€ler verfolgen, die mehrere niedrige Platten umschließen, die von Weichsel und Oder und ihren NebenflĂŒssen mehrfach durchbrochen werden. SĂŒdlich davon durchschneidet das östliche Norddeutschland ein System von GrenzrĂŒcken, das sich an der obern Oder an die oberschlesisch-polnische Platte anlehnt (Trebnitzer Berge 311 m), sich quer durch die Mark Brandenburg als Niederlausitzer HĂŒgel und FlĂ€ming fortsetzt und in der LĂŒneburger Heide endet. In ihrem westlichen Teil zwischen der mitteldeutschen Gebirgsschwelle und der Nordsee wird die germanische Tiefebene lediglich Flachland, ist vielfach mit Mooren bedeckt und sinkt in den Niederlanden sogar unter den Meeresspiegel hinab. Jenseit des Rheins bildet die fruchtbare flandrische Ebene den Übergang zu den nord- und westfranzösischen Tieflandschaften, die vom gebirgigen Zentralfrankreich die niedrigen Berginseln der Normandie und Bretagne trennen. Seine grĂ¶ĂŸte Ausdehnung hat hier das Tiefland im SW., wo es östlich von Carcassonne zwischen den AuslĂ€ufern Zentralfrankreichs und der PyrenĂ€en mit dem Rhonetiefland in Verbindung tritt. Letzteres scheidet die Alpen von Zentralfrankreich und geht nordöstlich in die Hochebene ĂŒber, welche die Alpen im N. begrenzt. Das Flachland Ostenglands ist als eine Fortsetzung der großen europĂ€ischen Tiefebene zu betrachten; dagegen gehört die OsthĂ€lfte der Skandinavischen Halbinsel, die auch eine von vereinzelten HĂŒgeln unterbrochene Ebene bildet, wegen ihrer geologischen Beschaffenheit dem nordeuropĂ€ischen Gebirgsland an, dem aus demselben Grund allerdings auch das oben erwĂ€hnte Finnland zuzurechnen wĂ€re.

Das große europĂ€ische Tiefland trennt zwei Gebirgsmassen voneinander, im N. das Skandinavische System, das den W. und N. der großen nordischen Halbinsel erfĂŒllt und als eine Hochebene erscheint, die gegen den Atlantischen Ozean schroff abfĂ€llt, gegen O. sich aber allmĂ€hlich abdacht. An Massenhaftigkeit wird dies nordeuropĂ€ische Gebirgsland (265,400 qkm) nicht einmal von den Alpen erreicht, an Gipfelhöhe bleibt es weit hinter ihnen zurĂŒck (Galdhöpig 2560 m). Im S. des großen Tieflandes erhebt sich das Gebirgsland von SĂŒdwesteuropa, das etwa die Form eines Dreiecks hat. Den Kern desselben bilden die Alpen. Sie liegen in der Mitte der wichtigsten KulturlĂ€nder Europas, dehnen sich in der Richtung von WSW. nach ONO. vom 5.–17.° östl. L. aus und werden im S. vom Ligurischen Meer, der Lombardischen Tiefebene und dem Adriatischen Meer, im W. vom Rhonetiefland eingeschlossen; im NO. steigen ihre AuslĂ€ufer in die Tiefebenen der Donau hinab, nur im N. ruht ihr Fuß auf einer Hochebene, die den Übergang zu den Mittelgebirgslandschaften Deutschlands bildet. Ihre Breite nimmt von W. nach O. von 150–300 km zu, ihre LĂ€nge betrĂ€gt von Nizza bis Wien ca. 1000 km; sie bedecken mit ihren AuslĂ€ufern (aber ohne die vorgelagerten Hochebenen) eine FlĂ€che von 220,000 qkm. Vier große StromtĂ€ler umgeben das Hochgebirge von allen Seiten, von denen drei ihren Anfang im Herzen der Alpen nehmen: Rhein, Rhone, Inn; das vierte, das Po-Tal, bildet nur eine Furche des WestflĂŒgels. Die Gipfelhöhe steigt in den Westalpen von S. nach N., bis sie im Mont Blanc, dem höchsten Berg Europas, mit 4810 m ihren Kulminationspunkt erreicht; in den Mittelalpen sinkt sie von W. nach O. zu 2600, in den Ostalpen von 3800–1600 m. Die mittlere absolute Kammhöhe der Ostalpen betrĂ€gt 1838 m, der Mittelalpen 2382 m, der Westalpen ca. 2000 m, trotzdem wĂŒrde die mittlere Höhe der Alpen insgesamt nach Ausgleichung aller Unebenheiten nur 1400 m ergeben.

Die Mittelgebirgslandschaften SĂŒdwesteuropas zerfallen in drei Hauptgruppen: die östliche (karpathische), die mittlere (deutsche), die westliche (französische). Die Taleinsenkungen der March, Betschwa und obern Oder trennen die erste von der zweiten, das Plateau der Franche-ComtĂ© die zweite von der dritten. Die östliche Gruppe, die karpathische, ist auf allen Seiten von TieflĂ€ndern umgeben, so im NO. von dem großen osteuropĂ€ischen, im S. zieht sich lĂ€ngs der untern Donau das walachische Tiefland hin, wĂ€hrend jenseit des Eisernen Tores den Raum zwischen den Gebirgen der Balkanhalbinsel und den AuslĂ€ufern der Alpen einerseits und den Karpathenlandschaften anderseits drei TieflĂ€nder ausfĂŒllen: die große niederungarische Ebene (113,500 qkm), die kleine oberungarische Ebene (12,400 qkm) und die Tiefebene Niederösterreichs (2918 qkm), die voneinander durch BergzĂŒge getrennt sind. Die Hauptausdehnung des in mĂ€chtigem Bogen die ungarischen TieflĂ€nder von NW. ĂŒber N. bis SO. umfangenden Gebirges liegt in der Richtung von OSO. nach WNW. und mißt 820 km; der FlĂ€chenraum, den die Karpathen bedecken, betrĂ€gt gegen 188,500 qkm (3424 QM.). Den sĂŒdöstlichen Hauptteil des Gebirgssystems bildet das SiebenbĂŒrgische Hochland, ein ringsum von zum großen Teil noch mit wahrem Urwald bedeckten Gebirgen (im S. die Transsylvanischen Alpen, im W. das SiebenbĂŒrgische Erzgebirge) eingeschlossenes Viereck. Der nordwestliche Hauptteil sind die eigentlichen Karpathen, die aus einem Ă€ußern Rand- und dem innern Gebirge bestehen. Außen ziehen sich von SiebenbĂŒrgen die Ostkarpathen oder das Karpathische Waldgebirge, die Beskiden und die Kleinen Karpathen in großem Bogen bis zur Donau hin. Zum innern Gebirge gehören die Zentralkarpathen oder die Hohe Tatra. In dieser erreichen die Karpathen alpine Höhe (Gerlsdorfer Spitze 2659 m) und mit ihren kleinen, blauen Hochgebirgsseen, ihren Berg- und Felsformen und in ihrer Vegetation auch völlig alpine Natur. SĂŒdlich von der Tatra erhebt sich das metallreiche Ungarische Erzgebirge (Fatra). Mit ihm in Verbindung tritt der Bakonyer Wald, der in der Richtung von NO. nach SW. die nieder- und oberungarische Ebene trennt.

Das deutsche Mittelgebirgsland zerfĂ€llt in vier Hauptglieder: 1) das Alpenvorland oder die oberdeutsche Hochebene, die nordwĂ€rts bis zum Deutschen Jura und Böhmerwald reicht und im W. in die schweizerische Hochebene, im O. in das österreichische Alpenvorland ĂŒbergeht; sie enthĂ€lt im sĂŒdlichen Teil eine Reihe von Seen, im nördlichen zahlreiche Moore. 2) Das sĂŒdwestdeutsche Becken besteht aus der frĂ€nkisch-schwĂ€bischen Stufenlandschaft im O., mit dem Deutschen Jura, der vom Böhmerwald durch eine Einsenkung getrennt ist, und reicht nordwĂ€rts bis zur Wasserscheide zwischen Main und Werra, ferner aus der oberrheinischen Tiefebene mit ihren Randgebirgen (Schwarzwald, Odenwald und Spessart im O., Vogesen, Hardt und PfĂ€lzer Bergland im W.), endlich aus der Lothringer Stufenlandschaft, die bis ĂŒber die Maas hinausreicht. 3) Die mitteldeutsche Gebirgsschwelle dehnt sich zwischen Maas und Elbe aus und zerfĂ€llt in das Rheinische Schiefergebirge (HunsrĂŒck und Eifel westlich, Taunus, Siebengebirge, Westerwald etc. östlich des Rheins), das hessische Berg- und HĂŒgelland (Vogelsberg, Rhön, Habichtswald), die thĂŒringischen Gebirge (ThĂŒringerwald, Harz) und das subherzynische HĂŒgelland (Weser- und Wiehengebirge, Teutoburger Wald). 4) Die Randgebirge Böhmens im W. und N. bestehen aus dem Böhmerwald (Arber 1457 m) mit dem Bayrischen Wald, dem Fichtelgebirge, dem sĂ€chsischen Erzgebirge, dem Elbsandsteingebirge und den Sudeten, die sich aus dem Iserkamm, dem Riesengebirge (Schneekoppe 1603 m), dem Waldenburger Gebirge, dem Glatzer Schneegebirge und dem MĂ€hrischen Gesenke zusammensetzen.

Zur dritten Hauptabteilung des mitteleuropĂ€ischen Gebirgsbogens, zum französischen Mittelgebirgsland, gehören das zentrale Hochplateau Innerfrankreichs, die im O. und SO. sich daran anschließenden Gebirgsketten von Charolais und Lyonnais, die Cevennen und der Parallelzug des Forez. Im Innern der Auvergne und im O. liegt ein ausgedehntes Gebiet vorgeschichtlicher vulkanischer TĂ€tigkeit. Hoch ragen ĂŒber das granitische Plateau des Innern trachytische Dome empor, unter ihnen Innerfrankreichs höchster Gipfel, der 1886 m hohe Mont Dore. Das Plateau von Langres, wichtig durch seine PĂ€sse aus dem Rhoneland nach Paris, verknĂŒpft Zentralfrankreich mit dem sĂŒdwestdeutschen Becken. Unter den Gebirgen, welche die sĂŒdlichen Halbinseln Europas durchziehen, hĂ€ngen die Apenninen in Italien am engsten mit den Alpen zusammen. Sie durchziehen in einer LĂ€nge von 1190 km bei einer Breite von 30–135 km die ganze Halbinsel in einem sich dem Adriatischen Meere nĂ€hernden Bogen. In ihrem mittlern Teil, den Abruzzen, erreichen sie die grĂ¶ĂŸte Höhe (Gran Sasso d'Italia 2921 m). Fruchtbares HĂŒgelgelĂ€nde begleitet den Fuß des Gebirges, unterbrochen durch wenige Tiefebenen; diese Landschaften bilden auf der Westseite den Subapennin, dessen sĂŒdlichster Teil die fruchtbare Ebene von Kampanien umschließt, in der sich der noch tĂ€tige Vulkankegel des Vesuv (1282 m) erhebt. Auch die italischen Inseln sind gebirgig: Korsika mit dem 2710 m hohen Monte Cinto, Sardinien mit dem Berg Genargentu, 1918 m; auf Sizilien, in dessen Innerm der Plateaucharakter herrscht, steigt der mĂ€chtige Vulkankegel des Ätna sogar bis 3279 m empor. Italien ist, von Island abgesehen, der einzige Teil Europas, wo noch gegenwĂ€rtig die vulkanische TĂ€tigkeit zu öfterm Ausbruch kommt.

Die Gebirge der TĂŒrkisch-griechischen Halbinsel stehen nur in losem Zusammenhang mit den Alpen. Im NW. reicht das System der Illyrischen Alpen (im Ă€ußersten Nordwesten Dinarische Alpen genannt) weit nach S., zuletzt in die sĂŒdsĂŒdöstliche Richtung ĂŒbergehend und zahlreiche natĂŒrliche Bergfesten bildend, so in Montenegro und in Albanien. SĂŒdlich folgen die meist von NW. nach SO. streichenden ZĂŒge des Pindussystems, an die sich einzelne QuerrĂŒcken (Olymp, Othrys, Ota) anlehnen, und die Berge des hellenischen Festlandes mit dem sagenreichen Parnaß und dem steilen Taygetos; nordöstlich davon die GebirgszĂŒge der Chalkidischen Halbinsel mit dem Athos. Auch der Despoto Planina (Rhodope), mit dessen Nordende der Rilo Dagh in Verbindung steht, zwischen Makedonien und Rumelien, folgt der gleichen Richtung. Von W. nach O. zieht dagegen das System des Balkans (2374 m), das die untere Donauebene im S. begrenzt, bei Sofia unterbrochen durch eine plateauartige Einsenkung. Auch die zahlreichen Inseln, die lĂ€ngs der KĂŒste des Adriatischen und Ionischen Meeres das Festland begleiten, und so auch alle Inseln des Archipels, selbst das sĂŒdlich gelegene Kreta, sind durchaus gebirgiger Natur; auf letzterm erhebt sich der Ida bis zu 2450 m Höhe.

Die Spanische oder Iberische Halbinsel ist zum bei weitem grĂ¶ĂŸten Teil Hochland, das sich in seltener Geschlossenheit, innen mit ausgedehnten Hochebenen von 700–800 m Höhe, aus dem Meer erhebt. WĂ€hrend das zentrale Tafelland ohne die scheidenden Gebirgsketten einen FlĂ€cheninhalt von 211,430 qkm (3840 QM.) einnimmt, umfaßt das Tiefland nur 21,800 qkm (396 QM.). Es wird von drei KĂŒstenlĂ€ndern gebildet, dem aragonischen im NO. am Ebro, dem andalusischen im S. am Guadalquivir und dem des Tajo im W., von denen die beiden ersten tief ins Land eindringen, das Ebrotiefland die hohe Gebirgskette der PyrenĂ€en im S. begrenzt. Letztere bilden zwischen Spanien und Frankreich vom Mittelmeer bis zum Vizcayischen Meerbusen eine schwer ĂŒberschreitbare Grenzscheide mit hohen, felsigen Gipfeln, unter denen der Pie d'Aneto (3404 m) der höchste ist. Als ihre nordwestliche Fortsetzung erscheint die Kette des Kantabrischen Gebirges. Wie im N. die PyrenĂ€en, so wird an der SĂŒdkĂŒste das BĂ€tische Gebirgssystem, das in der Sierra Nevada mit dem Cumbre de Mulahacen eine Gipfelhöhe von 3481 m erreicht, durch das andalusische Tiefland vom zentralen Hochland getrennt. Außerdem ziehen noch zwei Gebirgsketten der Sierra Nevada parallel: das Marianische Gebirgssystem, das Randgebirge des Hochlandes gegen Andalusien, mit der Sierra Morena und die hohe Kette des Kastilischen Scheidegebirges.

