Friedrich [1]

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Friedrich [1]

Friedrich (mittelhochd. Frider√ģch, ¬ĽFriedensf√ľrst¬ę, lat. Fridericus, franz. Fr√©d√©ric, engl. Frederick), deutscher Vorname, Name zahlreicher F√ľrsten.

Tabelle

[R√∂misch-deutsche Kaiser und K√∂nige.] 1) F. I., Barbarossa, ¬Ľder Rotbart¬ę, als Herzog von Schwaben (seit 1147) F. III., geb. um 1123, gest. 10. Juni 1190, Sohn Herzog Friedrichs II., des Ein√§ugigen, von Schwaben, Bruders von K√∂nig Konrad III., und Judiths, einer Schwester des Welfen Heinrich des Stolzen, nahm, seiner Abstammung entsprechend, in Konrads III. Streit mit den Welfen eine vermittelnde Stellung ein und bew√§hrte sich, auf dem ungl√ľcklichen Kreuzzug Konrads III. (1147‚Äď49) in Kleinasien als t√ľchtiger Feldherr. 1149 eilte er Konrad voraus nach Deutschland, stellte die durch die Welfen gest√∂rte Ruhe wieder her, vermittelte aber einen Konrads Absichten nicht entsprechenden f√ľr sie noch g√ľnstigen Frieden und hielt sich auch von dem letzten, kl√§glich endenden Kampfe Konrads gegen Heinrich den L√∂wen (s.d.) fern. In der Erkenntnis von der Notwendigkeit eines dauernden Friedens empfahl Konrad III. selbst sterbend F. zum Nachfolger. Am 5. M√§rz 1152 wurde F. von den F√ľrsten in Frankfurt a. M. zum deutschen K√∂nig gew√§hlt und 9. M√§rz in Aachen gekr√∂nt. Sein Ziel war die Begr√ľndung einer starken Kaisermacht. Im reichen Italien hoffte er die Mittel dazu zu erlangen und unternahm schon im Herbst 1154 seinen ersten R√∂merzug, hielt auf den Ronkalischen Gefilden Gericht und Heerschau und lie√ü sich 1155 in Pavia mit der lombardischen und in Rom 18. Juni von Hadrian IV. mit der Kaiserkrone kr√∂nen, nachdem er dem Papste den Reformprediger Arnold von Brescia zum Feuertod ausgeliefert hatte. Nach seiner R√ľckkehr nach Deutschland schlichtete er 1156 den Streit √ľber das Herzogtum Bayern, das Heinrich der L√∂we verkleinert zur√ľckerhielt, nachdem das neue Herzogtum √Ėsterreich abgetrennt worden war. Nach Herstellung des Friedens zog F. im Fr√ľhjahr 1158 mit einem stattlichen Heer wieder nach Italien, wo sich seine Gegner, vom Papst unterst√ľtzt, an das m√§chtige Mailand anschlossen. Nach vierw√∂chiger Belagerung ergab sich Mailand im September 1158, und eine gro√üe Versammlung der italienischen Gro√üen auf den Ronkalischen Feldern beschlo√ü die volle Herstellung aller einst den r√∂mischen Imperatoren zustehenden Rechte. Als die Durchf√ľhrung dieses Beschlusses die Freiheit der St√§dte zu vernichten drohte, griffen diese, voran wieder Mailand, zu den Waffen. Deshalb zerst√∂rte F. im Winter 1159‚Äď60 Crema und hielt dann ein Konzil zu Pavia, wo er den ungesetzlich erw√§hlten Viktor IV. als Papst anerkannte, den tatkr√§ftigen und begabten, aber hierarchischen Alexander III. dagegen verwarf: seitdem fiel Friedrichs Kampf gegen die Lombarden und gegen die Hierarchie zusammen. Nach zweij√§hriger Belagerung wurde 1162 Mailand bezwungen, seine Einwohnerschaft zerstreut angesiedelt, die Stadt ihren lombardischen Gegnern zur Zerst√∂rung preisgegeben. Alle St√§dte beugten sich und nahmen die von F. ihnen gesetzten Podest√†s (Statthalter) auf. F. kehrte nach Deutschland zur√ľck, belehnte K√∂nig Waldemar mit D√§nemark, vermochte aber die wachsende Anerkennung Alexanders III. nicht zu hindern, selbst als er auf dem Reichstag zu W√ľrzburg 1165 die F√ľrsten zur Anerkennung des nach Viktors IV. Tod neugew√§hlten Gegenpapstes Paschalis III. gen√∂tigt hatte. Zur Absch√ľttelung der strengen deutschen Herrschaft entstand im Osten Oberitaliens unter Leitung Veronas und Paduas ein Bund. Zu dessen Bezwingung sowie um den aus Frankreich nach Rom zur√ľckgekehrten Alexander III. zu st√ľrzen und die Anerkennung des Gegenpapstes zu erzwingen, zog F. 1166 zum drittenmal mit Heeresmacht nach Italien, belagerte das von den Griechen und den dem Papste verb√ľndeten Normannen aufgereizte Ancona vergeblich, zog dann vor Rom, erst√ľrmte 1167 die Leostadt und die brennende Peterskirche und lie√ü seine Gemahlin dort durch Paschalis III. kr√∂nen. Schon hatten nach Alexanders III. Flucht die R√∂mer sich unterworfen, als eine furchtbare Pest (August 1167) ausbrach und F. mit seinem zusammenschwindenden Heere zu schleunigster Flucht n√∂tigte. Nun brach der Aufstand auch in der Lombardei offen aus. Unter gro√üen Gefahren entkam F. nach Burgund, fand aber auch in Deutschland traurige Zust√§nde: die s√§chsischen F√ľrsten standen in offenem Kampfe gegen den √ľberm√§chtigen Heinrich den L√∂wen, der Landfriede war √ľberall gest√∂rt. Mit Nachdruck stellte F. die Ordnung wieder her, ergriff aber, um dem dritten Gegenpapst, Calixtus III., Anerkennung zu verschaffen, zu den √§u√üersten Gewaltma√üregeln, unter denen namentlich die zu Alexander III. haltenden Gebiete von Salzburg, √Ėsterreich und B√∂hmen schwer litten, und drang dennoch nicht durch. Erst 1174 konnte F. wieder nach Italien ziehen, wo inzwischen ein gro√üer lombardischer St√§dtebund gebildet, Mailand wiederhergestellt und der Anhang Friedrichs zum Anschlu√ü an seine Feinde gezwungen worden war. Alessandria, die Bundesfestung der Lombarden, wurde belagert, aber bei Ann√§herung eines Entsatzheeres freigegeben. F. forderte Verst√§rkungen aus Deutschland; Heinrich der L√∂we verweigerte jede Hilfe, und selbst Friedrichs pers√∂nliche Bitte auf einer Zusammenkunft im M√§rz 1176 blieb erfolglos (der Fu√üfall Friedrichs geh√∂rt in die Sage). Am 29. Mai 1176 von den Lombarden bei Legnano v√∂llig geschlagen, entschlo√ü sich F. auf Andringen der geistlichen F√ľrsten Deutschlands zu Verhandlungen mit Alexander III., die aber, da dieser nicht ohne seine lombardischen Bundesgenossen handeln wollte, erst 1. Aug. 1177 in Venedig zum Frieden f√ľhrten: Alexander ward anerkannt und ein sechsj√§hriger Waffenstillstand mit den in ihren Rechten gelassenen lombardischen St√§dten vereinbart. Auf derselben Grundlage kam 1183 zu Konstanz der endg√ľltige Friede mit ihnen zustande. Auf der R√ľckkehr nach Deutschland lie√ü sich F. zum K√∂nig von Burgund kr√∂nen, √§chtete den treubr√ľchigen Heinrich den L√∂wen, der mit seinen Vasallen in Sachsen in erbittertem Kampfe lag, besiegte ihn 1180 und 1181 m√ľhelos, teilte wie vorher Bayern so nun auch das Herzogtum Sachsen und lie√ü Westfalen an das Erzbistum K√∂ln, Ostsachsen an Bernhard von Anhalt gelangen; Braunschweig und L√ľneburg blieben dem Welfen. Friedrichs Macht stand gl√§nzender da als zuvor: festlich wurde Pfingsten 1184 zu Mainz die ¬ĽSchwertleite¬ę seiner beiden √§ltesten S√∂hne, K√∂nig Heinrichs (seit 1169) und Friedrichs, gefeiert. Wegen der endg√ľltigen Entscheidung √ľber die streitigen Mathildischen G√ľter, die F. 1177 behalten hatte, und √ľber seinen Plan, seinen Sohn Heinrich noch bei seinen Lebzeiten zum Kaiser gekr√∂nt zu sehen, zerfiel F. noch einmal mit der Kurie, siegte aber, durch die Lombarden und die deutschen Bisch√∂fe unterst√ľtzt, und verm√§hlte 1186 zu Mailand seinen Sohn Heinrich mit Konstanze, der Erbin des Normannenreichs in Unteritalien und Sizilien. Als erster F√ľrst der Christenheit geehrt, wollte F. auch den Pflichten eines solchen nachkommen, nahm 1188 das Kreuz und r√ľstete zum Zug zur Befreiung Jerusalems. Im Mai 1189 brach er von Regensburg mit einem gl√§nzenden Heer auf, zog durch Ungarn, Serbien und Griechenland, Verrat und Feindschaft durch Strenge vergeltend, und betrat, von Gallipoli aus √ľbersetzend, 29. M√§rz 1190 den Boden Asiens. Unter furchtbaren Entbehrungen und gro√üen Verlusten erreichte das Heer Ikonion, besiegte hier die feindliche √úbermacht (18. Mai) und kam ungef√§hrdet in das christliche Armenien. Den Taurus √ľbersteigend, wendete sich das Heer s√ľdw√§rts nach Seleske (Seleukia), aber F. ging, um den Weg abzuk√ľrzen, 10. Juni 1190 direkt in das Tal des Kalykadnos (des heutigen G√∂ksu) hinab. Bei der Mittagsrast am Flusse suchte er trotz der Warnungen seiner Begleitung Erquickung in einem Bad, aber von einem Schlagflu√ü gel√§hmt, ward er von den Wellen weggerissen und als Leiche aus dem Flu√ü gezogen. Friedrichs Herz und Eingeweide wurden in Tarsos, das von den Gebeinen gel√∂ste Fleisch in Antiochia, die Gebeine wahrscheinlich in Tyrus bestattet. In Deutschland erregte die Kunde allgemeine Trauer, in den sp√§tern Zeiten der Ohnmacht Deutschlands galt F. als der m√§chtigste Herrscher des Reiches; daher wurde die eigentlich seinen Enkel Friedrich II. betreffende Sage, er sei gar nicht gestorben, auf ihn √ľbertragen (R√ľckerts Gedicht). Er schl√§ft nur, so hei√üt es, im Untersberg bei Salzburg oder in dem Kyffh√§user in Th√ľringen, um, wenn es nottut, zu k√ľnftiger Rettung Deutschlands wieder aufzustehen. Unterdes w√§chst der rote Bart durch den Tisch von Stein, und von Zeit zu Zeit bewegt der Kaiser das blonde Haupt, um zu vernehmen, ob die Raben noch um den Berg kreisen oder die Stunde des Erwachens f√ľr ihn erschienen sei und das goldene Zeitalter f√ľr Deutschland beginnen solle. In seinem √Ąu√üern schildern die Zeitgenossen F. als von frischer, wei√ü und roter Gesichtsfarbe, mit blondem, ins R√∂tliche spielendem, lockigem Haar und Bart, klarem und lebhaftem Blick, kr√§ftigen und schnellen Bewegungen, von heiterm Gesichtsausdruck, den fast stets ein L√§cheln umschwebte. In F. lebte ein frischer und m√§nnlicher Geist. Scharfsinn, Entschlossenheit, Leutseligkeit und Freigebigkeit, ein edles Streben nach Ruhm werden ihm nachger√ľhmt. Aber auch unerbittliche Strenge und, gereizt, sich zur Grausamkeit verirrende H√§rte waren ihm eigen. Vgl. I. Voigt, Geschichte des Lombardenbundes und seines Kampfes mit Kaiser F. I. (K√∂nigsb. 1818); F. v. Raumer, Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit, Bd. 2 (5. Aufl., Leipz. 1878); Prutz, Kaiser F. I. (Danz. 1871‚Äď74, 3 Bde.); Dettloff, Der erste R√∂merzug Kaiser Friedrichs I. (G√∂tting. 1877); Ribbeck, F. I. und die r√∂mische Kurie 1157‚Äď1159 (Leipz. 1881); Scheffer-Boichorst, Kaiser Friedrichs I. letzter Streit mit der Kurie (Berl. 1866); Karl Fischer, Geschichte des Kreuzzugs Kaiser Friedrichs I. (Leipz. 1870); Gundlach, Barbarossalieder, √ľbersetzt und eingeleitet (Innsbruck 1899).

2) F. II., geb. 26. Dez. 1194 in Jesi in der Mark Ancona, gest. 13. Dez. 1250 in Fiorentino, Enkel des vorigen, Sohn des Kaisers Heinrich VI. und der Konstanze von Neapel, als K√∂nig von Sizilien F. I. genannt, wurde, noch ungetauft, von den deutschen F√ľrsten zum dereinstigen Nachfolger seines Vaters ernannt und schon im 3. Lebensjahr durch den Tod seines Vaters (28. Sept. 1197) Erbe der Krone von Sizilien. In kurzem auch seiner Mutter beraubt, die ohnm√§chtig unter den aufst√§ndischen Gro√üen die Vormundschaft √ľber ihn dem Papst Innozenz III., den sie als ihren Lehnsherrn anerkannte, √ľbertragen hatte, verlebte F. in Palermo eine √ľberaus kl√§gliche Jugend; aber fr√ľhzeitig wurde er Meister seines Willens und seiner vielseitigen Begabung. Im 14. Jahr erkl√§rte ihn der Papst f√ľr m√ľndig und verm√§hlte ihn bald nachher mit der zehn Jahre √§ltern Konstanze, der Tochter des K√∂nigs Alfons von Aragonien, der kinderlosen Witwe des K√∂nigs Emmerich von Ungarn. Als nun der Kaiser Otto IV. nach dem Tode seines Gegners Philipp von Schwaben mit dem Papst zerfiel, schlug dieser 1210 den deutschen F√ľrsten den jungen F. als zu erw√§hlenden Herrscher vor. Er erhielt 1211 die Einladung, nach Deutschland zu kommen, um die K√∂nigskrone zu empfangen. Vom Geist seines Ahnen Barbarossa ergriffen, folgte er, nachdem er seinen erstgebornen Sohn, Heinrich, zum K√∂nig von Sizilien hatte kr√∂nen lassen, dem Ruf, leistete Innozenz in Rom noch einmal den Lehnseid und brach in Begleitung eines p√§pstlichen Legaten und weniger Gro√üen Siziliens zur See √ľber Genua nach der Lombardei auf, sein v√§terliches Reich zu erobern. Gl√ľcklich gelangte er 1212 √ľber die Alpen, gewann seinem Gegner Konstanz ab, dann auch Breisach, den Schl√ľssel des Reiches, worauf ihm ganz Schwaben, ja die meisten deutschen F√ľrsten und St√§dte zufielen. F. schlo√ü ein B√ľndnis mit K√∂nig Philipp August von Frankreich gegen Otto, trieb diesen den Rhein hinab und lie√ü sich 1215 in Aachen kr√∂nen. Aus Dankbarkeit f√ľr die von F. leichtsinnig gew√§hrten Hoheitsrechte erw√§hlten die Reichsf√ľrsten seinen jungen Sohn, Heinrich, der schon im Sommer 1216 mit seiner Mutter nach Deutschland gekommen war, im April 1220 kurz vor Friedrichs Ausbruch nach Italien in Frankfurt zum r√∂mischen K√∂nig. Der Nachfolger Innozenz' III., der friedliebende Honorius III., erkannte, wenn auch widerwillig, die Personalunion des Reiches und Siziliens an und setzte F. 22. Nov. 1220 in Rom die Kaiserkrone auf. F. kam den W√ľnschen der Kirche durch Erlassung strenger Gesetze gegen die Ketzer und gegen die in den st√§dtischen Kommunen zum Nachteil der Kirche erlassenen Statuten sowie durch Erneuerung des Kreuzzugsgel√ľbdes entgegen. Im August 1221 sollte er nach dem Orient aufbrechen. Bis dahin mu√üte aber im K√∂nigreich Sizilien Ordnung hergestellt werden, und mit Einsicht und r√ľcksichtsloser Machtentwickelung ging F., auch der Geistlichkeit gegen√ľber, an die Restitution der k√∂niglichen Rechte: die widerspenstigen Gro√üen mu√üten sich beugen; nur die Unterwerfung der Sarazenen war in so kurzer Zeit nicht durchzusetzen. Wiederholt schob Honorius, der wohl wu√üte, da√ü eine Eroberung Jerusalems nur mit Hilfe des Kaisers m√∂glich war, den Kreuzzug, zuletzt im Juli 1225, auf weitere zwei Jahre hinaus. Um F., der √ľbrigens umfangreiche R√ľstungen vornahm, auf das engste an die p√§pstlichen Interessen im Orient zu fesseln, verm√§hlte er ihn mit Jolante, der Tochter Johanns von Brienne, K√∂nigs von Jerusalem. Nach Verlauf der zwei Jahre war durch die Verpflanzung der Sarazenen nach der Stadt Luceria in der Landschaft Capitanata in Sizilien Friede geschaffen, aber noch immer trotzten die Lombarden. Als sie F. zum Reichstag nach Cremona berief, blieben die Mail√§nder mit ihren Anh√§ngern aus, erneuerten 6. M√§rz, im ganzen 15 St√§dte, den alten Lombardenbund und wurden, obwohl ge√§chtet, durch Honorius' Vermittelung mit F. vers√∂hnt, doch so, da√ü zwar die Rechte der Kirche, nicht aber die des Reiches gewahrt waren. Nun schiffte sich der Kaiser 1227 in Brindisi nach Pal√§stina ein, kehrte aber, da auf der See eine Krankheit unter den Kreuzfahrern ausbrach, an der F. selbst erkrankte, wieder um. Obwohl von Honorius' Nachfolger, dem leidenschaftlichen Gregor IX., deshalb gebannt, erf√ľllte F. sein Gel√ľbde und trat im Juni 1223 den Kreuzzug an. Aber der unvers√∂hnliche Papst betrieb unterdessen in Deutschland den Sturz der staufischen Dynastie u. die Wahl eines Gegenk√∂nigs u. eroberte das K√∂nigreich Neapel. Selbst in Pal√§stina von den P√§pstlichen verfolgt, bewog F. den Sultan Alk√Ęmil zu einem f√ľr die Christen h√∂chst vorteilhaften zehnj√§hrigen Vertrag, brach, nachdem er sich in Jerusalem in der Grabeskirche 18. M√§rz 1229 selbst die Krone auf das Haupt gesetzt hatte, nach Italien auf, eroberte sein K√∂nigreich zur√ľck und zwang Gregor im August 1230 zum Frieden von San Germano. Doch die k√∂nigliche Macht, deren Befestigung der Kaiser nunmehr in seinem Erbreich Sizilien mit Energie betrieb, blieb f√ľr die r√∂mische Kirche dauernd ein Stein des Ansto√ües. Die ganze staatliche, wirtschaftliche und milit√§rische Neuorganisation des K√∂nigreichs im Sinne des aufgekl√§rten Absolutismus erhielt ihren Ausdruck durch ein neues Gesetzbuch, die sizilischen Konstitutionen, woran neben dem Kaiser der Erzbischof Jakob von Capua und der Gro√ühofrichter Peter de Vinea mitarbeiteten. Trotz des p√§pstlichen Zornes wurden diese Gesetze im August 1231 zu Melfi publiziert. Auf den 1. Nov. schrieb F. dann einen Reichstag nach Ravenna aus, worauf die feindlichen Kommunen in der Lombardei den Lombardenbund erneuerten und sich mit Friedrichs eignem Sohn Heinrich, der bisher in Deutschland vieles zur Unzufriedenheit des Vaters unternommen hatte und 1235 zum offenen Aufstand √ľberging, verbanden. F. erschien ohne Heer in Deutschland, F√ľrsten und St√§dte schlossen sich ihm an; Heinrich mu√üte sich dem√ľtigen und wurde √ľber die Alpen geschickt, wo er 1242 zu Martorano starb. F. ver heiratete sich 1235, seit 1227 zum zweitenmal verwitwet, mit Isabella, der Schwester K√∂nig Heinrichs III. von England. Dann hielt er einen gl√§nzenden Reichstag zu Mainz, √ľbergab daselbst dem einzigen Nachkommen Heinrichs des L√∂wen, Otto, seine Stamml√§nder als Herzogtum, endete so den langen Streit zwischen Hohenstaufen und Welfen und sicherte sich Schwaben und andres Erbgut. Hierauf wurden die Rechte der F√ľrsten best√§tigt und ein allgemeiner Landfriede in deutscher Sprache bekannt gemacht. Huldigend erschienen die St√§nde von Arelat und Burgund. F. stand auf der H√∂he seines Gl√ľckes. 1236 entri√ü er dem widerspenstigen Herzog Friedrich dem Streitbaren √Ėsterreich und Steiermark und nahm diese Herzogt√ľmer in eigne Verwaltung. Nachdem nach sein zweiter Sohn, Konrad, zum r√∂mischen K√∂nige gew√§hlt war, brach F. mit einem stattlichen Heer nach der Lombardei auf und besiegte 27. Nov. 1237 die Mail√§nder bei Cortenuova; nun zogen sich aber die Lombarden hinter die Mauern ihrer schwer einnehmbaren St√§dte zur√ľck, ermutigt durch die mi√ügl√ľckte Belagerung von Brescia. Als F. seinen nat√ľrlichen Sohn Enzio mit einer sardinischen F√ľrstin verm√§hlte und, trotz des Widerspruchs des Papstes, als K√∂nig von Sardinien ausrufen lie√ü, traf ihn ein neuer Bannfluch (20. M√§rz 1239). Gregor begann den Vernichtungskampf mit einer Denkschrift voll der schwersten und ungerechtesten Anklagen zum Beweis der Ketzerei des Kaisers, wogegen dieser in einer Verteidigungsschrift protestierte und die Hilfe aller christlichen F√ľrsten anrief. Zugleich betrieb Gregor im Deutschen Reich die Erhebung eines Gegenk√∂nigs, der sich aber nirgends finden wollte, und rief die sizilischen Gro√üen zur Emp√∂rung auf. F. brach indessen in den Kirchenstaat ein, den er 1240 bis auf Rom eroberte, und 3. Mai 1241 siegte Friedrichs Flotte unter K√∂nig Enzio in der N√§he der Insel Monte Cristo √ľber die genuesische, auf der sich die von Gregor zu einem Konzil nach Rom berufenen, dem Kaiser feindlichen Pr√§laten Frankreichs und Spaniens befanden. Nachdem 21. Aug. 1241 Gregor IX. gestorben, schien die erst zwei Jahre danach erfolgende Wahl des F. befreundeten Innozenz IV. die wilden Parteik√§mpfe zu beenden, doch scheiterten die Unterhandlungen zwischen Papst und Kaiser, in denen dieser vor allem die L√∂sung vom Bann verlangte. Innozenz floh 1244 √ľber Genua nach Lyon, berief eine gro√üe Kirchenversammlung (1245), forderte des Kaisers pers√∂nliches Erscheinen, um sich von der Anklage des Meineides, Friedensbruches, Kirchenraubes, der Heiligensch√§ndung und Ketzerei zu reinigen, und entsetzte ihn, als er hierauf nicht einging, 17. Juli aller seiner W√ľrden, befahl den Deutschen die Wahl eines neuen K√∂nigs, verband sich auf das engste mit den Lombarden und wurde sogar Teilnehmer einer Verschw√∂rung zur heimlichen Ermordung des Kaisers. Wohl wehrte sich F. gegen den Bann, rechtfertigte in Schreiben an alle Monarchen Europas sein Streben nach Befreiung der weltlichen Macht von der Hierarchie und verteidigte in Deutschland und Italien tatkr√§ftig seine Rechte. Indessen predigten Scharen von Bettelm√∂nchen im ganzen Reich erfolgreich den Abfall vom Kaiser; in Deutschland erhoben sich zuerst die geistlichen F√ľrsten und w√§hlten den Landgrafen Heinrich Raspe von Th√ľringen, nach dessen Tod (1247) Wilhelm von Holland zum Gegenk√∂nig. F. erhielt jetzt aus Deutschland keinen Zuzug mehr, Siziliens Kr√§fte waren ersch√∂pft, und die Niederlage vor Parma 18. Febr. 1248 vernichtete seine letzte Streitmacht. Die Bolognesen nahmen bei Fossalta (26. Mai 1249) Friedrichs Lieblingssohn, K√∂nig Enzio, gefangen, und sein vertrautester Rat, Peter de Vinea, ward, von den P√§pstlichen bestochen, zum Verr√§ter seines Herrn. Nicht √ľberwunden, aber wegen Ersch√∂pfung seiner Hilfsmittel ohne Aussicht auf dauernden Sieg und innerlich gebrochen, starb F. 1250 zu Fiorentino in Apulien. Im Testament hatte er seinen Sohn, den r√∂mischen K√∂nig Konrad IV., und f√ľr den Fall, da√ü dieser kinderlos sterben sollte, Isabellas Sohn Heinrich und dann in gleichem Fall Manfred, den Sohn seiner Geliebten Blanca von Lancia, mit der er sich erst auf dem Sterbebette trauen lie√ü, zu Haupterben eingesetzt. F√ľr seinen unehelichen Sohn Friedrich von Antiochia (gest. 1258) hatte er Toskana bestimmt.

Ein an Schicksalen reicheres F√ľrstenleben hat das ganze Mittelalter nicht aufzuweisen; unter allen Hohenstaufen kommt ihm an geistiger Begabung keiner gleich. Dem sinnlichen Genu√ü √ľber Geb√ľhr ergeben, Krieger und Dichter, Gesetzgeber und K√ľnstler, von den Christen verraten und von Sarazenen geehrt, heftig in der Liebe wie im Ha√ü, fromm und doch als Ketzer gebrandmarkt, in seiner Ansicht √ľber Kirchentum und Staat seiner Zeit weit vorauseilend und doch ihr huldigend, ist F. eine bei allen Fehlern bezaubernde Erscheinung. Obwohl seinem Wesen nach Italiener und Deutschland fremd gegen√ľberstehend, blieb er dem deutschen Volk als letzter gewaltiger Vertreter des Staufengeschlechts in lebendigstem Ged√§chtnis; man hielt ihn nicht f√ľr tot, und noch 30 Jahre nach seinem Tode traten M√§nner auf, die sich f√ľr F. ausgaben und viel Anhang fanden; ja die Sage vom Zauberschlaf in einem Berg bezieht sich urspr√ľnglich auf F. II. (s. oben unter Friedrich I.). F. war der geschickteste Falkenier seiner Zeit und schrieb dar√ľber ¬ĽDe arte venandi cum avibus¬ę (Augsb. 1596; mit andern Schriften hrsg. von Schneider, Leipz. 1788; deutsch von Sch√∂pffer, Berl. 1896), das von seinem Sohn, dem K√∂nig Manfred, mit Anmerkungen versehen wurde. Vgl. Huillard-Br√©holles, Historia diplomatica Frederici II. (Par. 1852‚Äď61, 12 Bde.); Raumer, Geschichte der Hohenstaufen (5. Aufl., Leipz. 1878, 6 Bde.); Abel, Kaiser Otto IV. und K√∂nig F. II. (Berl. 1856); Schirrmacher, Kaiser F. II. (G√∂tting. 1859‚Äď65, 4 Bde.); Winkelmann, Kaiser F. II. Jahrb√ľcher der deutschen Geschichte (Leipz. 1889‚Äď97, Bd. 1 u. 2, bis 1233); K√∂hler, Das Verh√§ltnis Kaiser Friedrichs II. zu den P√§psten seiner Zeit (Bresl. 1888), A. del Vecchio, La legislazione di Frederico II Imperatore (Turin 1874); Blondel, Etude sur la politique de l'empereur Fr√©d√©ric IIen Allemagne (Par. 1892); Hampe, Kaiser F. II. (M√ľnch. 1899).

