Fegfeuer


Fegfeuer

Fegfeuer (Reinigungsfeuer, lat. Ignis purgatorius, Purgatorium), nach der römisch-katholischen Kirchenlehre ein Zwischenort, nach der gewöhnlichen Vorstellung im Innern der Erde, bei Dante auf der jenseitigen Erdhälfte gelegen, wo nach dem Tode die von Erlaßsünden noch nicht ganz gereinigten Gläubigen nachholen müssen, was sie auf Erden an Büßungen und Genugtuungen versäumten, um schließlich in den Himmel aufzusteigen. Die Vorstellung selbst ist altparsisch, findet sich aber auch im Orphismus (s. Orpheus) und Platonismus und wurde von den alexandrinischen Kirchenlehrern Clemens und Origenes in den Kreis der christlichen Eschatologie (s.d.) hereingezogen. Aber erst Augustin hat die Lehre von einem sinnlich peinigenden F. vorgetragen und mit 1. Kor. 3,15 zu begründen gesucht. Die Beziehung auf das Meßopfer hat Gregor d. Gr. nachgetragen, und seither ist das F. ein die abendländische Kirche charakterisierender, auf dem Konzil von Florenz zum Dogma erhobener Glaubensartikel geblieben Wer mit Todsünden belastet stirbt, geht in die Hölle, wogegen läßliche Sünden, wie Schwatzhaftigkeit, Lachsucht, schlechte Haushaltung etc., im F. abgebüßt werden. Nach Analogie antiker Totenopfer (2. Makk. 12,40f.) reichen Einwirkungen der heilsmittlerischen Kirche aus dem Diesseits durch Fürbitten, gute Werke, sonderlich aber durch das Meßopfer in das F. hinein. Die Kirche kann den im F. Leidenden also zu Hilfe kommen, welcher Gedanke dem Allerseelenfest zugrunde liegt. Die griechische Kirche hat die Vorstellung vom F. abgelehnt, nicht weil sich eine fürbittende Tätigkeit der Kirche für die Verstorbenen daran knüpfte, was vielmehr gutgeheißen wird, sondern weil sie reinigende Büßungen und Leistungen der Seelen auf das Jenseits überträgt, während der Zeitraum werktätiger Besserung mit diesem Leben abschließt. Die Reformatoren verwarfen die Lehre schon um ihres Zusammenhanges mit den Lehren von der Messe, dem Ablaß und der Verdienstlichkeit guter Werke willen. Vgl. Anrich, Clemens und Origenes als Begründer der Lehre vom F. (Tübing. 1902).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Fegfeuer — (Fegefeuer, d.i. Reinigungsfeuer; lat. ignis purgatorĭus, purgatorĭum), in der röm. kath. Lehre das Feuer, durch welches die abgeschiedenen Seelen, bevor sie zur ewigen Seligkeit gelangen, die noch erlittene Strafe für läßliche und die im Rest… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Fegfeuer — Fegfeuer, lat. purgatorium, der Aufenthaltsort und Zustand der abgeschiedenen Seelen, welche vor ihrem Tode zwar Verzeihung ihrer Sünden erlangten, aber noch Sündenschuld abzubüßen haben. Das F., ein Mittelzustand zwischen Himmel und Hölle, ist… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Fegfeuer — Purgatorium; Fegefeuer * * * Feg|feu|er: ↑ Fegefeuer. * * * Feg|feu|er: ↑Fegefeuer. Fe|ge|feu|er, (seltener:) Fegfeuer, das; s [mhd. vegeviur, LÜ von kirchenlat. ignis purgatorius = reinigendes Feuer] (kath. Rel.): Ort der Läuterung, in dem die… …   Universal-Lexikon

  • Fegfeuer — Das Fegefeuer (lat.: purgatorium), auch Reinigungsort genannt, ist nach der römisch katholischen Lehre ein Prozess der Läuterung, in dem die Seele eines Verstorbenen auf den Himmel vorbereitet wird …   Deutsch Wikipedia

  • Fegfeuer —    volkstümlicher u. irreführender deutscher Begriff für die Überzeugung, daß Menschen oder genauer vom Leib getrennte Seelen nach dem Tod eine Läuterung von Schuld u. ihren Folgen erfahren. Das Wort ist geprägt von der Rettung ”wie durch Feuer“… …   Neues Theologisches Wörterbuch

  • Fegfeuer — Fe|ge|feu|er, selten Feg|feu|er Plural selten …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Fegefeuer — Fegfeuer; Purgatorium * * * Fe|ge|feu|er 〈n. 13; unz.; kath. Lehre〉 Ort zur Läuterung der „armen Seelen“ vor Eintritt in den Himmel [<mhd. vegeviur; zu mhd. vegen „reinigen“; Lehnübersetzung von mlat. purgatorius ignis] * * * Fe|ge|feu|er,… …   Universal-Lexikon

  • Purgatorium — Fegfeuer; Fegefeuer * * * Pur|ga|to|ri|um 〈n.; s; unz.〉 Fegefeuer [Neutr. zu lat. purgatorius „reinigend“; zu purgare „reinigen“] * * * Pur|ga|to|ri|um, das; s [mlat. purgatorium] (bildungsspr.): Fegefeuer: durchs P. gehen; ins P. kommen. * * * …   Universal-Lexikon

  • Ecclesia Triumphans — Die Streitende und Triumphierende Kirche von Andrea da Firenze Die Gemeinschaft aller Gläubigen der christlichen Kirche in ihrer Gesamtheit wird traditionellerweise aufgeteilt in: die Streitende Kirche (Ecclesia Militans), die aus den jetzt… …   Deutsch Wikipedia

  • Ecclesia militans — Die Streitende und Triumphierende Kirche von Andrea da Firenze Die Gemeinschaft aller Gläubigen der christlichen Kirche in ihrer Gesamtheit wird traditionellerweise aufgeteilt in: die Streitende Kirche (Ecclesia Militans), die aus den jetzt… …   Deutsch Wikipedia


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