Die grĂ¶ĂŸte Insel Europas, Großbritannien, gleicht Skandinavien durch die zerrissenen, buchtenreichen, gebirgigen WestkĂŒsten und durch das Flachland an der Ostseite. Fast das ganze Schottland ist gebirgig, wĂ€hrend in England, je weiter sĂŒdlich, ein um so breiteres Flachland sich ausdehnt. Das gebirgige Großbritannien besteht aus mehreren, durch schmĂ€lere oder breitere Niederungen getrennten Gebirgslandschaften, die im schottischen Ben Nevis 1343 m Höhe erreichen. Sie zerfallen in die nordschottischen Gebirge: die schottischen Hochlande und das Grampiangebirge, getrennt durch die Einsenkung, worin der große Loch Neß liegt, und das sĂŒdschottische Grenzgebirge, von den Grampians durch eine von Meer zu Meer reichende Niederung geschieden; in England folgen dann von N. nach S. die seenreichen Cumbrian Mountains, das Walliser und das Cornishgebirge. In Irland waltet das Flachland vor. Denkt man sich das Gebirgs- und Hochland Europas gleichmĂ€ĂŸig ĂŒber den gesamten Erdteil verteilt, so wĂŒrde sich das Niveau desselben um 297 m erhöhen.

GewÀsser.

(Vgl. die Karte »Fluß- und Gebirgssysteme«.)

Die fließenden GewĂ€sser Europas, deren Zahl man auf 230,000 schĂ€tzt, gehören zu drei verschiedenen Gebieten, nĂ€mlich zu dem des Kaspischen Meeres, des Arktischen Meeres und des Atlantischen Ozeans mit seinen zahlreichen Nebenmeeren. Zum Kaspischen Meer fĂŒhrt die Wolga die GewĂ€sser Innerrußlands, der grĂ¶ĂŸte der europĂ€ischen Ströme mit einem Gebiet von 1,459,000 qkm (26,500 QM.), weit hinauf schiffbar und dadurch von Wichtigkeit fĂŒr den Warenverkehr mit dem Osten, durch KanĂ€le auch mit dem Westen und Norden in Verbindung gesetzt. Unter den FlĂŒssen des 1,288,000 qkm (23,400 QM.) betragenden Gebiets des Nördlichen Eismeeres ist die Dwina mit einem Gebiet von 365,400 qkm (6636 QM.) nicht allein der bedeutendste, sondern auch der allein fĂŒr den Verkehr wichtige; der Kubinskische und Weiße See (Bjeloje Osero) vermitteln die Kanalverbindung zwischen ihrem Hauptquellfluß, der Suchona, der Ostsee und dem Kaspischen Meer. Das Gebiet des Atlantischen Ozeans umfaßt 6,534,000 qkm (118,700 QM.), von denen nur 1,142,000 qkm (20,700 QM.) auf den offenen Ozean, 725,000 qkm (13,200 QM.) auf die Nordsee mit Skagerrak, 944,000 qkm (17,100 QM.) auf das MittellĂ€ndische Meer, 1,663,000 qkm (30,200 QM.) auf die Ostsee, 2,060,000 qkm (37,500 QM.) auf das Schwarze und das Asowsche Meer kommen. In den die Ostsee umgebenden LĂ€ndern ist Europas Seenreichtum am grĂ¶ĂŸten: in Pommern liegen ĂŒber 960, in West- u. Ostpreußen 440, in Livland 1200, mehr noch in Finnland und seiner Nachbarschaft, hier auch Europas grĂ¶ĂŸte Seen: der Ladoga- und Onegasee, deren GewĂ€sser die Newa zur Ostsee fĂŒhrt. Der FlĂ€cheninhalt des Ladogasees betrĂ€gt 18,129 qkm (329 QM.), der des Onegasees 9752 qkm (177 QM.). Von den ĂŒbrigen ZuflĂŒssen aus O. und S. entspringen nur die Weichsel und die Oder am Rande des europĂ€ischen Mittelgebirgslandes, die ĂŒbrigen gehören dem Tiefland an. Charakteristisch fĂŒr die Ostsee sind die großen Haffe, in die sich Niemen, Weichsel und Oder ergießen. Das Nordseegebiet reicht mit Elbe, Weser und Maas bis tief in das deutsche Mittelgebirge, mit dem Rhein bis mitten in das Herz der Alpen hinein; eine grĂ¶ĂŸere Zahl kleinerer ZuflĂŒsse gehört nur dem Tiefland an, darunter auch die Eider auf der Cimbrischen Halbinsel und die Themse in England. Die Niederungen des Tieflandes erleichtern die Kanalisierung, und so finden wir zwischen dem Ost- und Nordseegebiet Kanalverbindung von der DĂŒna bis zur Elbe und westlich zwischen den FlĂŒssen des niederlĂ€ndischen Tieflandes wieder eine solche, die entwickeltste von ganz E. Auch in England sind die ZuflĂŒsse der Nordsee mit denen des westlichen Meeres durch großartige Kanalbauten in Verbindung gesetzt. In den Kanal ergießt sich die Seine; dem offenen Atlantischen Ozean strömen, außer einem Teil der großbritannischen FlĂŒsse und den irischen, die nach W. fließenden GewĂ€sser Frankreichs und der Spanischen Halbinsel zu; unter ihnen hat die Loire das grĂ¶ĂŸte Gebiet, von 115,146 qkm (2091 QM.), nĂ€chst ihr die Garonne mit 90,550 qkm (1644 QM.) und der Tajo oder Tejo mit 82,525 qkm (1499 QM.). Wohl am meisten fĂŒr Schiffbarmachung und Kanalverbindung der FlĂŒsse untereinander ist in Frankreich geschehen, und so fĂŒhren denn vom Atlantischen Ozean zum Rheingebiet sowohl als zu dem Mittelmeer und seinen ZuflĂŒssen KanĂ€le.

Unter den zahlreichen ZuflĂŒssen des MittellĂ€ndischen Meeres sind nur drei, der Ebro mit 99,922 qkm (1815 QM.), die Rhone mit 98,667 qkm (1792 QM.) und der Po mit 74,907 qkm (1360 QM.) Gebiet, FlĂŒsse zweiten Ranges; die ĂŒbrigen sind kleinere, den drei sĂŒdeuropĂ€ischen Halbinseln ganz angehörige FlĂŒsse. Das Schwarze Meer und das damit zusammenhĂ€ngende Asowsche Meer empfangen drei Ströme ersten Ranges, darunter die Donau, den zweitgrĂ¶ĂŸten Strom Europas, mit einem Flußlauf von 2860 km LĂ€nge und einem Gebiet von 816,950 qkm (14,837 QM.). Die Donau allein besitzt ein Delta unter den ZuflĂŒssen des Schwarzen Meeres, wie unter den MittelmeerflĂŒssen auch Po und Rhone, unter denen der Nordsee der Rhein; alle ĂŒbrigen ZuflĂŒsse des Pontus öffnen sich mit weiten Flußbuchten (Limanen). Das Donaugebiet umfaßt das ganze Innere des östlichen Mittelgebirgslandes, die Nordabdachung der TĂŒrkisch-griechischen Halbinsel, den grĂ¶ĂŸten Teil der Alpen und des sĂŒdlichen Teiles des deutschen Mittelgebirgslandes. Auch die Steppenseen Ungarns, der Neusiedler und Plattensee, werden vom Donaugebiet umfaßt. Abgesehen von dem Donau-Mainkanal besitzt nur noch das große ungarische Tiefland Kanalverbindung. Von den ĂŒbrigen grĂ¶ĂŸern ZuflĂŒssen des Schwarzen Meeres entspringt nur der Dnjestr am Rande der östlichen Mittelgebirgslande; der Dnjepr und der in das Asowsche Meer sich ergießende Don gehören ganz dem Tiefland an. Der Dnjepr ist durch KanĂ€le mit den ZuflĂŒssen der Ostsee verbunden. Das Gebiet des Don betrĂ€gt 430,252 qkm (7814 QM.), das des Dnjepr 526,946 qkm (9570 QM.). Außer den schon erwĂ€hnten Seen finden sich noch einzelne zerstreute grĂ¶ĂŸere in Irland, im W. der Italischen Halbinsel der Trasimenische und im W. der TĂŒrkisch-griechischen Halbinsel die Seen von Ochrida und Skutari. E. gehört zu den in hydrographischer Hinsicht begĂŒnstigtsten Teilen der Erde, mit dem nur noch Nordamerika wetteifert.

Geologische Übersicht.

Gesteine der archĂ€ischen Formationsgruppe treten sehr verbreitet in den zentralen Partien der großen europĂ€ischen Kettengebirge auf, so in den Alpen, den Karpathen, dem Balkan, dem Kaukasus, den Apenninen und PyrenĂ€en, ferner, als ein langes, schmales Band vom Nördlichen Polarmeer bis in die Breiten des Norden des des Kaspischen Meeres streichend, im Ural. In Deutschland nehmen die kristallinischen Schiefer im Schwarzwald, Odenwald und Spessart, im Fichtelgebirge, im Böhmerwald, im Erzgebirge und in den Sudeten große FlĂ€chen ein. Im N. sind die Skandinavische Halbinsel sowie die nordwestlichen Provinzen Rußlands zwischen dem Bottnischen Meerbusen und Weißen Meer ganz ĂŒberwiegend aus diesem altkristallinischen Material zusammengesetzt. Auch in Schottland und Nordirland, auf der Balkanhalbinsel und in SĂŒdrußland zwischen Bug und Dnjepr, ferner in Zentralfrankreich, in der Bretagne, auf Sardinien und Korsika ist die archĂ€ische Formation sehr entwickelt, ebenso im westlichen und zentralen Teil der Iberischen Halbinsel. Kambrium, Silur und Devon sind außer in England auch in Schottland und Irland weitverbreitet, in Frankreich besonders in der Bretagne und in der Normandie. Breite Streifen der drei Formationen durchziehen von O. nach W. Spanien und Portugal und beteiligen sich an der Zusammensetzung der PyrenĂ€en. Deutschland besitzt Ă€ltere palĂ€ozoische Schichten in Schlesien, ThĂŒringen, im Fichtelgebirge, im Harz und namentlich in Nassau, Rheinland u. Westfalen (Rheinisches Schiefergebirge). In Österreich-Ungarn sind Schichten gleichen Alters aus Böhmen, NordmĂ€hren und den GrenzlĂ€ndern gegen die Balkanhalbinsel auszufĂŒhren. Wichtig sind endlich Ă€ltere palĂ€ozoische Schichten fĂŒr Skandinavien, das jĂŒngere Bildungen nur an seinen sĂŒdlichen Grenzen aufzuweisen hat, sowie fĂŒr Rußland (vgl. Russisches Reich). – Die Steinkohlenformation ist in Spanien, auch in Frankreich und Belgien, ebenso in Großbritannien und in Deutschland (zumal in Westfalen und in Schlesien) ĂŒber große, zusammenhĂ€ngende Gebiete verbreitet. In Böhmen tritt sie um Pilsen herum auf, ferner in NordmĂ€hren, nur unbedeutend in den Alpen, in Italien und auf der Balkanhalbinsel, mĂ€chtiger dagegen im O. Europas, wo sie teils lĂ€ngs des Urals, teils vom Weißen Meer bis in die Gegend sĂŒdlich von Moskau zutage geht, nicht selten Kohle fĂŒhrend. – Die Dyasformation besitzt in Großbritannien, Spanien und Frankreich keine ansehnliche Verbreitung, wohl aber in Deutschland. Im Schwarzwald, im Rhein-Nahe-Gebiet, in den Vogesen und dem Erzgebirge kommt Rotliegendes, mit Porphyren und Melaphyren eng verknĂŒpft, ohne Zechstein (Ă€hnlich wie in Frankreich und Spanien) vor; dagegen im Odenwald, im Spessart, am ThĂŒringer Wald und am Harz in Verbindung mit Zechstein, der als mĂ€chtige salzfĂŒhrende Bildung weithin in die Norddeutsche Tiefebene unterirdisch sich fortsetzt. Im O. Europas bedeckt die Formation als sogen. Perm ein ĂŒberaus großes Gebiet zwischen Moskau und dem Ural. – Die Triasformation hat ihre typische Entwickelung in Deutschland. Hier sind ihre drei Glieder immer nachweisbar und bilden, abgesehen von einem kleinern Vorkommen in Oberschlesien, große, zusammenhĂ€ngende Territorien, die sich von Norddeutschland nach SĂŒddeutschland ausdehnen, jenseit des Rheins in den Vogesen und der Hardt ihre Fortsetzung finden und noch weit nach Frankreich hinein verfolgbar sind. Etwas abweichend ausgebildet ist die Trias in England, noch stĂ€rker abweichend in den Alpen, wo neben ihr auch die rĂ€tische Formation eine große MĂ€chtigkeit erreicht. Wie in den Alpen, so ist die Trias auch in den Karpathen, im Balkan und im sĂŒdöstlichen Spanien entwickelt. – Der Jura findet sich besonders in dem mit diesem Namen bezeichneten Gebirgszug, der Frankreich und die Schweiz trennt, als SchwĂ€bische Alb durch WĂŒrttemberg zieht und als FrĂ€nkischer Jura sich bis zum Main verfolgen lĂ€ĂŸt. In seiner Fazies von dem SchwĂ€bisch-frĂ€nkischen Jura mehr oder weniger verschieden ist der Jura im Rheintal am Fuße der Vogesen und des Schwarzwaldes sowie in Norddeutschland, in England und im Innern Frankreichs. Jura findet sich ferner in Spanien, Italien, in den Alpen und den östlich an diese sich anschließenden Kettengebirgen, in Oberschlesien und in Polen, von wo aus sich die Formation anscheinend unterirdisch bis an die Ostsee erstreckt, in der Gegend von Moskau und weiter nordöstlich bis zum Nördlichen Eismeer. Der Wealden, eine Zwischenbildung zwischen Jura und Kreide, findet sich in SĂŒdostengland, Nordostfrankreich und in Nordwestdeutschland (am Deister, am Osterwald und bei Obernkirchen und Minden mit bauwĂŒrdigen Kohlenflözen). – Die Kreideformation ist in England, Frankreich, DĂ€nemark, SĂŒdschweden sowie auf RĂŒgen und Wollin als GrĂŒnsand und weiße Schreibkreide entwickelt, in Westfalen, wo sie die Decke der Steinkohlenformation bildet, als glaukonitischer Mergel oder GrĂŒnsand, in Sachsen, Nordböhmen, Oberschlesien, Polen und, wenig ausgedehnt, in der Gegend von Regensburg teils als Sandstein (Quadersandstein) und Mergel (PlĂ€nermergel), teils als glaukonitischer Sandstein. In einer andern, besonders durch das Auftreten von Hippuriten ausgezeichneten Fazies ist die Kreide im sĂŒdlichen E., in Portugal, Spanien, den PyrenĂ€en und SĂŒdfrankreich, entwickelt und am Aufbau der Alpen, der Apenninen und der Karpathen beteiligt. Auch auf der Balkanhalbinsel, im Kaukasus und an der Wolga sind Ablagerungen der Kreide bekannt. – Die dem Ă€ltern TertiĂ€r zugehörigen Nummulitenkalke und Flyschbildungen kommen in den großen Kettengebirgen, den PyrenĂ€en, den Alpen, den Apenninen, den Karpathen, sehr verbreitet vor und steigen dort bis zu bedeutenden Höhen an, woraus mit Recht geschlossen wurde, daß sich der wesentliche Akt des Faltungsprozesses, der diese Gebirge bildete, erst nach der Ablagerung jener tertiĂ€ren Gesteine vollzog. Andre, meist jĂŒngere TertiĂ€rbildungen stellen wohl arrondierte Becken dar (Pariser, Londoner, Mainzer, Wiener Becken). In Norddeutschland, in Böhmen und in den Alpen fĂŒhren die TertiĂ€rbildungen hĂ€ufig bauwĂŒrdige Braunkohle. Bildungen jĂŒngsten tertiĂ€ren Alters endlich (PliocĂ€n) sind besonders in SĂŒdengland, in Italien (Subapenninenformation) und in den Steppen SĂŒdrußlands vorhanden. An vielen Punkten in Italien, Spanien, Frankreich, Irland, auf den Hebriden, in Mitteldeutschland, Böhmen und Ungarn lieferte die vulkanische TĂ€tigkeit der TertiĂ€rperiode gewaltige AusbrĂŒche von Trachyt, Andesit, Phonolith und Basalt. – Der Diluvialperiode gehört der LĂ¶ĂŸ an, dem Rhein-, Main- und Donautal ihre Fruchtbarkeit verdanken, und der im Elbtal (Böhmen, Sachsen), an der Oder und Weichsel, in Oberschlesien bis tief nach Rußland hinein in mitunter sehr großer MĂ€chtigkeit entwickelt ist. Ein besonderes GeprĂ€ge hat die diluviale Eiszeit einem großen Teil der OberflĂ€che Europas ausgedrĂŒckt durch die Ablagerung gewaltiger Schuttmassen auf den Ă€ltern Schichten, als die von allen höhern Gebirgen ausgehenden, halb E. ĂŒberziehenden Vergletscherungen sich allmĂ€hlich in die heutigen Grenzen zurĂŒckzogen. Das Tiefland Großbritanniens, die Norddeutsche Tiefebene, einschließlich Hollands im W. und der russischen Ostseeprovinzen im O., auch ein großer Teil SĂŒddeutschlands und SĂŒdfrankreichs sind mit solchem »glazialen Schutt« bedeckt. – Langsam, aber stetig wirken die sedimentĂ€ren Gesteinsbildungsprozesse wĂ€hrend der Alluvialzeit durch AbsĂ€tze in Flußbetten, in Seen und im Meer, durch die Erosion der OberflĂ€chengesteine, durch den Vertorfungsprozeß umwandelnd auf die OberflĂ€che Europas ein, wĂ€hrend die vulkanische TĂ€tigkeit in E., obschon in ihren AnfĂ€ngen bis in die TertiĂ€rzeit zurĂŒckgehend, jetzt auf ein Minimum reduziert ist: tĂ€tige Vulkane besitzen nur Island, Italien (Vesuv, Ätna, Stromboli etc.) und der Griechische Archipel (Santorin).