3) F. (III.) der Sch√∂ne, geb. 1286, gest. 13. Jan. 1330, Sohn Albrechts I. und Elisabeths von K√§rnten, f√ľhrte nach dem Tode seines √§ltern Bruders, Rudolf, und der Ermordung seines Vaters 1308 als der √§lteste nach lebende Sohn die Regierung des Herzogtums √Ėsterreich f√ľr sich und seine j√ľngern Br√ľder. Mit seinem Vetter Ludwig von Bayern zugleich erzogen und in Freundschaft verbunden, entzweite er sich jedoch mit ihm wegen der Vormundschaft √ľber die niederbayrischen Herzoge, ward 9. Nov. 1313 bei Gamelsdorf von Ludwig geschlagen und verzichtete 1314 auf die Vormundschaft. Nach Heinrichs VII. Tod bewarb sich F. um die Kaiserkrone; doch auf Antrieb des Erzbischofs von Mainz wurde im Oktober 1314 von vier Kurstimmen Ludwig zum Kaiser erw√§hlt, w√§hrend F. nur drei Stimmen erhielt. Auch mit der Kr√∂nung zu Aachen kam Ludwig F. zuvor, der sich nun vom K√∂lner Erzbischof in Bonn die Krone aussetzen lie√ü. Nach mehrj√§hrigem B√ľrgerkrieg neigte sich der Sieg auf Friedrichs Seite, der besonders von seinem Bruder Leopold unterst√ľtzt ward, aber bei M√ľhldorf auf der Ampfinger Heide (28. Sept. 1322) ward Friedrichs Heer v√∂llig geschlagen und er selbst nebst 1300 Rittern gefangen. Ludwig hielt ihn drei Jahre lang auf der Burg Trausnitz in der Oberpfalz in ritterlicher Hast, und erst durch den fortgesetzten Widerstand Leopolds, den Abfall des K√∂nigs von B√∂hmen und den Bannfluch des Papstes gedr√§ngt, gab er F. durch den Trausnitzer Vertrag 13. M√§rz 1325 frei. Daf√ľr erkannte dieser Ludwig als rechtm√§√üigen K√∂nig an und kehrte, als es ihm nicht gelang, seinen Bruder Leopold zur Unterwerfung zu bereden, seinem Eide treu, obwohl ihn der Papst desselben entband, als Gefangener nach M√ľnchen zur√ľck. Ludwig, durch solchen Edelmut √ľberwunden, erneuerte hierauf das alte innige Verh√§ltnis, und beide gelobten einander, gemeinsam zu regieren. Da dieses Abkommen jedoch vom Papst und den Kurf√ľrsten heftig angefochten wurde, vereinten sie sich zu Ulm 7. Jan. 1326 dahin, da√ü F. als r√∂mischer K√∂nig Deutschland verwalten, Ludwig aber nach Italien zur Kaiserkr√∂nung gehen solle. Doch zog sich F. nach Leopolds Tod (gest. 1326) von der Reichsregierung zur√ľck, ward auch in der Herrschaft √ľber √Ėsterreich von seinen Br√ľdern beschr√§nkt und starb auf Schlo√ü Gutenstein im Wiener Wald. Zu Mauerbach in dem von ihm gestifteten Kloster ward F. bestattet, nach dessen Aufhebung 1783 gelangten seine irdischen √úberreste in den Stephansdom zu Wien. Friedrichs S√∂hne von Elisabeth, Tochter des K√∂nigs Jakob I. von Aragonien, starben fr√ľh. Friedrichs gro√üherzige R√ľckkehr in die Gefangenschaft begeisterte Schiller zu seinem sch√∂nen Gedicht ¬ĽDeutsche Treue¬ę und Uhland zu dem Drama ¬ĽLudwig der Bayer¬ę. Vgl. Kurz, √Ėsterreich unter F. dem Sch√∂nen (Linz 1818); Kopp, Die Gegenk√∂nige F. und Ludwig und ihre Zeit (Berl. 1853‚Äď58); D√∂bner, Die Auseinandersetzungen zwischen Ludwig IV. und F. dem Sch√∂nen 1325 (G√∂tting. 1875); Schrohe, Der Kampf der Gegenk√∂nige Ludwig und F. (Berl. 1902); Zei√überg, Elisabeth von Aragonien, Gemahlin Friedrichs des Sch√∂nen (Wien 1898).

4) F. III. (in √Ėsterreich auch wohl F. IV. genannt), als Erzherzog von √Ėsterreich F. V., geb. 21. Sept. 1415 in Innsbruck, gest. 19. Aug. 1493 in Linz, Sohn Herzog Ernsts des Eisernen von √Ėsterreich und der Cimburgis von Masovien, folgte nach dem Tode seines Vaters (1424) diesem unter Vormundschaft in der Regierung √ľber Steiermark, K√§rnten und Krain, trat 1435 mit seinem Bruder Albrecht dem Verschwender die Regierung seiner L√§nder selbst√§ndig an und war zugleich Vormund f√ľr seine Vettern Siegmund von Tirol und Ladislaus Posthumus von Nieder√∂sterreich, Ungarn und B√∂hmen. Nach Kaiser Albrechts II. Tod 2. Febr. 1440 zum deutschen K√∂nig erw√§hlt, kam er erst 1442 ins Reich und ward 17. Juni zu Aachen gekr√∂nt. Gleich im Anfang seiner Regierung sagte er sich Papst Eugen zu Gefallen 1445 vom Baseler Konzil, das sich unverrichteter Sache aufl√∂ste, los und erhielt die Kaiserkr√∂nung (welche, die letzte in Rom, 1452 stattfand) sowie die Zahlung von 220,000 Dukaten versprochen; die deutsche Kirche ward durch das Wiener Konkordat 1448 dem Papsttum √ľberliefert. F., fast nur um die Vergr√∂√üerung seiner Erblande bem√ľht, verwickelte sich in viele ungl√ľckliche Kriege. Um die Eidgenossen zu unterwerfen, rief er die Armagnaken (s.d.) unter der F√ľhrung des Dauphins ins Reich, die nach dem blutigen Kampf bei St. Jakob 1444 die deutschen Lande diesseit und jenseit des Rheins furchtbar verw√ľsteten, w√§hrend F. 1450 die Herrschaft in der Schweiz f√ľr immer verlor. Die √∂sterreichischen Erblande wurden durch die Fehde Friedrichs mit seinem Bruder Albrecht und durch einen Einfall des ungarischen Gubernators Johann Hunyadi heimgesucht, der den jungen K√∂nig Wladislaw den H√§nden des Vormundes entrei√üen wollte. Nach jahrelangen K√§mpfen und Aufst√§nden der Bev√∂lkerung √Ėsterreichs, auch Wiens, gelangte F. endlich nach Albrechts Tod (1463) zum alleinigen Besitz √Ėsterreichs. Das Erbe Wladislaws (gest. 1457), die K√∂nigreiche B√∂hmen und Ungarn, an sein Haus zu bringen, gelang ihm jedoch nicht. In B√∂hmen wurde Georg Podiebrad auf den Thron erhoben, in Ungarn Matthias Corvinus, und als F. auf Anstiften einer ungarischen Adelspartei sich zum K√∂nig von Ungarn kr√∂nen lie√ü, begann Matthias den Krieg und nahm Wien ein (1485). Erst nach Matthias'-Tod (1490) eroberte Friedrichs Sohn Maximilian √Ėsterreich wieder. Unt√§tig sah F. den immer h√§ufigern und weiter vordringenden Einf√§llen der T√ľrken zu, forderte zwar auf jedem Reichstag Hilfe, beruhigte sich aber auch, wenn er nichts bekam. Kriege w√ľteten in Deutschland unter den F√ľrsten und St√§dten, ohne da√ü F. den Landfrieden sch√ľtzte, und als er, aus seinen Erblanden vertrieben, ohne festen Aufenthalt umherzog, zeigte sich die kaiserliche Ohnmacht in kl√§glichster Bl√∂√üe. F. selbst lie√ü sich indes durch solche Dinge wenig anfechten. In Armut und Verbannung schmiedete er Pl√§ne, sann er auf die habsburgische Weltherrschaft, und wenn auch seine Zusammenkunft mit Karl dem K√ľhnen 1473 in Trier noch keinen Erfolg hatte, da F. Trier pl√∂tzlich verlie√ü, ehe er Karl die K√∂nigsw√ľrde verliehen, so brachte er doch nach Karls Tode 1477 die Heirat von dessen Tochter Maria mit seinem Sohne Maximilian zustande, womit er die Weltmacht seines Hauses begr√ľndete. Auf seinen B√ľchern, Gef√§√üen und Pal√§sten befand sich das Anagramm ¬ĽA. E. J. O. C.¬ę (¬ĽAustriae Est Imperare Orbi Universo¬ę, ¬ĽEs ist √Ėsterreichs Bestimmung, √ľber den Erdkreis zu herrschen¬ę, auch deutsch aufgel√∂st als ¬ĽAlles Erdreich ist √Ėsterreich untertan¬ę). Nach √Ėsterreichs Wiedereroberung (1490) √ľberlie√ü er seinem Sohne Maximilian die Regierung, w√§hrend er selbst zu Linz seinen Lieblingsneigungen, Astrologie, Alchimie und Botanik, lebte. In den letzten Jahren seines Lebens mu√üte er sich noch ein Bein abnehmen lassen. Der Stephansdom zu Wien enth√§lt sein Denkmal, das noch zu Lebzeiten des Kaisers von Lerch begonnen, 1513 von M. Dichter vollendet ward. Ihm folgte sein 1486 zum r√∂mischen K√∂nig ernannter Sohn Maximilian, der Spr√∂√üling aus Friedrichs Ehe mit Eleonore von Portugal. Vgl. √Ąneas Sylvius, Geschichte Friedrichs III. (deutsch von Ilgen, Leipz. 1889); Chmel, Geschichte Kaiser Friedrichs IV. (Hamb. 1840‚Äď43, 2 Bde.); Bachmann, Deutsche Reichsgeschichte im Zeitalter Friedrichs III. und Maximilians I. (Leipz. 1884‚Äď94, 2 Bde.); Martens, Die letzte Kaiserkr√∂nung in Rom 1452 (das., Diss., 1900).

[Deutscher Kaiser.] 5) F. Wilhelm Nikolaus Karl, deutscher Kaiser, als Friedrich III. K√∂nig von Preu√üen, geb. 18. Okt. 1831 im Neuen Palais bei Potsdam, gest. daselbst 15. Juni 1888, Sohn des Kaisers und K√∂nigs Wilhelm I. und der Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar, als Prinz und Kronprinz F. Wilhelm genannt, sorgf√§ltig erzogen, unter andern durch den Historiker Ernst Curtius (s.d.) gebildet, trat 1849 in das 1. Garderegiment ein und besuchte 1850 die Universit√§t Bonn. Am 3. Juli 1856 Oberst und Kommandeur des 1. Garderegiments, im Herbst d. I. des II. Infanterieregiments in Breslau geworden, verm√§hlte er sich 25. Jan. 1858 mit der Prince√ü Royal von Gro√übritannien, Viktoria Adelheid Marie Luise (geb. 21. Nov. 1840, gest. 5. Aug. 1901 als ¬ĽKaiserin Friedrich¬ę), und wurde im Januar 1861 durch die Thronbesteigung seines Vaters Kronprinz von Preu√üen. Im d√§nischen Krieg 1864 erhielt er kein Kommando, beseitigte aber im Fr√ľhjahr auf dem Kriegsschauplatz infolge von pers√∂nlichen Rivalit√§ten entstandene Schwierigkeiten mit Liebensw√ľrdigkeit und Takt. Mild und gutm√ľtig von Charakter, war er 1863‚Äď66 mit Bismarcks Unnachgiebigkeit den W√ľnschen der Volksvertretung gegen√ľber nicht ein verstanden, ebensowenig mit seiner schleswig-holsteinischen Politik. Doch 1866 gab er seine Bedenken auf, wurde 17. Mai 1866 Oberbefehlshaber der zweiten Armee, die sich in Schlesien sammelte, √ľberschritt 26. Juni die Grenze, erzwang sich durch die gl√ľcklichen Gefechte von Nachod, Trautenau, Skalitz, Schweinsch√§del (27.- 29. Juni) den Einmarsch in B√∂hmen und entschied 3. Juli durch sein rechtzeitiges Eintreffen bei Chlum den Sieg von K√∂niggr√§tz, wof√ľr er auf dem Schlachtfeld aus der Hand seines Vaters den Orden pour le m√©rite empfing. Im franz√∂sischen Krieg 1870/71 befehligte er die dritte, drei preu√üische und die s√ľddeutschen Korps umfassende Armee; v. Blumen thal (s.d.) war, wie 1866, sein Generalstabschef. Die vereinigten nord- und s√ľddeutschen Krieger erfochten gleich zu Anfang die blutigen, aber gl√§nzenden Siege bei Wei√üenburg (4. Aug.) und bei W√∂rth (6. Aug.). der Kronprinz erfreute sich allgemeiner Beliebtheit und ward bald allgemein ¬Ľunser Fritz¬ę genannt. Nach dem Siege bei W√∂rth marschierte er auf Paris, bewerkstelligte Ende August die gro√üe Rechtsschwenkung nach Norden und entschied den Sieg von Sedan (1. Sept.) im S√ľden und Westen. Am 19. Sept. bewirkte er die Einschlie√üung von Paris und wurde in Versailles, wo w√§hrend der Belagerung sein Hauptquartier stand, 28. Okt. zum Generalfeldmarschall ernannt und hie√ü seit 18. Jan. 1871 Kronprinz des Deutschen Reiches. Nach dem Frieden mit dem Gro√ükreuz des Eisernen Kreuzes geschm√ľckt, ward F. Generalinspekteur der vierten Armeeinspektion des deutschen Reichsheeres. Vom 4. Juni bis 5. Dez. 1878 war er nach Nobilings Attentat mit der Stellvertretung des Vaters beauftragt. Er zeigte lebhaftes Interesse f√ľr die wissenschaftlichen und k√ľnstlerischen Bestrebungen der Gegenwart und suchte im Verein mit seiner Gemahlin namentlich dem Kunstgewerbe in Deutschland einen h√∂hern Aufschwung zu geben. Unter den Besuchen, die er in Vertretung seines Vaters an fremden H√∂fen abstattete, hatte die Reise 1883 mit einem Kriegsgeschwader nach Spanien, dann nach Rom eine besondere Bedeutung. 1887 erkrankte er an einem Kehlkopfleiden- und vertraute sich, eine Operation durch deutsche √Ąrzte ablehnend, einem englischen Arzte, Mackenzie, an. Doch nahm trotz des Aufenthaltes in San Remo die Krankheit immer mehr zu, und schwer leidend reiste er nach dem Tode seines Vaters (9. M√§rz 1888) nach Deutschland zur√ľck, wo er mit einer Proklamation vom 12. M√§rz die Regierung des Deutschen Reiches und Preu√üens √ľbernahm. Den Reichskanzler Bismarck und die √ľbrigen Minister, au√üer Puttkamer, behielt er bei. Doch nahm die Zerst√∂rung des Kehlkopfes rasch √ľberhand, und nach einer Regierung von 99 Tagen erlag er seinem Leiden. Seine Witwe nahm den Namen Kaiserin F. an. Seine Kinder sind. Wilhelm II., deutscher Kaiser (geb. 27. Jan. 1859), Prinzessin Charlotte (geb. 24. Juli 1860, verm√§hlt 18. Febr. 1878 mit dem Erbprinzen von Sachsen-Meiningen), Prinz Heinrich (geb. 14. Aug. 1862, s. Heinrich), die Prinzessinnen Viktoria (geb. 12. April 1866, verm√§hlt 19. Nov. 1890 mit dem Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe), Sophie (geb. 14. Juni 1870, verm√§hlt 27. Okt. 1889 mit dem Kronprinzen Konstantin von Griechenland) und Margareta (geb. 22. April 1872, verm√§hlt 25. Jan. 1893 mit dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen), Prinz Sigismund (geb. 1864, gest. 18. Juni 1866), Prinz Waldemar (geb. 1868, gest. 17. M√§rz 1879). Seine ¬ĽTageb√ľcher √ľber die Kriege 1866 und 1870/71 sowie √ľber seine Reisen nach dem Morgenland und nach Spanien¬ę gab Margarete v. Poschinger heraus (2. Aufl., Berl. 1902). Denkm√§ler wurden ihm errichtet: 1893 in Elberfeld (von Eberlein), 1895 auf dem Schlachtfelde von W√∂rth (Reiterdenkmal von Baumbach), 1897 in Wiesbaden, 1897 in Homburg v. d. H. und 1902 in Kronberg i. T. (alle drei von Uphues), 1901 in √Ėls und 1902 in Posen (beide von Boese), 1901 in Breslau (von Br√ľtt), 1902 in Stettin (von A. Schulz) und 1903 in Berlin (vor dem Brandenburger Tor, von Br√ľtt). In Vorbereitung sind Denkm√§ler in Berlin (Reiterdenkmal von Maison vor dem Kaiser Friedrichs-Museum), Charlottenburg (von Uphues), Potsdam (von B√∂rmel) u. a. O. Vgl. Marg. v. Poschinger, Kaiser F., in neuer quellenm√§√üiger Darstellung (Berl. 1898‚Äď1900, 3 Bde.); M. Philippson, Das Leben Kaiser Friedrichs III. (Wiesb. 1900); M√ľller-Bohn, Unser Fritz, deutscher Kaiser etc. (9. Aufl., Berl. 1896) und Kaiser F. der G√ľtige (Prachtwerk, das. 1900); Otto Richter, Kaiser F. III. (2. Aufl., das. 1903); Freytag, Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone (Leipz. 1889).

[Anhalt.] 6) Friedrich Leopold Franz Nikolaus, Herzog von Anhalt, geb. 29. April 1831, gest. 24. Jan. 1904 in Ballenstedt, Sohn des Herzogs Leopold Friedrich von Anhalt-Dessau und der Herzogin Friederike, einer gebornen Prinzessin von Preußen, studierte in Bonn und Genf, trat 1851 in das 1. Garderegiment zu Fuß in Potsdam ein, lebte aber seit 1853 dauernd in Dessau. 1864 machte er im Stabe seines Schwagers, des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, den schleswigschen Feldzug mit, wurde 1867 Generalleutnant à la suite der Armee, beteiligte sich auch 1870/71 am deutsch-französischen Krieg, folgte nach dem Tode seines Vaters (22. Mai 1871) diesem in der Regierung, trat aber außerhalb seines Landes wenig hervor und beförderte alle der Kunst zugute kommenden Bestrebungen. Er war seit 22. April 1854 vermählt mit der Prinzessin Antoinette von Sachsen (geb. 17. April 1838), Tochter des Prinzen Eduard von Sachsen-Altenburg. Kinder dieser Ehe sind: der gegenwärtige Herzog Friedrich II. (s. Friedrich 7); die Prinzessin Elisabeth, geb. 1857,17. April 1877 mit dem Erbgroßherzog von Mecklenburg-Strelitz vermählt; Prinz Eduard, geb. 18. April 1861, vermählt seit 1895 mit Prinzessin Luise von Sachsen-Altenburg; Prinz Aribert, geb. 1864, vermählt seit 1891 mit Prinzessin Luise zu Schleswig-Holstein, geschieden 13. Dez. 1900; Prinzessin Alexandra, geb. 1868, seit 1897 vermählt mit Prinz Sizzo von Schwarzburg.

7) Leopold Friedrich II. Eduard Karl Alexander, Herzog von Anhalt, geb. 19. Aug. 1856, k√∂niglich preu√üischer Oberst √° la suite der Armee und des Infanterieregiments Nr. 93, Kunstfreund und Komponist, folgte 24. Jan. 1904 seinem Vater, dem Herzog Friedrich I. (s. Friedrich 6), da sein √§ltester Bruder, der am 18. Juli 1855 geborne Erbprinz Leopold, schon 2. Febr. 1886 gestorben war. Herzog F. II. ist seit 2. Juli 1889 mit der am 26. Juli 1865 gebornen Prinzessin Marie von Baden in bis jetzt kinderloser Ehe verm√§hlt. Voraussichtlicher Thronfolger ist demzufolge der 1861 geborne j√ľngere Bruder des Herzogs, Prinz Eduard.

[Baden.] 8) F. I., Markgraf von Baden, geb. 1249, gest. 29. Okt. 1268, Sohn des Markgrafen Hermann VI. zu Baden und Gertruds, Tochter des Herzogs Heinrich des Gottlosen von √Ėsterreich, folgte seinem Vater 1250 unter der Vormundschaft seiner Mutter in √Ėsterreich, ward aber durch Ottokar von B√∂hmen verdr√§ngt. Bekannt ist F. als Freund Konradins von Schwaben, mit dem er am bayrischen Hof erzogen worden war, und den er 1267 nach Neapel begleitete, wo er mit ihm von Karl von Anjou gefangen und enthauptet wurde.

9) F. VI., Markgraf von Baden, geb. 16. Nov. 1617, gest. 31. Jan. 1677 in Durlach, Sohn des Markgrafen Friedrich V., focht unter Bernhard von Weimar und Karl X. Gustav von Schweden in Deutschland und Polen mit gro√üer Auszeichnung und errang 1664 in Ungarn gegen die T√ľrken, 1674‚Äď76 als Reichsfeldmarschall gegen Frankreich neue Lorbeeren. Nach seines Vaters Tode (1659) zur Regierung in Baden-Durlach gelangt, bem√ľhte er sich um die kulturelle Hebung seines durch den Drei√üigj√§hrigen Krieg heimgesuchten Landes.

10) Friedrich Wilhelm Ludwig, Gro√üherzog von Baden, geb. 9. Sept. 1826, zweiter Sohn des Gro√üherzogs Leopold und der Prinzessin Sophie Wilhelmine von Schweden, studierte gemeinsam mit seinem √§ltern Bruder, Ludwig, in Heidelberg und Bonn, erhielt, da Ludwig in eine Gem√ľtskrankheit verfiel, nach des Vaters Tode (24. April 1852) mit Zustimmung der Agnaten die Regentschaft, nahm 5. Sept. 1856, da sich die Krankheit seines Bruders als unheilbar erwies, den gro√üherzoglichen Titel an und ward durch dessen 22. Jan. 1858 erfolgtes Ableben alleiniger Gro√üherzog. Seine √§u√üere Politik war schon durch die am 20. Sept. 1856 erfolgte Verm√§hlung mit der Tochter des damaligen Prinzen Wilhelm von Preu√üen, des sp√§tern Kaisers, der Prinzessin Luise, gekennzeichnet, aber auch sonst war sich F. bereits in den 1850er Jahren der Notwendigkeit eines einigen Deutschland bewu√üt, wie er dies namentlich auf dem Frankfurter F√ľrstentag 1863 klar und bestimmt zum Ausdruck brachte. 1866 zur Teilnahme am Kriege gegen Preu√üen gezwungen, betrat F. sofort nach dem Frieden die Bahn einer entschieden nationalen, auf die Einheit Deutschlands unter preu√üischer F√ľhrung gerichteten Politik, ernannte schon 1868 den preu√üischen General Beyer zum badischen Kriegsminister und f√ľhrte durch ihn die Reorganisation des badischen Heeres nach preu√üischem Muster durch. W√§hrend des Krieges 1870/71 bet√§tigte er dieselbe Gesinnung, hatte wesentlichen Anteil an der Errichtung des Deutschen Reiches und brachte 18. Jan. 1871 das erste Kaiserhoch aus. Als Milit√§r ward F. 1877 Generalinspekteur der 5. Armeeinspektion und 1888 Generaloberst der Kavallerie. √úber seine Regentent√§tigkeit in Baden und die Entwickelung des Landes unter seiner Regierung s. Baden, Bd. 2, S. 254‚Äď255. Schon sein 25j√§hriges Regierungsjubil√§um wurde 1877 unter allgemeiner Teilnahme des deutschen Volkes gefeiert, noch mehr 1902 das 50j√§hrige. Seine ¬ĽReden und Kundgebungen 1852‚Äď1896¬ę gab Rudolf Krone (Freiburg 1901) heraus, seine Tagebuchsaufzeichnungen aus dem Jahr 1870/71 sind teilweise benutzt bei O. Lorenz, ¬ĽKaiser Wilhelm und die Begr√ľndung des Deutschen Reiches¬ę (Jena 1902). Kinder: der Erbgro√üherzog Friedrich Wilhelm (s. Friedrich 1 1); Prinzessin Viktoria, geb. 7. Aug. 1862, seit 20. Sept. 1881 Gemahlin des Kronprinzen von Schweden; Prinz Ludwig Wilhelm, geb. 12. Juni 1865, gest. 23. Febr. 1888. Vgl. v. Weech, Baden in den Jahren 1852 bis 1877 (Karlsr. 1877); Georg Meyer, Die Reichsgr√ľndung und das Gro√üherzogtum Baden (Heidelb. 1896); E. Keller, Gro√üherzog F. von Baden (Karlsr. 1892); A. Dove, Gro√üherzog F. von Baden als Landesherr und deutscher F√ľrst (Heidelb. 1902); O. Lorenz, F., Gro√üherzog von Baden (Berl. 1902).

11) F. Wilhelm, Erbgro√üherzog von Baden. Sohn des vorigen, geb. 9. Juli 1857, seit 1885 mit Prinzessin Hilda von Nassau, Tochter des Gro√üherzogs von Luxemburg, verm√§hlt (kinderlos), widmete sich vornehmlich dem milit√§rischen Dienst, war 1897‚Äď1902 kommandierender General des 8. Armeekorps in Koblenz und lebt gegenw√§rtig in Karlsruhe.

[Brandenburg.] 12) F. 1., Kurf√ľrst von Brandenburg, geb. 1371, gest. 21. Sept. 1440 in Kadolzburg, Sohn Friedrichs V. von Hohenzollern, Burggrafen von N√ľrnberg, folgte seinem Vater 1398 als F. VI. in der Regierung des F√ľrstentums Ansbach, k√§mpfte 1396 gegen die T√ľrken bei Nikopolis, wirkte 1400 bei der Absetzung des K√∂nigs Wenzel mit, begleitete K√∂nig Ruprecht 1401 auf seinem R√∂merzug, unterst√ľtzte 1409 K√∂nig Siegmund von Ungarn bei der Unterdr√ľckung des Aufruhrs seiner Vasallen und veranla√üte haupts√§chlich dessen Kaiserwahl (20. Sept. 1410). Zum Ersatz f√ľr die Kosten seines Beistandes und als die versprochene Belohnung √ľbertrug ihm Siegmund 8. Juli 1411 sein Kurf√ľrstentum Brandenburg zur Verwaltung und 30. April 1415 erb- und eigent√ľmlich, worauf 18. April 1417 zu Konstanz die feierliche Belehnung stattfand. Nachdem F. 1412 bis 1414 den widerspenstigen Adel zur Ruhe gebracht, bek√ľmmerte er sich wenig um sein neues Land, besch√§ftigte sich vielmehr vorwiegend mit den Reichsangelegenheiten, war 1418 Reichsverweser und mehrmals, aber ohne Gl√ľck, Anf√ľhrer der deutschen Heere in den Hussitenkriegen und veranla√üte dadurch Rachez√ľge der Hussiten in die Marken (namentlich 1432). Ebensowenig gl√ľckten seine auf Vergr√∂√üerung der Macht seines Hauses gerichteten Pl√§ne; wegen der Verleihung Kursachsens an Friedrich von Mei√üen entzweite er sich mit Siegmund. Nach dessen Tod bewarb er sich 1438 um die K√∂nigskrone, wurde indes weder 1438 noch 1440 gew√§hlt. F. war ein sein gebildeter Mann von bedeutenden politischen und milit√§rischen Gaben. Er verteilte seine Lande unter seine S√∂hne von seiner Gemahlin, der sch√∂nen Else von Bayern, mit der er sich 1401 verm√§hlt hatte, so, da√ü Johann Bayreuth, Friedrich die Mark, Albrecht Ansbach erhielt. In Friesack im Havelland, wo die Burg der von ihm besiegten Quitzows stand, ward ihm 1902 ein Standbild aus Bronze von Calandrelli errichtet; ein Marmorstandbild von L. Manzel steht in der Siegesallee in Berlin. Vgl. Riedel, Zehn Jahre aus der Geschichte der Ahnherren des preu√üischen K√∂nigshauses (Berl. 1851); Franklin, Die deutsche Politik Friedrichs I. (das. 1851); Brandenburg, K√∂nig Sigmund und Kurf√ľrst F. I. von Brandenburg (das. 1891).

13) F. II., der Eiserne, Kurf√ľrst von Brandenburg, geb. 9. Nov. 1413, gest. 10. Febr. 1471, Sohn des vorigen, 1421 mit einer polnischen Prinzessin verlobt und als mutma√ülicher Erbe Polens dort erzogen, kehrte nach deren Tod 1431 nach Brandenburg zur√ľck und folgte 1440 seinem Vater in der Regierung. Er brach die Selbst√§ndigkeit der St√§dte, namentlich der Zwillingsst√§dte Berlin-K√∂lln (1448), erwarb durch Kauf Kottbus und die Neumark (1455) sowie die Grafschaft Wernigerode, aber der Versuch, sich Pommern-Stettins nach Erl√∂schen der Herzoge zu bem√§chtigen, mi√ülang (1468). Da sein einziger Sohn vor ihm gestorben war, trat er 1470 die Regierung an seinen Bruder Albrecht Achilles ab und zog sich auf die Plassenburg zur√ľck. Ein Denkmal (von Calandrelli) steht in der Siegesallee zu Berlin. Vgl. G√§htgens, Die Beziehungen zwischen Brandenburg und Preu√üen unter Kurf√ľrst F. II. (Gie√üen 1890).

