FĂ€rberei

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FĂ€rberei

FĂ€rberei, die Kunst, verschiedenen Stoffen eine beliebige FĂ€rbung zu geben, die entweder nur an der OberflĂ€che haftet oder die ganze Substanz durchdringt. Im ersten Fall kann man mit einem Bindemittel (Leimlösung, trocknende Öle, Firnisse, Wasserglas) gemischte Farbe in gleichmĂ€ĂŸiger, dĂŒnner Schicht auftragen (Anstreichen), wobei die Farbe nach dem Trocknen hinreichend fest haftet, oder man trĂ€gt die Farbe, die aus gepulvertem, leicht schmelzbarem Glas besteht, mit einem vorlĂ€ufigen Bindemittel auf und befestigt sie durch starkes Erhitzen, wobei das Glas zum Schmelzen kommt. Bisweilen wird auch farbloses Glas in geschmolzenes, intensiv gefĂ€rbtes getaucht und weiter verarbeitet. Das farbige Glas bildet dann eine dĂŒnne oberflĂ€chliche Schicht auf dem ungefĂ€rbten (Überfangglas). Metalle werden angestrichen, oder man erzeugt auf ihnen einen farbigen Überzug durch Einwirkung verschiedener Agenzien (Metallochromie). Auf Stahl entstehen z. B. beim Erhitzen durch Bildung von Eisenoxyduloxyd die Anlauffarben, bei andrer Behandlung entsteht eine braune Schicht von Eisenoxyduloxyd oder Eisenoxyd (Brunieren), auf Kupfer erzeugt man eine fĂ€rbende Schicht von Kupferoxydul (braune Bronze), auf Silber eine solche von Schwefelsilber (»oxydiertes« Silber) und auf Kupfer und Bronze die grĂŒne Patina. Durch verschiedene Bronzierverfahren und namentlich auch durch Anwendung des Galvanismus erzeugt man mannigfache Effekte. Hier schließt sich das Vergolden, Versilbern, Verzinnen an, sofern dadurch ebenfalls die Farbe metallener und nichtmetallener GegenstĂ€nde geĂ€ndert wird. Legierungen lassen sich fĂ€rben, indem man durch Behandeln mit Chemikalien der oberflĂ€chlichen Schicht den einen Bestandteil mehr oder weniger vollstĂ€ndig entzieht. So wird ScheidemĂŒnzenmetall silberartig, wenn man aus der oberflĂ€chlichen Schicht das Kupfer entfernt. Holz, Steine, Horn, Federn etc. fĂ€rbt man mit Farbstofflösungen, die mehr oder weniger tief eindringen (Beizen) und bisweilen erst infolge einer Zersetzung, wie beim FĂ€rben des Holzes mit ĂŒbermangansaurem Kali, die gewĂŒnschte Farbe hervorbringen. Soll ein Körper in seiner ganzen Masse gefĂ€rbt werden, so muß ihn eine Farbstofflösung vollstĂ€ndig durchdringen, oder er muß mit ungelösten Farbstoffen imprĂ€gniert werden. WĂ€sche und Zucker werden mit Ultramarin und das Material zu allerlei plastischen Massen durch Mischen mit pulverförmigen Farbstoffen gefĂ€rbt. FlĂŒssigkeiten fĂ€rbt man nur mit Farbstoffen, die sich in ihnen lösen (Liköre, Öle); setzt man zu geschmolzenem Glas Farbstoffe, die sich in der Glasmasse lösen, so bleibt es durchsichtig; unlösliche Farbstoffe machen es opalisierend, durchscheinend oder undurchsichtig, emailartig.