Der geologische Aufbau Europas ist im allgemeinen nicht einfach. Die PyrenĂ€en, die Apenninen, die Alpen und deren östliche Fortsetzung, die Karpathen und der Balkan, sind erst in tertiĂ€rer Zeit zu ihrer jetzigen Höhe aufgetĂŒrmt worden. Nördlich von diesen Kettengebirgen liegen von sedimentĂ€ren Schichten gebildete StufenlĂ€nder, wie die sĂŒd- und mitteldeutsche Triaslandschaft, oder große, flach muldenförmige, besonders von TertiĂ€rbildungen ausgefĂŒllte Becken und weite DiluvialflĂ€chen, wie die norddeutsche und die sarmatisch-russische Ebene, in der Ă€ltere Ablagerungen nur vereinzelt hervortreten, dann aber auch einzelne kleinere Gebirge, wie das Zentralplateau von Frankreich, die Vogesen, der Schwarzwald, der Böhmerwald und die mitteldeutschen Gebirge. In dem ganzen außeralpinen Osteuropa, in Galizien, Podolien, der Bukowina und Rußland (mit Ausnahme des Kaukasus, der Krim, des Donezschen Kohlenbeckens und des Urals), ebenso in Finnland, Schweden und dem östlichen Norwegen, also in der ganzen sogen. russisch-skandinavischen Tafel, besitzen alle Bildungen bis hinunter zur Basis der kambrischen Formation eine ungestörte horizontale Lagerung. Dagegen finden sich im westlichen Norwegen, in Österreich westlich von Lemberg, in Deutschland, Frankreich und England nirgends kambrische oder silurische Schichten noch ungestört, ja an vielen Stellen sind hier selbst die Kreideschichten nicht mehr in ihrer ursprĂŒnglichen Lage. Dagegen wurden einzelne Teile des geologisch sehr kompliziert gebauten westeuropĂ€ischen Schollenlandes schon gegen das Ende der Silurzeit gefaltet, so das schottische Hochland, die Hebriden und Irland, wo die devonischen Ablagerungen ungestört ĂŒber ausgerichteten archĂ€ischen, kambrischen und silurischen Gesteinen liegen. Der Bayrische und der Böhmerwald sind schon vor Beginn der Karbonformation ausgerichtet und spĂ€ter von keiner bedeutenden Bewegung mehr ergriffen worden. Dann zeigen Sudeten, Erzgebirge, Fichtelgebirge, ThĂŒringer Wald, Harz, Rheinisches Schiefergebirge, Ardennen, Schwarzwald, Vogesen und der östliche Teil des französischen Zentralplateaus in ihren alten Gebirgskernen eine ganz ĂŒbereinstimmende Faltung, die noch die karbonischen Sedimente mit betroffen hat; daraus und aus dem Verlauf der Falten kann man schließen, daß sie BruchstĂŒcke eines ehemals zusammenhĂ€ngenden, etwa zu Ende der Karbonzeit fertig gebildeten Alpengebirges darstellen. Schon im Verlauf der permischen Zeit wurde dieses sogen. variskische Hochgebirge in großartigem Maßstab abgetragen und zerstört, und auf den Höhen der Vogesen und des Schwarzwaldes sehen wir daher die Triassedimente auf den abradierten Falten des alten Schiefergebirges in nahezu horizontaler Lagerung. Das sĂŒd- und mitteldeutsche Stufenland mit seinen triadischen und jurassischen Ablagerungen bezeichnet nach Sueß (»Antlitz der Erde«, 1885) einen riesigen Einbruch, in dem ein großes StĂŒck des variskischen Hochgebirges in die Tiefe gesunken ist. Auch die archĂ€ischen Schiefer, die den westlichen Teil des Zentralplateaus von Frankreich, die Bretagne und die anstoßenden Gebiete zusammensetzen und auch noch im sĂŒdwestlichen England erscheinen, entsprechen dem Kern eines ebenfalls am Ende der Karbonzeit vorhanden gewesenen Hochgebirges, an dessen Aufbau auch noch die palĂ€ozoischen Ablagerungen in Cornwall und Devonshire, die westliche HĂ€lfte des Kohlengebirges im nordöstlichen Frankreich und in Belgien und unter den jĂŒngern Schichten des Londoner und Pariser Beckens und unter dem Kanal verborgene Ă€ltere Schichten teilnehmen. Die westliche Fortsetzung dieses sogen. armorikanischen Hochgebirges, das in seinem östlichen Teil ein nordwestliches, dann weiter nach W. hin ein westliches und schließlich ein westsĂŒdwestliches Streichen zeigt, ist unter dem Atlantischen Ozean versunken. JĂŒnger als die Faltung der beiden eben erwĂ€hnten Hochgebirge ist die Faltung der Wealdenformation in England und des (subherzynischen) HĂŒgellandes westlich und sĂŒdlich vom Harz (Hils, Deister, SĂŒntel, Teutoburger Wald etc.) sowie die Herausbildung des Harzes, des ThĂŒringer Waldes, der Sudeten etc., in denen noch bis in die Ă€ltere TertiĂ€rzeit hinein Bewegungen stattgefunden zu haben scheinen. Vgl. zu vorstehendem Abschnitt die geologischen Karten bei den Artikeln Alpen, Deutschland, England, Frankreich, Harz, Österreich, Schwarzwald, Sudeten und ThĂŒringen.

[Mineralien.] Europas KohlenschĂ€tze sind mit wenigen Ausnahmen (hier und da im Rotliegenden, im Lias von Ungarn, in der norddeutschen Wealdenformation, in der Kreideformation von Istrien, im sĂŒdlichen Frankreich und Spanien) der Steinkohlenformation und dem TertiĂ€r eingelagert; Eisenerz bergen die verschiedensten Formationen; Steinsalz kommt, bisweilen mit Kalisalzen zusammen, in der Dyas (Norddeutschland), in mehreren Niveaus der Trias (WĂŒrttemberg, Baden, Lothringen), in der Juraformation (Bex), im TertiĂ€r (Spanien, Galizien, SiebenbĂŒrgen) vor und bildet sich in den ĂŒbersĂ€ttigten Salzseen der europĂ€ischen Ostgrenze auch jetzt noch fort. Hauptdistrikte fĂŒr europĂ€isches Petroleum sind der SĂŒdabhang der Transsylvanischen Alpen, die Bukowina und die Karpathen von Galizien und Ungarn; auch Unterelsaß und Nordwestdeutschland liefern etwas Petroleum und Asphalt. Ziemlich reich an letzterm ist der obere Jura in Hannover. Phosphorit findet sich im Silur (Spanien und Podolien), im Devon (Nassau), in der Kreide (England, Nordfrankreich, Böhmen und Mittelrußland) sowie auf sekundĂ€rer LagerstĂ€tte im Diluvium (Rußland etc.).

Von edlen Metallen wird Gold in bedeutender Menge nur im ungarisch-siebenbĂŒrgischen Erzgebirge und am mittlern Ural (hier auf sekundĂ€rer LagerstĂ€tte, zum Teil mit Platin zusammen) gewonnen. Silber ist in geringer Menge sehr verbreitet, an Blei- und Kupfererze gebunden; reichere Silbererze finden sich vorzĂŒglich in Norwegen (Kongsberg), im sĂ€chsischen Erzgebirge, am Harz und in der spanischen Provinz Guadalajara. Spanien ist auch ausgezeichnet durch seinen Reichtum an Quecksilber (Almaden in der Sierra Morena), das außerdem nur noch in Idria und an einigen andern Punkten der östlichen Alpen sowie am Avalaberg bei Belgrad in nennenswerter Menge produziert wird. Kupfererze sind viel verbreitet; besonders reich sind der Ural, ThĂŒringen (durch die zur Dyasformation gehörigen Kupferschiefer), Cornwall und Spanien (Rio Tinto). Zinnerz findet sich im sĂ€chsisch-böhmischen Erzgebirge, in Cornwall und in der Bretagne. Blei- und Zinkerze werden außer auf den GĂ€ngen der Erzgebirge in England und Deutschland vielfach lagerartig im Devon, in der Steinkohlenformation und der Trias angetroffen. Der Buntsandstein ist in Rheinpreußen (Kommern und Mechernich) stellenweise mit Blei- und Kupfererzen imprĂ€gniert. Nickel- und Kobalterze sind im sĂ€chsischen Erzgebirge, in ThĂŒringen, im Spessart, in den westlichen Alpen und in Skandinavien verbreitet. Antimon wird in grĂ¶ĂŸerer Menge, namentlich in Ungarn, als Begleiter der Gold- u. Silbererze gewonnen. Vgl. v. Cotta, ErzlagerstĂ€tten Europas (Freiberg 1861).

Klima.

(Hierzu die »Klimakarte von Europa«.)

E. gehört mit Ausnahme der nördlichsten Spitzen von Norwegen, Schweden und Nordrußland, die in der kalten Zone liegen, völlig der gemĂ€ĂŸigten an. Es hat daher vorherrschend ein gemĂ€ĂŸigtes Klima und ist im Gegensatz zu allen ĂŒbrigen Erdteilen durch eine gewisse Gleichartigkeit seiner Natur charakterisiert. Man unterscheidet fĂŒnf Klimagebiete:

1) Zu dem ersten Gebiete, dem hohen Norden, gehören Island (s.d.), Nowaja Semlja (s.d.) und Spitzbergen (s.d.).

2) Westeuropa. Das Klima des westlichen und nordwestlichen E. wird vom Atlantischen Ozean beherrscht. Ein Hochdruckgebiet lagert bestĂ€ndig im SW. von E. und greift hĂ€ufig bis zu unsern Gegenden ĂŒber, wĂ€hrend ĂŒber dem Nordatlantischen Ozean eine barometrische Depression liegt. Daher ein entschiedenes Vorwiegen der Winde aus W. und SW., die in der kĂ€ltern Jahreszeit, in der jener Gegensatz in der Druckverteilung am meisten entwickelt ist, oft stĂŒrmisch auftreten und die feuchte Seeluft weit in den Kontinent hineintragen, wodurch sowohl die KĂ€lte des Winters als die Hitze des Sommers gemildert wird. Indessen steht der Wechsel der WĂ€rmeverhĂ€ltnisse in unsern Gegenden nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit den WĂ€rmeverhĂ€ltnissen des Ozeans, sondern hĂ€ngt in erster Linie von der Luftdruckverteilung und der dadurch bedingten Luftzufuhr ab. Nicht selten breitet sich der hohe Luftdruck im SW. nordwĂ€rts aus und ruft hierdurch naßkalte Witterung hervor, wie sie in den FrĂŒhlings- und Sommermonaten öfter eintritt, in welcher Zeit die Luftdruckabnahme nach NW. hin gering ist. In den Wintermonaten greift das asiatische Maximum hĂ€ufig nach Nordeuropa hinĂŒber und bedingt eisige Ostwinde, die, zumal wenn ĂŒber SĂŒdeuropa eine Depression liegt, strenge KĂ€lte verursachen. AbschwĂ€chung der tĂ€glichen und jĂ€hrlichen Temperaturschwankungen, große Luftfeuchtigkeit und Bewölkung, reichliche NiederschlĂ€ge namentlich in der kĂ€ltern Jahreszeit, unruhiges Wetter im Winterhalbjahr sind die HauptzĂŒge dieses Klimagebiets, die in den nordwestlichen KĂŒstengebieten zum vollsten Ausdruck kommen.

