Fars

Fars (Farsistan, das alte Persis), pers. Provinz von oft wechselnder Ausdehnung, aber wenigstens einem Viertel von Frankreich gleichkommend, grenzt südlich an den Persischen Meerbusen, nordwestlich und nördlich an die Provinzen Arabistan, Ispahan und Jezd, östlich an Kirman (s. Karte »Persien«). Längs des Persischen Busens zieht sich der aus Sand und Ton bestehende Küstenstrich hin, Deschtistan (»Wüstenland«) oder Germsir (»warmer Strich«) genannt. Die Ernten sind dort von den periodischen Regengüssen abhängig; bleiben sie aus, was oft stattfindet, so verdorrt alles bis auf die Datteln. Hinter dieser Wüstenzone, in mächtigen Stufen aufwärts steigend, gelangt man zunächst zum Tengsir oder TengistanLand der Pässe«, etwa 1000 m), von da zum Serhad oder Serdsir (»kühles Land«, etwa 1500–2000 m), zuletzt zum hohen Tafelland Persiens. Die einzelnen Stufen sind durch hohe, schwer überschreitbare Kalkgebirge geschieden. Die zwischen den kahlen Ketten liegenden Hochebenen, 30 bis 180 km lang, aber selten mehr als 15 km breit, sind schön und fruchtbar, namentlich an Weideland, auch reichlich bewässert; sie gehören zu den besten Teilen Persiens. Am berühmtesten ist das Tal Schab bevan (»Eingangspaß«), von arabischen und persischen Dichtern als eins der vier irdischen Paradiese gepriesen. Die Gebirgshänge sind gut bewaldet, am Fuß mit Wein und Fruchtbäumen bedeckt. Im Innern kommen Höhen von mehr als 4000 m vor (Kuh i Buhl 4320 m). Ein Teil der kleinern Gewässer ist stark mit Naphtha oder Schwefel versetzt. Von den das Meer erreichenden Flüssen sind die namhaftesten: der bei Buschir mündende Sefid Rud und der südöstlich von Schiraz als Kara Agatsch entspringende Mand. Auf dem Tafelland ist der bedeutendste Fluß der im Salzsee Niris (Bachtegân, s.d.) endende Bendemir oder Kur, der zur künstlichen Bewässerung benutzt wird. Westlich von ihm liegt der Maharlu, der die Gewässer der Ebene von Schiraz aufnimmt. Das Klima ist nach der Höhenlage verschieden. Die Volksdichte ist sehr gering. Innerhalb des Stufenlandes hausen zahlreiche Stämme kriegerischer Luren, angeblich 18,000 Familien stark. Viele der kleinen Ortschaften bestehen dort aus der von hohen Mauern und Türmen eingeschlossenen Festung eines Häuptlings und den umherliegenden Wohnungen seiner Vasallen. Die vorzüglichsten Städte sind: die Hauptstadt Schiraz, ferner Lar und die Häfen Buschir und Bender Abbas. Andre sonst blühende Städte, wie Firuzabad, Darabdscherd, sind jetzt verfallen. In F., seit Kyros mehrmals Mittelpunkt des persischen Reiches, finden sich die Ruinen vieler Denkmäler, außer Persepolis (nordöstlich von Schiraz) bei Murghab, bei Kasserun (Ruinen von Schahpur), im Gebirge bei Darabdscherd und in Firuzabad. – F. ist die eigentliche Heimat der alten Perser und das Stammland des Kyros, der durch Gründung seines Reiches diese Provinz zur herrschenden und ihren Namen Pârs (griech. Persis) zu dem des ganzen Reiches machte (vgl. Persien). Ardaschir Pahakân (s. Ardaschir 1) begründete 224 n. Chr. die Macht der Sasanidendynastie. 646 wurde F. von den Arabern erobert; 934 verloren es die Kalifen an die Bujiden. Nachdem die Bujiden 1055 den Seldschuken hatten weichen müssen, wurden diese wieder von chowaresmischen Schahs verdrängt. 1256 wurde F. dem persischen Reich der Dschengis-Chaniden einverleibt, denen es jedoch Timur um 1393 abnahm. Unter den Nachfolgern Timurs blieb es, bis es, nach vorübergehender Herrschaft der Turkmenen, Schah Ismael 1502 dem Reiche der Sefewiden einverleibte. Um die Mitte des 18. Jahrh. gründete Kerîm-Chan in Schiraz die Dynastie der Zendiden, die 1794 durch die noch heute regierende Kadscharendynastie abgelöst ward.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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