Das FĂ€rben der Gespinstfasern bildet den Gegenstand der F. im engern Sinne. Man kann die Faser fĂ€rben, indem man einen unlöslichen pulverförmigen Farbstoff mit Hilfe eines Bindemittels auf ihr befestigt, wie es bisweilen im Zeugdruck geschieht. Erzeugt man in einer Lösung von Bleinitrat durch Zusatz von Natriumchromat einen gelben Niederschlag von Bleichromat und bringt dann die Faser in die FlĂŒssigkeit, so wird sie durch den im Wasser verteilten pulverförmigen Farbstoff wenig und nicht haltbar gefĂ€rbt. Taucht man aber die Faser in die Lösung von Bleinitrat und setzt nach einiger Zeit Natriumchromat hinzu, so verbindet sich die Faser sehr fest mit dem in ihrer Gegenwart gefĂ€llten Bleichromat. Man hat angenommen, daß die sehr verschiedenartigen Farbstoffe, die in solcher Weise an die Faser gebunden werden können, rein physikalisch durch FlĂ€chenwirkung an ihr haften, denn ein ganz Ă€hnliches Verhalten wie die Fasern zeigen auch manche mineralische Körper, die dem sich ausscheidenden Körper eine große OberflĂ€che darbieten. Bei der Faser dringt indes ein Teil der ersten Lösung osmotisch in sie ein, ebenso folgt die zweite Lösung, und beim Zusammentreffen beider wird mithin ein Teil des Bleichromats in der Faser selbst abgeschieden. TrĂ€nkt man die Faser mit einer Lösung von salzsaurem Anilin, die ein Oxydationsmittel enthĂ€lt, und erwĂ€rmt, so verlĂ€uft der Oxydationsprozeß zum Teil innerhalb der in die Faser eingedrungenen Lösung, und es entsteht unlösliches Anilinschwarz, das sich in der Faser ablagert. Abgesehen von diesen einfachen VerhĂ€ltnissen, gestaltet sich der FĂ€rbeprozeß sehr verschieden. Die Fasern sind teils hohle SchlĂ€uche, wie die Baumwolle, teils mehr oder weniger massiv. Die Pflanzenfasern bestehen aus hochmolekularen Verbindungen, die alkoholische Hydroxylgruppen enthalten, wĂ€hrend Wolle und Seide den Charakter von AmidosĂ€uren besitzen, also zugleich saure und basische Eigenschaften zeigen. Da nun auch die Farbstoffe große Verschiedenheiten in ihrer chemischen Struktur aufweisen, so erklĂ€rt sich, daß eine einwandfreie ErklĂ€rung der VorgĂ€nge in der F. noch nicht gefunden ist. Eine rote Lösung von salzsaurem Rosanilin wird durch Kochen mit Wolle oder Seide zuletzt vollstĂ€ndig entfĂ€rbt, die Faser fĂ€rbt sich rot, indem sie alles Rosanilin aufnimmt, wĂ€hrend die SalzsĂ€ure vollstĂ€ndig in der Lösung bleibt, und zwar gebunden an Ammoniak, das aus der Substanz der Faser entstanden ist. Die Faser hat also vermöge ihrer sauren Eigenschaft das Rosanilinsalz zersetzt. Sie fĂ€rbt sich daher auch intensiv rot in einer farblosen Lösung der reinen Base. Außerdem hat sich gezeigt, daß beim Behandeln von Wolle mit großem Überschuß von Farbstoffen diese im VerhĂ€ltnis ihrer Molekulargewichte oder ganzer Multipla derselben aufgenommen werden. Diese Tatsachen sprechen fĂŒr die Bildung chemischer Verbindungen zwischen Faser und Farbstoff, allein wenn man die mit Rosanilin gefĂ€rbte Seide in Alkohol legt, so verliert sie sofort ihren ganzen Farbstoffgehalt, und sie nimmt ihn wieder auf, wenn man den Alkohol verdĂŒnnt. Man betrachtet deshalb auch das FĂ€rben als eine Lösungserscheinung, wobei man den Begriff Lösung dahin erweitert, daß auch ein fester Körper von einem andern festen Körper wie von einem Lösungsmittel aufgenommen werden kann. In den FĂ€llen, wo die Faser einem wĂ€sserigen Bade den Farbstoff entzieht, ist sie fĂŒr letztern ein besseres Lösungsmittel als Wasser. Ähnlich entzieht Äther beim SchĂŒtteln mit einer wĂ€sserigen Lösung gewisser Stoffe diese dem Wasser, weil er sie leichter löst als Wasser. Das Fibroin der Seide nimmt das Rosanilin aus dem Wasser auf, aber Alkohol entzieht der Seide den Farbstoff, weil er diesen noch besser löst als die Seidensubstanz. Wo die Faser der wĂ€sserigen Lösung den Farbstoff nicht vollstĂ€ndig zu entziehen vermag, besteht bei einem gewissen VerhĂ€ltnis zwischen in Wasser und in der Faser gelöstem Farbstoff ein Gleichgewicht. Im allgemeinen nehmen tierische Fasern (Wolle, Seide) Farbstoffe leichter auf als pflanzliche (Baumwolle, Leinen, Jute etc.). Die einzelnen Fasern verhalten sich aber auch gegen verschiedene Farbstoffe ungleich, sie binden manche ohne weiteres, wĂ€hrend andre Farbstoffe nicht unmittelbar auf der Faser haften, sondern eines Bindemittels, einer Beize (s. Beizen), bedĂŒrfen. Die erstern nennt man substantive, die letztern adjektive Farben. Eine Einteilung der Farbstoffe nach diesem Gesichtspunkt ist aber nicht durchfĂŒhrbar, weil sich die Farbstoffe, wie gesagt, gegen die verschiedenen Fasern ungleich verhalten.