Die jĂ€hrliche WĂ€rmeschwankung wird durch folgende mittlere Jahresextreme (nach Hann) veranschaulicht: St.-Martin (Landes) 37°, -7°, Brest 32°, -4°, Paris 33°, -10°, BrĂŒssel 31°, -11°, Hamburg 31°, -12°, Upsala 30°, -24°, Greenwich 31°,-8°, Dublin 25°,-5°, Thorshaven 18°,-9°, SkudenĂ€s 22°,-8°, Bergen 26°,-11°, Christiansund 22°,-9°, Hammerfest 24°,-14°, Vardö 21°,-16°. Die Temperaturdifferenz zwischen Juli und Januar betrĂ€gt fĂŒr die mittlere WestkĂŒste Frankreichs 15°, fĂŒr die NordwestkĂŒste 12°, fĂŒr den Ă€ußersten Westen Irlands und Englands 8°. Die Regenmengen betragen nach Hann (in Zentimetern) fĂŒr: Unteres Rhonetal 87, Landes in den WestpyrenĂ€en 114, mittleres Westfrankreich 66, Zentralfrankreich 71, NordwestkĂŒste 78, Belgien und Kanal 68, Holland und deutsche Nordsee 67, DĂ€nemark 60, FĂ€röer 162, Ostengland 65, Westschottland 189, Irland 100, Norwegen W. 115, O. und Inland 46,69.–70.° nördl. Br. 31. Die grĂ¶ĂŸten Regenmengen fallen in den Seeregionen Cumberlands (Styehead Paß 430 cm). Frankreich, außer der NordwestkĂŒste, hat Mai- und Oktoberregen, im NW. kommen Herbst- und Winterregen vor, ebenso wie auf den britischen Inseln; Belgien, Nordwestdeutschland und DĂ€nemark zeigen den Übergang von Herbst-zu Sommerregen. Westnorwegen hat Herbstregen, wogegen die Winterregen zurĂŒcktreten. Die Höhe der Schneelinie betrĂ€gt fĂŒr das skandinavische Gebirge im N. (67.° nördl. Br.) 1000, S. (70.° nördl. Br.) 1200 m, die Gletscherenden senken sich (611/2° nördl. Br.) auf 400 m abwĂ€rts.

3) In Mitteleuropa geht das Seeklima in Kontinentalklima ĂŒber. Durch die Alpen wird dieses Gebiet scharf vom mediterranen Gebiet abgegrenzt, nach O. hin findet keine derartige Trennung gegen das osteuropĂ€ische Kontinentalklima statt. Über die Luftdruckverteilung s. oben: Westeuropa. Die Temperaturen bewegen sich in diesem Gebiet (nach Hann) durchschnittlich zwischen folgenden Grenzen: Königsberg 32°,-22°, Warschau 32°,-21°, Berlin 33°,-15°, Brocken 23°,-21°, Dresden 33°,-17°, Bayreuth 31°,-21°, MĂŒnchen 30°,-19°, Prag 33°,-16°, Wien 34°,-15°, Hermannstadt 32°,-23°, Klagenfurt 32°,-22°, Bozen 33°,-8°, ZĂŒrich 30°,-14°, Bern 29°,-15°, St. Bernhard 18°,-22°. Die Extreme schwanken zwischen mehr als 35° und -30°. Der meiste Regen fĂ€llt ĂŒberall im Sommer, so zwar, daß landeinwĂ€rts die Herbst- und Winterregen abnehmen und die Sommerregen zunehmen. In Deutschland fallen jĂ€hrlich durchschnittlich etwa 65 cm Regen, wobei die Verschiedenheiten in den einzelnen Gegenden recht bedeutend sind. Nach Sonklar fallen jĂ€hrlich in Böhmen, MĂ€hren und Schlesien durchschnittlich 64, Galizien und Bukowina 73, Ober- und Niederösterreich 83, Krain, Görz und Istrien 137, Dalmatien 92, Ungarn 59, SiebenbĂŒrgen 77 cm Niederschlag. Die Bewölkung ist in der Niederung und im Mittelgebirge am grĂ¶ĂŸten im Winter, am geringsten im Sommer, am trockensten sind die FrĂŒhlingsmonate. Der Druckverteilung entsprechend sind westliche und sĂŒdwestliche Winde vorwiegend, im FrĂŒhjahr und Herbst nehmen die östlichen Winde etwas zu. In Ungarn sind Nordwestwinde hĂ€ufig, wie denn auch in Deutschland diese Winde vom Winter zum Sommer hin zunehmen.

4) Über Rußland s.d.

5) Das mediterrane Klimagebiet umfaßt alle LĂ€nder am Mittelmeerbecken. Ihm sind hauptsĂ€chlich regenarme Sommer und reichlicherer Regen in der kĂ€ltern Jahreszeit eigen. Im westlichen Mittelmeergebiet sind die Herbstregen (relativ) sehr gleichmĂ€ĂŸig verteilt, wĂ€hrend in den östlichen Gebirgsteilen die SommerdĂŒrre sich weit in den Herbst erstreckt. Hervorzuheben ist die Abnahme der regenarmen Zeit nach N. hin. Malta hat 4–5 regenarme Monate, das nördliche Sizilien 4, Neapel 3, Rom 2, Florenz keinen. Die trockne Zeit dauert an der SĂŒdkĂŒste Spaniens 5, in Lissabon 4, in Porto 3 Monate, in Santiago fehlt sie bereits. Die jĂ€hrliche Regenmenge betrĂ€gt nach Hann fĂŒr: sĂŒdliches Portugal 70, spanisches Plateau 37, spanische OstkĂŒste 42, Spaniens Nordrand 129, mediterranes Frankreich 67, SĂŒdfuß der italienischen Alpen 121, Po-Gebiet 81, Mittelitalien 84, SĂŒditalien 80, Sizilien 60, Malta 55, Adria: Norden 130, Mittel 83, SĂŒden 128, Konstantinopel 70 cm. Hierher gehört das regenreichste Gebiet von E.; in der Bucht von Cattaro fallen jĂ€hrlich 436 cm. Auch die Nord- und WestkĂŒste Spaniens und Portugals haben Jahressummen bis zu 300 cm, wogegen im Innern verderbliche DĂŒrreperioden vorkommen. – Im Innern der Iberischen Halbinsel sind die WĂ€rmeschwankungen sehr erheblich, die KĂŒstengegenden haben eine mehr gleichmĂ€ĂŸige Temperatur. Nach O. hin nehmen die WĂ€rmeschwankungen im allgemeinen zu und erreichen im Innern der Vulkanhalbinsel sehr erhebliche Werte. Als Jahresextreme fĂŒhren wir folgende an (nach Hann): Lissabon 36°, 1°, Madrid 40°,-7°, Granada 38°,-3°, Perpignan 37°,-4°, Nizza 31°,-1°, Mailand 34°,-10°, Ancona 35°,-4°, Rom 35°,-4°, Palermo 40°, 0°, Lesina 33°,-2°, Korfu 35°, 1°, Athen 38°,-2°, Sofia 35°,-18°. Sehr tiefe Wintertemperatur hat die Sohle des Po-Tals, wo sie bis auf -18° herabsinkt (in Neapel auf -4°, in Sizilien auf -2°), wĂ€hrend im Sommer sich die Temperatur in Norditalien auf 37°, in SĂŒditalien auf 41° erheben kann. Der Luftdruck ist im Sommer im W. hoch und nimmt rasch gegen O. hin ab, daher im Sommer vorherrschend Nordwinde (Etesien der Griechen), die von sonnigem Wetter begleitet sind. Im Winter ist der Luftdruck ĂŒber dem Mittelmeer verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig niedrig, es entwickeln sich hĂ€ufig Barometerminima, die von Regenfall begleitet sind. An den gebirgigen Ufern des Mittelmeers sind Lokalwinde hĂ€ufig, so die Bora an der Adria, der Mistral in Frankreich, der Scirocco in SĂŒditalien, der Leveche in Spanien.

Pflanzenwelt.

Die reiche KĂŒstengliederung und die Gunst eines ausnahmsweise gemĂ€ĂŸigten Klimas rufen in der Pflanzenwelt Europas eine bemerkenswerte Milderung der GegensĂ€tze und innige Mischung der floristischen Bestandteile hervor. Nur die skandinavischen Fjelds vom Nordkap bis Dovrefjeld, die nordöstliche HĂ€lfte von Kola, die Halbinsel Kanin und die EismeerkĂŒste bis zur PetschoramĂŒndung und dem nördlichsten Ural fallen in das Gebiet der arktischen Flora (s.d.), deren baumlose TundrenflĂ€chen von Moosen, Flechten, GrĂ€sern und Moorpflanzen mit spĂ€rlichen, niedrigen oder kriechenden Strauchformen erfĂŒllt werden. Hochnordische Arten strahlen auch auf das schottische Hochland und den nördlichen und alpinen Teil des Uralgebirges ĂŒber, dem die Alpenmatten fehlen. Im norwegischen Gebirge liegt unter dem ewigen Schnee vegetationsloses Steingeröll, dann folgt ein Teppich gelbgrĂŒner Strauchflechten, den in 1200–1370 m Höhe ein GĂŒrtel von Zwergbirken, niedrigen Weiden- und WacholderbĂŒschen nebst HeidestrĂ€uchern ablöst; bei 1000 m beginnen die ersten höhern BirkenwĂ€lder, und noch etwas tiefer NadelholzbĂ€ume; blumenreiche, mit zahlreichen arktischen Pflanzen besiedelte Oasen treten vorzugsweise auf verwitterndem Schiefergestein auf.

Von den arktischen BirkengebĂŒschen Finnmarkens unter 70° nördl. Br. erstreckt sich das europĂ€ische Waldgebiet durch Skandinavien einerseits nach Deutschland, Frankreich, Großbritannien und dem nördlichsten Teil der Iberischen Halbinsel, anderseits durch Nord- und Mittelrußland bis zu einer Linie ĂŒber Kiew, Kursk und Kasan; sĂŒdwĂ€rts bildet sonst der von den PyrenĂ€en durch die hohe Auvergne zu den Alpen, den Karpathen und dem Balkan sich fortsetzende HochgebirgsgĂŒrtel die Scheidelinie gegen die Mittelmeerflora. Nach den vorwiegenden WaldbestĂ€nden gehört der nördliche Teil des Gebiets etwa bis zum 60. Parallelkreis zu der Nadelholzzone (s.d.) mit LĂ€rchen, Fichten und Kiefern, der sĂŒdliche zur Laubholzzone (s.d.); nur im N. greifen die BirkenwĂ€lder stellenweise ĂŒber den Nadelholzwald, in Gebirgsregionen letzterer ĂŒber den GĂŒrtel der sommergrĂŒnen Baumformen hinaus. Die europĂ€ischen WaldbĂ€ume gehören vorzugsweise den zirkumpolar verbreiteten Gattungen Pinus, Abies, Picea, Betula, Quercus und Fagus an. In Skandinavien und Finnland bilden die nordische Weißbirke nebst Fichte und Kiefer fast ausschließlich den Waldbestand. Die Polargrenze der Gerste erreicht bei Alten in Finnmarken den 71.° nördl. Br., von da sinkt sie ostwĂ€rts am Bottnischen Busen bis 65°, verlĂ€uft um die KĂŒsten des Weißen Meeres und endet in der NĂ€he des Polarkreises am Ural. Außer Gerste wird im N. nur Roggen und Hafer als Sommerfrucht gebaut; erst im sĂŒdlichen Skandinavien beginnt der Anbau des Weizens und des Wintergetreides. Die Weinkultur erreicht ihre Nordgrenze in einer Linie, die von der LoiremĂŒndung ĂŒber die Maas (bei 503/4° nördl. Br.) bis Bonn und Meißen und von da durch Schlesien bis Mohilew am Dnjestr gezogen wird.

Die Flora des europĂ€ischen Waldgebiets setzt sich aus ungleichartigen Bestandteilen in sehr inniger Mischung und Durchdringung zusammen. Als das wichtigste Florenelement erscheint das alpine, dessen Grundstamm mit vielen endemischen Arten von der oben erwĂ€hnten Gebirgsscheidelinie von den PyrenĂ€en bis zum Balkan wohnt und das gesamte, den Hochgebirgen vorgelagerte HĂŒgel- und Bergland (in Deutschland bis zum Harz, dem ThĂŒringer Wald und den Sudeten) besiedelt hat. Charakteristisch sind auch die felsbewohnenden Pflanzenformationen. Letztere erreichen in den zentralen Hochgebirgen ihre Hauptentwickelung, und zwar liegen die Grenzen der hochalpinen Region in den PyrenĂ€en zwischen 2400–2750 m, in den Alpen bei 2400–2700 m, in SiebenbĂŒrgen zwischen 1800–2500 m und in den Sudeten bei 1400 bis 1600 m. Von W. und S. sind ferner atlantische Pflanzen, besonders immergrĂŒne, strauchbildende Erikazeen, in die europĂ€ische Waldzone eingedrungen. Der Ă€ußerste VorlĂ€ufer dieser Gruppe, das Heidekraut (Calluna vulgaris), hat sich mit großen, zusammenhĂ€ngenden BestĂ€nden von der atlantischen KĂŒste bis zum Osthang des Uralgebirges ausgebreitet. Aus SĂŒdeuropa greifen im westlichen Frankreich die Edelkastanie und die immergrĂŒne Quercus Ilex nebst mehreren Staudenpflanzen in das Waldgebiet ein; Ă€hnliches findet am SĂŒdfuß der Alpen und in einzelnen besonders begĂŒnstigten TĂ€lern der Schweiz statt. Von SO. treten in die pontische Waldregion der BalkanlĂ€nder charakteristische Baumarten, wie Silberlinden, die Syringe u. a., ein. Endlich im Ă€ußersten Nordosten greifen Elemente der sibirischen Waldzone westwĂ€rts ĂŒber das Uralgebirge. Neben diesen fremdartigen Eindringlingen besteht der Grundstock der mitteleuropĂ€ischen Flora vorzugsweise aus baltischen Pflanzen, welche die KĂŒstenlĂ€nder an der Nord- und Ostsee bewohnen und erst nach der Eiszeit in ihr gegenwĂ€rtiges Areal eingewandert sind. Die Grenze gegen N. bildet die sinnlĂ€ndische und westuralische Waldregion, die durch den Onegasee voneinander geschieden werden, und von der die erstere floristisch mit Skandinavien, die letztere mit dem Uralgebirge und Sibirien in nĂ€herm Zusammenhang steht. Die europĂ€ische Steppenflora hat ihren Hauptsitz in SĂŒdrußland, wo die ursprĂŒngliche Vegetation vorzugsweise aus silberglĂ€nzenden FedergrĂ€sern (Stipa) besteht; nur in den Talschluchten wĂ€chst ein kĂŒmmerliches GestrĂŒpp von Erlen, Birken, Linden und strauchartigen Eichen, und die Anhöhen zieren kleine BlĂŒtenstrĂ€ucher von Goldregen, Caragana frutescens, von Zwergmandeln u. a. Im ersten FrĂŒhjahr erscheint eine Schar von ZwiebelgewĂ€chsen, wie Tulpen und Fritillarien, spĂ€ter herrschen Kreuz- und Lippenblumen, im Juli Doldenpflanzen, im Herbst KorbblĂŒtler vor. Die Steppenflora ist auch in das ungarische Tiefland eingedrungen und erfĂŒllt das Innere desselben, mit Ausnahme der bewaldeten GebirgsrĂ€nder und der Donauufer; einzelne Steppenpflanzen sind auch nach Böhmen, nach der Mark Brandenburg, zum ThĂŒringer Wald und Harz vorgerĂŒckt. Die sĂŒdrussische Steppenzone erreicht an der uralo-kaspischen Salzsteppe zwischen Ural und Kaspischem Meer ihre Ostgrenze; auch die NordhĂ€nge des Kaukasus sind bis zum WaldgĂŒrtel hinauf von Steppenpflanzen besiedelt, und ebenso laufen die SĂŒdlehnen in die armenischen Steppen aus. Die untere Waldregion dieses Gebirges mit Lorbeer (bis 200 m) und Edelkastanien (bis 1000 m) hat mediterranen, die obere mit Buchen (bis 2000 m) und Abies Nordmanniana (bis 2100 m) borealen Charakter; die alpine Region mit Rhododendren und Staudenmatten liegt zwischen 2400–365010. Ein zweites Hauptsteppengebiet Europas entwickelt sich in Spanien besonders zwischen dem obern Tajo und dem Guadiana sowie nördlich von der Sierra Nevada, um Murcia und am mittlern Ebro und steht dort hauptsĂ€chlich mit der atlantisch-mediterranen Flora in Zusammenhang; teils herrschen Salzsteppen mit Salsoleen, teils Grassteppen mit hochwĂŒchsigen, harten GrĂ€sern (Stipa tenacissima u. a.) vor.