14) F. Wilhelm, der Gro√üe Kurf√ľrst, geb. 16. Febr. (n. St.) 1620 in K√∂lln an der Spree, gest. 9. Mai 1688 in Potsdam, Sohn und Nachfolger des Kurf√ľrsten Georg Wilhelm und der Kurf√ľrstin Elisabeth Charlotte, einer pf√§lzischen Prinzessin, wurde infolge der Kriegsn√∂te entfernt vom Hof in einfachen Verh√§ltnissen, aber von t√ľchtigen M√§nnern erzogen; besonders wichtig f√ľr ihn wurde sein dreij√§hriger Aufenthalt in den Niederlanden auf der Universit√§t zu Leiden und am Hof und im Feldlager des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien. Als er 1. Dez. 1640,20 Jahre alt, zur Regierung kam, fand er sich den schwierigsten Aufgaben gegen√ľber: mit Preu√üen wollte Polen ihn nur unter den dr√ľckendsten Bedingungen belehnen, die klevischen Lande waren seit Jahren Schaupl√§tze der K√§mpfe zwischen Spaniern und Holl√§ndern und zumeist im Besitz der letztern, die Mark war verw√ľstet und zu einem gro√üen Teil von dem seit dem Prager Frieden feindlichen Schweden besetzt, w√§hrend die kurf√ľrstlichen Truppen geradezu den Gehorsam verweigerten und schlimmer als Feinde hausten. Durch Klugheit und Energie √ľberwand der junge F√ľrst alle diese Schwierigkeiten: er erlangte 1641 die Belehnung mit Preu√üen, schlo√ü mit Schweden einen Waffenstillstand, entlie√ü seine verwilderten S√∂ldner, bildete sich ein kleines, aber zuverl√§ssiges Heer, mit dem er Frieden und Ordnung in den Marken aufrecht erhielt, und erwirkte wenigstens f√ľr seine westlichen Lande die Neutralit√§t. Um den Abschlu√ü des Westf√§lischen Friedens zu erleichtern, opferte er Vorpommern und die M√ľndungen der Oder und verzichtete zugunsten Schwedens damit auf seine Seehandelspl√§ne. Von der pommerschen Erbschaft erhielt er blo√ü Hinterpommern sowie zur Entsch√§digung die Bist√ľmer Halberstadt, Minden, Kammin und die Anwartschaft auf Magdeburg. Seine Bem√ľhungen, nach dem Frieden die Grundlagen eines geordneten Staatswesens zu legen, ein stehendes Heer zu errichten, die Finanzen zu regeln, die Privilegien der St√§nde zu beschr√§nken und die Sch√§den des Krieges zu heilen, wurden bereits 1655 durch den Ausbruch des schwedisch-polnischen Krieges unterbrochen. Eine selbst√§ndige Stellung zwischen den kriegf√ľhrenden M√§chten behauptete er, erfocht an Schwedens Seite den Sieg bei Warschau (28.- 30. Juli 1656) mit und erlangte von Karl X. Gustav die Anerkennung der Souver√§nit√§t Preu√üens, schlo√ü dann 1657, w√§hrend der Schwedenk√∂nig sich gegen D√§nemark wendete, mit Polen unter Vermittelung des K√∂nigs Leopold von Ungarn, der des Kurf√ľrsten Stimme f√ľr seine Kaiserwahl n√∂tig hatte, den Vertrag von Wehlau (19. Sept. 1657), der ihm die Souver√§nit√§t Preu√üens sicherte. An der gro√üen Koalition gegen Schweden und an dem Krieg in Schleswig und D√§nemark beteiligt, erwarb F. im Frieden von Oliva (3. Mai 1660) allein von allen kriegf√ľhrenden Staaten einen Vorteil, da hier die Unabh√§ngigkeit Preu√üens von Polen anerkannt ward. Nach Wiederherstellung des Friedens wurden die Rechte und Privilegien der St√§nde in den einzelnen Landschaften beschr√§nkt, eine einheitliche, geregelte Finanzwirtschaft und unbedingte Anerkennung und im Notfall milit√§rische Aufrechthaltung der landesherrlichen Autorit√§t angestrebt und damit die Grundlage zu dem neuen brandenburgisch-preu√üischen Staat geschaffen. Am leichtesten f√ľgten sich die St√§nde der Mark und der benachbarten L√§nder, Schwierigkeiten dagegen bereiteten die von Preu√üen, wo die St√§nde, als strenge Lutheraner, dem reformierten Kurf√ľrsten die Anerkennung seiner Souver√§nit√§t verweigerten und die Polen zum Schutz ihrer Privilegien aufriefen. Erst als die Ma√ülosigkeiten einiger Mitglieder die Einheit der st√§ndischen Opposition lockerten, erhielt der Kurf√ľrst, der an der Spitze einer ansehnlichen Truppenmacht in K√∂nigsberg erschien, 1663 die Huldigung der St√§nde (vgl. Kalckstein). Durch die Einf√ľhrung einer Mahl-, Schlacht- und Brausteuer in allen Provinzen gewann der Kurf√ľrst nun die Mittel, um ein stehendes Heer zu unterhalten, das, aus den Regimentskadres gebildet, im Kriegsfall durch Werbungen leicht auf 20,000 Mann zu bringen war. Nach M√∂glichkeit suchte er den Wohlstand zu f√∂rdern durch Hebung des Ackerbaues, Urbarmachung von W√ľstungen, Beg√ľnstigung der Einwanderung, Befreiung der Gewerbe und des Verkehrs von allerlei Schranken. Zwischen den Konfessionen suchte er Frieden und Eintracht zu stiften. Am meisten lag ihm die Entwickelung eines lebhaften Binnen- und See handels am Herzen: der Bau des M√ľllroser Kanals, die Einrichtung einer Post, die Gr√ľndung einer Marine, die Anlegung von √ľberseeischen Kolonien (vgl. Gro√ü-Friedrichsburg), die Errichtung einer afrikanischen Handelskompanie sollten diesem Zweck dienen. Indes seine Mittel waren zu beschr√§nkt, die Armut des Landes zu gro√ü und der Unternehmungsgeist der Gesch√§ftsleute zu gering, als da√ü die Erfolge auch nur entfernt seinen gro√üartigen Ideen entsprochen h√§tten, wie auch seine wissenschaftlichen und k√ľnstlerischen Projekte nur zum geringsten Teil verwirklicht werden konnten. Dagegen schuf er die Anf√§nge eines t√§tigen, intelligenten Beamtenstandes und eines tapfern, ergebenen Offizierkorps; im erstern zeichneten sich die beiden Freiherren v. Schwerin, die beiden Jena, Hoverbeck, Krockow, Meinders, Fuchs u. a. aus, im letztern Graf Waldeck, Sparr, Derfflinger, F√ľrst Anhalt, Sch√∂ning.

Trotz dieser rastlosen T√§tigkeit im Innern verfolgte er eifrig alle politischen Ereignisse im Osten und Westen Europas, wurde aber zum Schutze seiner rheinischen Besitzungen in internationale H√§ndel verwickelt: als Ludwig XIV. 1672 die Republik der Niederlande mit √úbermacht √ľberfiel, kam der Kurf√ľrst dem bedrohten Nachbarstaat zu Hilfe, da er dessen Bedeutung als Bollwerk der deutschen Unabh√§ngigkeit erkannte. Doch der Umstand, da√ü der mit ihm verb√ľndete Kaiser sich im geheimen Frankreich gegen√ľber zur Neutralit√§t verpflichtet hatte, verhinderte feindliche Zusammenst√∂√üe mit dem franz√∂sischen Heer, das 1672‚Äď73 tief in Westfalen eindrang, und f√ľhrte schlie√ülich zu den f√ľr F. W. g√ľnstigen Separatfrieden zu Vossem (16. Juni 1673). Am 1. Juli 1674 schlo√ü sich F. W. von neuem der inzwischen verst√§rkten Koalition gegen Frankreich an, aber auch der gemeinsam mit den Kaiserlichen unternommene Feldzug gegen Turenne im Winter 1674 und 1675 endete infolge der Uneinigkeit der Verb√ľndeten mit dem kl√§glichen R√ľckzug aus dem Elsa√ü. Durch den von Frankreich veranla√üten Einfall der Schweden in die Markenvom Rhein abberufen, stellte der Kurf√ľrst durch den √úberfall von Rathenow (25. Juni 1675) und den Sieg bei Fehrbellin (28. Juni) den brandenburgischen Waffenruhm wieder her, eroberte 1675‚Äď78 s√§mtliche Festungen Vorpommerns, nach hartn√§ckigem Widerstand durch eine schwierige Belagerung auch das stark befestigte Stettin und trieb in einem anstrengenden Winterfeldzug 1678‚Äď79 die in Preu√üen eingefallenen Schweden nach Livland zur√ľck. Den Preis dieser Anstrengungen und Opfer (ohne durch Hilfsgelder unterst√ľtzt zu werden, brachte er sein Heer zeitweise auf 40,000 Mann), das seit 1648 kaum verschmerzte Vorpommern, mu√üte er jedoch im Frieden von St.-Germain (29. Juni 1679) wieder herausgeben, da ihn die Niederlande und der eifers√ľchtige kaiserliche Hof im Stiche lie√üen. Entr√ľstet hier√ľber und jeden Widerstand gegen Ludwig XIV. f√ľr nutzlos haltend, schlo√ü er sich nun eng an Frankreich an, verpflichtete sich sogar in einem geheimen Vertrag vom 25. Okt. 1679, Ludwig XIV. bei einer neuen Kaiserwahl seine Stimme zu geben, und lehnte trotz der Reunionen (s.d.) und andrer Gewaltt√§tigkeiten Ludwigs jede Beteiligung an einer Koalition gegen den neuen Verb√ľndeten hartn√§ckig ab. Gegen Spanien, das ihm die Zahlung der schuldigen Subsidien verweigerte, erbittert, lie√ü er seine Flotte auf spanische Schiffe, wiewohl ohne gro√üen Erfolg, Jagd machen; mit den Holl√§ndern geriet er ebenfalls √ľber nicht gezahlte Hilfsgelder und √ľber die in Guinea angelegten Kolonien in Streit und erhob dem Kaiser gegen√ľber Anspruch auf Entsch√§digung f√ľr seine Erbrechte auf Schlesien. Doch als 1685 durch die Thronbesteigung des katholischen K√∂nigs Jakob II. in England und den Widerruf des Edikts von Nantes den evangelischen Bekenntnissen Gefahren drohten, schlo√ü der Kurf√ľrst mit den Generalstaaten und dem Kaiser ein neues B√ľndnis, verzichtete gegen Abtretung des kleinen Schwiebuser Kreises auf seine schlesischen Erbanspr√ľche und schickte sogar ein Hilfskorps von 8000 Mann gegen die T√ľrken. Durch das Potsdamer Edikt vom 8. Nov. 1685 lud er die aus Frankreich fl√ľchtenden Hugenotten zur Ansiedelung in seinen Staaten ein, und mehr als 15,000 folgten seinem Ruf und vergalten die gastliche Aufnahme mit der Begr√ľndung n√ľtzlicher Industriezweige, namentlich in Berlin (vgl. Hugenottenverein). Den Ausbruch des neuen Krieges mit Frankreich erlebte der Kurf√ľrst nicht mehr. Er starb an der Brustwassersucht infolge der Gicht, an der er seit langem gelitten.

F. W. war bis in das Greisenalter eine stattliche Erscheinung: eine sch√∂ne Gestalt von w√ľrdiger Haltung, ein imposanter Kopf mit wallendem Haar, sp√§ter langlockiger Per√ľcke, einer Adlernase, strahlenden, geistvollen Augen. Sein Temperament war lebhaft und leicht erregbar bis zum J√§hzorn, sein Benehmen liebensw√ľrdig und wohlwollend gegen seine Umgebung, w√ľrdevoll gegen Fremde. Im Kriege lebte er einfach und teilte mit seinen Soldaten alle M√ľhen und Entbehrungen, im Frieden liebte er Pracht und Feierlichkeiten. Er war zweimal verm√§hlt, 1646‚Äď67 mit Luise Henriette, Prinzessin von Oranien, von der ihn nur ein Sohn, der Kurprinz Friedrich, √ľberlebte, seit 1668 mit der verwitweten Herzogin Dorothea (s. Dorothea 3) von L√ľneburg, gebornen Prinzessin von Holstein-Gl√ľcksburg, die ihm sieben Kinder gebar. Der Wunsch des Kurf√ľrsten, auch seine vier S√∂hne zweiter Ehe, Philipp (1669 bis 1711), Karl (1672‚Äď95), Albrecht (1673‚Äď1731) und Christian (1677‚Äď1734), mit f√ľrstlichem Besitz auszustatten, erweckte das Mi√ütrauen des Kurprinzen gegen die Stiefmutter, so da√ü er schlie√ülich das Testament des Kurf√ľrsten umstie√ü. Obwohl vielfach die kriegerische Politik seit 1672 manche Fr√ľchte seiner friedlichen T√§tigkeit wieder zerst√∂rt hatte, ist das Ergebnis seiner langen, vielbewegten Regierung recht bedeutend zu nennen, wenn man die Lage seiner Staaten 1640 mit der ausw√§rtigen Stellung und der innern Organisation Brandenburgs 1688 vergleicht. S. die Geschichtskarte beim Art. ¬ĽPreu√üen¬ę. Sein Reiterstandbild, ein Meisterwerk Schl√ľters, befindet sich auf der Kurf√ľrstenbr√ľcke zu Berlin (s. Tafel ¬ĽBildhauerkunst XII¬ę, Fig. 2). Seinen Namen f√ľhrt seit 1889 das schlesische Leibk√ľrassierregiment Nr. 1. Vgl. Pufendorf, De rebus gestis Friderici Wilhelmi (Berl. 1695); ¬ĽUrkunden und Aktenst√ľcke zur Geschichte des Kurf√ľrsten F. Wilhelm von Brandenburg¬ę (das. 1864‚Äď1902, Bd. 1‚Äď18); I. G. Droysen, Geschichte der preu√üischen Politik, 3. Teil: Der Staat des Gro√üen Kurf√ľrsten (2. Aufl., Leipz. 1870‚Äď72); Philippson, Der Gro√üe Kurf√ľrst (Berl. 1897‚Äď1903, 3 Bde.); Heyck, Der Gro√üe Kurf√ľrst (Bielef. 1902); Spahn, Der Gro√üe Kurf√ľrst (Mainz 1902); H. Peter, Der Krieg des Gro√üen Kurf√ľrsten gegen Frankreich 1672‚Äď1675 (Halle 1870); Moritz Meyer, Die Handwerkerpolitik des Gro√üen Kurf√ľrsten und K√∂nig Friedrichs I. (Minden 1884); Landwehr, Die Kirchenpolitik F. Wilhelms, des Gro√üen Kurf√ľrsten (Berl. 1894); R. Schulze, Das Projekt der Verm√§hlung F. Wilhelms von Brandenburg mit Cristina von Schweden (Halle 1898); H. Prutz, Aus des Gro√üen Kurf√ľrsten letzten Jahren (Berl. 1897); Belling, Der Gro√üe Kurf√ľrst in der Dichtung (das. 1888).

15) F. III., Sohn des vorigen, erster K√∂nig von Preu√üen, s. unten bei ¬ĽPreu√üen¬ę 56).

[Braunschweig.] 16) F. Wilhelm, Herzog von Braunschweig, geb. 9. Okt. 1771, gest. 1815, j√ľngster Sohn des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand und der englischen Prinzessin Auguste, trat 1789 in preu√üische Kriegsdienste, nahm an den Feldz√ľgen gegen Frankreich seit 1792 teil und wurde nach dem Baseler Frieden Generalmajor. Nach dem Tode seines Oheims Friedrich August 1805 Herzog von √Ėls und Bernstadt geworden, focht er 1806 bei Auerst√§dt, wo sein Vater t√∂dlich verwundet ward, geriet aber mit dem Bl√ľcherscheu Korps bei L√ľbeck in Gefangenschaft. Nach seiner √§ltern Br√ľder und seines Vaters Tode (10. Nov. 1806) gelangte er zur Regierung, verlor aber durch Napoleon I. sein Erbland, das mit dem K√∂nigreich Westfalen vereinigt wurde. Beim Ausbruch des √∂sterreichisch-franz√∂sischen Krieges (1809) fiel er mit einem in B√∂hmen geworbenen Freikorps in Sachsen ein und nahm, von √∂sterreichischen Truppen unterst√ľtzt, Dresden und Leipzig. Infolge des Waffenstillstandes von Znaim (12. Juli 1809) isoliert, brach er mit seiner kaum 1500 Mann starken Heldenschaar 25. Juli von Zwickau auf, bahnte sich √ľber Halberstadt, wo er den westf√§lischen Obersten Wellingerode gefangen nahm, einen Weg nach Braunschweig, warf bei dem Dorfe √Ėlper den General Reubel mit 6000 Mann Westfalen, eilte unter fortw√§hrenden siegreichen Gefechten √ľber Hannover und setzte bei Nienburg √ľber die Weser. W√§hrend sich ein Teil seines Korps nach Bremen wandte, setzte er seinen Marsch durch das Oldenburgische fort, bem√§chtigte sich zu Elsfleth einiger Handelsschiffe und Weserfahrzeuge und segelte 7. Aug., nachdem er sich die n√∂tigen Seeleute mit Gewalt verschafft, mit englischer Flagge nach Helgoland, von wo englische Schiffe ihn und seine Truppen nach England brachten. Dort mit Bewunderung aufgenommen, erhielt er vom Parlament eine j√§hrliche Pension von 7000 Pfd. Sterl. Sein Korps trat in englische Dienste und wurde sp√§ter in Portugal und Spanien verwendet. 1813 in sein Land zur√ľckgekehrt, ward er mit gro√üem Jubel aufgenommen, zerr√ľttete aber durch Errichtung eines Korps von 10,000 Mann die Finanzen des Landes, zog 1815 mit seinen Scharen abermals ins Feld und starb 16. Juni d. J. bei Quatrebras den Heldentod. Er war mit der Prinzessin Marie von Baden verm√§hlt. Ihm folgte unter englischer Vormundschaft sein Sohn Karl. Im November 1874 wurde ihm zu Braunschweig ein Reiterstandbild, von H√§hnel, und 16. Juni 1890 bei Quatrebras ein Denkmal errichtet. Seinen Namen f√ľhrt seit 1889 das ostfriesische Infanterieregiment Nr. 78. Vgl. W. M√ľller, F. Wilhelm, Herzog von Braunschweig-L√ľneburg √Ėls in Liedern der Deutschen (Braunschw. 1843); Spehr, F. Wilhelm, Herzog von Braunschweig (2. Ausg., das. 1861); v. Kortzfleisch, Des Herzogs F. Wilhelm von Braunschweig Zug durch Norddeutschland im Jahre 1809 (Berl. 1894).

[K√∂nige von D√§nemark.] 17) F. I., geb. 7. Okt. 1471, gest. 10. April 1533 zu Gottorp, wurde nach dem Tode seines Vaters Christian 1. auf Betreiben seiner Mutter Dorothea von Brandenburg 1482, neben seinem √§ltern Bruder K√∂nig Johann (s.d.), als Herzog von Schleswig-Holstein anerkannt, erhielt nach seiner Vollj√§hrigkeit (1490) den Gottorpschen Anteil der Herzogt√ľmer, den er sp√§ter gegen den Segebergschen eintauschte, und beteiligte sich 1500 an dem mi√ülungenen Angriff Johanns auf die Dithmarschen. Nach der Vertreibung seines Neffen Christian 11. 1523 von den d√§nischen St√§nden, 1524 auch von den Norwegern zum K√∂nig gew√§hlt, beg√ľnstigte er die Reformation, der er 1527 auf dem Herrentag zu Odense Duldung zusicherte, verlieh dem Adel viele Vorrechte und wu√üte die Hansest√§dte, besonders L√ľbeck, durch B√ľndnisse an sich zu fesseln. Seine erste Gemahlin war Anna von Brandenburg (1487‚Äď1514). Vgl. Erslev u. Mollerup, Kong Frederik I.'s danske Registranter (Kopenh. 1879).

18) F. II., Enkel des vorigen, geb. 1. Juli 1534 zu Hadersleben, gest. 4. April 1588, unterwarf, nachdem er 1559 seinem Vater Christian III. gefolgt war, die Dithmarschen. Der 1563‚Äď70 von ihm mit Schweden gef√ľhrte Nordische siebenj√§hrige Krieg (s.d.) verlief dagegen ergebnislos. W√§hrend seiner sp√§tern Regierung machte er sich durch Verbesserung der Finanzen, Hebung von Handel und Ackerbau, Einschr√§nkung der hanseatischen Privilegien und Beg√ľnstigung der Wissenschaften, besonders der Astronomie (s. Brahe [Tycho]), verdient. Dem Adel mu√üte auch er bedeutende Zugest√§ndnisse machen. Vgl. Resen, Kong Frederich II.'s Kr√∂nicke (Kopenh. 1680); Bricka, Kong Frederik II.'s Ungdomskj√§rlighed (Anna Hardenberg, 1873); I. Grundtvig, Frederik II.'s Statshusholdning (1876); H. D. Lind, Fra Kong Frederik II.'s Tid (1902).

19) F. III., Enkel des vorigen, geb. 18. M√§rz 1609 in Hadersleben, gest. 9. Febr. 1670 zu Kopenhagen, ward schon fr√ľh Koadjutor von Bremen (1621), Verden (1622) und Halberstadt (1624), 1634 Erzbischof von Bremen und 1635 Bischof von Verden. Doch war der Besitz dieser W√ľrden wegen des Drei√üigj√§hrigen Krieges unsicher und ging 1645 infolge der schwedischen Okkupation ganz verloren. Als sein Vater Christian IV. 1648 starb (sein √§lterer Bruder Christian war 1647 gestorben), wurde F., nach Unterzeichnung einer harten Wahlkapitulation, K√∂nig. Der von ihm 1657 mit Karl X. Gustav begonnene Krieg verlief ungl√ľcklich und f√ľhrte schon Anfang 1658 im Frieden von Roeskilde zu empfindlichen d√§nischen Gebietsverlusten. Als aber die Schweden nach einigen Monaten den Frieden brachen, um die Selbst√§ndigkeit D√§nemarks f√ľr immer zu vernichten, leistete F. mit Hilfe der Alliierten siegreich Widerstand, so da√ü Schweden im Kopenhagener Frieden (27. Mai 1660) einen Teil seiner Eroberungen (das Stift Drontheim und die Insel Bornholm) herausgeben mu√üte. Ein von F. hierauf einberufener Reichstag, der √ľber die Wiederherstellung der Finanzen, der Armee, der Marine und des Handels beraten sollte, beschlo√ü (im Oktober) die Umwandlung D√§nemarks in eine souver√§ne Erbmonarchie. Im Besitz der unumschr√§nkten Gewalt, die in dem von Griffenfeld (s.d.) entworfenen sogen. K√∂nigsgesetz vom 14. Nov. 1665 ihren verfassungsm√§√üigen Ausdruck erhielt, brach F. die den untern St√§nden verha√üte Adelsherrschaft und verbesserte das Verwaltungs-, Finanz-, Justiz- und Heerwesen. 1667 erwarb er Oldenburg und Delmenhorst. Sein Krieg mit England 1666‚Äď1667 hatte keine Bedeutung. Vgl. Nyerup, Efterretninger om Kong Frederik III. (Kopenh. 1817); P. W. Becker, Samlinger til Danmarks Historie under Frederik III.'s Regering (das. 1847‚Äď57, 2 Bde.); Lind, Kong Frederik III.'s S√∂magt 1648 bis 1670 (Odense 1896).

20) F. IV., Enkel des vorigen, geb. 11. Okt. 1671 in Kopenhagen, gest. 12. Okt. 1730 zu Odense, suchte nachdem er 1699 seinem Vater Christian V. gefolgt war, den gottorpschen Anteil von Schleswig seinem Vetter Herzog Friedrich IV. zu entrei√üen, ward aber durch dessen schwedischen Schwager Karl XII. schon 1700 gezwungen, im Frieden von Traventhal die herzoglichen Nechte anzuerkennen und unter Verzicht auf sein B√ľndnis mit Sachsen und Ru√üland Neutralit√§t im Nordischen Krieg (s.d.) zu versprechen. Auch ein neuer, 1709 im Bunde mit diesen beiden M√§chten von ihm begonnener Krieg mit Schweden verlief nicht immer gl√ľcklich. Bei Helsingborg (1710) und bei Gadebusch (1712) geschlagen, konnte er erst nach der Kapitulation M. Stenbocks (s.d.) bei T√∂nning (1713) Schleswig besetzen, das sp√§ter (1721) auf Grund des Friedens zu Frederiksborg (3. Juli 1720), wo F. seine pommerschen Eroberungen f√ľr 600,000 Tlr. an Schweden zur√ľckgab, an die d√§nische Krone kam. Im Innern machte F. sich besonders durch Gr√ľndung von Schulen und Wohlfahrtsanstalten verdient. Die sofort nach Errichtung einer Bauernmiliz (1701) von ihm angeordnete Reform des b√§uerlichen H√∂rigkeitsverh√§ltnisses (1702) war jedoch von keiner Bedeutung, da der Heeresdienst bald (1724) mit einem dr√ľckenden ¬ĽHeimatszwang¬ę (Staavnbaandet) verbunden wurde. Vgl. E. Holm, Danmark-Norges Historie i Frederik IV.'s 10 sidste Regeringsaar (Kopenh. 1890‚Äď91); Ch. Erslev, Frederik IV. og Slesvig (das. 1901).

21) F. V., Enkel des vorigen, geb. 31. M√§rz 1723, gest. 14. Jan. 1766, folgte 1746 seinem mit Sophie Magdalene von Brandenburg-Kulmbach verm√§hlten Vater Christian VI. Dank der geschickten Politik seines leitenden Ministers I. H. E. v. Bernstorff (s.d.) blieb unter ihm D√§nemark, trotz verschiedener Mi√ühelligkeiten mit Zar Peter III. (1762) und mit Holstein-Gottorp, von kriegerischen Verwickelungen verschont. Im √ľbrigen ein Vertreter des sogen. aufgekl√§rten Despotismus, regierte er im ganzen in wohlt√§tiger Weise, suchte die Kolonisation J√ľtlands und den √ľberseeischen Handel eifrig zu f√∂rdern, zeigte namentlich f√ľr die K√ľnste und Wissenschaften lebhaftes Interesse und zog zahlreiche deutsche, bez. franz√∂sische Ber√ľhmtheiten nach D√§nemark, unter andern Klopstock, dem er ein Jahresgehalt aussetzte und der ihm den ¬ĽMessias¬ę widmete. Seine zweite Gattin, Juliane Marie von Braunschweig, war die Schw√§gerin Friedrichs d. Gr. Vgl. H√∂ft, Markv√§rdigheder i Frederik V.'s Levnet og Regering (Kopenh. 1820); A. Thors√∂e, Frederik V.'s Ungdom og Thronbestigelse (das. 1868).

22) F. VI., Enkel des vorigen, geb. 28. Jan. 1768 zu Kopenhagen, gest. daselbst 3. Dez. 1839 ohne m√§nnliche Erben, verlebte nach dem Sturz Struensees (s.d. 2) und der Verbannung seiner Mutter Karoline Mathilde (s.d.) unter der Aussicht seiner Stiefgro√ümutter Juliane Marie und deren Sohnes Friedrich eine tr√ľbe Jugend, erzwang aber 14. April 1784 mit Hilfe seines sp√§tern treuen Ratgebers A. P. v. Bernstorff (s.d. 2) durch eine Palastrevolution seine Ernennung zum Regenten f√ľr seinen schwachsinnigen Vater Christian VII. und die Absetzung Guldbergs (s.d.). Die erste Zeit seiner Regentschaft war durch viele segensreiche Reformen im Innern ausgezeichnet. So ward 1788‚Äď1800 die Aufhebung der Leibeigenschaft durchgef√ľhrt, 1790 v√∂llige Pre√üfreiheit gew√§hrt, 1792 die Abschaffung des Sklavenhandels f√ľr die d√§nischen Kolonien verf√ľgt, das Justiz-, Finanz-, Heer- und Unterrichtswesen verbessert, Handel und Ackerbau gef√∂rdert etc. Auch nach au√üen hin blieb, abgesehen von einem kurzen Krieg mit Schweden (1788), der Friede gewahrt. Als jedoch nach A. P. v. Bernstorffs Tod (1797) dessen Sohn Christian G√ľnther (s. Bernstorff 3) leitender Minister ward, schlug F. eine unheilvolle ausw√§rtige Politik ein. Infolgedessen ward D√§nemark in mehrere Kriege mit England und Schweden verwickelt und verlor 1814 im Kieler Frieden Norwegen und Helgoland. Das zum Ersatz ihm gegebene Vorpommern tauschte F. schon 1815 an Preu√üen gegen Lauenburg aus und ward hierauf Mitglied des Deutschen Bundes f√ľr Holstein und Lauenburg. Als K√∂nig (seit 1808) widerstrebte F. hartn√§ckig jeder Beschr√§nkung seiner absoluten Herrschermacht und lie√ü sich erst 1834 zur Einf√ľhrung von Provinzialst√§nden bewegen, von denen wenigstens ein Ansto√ü zu Verwaltungs- und Gesetzgebungsreformen ausging. Vgl. Giessing, Zur Regierungsgeschichte Friedrichs VI. (bearbeitet von Jenssen-Tusch, Kiel 1851‚Äď52, 2 Bde.); S. B. Thrige, Frederik VI.'s Historie (Kopenh. 1891); Kaas, Frederik VI. 's Udsoning med Napoleon (1894); Rubin, Frederik VI.'s Tid fra Kielerfreden til Kongens D√∂d (1895); Thors√∂e, Fra Frederik VI.'s Hofkredse (1898).

23) F. VII., Stiefgro√üvetter des vorigen, geb. 6. Okt. 1808 zu Kopenhagen, gest. kinderlos 15. Nov. 1863 in Gl√ľcksburg, beschwor, unmittelbar nachdem er 1848 seinem Vater Christian VIII. gefolgt war, durch Berufung eines aus entschiedenen Eiderd√§nen (s.d.) bestehenden Kabinetts eine Erhebung der Herzogt√ľmer (s. Schleswig-Holstein, Geschichte) herauf, die jedoch mi√ülang und eine r√ľcksichtslose Unterdr√ľckung des dortigen Deutschtums zur Folge hatte. Um so volkst√ľmlicher war F. in D√§nemark, wo er durch das Grundgesetz vom 5. Juni 1849 die Staatsverfassung auf eine konstitutionell-demokratische Grundlage stellte. Im √ľbrigen √ľberlie√ü er die Staatsleitung zumeist seinen, abwechselnd aus Eiderd√§nen oder Gesamtstaatsparteilern zusammengesetzten Ministerien. Seine Lieblingsbesch√§ftigung war die Sammlung und Erforschung nordischer Altert√ľmer; in den ¬ĽSchriften¬ę der Kopenhagener Nordischen Altertumsgesellschaft ver√∂ffentlichte er mehrere wertvolle Abhandlungen. F. war verm√§hlt seit 1828 mit seiner Cousine, der Prinzessin Wilhelmine Marie von D√§nemark (gest. 1891), der Tochter Friedrichs VI., sodann, nach L√∂sung dieser Ehe, 1841 mit Karoline, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, und, nachdem auch diese kinderlose Ehe 1846 geschieden worden (die K√∂nigin starb 1. Juni 1876 in Neustrelitz), 1850 morganatisch mit Demoiselle Rasmussen, die er zur Gr√§fin Danner (s.d.) erhob. Ihm folgte Prinz Christian von Gl√ľcksburg als Christian IX. Vgl. Giessing, Kong Frederik VII.'s Ungdoms-og Regjeringshistorie (Kopenh. 1865); Thors√∂e, Kong Frederik VII.'s Regering (das. 1884‚Äď89, 2 Bde.).