Baumwolle wird als Garn und Gewebe, zur Herstellung von Vigogne auch im ungesponnenen Zustande gefĂ€rbt. Nur fĂŒr helle Farben wird die Baumwolle gebleicht, fĂŒr dunklere wird das Garn lediglich entfettet. Die meisten Farbstoffe haften nur auf gebeizter Baumwolle, am hĂ€ufigsten beizt man in einem Bade von Tannin oder Sumach (Vorbeizen), befestigt die Beize in einem zweiten Bade mit Brechweinstein (Antimonsalz, Zinnchlorid etc.) und fĂ€rbt dann mit dem basischen Farbstoff aus, wobei sich ein waschechter gerbsaurer Antimonfarblack auf der Faser bildet. Beim FĂ€rben muß die Baumwolle in der Farbstofflösung (Flotte) bestĂ€ndig umgezogen werden, damit alle Teile gleichmĂ€ĂŸig gefĂ€rbt werden. FĂŒr die TĂŒrkischrotfĂ€rberei beizt man Baumwolle mit Tonerdesalzen und benutzt als Fixierungsmittel Kreide, arsensaures, phosphorsaures Natron, Wasserglas, Kuhkot etc. In seltenen FĂ€llen, wie beim SchwarzfĂ€rben mit Blauholz, wird die Beize (Kupfervitriol) der Flotte zugesetzt. Zum FĂ€rben mit substantiven Baumwollfarben löst man diese in Wasser, setzt Marseiller Seife, eventuell Kochsalz oder phosphorsaures Natron zu, bringt die genetzte Ware bei 40° in das Bad und fĂ€rbt unter Kochen aus. Um der Baumwolle die Eigenschaften der tierischen Faser zu verleihen, hat man sie mit Leim oder Gelatine imprĂ€gniert (Animalisieren), die stickstoffhaltige Substanz nimmt die Farbstoffe leichter auf. – Baumwollgarne werden als StrĂ€hne oder als Kette gefĂ€rbt. Die StrĂ€hne hĂ€ngt man ĂŒber Stöcke, die auf den gegenĂŒberliegenden RĂ€ndern der FĂ€rbewanne ruhen. Zur Erzielung gleichmĂ€ĂŸiger FĂ€rbung werden die StrĂ€hne von Zeit zu Zeit mit der Hand oder mit Maschinen umgezogen (StrangfĂ€rbemaschinen). Zum FĂ€rben von Kettengarn dienen Maschinen, in denen die Kette ĂŒber Walzen durch das Bad gefĂŒhrt wird. Eventuell geht sie vorher in gleicher Weise durch die Beize, passiert drei Quetschwalzen, gelangt dann in das FĂ€rbebad und aus diesem wieder zwischen Walzen hindurch in reines Wasser, um schließlich zwischen Walzen entwĂ€ssert und dann getrocknet zu werden. Auch fĂŒr das FĂ€rben von Kops (auf kleinere Spulen aufgewickeltes Garn) sind besondere Maschinen konstruiert worden. Gewebe werden zu einem endlosen Bande zusammengenĂ€ht und in FĂ€rbemaschinen ĂŒber Walzen durch das Bad gefĂŒhrt. Eine derartige Maschine ist z. B. der Jigger. Auch zum Waschen und Trocknen der Garne und Gewebe benutzt man zahlreiche Maschinen. LeinenfĂ€rberei ist nicht von großer Bedeutung, sie benutzt dieselben Methoden wie die BaumwollfĂ€rberei. Mit Indigo gefĂ€rbtes Leinen dient zur Herstellung von Arbeiterkleidern und SchĂŒrzen. Ramie und Chinagras verhalten sich wie Baumwolle, Jute aber nimmt alle basischen Farbstoffe direkt ohne Beize auf, die Benzidinfarbstoffe direkt aus dem Seifenbad, nur die sauren Farbstoffe verlangen eine Vorbeize mit Tonerde. Wolle wird im unversponnenen Zustand, als Kammzug (ein langes schmales Wollband, das den Übergang loser Wolle zum Kammgarn bildet), als Garn und Gewebe gefĂ€rbt. Beim FĂ€rben mit Farbhölzern und andern natĂŒrlichen beizenfĂ€rbenden Farbstoffen, Alizarinfarbstoffen etc. wird die Wolle mit einer Beize (meist Tonerde- und Chrombeizen mit WeinsĂ€ure und SchwefelsĂ€ure sowie Zinnsalz) kochend imprĂ€gniert (Vorbeizen) und nach dem Erkalten im Beizbad (Sud) gespĂŒlt, dann in das handwarme FĂ€rbebad gebracht, auf 100° erhitzt und einige Zeit bei dieser Temperatur gehalten (Zweibadmethode). Ist der aus Beize und Farbstoff entstehende Farblack (wie z. B. aus Gelbholz und Alaun oder Zinnsalz, aus Blauholz und Kupfervitriol und Eisen, aus Kochenille und Zinnchlorid) in der heißen oder sauern FlĂŒssigkeit des Bades teilweise löslich, so kann man Beizen und FĂ€rben in einem Bade vornehmen (Mitbeizen, Einbadmethode). Dies Verfahren eignet sich besonders zur Herstellung heller Farben. Beim Nachbeizen wird die Wolle zuerst ins F1arbbad und dann in die Beize gebracht. Diese Methode des Nachdunkelns gibt bisweilen weniger festsitzende FĂ€rbungen, auch ist eine bestimmte Nuance schwerer zu treffen. Bei der Dreibadmethode gibt man die gebeizte und gefĂ€rbte Wolle noch einmal in ein Beizbad, um nur absorbierten, nicht durch die erste Beize gebundenen Farbstoff zu fixieren. Bisweilen soll die Nachbehandlung auch die auf der Faser erhaltenen Farben glĂ€nzender machen (Schönen, Avivieren) oder verĂ€ndern (Modisikationsbeizen). Mit basischen und sauern Teerfarbstoffen, Benzidinfarbstoffen etc. kann Wolle auch ohne Beize gefĂ€rbt werden, indem man sie bei 25–30° in die Lösung des Farbstoffes bringt und allmĂ€hlich zum Sieden erhitzt. Ost setzt man dem Bade gewisse Mengen von Kochsalz, Glaubersalz etc. hinzu, angeblich um die Löslichkeit des Farbstoffes zu verringern, seinen Übergang auf die Wolle zu begĂŒnstigen. Zur AusfĂŒhrung des Prozesses, zum Waschen und Trocknen der Wolle sind besondere Maschinen konstruiert worden.

Seide verhĂ€lt sich im wesentlichen wie Wolle und wird auch Ă€hnlich behandelt. Um den gefĂ€rbten SeidenstrĂ€hnen einen bestimmten Griff und Weichheit zu geben, werden sie ĂŒber einen glatten Pfahl (Cheville), der in der Wand befestigt ist, aufgehĂ€ngt und mittels eines glatten Stockes gestreckt und gewunden. Diese Arbeit wird auch auf der Chevilliermaschine ausgefĂŒhrt. Um der Seide hohen Glanz zu geben und gekrĂ€uselte FĂ€den zu strecken, behandelt man sie auf der LĂŒstriermaschine, auf der sie bei starker Spannung und unter Einströmen von Dampf ĂŒber zwei Stahlwalzen gedreht werden. – Beim FĂ€rben gemischter Gewebe aus Wolle und Baumwolle oder Seide und Baumwolle ist auf die verschiedene Natur der Fasern RĂŒcksicht zu nehmen. Man fĂ€rbt entweder beide Fasern einzeln, oder man fĂ€rbt das Baumwollgarn und fĂ€rbt dann das fertige Gewebe mit solchen Woll- oder Seidefarbstoffen, durch welche die Farbe der Baumwolle nicht oder nur in gewĂŒnschter Weise verĂ€ndert wird. Man kann aber auch ungefĂ€rbte Garne verweben und dann die Baumwollfasern und die Woll- oder Seidenfasern je mit einem passenden Farbstoff fĂ€rben.