In den MittelmeerlĂ€ndern bestimmen die GestrĂ€uche der immergrĂŒnen Zone vorwiegend den Vegetationscharakter, der sich am reinsten ausdrĂŒckt in den Maquis, einer Buschformation aus Oliven, Myrten, Lorbeer, Steinlinde, Pistazien, Zistrosen, Erica arborea, Arbutus, Ginsterarten u. a. Dieser StrauchgĂŒrtel steigt an den Berglehnen von Granada bis 1200 m, am Ätna bis 700 m und in Dalmatien bis 400 m aufwĂ€rts. DarĂŒber folgen die fĂŒr das Mittelmeergebiet charakteristischen BestĂ€nde immergrĂŒner Eichen nebst Edelkastanien, Buchen und Nadelhölzern (s. ImmergrĂŒne Gehölze). Die Zwergpalme (Chamaerops humilis) bildet vorzugsweise in der untern Region SĂŒdspaniens ausgedehnte GestrĂŒppbestĂ€nde, ist aber bereits an der WestkĂŒste sowie auf den Inseln Italiens seltener und verschwindet weiter ostwĂ€rts ganz. Die Waldzone des Ostens in Thessalien und Epirus ist die Heimat der Roßkastanie, auch treten hier Silberlinden und Platanen hinzu. FĂŒr die mittelmeerlĂ€ndische Vegetation sind endlich aus niedrigen HalbstrĂ€uchern gebildete Matten charakteristisch, die vorzugsweise aus Lippen- und Kreuzblumen, Doldenpflanzen, KorbblĂŒtlern u. a. bestehen und von den mitteleuropĂ€ischen Wiesen wesentlich verschieden sind. Vgl. zu vorstehendem auch die Karte beim Art. »Pflanzengeographie« und nachfolgende Tabelle.

Tabelle

Tierwelt.

Seiner Tierwelt nach gehört E. in seinem nördlichsten Teil der arktischen Zirkumpolarregion an, im ĂŒbrigen der palĂ€arktischen Region, von dieser der Hauptsache nach die europĂ€ische Subregion bildend, wĂ€hrend die sĂŒdlichsten Gebiete jenseit der Alpen und PyrenĂ€en zur mittellĂ€ndischen Subregion gehören. Der Charakter des Weltteils bietet Gelegenheit zur Entwickelung eines reichen Tierlebens, freilich jetzt weniger als frĂŒher. Durch die fortschreitende Kultur ist die Fauna wesentlich beeinflußt worden; viele Tiere sind zurĂŒckgedrĂ€ngt, andre ganz verschwunden. Zu den fĂŒr E. charakteristischen SĂ€ugetieren gehören BĂ€r, Wolf, Luchs und Fuchs, Maulwurf, Spitzmaus, Igel, Dachs, Wiesel, Otter, Wasserratte, Gemse, SiebenschlĂ€fer, Hase, von diesen sind BĂ€r, Luchs, Wolf, Elch u. a. beinahe ausgerottet. Von Vögeln können als charakteristisch fĂŒr E. betrachtet werden: die Drosseln, BuschsĂ€nger, Rohrmeisen, Meisen, Pieper, Bachstelzen, Ammern, Sperlinge, KreuzschnĂ€bel, HĂ€nflinge, Elstern, WaldhĂŒhner etc.; der nördlichen Zone gehören die Schneeeule und der Geierfalke an. Die Mehrzahl der Vögel wandert im Winter nach dem SĂŒden, meist bis Afrika. Ungeheure Scharen von Seevögeln sammeln sich zur Brutzeit an den KĂŒsten Norwegens und Schottlands. Relativ arm ist E. an Reptilien; im hohen Norden fehlen sie gĂ€nzlich, nach S. werden sie hĂ€ufiger; am wenigsten vertreten sind die Schildkröten. Zahlreicher sind die Arten und Gattungen der Eidechsen und Schlangen, von welch letztern nur wenige giftig sind. Auch die Amphibien sind nicht zahlreich, doch weisen sie charakteristische Formen auf, wie den Grottenolm (Proteus), die Geburtshelferkröte (Alytes). Die Frösche sind im ganzen viel gleichmĂ€ĂŸiger verbreitet als die Molche; letztere ĂŒberwiegen im N. und O. Die Artenzahl der Molche nimmt besonders nach W. hin stetig zu. Unter den Fischen Europas spielen Karpfen, Lachse, Aale, Weise, Hechte und Störe eine Rolle; eine Reihe von Gattungen und Arten ist auf E. beschrĂ€nkt. Von Meeresfischen, welche die KĂŒsten Europas besuchen, sind die wichtigsten die Schellfische (Dorsch, Kabeljau), Hering, Sprotte, Sardine, Sardelle, Steinbutt, Scholle, Flunder, Seezunge. Von Weichtieren verbreiten sich ĂŒber den ganzen Kontinent die Sumpfschnecken, Teichschnecken, Bernsteinschnecken und einige Arten der Gattung Helix. Die Molluskenfauna Europas lĂ€ĂŸt sich in vier Reiche teilen: in das arktisch-boreale, alpine, germanische und Mittelmeerreich. Unter den Insekten sind am besten bekannt die Schmetterlinge und KĂ€fer, von denen eine Reihe E. eigentĂŒmlich sind; mehrere Arten, darunter besonders schĂ€dliche, wie die Reblaus, sind eingeschleppt und haben sich völlig eingebĂŒrgert. Die niedere SĂŒĂŸwasserfauna zeigt zum großen Teil einen kosmopolitischen Zug. Vgl. hierzu auch die tiergeographischen KĂ€rtchen bei den Artikeln »SĂ€ugetiere, Vögel, Reptilien«.

Bevölkerung.

(Hierzu die »Völker- und Sprachenkarte« und die Karte »Bevölkerungsdichtigkeit von Europa«.)

Die Zahl der Bewohner Europas wird gegenwĂ€rtig auf 392,170,764 berechnet, so daß auf 1 qkm 40 Bewohner kommen; vgl. folgende Tabelle.

Tabelle

Die Bevölkerung gehört ĂŒberwiegend dem indoeuropĂ€ischen oder mittellĂ€ndischen Stamm an, der in C. durch 8–9 Völkerfamilien vertreten ist, und zwar vornehmlich dem indogermanischen Zweig. Die griechisch-lateinische Familie (Romanen) enthĂ€lt folgende Hauptvölker: Neugriechen, Italiener, Spanier und Portugiesen, Franzosen und Provenzalen, RĂ€tier, Walachen; die germanische Familie 3 Hauptnationen: Deutsche, Skandinavier und EnglĂ€nder, von denen die ersten auch die HollĂ€nder und FlĂ€men begreifen, die zweiten in Schweden, Norweger, DĂ€nen und IslĂ€nder zerfallen. Die slawische Familie umfaßt die nordslawischen StĂ€mme: die Tschechen mit den MĂ€hrern, Slowaken und Lechen oder Polen, die Sorben oder Wenden und die Russen (Großrussen, Ruthenen oder Rußniaken und Weißrussen), und die sĂŒdslawischen StĂ€mme: die Slowenen oder Winden, die Serben (wozu Kroaten, Bosnier, Montenegriner und die Bewohner des eigentlichen Serbien gehören) und die Bulgaren. Die lettische Familie beschrĂ€nkt sich auf Litauen und die Urbevölkerung Preußens; ihr am nĂ€chsten stehen die Albanesen oder Schkipetaren, die in der westlichen TĂŒrkei, in Griechenland und Sizilien wohnen. Da jedoch ihre Sprache vieles aus dem Lateinischen und Griechischen aufgenommen hat, fĂŒhren wir sie in der Tabelle (S. 182) unter den Romanen auf. Die keltische Familie zĂ€hlt fĂŒnf Völkerschaften: Iren, Gölen, Walliser (Kymren), Aremoriker (Bretonen) und Wallonen (Welsche). Hierzu kommen die armenischen Kolonisten und Handelsleute in SĂŒdosteuropa und die wandernden Horden der Zigeuner, so daß mit Ausnahme der persischen alle ĂŒbrigen Völkerfamilien des indoeuropĂ€ischen Stammes (Romanen, Germanen, Slawen, Kelten, Letten) ausschließlich auf dem europĂ€ischen Boden Wurzel geschlagen haben oder doch nur durch Kolonisation aus E. in andre Erdteile ĂŒbergegangen sind. Unter diesen sind wieder die drei ersten (Romanen, Germanen und Slawen) als die herrschenden Völkerfamilien Europas anzusehen. Dem semitischen Zweige gehören die Israeliten an, die mit Ausnahme der Skandinavischen und Iberischen Halbinsel, wo sie nur ausnahmsweise vorkommen, ĂŒber den ganzen Erdteil verbreitet sind, und die geringen Überbleibsel der Morisken, Abkömmlinge der Araber, in den abgeschlossenen Alpujarras in Spanien. Doch sind in der Tabelle (S. 182) die Israeliten nicht besonders ausgefĂŒhrt, sondern den Nationen zugerechnet worden, in deren Mitte sie leben, und deren Sprache sie sprechen. Eine isolierte Stellung unter den Völkern Europas nehmen die Basken (s.d.) ein, die in einigen PyrenĂ€engegenden Spaniens u. Frankreichs wohnen.

Der ethnographische Reichtum Europas wird indes noch wesentlich vermehrt durch eine ansehnliche Zahl finnischer und tatarischer Völkerzweige. Zu den finnischen VolksstĂ€mmen gehören die Samojeden, die Finnen (Lappen, Tawasten, Karelier und KwĂ€nen), Esthen, Kuren und Liven und Ungarn oder Magyaren nebst Szeklern sowie die schwachen Völkerreste der Wogulen, die bulgarischen und permischen StĂ€mme (Tscheremissen, Mordwinen, SyrjĂ€nen, WotjĂ€ken, Tschuwaschen oder Bergtataren u. a.). Die in E. heimisch gewordenen Völker tatarischen Stammes gehören entweder dem westlichen Zweige der eigentlichen tatarischen (mongolischen) Familie an, wie die KalmĂŒcken, oder und zwar zum grĂ¶ĂŸten Teil der tĂŒrkischen Familie, so die Osmanen auf der Balkanhalbinsel und die sog. turkotatarischen StĂ€mme (Nogaier, Baschkiren u. a.) in dem Steppenland am Kaspischen und Schwarzen Meer. Außerdem gehören zu ihr die magyarisierten Turkkolonien der Kumanen und Jazygen. Auf diese Weise steigt die Zahl aller in E. wohnenden Nationen auf etwa 60, von denen 40 indoeuropĂ€ische (arisch-semitische), 11 finnische (nordasiatische) und 9 tatarische (hochasiatische) sind. Diese 60 Nationen gehören 21 selbstĂ€ndigen Sprachzweigen, 13 besondern Völkerfamilien, 3 verschiedenen ethnographischen VarietĂ€ten der Menschheit an.

Tabelle

Die drei großen herrschenden Völkerfamilien haben sich folgendermaßen in das Land geteilt: Die drei sĂŒdlichen Halbinseln des Erdteils und die drei zunĂ€chst anstoßenden Teile des Kontinents oder den ganzen kontinentalen SĂŒdwesten Europas, von der untern Donau bis zur Straße von Calais und von der Straße von Gibraltar bis zur Enge des Bosporus nebst den benachbarten Inseln nimmt vorzugsweise die griechisch-lateinische Familie ein. Im Herzen Europas und auf seinen nördlichen Halbinseln und Inseln haben fast ausschließlich die Nationen der germanischen Familie ihre Heimat gefunden. Der flache, breite Osten des Erdteils ist fast ganz Besitztum der slawischen Völker geworden. Fast alle von den HauptstĂ€mmen ĂŒber ihre Grenzen hinaus versprengten Zweige, besonders aber alle ĂŒbrigen, nicht zu den drei Hauptfamilien gehörenden Nationen wohnen als Fremdlinge, als politisch AbhĂ€ngige, höchstens als Adoptivkinder jener in dem Gebiet der einen oder der andern. Und naar finden wir fast alle Nationen mongolischen Stammes, alle finnischen und tatarischen Völker im slanischen Osteuropa. Nur die osmanischen TĂŒrken haben ihre kriegerische Ansiedelung in der SphĂ€re der griechisch-lateinischen Familie gegrĂŒndet. In bezug auf die Kopfzahl kommen auf die Germanen 127 Mill., auf die Romanen 112,7 Mill., auf die Slawen 124,1 Mill. Unter den kleinern Nationen zĂ€hlen die Kelten etwa 2,8 Mill., die Letten, Litauer etc. 3,4 Mill., Finnen und Magyaren 14,2 Mill., Basken, Armenier und Zigeuner 1,9 Mill., endlich TĂŒrken, Tataren und Mongolen 5,9 Mill. Über die NationalitĂ€t der Bevölkerung der einzelnen Staaten gibt die Tabelle auf S. 182 Ausschluß; weiteres s. Artikel »Bevölkerung«. Über die sprachlichen VerhĂ€ltnisse in E. vgl. »EuropĂ€ische Sprachen«.