24) F., Kronprinz von D√§nemark, geb. 3. Juni 1843 in Kopenhagen, war 1864 w√§hrend des deutsch-d√§nischen Krieges Leutnant in Nordj√ľtland. Sp√§ter Generalinspekteur der d√§nischen Armee, hat er mehrfach, besonders in letzter Zeit, f√ľr seinen Vater Christian IX. die Regentschaft gef√ľhrt. Er verm√§hlte sich 1869 mit Luise von Schweden (geb. 31. Okt. 1851), der einzigen Tochter K√∂nig Karls XV., die ihm acht Kinder gebar; der √§lteste Sohn, Prinz Christian, geb. 26. Sept. 1870 zu Charlottenlund, verm√§hlte sich 1898 mit der Prinzessin Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin (geb. 24. Dez. 1879).

[Hessen.] 25) F. 11., Landgraf von Hessen, geb. 14. Aug. 1720 in Kassel, gest. 31. Okt. 1785, Sohn des Landgrafen Wilhelm VIII., in Genf erzogen, k√§mpfte als hessischer General im √Ėsterreichischen Erbfolgekrieg gegen die Franzosen, 1745‚Äď46 in Schottland gegen den Stuartschen Pr√§tendenten, trat 1749 in Paderborn heimlich zum Katholizismus √ľber, mu√üte aber 1754 die Assekurationsakte anerkennen, die Hessen das reformierte Bekenntnis sicherte, trat 1756 in preu√üische Dienste und folgte 1760 seinem Vater in der Regierung. Obwohl ber√ľchtigt durch seinen Menschenhandel, indem er 1776 im nordamerikanischen Kriege ein Korps von 12,000 Mann in britischen Sold gab, war er ein t√ľchtiger F√ľrst, regierte sparsam, sammelte einen ansehnlichen Schatz, liebte K√ľnste und Wissenschaften, gr√ľndete das Museum Fridericianum, stiftete die Akademie der K√ľnste und tat viel f√ľr die Versch√∂nerung Kassels. Vgl. Hartwig, Der √úbertritt des Erbprinzen F. von Hessen-Kassel zum Katholizismus (Kassel 1870); Pfister, Landgraf F. II. und sein Hessen (1. Teil, das. 1879).

26) F. Wilhelm 1., Kurf√ľrst von Hessen, geb. 20. Aug. 1802 in Hanau, gest. 6. Jan. 1875 in Prag, einziger Sohn des Kurf√ľrsten Wilhelm II. und der Prinzessin Auguste, Tochter Friedrich Wilhelms II. von Preu√üen, lebte mit seinem Vater infolge von dessen Verh√§ltnis zu Emilie Ortl√∂pp auf gespanntem Fu√ü. Als im Januar 1831 die kurf√ľrstliche Maitresse durch einen Tumult aus Kassel vertrieben und Wilhelm II. ihr nach Hanau gefolgt war, √ľbertrug dieser F. W. 30. Sept. 1831 die Mitregentschaft und einstweilen die alleinige Regierung. Durch manche Einschr√§nkungen im Hofhaushalt eine Zeitlang popul√§r, lenkte F. W. unter Hassenpflugs Einflu√ü bald in eine ganz reaktion√§re Str√∂mung ein, und seine Regierung war ein fortw√§hrender, auf schikan√∂se Weise gef√ľhrter Kampf mit der Landesvertretung. Seine morganatische Ehe mit Gertrud Falkenstein, der geschiedenen Frau eines preu√üischen Leutnants, Lehmann, die er 1831 zur Gr√§fin von Schaumburg und 1833 zur F√ľrstin von Hanau (s.d.) erhob, gab zuerst, da die seit 1831 nach Kassel zur√ľckgekehrte Kurf√ľrstin diese Verbindung nicht anerkennen wollte, zu Unruhen Veranlassung. Nach dem Tode seines Vaters (20. Nov. 1847) Kurf√ľrst geworden, machte F. W. einen verungl√ľckten Versuch, sich seiner Verbindlichkeit der Verfassung gegen √ľber zu entledigen, bildete aber 1848, durch das st√ľrmisch mahnende Volk gezwungen, aus den Mitgliedern der konstitutionellen Opposition das Ministerium Eberhard. Als im √ľbrigen Deutschland die Reaktion wieder festen Fu√ü fa√üte, entlie√ü der Kurf√ľrst 23. Febr. 1850 das Ministerium, berief Hassenpflug wieder und brach endlich durch vom Bund erbetene Exekutionstruppen den Widerstand des Volkes. Am 27. Dez. 1850 nach Kassel zur√ľckgekehrt, hob der Kurf√ľrst die Verfassung von 1831 auf und oktroyierte 13. April 1852 eine neue, die das Zweikammersystem einf√ľhrte. Die Streitigkeiten zwischen Regierung und St√§nden dauerten fort, auch als 1855 Hassenpflug entlassen wurde: trotz der Mahnungen Preu√üens, den W√ľnschen des Volkes durch Wiederherstellung der Verfassung von 1831 nachzugeben, ward 30. Mai 1860 eine neue Verfassung oktroyiert, die mit 1. Juli in Kraft treten sollte. Die Wahlen f√ľr die Kammer entschieden dreimal nacheinander gegen sie, und Preu√üen sowie √Ėsterreich schritten gegen das Willk√ľrregiment des Kurf√ľrsten ein. Ein eigenh√§ndiges Schreiben des K√∂nigs von Preu√üen an letztern ward aber so aufgenommen, da√ü Preu√üen als Genugtuung Entlassung des kurhessischen Ministeriums forderte und, da diese verweigert wurde, zwei Armeekorps kriegsbereit machte. Erst jetzt f√ľgte sich der Kurf√ľrst dem am 24. Mai 1862 erfolgten Bundesbeschlu√ü; das Ministerium ward entlassen und die Verfassung von 1831 wiederhergestellt. Bei den K√§mpfen zwischen Preu√üen u. √Ėsterreich stand F. W. stets zu letzterm und weigerte sich 1866 auch nach Besetzung Kassels, dem neuen preu√üischen Bund beizutreten. Da er trotzdem in seiner Residenz blieb, wurde er 23. Juni als Staatsgefangener nach Stettin gebracht, wo er nach dem Prager Frieden und der definitiven Annexion Kurhessens durch Preu√üen 17. Sept. 1866 einen Vertrag schlo√ü, in dem er, ohne auf seine Hoheitsrechte zu verzichten, gegen eine finanzielle Abfindung seine Untertanen von den Pflichten gegen ihn entband. Wegen seiner durch Denkschriften u. dgl. fortgesetzten Agitation gegen Preu√üen ward √ľber das ihm zur Nutznie√üung abgetretene Fideikommi√üverm√∂gen 1869 die Sequestration verh√§ngt. Auch die Ereignisse 1870/71 ersch√ľtterten den Kurf√ľrsten nicht in seiner Zuversicht auf die Wiederherstellung seines Thrones, und unvers√∂hnt mit Preu√üen starb er 1875 in Prag, nachdem er die letzten Jahre auf seinen Besitzungen zu Horzowitz in B√∂hmen gelebt hatte. Er hinterlie√ü seine Witwe, die F√ľrstin von Hanan (gest. 1882), mit sechs S√∂hnen und drei T√∂chtern, die den Titel ihrer Mutter f√ľhren und das betr√§chtliche Privatverm√∂gen erbten; das Anrecht an das Hausfideikommi√ü ging auf den Landgrafen Friedrich von Hessen, geb. 1820, gest. 1884, √ľber, mit dem sich die Krone Preu√üen verst√§ndigte. Vgl. Grebe, F. Wilhelm I., Kurf√ľrst von Hessen (Kassel 1902).

27) F. II., Landgraf von Hessen-Homburg (der ¬ĽPrinz von Homburg¬ę), geb. 9. Juni 1633, gest. 24. Jan. 1708, f√ľnfter Sohn des Landgrafen Friedrich I., besuchte die Akademie in Genf, bereiste Italien und Frankreich, trat 1654 in schwedische Dienste und focht unter K√∂nig Karl Gustav gegen Polen und D√§nemark. Vor Kopenhagen ward ihm 29. Jan. 1659 das linke Bein zerschmettert; von dem k√ľnstlichen Bein mit silbernen Gelenken, das er seitdem trug, erhielt er den Beinamen ¬Ľmit dem silbernen Beine¬ę. 1661 mit der bereits bejahrten Gr√§fin Margarete Brahe, Witwe des Grafen Johann Oxenstierna, verm√§hlt, verlie√ü er den schwedischen Dienst und kaufte sich von dem Verm√∂gen seiner Gemahlin, die schon 1669 starb, bedeutende G√ľter. 1670 verheiratete er sich zum zweitenmal mit Luise von Kurland, einer Base des Gro√üen Kurf√ľrsten, vertauschte das lutherische mit dem reformierten Bekenntnis und wurde brandenburgischer General der Kavallerie; seinen Kriegsruhm begr√ľndete er 1675 bei Fehrbellin. Nach dem Tode seines √§ltern Bruders, Georg Christian, 1681 zur Regierung in Homburg berufen, baute er das Schlo√ü daselbst und mehrte durch Aufnahme fl√ľchtiger Hugenotten und Waldenser Einwohnerzahl, Gewerbt√§tigkeit und Wohlstand des Landes. Nach dem Tode seiner zweiten Gemahlin (1690) verm√§hlte er sich zum drittenmal 1692 mit Sophie Sibylle von Leiningen. Von seinen 15 Kindern √ľberlebten ihn 7; sein Nachfolger ward Friedrich Jakob. 1889 erhielt das 2. hessische Husarenregiment Nr. 14 seinen Namen. Sein entschlossener und praktischer Sinn steht zu dem in H. v. Kleists Schauspiel gezeichneten romantischen ¬ĽPrinzen von Homburg¬ę in Widerspruch. Vgl. Hamel, F. 11., mit dem silbernen Bein, Landgraf von Hessen-Homburg (Berl. 1861); Jungfer, Der Prinz von Homburg (das. 1890).

[Hohenzollern.] 28) F. Franz Xavier, Prinz von Hohenzollern-Hechingen, √∂sterreich. Feldmarschall, geb. 31. Mai 1757 in Gheule bei Maastricht, gest. 6. April 1844 in Wien, trat 1773 in holl√§ndische, bald darauf in √∂sterreichische Dienste, deckte 1788 mit seinem K√ľrassierregiment die Festung Belgrad gegen die T√ľrken, befehligte in dem Revolutionskrieg von 1793‚Äď95 die Vorhut des verb√ľndeten Heeres, k√§mpfte bei Neerwinden und Wattignies, zeichnete sich 1796 als Generalmajor bei Mantua und Caldiero aus, mu√üte aber nach dem blutigen Kampf um den Entsatz Mantuas bei dem Lustschlo√ü Favorite kapitulieren. Nach dem Frieden von Campo Formio 1797 erhielt er den Oberbefehl √ľber die Provinzen Treviso und Belluno, rettete 1799 Verona, zwang Mailand zur √úbergabe, r√ľckte hierauf vor Modena, hemmte den Zug des franz√∂sischen Generals Macdonald und machte es dadurch den verb√ľndeten Feldherren m√∂glich, sich zu vereinigen und Moreau und Macdonald getrennt zu schlagen. Hierauf erst√ľrmte er Soults Verschanzungen an der Bocchetta und deckte so die Belagerung Genuas. Nach der √úbergabe hielt er die Stadt besetzt, bis infolge des Vertrags von Alessandria 24. Juni 1800 die R√§umung Genuas erfolgte. Am 25. Sept. leitete er die Schlacht von Bozzolo, schlo√ü dann die beiden Waffenstillst√§nde ab, die dem L√ľneviller Frieden vorangingen, und ward nach dem Frieden Milit√§rkommandant von Westgalizien mit dem Sitz in Krakau. 1809 r√ľckte er nach den ungl√ľcklichen Gefechten bei Regensburg √ľber Furth nach B√∂hmen. Infolge seiner bei Aspern bewiesenen Tapferkeit erhielt er bei Wagram den Befehl √ľber das Zentrum, deckte nach dem Verlust dieser Schlacht den R√ľckzug und ward nach dem Friedensschlu√ü zum Befehlshaber in Inner√∂sterreich ernannt. 1812‚Äď13 kommandierte er das in Galizien zusammengezogene Reservekorps und 1815 die zweite deutsche Heeresabteilung, mit der er das von Rapp besetzte Stra√üburg einschlo√ü. 1825 wurde er Pr√§sident des Hofkriegsrats, 1826 Kapit√§n der ersten Arcierengarde und 1830 Feldmarschall. Vgl. v. Smola, Das Leben des Feldmarschalls Prinzen C. Franz Xavier zu Hohenzollern-Hechingen (Wien 1845).

29) F. Wilhelm Konstantin, F√ľrst von Hohenzollern-Hechingen, geb. 16. Febr. 1801, gest. 3. Sept. 1869, leitete bei der Kr√§nklichkeit seines Vaters seit 1834 die Regierungsgesch√§fte, folgte ihm 1838 und ward durch den Tod seiner Mutterschwester 1842 Herzog von Sagan. √úbereinstimmend mit der verwandten sigmaringischen Linie entsagte er infolge der √úbereinkunft vom 7. Dez. 1849 der Regierung und √ľberlie√ü, vorbehaltlich der Rechte eines souver√§nen F√ľrsten, sein F√ľrstentum dem K√∂nig von Preu√üen gegen eine Leibrente. Seitdem mit den Pr√§rogativen eines nachgebornen Prinzen des preu√üischen K√∂nigshauses zu L√∂wenberg in Schlesien lebend, pflegte er namentlich die Musik und hielt eine vortreffliche Kapelle. Er war verm√§hlt mit der Prinzessin Eugenie von Leuchtenberg und nach deren Tode (September 1847) seit 1850 morganatisch mit Freiin Amalie Schenk v. Geyern, die der K√∂nig von Preu√üen zur Gr√§fin von Rothenburg erhob.

30) F. Eugen Johann, Prinz von Hohenzollern, preu√ü. General der Kavallerie, geb. 25. Juni 1843, vierter Sohn des F√ľrsten Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, trat in die preu√üische Armee und nahm als Oberst des 2. Gardedragonerregiments an den Kriegen von 1866 und 1870/71 teil. 1885 Generalmajor und Kommandeur der 3. Gardekavalleriebrigade, 1889 Kommandeur der 22. Division in Kassel und 1893 kommandierender General des 3. Armeekorps geworden, nahm er 1895 den Abschied. Er lebt in M√ľnchen und ist seit 1879 mit der Prinzessin Luise von Thurn und Taxis verm√§hlt.

[Liegnitz.] 31) F. II., Herzog von Liegnitz, Brieg und Wohlau, geb. 12. Febr. 1480, gest. 17. Sept. 1547, Sohn des Herzogs Friedrich I. von Liegnitz und der Ludmilla Podiebrad, √ľbernahm 1499 die Regierung von Liegnitz, w√§hrend er Brieg seinem j√ľngern Bruder, Georg, √ľberlief;. Als dieser ohne Kinder starb, nahm F. 1521 Brieg in Besitz und erwarb 1524 das Herzogtum Wohlau durch Kauf, f√ľhrte 1523 die Reformation in seinem Land ein und verteidigte seinen religi√∂sen Standpunkt 1527 in zwei Schriften, der ¬ĽGrund-Ursach¬ę und der ¬ĽApologie¬ę. 1537 schlo√ü er mit Joachim II. von Brandenburg die durch eine Doppelheirat bestegelte Erbverbr√ľderung, die Brandenburg-Preu√üens Anspr√ľche auf Schlesien begr√ľndete, obwohl sie K√∂nig Ferdinand I. von B√∂hmen 1546 f√ľr ung√ľltig erkl√§rte. F. war zuerst mit der polnischen Prinzessin Elisabeth, dann mit der Prinzessin Sophie von Brandenburg verm√§hlt.

[Mainz.] 32) Erzbischof von Mainz, erlangte 937 nach Hildeberts Tod diesen Bischofssitz, beteiligte sich als Gegner Ottos d. Gr. 939 an der Emp√∂rung der Herz√∂ge Eberhard und Giselbert, ward gefangen und ein Jahr in Hast gehalten, war 941 in den verbrecherischen Mordanschlag Heinrichs gegen seinen Bruder Otto I. verwickelt, reinigte sich aber durch die Abendmahlsprobe, erlangte Verzeihung, begleitete 951 den K√∂nig nach Italien und ward vergebens nach Rom gesendet, um vom Papste die Kaiserkr√∂nung zu erwirken. An der Verschw√∂rung des Sohnes und Schwiegersohnes Ottos, Liudolfs und Konrads des Roten, gegen den Vater beteiligt, lockte er 953 den K√∂nig nach Mainz in ihre Gewalt, √ľberlie√ü ihnen Mainz, aber blieb selbst dem Kampfe fern und starb im Oktober 954. F√ľr die Hebung der Kirche in seiner Di√∂zese hat er trefflich gesorgt.

[Mecklenburg.] 33) F. Franz I., Herzog, dann Gro√üherzog von Mecklenburg-Schwerin, geb. 10. Dez. 1756, gest. 1. Febr. 1837, Sohn des Herzogs Ludwig und der Prinzessin Charlotte von Sachsen-Koburg-Saalfeld, folgte seinem Oheim, dem Herzog Friedrich, 24. April 1785, trat 1786 dem Deutschen F√ľrstenbund bei, l√∂ste 1787 die vier an Preu√üen verpf√§ndeten √Ąmter ein und erwarb 1803 sieben dem Bistum L√ľbeck geh√∂rige, von Mecklenburg eingeschlossene D√∂rfer, ferner die Stadt Wismar nebst den √Ąmtern Poel und Neukloster gegen eine Entsch√§digung von 1,250,000 Tlr. von Schweden als Pfand, jedoch zum vollen Besitz. Im November 1806 wurde sein Land von den Franzosen besetzt, er selbst aber im Tilsiter Frieden auf Verwendung Kaiser Alexanders wieder eingesetzt. Am 22. M√§rz 1808 trat er dem Rheinbund bei, stellte zu dem Feldzug Napoleons von 1812: 1700 Mann Hilfstruppen, sagte sich aber als erster F√ľrst vom Rheinbund los (14. M√§rz 1813), lie√ü seine Truppen an den Feldz√ľgen von 1813‚Äď15 gegen Frankreich und D√§nemark teilnehmen und nahm 17. Juni 1815 unter Beitritt zum Deutschen Bunde die gro√üherzogliche W√ľrde mit dem Pr√§dikat ¬ĽK√∂nigliche Hoheit¬ę an. Er war mit der Prinzessin Luise von Sachsen-Gotha verm√§hlt, die ihm vier S√∂hne und zwei T√∂chter gebar.

34) F. Franz II., Gro√üherzog von Mecklenburg-Schwerin, geb. 28. Febr. 1823, gest. 15. April 1883, Sohn des Gro√üherzogs Paul Friedrich und der Prinzessin Alexandrine von Preu√üen, studierte in Bonn, als ihn der Tod seines Vaters 7. M√§rz 1842 zur Regierung rief. In den Jahren 1848 und 1849 zu einer zeitgem√§√üen Reform der Landesverfassung geneigt, stellte er bei dem Widerstand der Aristokratie doch die alten Verh√§ltnisse wieder her und erregte Mi√üstimmung durch die Bevorzugung der exklusiven kirchlichen Partei, die seine erste Gemahlin, Auguste, Tochter Heinrichs LXIII. von Reu√ü-Schleiz, sehr beg√ľnstigte. Aus dieser Ehe entsprangen au√üer dem Erbprinzen Friedrich Franz Paul nach zwei Prinzen und eine Prinzessin. Nach dem Tode der Gro√üherzogin (3. M√§rz 1862) verm√§hlte sich F. 12. Mai 1864 mit der Prinzessin Anna, Tochter des Prinzen Karl zu Hessen und bei Rhein, die aber schon 15. April 1865 mit Hinterlassung einer Tochter starb. Seine dritte Gemahlin, seit 4. Juli 1868, war Prinzessin Marie von Schwarzburg-Rudolstadt, die ihm noch eine Tochter und drei S√∂hne schenkte. Von deutschem Patriotismus beseelt, hatte F. an der Einigung Deutschlands bedeutenden Anteil. Milit√§risch t√§tig war F. 1864 im Hauptquartier Wrangels, befehligte 1866 selbst√§ndig die zweite preu√üische Reservearmee, die in Bayern einr√ľckte, f√ľhrte 1870 anfangs den Oberbefehl √ľber einen Teil der zum Schutz der K√ľsten zur√ľckbleibenden Truppen, erhielt aber im August das Kommando √ľber das 13. Armeekorps und nahm an der Zernierung von Metz teil. Sodann von Reims aus die Belagerung von Toul und Soissons leitend, hielt er im Oktober die franz√∂sische Loirearmee in Schach, nahm hierauf wesentlichen Anteil an den K√§mpfen bei Orl√©ans, kommandierte im Januar 1871 den rechten Fl√ľgel der gegen Le Mans vordringenden Armee, besetzte nach der Schlacht bei Le Mans Alen√ßon, sp√§ter Rouen und kehrte im Februar nach Versailles zur√ľck, wo ihn der Kaiser zum Generalinspekteur der zweiten Armeeinspektion ernannte. Am 2. Sept. 1873 wurde er Generaloberst der Infanterie mit dem Rang eines Generalfeldmarschalls, 1889 erhielt das 4. brandenburgische Infanterieregiment Nr. 24 seinen Namen. Vgl. v. Hirschfeld, F. Franz II., Gro√üherzog von Mecklenburg-Schwerin und seine Vorg√§nger (Leipz. 1891, 2 Bde.); Volz, F. Franz II. (Wismar 1893).

35) F. Franz 111. Paul, Gro√üherzog von Mecklenburg-Schwerin, geb. 19. M√§rz 1851, gest. 10. April 1897 in Cannes, Sohn des vorigen, folgte seinem Vater 15. April 1883 in der Regierung, hielt sich aber wegen eines Brustleidens meist im Ausland auf. Er war seit 24. Jan. 1879 mit der russischen Gro√üf√ľrstin Anastasia Michailowna (geb. 28. Juli 1860) verm√§hlt, die ihm den Erbgro√üherzog Friedrich Franz und zwei T√∂chter gebar. Vgl. Schr√∂der, F. Franz III. (Schwerin 1898).

36) F. Franz IV., Gro√üherzog von Mecklenburg-Schwerin, geb. 9. April 1882 zu Palermo, Sohn des Gro√üherzogs F. Franz III. Paul und der Gro√üf√ľrstin Anastasia von Ru√üland, gelangte 10. April 1897 durch seines Vaters Tod zur Regierung; sein Oheim Herzog Johann Albrecht (s. Johann 16) f√ľhrte bis zu seiner erfolgten Vollj√§hrigkeit 9. April 1901 die Regierung, da der √§ltere Bruder, Herzog Paul Friedrich, infolge seines √úbertritts zum Katholizismus auf alle Thronfolgerechte verzichtet hatte. F., der in Dresden das Gymnasium und seit Ostern 1900 in Bonn die Universit√§t besuchte, wurde 1. Jan. 1904 vom Kaiser zum Generalmajor ernannt und ist seit Anfang 1905 mit Alexandrine, der zweiten Tochter des Herzogs von Cumberland (geb. 1882), verm√§hlt.

37) F. Wilhelm, Gro√üherzog von Mecklenburg-Strelitz, geb. 17. Okt. 1819, Sohn des Gro√üherzogs Georg und der Prinzessin Marie von Hessen-Kassel, folgte 6. Sept. 1860 seinem Vater in der Regierung. Der Neugestaltung Deutschlands unter Preu√üens F√ľhrung lange abgeneigt, nahm er am Kriege von 1866 auf Preu√üens Seite nicht teil. Er ist seit 1843 mit Prinzessin Augusta Karoline, der Tochter des verstorbenen Herzogs Adolf von Cambridge, verm√§hlt, die am 22. Juli 1848 den Erbgro√üherzog Adolf Friedrich gebar. Vgl. Bartold, F. Wilhelm, Gro√üherzog von Mecklenburg-Strelitz, und Auguste Carolina (Neustrelitz 1893).

[Mei√üen-Th√ľringen.] 38) F. Tuto oder Tutta, was vielleicht der Stammler bedeutet, geb. 1269, gest. 16. Aug. 1291, Sohn des Markgrafen Dietrich von Landsberg und Mei√üen, erbte zu seinen v√§terlichen L√§ndern, die er 1285 √ľbernahm, bei Heinrichs des Erlauchten Tode (1288) neben dessen S√∂hnen Albrecht und Friedrich dem Kleinen, seinen Oheimen, den dritten Teil der Mark Mei√üen und brachte auch deren Anteile 1289 durch Vertrag an sich, starb aber ohne m√§nnliche Nachkommen.

39) F. der Freidige (d. h. der Mutige, Unerschrockene), Markgraf von Mei√üen und Landgraf von Th√ľringen, geb. 1257, gest. 17. Nov. 1323, Sohn Albrechts des Entarteten, nach der Sage, da√ü seine Mutter Margarete, vor ihrem Gemahl 1270 von der Wartburg fliehend, vom Abschiedsschmerz √ľbermannt, ihn in die Wange gebissen habe, auch der Gebissene genannt, war seit 1280 Pfalzgraf von Sachsen. Weil sein Vater den Halbbruder Apitz bevorzugte, bekriegte er ihn in Verbindung mit seinem Bruder Diezmann, geriet zwar 1281 in Gefangenschaft, doch erkannte nach l√§ngerm Kampf der Vater 1289 ihr Recht an. Nach dem Tod ihres Oheims Friedrich Tutta (1291) setzten sich beide Br√ľder in den Besitz von dessen L√§ndern, wobei F. die Mark Mei√üen erhielt, ihrem Vater nur die Mark Landsberg √ľberlassend. Da aber K√∂nig Adolf Mei√üen und Osterland als durch Tuttas Tod heimgefallene Lehen betrachtete und Th√ľringen dem verschuldeten Albrecht abkaufte, begannen beide den Kampf, mu√üten aber aus dem Lande weichen, und F. verweilte in der Fremde, bis ihm der Tod Adolfs sein Land zur√ľckgab, worauf sich sein Vater mit ihm vers√∂hnte. Aber auch K√∂nig Albrecht 1. erhob Anspr√ľche auf Th√ľringen und hatte die St√§dte, die reichsfrei zu werden w√ľnschten, auf seiner Seite. Die landgr√§fliche Familie wurde auf der Wartburg von den Eisenachern belagert, aber von F. befreit. Doch schaffte erst der Sieg bei Lucka (31. Mai 1307) dem bedr√§ngten Br√ľderpaar Raum (s. Diezmann); neuen R√ľstungen des K√∂nigs kam sein blutiges Ende zuvor. Nach Diezmanns Tode (1307) huldigten die Vasallen F. allein, Albrecht hatte schon fr√ľher gegen ein Jahrgeld auf die Regierung verzichtet; nur die St√§dte zeigten sich noch abgeneigt, aber Erfurt wurde mit Gewalt unterworfen. Mit Kaiser Heinrich VII., dem sich F. anfangs nicht unterwerfen wollte, vers√∂hnte er sich und erhielt von ihm 1310 seine L√§nder in feierlicher Belehnung zur√ľck. Noch dauerte der Kampf mit Brandenburg fort; F., in des Markgrafen Waldemar Gefangenschaft geraten, erkaufte seine Freiheit im Vertrag von Tangerm√ľnde (1312) nur mit 32,000 Mk. Silber und der Abtretung der Niederlausitz. Die 1316 erneuerte Fehde beendete 1317 der Magdeburger Frieden. Bei dem Aussterben des askanischen Hauses gewann F. bis auf Landsberg und die Niederlausitz alles Verlorne wieder. Seit 1321 war er durch einen Schlagflu√ü gel√§hmt. Seine Gebeine wurden sp√§ter von Eisenach nach dem Grimmenstein in Gotha gebracht und bei dessen Abbruch im Friedenstein versenkt, sein Grabmal aber in Reinhardsbrunn aufgestellt. Er verm√§hlte sich 1285 mit Agnes, der Tochter des Grafen Meinhard von G√∂rz und Tirol, der verwitweten Mutter Konradins, und nach deren Tode 1303 mit Elisabeth von Arnshaugk, der Tochter seiner Stiefmutter. Nur zwei Kinder √ľberlebten ihn, die 1322 an Heinrich II. von Hessen verm√§hlte Elisabeth und Friedrich, sein Nachfolger. Vgl. Wegele, F. der Freidige etc. und die Wettiner seiner Zeit (N√∂rdlingen 1870); Wenck, F. des Freidigen Erkrankung und Tod (Festschrift zum 75j√§hrigen Jubil√§um des k√∂niglich s√§chsischen Altertumsvereins; Dresd. 1900).

40) F. II., der Ernsthafte, Sohn des vorigen, geb. 1310, gest. 18. Nov. 1349, folgte seinem Vater 1324 anfangs unter Vormundschaft seiner Mutter Elisabeth, erwarb durch seine Gemahlin Mathilde, Tochter des Kaisers Ludwig des Bayern, die Schutzherrschaft √ľber M√ľhlhausen, Nordhausen und Goslar, hatte vielj√§hrige K√§mpfe mit seinen Vasallen und Nachbarn, namentlich den Grafen von Weimar und Schwarzburg (Grafenkrieg 1342‚Äď45), zu bestehen, in denen er das √úbergewicht der Wettiner √ľber die Grafen f√ľr alle Zeit entschied. Darauf erlie√ü er das th√ľringische Landfriedensgesetz vom 30. Nov. 1338. Nach Kaiser Ludwigs Tode wies er die von der bayrischen Partei angebotene Krone zur√ľck, lie√ü sich jedoch diese Verzichtleistung von Karl IV. mit 10,000 Mk. Silber bezahlen. Von seinen S√∂hnen ward Ludwig Kurf√ľrst von Mainz, die andern drei, Friedrich, Balthasar und Wilhelm, folgten ihm in der Regierung.

