Ferĭen

Ferĭen (Feriae), bei den Römern allgemeiner Name der Feiertage, der von Staats wegen angeordneten (feriae publicae) wie der nur Einzelne angehenden (f. privatae). Von erstern gab es drei Arten: feriae statīvae, die stehenden, an bestimmten Monatstagen wiederkehrenden; f. conceptīvae, die beweglichen, die zwar jährlich, aber nicht an bestimmten Tagen, sondern nach jedesmaliger obrigkeitlicher Anordnung gefeiert wurden, wie die f. Latinae (s. Latiaris) und sementīvae (das Saatfest), und f. imperativae, die bei besondern Anlässen angeordnet wurden, z. B. die Supplikationen (s.d.). Die feriae privatae waren teils Opferfeste, die gewissen Geschlechtern an bestimmten Tagen des Jahres oblagen, teils Familienfeiern, z. B. für Verstorbene (f. denicales). Feriae forenses (Gerichtsferien) waren bei den alten Römern die Dies festi und nefasti, später besonders je 30 Tage im Sommer und Herbst, der Anfang des bürgerlichen Jahres, die Gründungstage Roms (21. April) und Konstantinopels (11. Mai), die Tage der Geburt und des Regierungsantritts des Kaisers, die sieben Tage vor und nach Ostern, alle Sonn- und christlichen Festtage (weiteres s. Gerichtsferien). In der Kirchensprache bezeichnete das Wort zunächst Tage, die zur Ehre Gottes oder eines Heiligen gefeiert wurden (daher feriales libri, die Bücher, in denen die Feste der Märtyrer verzeichnet waren), später alle Tage der Woche, weil die Christen außer dem Sonntag noch den Mittwoch und Freitag als Tage des Gebets zu feiern pflegten (s. Fasten) und, um beide Wochentage zu unterscheiden, den einen feria quarta, d. h. den Feiertag, welcher der vierte Wochentag war, und den andern f. sexta, d. h. den Feiertag, welcher der sechste Wochentag war, nannten. Diese beiden Benennungen zogen die f. secunda für Montag, f. tertia für Dienstag etc. nach sich. Sonntag und Sonnabend jedoch behielten meist die Namen Dominica (s.d.) und Sabbatum (s.d.). Daher feriale officium (Tagzeiten), die in den Brevieren den katholischen Geistlichen für bestimmte Stunden der einzelnen Wochentage vorgeschriebenen Gebete. – Über die an Lehranstalten und Universitäten eingeführten F., d. h. die Zeiträume, in denen keine Unterrichtsstunden oder Vorlesungen stattfinden, s. Schulferien und Universitäten.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Ferien — Ferien, 1) s. Feriae; 2) (Rechtsw.), Tage, an welchen kein Gericht gehalten wird, Feiertage des Geschäftslebens. Dazu rechnet man namentlich die Sonn u. Festtage u. die Zeit der Ernte; auch die Tage während der Messe od. eines Jahrmarkts (Markt …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Ferien — [Basiswortschatz (Rating 1 1500)] Auch: • Urlaub • Feiertag Bsp.: • Die Ferien beginnen am Freitag, dem 15. Juli. • Herr Spencer ist im Urlaub. • Sie verbrachten ihre Ferien an der französischen Riviera. • …   Deutsch Wörterbuch

  • Ferien — Spl arbeitsfreie Zeit, Ruhetage std. (15. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus l. fēriae, das (wie l. fēstus festlich, feierlich und l. fānum n. Heiligtum ) auf eine Wurzel zurückführt, deren Bildungen heilige Sachverhalte bezeichnen (die Zugehörigkeit… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Ferien — Ferĭen (lat. ferĭae), bei den Römern die zu gottesdienstlichen Handlungen bestimmten Tage; bei Lehranstalten der Zeitraum, wo die Unterrichtsstunden ausgesetzt werden; bei Gerichtsbehörden (Gerichts F.) der Zeitraum, wo nur in bes. ausgenommenen… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Ferien — »einzelne freie Tage; Urlaub«: Das seit dem 16. Jh. bezeugte Fremdwort ist aus lat. feriae »Festtage, geschäftsfreie Tage, Ruhetage« entlehnt (vgl. das Lehnwort ↑ Feier). Es erscheint zunächst im Bereich der Rechtssprache zur Bezeichnung der Tage …   Das Herkunftswörterbuch

  • Ferien — Mit Ferien werden in Deutschland Zeiträume bezeichnet, in denen eine Einrichtung vollständig schließt, um ihren Angehörigen andere Tätigkeiten, insbesondere Erholung zu ermöglichen. Zu unterscheiden sind sie vom Urlaub, der jeweils nur einzelnen… …   Deutsch Wikipedia

  • Ferien — Freizeit; Urlaub * * * Fe|ri|en [ fe:ri̯ən], die <Plural>: a) der Erholung dienende, in bestimmten Abständen immer wiederkehrende Zeit von mehreren Tagen oder Wochen, in der Institutionen wie Parlament, Schule, Universität u. a. geschlossen …   Universal-Lexikon

  • Ferien — Fe̲·ri·en [ i̯ən] die; Pl; 1 der Zeitraum, in dem Institutionen (wie z.B. Schulen, Universitäten oder Ämter) geschlossen sind <Ferien haben, machen; in den Ferien sein>: Die Ferien beginnen dieses Jahr am ersten August || K : Ferienbeginn,… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Ferien — Fe|ri|en 〈nur Pl.〉 mehrtägige od. wöchige Arbeitspause, Urlaub; SemesterFerien; SchulFerien; die großen Ferien Sommerferien in der Schule; Ferien vom Ich machen vom Alltag völlig ausspannen [Etym.: <lat. feriae »Feiertage«, seit 1521… …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Ferien — die Ferien (Grundstufe) eine Zeit, in der Kinder nicht zur Schule gehen Beispiele: Die Ferien sind zu Ende. In den Ferien fahren wir an die See …   Extremes Deutsch

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