Unter seinen 392 Mill. Einwohnern zĂ€hlt E. noch nicht 1 Mill. Nomaden; alle ĂŒbrigen haben feste Wohnsitze. Dabei sind die nicht angesiedelten Völkerschaften Europas an die fernsten, unwirtlichsten Enden des Erdteils verwiesen, auf die eisigen Felder des lappischen Gebirges, die Höhen des Urals, die KĂŒsten des Eismeers und die Steppen am Kaspischen Meer, wenn man diese zu E. rechnen will. Der ganze ĂŒbrige Boden Europas ist, wenn wir die Zigeuner, die sich namentlich in Osteuropa noch umhertreiben, abrechnen, nur von angesiedelten Völkern bewohnt. Der Ackerbau bildet die Grundlage wie der Existenz, so der Kultur fast aller europĂ€ischen Nationen, doch findet man in E. jetzt keine Nation mehr, die sich auf den bloßen Ackerbau beschrĂ€nkte; der Bergbau beschĂ€ftigt in den skandinavischen, schottischen, englischen, deutschen, karpathischen, uralischen Gebirgen, in den Alpen und PyrenĂ€en, auf der Iberischen und Italischen, in geringerm Maß auch auf der Griechischen Halbinsel einen bedeutenden Teil der Bevölkerung. Handel und Gewerbfleiß sind allgemein verbreitet. Im allgemeinen aber ĂŒbertreffen darin die germanischen Nationen, insbes. die Briten und Deutschen, sowie von den Romanen die Franzosen alle andern, wĂ€hrend die slawischen Völker und die ĂŒbrigen Völker des Ostens darin noch am weitesten zurĂŒckstehen. In Ă€hnlicher Weise arbeiten Europas Völker und zwar wieder vorzugsweise die germanischen und ein Teil der romanischen tĂ€tig fĂŒr die Ausbildung der Wissenschaften und KĂŒnste.

Die europĂ€ische Kultur ist aber nicht allein ein Produkt der Physik des Erdteils und der ursprĂŒnglichen Naturanlage seiner Völker, sondern noch vielmehr der allgemeinen Verbreitung des Christentums. Unter den 392 Mill., die E. bewohnen, befinden sich nur etwa 17,1 Mill. Nichtchristen, nĂ€mlich 7,4 Mill. Juden, 9 Mill. Mohammedaner und 0,7 Mill. Heiden. Von diesen sind die Juden fast ĂŒber den ganzen Erdteil zerstreut; die Mohammedaner dagegen sind auf die Balkanhalbinsel und die Uferlande des Kaspischen und Schwarzen Meeres beschrĂ€nkt, dort mit christlichen Bewohnern vermischt, hier ĂŒber weite LandflĂ€chen ausgebreitet. Die heidnischen Bewohner aber sind in viel geringerer Zahl ĂŒber die weiten FlĂ€chen an der untern Petschora und am Kaspischen Meer, ĂŒber die uralischen und lappischen Gebirgshöhen und die eisigen KĂŒsten von Kola zerstreut und gehören dem tatarischen und finnischen Stamm an. Die Christen zerfallen in kirchlicher Hinsicht in drei große Konfessionen: die römisch-katholische, griechisch-katholische und protestantische, erstere im SW., die zweite im O., die dritte in der Mitte des Erdteils herrschend. Im allgemeinen umfaßt die römische Kirche die romanischen, die griechische die slawischen, die protestantische die germanischen Völker; doch gehören zur römischen Kirche auch die Iren und ansehnliche Teile der Schotten, ein großer Teil der Deutschen und der Magyaren, die Polen und ein Teil der Litauer; zur griechischen die neugriechische und christlich-albanesische Bevölkerung der griechischen Halbinsel und des Archipels sowie die walachische der untern Donauebene und eines Teiles von SiebenbĂŒrgen und Ungarn; zur protestantischen, außer geringen romanischen und slawischen StĂ€mmen (in den Alpen, in Ungarn, in der Norddeutschen Ebene), die Mehrzahl der finnischen und ein Teil der lettischen Bevölkerung Europas. Wenn der Osten Europas den AnhĂ€ngern der griechischen Kirche gehört, so haben sich die Protestanten und Katholiken seit der Reformation so in die WesthĂ€lfte geteilt, daß diese die sĂŒdlichen, die verschiedenen Zweige des Protestantismus dagegen die mittlern und nordwestlichen LĂ€nder einnehmen. Ganz ungeteilt gehören der katholischen Kirche nur die PyrenĂ€ische und Italische Halbinsel sowie ihre Nachbarinseln; die protestantische dagegen herrscht in den GestadelĂ€ndern zwischen der Rhein- und WeichselmĂŒndung vor, entschieden auf den skandinavischen und dĂ€nischen Halbinseln und Inseln, ganz ausschließlich vielleicht nur auf Island. Die Ost- und die Nordsee werden auf allen Seiten von Protestanten umwohnt; nur am Eingang des Kanals und an der WeichselmĂŒndung berĂŒhren römisch-katholische, an der NewamĂŒndung Angehörige der griechischen Kirche die SĂŒd- und Ostgestade dieser Meere. Dagegen bleiben die Protestanten den Gestaden des Mittelmeers fast ganz fern. Auf der Ostseite des Bottnischen, Finnischen und Rigaischen Busens verschmelzen sie sich mehr und mehr mit den AnhĂ€ngern der griechischen Kirche. Die römischen Katholiken haben sich auch im N. Europas in mehreren Gegenden in großer Zahl behauptet, so in Irland, im Gebiet der Weichsel und der rechten NebenflĂŒsse der obern und mittlern Oder, am Frischen Haff und an der Passarge. In den mittlern Gegenden des Erdteils herrschen sie im obern Elb-, im obern und mittlern Donaugebiet, mit Ausnahme des MĂŒndungslandes auch an den Ufern des Rheins und im W. dieses Stromes entschieden vor. Das Gebiet der griechischen Kirche ist demnach fast doppelt so groß wie das der beiden andern zusammengenommen, wĂ€hrend das der evangelischen Kirche dem der römischen an Ausdehnung nicht unbedeutend nachsteht. Der Seelenzahl ihrer Bekenner nach ist die römisch-katholische Kirche mit etwa 173 Mill. AnhĂ€ngern die in E. entschieden vorwaltende, wĂ€hrend die Zahlen der auf dem kleinsten Gebiet lebenden Evangelischen mit 90 Mill. und der auf dem grĂ¶ĂŸten wohnenden griechischen Christen mit 102 Mill. voneinander weniger verschieden sind. Dazu kommen 10 Mill. AnhĂ€nger christlicher Sekten.

Staatliche VerhÀltnisse.

(Vgl. die Karte »Europa. Politische Übersicht« bei S. 171.)

Von den Völkerfamilien Europas haben es nur die germanische, romanische und slawische zu dauernden staatlichen Bildungen gebracht. Aber die gegenwĂ€rtigen Kulturstaaten werden nicht von Völkern Eines Stammes bewohnt. Von den slawischen Reichen hat sich nur eine Nation, die russische, im Besitz einer selbstĂ€ndigen staatlichen Existenz erhalten, und Serbien hat die SelbstĂ€ndigkeit erst 1878 erworben. Alle ĂŒbrigen Slawen sind in irgend ein fremdes Staatswesen, namentlich in das verwandte russische oder auch in das benachbarte österreichische und deutsche, besonders das preußische, und selbst in das magyarische und tĂŒrkische einverleibt; nur Bulgarien steht als gesondertes FĂŒrstentum unter tĂŒrkischer Oberhoheit. Anderseits hat der genannte slawische Großstaat viele der zahlreichen, wenngleich in sich schwachen Völkerschaften finnischen und tatarischen Stammes, ebenso die lettischen StĂ€mme und deutsche und schwedische Elemente in sich aufgenommen, obschon bisher noch nicht völlig assimiliert. Viel krĂ€ftiger zeigt sich das Streben nach politischer Gestaltung in den Völkern der lateinischen Familie. Romanische Staaten sind: Italien, das bis vor vier Jahrzehnten in mehrere unabhĂ€ngige Staaten geteilt war; die beiden Staaten der Spanischen Halbinsel: Portugal und Spanien, von denen letzteres einen Teil des Baskenlandes besitzt und im S. maurische Elemente in seine Bevölkerung aufgenommen hat; die Republik der Franzosen, der mĂ€chtigste unter den romanischen Staaten, hat im NO. niederdeutsche, im NW. Reste altkeltischer, im SW. baskische Bevölkerungen mit sich vereinigt; Belgien, obgleich mit vorherrschend niederdeutscher Bevölkerung, muß doch bei dem ĂŒberwiegenden politischen Einfluß des romanisierten Teiles derselben als romanischer Staat angesehen werden; auch die Kantone der westlichen und sĂŒdlichsten Schweiz sind ganz oder teilweise romanisch. Seitdem sich RumĂ€nien der tĂŒrkischen Oberhoheit entzogen hat, steht nur der kleinste Teil romanischer StĂ€mme unter fremder Herrschaft, außer den Italienern im österreichischen KĂŒstenland und in SĂŒdtirol die Ladiner SĂŒdtirols, die Walachen Ungarns und SiebenbĂŒrgens. Mehr als die HĂ€lfte der griechischen Nation ist im Königreich Griechenland vereinigt.

Die mannigfaltigsten politischen Gestaltungen zeigen aber die germanischen Völker. Die Deutschen allein bilden gegenwĂ€rtig etwa 50 verschiedene, wenngleich in zwei grĂ¶ĂŸere Einheiten (Deutsches Reich und die Schweiz) vereinigte souverĂ€ne Staaten, die Skandinavier 3; ungeteilt ist nur das Reich der Briten. Die germanischen Staaten haben sich durch bedeutende Einverleibungen aus dem Kreis der benachbarten Nationen zu verstĂ€rken gewußt; am wenigsten noch die skandinavischen Staaten, indem Schweden und Norwegen nur finnische Kolonien und einen Teil der schwachen lappischen Völkerschaft in sich schließen. Bedeutender sind schon die europĂ€ischen Einverleibungen der EnglĂ€nder, indem ihr Reich die drei insularen keltischen Völkerschaften: GĂ€len (Hochschotten), Welsche (Walliser) und Iren (IrlĂ€nder) in sich aufgenommen hat; am bedeutendsten aber sind in dieser Beziehung die Staaten Zentraleuropas, insbes. Preußen und Österreich. Preußen hat nicht nur, zusammen mit dem Königreich Sachsen, die schwachen wendischen Volksreste, sondern auch, wie Österreich, einen betrĂ€chtlichen Teil der polnischen StĂ€mme und in den Litauern die letzten Überbleibsel der Urbevölkerung Preußens sich einverleibt. Am grĂ¶ĂŸten ist die Zahl der NationalitĂ€ten, die Österreich-Ungarn umfaßt. Selbst die Bevölkerung der österreichischen Erblande ist nicht durchaus deutsch, sondern in dem Gebiet der alten Grenzmarken gegen SO. und O. haben sich neben dem deutschen Stamm noch romanische und slawische Elemente erhalten; die Bevölkerung der alten Reichslande Böhmen und MĂ€hren ist nur an deren Gebirgsumwallungen germanisch, im ĂŒbrigen vorherrschend tschechisch; Galizien ist ganz slawisch und zwar z. T. von Polen, z. T. von Ruthenen russischen Stammes bewohnt, wĂ€hrend Ungarn mit seinen NebenlĂ€ndern in buntem Durcheinander magyarische, nord- und sĂŒdslawische, romanische, in den Jazygen und Kumanen selbst Reste tĂŒrkischer Bevölkerung mit einzelnen deutschen Sprachinseln umfaßt. Nur die Magyaren bilden darunter eine kompaktere Masse, welche die Ebenen des Landes innehat und vom regsten NationalitĂ€tsgefĂŒhl beseelt ist. Als Folge der politischen Zersplitterung der germanischen, insbes. der deutschen Staaten sind auf der andern Seite die Verluste anzusehen, die Deutschland an die romanischen Staaten im W., an Frankreich (Franche-ComtĂ© und das französische Lothringen) und Belgien, erlitten hat. Dennoch stellt sich im ganzen fĂŒr die germanischen Völker das Maß der SelbstĂ€ndigkeit immer noch am gĂŒnstigsten heraus.

Man zĂ€hlt im ganzen 77 Staaten (45 Monarchien, 31 Republiken und der Schutzstaat Kreta), von denen 51 in 2 Bundesstaaten vereinigt sind (das Deutsche Reich mit 4 Königreichen, 6 GroßherzogtĂŒmern, 5 HerzogtĂŒmern, 7 FĂŒrstentĂŒmern, 3 Republiken und einem »Reichsland«, und die schweizerische Eidgenossenschaft), 2 durch Personal- und Realunion zusammenhĂ€ngen (das Kaisertum Österreich und das Königreich Ungarn), 4 im VerhĂ€ltnis der Personalunion zueinander stehen (die Königreiche Schweden und Norwegen, das Kaisertum Rußland und das GroßfĂŒrstentum Finnland) und 3 unter fremder Oberhoheit sich befinden (die Republik Andorra unter der Frankreichs und das FĂŒrstentum Bulgarien sowie Kreta unter der der TĂŒrkei). Ferner sind Monarchien, von Deutschland abgesehen: die Königreiche Großbritannien und Irland, DĂ€nemark, die Niederlande, Belgien, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, RumĂ€nien und Serbien; das Großherzogtum Luxemburg; die FĂŒrstentĂŒmer Monaco und Montenegro; Republiken außer den 25 (22) Kantonen der Schweiz und den deutschen FreistĂ€dten: Frankreich, Andorra und San Marino. Kreta nimmt als SchĂŒtzling der GroßmĂ€chte eine Sonderstellung ein. Unter den Staaten Europas treten seit 1815 fĂŒnf als GroßmĂ€chte hervor: Großbritannien, Frankreich, Rußland, Österreich-Ungarn und Preußen (europĂ€ische Pentarchie), welche die oberste Leitung der politischen Angelegenheiten des Erdteils beanspruchen. Zu ihnen hat sich in den letzten Jahrzehnten als sechste Macht Italien gesellt. Von diesen sechs GroßmĂ€chten gehören drei dem germanischen Völkerstamm an, wĂ€hrend der lateinisch-griechische durch zwei und der slawische nur durch eine Großmacht vertreten ist. Vgl. die Tabelle auf S. 181.