41) F. III., der Strenge wegen seiner Tapferkeit genannt, √§ltester Sohn des vorigen, geb. 14. Okt. 1332, gest. 21. Mai 1381 in Altenburg, nach des Vaters Tode Vormund √ľber seine j√ľngern Br√ľder, f√ľhrte, auch als sie m√ľndig geworden, auf Grund eines Vertrags die Regierung fort bis zu der √Ėrterung von 1379, durch die F. das Osterland erhielt. Au√üer dem ihm von seiner Gemahlin Katharina von Henneberg zugebrachten gro√üen Teil der Pflege Koburg und au√üer dem Heiratsgute, das Balthasars Gemahlin einbrachte, wurden durch Kauf Elgersburg, die Stadt Z√∂rbig, die von den Wettiner Landen abgel√∂sten Teile von Landsberg und die Stadt Sangerhausen wiedererworben, die V√∂gte von Plauen und die Grafen von Schwarzburg mit Gewalt zu einer Reihe von Abtretungen gen√∂tigt. Die zur Vernichtung des Sternerbundes im Verein mit Heinrich II. von Hessen unternommene Fehde f√ľhrte 1373 die erste Erbverbr√ľderung mit Hessen herbei. Seine S√∂hne waren Friedrich der Streitbare und Wilhelm II. Vgl. Ahrens, Die Wettiner und Kaiser Karl IV. (Leipz. 1895).

42) F. der Friedfertige, auch der Einf√§ltige genannt, geb. 1385, gest. 4. Mai 1440, des Landgrafen Balthasar Sohn aus erster Ehe, Neffe des vorigen, folgte seinem Vater 1406 in Th√ľringen. Mit seinen Vettern Friedrich dem Streitbaren und Wilhelm geriet er infolge der Abh√§ngigkeit, in der er zu dem Vater seiner Gemahlin Anna, dem Grafen G√ľnther von Schwarzburg, stand, in mancherlei Mi√ühelligkeiten. Da er kinderlos starb, fielen seine L√§nder an Kurf√ľrst Friedrich den Sanftm√ľtigen und dessen Bruder Wilhelm.

[Niederlande-Oranien.] 43) F. Heinrich, Prinz von Oranien, j√ľngster Sohn des Prinzen Wilhelm I. und seiner Gemahlin Luise de Coligny, wenige Monate vor der Ermordung seines Vaters 29. Jan. 1584 in Delft geboren, gest. 14. M√§rz 1647, wuchs unter der Leitung seiner Mutter und seines √§ltern Bruders, Moritz, auf und zeichnete sich schon fr√ľh in dem Freiheitskriege gegen Spanien durch Mut und milit√§risches Geschick aus. 1625 wurde er nach Moritz' Tode Statthalter der Republik der Vereinigten Niederlande, die unter seiner Leitung ihre h√∂chste Bl√ľte und Macht entfaltete. Im Innern suchte der Prinz die religi√∂sen Parteiungen zu beschwichtigen; obwohl er selbst anfangs verm√∂ge seiner milden Gesinnung mehr zu den Remonstranten neigte, trat er doch nicht gegen die intoleranten Gomaristen auf und begn√ľgte sich, die Remonstranten gegen die Verfolgungssucht ihrer Gegner zu sch√ľtzen. Die ausw√§rtige Politik leitete er vortrefflich und wehrte die gro√üe Gefahr, die auch den Niederlanden von der vereinigten habsburgischen Macht drohte, durch B√ľndnisse mit D√§nemark, Schweden und namentlich 1635 mit Frankreich ab. Vor allem aber ausgezeichnet war er als Feldherr, besonders im Festungskrieg; sein Hauptquartier galt als die hohe Schule der Kriegskunst, in der sich Torstensson, Turenne, Karl X. Gustav von Schweden und der Gro√üe Kurf√ľrst von Brandenburg gebildet haben. Ber√ľhmt sind namentlich die Belagerung und Eroberung von Grol 1627, von Herzogenbusch 1629. Im J. 1632 eroberte er Roermond, Venlo und Maastricht, 1637 Breda und verschaffte der Republik jene Verteidigungslinie, die sie im Frieden von M√ľnster behauptete. Er hinterlie√ü seine W√ľrden seinem einzigen Sohn von seiner Gemahlin Amalie von Solms, Prinzen Wilhelm II. F. Heinrichs Feldz√ľge sind in den ¬ĽM√©moires de Fr√©d√©ric Henri¬ę (Amsterd. 1733) beschrieben.

44) Friedrich Wilhelm Georg, Prinz, geb. 15. Febr. 1774 im Haag, gest. 6. Jan. 1799 in Padua, zweiter Sohn des Erbstatthalters Wilhelm V. der Niederlande und der Prinzessin Wilhelmine von Preu√üen, trat fr√ľh in niederl√§ndische Kriegsdienste, nahm 1793, als Holland von Dumouriez angegriffen wurde, mit einem zusammengerafften Korps den Franzosen Geertruidenberg und Klundert wieder ab und dr√§ngte den Feind √ľber die Lye zur√ľck. 1794 ward er General der Kavallerie, legte aber 1795 seine Befehlshaberstelle nieder und folgte bald seinem Vater nach England. 1796 trat er als Generalmajor bei der Armee am Niederrhein in √∂sterreichische Dienste; Kehls √úbergabe erfolgte durch seine Erst√ľrmung der Schwabenschanze. Im Februar 1797 kam er zur Armee des Erzherzogs Karl nach Italien, ward Feldmarschalleutnant und erhielt im November 1798 den Oberbefehl √ľber das ganze √∂sterreichische Heer in Italien als Feldzeugmeister, starb aber bald darauf. In Delft (fr√ľher in Padua) steht sein Denkmal von Canova.

45) Friedrich Wilhelm Karl, Prinz der Niederlande, geb. 28. Febr. 1797 in Berlin, gest. 8. Sept. 1881, zweiter Sohn des K√∂nigs Wilhelm I. und der Prinzessin Wilhelmine Luise von Preu√üen, wurde gr√∂√ütenteils am preu√üischen Hof erzogen, machte den Feldzug von 1813 mit und trat dann in das niederl√§ndische Heer. Nach dem Familienvertrag vom 4. April 1815 sollte er, sobald sein √§lterer Bruder K√∂nig von Holland w√ľrde, die deutschen Erblande der Familie Oranien-Nassau, da diese aber ausgetauscht wurden, als souver√§ner Gro√üherzog Luxemburg erhalten; doch trat er seine Anspr√ľche 1816 gegen eine Entsch√§digung in Dom√§nen ab und erhielt den Titel Prinz der Niederlande. Bald darauf wurde er Generalkommissar des Kriegsdepartements, Generaloberst und Feldmarschall der Land macht, 1829 Admiral des K√∂nigreichs und Gro√ümeister der Artillerie und entwickelte in diesen √Ąmtern gro√üe T√§tigkeit. 1830 an die Spitze eines Korps gestellt, das Br√ľssel unterwerfen sollte, wurde er zum R√ľckzuge gezwungen. Der R√ľcktritt seines Vaters von der Regierung bestimmte ihn, sich von allen √∂ffentlichen Gesch√§ften zur√ľckzuziehen. Er lebte seitdem teils in den Niederlanden, teils in dem von ihm gekauften Muskan in der Lausitz und starb, ohne S√∂hne zu hinterlassen. Seit 1825 war er mit der Prinzessin Luise von Preu√üen, Tochter des K√∂nigs Friedrich Wilhelm III., verm√§hlt, die 6. Dez. 1870 starb. Vgl De Bas, Prins Frederik der Nederlandenen sijn tijd (Schiedam 1884‚Äď1900).

[Oldenburg.] 46) F. August, Gro√üherzog von Oldenburg, geb. 16. Nov. 1852, gelangte 13. Juni 1900 durch den Tod seines Vaters Peter zur Regierung und ist ein eifriger F√∂rderer der deutschen Marine. In erster Ehe war er seit 18. Febr. 1878 mit Prinzessin Elisabeth, Tochter des Prinzen Friedrich Karl von Preu√üen (gest. 28. Aug. 1895), verm√§hlt, die ihm 1879 eine Tochter Sophie Charlotte gebar. Seit 24. Okt. 1896 ist er mit Herzogin Elisabeth von Mecklenburg-Schwerin (geb. 10. Aug. 1869), einer Schwester des Gemahls der K√∂nigin Wilhelmine der Niederlande, verm√§hlt, die am 10. Aug. 1897 den jetzigen Erbgro√üherzog Nikolaus gebar; das j√ľngste Kind ist Ingeborg Alix, geb. 20. Juli 1901.

[√Ėsterreich.] 47) F. der Streitbare, Herzog von √Ėsterreich, geb. 1211, Sohn Leopolds VI. des Glorreichen, folgte diesem 1230 und nannte sich Herzog von √Ėsterreich und Steiermark, Herr von Krain. Tapfer und kriegslustig, ward er sogleich nach seinem Regierungsantritt nicht nur mit den Nachbarf√ľrsten, insbes. B√∂hmens und Ungarns, sondern auch mit vielen aufst√§ndischen Edlen und Ministerialen seiner Lande in Kampf verwickelt. Er verstie√ü seine erste Gemahlin, beraubte seine Mutter ihrer G√ľter, belegte Adel und Geistlichkeit mit hohen Steuern und war daher geha√üt und gef√ľrchtet. 1236 ward er vom Kaiser ge√§chtet und seiner L√§nder verlustig erkl√§rt, vers√∂hnte sich aber mit ihm und erhielt seine L√§nder wieder, als Friedrich II. 1239 mit dem Bann belegt wurde. 1241 zog er den Ungarn gegen die Mongolen zu Hilfe, 1246 besiegte er den Herzog Ulrich von K√§rnten, der ein b√∂hmisches Heer nach √Ėsterreich f√ľhrte, und nahm ihn gefangen, fiel aber 15. Juni 1246 im siegreichen Kampf gegen K√∂nig Bela von Ungarn. Mit ihm, der 1245 mit dem Kaiser bereits √ľber die Erlangung der K√∂nigsw√ľrde unterhandelt hatte, erlosch das Haus der Babenberger. Vgl. A. Ficke r, Herzog F. II., der letzte Babenberger (Innsbr. 1884).

48) F. mit der leeren Tasche, Herzog von √Ėsterreich, geb. 1382, gest. 24. Juni 1439, Sohn des Herzogs Leopold des G√ľtigen von Steiermark, erhielt bereits 1402 interimistisch, sp√§ter (1407) definitiv die Herrschaft √ľber Tirol und Vorder√∂sterreich. Er f√ľhrte 1405 einen Krieg gegen die Appenzeller, durch die er die Niederlage am Sto√ü erlitt. Auch der tirolische Adel unter der F√ľhrung Wolkensteins und Meinrichs von Rottenburg machte ihm viel zu schaffen. Da er 1415 auf dem Konstanzer Konzil dem Papst Johann XXIII. zur Flucht verhalf, ward er vom Kaiser ge√§chtet und hart verfolgt; zugleich fielen Herren, St√§dte und Bisch√∂fe, insbes. aber die Eidgenossen √ľber seine Besitzungen her. Nach seiner Unterwerfung wurde er in Konstanz gefangen gehalten, entfloh aber nach Tirol, wo ihm besonders die Bauernschaft anhing, wurde dann 1417 von neuem in Acht und Bann getan, verband sich nun mit einigen andern F√ľrsten und vers√∂hnte sich mit seinem Bruder, Herzog Ernst, worauf der Kaiser 1418 ihn in den gr√∂√üten Teil seiner Besitzungen wieder einsetzte; nur der Aargau und einige schweizerische St√§dte, Schaffhausen, Diessenhofen u. a., behaupteten ihre Unabh√§ngigkeit von Habsburg. Den Spottnamen ¬Ľmit der leeren Tasche¬ę machte er durch seine finanziell geordnete, vom Bergsegen beg√ľnstigte Regierung wett. Die Sage setzt damit irrt√ľmlich das sogen. goldene Dachl zu Innsbruck in Verbindung. 1424‚Äď36 war F Vormund der S√∂hne seines Bruders Ernst des Eisernen. Mit K√∂nig Siegmund s√∂hnte er sich 1425 v√∂llig aus. Vgl. Brandis, Tirol unter F. von √Ėsterreich (Wien 1823); Beda Weber, Oswald von Wolkenstein und F. mit der leeren Tasche (Innsbruck 1850).

49) Friedrich Ferdinand Leopold, Erzherzog von √Ėsterreich, geb. 14. Mai 1821, gest. 5. Okt. 1847 in Venedig, Sohn des Erzherzogs Karl und der Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg, widmete sich dem Seedienst und nahm als Schiffskapit√§n 1840 an der von den M√§chten der Londoner Quadrupelallianz gegen Syrien abgesandten Expedition teil. Sp√§ter wurde er Vizeadmiral und Oberkommandant der Marine. Vgl. Bergmann, Erzherzog F. von √Ėsterreich und sein Anteil am Kriegszug in Syrien im Jahre 1840 (Wien 1857).

50) Friedrich Maria Albrecht Wilhelm Karl, Erzherzog von √Ėsterreich, geb. 4. Juni 1856 in Gro√ü-Seelowitz bei Br√ľnn als zweiter Sohn des Erzherzogs Karl Ferdinand, trat 1871 in das Tiroler Kaiserj√§gerregiment, ward 1880 Kommandant des 18. Infanterieregiments, 1882 Generalmajor, 1886 Feldmarschalleutnant, 1889 kommandierender General des 5. Armeekorps in Pre√üburg und 1894 Feldzeugmeister. Als Neffe des Erzherzogs Albrecht erbte er nach dessen Tode (1895) den gr√∂√üten Teil seiner G√ľter. Aus seiner Ehe mit der Prinzessin Isabella von Croy-D√ľlmen entsprossen acht T√∂chter und ein Sohn, Albrecht (geb. 24. Juli 1897).

[Pfalz.] 51) F. 1., der Siegreiche, Kurf√ľrst von der Pfalz, von seinen Feinden ¬Ľder b√∂se Fritz¬ę genannt, geb. 1. Aug. 1425, gest. 12. Dez. 1476, zweiter Sohn des Kurf√ľrsten Ludwig III., erbte nach seines Vaters Tode 1436 einige Teile der pf√§lzischen L√§nder, √ľberlie√ü sie aber freiwillig seinem √§ltern Bruder, dem Kurf√ľrsten Ludwig IV., und wurde 1449 f√ľr dessen minderj√§hrigen Sohn Philipp Vormund und Administrator des Landes. Sein 1452 unternommener Versuch, sich von den St√§nden des Landes die Regierung als Kurf√ľrst auf Lebenszeit mit der Bedingung √ľbertragen zu lassen, da√ü er sich nie standesgem√§√ü verm√§hlen und seinen Neffen Philipp als Sohn und Nachfolger annehmen wolle, scheiterte am Widerspruch Kaiser Friedrichs III. Die aufr√ľhrerischen St√§dte der Oberpfalz warf F. 1454 nieder, besiegte auch die L√ľtzelsteiner Grafen und vereinigte ihre Grafschaft mit der Pfalz, dem√ľtigte den Pfalzgrafen von Veldenz und schlo√ü mit Baden und Kurmainz Frieden. Als er sp√§ter den abgesetzten Erzbischof Dietrich von Mainz gegen Adolf von Nassau unterst√ľtzte, verfiel er der Reichsacht; der hierdurch veranla√üte sogen. Pf√§lzer Krieg f√ľhrte schlie√ülich zu wesentlichen Gebietserwerbungen. Seiner Ehe mit Klara Den aus Augsburg, die er zum Fr√§ulein v. Dettingen erhob und 1472 heiratete, entsprangen zwei S√∂hne, Friedrich und Ludwig, von denen der letztere Stammvater der F√ľrsten von L√∂wenstein-Wertheim wurde. Vgl. Kremer, Geschichte des Kurf√ľrsten F. I. von der Pfalz (Mannh. 1766, 2 Bde.); K. Menzel, Kurf√ľrst F. der Siegreiche von der Pfalz (M√ľnch. 1861); Feeser, F. der Siegreiche, Kurf√ľrst von der Pfalz (Neuburg a. D. 1880); Wa√ümannsdorf, Die Erziehung Friedrichs des Siegreichen von der Pfalz, aus M. Behaims Reimchronik mitgeteilt (Heidelb. 1886).

52) F. II., Kurf√ľrst von der Pfalz, geb. 9. Dez. 1482, gest. 26. Febr. 1556, vierter Sohn des Kurf√ľrsten Philipp, Freund Philipps des Sch√∂nen, diente als Prinz den Interessen des habsburgischen Hauses als diplomatischer Unterh√§ndler und milit√§rischer F√ľhrer, erhielt aber die begehrte Hand einer habsburgischen Prinzessin nicht. Er folgte 1544 seinem √§ltern Bruder, Ludwig, in der Regierung, lie√ü die Reformation in der Pfalz sich ausbreiten und hob die Universit√§t Heidelberg. Seine Ehe mit der d√§nischen Prinzessin Dorothea war kinderlos. Seine interessante Lebensgeschichte, von seinem Geheimsekret√§r verfa√üt: Hubertus Thomas Leodius' ¬ĽAnnales de vita et rebus gestis Friderici II. electoris palatini¬ę (Frankf. 1624), auch wiederholt, unter andern durch E. v. B√ľlow (Bresl. 1849, 2 Bde.), ins Deutsche √ľbersetzt, ist ein vortrefflicher F√ľrstenspiegel des 16. Jahrhunderts. Vgl. Rott, F. II. von der Pfalz und die Reformation (Heidelb. 1904).

53) F. III., der Fromme, Kurf√ľrst von der Pfalz, geb. 14. Febr. 1515 in Simmern, gest. 26. Okt. 1576 in Heidelberg, Sohn des Pfalzgrafen Johann II. von Pfalz-Simmern, vortrefflich erzogen, verm√§hlte sich 1537 mit Maria, der Tochter des Markgrafen Kasimir von Kulmbach, und trat, von dieser gewonuen, 1546 offen zur Reformation √ľber. Er hatte eine zahlreiche Familie und vielfach mit materieller Not zu k√§mpfen, bis er 1557 Pfalz-Simmern und nach dem Tode des Kurf√ľrsten Otto Heinrich, mit dem am 12. Febr. 1559 die √§ltere pf√§lzische Linie erlosch, die pf√§lzische Kur erhielt. Als Kurf√ľrst vertrat F. im Reich mit Energie die protestantische Sache, neigte sich aber bei der seit 1560 immer schroffer werdenden Parteiung zwischen Lutheranern und Reformierten immer entschiedener den Reformierten zu. Sein Werk ist der ¬ĽHeidelberger Katechismus¬ę, auf dessen Redaktion er bis ins einzelne Einflu√ü aus√ľbte; er setzte es durch, da√ü die Pfalz diesem Bekenntnis anhing und die Lutheraner aus dem Lande wichen. Auf dem Augsburger Reichstag von 1566 hatte Kurf√ľrst F., da der Augsburger Religionsfriede nur f√ľr die Anh√§nger der Augsburgischen Konfession galt, heftige Anfechtungen zu bestehen. Auch im eignen Haus hatte F. √Ąrger: der √§lteste Sohn, Ludwig, war Lutheraner, der zweite, Johann Kasimir, Anh√§nger der v√§terlichen Religion und Politik. Mit allen Gegnern der habsburgisch-katholischen Partei in Europa stand F. in Verbindung: in England, in Frankreich und in den Niederlanden unterst√ľtzte er die k√§mpfenden Protestanten; besonders die franz√∂sischen Hugenotten erfreuten sich wiederholt seines Rates und seiner Hilfe, so 1562 und 1567. 1568 nahm Johann Kasimir im Auftrag des Vaters am Hugenottenkrieg teil, und der niederl√§ndische Aufstand wurde von einem pf√§lzischen Heer unterst√ľtzt. Der dritte Sohn Friedrichs, Christoph, fand in der Schlacht auf der Mooker Heide (April 1574) den Tod. Im Innern sorgte der Kurf√ľrst unabl√§ssig f√ľr das Kirchen- und Schulwesen seines Landes und suchte auf alle Weise die Bl√ľte der Heidelberger Universit√§t zu heben. Vgl. Kluckhohn, Briefe Friedrichs des Frommen, Kurf√ľrsten von der Pfalz (Braunschw. 1868‚Äď72, 2 Bde.) und F. der Fromme, der Sch√ľtzer der reformierten Kirche (N√∂rdling. 1879).

54) F. IV., Kurf√ľrst von der Pfalz, geb. 5. M√§rz 1574 in Amberg, gest. 19. Sept. 1610, Enkel des vorigen, Sohn Ludwigs IV. (1576‚Äď83), war beim Tode seines Vaters (12. Okt. 1583) minderj√§hrig und stand vis 1592 unter der Vormundschaft seines Oheims Johann Kasimir, der das unter Ludwig lutherisch gewordene Land wieder zu dem reformierten Bekenntnis zur√ľckf√ľhrte. Wie Johann Kasimir, so geh√∂rte auch F. IV. zu den Vork√§mpfern des Protestantismus, zu den kr√§ftigsten Gegnern der habsburgisch-katholischen Partei: in die k√∂lnischen H√§ndel (1583), in die Stra√üburger Wirren (1592) mischte er sich ein; mit Heinrich von B√©arn (dem nachmaligen K√∂nig Heinrich IV. von Frankreich) unterhielt er Verbindungen und versuchte wiederholt die deutschen Protestanten zu einer Union zusammenzufassen, besonders 1594 auf dem Heilbronner Konvent, 1598 auf dem Reichstag und in der Frankfurter Versammlung. 1603 schien die pf√§lzische Unionsidee sich zu verwirklichen, aber erst 14. Mai 1608 kam die Union zustande. An ihrer Spitze stand die Pfalz, gest√ľtzt auf die Bundesgenossenschaft des franz√∂sischen K√∂nigs. Klare Einsicht in die Lage und eifriges Festhalten an der einmal erfa√üten Idee charakterisieren F. IV., seine Mittel aber reichten nicht, um seine Pl√§ne in Wirklichkeit umzusetzen.

55) F. V., Kurf√ľrst von der Pfalz, geb. 26. Aug. 1596 in Amberg, gest. 29. Nov. 1632 in Mainz, Sohn des vorigen und der Luise Juliane von Nassau-Oranien, folgte, vom Grafen Dohna (vgl. Dohna 6) erzogen, seinem Vater 1610 unter der Vormundschaft des Pfalzgrafen von Zweibr√ľcken, Johann IV., in der Kurw√ľrde. Seit 1613 mit Elisabeth (s.d. 6), der Tochter K√∂nig Jakobs I. von England, verm√§hlt, √ľbernahm er 1615 die Regierung, trat an die Spitze der protestantischen Union und wurde 1619 von den b√∂hmischen St√§nden zum K√∂nig von B√∂hmen gew√§hlt. Anfangs abgeneigt, lie√ü er sich von seiner Gemahlin und seinem Oheim, im Vertrauen auf die Union und seinen Schwiegervater, doch √ľberreden und wurde 4. Nov. 1619 zu Prag gekr√∂nt. Zu schwach, um die Krone gegen Kaiser Ferdinand II. zu behaupten, und unter Lustbarkeiten die Anstalten zur Verteidigung vers√§umend, wurde er 8. Nov. 1620 am Wei√üen Berge bei Prag von den Kaiserlichen und Bayern unter Tilly geschlagen, verlor sein Erbland, die Pfalz, an die Spanier und Bayern, floh nach Holland und erhielt wegen seiner kurzen Herrschaft den Beinamen ¬ĽWinterk√∂nig¬ę. 1621 in die Reichsacht erkl√§rt, glaubte er nach dem Siege Ernsts von Mansfeld √ľber Tilly bei Wiesloch (1622) sein Land wieder zu besitzen, mu√üte aber nach der Niederlage des Herzogs Christian von Braunschweig bei H√∂chst zum zweitenmal fliehen, worauf er sein Schicksal der Gnade des Kaisers anheimstellte. Dieser aber verlieh 1623 die Kurpfalz dem Herzog Maximilian von Bayern. Erst sein Sohn Karl Ludwig (s. Karl) wurde 1648 wieder in die Kur eingesetzt. Seine ungedruckten Briefe 1612‚Äď32 gab Freiherr v. Aretin in den ¬ĽBeitr√§gen zur Geschichte und Literatur¬ę VII (M√ľnch. 1806) heraus, seine und seiner Gemahlin Korrespondenz mit Matthias von Thurn Fiedler im 31. Bande des ¬ĽArchivs f√ľr die Kunde √∂sterreichischer Geschichtsquellen¬ę (Wien 1864). Vgl. Lipowski, F. V., Kurf√ľrst von der Pfalz (M√ľnch. 1824); Wolkan, Deutsche Lieder auf den Winterk√∂nig (Prag 1898).

[Preu√üen.] 56) F. I., erster K√∂nig von Preu√üen, als Kurf√ľrst von Brandenburg F. III., geb. 11. Juli 1657 in K√∂nigsberg, gest. 25. Febr. 1713, Sohn des Gro√üen Kurf√ľrsten (s. oben 14) aus dessen erster Ehe, von Jugend an kr√§nklich u. schw√§chlich, durch ein schiefes R√ľckrat entstellt, geistig wenig begabt, wurde, zuerst durch den √§ltern Schwerin, dann durch Eberhard Danckelmann (s.d.), trefflich erzogen. Seit dem Tode seines √§ltern Bruders, Karl Emil (7. Dez. 1674), Kurprinz, lebte er, vom Vater wenig beachtet, zur√ľckgezogen, f√ľhlte sich zur√ľckgesetzt und wurde, von aller Teilnahme an den politischen Gesch√§ften ferngehalten, mi√ütrauisch gegen seinen Vater, seine Stiefmutter und einige Personen seiner Umgebung, so da√ü er 1687, eine Vergiftung f√ľrchtend, nach Kassel fl√ľchtete und heimlich mit dem Kaiser in Sachen des v√§terlichen Testaments und des Schwiebuser Kreises Verabredungen traf. Als er 9. Mai 1688 zur Regierung gelangte, regelte er diese beiden Angelegenheiten: der freiwillige Verzicht seiner Stiefmutter und seiner Stiefbr√ľder auf die zu ihren Gunsten erlassenen Bestimmungen des Testaments erm√∂glichte die Erhaltung der Einheit des Staates, den Kreis Schwiebus gab er 1694 dem Kaiser zur√ľck, obwohl er erst jetzt erfuhr, da√ü derselbe eine Entsch√§digung f√ľr Erbanspr√ľche, nicht blo√ü eine Belohnung f√ľr das B√ľndnis gewesen war, und erhielt die Anwartschaft auf Ostfriesland und die Grafschaft Limburg. Wie sein Vater hielt er es mit den Niederl√§ndern, schickte ihnen 6000 Mann, die teils an der Expedition des Prinzen von Oranien nach England teilnahmen, teils die Republik w√§hrend derselben sch√ľtzen halfen, zog selbst mit einem Heer an den Rhein und eroberte Bonn (12. Okt. 1689). In den Niederlanden, in Italien und in Ungarn focht er f√ľr den Kaiser, der ihn aber nicht einmal an den Friedensverhandlungen in Ryswyk teilnehmen lie√ü. Trotzdem schlo√ü F. 16. Nov. 1700 einen Vertrag mit dem Kaiser, durch den er seine milit√§rische Macht der habsburgischen Politik v√∂llig zur Verf√ľgung stellte, um die Zustimmung Leopolds zur Erhebung des souver√§nen Preu√üen zu einem K√∂nigreich zu erlangen. Indem F. 18. Jan. 1701 zu K√∂nigsberg sich selbst die K√∂nigskrone aufsetzte, verlieh er seinem Staate den ihm geb√ľhrenden Rang; zugleich aber wurden dadurch seine Eitelkeit und Prachtliebe ins Ma√ülose gesteigert und ungeheure Summen vergeudet, w√§hrend er dem Kaiser im Spanischen Erbfolgekrieg seine Truppen (1709: 32,000 Mann) zw√∂lf Jahre lang f√ľr die Interessen der habsburgischen Dynastie auf den verschiedensten Kriegsschaupl√§tzen, auf denen sie manchen Kriegsruhm erwarben, zur Verf√ľgung stellen mu√üte. Dies hinderte ihn, in den die preu√üischen Interessen viel mehr ber√ľhrenden Nordischen Krieg entscheidend einzugreifen, ja er mu√üte zum Schutz seiner Neutralit√§t eine Miliz organisieren. Auch sonst hatten seine auf die Vermehrung seiner Lande und die Hebung der geistigen und materiellen Wohlfahrt des Volkes gerichteten Bestrebungen nur teilweise Erfolg. Er erwarb durch Kauf Quedlinburg u. die Grafschaft Tecklenburg, aus der oranischen Erb schaft Lingen, M√∂rs und Neuenburg, nahm, wie sein Vater, zahlreiche protestantische Fl√ľchtlinge aus Frankreich und der Pfalz in seine Lande auf, er√∂ffnete der freiern Richtung deutscher Wissenschaft eine Zufluchtsst√§tte durch Gr√ľndung der Universit√§t Halle, an der Thomasius und Francke lehrten, lie√ü in Berlin durch Schl√ľter und Eosander herrliche Kunstwerke errichten (Denkmal seines Vaters, Zeughaus, Schlo√ü), und die 1699 gestiftete Akademie der bildenden K√ľnste sollte seine Residenz zu einem Mittelpunkt der Kunst machen (¬ĽSpree-Athen¬ę). Auf Veranlassung seiner geistvollen Gemahlin, der philosophischen K√∂nigin Sophie Charlotte, zog er das gr√∂√üte Genie seiner Zeit, Leibniz, an seinen Hof und gr√ľndete mit seinem Beirat und seiner Hilfe 1700 die Soziet√§t der Wissenschaften. Aber alle diese Anstalten krankten bald an der K√§rglichkeit der Mittel; besonders seit Danckelmanns Entlassung geriet er in die H√§nde unw√ľrdiger G√ľnstlinge, die eine Finanzmi√üwirtschaft einf√ľhrten. Durch unvern√ľnftige Steuern und Monopole stiegen zwar die Staatseink√ľnfte auf 41/2 Mill. Tlr., reichten aber trotzdem nicht aus. F. hinterlie√ü das junge K√∂nigreich inmitten gef√§hrlicher Kriege finanziell zerr√ľttet, das Beamtentum durch ehrgeizige Parteiungen und Eigennutz verderbt. Er war dreimal verm√§hlt, von 1679‚Äď83 mit der Prinzessin Elisabeth von Hessen-Kassel, die ihm eine Tochter, Luise (gest. 1705), Gemahlin des Landgrafen Friedrich von Kassel, sp√§tern K√∂nigs von Schweden, gebar, 1684‚Äď1705 mit Sophie Charlotte von Hannover, von der ihn ein Sohn, K√∂nig Friedrich Wilhelm I., √ľberlebte; seine dritte Ehe mit einer mecklenburgischen Prinzessin (1708) war ungl√ľcklich, da diese, streng lutherisch, an dem religi√∂s-freisinnigen Hofe, von Gewissensbissen verfolgt, in Schwermut und dann in Wahnsinn verfiel. Seinen Namen f√ľhrt seit 1889 das 4. ostpreu√üische Grenadierregiment Nr. 5. Ein Denkmal von ihm (von G. Eberlein) steht in der Siegesallee zu Berlin. Vgl. Droysen, Geschichte der preu√üischen Politik, Bd. 4, Abt. 1 (2. Aufl., Leipz. 1872); W. Hahn, F. der Erste, K√∂nig in Preu√üen (3. Aufl., Berl. 1876); Ledebur, K√∂nig F. I. von Preu√üen (Leipz. 1878); Heyck, F. I. und die Begr√ľndung des preu√üischen K√∂nigtums (Bielef. 1901); Graf von Dohna, M√©moires originaux sur le regne et la cour de Frederic I (Berl. 1833); ¬ĽAus dem Briefwechsel K√∂nig Friedrichs I. von Preu√üen mit seiner Familie¬ę (hrsg. von Berner als Bd. 1 der ¬ĽQuellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hauses Hohenzollern¬ę, das. 1901).