Die Kongo- oder Benzidinfarbstoffe, die Baumwolle ohne Vermittelung einer Beize direkt waschecht fĂ€rben, werden hauptsĂ€chlich zum FĂ€rben von Baumwolle in alkalischen oder neutralen BĂ€dern, auch zum FĂ€rben der Wolle in schwach alkalischen, neutralen oder sauern BĂ€dern, seltener zum FĂ€rben der Seide benutzt. Der gefĂ€rbten Baumwolle kann der Farbstoff durch wiederholtes Auskochen zum großen Teil entzogen werden, umgekehrt wird beim FĂ€rben stets ein Teil des Farbstoffes von der Flotte zurĂŒckgehalten. Die Menge dieses gelöst bleibenden Farbstoffes richtet sich nach dem Lösungsvermögen der Flotte und der Menge der hineingebrachten Faser. Das Lösungsvermögen der Flotte wird durch Zusatz von Glaubersalz, Kochsalz, Pottasche, Soda, Seife, Borax, Natriumphosphat, Natriumstannat, Ammoniumkarbonat herabgedrĂŒckt, ob aber die gĂŒnstige Wirkung dieser Salze in der Tat, wie man annimmt, auf der Verminderung der Löslichkeit beruht, bleibt zunĂ€chst fraglich. Die meisten direkten Baumwollfarbstoffe sind auf Baumwolle wenig lichtbestĂ€ndig, einige aber gehören zu den echtesten Farbstoffen. In der Regel sind die FĂ€rbungen mit den substantiven Farbstoffen licht- und luftechter auf tierischen als auf pflanzlichen Fasern. Durch Wasser und Seifenlösungen werden sie mehr oder weniger leicht von der Faser, besonders von Baumwolle und Leinen, abgezogen, auch fĂ€rben sie leicht auf benachbarte Fasern und selbst auf andre Ware ab, mit der sie in demselben Bottich gewaschen werden. Dieses Auslaufen oder Bluten verhindert großenteils die Anwendung dieser Farben im Kattundruck und in der LeinenfĂ€rberei. Jedoch verlieren die FĂ€rbungen selbst bei wiederholtem heißen Seifen vergleichsweise wenig an Farbtiefe. Auf tierischen Fasern verhalten sie sich auch in dieser Beziehung besser als auf pflanzlichen, und manche besitzen sogar eine hohe Walkechtheit. Sehr viele Baumwollfarbstoffe, besonders die roten, sind mehr oder weniger empfindlich gegen verdĂŒnnte SĂ€uren, manche in so hohem Grade, daß sie schon durch die in der Luft stets vorhandenen sauern Gase verĂ€ndert werden; diesen Übelstand vermeidet man durch TrĂ€nken der gefĂ€rbten Faser mit Soda oder einem andern nicht flĂŒchtigen Alkali. Einige FĂ€rbungen, meist gelbe, werden leicht durch Alkali gerötet, in diesem wie im vorigen Fall wird der Farbstoff durch ein entgegengesetzt wirkendes Mittel, auch durch SpĂŒlen, in seiner ursprĂŒnglichen Schönheit wiederhergestellt. Durch nachtrĂ€gliches Behandeln mit Metallsalzlösungen (besonders Kupfervitriol, daher Kupfern) können mit gewissen substantiven Farbstoffen erzeugte FĂ€rbungen widerstandsfĂ€higer gegen Seifenlösungen gemacht werden; hierbei entsteht auf der Faser eine Kupferverbindung des Farbstoffes, die nicht nur seifenechter, sondern auch lichtechter ist und eine wertvollere Nuance besitzt. Die gekupferten FĂ€rbungen verlieren bei wiederholtem Waschen das Kupfer und damit auch die bessern Eigenschaften. Immerhin hat sich das Kupfern, oft unter Zusatz von Kaliumbichromat, in weitestem Umfang in der F. eingebĂŒrgert, da tatsĂ€chlich in vielen FĂ€llen die Erhöhung der Seifenechtheit genĂŒgend ist.

Viele substantive Baumwollfarbstoffe können auf der Faser diazotiert und dann mit Aminen, Phenolen etc. zu neuen Azokörpern verkuppelt werden. Diese Verbindungen (Ingrainfarben, Diazotier-, Entwickelungsfarbstoffe) sind im allgemeinen unlöslich, walk-, wasch-, gut sĂ€ureecht und bluten nicht. Sie eignen sich daher vorzĂŒglich fĂŒr glatte und gemusterte Ware, die keine hohen Anforderungen an Lichtechtheit stellt, also namentlich fĂŒr Strumpfware. Zur Darstellung der Ingrainfarben wird die Ware in gewöhnlicher Weise gefĂ€rbt, gespĂŒlt und in ein mit SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure versetztes Bad von Natriumnitrit gebracht, in dem die freigemachte salpetrige SĂ€ure den Farbstoff in der KĂ€lte diazotiert. Nach kurzem Umziehen wird die Ware kalt gespĂŒlt und unmittelbar darauf in das Entwickelungsbad gebracht. Letzteres bereitet man durch Lösen von Aminen und Phenolen (letztere eventuell unter Zusatz von Natronlauge) in Wasser. Sehr gute Resultate erhĂ€lt man auch bei gewissen substantiven Farbstoffen, wenn man die gefĂ€rbten Fasern durch die verdĂŒnnte Lösung eines diazotierten Amins, in erster Linie diazotierten Paranitranilins zieht. Die Diazotierung kuppelt hierbei mit dem auf der Faser befindlichen Farbstoff unter Bildung dunklerer und waschechterer Töne.

Die basischen Farbstoffe, Salze gewisser organischer Farbbasen, fĂ€rben Baumwolle in neutralem oder schwach saurem Bade, wenn sie mit Tannin, TĂŒrkischrotöl oder andern sauern Beizen vorgebeizt ist, Wolle und Seide ebenso, aber ohne Vorbeize. Ein Teil dieser Farbstoffe ist in Wasser, alle aber sind in Alkohol löslich. Die SĂ€ure, mit der die Farbbase verbunden ist, ĂŒbt auf die Nuance keinen Einfluß aus, ebenso ist es fĂŒr den Farbenton gleichgĂŒltig, mit welcher sauern Beize die Baumwolle behandelt wird. Es kommt nur darauf an, daß die Beize imstande ist, ein unlösliches Salz der Farbbase auf die Faser niederzuschlagen. Bei Wolle und Seide ist die Zuhilfenahme der Beize nicht erforderlich, weil diese Fasern selbst saure Gruppen enthalten. Die basischen Farbstoffe besitzen außerordentliche FĂ€rbekraft und liefern meist schöne, reine Farbentöne. Ihre Licht-, Luft- und Seifenechtheit ist dagegen, mit wenigen Ausnahmen, gering. Durch starke SchwefelsĂ€ure wird eine Anzahl basischer Farbstoffe ohne wesentliche Änderung ihrer Nuance in SulfosĂ€ure und damit in die Reihe der sauern Farbstoffe ĂŒbergefĂŒhrt. Die basischen Farbstoffe, die ersten Anilinfarbstoffe, die in grĂ¶ĂŸern Mengen hergestellt wurden, sind in der BaumwollfĂ€rberei durch die substantiven, in der WollfĂ€rberei durch die sauern Wollfarbstoffe verdrĂ€ngt worden, fĂŒr die SeidenfĂ€rberei, die viel mehr auf die Schönheit als auf die Echtheit der FĂ€rbungen sieht, sind sie noch von hoher Bedeutung. Auch Jute wird hĂ€ufig mit basischen Farbstoffen gefĂ€rbt. Zum Beizen der Baumwolle benutzt man Tannin und ein Antimonsalz (s. oben).