Mehrere Staaten Europas haben auch in fremden Erdteilen große Erwerbungen durch Kolonisation gemacht. Am stĂ€rksten ist der Impuls dazu bei denjenigen Völkern gewesen, die durch die Lage und Natur ihrer HeimatlĂ€nder die grĂ¶ĂŸte Anregung erhalten: bei den Portugiesen und Spaniern einer-, den EnglĂ€ndern und NiederlĂ€ndern anderseits. Das Kolonisationsgebiet der EnglĂ€nder erstreckt sich ĂŒber alle Erdteile und ĂŒbertrifft das Mutterland an Bevölkerung um mehr als das Achtfache, an LĂ€nderraum um mehr als das Neunzigfache und ganz E. fast um das Dreifache. Die NiederlĂ€nder sind in neuerer Zeit von den Briten weit ĂŒberflĂŒgelt worden, und diese haben sich sogar an vielen Punkten an ihre Stelle gesetzt. Erst seit 1884 hat auch das Deutsche Reich den Anfang einer Kolonialpolitik gemacht, indem es ausgedehnte LĂ€ndergebiete in Afrika und der SĂŒdsee unter seinen Schutz gestellt hat. Die alten romanischen KolonialmĂ€chte Spanien und Portugal sind lĂ€ngst von Frankreich ĂŒberflĂŒgelt, und neuerdings haben auch Italien und Belgien außereuropĂ€ische Besitzungen erworben; trotzdem betragen die Kolonisationsgebiete der romanischen Völker an Ausdehnung und Bevölkerung kaum den siebenten Teil der germanischen. Die slawischen Kolonisationen erreichen an Ausdehnung kaum die HĂ€lfte der germanischen, in Hinsicht der Bevölkerung machen sie aber noch nicht den 20. Teil derselben aus; dabei sind sie mit dem Mutterland in so unmittelbarer rĂ€umlicher Verbindung, daß sie nur zum geringern Teil den Charakter des Kolonisationsbesitzes an sich tragen. Mit Einschluß der TĂŒrkei, deren Kern allerdings eher in Asien zu suchen ist, gehorchen außerhalb Europas 524 Mill. Menschen auf 63 Mill. qkm europĂ€ischen Gesetzen, so daß das europĂ€ische Staatensystem ca. 73 Mill. qkm mit 916 Mill. Menschen, also fast die HĂ€lfte alles Landes der Erde und ĂŒber drei FĂŒnftel aller Erdbewohner, umfaßt.

Geschichte.

Daß E. schon in außerordentlich frĂŒhen Zeiten bevölkert gewesen ist, steht außer allem Zweifel (die umfangreiche Literatur hierĂŒber s. beim Artikel »PrĂ€historie«); nur ĂŒber die schwierigen Fragen, welchen Völkerfamilien jene vorgeschichtlichen EuropĂ€er zuzuweisen und in welche Jahrhunderte ihre Wanderungen zu verlegen seien, hat die historische Anthropologie das letzte Wort noch nicht gesprochen. Jedenfalls beginnt die Geschichte Europas auf der Balkanhalbinsel und den Inseln des ÄgĂ€ischen Meeres; die TrĂ€ger dieser geschichtlichen AnfĂ€nge heißen Hellenen oder Griechen. Im 3. Jahrtausend v. Chr. und spĂ€ter sind sie schub- oder hordenweise vom Norden (Dodona in Epirus) her in Thessalien (Pelasger) und von hier aus in Mittel- und in SĂŒdgriechenland (Peloponnes) eingewandert, wobei sie zunĂ€chst die Ă€ltere, ihre FĂ€den bis nach Bosnien (Butmir) erstreckende Bevölkerung des nordöstlichen Teils der Balkanhalbinsel, die Phrygothraker, teilweise aus ihren Sitzen nach der Troas verdrĂ€ngten und sich weiterhin mit dem nichtindogermanischen Stamme der Kleinasiaten vermischten, den sie allmĂ€hlich aussaugten. Dieser Stamm hatte noch vor der Besetzung Griechenlands durch die Hellenen von Kleinasien aus zahlreiche Inseln des ÄgĂ€ischen Meeres (Kos, Kreta, Paros, Patmos, Delos, Euböa) und sĂŒdliche StĂŒcke der Balkanhalbinsel (Böotien, Attika, Isthmos, Argolis) bevölkert und in lebhaftem Verkehr und Kulturaustausch mit Ägypten gestanden. In ihrer heroischen Zeit (um 1500 v. Chr.) bereits zur mykenischen KulturblĂŒte gelangt, haben sich die Griechen im Laufe der Jahrhunderte durch kriegerische EroberungszĂŒge (Trojanischer Krieg) und auf friedliche Weise vermöge ihrer steigenden kulturellen Überlegenheit von dem einst durch die Kleinasiaten vermittelten orientalischen Einflusse nach und nach befreit, vom Festland aus die Inseln und die kleinasiatischen KĂŒsten besiedelt und weit darĂŒber hinaus in einer großartigen kolonisatorischen Arbeit, welche die phönikische Kolonisation ablöste und ĂŒberholte, das MittellĂ€ndische Meer schließlich beinahe zu einem griechischen Binnenmeere gemacht (um 650 v. Chr.). Dieser Ă€ußern Ausdehnung folgte unmittelbar eine nicht minder gewaltige innere Erhebung, die recht eigentlich den Anspruch der Hellenen auf den ersten Platz in der Ă€ltern Geschichte Europas als vollberechtigt erweist. Im Kampfe mit der Übermacht der Perser gestĂ€hlt, erreichte die griechische Zivilisation unter Perikles (um 440) ihre Höhe. Sie war von kurzer Dauer: der von den Hellenen als halbbarbarisch mißachtete, aber in Sprache, Dynastie und Adel griechische Stamm der Makedonen zertrĂŒmmerte unter Philippos 338 v. Chr. die SelbstĂ€ndigkeit der altgriechischen Kleinstaaten, und in raschem Siegeszuge trug Alexander d. Gr. gemeinhellenische Kultur hinĂŒber in den Orient.

Inzwischen aber hatte auf der mittelsten der sĂŒdeuropĂ€ischen Halbinseln, das Erbe frĂŒher eingewanderter Völker (der Iberer, der Ligurer, der illyrischen Japyger, Messapier und Veneter und der nichtindogermanischen Etrusker) mit frischem Mut und fester Hand antretend oder wegnehmend, der zu den indogermanischen Italikern gehörige kraftvolle Stamm der Latiner, der in Alba longa, dann in Rom seinen Mittelpunkt erblickte, seine Macht in nahezu unaufhaltsamem Zug immer weiter ausgedehnt und schließlich sogar die kriegerischen Gallier bezwungen. Nach der Niederwerfung der sabellischen Samniten und der erfolgreichen Abwehr des Einfalls des Königs Pyrrhos von Epirus war das zispadanische Italien bis zur SĂŒdspitze in römischen HĂ€nden (266 v. Chr.). Nun ging es an einen Kampf auf Leben und Tod mit der damals das westliche Mittelmeer beherrschenden phönikischen Kolonie Karthago: 146 v. Chr. war er zugunsten Roms erledigt. Damit war auch die dritte der sĂŒdlichen Halbinseln des Erdteils (die Iberische) aus ihrer bisherigen durch die Randlage verursachten Vereinzelung befreit und in den großen Zug der Geschichte eingegliedert. Und schon hatte Rom auch nach andern Seiten hin glĂŒckliche Ausgriffe versucht: die diesseit der Alpen sitzenden Gallier waren unterworfen, die römische Seeherrschaft auf dem Adriatischen Meere begrĂŒndet und mit der Besiegung Philipps V. von Makedonien die ersten Schritte auch auf der Bahn gen Osten getan worden. Denn die Schöpfung Alexanders d. Gr. hatte sich unmittelbar nach seinem Tode (323 v. Chr.) in ihre einzelnen Bestandteile aufgelöst; deren Schicksale interessieren uns hier nur insoweit, als das Wachstum des römischen Großstaates in Frage kommt. Eins der Diadochenreiche nach dem andern begab sich in dem Zeitraum zwischen 190 und 30 v. Chr., bezwungen oder freiwillig, unter die Herrschaft der Römer; und diese selbst ließen sich seitdem die durch Marius und Sulla, Pompejus und CĂ€sar vorbereitete, das republikanische Senatsregiment ablösende Einherrschaft der CĂ€saren gefallen. Immer und immer weiter griff die alle Gegner niederzwingende, die Reichsgrenzen herrisch hinausschiebende Kriegerhand Roms: um 150 n. Chr. gehorchte (mit Ausnahme von Irland, Schottland, Deutschland, Skandinavien und Rußland, also nur dem Ă€ußersten Norden und Osten) ganz E. dem römischen Kaiser. Die Römer waren es demnach, die von großen Strecken unsers Erdteils (wenn wir von gelegentlichen Erkundungen einzelner Seefahrer, vor allem des Pytheas, und den ErwĂ€hnungen Ă€lterer griechischer Geographen absehen) die ersten greifbaren und dauerhaften Kenntnisse gewonnen, vermittelt und ĂŒberliefert haben.

Doch selbst das römische Weltreich sollte seinen Meister finden, und die Vorherrschaft SĂŒdeuropas, wie sie sich in der griechischen und dann namentlich in der römischen Geschichte verdeutlicht, wurde bald abgelöst durch eine mitteleuropĂ€ische. Das Verdienst, diese Wandlung vollzogen zu haben, gebĂŒhrt den Germanen. Freilich die germanischen StĂ€mme, die im Strudel der großen Völkerwanderung (s.d.), einander durchkreuzend und verdrĂ€ngend, rasch hintereinander vor unsern Augen auftauchen: so die Westgoten in Illyrien und Italien, SĂŒdfrankreich und Spanien (378–711), die Vandalen in Spanien und Nordafrika (406–534), die Ostgoten (493–555) und die Langobarden (568–774) in Italien, sie verschwinden alle wieder, nachdem sie zu der Bereitung des Romanentums ihr Teil beigetragen hatten. Von lĂ€ngerer Dauer waren schon die StaatengrĂŒndungen der Angeln und Sachsen in Britannien (449–1066). Zum eigentlichen mitteleuropĂ€ischen Hauptvolk aber entfalteten sich die Franken, die unter den Merowingern 486 den letzten Rest der WesthĂ€lfte des im Kerne schon 476 durch Odoaker besiegten Römerreichs beseitigten, 531 die ThĂŒringer, 532 die Burgunder unterwarfen und unter dem Pippiniden Karl d. Gr. auch in Norddeutschland (772–804 Sachsenkriege), in Spanien (778, 795, 801), in Bayern (788) und im SĂŒdosten (791–799 Avarenkrieg) festen Fuß faßten. Doch auch sie waren schon nicht mehr bloß auf sich gestellt; ganz abgesehen von dem immerhin betrĂ€chtlichen Kulturerbe, das ihnen das absterbende Römertum vermacht hatte, erhielt es eine innere Vermehrung und Vertiefung durch das Christentum, das seinerseits gerade den Franken die Steigerung seiner Ă€ußern Machtstellung verdankt. Denn mag sich auch der Begriff einer »katholischen« Kirche bereits in der ersten HĂ€lfte des 3. Jahrh. n. Chr. gegen die römischen PrĂ€torianerkaiser entwickelt, mag sie sich auch unter und nach Konstantin d. Gr. vollends zur »Reichskirche« entfaltet haben – zur Herrschaft ĂŒber E. ist sie nicht durch das je lĂ€nger, desto mehr nach dem Orient gravitierende Byzanz gelangt, wo sie vielmehr verknöcherte, sondern erst durch die mit Karl d. Gr. anhebende und durch Otto d. Gr. fortgesetzte Wiedererneuerung der weströmischen KaiserwĂŒrde, durch das Erstreben der Kaiserkrönung in Rom. Dieser Idee ordnet sich viele Jahrhunderte hindurch alles andre unter; und wie gefĂ€hrlich sie auch besonders der darob vernachlĂ€ssigten innern Entwickelung Deutschlands, des Herzens von E., geworden ist, so hat sie doch von 800 an eine ungemein fesselnde GroßzĂŒgigkeit in die europĂ€ische Geschichte gebracht (vgl. Schwemer, Papsttum und Kaisertum, universal-historische Skizzen; Stuttg. 1899). Jedenfalls geben das mit elementarer Wucht erfolgende Auftreten frischer Völker, deren Jugendkraft der römischen Weltmacht und der antiken Kultur die Auflösung brachte, und ihre nicht nur verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig schnell, sondern auch innig vor sich gehende Verbindung mit dem inzwischen erstarkten Christentum der mit 375 einsetzenden Zeit jenes besondere GeprĂ€ge, das einem neuen Zeitalter eigentĂŒmlich zu sein pflegt; man hat sich seit Horn und Cellarius (1685) daran gewöhnt, es Mittelalter zu nennen und diesem auf rein mechanischem Wege gefundenen Begriff einen vertieften Inhalt zuzuerkennen.

Bedeutet der Vorgang, der dieses Mittelalter vom klassischen Altertum scheidet, eine nahezu völlige Umbildung, so lĂ€ĂŸt sich eine solche Bezeichnung fĂŒr die Erscheinungen, die den Beginn einer Neuen Zeit verkĂŒnden, schwerlich rechtfertigen: kein Ereignis von umwĂ€lzender Art, sondern eine ganze Reihe von Bewegungen und Vorkommnissen steht an der Schwelle des dritten großen Zeitalters der europĂ€ischen Geschichte: die Renaissance und der Humanismus, die Erfindung der Buchdruckerkunst, die Entdeckung Amerikas und die Reformation der Kirche durch Martin Luther lĂ€uten das mĂŒde und schwach gewordene Mittelalter aus. Wir haben es im großen ganzen also mit ebendenselben Völkern zu tun, die in dem letztern bereits Großes geleistet hatten; nur der Geist, der sie erfĂŒllt, ist anders geworden, und dies ist das Trennende. Was sich in frĂŒhern Jahrhunderten angebahnt hatte, erreicht nunmehr seine Vollendung. Das im 14. und 15. Jahrh. verweltlichte Christentum besinnt sich wieder auf seine verschĂŒtteten Wurzeln. Die trĂŒbe gewordenen Überlieferungen der Antike erfahren eine fröhliche Auferstehung, die sich im Klassizismus Goethes und im Neuhumanismus des 19. Jahrh. wiederholen sollte und zur »Entdeckung des Menschen« verholfen hat; die Wissenschaften blĂŒhen auf und erleben schließlich, im Jahrhundert der Technik, eine ungeahnte Steigerung. Und der natĂŒrliche Gesichtskreis, der seit langem keine nennenswerten Gewinne zu verzeichnen gehabt hatte, erweitert sich mit einem Male: die heimische KĂŒste wird verlassen und das Weltmeer aufgesucht; der atlantische Horizont ist gegeben. Gleichzeitig setzen sich (aus der Stellung heraus, welche die um 1200 schon im Keime vorhandenen Nationen nach innern und Ă€ußern KĂ€mpfen nun gegenseitig einnehmen) jene MachtverhĂ€ltnisse allmĂ€hlich fort, die den germanischen und romanischen Staaten Westeuropas ein fĂŒhlbares politisches wie kulturelles Übergewicht ĂŒber die osteuropĂ€ischen Völker verleihen, die jenseit einer von der Adria etwa durch das Kurische Haff und den Bottnischen Meerbusen gezogenen Linie, teilweise auch heute noch, ein halbasiatisches Dasein vertrĂ€umen. Die Verschmelzung klassischer Bildung und christlicher ReligiositĂ€t mit nationaler Gesinnung formte den fĂŒhrenden EuropĂ€er der Neuen Zeit.