57) F. Wilhelm 1., K√∂nig von Preu√üen, geb 14. (4. a. St.) Aug. 1688 in Berlin, gest. 31. Mai 1740, Sohn des vorigen und seiner zweiten Gemahlin, Sophie Charlotte, k√∂rperlich sehr kr√§ftig, aber starr und eigensinnig, blieb trotz sorgf√§ltiger Erziehung geistig ungebildet und roh, zeigte aber einen geraden, redlichen Charakter und klaren, n√ľchternen, auf das N√ľtzliche gerichteten Verstand. Mit Unwillen hatte F. W. als Kronprinz die G√ľnstlingswirtschaft am Hofe seines Vaters angesehen und zur Entfernung Wartenbergs (s.d.) und Wittgensteins beigetragen, konnte indes seine Ideen erst nach seiner Thronbesteigung 25. Febr. 1713 ausf√ľhren. Friedrichs I. Leichenbeg√§ngnis war das letzte Prachtfest; als sein eigner Finanzminister machte der junge F√ľrst der Verschwendung ein Ende: die Besoldungen der Hofbeamten wurden sofort von 250,000 auf 50,000 Tlr. herabgesetzt. Als von der Vorsehung zu seinem k√∂niglichen Amt berufen und nur Gott f√ľr die Verwaltung desselben verantwortlich, widmete er dieser Aufgabe alle seine Kr√§fte, verlangte aber von seinen Untertanen unbedingten Gehorsam, betrachtete sich als Herrn √ľber Eigentum und Leben und verf√ľgte dar√ľber r√ľcksichtslos. Das Hauptziel seiner staatsm√§nnischen T√§tigkeit war, Preu√üen unabh√§ngig zu machen, indem er ein gro√ües und t√ľchtiges Heer aufstellte, ausbildete und allein aus Landesmitteln, nicht aus fremden Subsidien, wie seine Vorg√§nger, unterhielt. Durch unerm√ľdliche Sorgfalt schuf er sich allm√§hlich ein stehendes Heer von mehr als 80,000 Mann, vortrefflich bewaffnet, ausger√ľstet und geschult, sowie ein tapferes Offizierkorps, das den ersten Stand im Staate bildete, dessen Glieder der K√∂nig alle selbst ernannte, und zu dem er sich auch rechnete. Die Erg√§nzung der Armee geschah teils durch Werbung, teils durch Rekrutierung aus Landeskindern; der Staat war in verschiedene den einzelnen Regimentern zugewiesene Kantone geteilt. Die Kosten dieser Armee, gegen 6 Mill. Tlr. j√§hrlich, waren nur durch gr√∂√üte Sparsamkeit zu beschaffen. Deshalb ward das gesamte Finanzwesen 1723 durch Errichtung des Generaldirektoriums, das alle Staatsgelder einnahm und ausgab, konzentriert; den f√ľr jedes Jahr aufgestellten Voranschlag pr√ľfte der K√∂nig selbst genau, unter keinen Umst√§nden durfte davon abgegangen werden. Zur Hebung der Steuerkraft mu√üte der Wohlstand des Landes gewahrt werden, ver√∂dete Hofstellen wurden wieder mit Bauern besetzt und zu diesem Zweck teilweise mit gro√üen Geldopfern aus allen L√§ndern Kolonisten herangezogen, unter denen 17,000: 1732 in Ostpreu√üen angesiedelte Salzburger Protestanten waren. Mit einem Kostenaufwand von 6 Mill. Tlr. wurden allein in Preu√üen, wo unter Friedrich I. die Pest gew√ľtet hatte, 6 St√§dte und 332 D√∂rfer neu aufgebaut. In Handel und Industrie hatten seine merkantilistischen Zwangsma√üregeln weniger Erfolg; nur die Tuchfabrikation in der Mark gewann aufs neue Leben. Die Rechtspflege ward vereinfacht und beschleunigt; in die Kriminalgerichtsbarkeit griff der K√∂nig oft pers√∂nlich ein und √§nderte oder versch√§rfte aus eigner Machtvollkommenheit die Urteile; namentlich √ľber Vergehen gegen das Eigentum verh√§ngte er √∂fters grausame Strafen. Seine Polizeiverordnungen griffen selbst in das Privatleben der Untertanen ein. Obwohl selbst streng religi√∂s, war er den verschiedenen Konfessionen gegen√ľber doch tolerant, erwarb sich um das Volksschulwesen gro√üe Verdienste, verachtete aber alle h√∂here Wissenschaft und verh√∂hnte sie, indem er seinen gelehrten Hofnarren Gundling (s.d.) zum Pr√§sidenten der Akademie der Wissenschaften ernannte.

In der ausw√§rtigen Politik weniger selbst√§ndig, errang der K√∂nig nur im Anfang seiner Regierung einige Erfolge, erlangte zun√§chst 1713 im Utrechter Frieden au√üer der Anerkennung der preu√üischen K√∂nigsw√ľrde das Herzogtum Obergeldern. Weil er, um den Nordischen Krieg von Deutschland fernzuhalten, 1713 Pommern besetzt hatte, drohte Karl XII. nach seiner R√ľckkehr aus der T√ľrkei mit Gewalt. Jetzt erkl√§rte F. W. den Krieg (1715), sein Heer unter Leopold von Dessau eroberte R√ľgen und Stralsund, zwang Karl XII. zur Flucht nach Schweden, und im Frieden von Stockholm (1. Febr. 1720) trat Schweden gegen 2 Mill. Tlr. Vorpommern bis zur Peene an Preu√üen ab. Seitdem hat F. W. keinen Krieg mehr gef√ľhrt, nur w√§hrend des Polnischen Erbfolgekriegs ein Hilfskorps zum kaiserlichen Heer am Rhein geschickt, da er seine neuen Sch√∂pfungen im Heer- und Staatswesen nicht den Gefahren eines gro√üen Krieges aussetzen wollte. Politisch hielt er es unter dem Einflu√ü des kaiserlichen Gesandten Seckendorf, des vom Wiener Hof bestochenen Ministers Grumbkow und seines Freundes Leopold von Dessau mit dem Kaiser, w√§hrend er die Ausl√§nder, namentlich die Franzosen, ingrimmig ha√üte. In den Vertr√§gen mit √Ėsterreich von K√∂nigs-Wusterhausen 1726 und Berlin 1728 die Pragmatische Sanktion anerkennend, erhielt er die Erbfolge in J√ľlich und Berg zugesichert, aber trotzdem versprach der Kaiser 1738 J√ľlich und Berg der Linie Pfalz-Sulzbach. Politisch vielleicht allzu vorsichtig die Kr√§fte sparend, hinterlie√ü er einen Schatz von 9 Mill. Tlr. und ein gro√ües, vortreffliches Heer. F. W. war verm√§hlt mit Sophie Dorothea von Hannover, die ihm sechs S√∂hne und mehrere T√∂chter gebar. Von den S√∂hnen √ľberlebten ihn au√üer Friedrich II. Prinz August Wilhelm (1722‚Äď58), Prinz Heinrich (1726‚Äď1802) und Prinz Ferdinand (1730‚Äď1813); von den T√∂chtern heiratete Wilhelmine (1709‚Äď58) einen Markgrafen von Bayreuth, Luise Ulrike (1720‚Äď82) den K√∂nig Adolf Friedrich von Schweden, Amalie (1723 bis 1787) blieb unverm√§hlt. Die K√∂nigin und die Kinder hatten unter des K√∂nigs Heftigkeit viel zu leiden, obwohl F. W. auch als Familienvater seinen Untertanen mit gutem Beispiel voranging. Rastlos t√§tig, g√∂nnte er sich nur zweierlei Erholungen: das Tabakskollegium (s.d.) und die Jagd. Er war von regelm√§√üiger, wiewohl nicht gro√üer Gestalt, wurde aber bald √ľberm√§√üig dick, litt schon fr√ľh am Podagra und starb an der Wassersucht. Seinen Namen f√ľhrt seit 1889 das 2. ostpreu√üische Grenadierregiment Nr. 3. Sein Denkmal in der Siegesallee zu Berlin ist von R. Siemering entworfen. Vgl. au√üer den (freilich geh√§ssigen) ¬ĽMemoiren der Markgr√§fin Friederike Sophie Wilhelmine von Bayreuth, 1706‚Äď42¬ę: F. F√∂rster, F. Wilhelm I. (Potsd. 1835, 3 Bde.); Paulig, F. Wilhelm I. (2. Aufl., Frankf. a. O. 1889); Droysen, Geschichte der preu√üischen Politik, Bd. 4, Abt. 2 bis 4 (Leipz. 1869‚Äď70); Ranke, Zw√∂lf B√ľcher preu√üischer Geschichte, 5. und 6. Buch (2. Aufl., das. 1879); Freylinghausen, Sieben Tage am Hofe F. Wilhelms I. (hrsg. von Krieger, Berl. 1900); Stadelmann, F. Wilhelm in seiner T√§tigkeit f√ľr die Landeskultur Preu√üens (das. 1878), eine Reihe Arbeiten von Schmoller in der ¬ĽZeitschrift f√ľr preu√üische Geschichte¬ę, den ¬ĽPreu√üischen Jahrb√ľchern¬ę und anderw√§rts und P. v. Schmidt, Das Friedenswerk der preu√üischen K√∂nige in zwei Jahrhunderten (Berl. 1900).

58) F. II., der Gro√üe, auch wohl der Einzige genannt, K√∂nig von Preu√üen, geb. 24. Jan. 1712 in Berlin, gest. 17. Aug. 1786 in Sanssouci, √§ltester Sohn des vorigen und der K√∂nigin Sophie Dorothea, sollte nach dem Willen des Vaters so erzogen werden, da√ü er ihm gleiche, und deshalb wurde die geistige Bildung sehr beschr√§nkt, vor allem die Besch√§ftigung mit der Literatur ausgeschlossen. Der Prinz f√ľgte sich nicht, trieb heimlich verbotene Studien und mi√üachtete auch in andern Dingen den Willen des Vaters, zeigte wenig Interesse f√ľr die milit√§rischen Exerzitien, neigte zu Luxus und machte erhebliche Schulden. Der Streit wegen der englischen Heiraten, in dem der Kronprinz zu seiner Mutter hielt, weil sich ihm durch die Verm√§hlung mit der Prinzessin Amalie eine Aussicht auf eine unabh√§ngige Stellung als Statthalter Georgs II. in Hannover er√∂ffnete, gestaltete das Verh√§ltnis zwischen Vater und Sohn noch schwieriger, der K√∂nig verlangte von F. den Verzicht auf die Thronfolge, die Weigerung des Kronprinzen reizte ihn aufs √§u√üerste, und er lie√ü sich im Zorn zu Mi√ühandlungen auch in Gegenwart Fremder fortrei√üen. Dies brachte den Kronprinzen zum Entschlu√ü, nach England zu fliehen, indes der 1730 auf einer Reise in das Reich unternommene Versuch mi√ülang, und ein aufgefangener Brief Friedrichs an Katte (s.d.) enth√ľllte den Plan. Der K√∂nig, durch die erneute Verweigerung des Verzichts auf sein Erbrecht gegen F. erbittert, mi√ühandelte ihn in Wesel aufs emp√∂rendste, lie√ü ihn als Gefangenen vom Rhein nach der Mark bringen und setzte ein Kriegsgericht ein, um ihn als Deserteur zum Tode verurteilen zu lassen. Indes das Kriegsgericht weigerte sich, ein Urteil zu fallen, die fremden H√∂fe verwendeten sich f√ľr das Leven Friedrichs, und so begn√ľgte sich der K√∂nig damit, ihn in K√ľstrin in strenger Hast zu halten. Dieser Vorfall wirkte auf F., der auf den Tod gefa√üt gewesen war, tief ein. Er wollte nun durch die Tat beweisen, da√ü der preu√üische Staat in seinen H√§nden wohl aufgehoben sein werde, und widmete sich in K√ľstrin mit Ernst und Eifer der Arbeit. Diese Umkehr verschaffte ihm einige Erleichterungen seiner Hast; er war schlie√ülich blo√ü in K√ľstrin konsigniert, lernte an der dortigen Dom√§nenkammer die preu√üische Staatsverwaltung kennen und √ľbte praktische Verwaltungst√§tigkeit. Seine Unterwerfung unter den Willen des Vaters betreffs seiner Heirat mit der Prinzessin Elisabeth von Braunschweig vers√∂hnte ihn 1732 v√∂llig mit ihm, F. erhielt ein Regiment in Neuruppin und sp√§ter die Herrschaft Rheinsberg. Hier verlebte der Kronprinz gl√ľckliche Jahre im Verkehr mit geistreichen Freunden, mit dem Studium der Philosophie und Literatur besch√§ftigt. Bereits selbst schriftstellerisch t√§tig, wechselte (vgl. ¬ĽF. d. Gr. als Kronprinz im Briefwechsel mit Voltaire¬ę, deutsch, Halle 1902) er mit Voltaire Briefe, versah aber zugleich seinen Dienst als Regimentskommandeur vortrefflich und bewies f√ľr alle Verwaltungsangelegenheiten ein lebhaftes Interesse und Verst√§ndnis, so da√ü sein Vater ihn als einen durchaus w√ľrdigen Nachfolger anerkannte und sein Werk vertrauensvoll in seine H√§nde legte.

Als F. 31. Mai 1740 den Thron bestieg, stand er in der Bl√ľte seiner Jahre, ergriff im vollen Bewu√ütsein seiner k√∂niglichen Macht die Z√ľgel der Regierung, milderte durch Ma√üregeln, wie die Abschaffung der Tortur, der Jagdplage, die Aufl√∂sung der Potsdamer Riesengarde, die Zur√ľckberufung des Philosophen Wolff nach Halle u. a., manche H√§rten und Fehler seines Vaters und machte vor allem der Vernachl√§ssigung der geistigen Interessen ein Ende. In der Verwaltung seines Staates den Grunds√§tzen seines Vaters folgend, betrachtete er sich als den f√ľr alles verantwortlichen ersten Diener des Staates; deshalb regierte er vor allem selbst, bek√ľmmerte sich um das Geringste, nahm Bitten und Beschwerden an, verlangte aber unbedingten Gehorsam. In der Verwaltung sah er auf Sparsamkeit und P√ľnktlichkeit, in der Rechtspflege auf Schnelligkeit und Unparteilichkeit; die Beamten mu√üten arbeitsam und uneigenn√ľtzig sein. Die st√§rkste S√§ule des Staates, das Heer, verst√§rkte er sofort um 16,000 Mann. Nach au√üen hin wollte er Preu√üen als selbst√§ndige unabh√§ngige Macht sehen und betrachtete eine Vergr√∂√üerung des Staatsgebiets als das Notwendigste, und ein starkes Heer und gute Finanzen erschienen ihm als die unerl√§√üliche Voraussetzung dazu. Zuerst mit der j√ľlichschen Erbfolgefrage besch√§ftigt, fand er nach dem Tode Karls VI. (20. Okt. 1740) ein ersprie√ülicheres Feld f√ľr seine T√§tigkeit in Schlesien. Da √Ėsterreich selbst den Vertrag von Berlin gebrochen hatte, war F. zur Garantie der Pragmatischen Sanktion nicht verpflichtet, wollte aber der jungen K√∂nigin Maria Theresia gegen alle M√§chte, die ihr etwa die Erbschaft streitig machen w√ľrden, beistehen, wenn diese ihm einen Teil Schlesiens, auf das Preu√üen √ľberdies noch nicht erloschene Erbanspr√ľche habe, abtreten werde. Als der Wiener Hof dies Verlangen mit Entr√ľstung zur√ľckwies und von F. die Garantie der Pragmatischen Sanktion ohne jede Gegenleistung forderte, r√ľckte F. Mitte Dezember 1740 in Schlesien ein (erster Schlesischer Krieg, s.d.), eroberte und behauptete es durch die Siege bei Mollwitz (10. April 1741) und Chotusitz (17. Mai 1742), und im Frieden zu Berlin (28. Juli 1742) willigte Maria Theresia in die Abtretung Schlesiens. Da indes √Ėsterreich jetzt √ľber seine √ľbrigen Feinde entscheidende Siege (√Ėsterreichischer Erbfolgekrieg) erfocht, schlo√ü F. 1744 ein neues B√ľndnis mit Frankreich und nahm den Schutz des Kaisers, des Wittelsbachers Karl VII., zum Vorwand, um Ende August in B√∂hmen einzufallen (zweiter Schlesischer Krieg). Er eroberte Prag, mu√üte aber vor der √ľberlegenen √∂sterreichischen Armee im Winter B√∂hmen wieder r√§umen. Die Unt√§tigkeit der Franzosen und der Tod Karls VII., der die √ľbrigen deutschen F√ľrsten zum Ausgleich mit √Ėsterreich veranla√üte, brachten F. 1745 in gro√üe Gefahr, aber nach den preu√üischen Siegen bei Hohenfriedeberg (4. Juni) und bei Soor (30. Sept.), die F., und den bei Kesselsdorf (15. Dez.), den Leopold von Dessau erfocht, trat √Ėsterreich im Frieden zu Dresden (25. Dez. 1745) zum zweitenmal Schlesien und Glatz ab. Nachdem indes durch den Aachener Frieden 1748 die Pragmatische Sanktion von allen M√§chten anerkannt war, dachten Maria Theresia und ihr Minister Kaunitz an eine Wiedergewinnung Schlesiens und suchten Frankreichs und Ru√ülands Freundschaft f√ľr einen neuen Krieg. F. erfuhr da von, wollte √Ėsterreich zuvorkommen und fiel Ende August 1756 in Sachsen ein (dritter Schlesischer oder Siebenj√§hriger Krieg), um, durch B√∂hmen hindurchziehend, wom√∂glich in Wien den Frieden zu diktieren. Doch die Konzentration der s√§chsischen Armee bei Pirna hielt ihn auf; er schlug zwar ein √∂sterreichisches Heer unter Browne, das den Sachsen zu Hilfe eilte, 1. Okt. bei Lobositz und zwang diese 16. Okt. zur Kapitulation von Pirna, aber der b√∂hmische Feldzug mu√üte aufs n√§chste Fr√ľhjahr verschoben werden. Nun trat die gef√ľrchtete Koalition zwischen √Ėsterreich, Ru√üland, Schweden, Frankreich und den bedeutendsten Reichsf√ľrsten zur Vernichtung Preu√üens ins Leben, und als der Einfall in B√∂hmen nach dem Sieg bei Prag (6. Mai 1757) mit der Niederlage von Kolin (18. Juni) und einem verlustreichen R√ľckzug endete, fielen alle Feinde √ľber F. her, der nur England-Hannover, Hessen-Kassel und Braunschweig zu Verb√ľndeten hatte. Zwar schlug er bei Ro√übach (5. Nov.) und bei Leuthen (5. Dez.) die gef√§hrlichsten Feinde zur√ľck und versuchte 1758 noch einmal die Offensive. Als diese vor Olm√ľtz scheiterte, beschr√§nkte sich F. auf die Verteidigung, und mehrere empfindliche Niederlagen, bei Hochkirch (14. Okt. 1758), bei Kay und Kunersdorf (12. Aug. 1759), schienen ihn verderben zu wollen. Wenn er sich auch durch geschickte Operationen und gl√ľckliche Schlachten, wie bei Liegnitz (15. Aug.) und bei Torgau (3. Nov. 1760), zu behaupten wu√üte, so waren doch Ende 1761 seine Kr√§fte an Geld und Menschen ersch√∂pft und die Mehrzahl seiner Staaten in Feindeshand; auch England hatte sich nach Georgs II. Tode und Pitts Sturz von ihm zur√ľckgezogen. Da bestieg in Ru√üland nach Elisabeths Tod im Januar 1762 Peter III. den Thron, schlo√ü Frieden, r√§umte Preu√üen und schickte F. ein Hilfskorps. Nun fiel Schweden von der Koalition ab, Ende 1762 auch Frankreich, so da√ü F. es nur mit √Ėsterreich und dem Reich zu tun hatte. Da Maria Theresia ebenfalls ihre Hilfsmittel ersch√∂pft sah und F. als Friedensbedingung nur Herstellung des Standes der Dinge vor dem Kriege forderte, so kam der Friede auf dieser Grundlage 15. Febr. 1763 in Hubertusburg schnell zum Abschlu√ü. Preu√üen blutete jetzt aus tausend Wunden; der K√∂nig fand politisch einen R√ľckhalt an dem jetzt von Katharina II. beherrschten Ru√üland und gewann dadurch f√ľr sich neuen Landzuwachs durch die erste Teilung Polens (1772), das, nach au√üen ohnm√§chtig, im Innern zerr√ľttet, seit der Erhebung eines G√ľnstlings der Katharina, Stanislaus Poniatowski, auf den K√∂nigsthron ganz unter russischem Einflu√ü stand: F. erwarb Westpreu√üen ohne Danzig und Thorn sowie den Netzedistrikt, der eine direkte Verbindung zwischen Ostpreu√üen und den Marken abgab. Auch sonst war F. bem√ľht, die Eroberungsgier der Nachbarn zu beschr√§nken. Zu diesem Zweck begann er 1778 den Bayrischen Erbfolgekrieg (s.d.) gegen √Ėsterreich, das, um seine Macht in S√ľddeutschland zu vergr√∂√üern, Bayern dem Kurf√ľrsten Karl Theodor abkaufen wollte. Im Frieden von Teschen verzichtete Kaiser Joseph II. auf den Plan. Als er ihn ein paar Jahre sp√§ter wieder aufnahm, nur da√ü der Kurf√ľrst f√ľr Bayern jetzt Belgien erhalten sollte, stiftete F. 1785 den F√ľrstenbund (s.d.). So vergr√∂√üerte F. seinen Staat um zwei Provinzen, zu denen seit 1744 auch Ostfriesland kam, so da√ü er nun 190,000 qkm und 6 Mill. Einwohner z√§hlte (vgl. die Geschichtskarte beim Art. ¬ĽPreu√üen¬ę), und errang sich die politische F√ľhrung in Europa.

Nicht weniger ersprie√ülich war seine Verwaltung des Staates, wenn auch durch den Siebenj√§hrigen Krieg seine Bem√ľhungen unterbrachen und die Erfolge teilweise verk√ľmmert wurden. Seine Hauptt√§tigkeit wendete er, wie sein Vater, auf das am Ende seiner Regierung 200,000 Mann z√§hlende Heer, verbesserte die Reiterei und die Artillerie, besichtigte j√§hrlich auf seinen Reisen einen Teil der Truppen und schritt hierbei wie bei den Man√∂vern mit r√ľcksichtsloser Strenge gegen unf√§hige Befehlshaber ein. √úberhaupt stellte er an das Offizierkorps hohe Anforderungen, bevorzugte es aber auch vor den √ľbrigen Beamten und ernannte vorzugsweise Adlige zu Offizieren. Der Dienst und die Disziplin im Heere waren hart, aber diese H√§rte notwendig, da ein gro√üer Teil der Soldaten aus Angeworbenen bestand. Die Unterhaltung der Truppen verschlang trotz aller Sparsamkeit bei weitem den gr√∂√üten Teil der schon 1750 auf 12 Mill. Taler gestiegenen Einnahmen. F. suchte deshalb auf alle Weise den Wohlstand des Landes zu heben. Zun√§chst den Ackerbau: er legte Kolonien an, die er mit Einwanderern besetzte, machte das sumpfige Oderbruch zu fruchtbarem Ackerland, ordnete die Anpflanzung von Obstb√§umen, den Bau von Kartoffeln etc. an, erm√§√üigte die Fronlasten der Bauern und sch√ľtzte sie vor Gewaltt√§tigkeiten ihrer Herren; aber ihre Erbuntert√§nigkeit hob er nicht auf, da er eine strenge Scheidung und Unterordnung der St√§nde f√ľr notwendig hielt. Nach Kr√§ften bem√ľht, neue Gewerbe in seinem Staat heimisch zu machen, f√∂rderte er die Zuckersiederei, die Baumwollspinnerei und Weberei, die Porzellanfabrikation, die Seidenmanufaktur und errichtete zum Besten des Handels in Berlin die Bank und die Seehandlung. In 20 Jahren, von 1763‚Äď1783, hat F. 40 Mill. Tlr. f√ľr Bef√∂rderung des Handels, der Gewerbe und des Ackerbaues ausgegeben. Zur Mehrung der Staatseink√ľnfte wurden alle fremden Waren 1766 mit hohen Eingangsz√∂llen belegt, ja Kaffee und Tabak monopolisiert, franz√∂sische Beamte mu√üten die Erhebung der Z√∂lle einrichten und kontrollieren, und diese machten die Regie durch ihre Schikanen und Betr√ľgereien aufs √§u√üerste verha√üt. In die kirchlichen Angelegenheiten mischte sich F. sowenig wie m√∂glich ein, bek√ľmmerte sich jedoch lebhaft um die Rechtspflege, betrachtete sich als Anwalt der Armen und Gedr√ľckten, ging aber in seinem Mi√ütrauen gegen die Vornehmen und die Richter mitunter zu weit, ja bis zu den ungerechtesten Gewalttaten, wie namentlich in dem Fall des M√ľllers Arnold (s. Arnoldscher Proze√ü). 1747 erschien eine neue Gerichtsordnung, der Codex Fridericianus, der den preu√üischen Richterstand begr√ľndet hat; ein dauerndes Denkmal seiner F√ľrsorge f√ľr die Rechtspflege ist das ¬ĽAllgemeine preu√üische Landrecht¬ę, das, vom Gro√ükanzler Carmer ausgearbeitet, indes erst nach Friedrichs Tode zum Abschlu√ü kam und 1794 in Kraft trat. Es ist das erste deutsche Gesetzbuch, welches die beiden Rechtssysteme, das deutsche und das r√∂mische, verschmolz und aus dem Naturrecht erg√§nzte.

Von dem Zeitpunkt seiner geistigen Selbst√§ndigkeit ab hat F. unabl√§ssig danach gestrebt, in religi√∂sen und politischen Fragen pers√∂nlich Klarheit zu gewinnen, und hat sich in beiden mit einer f√ľr seine Zeit bemerkenswerten K√ľhnheit von Vorurteilen befreit und im Sinne der Aufkl√§rung seine Ansichten durch das nat√ľrliche Recht und die Vernunft zu begr√ľnden gesucht. Die Ideen der Aufkl√§rungsphilosophie, die in England und Frankreich ausgebildet und in Deutschland durch Thomasius, Leibniz und Wolff vertreten, hat er namentlich unter den Beamten heimisch werden lassen. Wolffs Schriften f√ľhrten ihn selbst in die Philosophie ein, sp√§ter schlo√ü er sich mehr an Locke und Voltaire an. Wie diese, war er De√Įst, leugnete die Unsterblichkeit der Seele, und die ¬ĽEp√ģtre an mar√©chal Keith¬ę setzt den Hauptwert der Tugend darein, da√ü sie um ihrer selbst, nicht um k√ľnftiger Belohnung willen ge√ľbt werde. Die Glaubenslehre der bestehenden christlichen Kirchen war ihm Entstellung der urspr√ľnglichen Reinheit des Christentums, dessen Sittenlehre ihm als ewig g√ľltig und unangreifbar galt. So hoch und rein F. von den sittlichen Pflichten des Menschen dachte, so erhaben erschien ihm auch das Wesen des f√ľrstlichen Berufs.