Die sauern Farbstoffe sind großenteils Alkalisalze von SulfosĂ€uren der Azoverbindungen oder der basischen Farbstoffe. Sie verbinden sich mit den basischen Gruppen der Wolle und Seide im sauern Bad ohne Zuhilfenahme einer Beize. Auf pflanzlichen Faserstoffen können sie im allgemeinen nicht wasch-echt fixiert werden, nur die Wasser- oder Baumwollblaus, die CroceĂŻnscharlachs und verwandte Verbindungen sind von einiger Bedeutung fĂŒr die BaumwollfĂ€rberei. Auf Leinen sind saure Farbstoffe nie in grĂ¶ĂŸerm Umfang angewendet worden, hingegen besitzen sie einige Bedeutung fĂŒr Jute und Papier. HauptsĂ€chlich werden sie auf Wolle angewendet, auf der sie sich leicht und ziemlich echt befestigen lassen. Auf Seide sind viele von ihnen nicht wasserecht, immerhin werden auch saure Farbstoffe in großen Mengen zum FĂ€rben der Seide verwendet. Die Lichtechtheit der sauern Farbstoffe ist sehr verschieden, ihre Walk- und Seifenechtheit ist meist auf Wolle am grĂ¶ĂŸten.

Die meist sehr echten beizenfĂ€rbenden Farbstoffe werden auf Pflanzen- und Tierfasern mit metallischen Beizen befestigt. Je nach der angewendeten Beize entstehen verschiedene FĂ€rbungen, Alizarin z. B. gibt mit Tonerdesalzen eine rote, mit Kalksalzen eine rotbraune, mit Zinnsalzen eine rote, mit Eisensalzen eine blauschwarze und mit Chromsalzen eine braune Verbindung. Diese Verbindungen sind unlöslich und mĂŒssen auf der Faser erzeugt werden. Man bringt die Faser zuerst in die Beize und dann in das FĂ€rbebad oder umgekehrt, im Kattundruck werden auch Farbstoff und Metallsalz gleichzeitig auf die Faser gebracht und hier vereinigt. Auch Kupfer, Zink- und Nickelsalze finden als Beizen Verwendung. Da die aus Farbstoff und Metallsalz auf der Faser gebildeten Farblacke den basischen Farbstoffen gegenĂŒber hĂ€ufig als Beizen wirken, so können die mit beizenfĂ€rbenden Farbstoffen erzeugten FĂ€rbungen mit basischen Produkten ĂŒberfĂ€rbt, geschönt werden. Die bei weitem wichtigste Anwendung der beizenfĂ€rbenden Farbstoffe auf Baumwolle ist die TĂŒrkischrotfĂ€rberei (s.d.), noch grĂ¶ĂŸere Anwendung aber finden diese Farbstoffe auf Wolle, wĂ€hrend bei Seide der Griff durch das Beizen leidet.

Als KĂŒpenfarbstoffe bezeichnet man Indigo, Indophenol, αNaphtholblau. Indigo wird auf alle Faserstoffe sehr echt mittels des KĂŒpenverfahrens ausgefĂ€rbt, im Gegensatz zum Indigkarmin, der als SĂ€urefarbstoff nur auf der tierischen Faser ein weniger echtes Blau liefert. IndigkĂŒpe (vgl. Indigo) wird namentlich fĂŒr Wolle und Baumwolle, auch fĂŒr Leinen, weniger fĂŒr Seide verwendet. Die FĂ€rbung ist völlig licht- und sĂ€ureecht, löst sich aber mit der Zeit mechanisch ab und wird heller. Auch Indophenol wird wie Indigo durch Reduktionsmittel in eine farblose Leukoverbindung, das Indophenolweiß, ĂŒbergefĂŒhrt. In dessen Lösung fĂ€rbt man die Faserstoffe und unterwirft sie dann einer krĂ€ftigen Oxydation. Man erhĂ€lt dabei ein Blau, das dem Indigoblau Ă€hnlich ist, jedoch durch SĂ€uren leicht in Braun verwandelt wird. Bereitet man eine KĂŒpe aus 3 Teilen Indigo und 1 Teil Indophenol, so erhĂ€lt man in der angegebenen Weise eine sehr echte FĂ€rbung. Ausgedehnte Anwendung findet die Erzeugung unlöslicher Azofarbstoffe auf Baumwolle. Man imprĂ€gniert die Baumwolle mit einem Amin oder Phenol, meist ÎČNaphthol, und erzeugt dann durch Behandlung der geschleuderten und getrockneten Ware mit der Lösung eines diazotierten Amins einen Azofarbstoff auf und in der Faser. Durch geeignete Auswahl von Diazoverbindungen und Aminen oder Naphtholen erzielt man die mannigfaltigsten Nuancen. In diese Klasse gehört auch Anilinschwarz (s.d.), das meist durch Oxydation von Anilinsalzen auf der Faser erzeugt wird.