Innerhalb dieses GesamtgemĂ€ldes treten im Laufe der Jahrhunderte, die seit Renaissance, Humanismus und Reformation verflossen sind, gewisse ZĂŒge schĂ€rfer hervor, um nach einiger Zeit zu verblassen und andern Konturen Platz zu machen. Gelang es seit dem Ausgange des 15. Jahrh. den romanischen Spaniern und Portugiesen, die europĂ€ische Geschichte durch ihre großartige Ausdehnung nach Westen und Osten in die Breite zu dehnen und damit fĂŒr einige Jahrzehnte die FĂŒhrung auch in E. an sich zu reißen, so rĂ€chte sich doch bald die damit verknĂŒpfte VernachlĂ€ssigung eines Wachsens in die Tiefe. Die Basis der portugiesischen Machtentfaltung, der hierin die um 100 Jahre spĂ€tere der NiederlĂ€nder gleicht, war zu schmal, als daß sie auf das ĂŒbrige Festland lĂ€nger hĂ€tte nachhaltig wirken können; und die Starrköpfigkeit, womit Spanien seit Philipp II. (gest. 1598) jeden freiern Luftzug fernzuhalten bestrebt war, ließ es bald von seiner Höhe herabsinken. An seine Stelle trat im 17. Jahrh. unter den durch Richelieu und Mazarin (gest. 1661) vortrefflich beratenen Ludwig XIII. und Ludwig XIV. die absolute Monarchie des französischen Königtums, das in Sitte und Sprache einen merkwĂŒrdig weitgehenden Einfluß auf die Nachbarnationen ausĂŒbte.

Ihm gegenĂŒber konnte sich das Germanentum, das von dem isolierten England trotz der BlĂŒte des elisabethanischen Zeitalters (1600) keine dauernde Förderung erhielt, nach dem meteorgleichen Falle Schwedens lange nicht zu weltbewegenden Taten aufraffen. Das in den HĂ€nden der Habsburger ruhende römische Kaisertum deutscher Nation war zwei volle Jahrhunderte hindurch nach der einen Seite hin, die schon die Richtung des Donaustroms anzeigt, stark beansprucht und konnte infolgedessen den fĂŒhrenden westeuropĂ€ischen Nationen gegenĂŒber nichts Wesentliches erreichen, zumal da der mittelalterliche Kampf mit der Kurie der Einheit tiefe Wunden geschlagen und im Innern des Reiches zentrifugale KrĂ€fte zu mehr oder weniger erfolgreichem Sonderleben hervorgelockt hatte. Aus bescheidenen AnfĂ€ngen hob sich das von der tĂŒchtigen Zollerndynastie gut verwaltete KurfĂŒrstentum Brandenburg empor. Und wĂ€hrend das ursprĂŒnglich bedeutendere Sachsen eine Politik der verpaßten Gelegenheit ĂŒbte, errang es sich, inzwischen Königreich Preußen geworden, unter Friedrich d. Gr. im SiebenjĂ€hrigen Kriege gegen eine Welt von Feinden die Anerkennung, fortan als gleichberechtigte Großmacht aufzutreten: das war der Rang, den sich damals die fĂŒhrenden europĂ€ischen Staaten (Frankreich, Großbritannien, Österreich und, seit Peter d. Gr. und Elisabeth, auch Rußland) beizulegen pflegten (vgl. oben, S. 184). Im großen ganzen ist es bei der FĂŒnfzahl, die das Konzert der MĂ€chte reprĂ€sentierte, geblieben. Denn die gewaltige Störung, welche die französische Revolution heraufbeschwor, und die völlige UmwĂ€lzung aller politischen VerhĂ€ltnisse, von der die blendende Einzelperiode Napoleon Bonapartes begleitet war, machten so auffallend rasch der vorherigen Gestaltung der Dinge wieder Platz, daß man lange Zeit versucht war, von einem europĂ€ischen Gleichgewicht als einer natĂŒrlichen, gesetzmĂ€ĂŸigen Erscheinung zu sprechen. Und doch ist eine große Verschiebung der KrĂ€fte unverkennbar. Dem gewaltigen Genius Bismarcks verdankt das im Deutschen Bunde zur Ohnmacht verurteilte, zersplitterte Deutschland die unter einer protestantischen Spitze herbeigefĂŒhrte Einigung. Daneben aber hat sich der frĂŒhere FĂŒhrer in der allerdings problematischen Form der Österreichisch-Ungarischen Monarchie erhalten und bildet, zusammen mit jenem und (seit 1883) mit dem seit 1870 geeinigten, aber seit der abessinischen Niederlage (1896) zu einer Macht zweiten Ranges wieder herabgesunkenen Italien, den mitteleuropĂ€ischen Dreibund, der flankiert wird durch den 1897 geschlossenen Zweibund Frankreich-Rußland. Haben wir demnach auch hier wieder jene FĂŒnfzahl europĂ€ischer KontinentalmĂ€chte vor uns, so lĂ€ĂŸt sich doch nicht leugnen, daß sich der Charakter der Geschichte von C. verĂ€ndert hat. Erstens hat sich aus der neuzeitlichen SchwĂ€chung der aus AufklĂ€rung und Revolution gezeugten konstitutionellen Monarchie der die Mitregierung des Volkes verkörpernde Parlamentarismus entfaltet. Zweitens kann man angesichts der ĂŒbermĂ€chtigen Stellung, die sich das Russische Reich, gestĂŒtzt auf seine Schritt fĂŒr Schritt errungenen Erfolge in Nord- und Mittelasien, zu erwerben und zu behaupten verstanden hat, nicht mehr von einer westeuropĂ€ischen FĂ€rbung reden; der Anspruch der slawischen Völker auf Einlaß in die europĂ€ische Völkerfamilie lĂ€ĂŸt sich nicht mehr abweisen. Demnach stehen wir bereits in den AnfĂ€ngen einer gemeineuropĂ€ischen Geschichte. Und innerhalb derselben ist im Hinblick auf die rĂŒckwirkenden EinflĂŒsse der seit 1500 von E. aus in immer stĂ€rkerm Maß, mit immer grĂ¶ĂŸern Mitteln und nachhaltigerm Wirken betriebenen außereuropĂ€ischen Kolonisation, vor allem im Hinblick auf das bedrohliche Wachstum der Vereinigten Staaten und ihrem mit 1898 einsetzenden Imperialismus, insofern eine Sonderung vorzunehmen, als Großbritannien, die Kolonialmacht kat' exochēn, und Rußland (neben der nordamerikanischen Union) nicht mehr als bloße GroßmĂ€chte, sondern als GrĂ¶ĂŸtmĂ€chte zu bezeichnen sind, denen das junge Deutsche Reich, das seit der Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II. gleichfalls Bahnen der Weltpolitik beschritten hat, nachzueifern nach KrĂ€ften bestrebt ist.

Literatur.

Vgl. außer den geographischen HandbĂŒchern von Stein-Hörschelmann, Klöden, Daniel, Roon etc. und den Ă€ltern Werken von V. Hoffmann, den Statistikern Schubert, v. Reden (s.d.): K. Ritter, E., Vorlesungen (hrsg. von Daniel, Berl. 1863); Reclus, Nouvelle gĂ©ographie universelle, Bd. 1 bis 5. Europe (Par. 1875–80); »LĂ€nderkunde von E.« (hrsg. von Kirchhoff, Prag u. Leipz. 1886–93, 4 Tle.); A. Philippson und L. Neumann, E., eine allgemeine Landeskunde (in Sievers »LĂ€nderkunde«, Leipz. 1894); Chisholm, Geography of Europe (Lond. 1899–1902, 2 Bde.); Juraschek, Die Staaten Europas, statistische Darstellung (5. Aufl. von Brachellis Werk, BrĂŒnn 1903f.); Strelbitsky, Superficie de l'Europe (Petersb. 1882); Leipoldt, Über die mittlere Höhe Europas (Plauen 1874); Geikie, Prehistoric Europe, a geological sketch (Lond. 1880); Hoffmann, Resultate der wichtigsten pflanzen-phĂ€nologischen Beobachtungen in E. (Gießen 1885); Behm und Wagner, Die Bevölkerung der Erde (Gotha 1873–99); Kohl, Die Völker Europas (2. Aufl., Hamb. 1872); Derselbe, Die geographische Lage der HauptstĂ€dte Europas (Leipz. 1874); Ripley, The races of Europe (New York 1899, 2 Bde.); FouillĂ©e, Esquisse psychologique des peuples europĂ©ens (Par. 1902); Dubois, GĂ©ographie Ă©conomique de l'Europe (das. 1889).

Zur Geschichte, abgesehen von den betreffenden Teilen der verschiedenen »Weltgeschichten« und Sammelwerken (Heeren-Ukert-Lamprecht, Hirzel, Oncken u. a.): Ritter, Die Vorhalle der europĂ€ischen Völkergeschichten vor Herodotus um den Kaukasus etc. (Berl. 1820); Joh. v. MĂŒller, 24 BĂŒcher allgemeiner Geschichten, besonders der europĂ€ischen Menschheit (TĂŒbingen 1810, 3 Bde.; neue Ausg., Stuttg. 1852, 4 Bde.); Hallam, View of the state of Europe during the middle ages (Lond. 1818; deutsch, Leipz. 1820; neue Ausg., Lond. 1884), mit »Supplemental notes« (1848); Kiesselbach, Der Gang des Welthandels und die Entwickelung des europĂ€ischen Völkerlebens im Mittelalter (Stuttg. 1860); Arndt, Germanien und E. (Altona 1803); Wachsmuth, EuropĂ€ische Sittengeschichte (das. 1831–39, 5 Bde.); Lecky, Sittengeschichte Europas von Augustus bis auf Karl d. Gr. (deutsch, Leipz. 1879, 2 Bde.); Mendelssohn, Das germanische E. (Berl. 1836); Klemm, Kulturgeschichte des christlichen E. (Leipz. 1851, 2 Bde.); Mahrenholtz u. WĂŒnsche, GrundzĂŒge der staatlichen und geistigen Entwickelung der europĂ€ischen Völker (Oppeln 1888); Chamberlain, Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts (5. Aufl., MĂŒnch. 1904); Breysig, Kulturgeschichte der Neuzeit, Bd. 2 (Berl. 1901); Dyer, History of modern Europe, from the fall of Constantinople (3. Aufl. von Hassall, Lond. 1901–1902, 6 Bde.); fĂŒr das 18. Jahrhundert die betreffenden Werke von Schlosser, F. Förster, v. Noorden; fĂŒr das 19. Jahrh. die Werke von Alison, Gervinus, Alfred Stern (s. diese Artikel); W. MĂŒller, EuropĂ€ische Geschichte und Politik 1871–1881 (Berl. 1882); Debidour, Histoire diplomatique de l'Europe, 1814 bis 1878 (Par. 1890, 2 Bde.); Block, L'Europe politique et sociale (2. Aufl., das. 1893); Himly, Histoire de la formation territoriale des États de l'Europe centrale (2. Aufl., das. 1894, 2 Bde.); Seignobos, Histoire politique de l'Europe contemporaine (das. 1897); Sidgwick, The development of European polity (Lond. 1903); Kruse, Atlas und Tabellen zur Geschichte aller europĂ€ischen LĂ€nder und Staaten (5. Ausg., Halle 1834); Meitzen, Wanderungen, Anbau und Agrarrecht der Völker Europas nördlich der Alpen (Berl. 1895, Bd. 1–3); v. Erckert, Wanderungen und Siedelungen der germanischen StĂ€mme in Mitteleuropa bis auf Karl d. Gr. (das. 1901, 12 Karten mit Text); Freeman, Historical geography of Europe (3. Aufl., Lond. 1903).

Die wertvollsten Karten von E., teils einzeln, teils in Atlanten, sind von Berghaus, Kiepert, Petermann etc.; Habenicht (Wandkarte von Europa, 1:3,000,000, Gotha, Perthes); »Topographische Spezialkarte von Mitteleuropa« (Reymannsche Karte), 1:200,000 (796 BlĂ€tter, davon ca. 550 vollendet); Liebenow-Ravenstein (Mitteleuropa, in 164 BlĂ€ttern, in 2 Ausgaben: a) topographische, b) Radfahrerkarte, Frankf. a. M., wird kurrent gehalten); Jiljin (Karte von Westeuropa, 1:1,500,000); Übersichtskarte von Mitteleuropa, 1:750,000 (45 BlĂ€tter, 1882–86, wird kurrent gehalten), Generalkarte von Zentraleuropa, 1:200,000 (260 BlĂ€tter, seit 1891 im Erscheinen begriffen, es fehlen nur noch wenige BlĂ€tter), letztere zwei Werke aus dem MilitĂ€rgeographischen Institut in Wien; Papen (»Höhenschichtenkarte von Zentraleuropa«, 7 BlĂ€tter, Frankf. 1857–59); Steinhauser (»Hypsometrische Karte von Mittel- und SĂŒdeuropa«, Wien 1857); »Carte gĂ©ologique internationale de l'Europe« von Beyrich u. Hauchecorne, 1:1,500,000 (erschienen sind 25 BlĂ€tter, es fehlt nur noch Ostrußland, Berl.); Paquier (»Atlas de gĂ©ographie physique et militaire de l'Europe«, Par. 1888); Bazin (»Atlas de l'Europe Ă©conomique«, das. 1887); »Verkehrskarte von Europa«, 1:5,000,000 (Perthes, Gotha 1900); weiteres s. bei Artikel »Eisenbahn«, S. 505. Von historischen Kartenwerken sind hervorzuheben: Spruner-Menkes »Historischer Handatlas fĂŒr die Geschichte des Mittelalters und der neuern Zeit« (Gotha), Wolfs »Historischer Atlas« (Berl. 1877) und G. Droysens »Historischer Handatlas« (Leipz. 1885).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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