Schriften. Friedrichs erste politische Schrift, die ¬ĽConsid√©rations sur l'√©tat du corps politique de l'Europe¬ę, mahnt die F√ľrsten energisch an ihre Pflicht, f√ľr das Gl√ľck ihrer V√∂lker zu sorgen, denen sie ihre Erhebung verdanken. Der 1739 geschriebene ¬ĽAntimachiavel, ou Examen du prince de Machiavel¬ę (√ľbersetzt von F√∂rster, Leipz. 1870) geht allerdings von der irrt√ľmlichen Voraussetzung aus, da√ü Machiavelli ein ¬Ľmoralisches Ungeheuer¬ę gewesen, gei√üelte aber mit Recht das Unwesen des damaligen F√ľrstentums und enth√§lt den ber√ľhmten Satz, der Friedrichs Leitstern w√§hrend seiner ganzen Regierung gewesen: ¬ĽDer F√ľrst ist nicht der unumschr√§nkte Herr, sondern nur der erste Diener (in der ersten Fassung, domestique', sp√§ter, serviteur') seines Volkes.¬ę √Ąhnliche Gedanken enthalten der ¬ĽMiroir des princes¬ę (1744) und der ¬ĽEssai sur les formes du gouvernement et sur les devoirs des souverains¬ę (1777). √úberzeugt von dem volkst√ľmlichen Ursprung der Regierungsgewalt, erkl√§rte er die republikanische Staatsform f√ľr durchaus berechtigt und eine verfassungsm√§√üige Volksvertretung wie das englische Parlament f√ľr die weiseste Einrichtung. Die Denk- und Gewissensfreiheit hat F. in seinem Staat fest begr√ľndet. F. hat auch mehrere hervorragende geschichtliche Werke geschrieben: die ¬ĽM√©moires pour servir √† l'histoire de la maison de Brandebourg¬ę (1751; neue Ausg., Leipz. 1875), die ¬ĽHistoire de la guerre de sept aus¬ę; ¬ĽM√©moires, depuis la paix de Hubertsbourg 1763 jusqu'√† la fin du partage de la Pologne¬ę; ¬ĽM√©moires de la guerre de 1778¬ę; ¬ĽHistoire de mon temps¬ę (neue Ausg., Leipz. 1876, 2 Bde., und in den ¬ĽPublikationen aus preu√üischen Archiven¬ę, Bd. 4, das. 1879); ¬ĽR√©flexions sur les talents militaires et sur le caract√®re de Charles XII¬ę. Sein Briefwechsel ist ausgebreitet gewesen und sehr reichhaltig, besonders der mit seinem Bruder, dem Prinzen Heinrich, seiner Bayreuther Schwester (hrsg. von Berner, Berl. 1903), mit Voltaire (hrsg. von Koser, das. 1903), Duhan de Jandun (das. 1791), d'Argens u. a. Seine politische Korrespondenz wird jetzt im Auftrag der preu√üischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben (bisher 29 Bde., Berl. 1878‚Äď1904); ebenso ¬ĽPreu√üische Staatsschriften aus der Regierungszeit K√∂nig Friedrichs II.¬ę (Bd. 1‚Äď3,1878‚Äď92). Seine milit√§rischen Schriften, Instruktionen u. dgl. sind au√üerordentlich zahlreich (in Auswahl deutsch von Merkens, 2. Aufl., Berl. 1891, und von Taysen, das. 1880‚Äď82, 4 Tle.). Auch eine Sammlung seiner Gedichte erschien noch bei seinen Lebzeiten (¬ĽŇíuvres ou po√©sies diverses du philosophe de Sans-souci¬ę). Seine s√§mtlichen Werke hat in zwei Prachtausgaben (Berl. 1846‚Äď57, 31 Bde.) die Berliner Akademie unter Leitung von Preu√ü herausgegeben; eine √úbersetzung ausgew√§hlter Werke Friedrichs lieferte H. Merkens (W√ľrzburg 1873‚Äď76, 3 Bde.), eine andre E. Schr√∂der (3. Aufl., Berl. 1886). Die Oden wurden von E. Schr√∂der (Berl. 1874) und von Vulpinus (¬ĽFridericus redivivus¬ę, mit dem franz. Text, das. 1886) √ľbersetzt. Seine Schriften sind alle franz√∂sisch geschrieben; die deutsche Literatur hielt er keiner Beachtung f√ľr w√ľrdig und einen Aufschwung f√ľr unm√∂glich (vgl. seine Schrift ¬ĽDe la litt√©rature allemande¬ę, 1780; mit Dohms √úbersetzung hrsg. von Geiger, Berl. 1902). Trotzdem hat gerade F. bedeutend zu diesem Aufschwung beigetragen durch seine Pers√∂nlichkeit und seine Verdienste um die geistige Befreiung des deutschen Volkes.

Eine so vielseitige T√§tigkeit war nur m√∂glich bei au√üergew√∂hnlicher Arbeitskraft und peinlicher Ausnutzung der Zeit, und F. widmete bis in sein sp√§testes Alter den ganzen Tag den Gesch√§ften. Vor dem Siebenj√§hrigen Kriege liebte F., der 1747 das neue Schlo√ü Sanssouci bei Potsdam bezog, auch Geselligkeit, namentlich geistvoller Franzosen; auch Voltaire war mehrere Jahre (1750‚Äď53) am Hofe des ¬ĽPhilosophen von Sanssouci¬ę. Er war nicht nur im Verkehr mit Tonk√ľnstlern, wie Quantz, Graun, Ph. E. Bach u. a., ein eifriger Musikliebhaber (jeden Tag war Konzert, in dem F. selbst die Fl√∂te spielte), sondern auch selbst Komponist (eine Auswahl seiner musikalischen Werke [25 Sonaten f√ľr Fl√∂te und Klavier, 4 Konzerte] gab Spitta heraus, Leipz. 1889, 4 Bde.). Vgl. Thouret, F. d. Gr. als Musikfreund und Musiker (Leipz. 1898). Nach dem Kriege zog er sich mehr und mehr in die Einsamkeit zur√ľck, ging ganz in der Erf√ľllung seiner Pflichten auf; zugleich steigerten sich manche Schw√§chen: seine Sparsamkeit (er brauchte f√ľr seinen ganzen Hofstaat nur 200,000 Tlr. j√§hrlich) artete in Geiz aus, seine Strenge oft in willk√ľrliche H√§rte, seine Vereinsamung steigerte in ihm die Menschenverachtung. In seiner n√§chsten Umgebung war er deshalb nicht mehr beliebt, desto mehr bei seinem Volk, und der Ruhm seiner Herrschert√§tigkeit war √ľber die ganze Welt verbreitet. Gegenw√§rtig noch bricht sich die Erkenntnis immer mehr Bahn, da√ü F., indem er Preu√üen gro√ü machte, auch dem deutschen Volke sein nationales Selbstbewu√ütsein und opferfreudige Vaterlandsliebe wiedergegeben hat. F. litt wie seine Vorfahren schon fr√ľh an Gicht, die mit jedem Jahre schlimmer wurde und zuletzt in t√∂dliche Wassersucht √ľberging. Seine Ehe mit Elisabeth von Braunschweig (s. Elisabeth 8) war kinderlos geblieben. Seine charakteristischen, geistvollen Z√ľge, seine einfache, aber originelle Erscheinung sind in zahllosen Portr√§ten und Denkm√§lern verewigt; von letztern ist das gro√üartigste das Reiterstandbild von Rauch in Berlin (seit 1851; s. Tafel ¬ĽBildhauerkunst XIII¬ę, Fig. 3); 1847 wurde seine Reiterstatue von Ki√ü vor dem Stadthaus zu Breslau, 1877 ein Standbild Friedrichs von Siemering in Marienburg enth√ľllt. Den jugendlichen F. zeigt das Standbild in der Siegesallee zu Berlin von Uphues (s. Tafel ¬ĽBildhauerkunst XIX¬ę, Fig. 3). Seinen Namen f√ľhrt seit 1889 das 3. ostpreu√üische Grenadierregiment Nr. 4.

Von Gesamtdarstellungen seines Lebens sind zu nennen: Preu√ü, F. d. Gr. Eine Lebensgeschichte (Berl. 1832‚Äď34, 4 Bde., mit 5 Tln. Urkunden); Carlyte, History of Frederick Il. (Lond. 1858‚Äď65 u. √∂., 6 Bde.; deutsch, Berl. 1858‚Äď69, 6 Bde.); Droysen, Geschichte der preu√üischen Politik, 5. Teil: F. d. Gr. (Leipz. 1874‚Äď85, 4 Bde., bis 1756 reichend); Koser, K√∂nig F. d. Gr. (Stuttg. 1890‚Äď1903, 2 Bde.; Bd. 1 in 2. Aufl. 1901); Wiegand, F. d. Gr. (Bielef. 1902); v. Petersdorff, F. d. Gr. (Berl. 1903). Vom entgegengesetzten Standpunkt aus ist F. beurteilt von O. Klopp (¬ĽF. II. von Preu√üen und die deutsche Nation¬ę, 2. Aufl., Schaffh. 1867). Sehr verbreitet ist Kuglers popul√§re ¬ĽGeschichte Friedrichs d. Gr.¬ę, mit den Holzschnitten von A. Menzel (5. Ausg., Leipz. 1901). Vgl. ferner Taysen, Die √§u√üere Erscheinung Friedrichs d. Gr. und der n√§chsten Angeh√∂rigen seines Hauses (Berl. 1891); Waldeyer, Die Bildnisse Friedrichs d. Gr. und seine √§u√üere Erscheinung (das. 1900); Bratuscheck, Die Erziehung Friedrichs d. Gr. (das. 1885); Koser, F. d. Gr. als Kronprinz (2. Aufl., Stuttg. 1901); Fester, Die Bayreuther Schwester Friedrichs d. Gr. (Berl. 1902); Wilhelmine von Oranien, Erinnerungen an den Hof Friedrichs d. Gr. 1757‚Äď1761 (hrsg. von Volz, das. 1903); Paulig, F. d. Gr., neue Beitr√§ge zur Geschichte seines Privatlebens, seines Hofes und seiner Zeit (4. Aufl., Frankf. a. O. 1902); Becher, Der Kronprinz als Regimentskommandeur in Neuruppin (Berl. 1892); ¬ĽDie Kriege Friedrichs d. Gr.¬ę, herausgegeben vom Gro√üen Generalstab (3 Tle., der erste in 3 Bdn., das. 1890‚Äď93; der zweite in 3 Bdn., das. 1895; der dritte, bis jetzt 4 Bde., 1901‚Äď1902); Duncker, Aus der Zeit Friedrichs d. Gr. etc. (das. 1876); v. Bernhardi, F. d. Gr. als Feldherr (das. 1881, 2 Bde.); ¬ĽF. d. Gr., Denkw√ľrdigkeiten seines Lebens¬ę (Leipz. 1886, 2 Bde.); Wagner, Friedrichs d. Gr. Beziehungen zu Frankreich und der Beginn des Siebenj√§hrigen Kriegs (Hamb. 1896); Zeller, F. als Philosoph (Berl. 1886); I. Bona Meyer, Friedrichs d. Gr. p√§dagogische Schriften und √Ąu√üerungen (Langensalza 1885); Suphan, Friedrichs d. Gr. Schrift √ľber die deutsche Literatur (Berl. 1888); Krause, F. d. Gr. und die deutsche Poesie (Halle 1884); d'Ancona, F. d. Gr. und die Italiener (deutsch, Rostock 1902); Beheim-Schwarzbach, F. d. Gr. als Gr√ľnder deutscher Kolonien in den 1772 neuerworbenen Landen (Berl. 1864); Stadelmann, Preu√üens K√∂nige in ihrer T√§tigkeit f√ľr die Landeskultur, Bd. 2: F. d. Gr. (Leipz. 1882); Ring, Asiatische Handelskompanien Friedrichs d. Gr. (Berl. 1890); Berg√©r, F. d. Gr. als Kolonisator (Gie√üen 1896); Lochmann, F. d. Gr., die schlesischen Katholiken und die Jesuiten seit 1756 (G√∂tting. 1903); Baumgart, Die Literatur des In- und Auslandes √ľber F. d. Gr. (Berl. 1886); Wiegand, F. d. Gr. im Urteil der Nachwelt (Stra√üb. 1888). Vgl. die Literatur √ľber ¬ĽSchlesische Kriege¬ę und ¬ĽSiebenj√§hriger Krieg¬ę.

59) F. Wilhelm II., K√∂nig von Preu√üen, geb. 25. Sept 1744, gest. 16. Nov. 1797, Sohn von Friedrichs II. j√ľngerem Bruder, August Wilhelm, seit 1758 nach seines Vaters Tode, da Friedrichs II. Ehe kinderlos war, als ¬ĽPrinz von Preu√üen¬ę (s.d.) zum Nachfolger bestimmt, zeigte fr√ľh Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen und Unf√§higkeit zu angestrengter T√§tigkeit, weswegen Friedrich II. nicht viel von ihm hielt. Seine Gutm√ľtigkeit machte ihn indes beliebt, und als er, 42 Jahre alt, den Thron bestieg und einige unbeliebte Einrichtungen seines Vorg√§ngers, die Regie und die Monopole, abschaffte und manche H√§rten milderte, wurde er sogar popul√§r. Indes bald schlug die Stimmung um. Friedrich II. hatte seinem Nachfolger eine schwierige Aufgabe hinterlassen: entweder mu√üte er mit gleichem Genie und derselben Kraft den Staat allein lenken, oder neue Kr√§fte entfesseln und das gesamte Volk zur t√§tigen Teilnahme am Staatswesen heranziehen. Beides vermochte er nicht, lie√ü vielmehr die Staatsmaschine gehen, wie sie ging, und verfiel, wo er zu selbst√§ndigen Entscheidungen gezwungen war, in Schwankungen und offenbare Fehler, indem er sich von schmeichlerischen G√ľnstlingen, wie W√∂llner und Bischofswerder (s. diese Art.), leiten lie√ü; besonders das Zensur- und das Religionsedikt, beide 1788 erlassen, riefen heftigen Widerspruch hervor. Nach au√üen errang F. W. anfangs leichte Erfolge, wie 1787 bei seiner Intervention in Holland. die aus Familieninteresse begonnene Unternehmung wurde aber nicht zum Vorteil des Staates ausgebeutet, und aus unzeitiger Gro√ümut erlie√ü F. W. dem besiegten Holland sogar die Kriegskosten. Der auf Hertzbergs (s.d.) Rat unternommene Versuch, den Krieg √Ėsterreichs und Ru√ülands gegen die T√ľrkei zu einer Gebietserweiterung Preu√üens zu benutzen, blieb erfolglos. Hertzbergs Entlassung 1791 beseitigte den letzten Vertreter friderizianischen Geistes. Bischofswerder betrieb immer eifriger den Anschlu√ü an √Ėsterreich, und die Zusammenkunft des K√∂nigs mit Leopold in Pillnitz im August 1791 f√ľhrte zu einer gemeinschaftlichen Erkl√§rung f√ľr die Sache Ludwigs XVI. und zu einem f√∂rmlichen B√ľndnis 7. Febr. 1792. Vgl. Koalitionskrieg. An den Feldz√ľgen von 1792 und 1793 nahm der K√∂nig pers√∂nlich teil, aber die Uneinigkeit der Verb√ľndeten l√§hmte alle Unternehmungen, Geldnot zwang den K√∂nig zu dem wenig ehrenvollen Subsidienvertrag mit den Seem√§chten vom 19. April 1794 und zum Baseler Frieden 5. April 1795. Dieser preu√üische Separatfrieden mit der franz√∂sischen Republik wurde vornehmlich unter dem Drucke der Ereignisse in Polen geschlossen. Hier hatten einsichtsvolle Patrioten 1791 unter Preu√üens Zustimmung eine neue Verfassung zustande gebracht. Russischer Einflu√ü veranla√üte indes eine Partei des Adels zu einer Konf√∂deration dagegen, zu deren Gunsten russische Truppen in Polen einr√ľckten. Im Januar 1793 lie√ü auch F. W. ein Heer die polnische Grenze √ľberschreiten, um sich seinen Anteil an der Beute zu sichern, den er in der zweiten Teilung Polens im September 1793 erhielt. Als die Polen sich 1794 emp√∂rten, r√ľckten Russen und Preu√üen zu gleicher Zeit ein. F. W. befehligte die letztern und errang auch anfangs Erfolge; die Russen aber kamen mit der Eroberung Warschaus zuvor, Katharina war bei der dritten Teilung 1795 ma√ügebend, aber F. W. erhielt doch Neu-Ostpreu√üen mit Warschau. Da 1791 auch Ansbach und Bayreuth an Preu√üen gefallen waren, so war dies auf 320,000 qkm mit 8,700,000 Einw. gewachsen. Aber die Finanzen waren zerr√ľttet, der Staatsschatz Friedrichs II. (wenigstens 50 Mill.) war verbraucht und 48 Mill. Schulden gemacht. Die G√ľnstlings- und Maitressenwirtschaft des K√∂nigs wirkte nach allen Richtungen hin aufs nachteiligste; seine anerkannte Maitresse war Mad. Rietz, Gr√§fin Lichtenau (s.d.); au√üerdem hat sich der K√∂nig zweimal mit adligen Damen, Fr√§ulein v. Vo√ü und Gr√§fin D√∂nhoff (s.d. 3), zur linken Hand trauen lassen. Die Staatsg√ľter in den neuerworbenen Provinzen wurden verschleudert. Die Verwaltung versagte, die Armee verfiel, dr√ľckende Steuern belasteten das Volk, selbst das Tabakmonopol war eingef√ľhrt, als F. W. 1797 an der Brustwassersucht starb. Seinen Namen f√ľhrt seit 1889 das 1. schlesische Grenadierregiment Nr. 10. Sein Denkmal in der Siegesallee zu Berlin ist von A. Br√ľtt entworfen. Er war zuerst (1765) mit Elisabeth von Braunschweig (gest. 1840 in Stettin) und nach gerichtlicher Trennung dieser Ehe 1769 mit der Prinzessin Friederike Luise von Hessen-Darmstadt verm√§hlt, die ihm vier S√∂hne: Friedrich Wilhelm (III.), Ludwig (gest. 1796), Heinrich und Wilhelm, und zwei T√∂chter: Wilhelmine, Gemahlin des sp√§tern K√∂nigs Wilhelm I. der Niederlande, und Auguste, Gemahlin des Kurf√ľrsten Wilhelm II. von Hessen, gebar. Vgl. F. v. C√∂lln, Vertraute Briefe √ľber die innern Verh√§ltnisse am preu√üischen Hof (Amsterdam u. K√∂ln 1807‚Äď09, 3 Bde.); Cosmar, Leben und Taten F. Wilhelms II. (Berl. 1798); Philippson, Geschichte des preu√üischen Staatswesens vom Tode Friedrichs d. Gr. bis zu den Freiheitskriegen (Leipz. 1880‚Äď82, 2 Bde.); Stadelmann, Preu√üens K√∂nige in ihrer T√§tigkeit f√ľr die Landeskultur, Bd. 3: F. Wilhelm II. (das. 1885); Paulig, F. W. II., sein Privatleben und seine Regierung (Frankf. a. O. 1896).

60) F. Wilhelm III., K√∂nig von Preu√üen, geb 3. Aug. 1770, gest. 7. Juni 1840, √§ltester Sohn des vorigen und der Prinzessin Friederike Luise von Hessen-Darmstadt, pedantisch erzogen, besa√ü eine angeborne Bescheidenheit, die oft in Sch√ľchternheit und Mangel an Selbstvertrauen umschlug. Eifers√ľchtig auf seine k√∂nigliche W√ľrde, sah er in jedem offenen Versuch eines ehrlichen Ratgebers, ihn zu leiten, eine Beeintr√§chtigung seiner Unabh√§ngigkeit, lie√ü sich dagegen von unbedeutenden Vertrauten (wie K√∂ckeritz) und Schmeichlern (wie Haugwitz und Lombard) lenken. Strenge Rechtlichkeit und Wahrheitsliebe, Sittenreinheit und Pflichttreue zeichneten seine Person aus. Obwohl er eigentlich ein stattlicher, ja sch√∂ner Mann war, trat seine Pers√∂nlichkeit nirgends hervor, und sein Benehmen war selbst gegen Untergebene unbeholfen; er pflegte gegen solche nur in Infinitiven zu sprechen. Er liebte das Einfache und Allt√§gliche, hing mit Z√§higkeit am Althergebrachten und ha√üte alle Neuerungen. Als er daher 16. Nov. 1797 den Thron bestieg, machte er zwar dem Luxus des Hoflebens ein Ende, entlie√ü Bischofswerder und W√∂llner, hob das Religionsedikt auf, beseitigte das dr√ľckende Tabakmonopol, entfernte unf√§hige Beamte und √ľbte gr√∂√üere Sparsamkeit, aber die Kabinettsregierung behielt er bei und nahm die Vortr√§ge der Minister nie direkt entgegen. Durchgreifende Reformen vermied er wegen der Kosten, die passive Neutralit√§t, die Preu√üen bis zur Ka strophe von 1806 befolgte, entsprach seiner Unentschlossenheit. Beim Ausbruch des Krieges 1805 schlo√ü F. W. zwar mit Alexander von Ru√üland einen Bund, trieb aber trotz der Verletzung preu√üischen Gebietes nur schw√§chliche Politik, die, von Haugwitz kl√§glich gef√ľhrt, mit den schmachvollen Vertr√§gen vom 15. Dez. 1805 (zu Sch√∂nbrunn) und 15. Febr. 1806 endete. F√ľr Ansbach, Kleve und Neuenburg nahm er Hannover, das Napoleon gleich nachher wieder England anbot, wie er das isolierte Preu√üen auch sonst mit Dem√ľtigungen √ľberh√§ufte und gegen den neben dem Rheinbund zugestandenen Norddeutschen Bund unter Preu√üens F√ľhrung intrigierte. Unter den ung√ľnstigsten Umst√§nden kam es zum Kriege, der mit der beispiellosen Niederlage bei Jena und Auerst√§dt begann und, nachdem der K√∂nig, nach Ostpreu√üen gefl√ľchtet, mit russischer Hilfe den Krieg wieder aufgenommen hatte, ihm im Frieden von Tilsit (9. Juli 1807) die H√§lfte seiner Staaten kostete. Der K√∂nig trug sein Ungl√ľck mit W√ľrde und zeigte auch, solange die K√∂nigin Luise lebte, den festen Entschlu√ü der Wiedererhebung; doch nach ihrem Tode verlor er wieder sein Selbstvertrauen, schlo√ü 1812 mit Napoleon ein B√ľndnis gegen Ru√üland und wurde fast wider seinen Willen durch Yorks Abfall und die Erhebung des Volkes gezwungen, Napoleon den Krieg zu erkl√§ren. Infolge seiner Bescheidenheit spielte er w√§hrend des Befreiungskrieges keine den Leistungen seines Volkes entsprechende Rolle im Hauptquartier, und auch im Wiener Kongre√ü, dem er pers√∂nlich beiwohnte, gab er um des Friedens willen in vielem nach. Nach dem zweiten Pariser Frieden nach Berlin zur√ľckgekehrt, ward die neue Organisation des Staates durchgef√ľhrt, vor allem das Finanzenwesen geregelt. Gegen eine m√§√üige Zivilliste opferte er das ganze Domanialverm√∂gen seines Hauses. Ein vortreffliches Steuer- und Zollsystem heilte die Wunden der vielen Kriege, die Entwickelung von Industrie und Handel mehrten den Wohlstand, und die Gr√ľndung des Zollvereins war ein Akt von folgenschwerster Bedeutung. Auf das durch das Wehrgesetz von 1814 organisierte Heer wurden bei aller sonstigen Sparsamkeit gro√üe Summen verwendet, das Unterrichtswesen unter Altensteins Leitung gepflegt und die Universit√§t Bonn gegr√ľndet. Durch die 1817 gestiftete Union, sein eigenstes Werk, suchte F. W. den kirchlichen Sinn zu heben und Einigkeit der Konfessionen zu f√∂rdern, lie√ü sich aber durch Widerstand, den er erfuhr, zu Zwangsma√üregeln reizen, die seinen urspr√ľnglichen Absichten ganz entgegen waren. In den Fragen der gro√üen Politik indes, der innern wie der √§u√üern, zeigte sich der K√∂nig engherzig und unselbst√§ndig. Allerdings standen der dem Volk als Lohn f√ľr seine gro√üen Opfer im Befreiungskrieg 22. Mai 1815 versprochenen Verfassung mit Volksvertretung bei der Ausf√ľhrung gro√üe Schwierigkeiten entgegen wegen der Verschiedenartigkeit der alten und der neuen Provinzen; ein Schritt nach vorw√§rts war die Berufung der Provinzialst√§nde vom 5. Juni 1823. Im √ľbrigen wurden 1820 die Verfolgungen der sogen. demagogischen Umtriebe in Szene gesetzt und die Pre√üfreiheit beschr√§nkt. Die Unruhen, die infolge der Julirevolution auch in Deutschland ausbrachen, best√§rkten den K√∂nig in seiner Abneigung gegen alle volkst√ľmlichen politischen Forderungen und versch√§rften die absolutistischen Tendenzen seiner Regierung, die sich wiederum in geh√§ssigen Verfolgungen kundgaben. Als solche galten auch die Verhaftung der Erzbisch√∂fe von K√∂ln und Posen, und die √∂ffentliche Meinung trat hierbei durchaus nicht f√ľr die Regierung ein. Ebensowenig befriedigt war man von der ausw√§rtigen Politik des K√∂nigs: durch die Heilige Allianz (26. Sept. 1815) mit den Kaisern von √Ėsterreich und Ru√üland ganz an die reaktion√§re Politik dieser M√§chte gekettet, beteiligte er sich an den Kongressen von Troppau und Laibach, wo Alexander und Metternich die bewaffnete Intervention gegen die freiheitliche Bewegung in Italien und Spanien beschlossen, und unterst√ľtzte alle Ma√üregeln, um jede √Ąnderung der f√ľr Preu√üen so wenig g√ľnstigen Wiener Vertr√§ge zu hindern. Durch strenge √úberwachung der Grenze erleichterte er Ru√üland die Unterdr√ľckung des polnischen Aufstandes 1831 und lie√ü die Losrei√üung Belgiens von den Niederlanden und Frankreichs Intervention geschehen. Dennoch war F. W. nicht unbeliebt, da seine Einfachheit im Privatleben, seine Herzensg√ľte, seine Leiden 1806 manches andre vergessen lie√üen. Er war seit 24. Dez. 1793 verm√§hlt mit Luise (s.d.), Tochter des Herzogs Karl II. von Mecklenburg-Strelitz, und nach deren Tod (19. Juli 1810) seit 1824 in morganatischer Ehe mit der Gr√§fin Auguste von Harrach, F√ľrstin von Liegnitz gest. 1873 (s.d.). Kinder aus seiner ersten Ehe sind: K√∂nig Friedrich Wilhelm IV. von Preu√üen (gest. 1861), Wilhelm I., K√∂nig von Preu√üen und deutscher Kaiser (gest. 1888), Prinzessin Charlotte (gest. 1. Nov. 1860), als Alexandra Gemahlin Kaiser Nikolaus' I. von Ru√üland, Prinz Karl (gest. 1883), Prinzessin Alexandrine (gest. 1892), Witwe des Gro√üherzogs Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin, Prinzessin Luise, Gemahlin des Prinzen Friedrich der Niederlande (gest. 1870), und Prinz Albrecht (gest. 1872). In Berlin wurden ihm drei Denkm√§ler errichtet, 1849 das im Tiergarten befindliche von Drake (Abteilungen des Relieffrieses s. Tafel ¬ĽBildhauerkunst XIV¬ę, Fig. 6), 1871 das Reiterstandbild von Wolff im Lustgarten und 1900 das Denkmal in der Siegesallee (von G. Eberlein). In Breslau wurde seine Reiterstatue von Ki√ü 1851 enth√ľllt. Auch in K√∂ln ward ihm 1878 ein gro√ües Denkmal errichtet. Seit 1888 f√ľhrt das 1. brandenburgische Grenadierregiment seinen Namen. Er schrieb: ¬ĽLuther in bezug auf die preu√üische Kirchenagende von 1822 und 1823¬ę (Berl. 1827); ¬ĽReminiszenzen aus der Kampagne 1792 in Frankreich¬ę und ¬ĽJournal meiner Brigade in der Kampagne am Rhein 1793¬ę. Den ¬ĽBriefwechsel K√∂nig F. Wilhelms III. und der K√∂nigin Luise mit Kaiser Alexander I.¬ę (Leipz. 1900) und den der K√∂nigin mit dem K√∂nig (Berl. 1903) gab Bailleu heraus. Vgl. Eylert, Charakterz√ľge und historische Fragmente aus dem Leben des K√∂nigs von Preu√üen, F. Wilhelms III. (Magdeb. 1842‚Äď46, 3 Bde.); ¬ĽGr√§fin Elise von Bernstorff. Ein Bild aus der Zeit 1789‚Äď1835¬ę (4. Ausg., Berl. 1899, 2 Bde.); ¬ĽBriefe und Aktenst√ľcke zur Geschichte Preu√üens unter F. W. III, vorzugsweise aus dem Nachlasse von F. A. v. St√§gemann¬ę (hrsg. von R√ľhl, Leipz. 1899‚Äď1902, 3 Bde.); W. Hahn, F. Wilhelm III. und Luise (3. Aufl., das. 1877); Duncker, Aus der Zeit Friedrichs d. Gr. und F. Wilhelms III. (das. 1876).