Blauholz dient besonders zum SchwarzfĂ€rben. Wolle beizt man mit chromsaurem Kali und SchwefelsĂ€ure, wĂ€scht und fĂ€rbt siedend mit geraspeltem und fermentiertem Blauholz, das man in SĂ€cken dem FĂ€rbebade zusetzt. Blauholz allein gibt Blauschwarz, Blauholz mit wenig Gelbholz reines Schwarz, mit mehr Gelbholz GrĂŒnschwarz. Eisenschwarz wird auf einer Beize mit Eisenvitriol, Kupfervitriol, Alaun und Weinstein mit Blauholz erzeugt. Zum BlaufĂ€rben wird Blauholz mit Beize aus Tonerdesulfat und Weinstein benutzt. Das Chromschwarz ist wasch- und seifen-, auch ziemlich licht- und sĂ€ureecht. Blauholzblau dient als billiger, sehr wenig echter Ersatz fĂŒr Indigblau, fĂŒr dunkle Töne und wird hĂ€ufig als Grund unter Indigblau gefĂ€rbt. Baumwolle wird zum SchwarzfĂ€rben mit GerbsĂ€ure getrĂ€nkt, in essigsaures Eisenoxydul (Schwarzbeize) oder eine andre Eisenbeize gelegt, durch ein Kalk- oder Kreidebad genommen, gewaschen und mit Blauholz ausgefĂ€rbt. Nachheriges Passieren durch Kaliumbichromat macht die FĂ€rbung dunkler und haltbarer. Seide wird beim SchwarzfĂ€rben oft erheblich beschwert (bis zum Vierfachen des Gewichts). Man legt sie in konzentrierte kalte Lösung von basischem Ferrisulfat (Rostbeize), dann in Seifenlösung und wiederholt dies mehreremal. Dann bringt man sie in konzentrierte warme Lösung von Katechu und setzt fĂŒr starkes Beschweren ZinnchlorĂŒr zu. Weiter wird sie fĂŒr Blauschwarz noch mit Tonerdesulfat behandelt und schließlich mit Blauholz (event. etwas Gelbholz) ausgefĂ€rbt. In der Regel gibt man der mit Eisen gebeizten Seide zunĂ€chst einen Grund von Berlinerblau durch Passieren eines angesĂ€uerten Bades von Ferrocyankalium (Blaukessel-, Kaiserschwarz). FĂŒr Kochenillekarmesin beizt man Wolle mit Tonerdesulfat und Weinstein und fĂ€rbt im Kochenillebad siedend aus. Die FĂ€rbung ist ziemlich licht- und seifenecht. FĂŒr das hochrote, ins Gelbe ziehende Scharlach (MilitĂ€rtuch) benutzt man ein Bad aus ZinnchlorĂŒr, OxalsĂ€ure, etwas SalzsĂ€ure und Kochenille. Der Scharlach ist lichtrot, das Seifen macht ihn matter.

Zum BraunfĂ€rben der Baumwolle dient Katechu. Man trĂ€nkt die Baumwolle mit einer Lösung von Katechu, preßt und behandelt mit Kaliumbichromatlösung. Beizen der Baumwolle mit Alaun oder Eisen nach dem Katechubad gestattet das gleichzeitige AuffĂ€rben von Blauholz, Alizarin etc. Auch Wolle kann katechubraun gefĂ€rbt werden. Von Mineralfarben benutzt man Eisenhydroxyd (Rostgelb, Eisenchamois) fĂŒr Baumwolle. Man trĂ€nkt mit Eisenvitriollösung, passiert durch Natronlauge und oxydiert an der Luft oder im Chlorkalkbad. In derselben Weise wird Manganbraun (Manganbister) mit ManganchlorĂŒr erzeugt. Zum BlaufĂ€rben benutzt man Berlinerblau: Man fĂ€rbt Baumwolle zunĂ€chst rostgelb oder trĂ€nkt mit Eisenoxydsalz und fĂ€rbt in einem mit SchwefelsĂ€ure angesĂ€uerten Bade von Ferrocyankalium aus. Wolle wird unmittelbar durch TrĂ€nken mit einer schwefelsauren Lösung des roten, auch des gelben Blutlaugensalzes und langsames Erhitzen zum Sieden blau gefĂ€rbt. Zusatz von ZinnchlorĂŒr macht die FĂ€rbung purpurn. Oder man beizt Wolle mit Ferrisulfat, ZinnchlorĂŒr und Weinstein und fĂ€rbt im sauern Blutlaugensalzbad aus. Berlinerblau ist sehr sĂ€ure- und ziemlich lichtecht, wird aber durch heiße Seifenlösung leicht gebrĂ€unt. Auf Seide dient Berlinerblau als Grund fĂŒr Schwarz. Chromgelb: Baumwolle wird mit Bleinitrat oder -Azetat getrĂ€nkt, durch Kalkwasser, Ammoniak oder Natriumsulfat genommen und in Kaliumbichromat heiß ausgefĂ€rbt. Nachherige Passage durch Kalkmilch gibt Orange. Die FĂ€rbungen sind sehr echt, aber giftig.

Garne werden nicht immer gleichmĂ€ĂŸig gefĂ€rbt. Die OmbrĂ©s zeigen nur eine Farbe, aber verschiedene Nuancen derselben, so daß die StrĂ€hne z. B. am Kopf dunkelrot ist und nach unten allmĂ€hlich hellrosa, selbst weiß wird. Um dies zu erreichen, taucht man die StrĂ€hne zuerst nur ein wenig in die Flotte ein, dann etwas tiefer, nach einiger Zeit wieder etwas tiefer und so fort, bis endlich auch der Kopf der StrĂ€hne sich in der Flotte befindet. Sobald dieser die gewĂŒnschte Nuance erreicht hat, unterbricht man die Operation und findet dann die einzelnen Teile der StrĂ€hne um so dunkler gefĂ€rbt, je lĂ€nger sie sich in der Flotte befunden haben. Derselbe Zweck wird auch erreicht, wenn man das Garn zunĂ€chst so lange in der Flotte umzieht, bis die hellste Nuance erreicht ist, dann auf den Stock hĂ€ngt und allmĂ€hlich durch einen Hahn die Flotte abzieht. OmbrĂ©s mehrerer Farben auf einer StrĂ€hne werden nacheinander in gleich vielen FĂ€rbeflotten erzeugt. Rayierte Garne, auf denen verschiedene Farben nebeneinander stehen, fĂ€rbt man mit Hilfe von Latten, zwischen denen man das Garn beliebig einpressen kann. Diese Latten bilden den Boden eines Kastens, aus dem der Teil des Garnes heraushĂ€ngt, der zunĂ€chst gefĂ€rbt werden soll. Man behandelt denselben wie gewöhnlich in der Flotte, spĂŒlt dann, löst die Latten, zieht das gefĂ€rbte Garn in den Kasten und fĂ€rbt einen andern Teil der StrĂ€hne in einer andern Flotte. Das Zusammenpressen des Garnes verhindert das Aufsteigen der Flotte ĂŒber die Latten hinaus und grenzt also die einzelnen Farben gegeneinander scharf ab. Unter dem Namen Mignon hat man RayĂ©s eingefĂŒhrt, auf denen ein Teil der StrĂ€hne beim FĂ€rben weiß gelassen und spĂ€ter mit verschiedenen Farben bedruckt wird. Windet man vor dem FĂ€rben Knoten in das Garn und fĂ€rbt, so erhĂ€lt man nach dem Aufknoten weiße, nach beiden Seiten in die Hauptfarbe abschattierte Stellen. Man kann auch das Garn in einer beliebigen Farbe fĂ€rben, dann knoten und eine andre Farbe darĂŒber fĂ€rben. Auf solche Weise erhĂ€lt man die ĂŒberraschendsten Effekte.

[Hygienisches.] Die Arbeiter in den FĂ€rbereien sind vor allem durch die Einwirkung giftiger Farbstofflösungen und Beizen gefĂ€hrdet. So erzeugt chromsaures Kali besonders am HandrĂŒcken BlĂ€schenausschlĂ€ge und GeschwĂŒre, und Ă€hnlich wirkt PikrinsĂ€ure. Bei Verarbeitung von Zinn-, Zink- und Bleisalzen sind Vergiftungen nicht selten. Jedenfalls sollten in FĂ€rbereien genĂŒgende Waschvorrichtungen und besondere EßrĂ€ume vorhanden sein, außerdem sind mit RĂŒcksicht auf die vielerlei schĂ€dlichen DĂ€mpfe, die sich bei den verschiedenen FĂ€rbeprozessen entwickeln, hohe, lustige und gut venti lierte ArbeitsrĂ€ume zu verlangen. Sehr schĂ€dlich wirkt die große NĂ€sse und der jĂ€he Temperaturwechsel; aber auch bei asphaltierten Fußböden, leistungsfĂ€higen AbzĂŒgen fĂŒr den Wasserdampf und zweckmĂ€ĂŸiger Kleidung treten Katarrhe und rheumatische Leiden hĂ€ufig genug auf. Daß die nötigen Vorrichtungen gegen VerbrĂŒhungen und gegen die Gefahren, die WaschrĂ€der, Zentrifugen, Walzen etc. herbeifĂŒhren, zur Anwendung zu bringen sind, ist selbst verstĂ€ndlich. Die Nachbarschaft der FĂ€rbereien leidet unter den ĂŒbeln AusdĂŒnstungen, die freilich sehr schwer zu beseitigen sind, und da FĂ€rbereien nicht zu den konzessionspflichtigen Anlagen gehören, so sind Beschwerden meist aussichtslos. Viel bedeutender ist die Verunreinigung der öffentlichen WasserlĂ€ufe durch die AbwĂ€sser, die nicht nur fĂ€ulnisfĂ€hige Substanzen, sondern auch giftige Metallsalze enthalten. Man hat zur Reinigung der AbwĂ€sser Kalk, Filtration durch Sand oder Erde, sehr lange GrĂ€ben mit eingeschalteten KlĂ€rbassins und Rieselfelder angewendet; doch ist es nicht immer möglich, die nötigen Einrichtungen zu treffen.

[Geschichtliches.] F. und Zeugdruckerei scheinen sich im Anschluß an Körperbemalung und TĂ€towierung entwickelt zu haben. Bei Naturvölkern werden dieselben Farbenpulver, deren man sich bei der Hautbemalung bedient, auch trocken oder mit Wasser oder Öl auf Fellen oder Geweben eingerieben. Die alten Britannier bemalten mit Waid ihren Körper blau oder schwĂ€rzlich, bevor sie die BlaufĂ€rberei entdeckten. Rot, Gelb, Weiß und Schwarz wurden zuerst benutzt, da sie von der Natur am hĂ€ufigsten in Mineralien, Hölzern und Rinden dargeboten werden. Halb kultivierte, weit voneinander entfernt wohnende Völker lernten ganz unabhĂ€ngig voneinander aus einheimischen Pflanzen Indigo, der in den Pflanzen nicht fertig gebildet vorkommt, bereiten, und ebenso hat man in Amerika vor Kolumbus den im alten Europa hoch geschĂ€tzten Schneckenpurpur am Golf von Nicoya (Costarica) und am Isthmus von Tehuantepec bereitet. Musterungen gefĂ€rbter Stoffe erreichte man frĂŒh auf verschiedene Weise, im Ostindischen Archipel durch das Batikverfahren, die Dajak auf Borneo benutzten Druckstempel zur Übertragung von TĂ€towiermustern auf die Haut, und die Polynesier druckten auf Rindenstoffen. Sehr alt ist auch das Abbindeverfahren, bei dem das Gewebe auf Reihen runder StĂ€be mit gewĂ€chsten FĂ€den abgebunden wurde, so daß man helle Ringe im gefĂ€rbten Gewebe erhielt, die durch Eintauchen in eine andre Flotte verschieden gefĂ€rbt wurden. Einige Naturvölker, wie die Sudanneger, fĂ€rben nur das Garn und erzeugen Muster durch Weberei und Stickerei. Chinesen, Inder, Perser, Ägypter und Syrer kannten die F. seit uralter Zeit, gefĂ€rbte Stoffe waren Ă€ußerst kostbar und zĂ€hlten zu den vorzĂŒglichsten SchmuckgegenstĂ€nden. Die BĂŒcher Moses erwĂ€hnen blau, purpurn und scharlach gefĂ€rbte Zeuge. Die AusschmĂŒckung des Allerheiligsten und die Kleider des Hohenpriesters sollten nach göttlichem Befehl aus purpurnen Stoffen gefertigt sein. Vorzugsweise wurde in Tyros die F. und der Handel mit gefĂ€rbten Stoffen betrieben, und der Purpur, der als Symbol priesterlicher und fĂŒrstlicher WĂŒrde galt, soll in Tyros erfunden worden sein. In Griechenland wurde die F. wenig geĂŒbt, um so mehr aber bei den Römern. Bei den circensischen Spielen unterschieden sich die verschiedenen Parteien durch die Farbe ihrer AnzĂŒge, und Plinius spricht von GrĂŒn, Orange, Grau und Weiß. Man benutzte im Altertum als FĂ€rbmaterialien Alkanna, verschiedene Flechten, Ginster, Krapp, GallĂ€pfel, Waid, die Samen des Granatapfels und einer Ă€gyptischen Akazie, Eisen- und Kupfervitriol und Alaun, kannte also auch schon die Beizen. Die Entwickelung der F. wurde in Europa im 5. Jahrh. erstickt, blĂŒhte aber im Osten weiter und gelangte im 12. oder 13. Jahrh. nach Europa zurĂŒck. Damals war namentlich Florenz wegen der Anzahl und Vollkommenheit seiner FĂ€rbereien berĂŒhmt. Die Entdeckung Amerikas beförderte die F. durch das Bekanntwerden von Blauholz, Rotholz, Quercitron, Orlean, Kochenille etc. VorzĂŒgliches leisteten die Italiener in der F.; in Venedig erschien 1540 das erste Werk ĂŒber F. von Giovanni Ventura Rosetti, das in ganz Europa das Interesse fĂŒr die F. anregte. Namentlich die FlamĂ€nder kultivierten und verpflanzten die F. nach Deutschland, Frankreich und England. Zu Anfang des 16. Jahrh. kam der Krappbau aus dem Orient nach Schlesien, Holland und 100 Jahre spĂ€ter nach SĂŒdfrankreich. Cornelius Drebbel fĂŒhrte 1650 bei der F. mit Kochenille das Zinnsalz ein und lieferte damit Fabrikate, die den alten Purpur an Schönheit ĂŒbertrafen. In der Mitte des 16. Jahrh. fĂŒhrte man den Indigo und das Blauholz in England ein; allein auf Anstiften der einheimischen Waidfabrikanten wurde die Einfuhr beider Drogen in mehreren LĂ€ndern wieder verboten und der im Lande befindliche Vorrat zerstört. Die Anwendung des Indigos wurde mit Todesstrafe bedroht, und erst 1737 wurde die Einfuhr desselben wieder freigegeben. Um 1700 entdeckte man in Berlin das Berlinerblau; 1740 erfand Barth die SĂ€chsischblaufĂ€rberei mit IndigosulfosĂ€uren. In der Mitte der letzten HĂ€lfte des 18. Jahrh. wurde die TĂŒrkischrotfĂ€rberei in Frankreich eingefĂŒhrt und zu gleicher Zeit die Quercitronrinde von Bancroft. Die neueste Zeit hat die F. durch das Studium des Verhaltens der Beizen gegen die Farbstoffe sehr gefördert. Außerdem hĂ€uften sich die Entdeckungen neuer Farbstoffe aus dem Mineralreich, und in neuen Verbindungen der organischen Chemie lernte man die wertvollsten Rohmaterialien fĂŒr glĂ€nzende Farben kennen. Erregte in dieser Beziehung schon das Murexid aus HarnsĂ€ure große Aufmerksamkeit, so wurden doch alle bisherigen Erfolge seit 1859 durch die Teerfarben weit ĂŒbertroffen. Diese beherrschen jetzt vollstĂ€ndig die F., und einige der wichtigsten Pflanzenfarbstoffe, das Alizarin und der Indigo, wurden kĂŒnstlich hergestellt, so daß der Krappbau eingestellt werden konnte.

Literatur. Vgl. außer den Ă€ltern Werken von Chevreul und Persoz: SchĂŒtzenberger, Die Farbstoffe, mit besonderer BerĂŒcksichtigung ihrer Anwendung in der F. und Druckerei (a. d. Franz. von Schröder, Berl. 1868, 2 Bde.); Reimann, F. der Baumwolle etc. (3. Aufl., das. 1897); Witt, Chemische Technologie der Gespinstfasern (Braunschw. 1888–91); Herzfeld, Das FĂ€rben und Bleichen von Baumwolle, Wolle, Seide etc. (das. 1889–93, 3 Tle.; 1. Teil: Die Bleichmittel, Beizen und Farbstoffe, in 2. Aufl. von Schneider 1900); Sansone, Printing of cotton fabrics (neue Ausg., Lond. 1901; deutsch, Berl. 1890); Scherf, Die KleinfĂ€rberei und ihre Nebenindustrien (4. Aufl., Leipz. 1899); Hummel, Die F. und Bleicherei der Gespinstfasern (deutsch von Knecht, 2. Aufl., Berl. 1891); Soxhlet, Die F. der Baumwolle (Stuttg. 1891); Vinant, TraitĂ© pratique de teinture et impression (2. Aufl., Lyon 1891); Löwenthal, Handbuch der F. der Gespinstfasern (deutsche Ausg. des englischen Handbuches von Knecht, Rawson und Löwenthal, 2. Aufl., Berl. 1900, 2 Bde.); DĂ©pierre, TraitĂ© de la teinture et de l'impression des matiĂšres colorantes artificielles (Par. 1890–93, 3 Bde.); Garçon, La pratique du teinturier (das. 1893–97, 3 Bde.); Ganswindt, EinfĂŒhrung in die moderne F. (Leipz. 1902); Derselbe, Theorie und Praxis der modernen F. (das. 1903, 2 Bde.); Heermann, FĂ€rbereichemische Untersuchungen (Berl. 1898); Wolff, Die Beizen (Wien 1885); Zipser, Apparate, GerĂ€te und Maschinen der WĂ€scherei, Bleicherei, F. und Druckerei (das. 1894). Zeitschriften: »Leipziger FĂ€rberzeitung« (frĂŒher »FĂ€rberei-Musterzeitung«, seit 1850); »Deutsche FĂ€rberzeitung« (hrsg. von Ganswindt, seit 1865, MĂŒnchen); »Reimanns FĂ€rberzeitung« (seit 1870, Berl.); »FĂ€rberzeitung« (hrsg. von Lehne, seit 1889, das.); »Farbenzeitung« (hrsg. von Springer, seit 1895, Dresd.); »Zeitschrift fĂŒr Farben- und Textilchemie« (hrsg. von Buntrock, seit 1902, Braunschw.); »Textil- und FĂ€rberei-Zeitung« (hrsg. von Buntrock, das., seit 1903); »The chemical technologist devoted to the arts and manufacturers relating to dyeing, calico printing, bleaching, finishing, sizing, alkali and vitriol making, etc.« (Manchester); »Bulletin de la SociĂ©tĂ© industrielle de Mulhouse« (MĂŒlhausen i. Elf.); »Bulletin de la SociĂ©tĂ© industrielle de Rouen« (Rouen). Vgl. auch die Literatur bei den Artikeln »Appretur« und »Bleichen«.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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