61) F. Wilhelm IV., K√∂nig von Preu√üen, geb. 15. Okt. 1795, gest. 2. Jan. 1861, Sohn des vorigen und der K√∂nigin Luise, entwickelte unter der Leitung seiner geist-und gem√ľtvollen Mutter seine reiche, f√ľr das Edle und Sch√∂ne empf√§ngliche Begabung, wurde von I. F. G. Delbr√ľck und dann von Ancillon, der seine Hinneigung zur Romantik bef√∂rderte, in den Schulwissenschaften und der Philosophie, von Scharnhorst und Knesebeck in den Milit√§rwissenschaften und von Niebuhr in der Finanzkunde unterrichtet und trieb Rechts- und Staatswissenschaft unter Savigny, Niebuhr und Lancizolle, w√§hrend Schinkel und Rauch sein Talent f√ľr die zeichnenden K√ľnste ausbildeten und den Kunstsinn in ihm entwickelten. Den meisten Hauptschlachten der Feldz√ľge von 1813 und 1814 wohnte er bei, wurde fr√ľhzeitig Milit√§rgouverneur und Statthalter der Provinz Pommern und nahm an den Sitzungen des Staatsrats und des Staatsministeriums teil. Ein Aufenthalt in Paris und eine Reise nach Italien 1828, wo er die Protektion des damals durch E. Gerhard in Anregung gebrachten Instituts f√ľr arch√§ologische Korrespondenz √ľbernahm, regten seinen Kunstsinn an, aber daneben entwickelte sich immer mehr jene mittelalterlich-romantische Geistesrichtung, die sich bereits 1823 in seinem Anteil an der Provinzialst√§ndeordnung (er war Pr√§sident der mit ihrer Ausarbeitung beauftragten Kommission) und sp√§ter in seiner Beg√ľnstigung des Adels und der Majorate bekundete. Nicht nur Preu√üen, sondern auch Deutschland hoffte viel von F. W., als er 7. Juni 1840 den Thron bestieg. Bald erkannte er das k√∂nigliche Versprechen seines Vaters, dem Land eine zeitgem√§√üe repr√§sentative Verfassung zu geben, durch √∂ffentliche Proklamation an, begnadigte eine Anzahl wegen politischer Vergehen Verurteilter, setzte Arndt in Bonn in seine Professur wieder ein, berief Boyen und I. A. F. Eichhorn zu Ministern, zog ber√ľhmte Vertreter der Literatur und Kunst, wie A. W. v. Schlegel, Tieck, R√ľckert, Schelling, Cornelius, Mendelssohn-Bartholdy etc., in seine N√§he und stiftete eine Friedensklasse des Ordens pour le m√©rite f√ľr die ber√ľhmtesten Gelehrten und K√ľnstler Deutschlands und des Auslandes. Die provinzialst√§ndische Verfassung wurde durch die Errichtung von Aussch√ľssen erweitert, der Presse eine freiere Bewegung gestattet, auch die Erzbisch√∂fe Dunin und Droste-Vischering in ihre W√ľrden wieder eingesetzt, den Altlutheranern und andern der Union widerstrebenden Sekten freierer Spielraum geg√∂nnt, strengere Sonntagsfeier eingef√ľhrt, mehrere freisinnige Professoren abgesetzt, alles Zeichen gro√üer Nachgiebigkeit gegen orthodoxe und ultramontane Einfl√ľsse. Von der Richtigkeit seiner Anschauungen √ľberzeugt, lie√ü er der Kritik seiner Ma√üregeln anfangs freien Lauf, empfand aber ihre Sch√§rfe oft bitter und schritt mit Polizeima√üregeln ein. Den Wunsch des Volkes, einen Landtag f√ľr den ganzen preu√üischen Staat zu besitzen, wies der K√∂nig beharrlich zur√ľck, da nur ¬Ľdie provinzial- und kreisst√§ndische Verfassung eine auf deutschem Boden ruhende geschichtliche Grundlage habe, die Grundlage st√§ndischer Gliederung, wie diese durch die √ľberall ber√ľcksichtigten Ver√§nderungen der Zeit gestaltet worden¬ę. F. W., von einer √ľberspannten Vorstellung seiner k√∂niglichen Machtvollkommenheit beherrscht, ohne Verst√§ndnis f√ľr die Grundlagen und Aufgaben des preu√üischen Staates und f√ľr seine Pflichten als Oberhaupt, besch√§ftigte sich viel mit kirchlichen Fragen, der Mission in China und dem evangelischen Bistum in Jerusalem und vernachl√§ssigte die beiden Grunds√§ulen der alten absoluten Monarchie, das Beamtentum und das Heer. Sein leidenschaftlicher Ha√ü gegen die Revolution und den Liberalismus begr√ľndete seine Abneigung gegen den Konstitutionalismus, und als von den Provinziallandtagen der ostpreu√üische und der rheinische energisch Erweiterung ihrer Rechte verlangten, auch eine Anleihe notwendig wurde, entschlo√ü er sich, durch Patent vom 3. Febr. 1847 die l√§ngst verhei√üenen Reichsst√§nde zu berufen, sprach aber in der Er√∂ffnungsrede dieses ¬Ľvereinigten Landtags¬ę (11. April) offen aus, da√ü er keine dauernde Einrichtung sein solle. Erst die Revolution vom M√§rz 1848 trieb den K√∂nig zu Reformen. Dem blutigen Stra√üenkampf in Berlin (18. M√§rz), w√§hrend dessen er aus Scheu vor Blutvergie√üen keine Energie entfaltete, folgten der Umritt des K√∂nigs mit der deutschen Fahne (21. M√§rz) und die Erkl√§rung, welche die Sache Schleswig-Holsteins zur Angelegenheit Preu√üens machte. Die tumultuarischen, f√ľr ihn beleidigenden Vorg√§nge des Jahres 1848 ertrug der K√∂nig mit Resignation, bis er mit der Verlegung der preu√üischen Nationalversammlung (November 1848) seine Autorit√§t wieder herstellen konnte. Die ihm vom Frankfurter Parlament angebotene Kaiserkrone lehnte er als ein Geschenk der verha√üten Revolution erst bedingt, dann unbedingt ab und suchte, von Radowitz beraten, eine deutsche Union unter Preu√üens F√ľhrung herzustellen. Doch wich er 1850 vor √Ėsterreichs Drohungen zur√ľck, unterwarf sich dem alten Bundestag und gab Kurhessen und Schleswig-Holstein preis. In Preu√üen selbst ward die Verfassungsangelegenheit durch eine Revision des am 5. Dez. 1848 oktroyierten Entwurfs f√ľrs erste abgeschlossen (31. Jan. 1850); indes stellte er seine pers√∂nliche Regierung wieder her, da die Minister Ausf√ľhrer seines Willens waren, leitete aber den Staat seit 1848 ohne lebhafteres Interesse. Auch seine ausw√§rtige Politik, namentlich im Krimkrieg, in dem er zu Ru√üland hielt, fand nicht den Beifall der Nation. Neuenburgs wegen 1856 einen Krieg zu beginnen, wurde er zum Gl√ľck nach abgehalten. Tschech (26. Juli 1844) und ein abgedankter Soldat, Sefeloge (22. Mai 1850), unternahmen Attentate auf sein Leben, beide ohne politische Motive. Seit dem Sp√§tsommer 1857 an Gehirnerweichung leidend, √ľbertrug er im Oktober die Stellvertretung in der Regierung seinem Bruder Wilhelm, Prinzen von Preu√üen, provisorisch, sodann, nachdem er vergeblich in Meran Hilfe gesucht, 7. Okt. 1858 endg√ľltig, hielt sich im Winter 1858/59 in Italien auf und starb 1861 in Sanssouci. Seine Regierung ist zwar erf√ľllt von wichtigen Ereignissen, sein pers√∂nlicher Anteil daran indes meist ein passiver. F. Wilhelms bedeutenden geistigen Gaben, die sich auch in seinem lebhaften Interesse f√ľr alles und seinem witzigen, an regenden Gespr√§ch kundgaben, verdankt Preu√üen, namentlich Berlin und Potsdam, herrliche Kunstsch√∂pfungen. Seine Reden, Proklamationen etc. seit 6. M√§rz 1848 bis 31. Mai 1851 erschienen zu Berlin 1851. Verm√§hlt war er seit 29. Nov. 1823 mit der Prinzessin Elisabeth von Bayern; die Ehe blieb kinderlos Sein Denkmal in der Siegesallee zu Berlin hat Karl Beyrs entworfen; ein anderes (von Bl√§ser) steht vor dem Orangeriegeb√§ude bei Potsdam. Vgl. v. Schmettau, F. W. IV., K√∂nig von Preu√üen (2. Aufl. Berl. 1864); v. Reumont, Aus K√∂nig F. Wilhelms IV. gesunden und kranken Tagen (Leipz. 1885); v. Ranke, Aus dem Briefwechsel F. Wilhelms IV. und Bunsens (2. Aufl., das. 1874) und Biographie F. Wilhelms IV. (das. 1878); v. Petersdorff, K√∂nig F. W. IV. (Stuttg. 1900); ¬ĽBettina v. Arnim und F. W. IV., ungedruckte Briefe und Aktenst√ľcke¬ę (hrsg. von L. Geiger, Frankfurt a. M. 1902); Friedberg, Die Grundlagen der preu√üischen Kirchenpolitik unter K√∂nig F. W. IV. (Leipz 1882); Kaufmann, Politische Geschichte Deutschlands im 19. Jahrhundert (Berl. 1899); Rachsahl, Deutschland, K√∂nig F. W. IV. und die Berliner M√§rzrevolution (Halle 1901); die Denkw√ľrdigkeiten des Freiherrn O. v. Manteuffel, herausgegeben von H. v. Poschinger, n√§mlich: ¬ĽUnter F. W. IV.¬ę (Berl. 1901, 3 Bde.) und ¬ĽPreu√üens ausw√§rtige Politik 1850 bis 1858¬ę (das. 1902, 3 Bde.). Vgl. Gerlach 1).

62) F. III., König von Preußen und deutscher Kaiser, s. oben 5).

[Prinzen von Preu√üen.] 63) Friedrich Wilhelm Ludwig, Prinz von Preu√üen, geb. 30. Okt. 1794, gest. 27. Juli 1863, Sohn des Prinzen Ludwig Friedrich Karl und der Prinzessin Friederike von Mecklenburg-Strelitz, Neffe F. Wilhelms III., focht in den Befreiungskriegen mit, ward preu√üischer General der Kavallerie zu D√ľsseldorf, sp√§ter auch Chef des 1. K√ľrassierregiments und residierte bis 1848 in D√ľsseldorf. Er war seit 1817 verm√§hlt mit Prinzessin Luise von Anhalt-Bernburg (geb. 30. Okt. 1799), die ihm zwei S√∂hne, die Prinzen Alexander (geb. 21. Juni 1820, gest. 4. Jan. 1896) und Georg (geb. 12. Febr. 1826, gest. 2. Mai 1902; s. Georg 17), gebar.

64) F. Karl Nikolaus, Prinz von Preu√üen, geb. 20. M√§rz 1828 in Berlin, gest. 15. Juni 1885 in Klein-Glienicke bei Potsdam, Sohn des Prinzen Karl, Bruders des Kaisers Wilhelm, und der Prinzessin Marie von Sachsen-Weimar, trat als Knabe ins Heer, geno√ü 1842‚Äď46 in den milit√§rischen Disziplinen den Unterricht des damaligen Majors (nachherigen Kriegsministers) v. Roon, der ihm auch als milit√§rischer Begleiter beim Besuch der Universit√§t Bonn 1846 beigegeben wurde, machte 1848 den schleswigschen Feldzug als Hauptmann im Gefolge des Generals Wrangel mit und nahm 1849 als Major im Generalstab des damaligen Prinzen von Preu√üen an dem Feldzug in Baden teil, wo er bei Wiesenthal schwer verwundet wurde. In den nun folgenden Friedenszeiten 1852 Oberst, 1854 Generalmajor und 1856 Generalleutnant geworden, studierte F. K. die milit√§rischen Wissenschaften und teilte die Ergebnisse seiner Studien einem engern Kreis von Offizieren in Vortr√§gen und lithographierten Abhandlungen mit, die ohne Wissen des Prinzen 1860: ¬ĽEine milit√§rische Denkschrift von P. F. K.¬ę ver√∂ffentlichten, die durch ihre Reformvorschl√§ge gro√ües Aufsehen erregte. Als Kommandeur des 3. Armeekorps (seit 1860) f√ľhrte er diese Reformen praktisch durch, machte dieses Korps zur Pflanzschule seiner milit√§rischen Ideen und erwarb sich besonders durch Einf√ľhrung der aufgel√∂sten Gefechtsordnung ein hervorragendes Verdienst. 1864 mit dem Oberbefehl √ľber die preu√üischen Truppen in Schleswig-Holstein betraut, ging der Prinz Anfang Februar 1864 bei Arnis √ľber die Schlei, zwang den Feind zur Aufgabe des Danewerks und erst√ľrmte die D√ľppeler Schanzen (18. April). Nachdem Wrangel im Mai sein Kommando niedergelegt, eroberte er als Oberbefehlshaber der alliierten Armee J√ľtland und 29. Juni Alfen. 1866 r√ľckte er als Oberbefehlshaber der ersten Armee (2., 3. u. 4. Korps) von der Oberlausitz in B√∂hmen ein, schlug 26. und 27. Juni bei Liebenau und Podol, am 28. bei M√ľnchengr√§tz, 29. bei Gitschin die √∂sterreichisch-s√§chsischen Truppen unter Clam-Gallas, griff 3. Juli die √∂sterreichische Stellung bei K√∂niggr√§tz an, hielt den numerisch √ľberlegenen Gegner in der Front so lange auf, bis der Kronprinz auf dem Schlachtfeld eintraf und in der rechten, General Herwarth von Bittenfeld in der linken Flanke angriff. Von da marschierte der Prinz bis in die N√§he von Wien. 1870 mit dem Oberkommando √ľber die zweite deutsche Armee betraut, hielt er 16. Aug. bei Vionville die franz√∂sische Rheinarmee unter Marschall Bazaine bei Metz zur√ľck, brachte 18. Aug. bei Gravelotte durch den Sieg √ľber den feindlichen rechten Fl√ľgel bei St.-Privat die Entscheidung, √ľbernahm mit der ersten und zweiten Armee die Einschlie√üung von Metz, schlug alle Ausf√§lle Bazaines zur√ľck und zwang ihn zur Kapitulation vom 27. Okt. Am 28. Okt. zum Generalfeldmarschall ernannt, zog F. K. 2. Nov. von Metz mit drei Armeekorps gegen die franz√∂sische Loirearmee, um sie vom Vordringen gegen Paris abzuhalten, schlug die Angriffe der Franzosen zur√ľck, ging 3. Dez. seinerseits zur Offensive √ľber, besetzte 4. Dez. Orl√©ans und trieb den Feind bis Bourges und Le Mans zur√ľck. In mehreren Gefechten (6.- 12. Jan.) vereitelte er die M√∂glichkeit, Paris von Westen her zu entsetzen. Nach dem Kriege zum Generalinspekteur der dritten Armeeinspektion des deutschen Reichsheers und zum Inspektor der preu√üischen Kavallerie ernannt, entfaltete er f√ľr die Ausbildung der Reiterei in Gemeinschaft mit dem General v. Schmidt eine erfolgreiche T√§tigkeit. Er war russischer Feldmarschall und Chef mehrerer preu√üischer, russischer und √∂sterreichischer Regimenter. F. K. geh√∂rte dem konstituierenden Reichstag an. Er unternahm mehrere Reisen nach dem Orient; √ľber die letzte, die ihn 1883 nach √Ągypten und Syrien f√ľhrte, erschien ein Prachtwerk (Berl. 1884). Seinen Namen f√ľhrt seit 1889 das 8. brandenburgische Infanterieregiment Nr. 64. In Frankfurt a. O. und in G√∂rlitz sind ihm Denkm√§ler errichtet. Der Prinz war seit 29. Nov. 1854 verm√§hlt mit der Prinzessin Maria Anna (geb. 14. Sept. 1837), Tochter des Herzogs Leopold Friedrich von Anhalt. Kinder dieser Ehe sind: Prinzessin Marie, geb. 14. Sept. 1855, seit 23. Aug. 1878 mit dem Prinzen Heinrich der Niederlande, nach dessen Tode (13. Jan. 1879) mit dem Prinzen Albert von Sachsen-Altenburg 6. Mai 1885 verm√§hlt, gest. 20. Juni 1888; Prinzessin Elisabeth, geb. 8. Febr. 1857, seit 18. Febr. 1878 Gemahlin des Erbgro√üherzogs August von Oldenburg, gest. 28. Aug. 1895; Prinzessin Luise Margareta, geb. 25. Juli 1860, seit 13. M√§rz 1879 Gemahlin des Herzogs Arthur von Connaught; Prinz Friedrich Leopold, geb. 14. Nov. 1863 (s. unten). Vgl. die biographischen Schriften von Bettin (Frankf. a. O. 1882), H√∂nig (Berl. 1885), Rogge (das. 1885), M√ľller-Bohn (Potsd. 1902); Borcke, Mit Prinz F. K. Kriegs- und Jagdfahrten und am h√§uslichen Herd (2. Aufl., Berl. 1893).

65) F. Leopold Joachim Karl Wilhelm, Prinz von Preu√üen, geb. 14. Nov. 1863 in Berlin, einziger Sohn des vorigen, studierte 1885‚Äď87 in Bonn, trat in die Armee, wurde, nachdem er 1886‚Äď87 eine l√§ngere Reise in den Orient unternommen, 1888 Rittmeister und Kommandeur der Leibeskadron der Gardedukorps, 1889 Hauptmann im 1. Garderegiment, 1890 Major, 1893 Oberst und Kommandeur der Gardedukorps, ist gegenw√§rtig General der Kavallerie und steht √† la suite des Leibhusarenregiments sowie des 1. Grenadierregiments zu Fu√ü. Er verm√§hlte sich 24. Juni 1889 mit der Prinzessin Luise Sophie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (geb. 8. April 1866), einer j√ľngern Schwester der Kaiserin Auguste Viktoria

[Sachsen.] 66) F. I., der Streitbare, Kurf√ľrst von Sachsen, geb. 29. M√§rz 1369 in Altenburg, gest. daselbst 4. Jan. 1428, √§ltester Sohn des Markgrafen Friedrich III., des Strengen, von Mei√üen und Katharinas von Henneberg, folgte mit seinen Br√ľdern Georg (gest. 1402) und Wilhelm II. 1381 seinem Vater unter Vormundschaft seiner Mutter und erhielt bei der Erbteilung der mei√ünisch-th√ľringischen Lande 13. Nov. 1382 das Osterland, die Mark Landsberg, das Plei√ünerland, die vogtl√§ndischen Besitzungen, einige St√§dte in Th√ľringen, Orlam√ľnde, Kahla, Jena, Naumburg tr., und das m√ľtterliche Erbe Koburg. Die Br√ľder f√ľgten 1389 ihren Besitzungen durch Kauf die Stadt Saalfeld sowie 1400 das Amt K√∂nigsberg in Franken hinzu. Nach ihres Oheims Wilhelm des Ein√§ugigen Tode (1407) gewannen F. und Wilhelm durch den Vertrag von Naumburg 1410 auch die an ihre Besitzungen grenzende H√§lfte von Mei√üen, worauf F. das Osterland f√ľr sich √ľbernahm (1410), von dem er 1423 Leipzig an Wilhelm √ľberlie√ü; als letzterer ohne Leibeserben starb, fiel 1425 auch dessen Anteil an F. 1388 stand er seinem Oheim, Burggrafen Friedrich V. von N√ľrnberg, gegen die fr√§nkischen St√§dte, 1391 dem Deutschen Orden wider Jagello von Polen bei. Als nach Karls IV. Tode K√∂nig Wenzel seine an F. verlobte Schwester Anna ihm verweigerte und an den K√∂nig von England verheiratete, trat F. auf die Seite des Gegenk√∂nigs Ruprecht. Auch die von Prag vertriebenen Mitglieder der Universit√§t nahm F. willig in Leipzig auf (1409), gr√ľndete damit die Universit√§t, war im Hussitenkrieg eine Hauptst√ľtze des Kaisers (wie er schon 1421 den Hussiten bei Br√ľx eine blutige Niederlage beibrachte), weshalb ihm Siegmund mit √úbergehung Erichs von Sachsen-Lauenburg die erledigte Kur Sachsen √ľbertrug, ihn 1424 zu Bingen ins Kurf√ľrstenkollegium einwies und im folgenden Jahre zu Ofen feierlich belehnte. So kam die s√§chsische Kur an das Haus Wettin. F√ľr die aufgewendeten Kriegskosten verpf√§ndete er ihm Br√ľx und Aussig. W√§hrend F. in N√ľrnberg vergeblich das Reich zu kr√§ftigerer Beteiligung am Kriege zu bewegen versuchte, wurde das von seiner Gemahlin zum Entsatz von Aussig aufgebotene Heer unter Axel v. Vitzthum 1426 von den Hussiten vernichtet. Als auch ein von ihm selbst gef√ľhrtes Reichsherr bei dem Anblick der Hussiten floh, starb er voll Gram hier√ľber. Von seiner Gemahlin Katharina von Braunschweig hinterlie√ü er au√üer vier S√∂hnen, Friedrich, Siegmund, Heinrich und Wilhelm, noch zwei T√∂chter: Anna, an den Landgrafen Ludwig von Hessen, und Katharina, an den Kurf√ľrsten Friedrich II. von Brandenburg verm√§hlt. Vgl. Horn, Lebens- und Heldengeschichte Friedrichs des Streitbaren (Leipz. 1733).

67) F. II., der Sanftm√ľtige, Kurf√ľrst von Sachsen, √§ltester Sohn des vorigen, geb. 22. Aug. 1411, gest. 7. Sept. 1464 in Leipzig, folgte seinem Vater 1428 in der Kur sowie gemeinschaftlich mit seinen drei Br√ľdern in den √ľbrigen Besitzungen des mei√ünischen Hauses, die er bis 1432 gegen die Hussiten zu verteidigen hatte. Auch an dem Kreuzzug gegen die Hussiten von 1431, der mit der Niederlage bei Taus endigte, nahm er teil. Weniger durch die Waffen als durch seine Diplomatie suchte er seine Macht zu mehren und gewann durch den Pre√üburger Schiedsspruch von 1439 die ihm von Heinrich von Plauen bestrittene Burggrafschaft Mei√üen, von der jenem nur Titel und W√ľrde blieben. Nach K√∂nig Albrechts Tode betrieb er eifrig die Wahl Friedrichs III., seines Schwagers; die Feindschaft mit Brandenburg wurde 1441 zu Halle und, nochmals √ľber Friedrichs Anspr√ľche auf die Niederlausitz ausgebrochen, durch den Vertrag zu Zerbst ausgeglichen, in dem sich F. mit Senftenberg und Hoyerswerda begn√ľgte. Die nach Friedrichs des Friedfertigen von Th√ľringen kinderlosem Ableben der beiden seit Heinrichs Tode (1435) und Siegmunds Eintritt in den geistlichen Stand (er wurde Bischof von W√ľrzburg, aber wegen anst√∂√üigen Wandels entsetzt und bis zu seinem Tode 1463 in Hast gehalten) noch √ľbrigen Br√ľdern, F. und Wilhelm, zugefallene Erbschaft, wodurch 1440 zum letztenmal s√§mtliche wettinische Lande unter Eine Herrschaft kamen, wurde die Veranlassung zum Ausbruch der lange verhaltenen Zwietracht zwischen beiden Br√ľdern. Wilhelm hielt sich bei der Erbteilung von 1445, die ihm Th√ľringen und einen Teil des Osterlandes brachte, von seinem Bruder √ľbervorteilt und ging mit dem Erzbischof von Magdeburg eine geheime Verbindung ein, um Th√ľringen in fremde H√§nde zu bringen. Doch F. kam ihm zuvor, fiel in Th√ľringen ein, und jahrelang verheerte nun ein Krieg die wettinischen Lande, der sich auch mit andern Parteiungen im Reiche verzweigte. Schlo√ü sich F. an das Haus Habsburg an, so fand Wilhelm Beistand bei den B√∂hmen, mit deren Hilfe er 15. Okt. 1450 Gera erst√ľrmte. Erst 24. Jan. 1451 kam zu Pforta die Auss√∂hnung zustande, nachdem angeblich F. das Anerbieten eines Sch√ľtzen, ihn durch einen Schu√ü von seinem Bruder zu befreien, entr√ľstet zur√ľckgewiesen hatte. Mittelbar durch diesen unseligen Zwist herbeigef√ľhrt war der von Kunz v. Kaufungen 1455 ver√ľbte S√§chsische Prinzenraub (s.d.). F. war mit Margareta, der Schwester Kaiser Friedrichs III., verm√§hlt. In der Kurw√ľrde folgte ihm sein Sohn Ernst. Vgl. Beschorner, Das s√§chsische Amt Freiberg und seine Verwaltung um die Mitte des 15. Jahrhunderts (Leipz. 1897).

68) F. III., der Weise, Kurf√ľrst von Sachsen, geb. 17. Jan. 1463 in Torgau, gest. 5. Mai 1525, Sohn des Kurf√ľrsten Ernst, folgte als der √§ltere Sohn seinem Vater 1486 in der Kur, w√§hrend er die Regierung der √ľbrigen L√§nder mit seinem Bruder Johann (dem Best√§ndigen) gemeinschaftlich in nie getr√ľbter Eintracht f√ľhrte. Durch Umgang mit gelehrten M√§nnern, vor allem mit seinem Vertrauten Spalatin, erwarb er sich eine seltene Bildung und Belesenheit in den Schriften der Alten, war wegen seiner politischen Einsicht bei Kaiser Maximilian I. und im Kreise der Reichsf√ľrsten geachtet, stand in Reichsangelegenheiten auf der Seite der Partei, die unter F√ľhrung Bertolds von Mainz die Reform der Reichsverfassung betrieb, und als 1500 das von dieser Partei beantragte Reichsregiment zustande kam, √ľbernahm er den Vorsitz. Eine seiner folgenreichsten Regentenhandlungen war die Gr√ľndung der Universit√§t Wittenberg, die er seine Tochter zu nennen pflegte, und f√ľr deren Gedeihen er v√§terlich sorgte. Wittenberg wurde durch die Berufung von Luther, Melanchthon u. a. der Herd der reformatorischen Bewegung, und obwohl F. den vorreformatorischen kirchenfeindlichen Bestrebungen fremd und selbst ein eifriger Katholik war, wie seine Wallfahrt nach Jerusalem (1493) und sein eifriges Reliquiensammeln beweisen, so gew√§hrte er doch dem ge√§chteten Luther Schutz auf der Wartburg. Die ihm nach Maximilians I. Tode 1519 von den Kurf√ľrsten angebotene Kaiserkrone lehnte er ab und lenkte die Wahl auf Maximilians Enkel Karl I. von Spanien, der ihm nachher mit Undank daf√ľr lohnte. Ohne sich offen zu Luthers Lehre zu bekennen, lie√ü er sie doch sich ungehindert in seinem Land ausbreiten und sch√ľtzte sie vor Vergewaltigung; erst auf dem Totenbett nahm er das Abendmahl unter beiderlei Gestalt. Er war unverm√§hlt geblieben, daher folgte ihm sein Bruder Johann in der Regierung. Vgl. T√ľtzschmann, F. der Weise (Grimma 1848); G. Spalatin, F. des Weisen Leben und Zeitgeschichte (hrsg. von Neudecker und Preller, Jena 1851); Kolde, F. der Weise und die Anf√§nge der Reformation (Erlangen 1881); ¬ĽF. der Weise, Kurf√ľrst von Sachsen, Charakterbild¬ę (4. Aufl., Leipz. 1898); Bruck, F. der Weise als F√∂rderer der Kunst (Stra√üb. 1903).

69) u. 70) F. August I. und II., Kurf√ľrsten von Sachsen u. K√∂nige von Polen, s. August 7) u. 8).

71) F. August 111., der Gerechte, Kurf√ľrst (seit 1806 als F. August I. K√∂nig) von Sachsen, geb. 23. Dez. 1750 in Dresden, gest. 5. Mai 1827, √§ltester Sohn des Kurf√ľrsten Friedrich Christian, √ľbernahm nach dessen Tode (17. Dez. 1763) unter der Vormundschaft seines Oheims Xaver, 15. Sept. 1768 selbst√§ndig die Regierung. Von Natur scheu und √§ngstlich, am Hergebrachten h√§ngend und schwierigen Verh√§ltnissen nicht gewachsen, aber von pers√∂nlich achtungswertem, durch Gerechtigkeitsgef√ľhl ausgezeichnetem Charakter, hob er manche Mi√üst√§nde und war bem√ľht, die durch den Siebenj√§hrigen Krieg seinem Lande geschlagenen Wunden zu heilen. 1785 verband er sich mit Preu√üen zur Errichtung des F√ľrstenbundes (s.d.), schlug 1791 die ihm angebotene erbliche Krone Polens aus, lehnte den Beitritt zum √∂sterreichisch-preu√üischen B√ľndnis vom 7. Febr. 1792 ab und stellte zum Kriege gegen Frankreich nur sein Reichskontingent bis zu dem Neutralit√§tsvertrag mit Frankreich von 1796. Die Verhandlungen mit Preu√üen wegen Errichtung eines Norddeutschen Bundes unterbrach der Ausbruch des Krieges von 1806, in dem F. A. nur notgedrungen auf Preu√üens Seite trat. Nach der Schlacht bei Jena Napoleon v√∂llig preisgegeben, schlo√ü er 11. Dez. 1806 mit diesem Frieden, trat als K√∂nig von Sachsen dem Rheinbund bei und ward einer der treuesten Bundesgenossen Napoleons, der ihm 1807 auch das Herzogtum Warschau verlieh, wof√ľr F. A. an das K√∂nigreich Westfalen einige benachbarte Gebiete abtrat. Nach dem ungl√ľcklichen russischen Feldzug sagte sich F. A. trotz der W√ľnsche seines Volkes und der Aufforderungen der verb√ľndeten Monarchen nicht von Napoleon los, sondern entwich vor dem in Sachsen eindringenden Heere der Alliierten √ľber Plauen und Regensburg nach Prag, schlo√ü sich √Ėsterreich an und traf 20. April zu Wien ein geheimes Abkommen. Vorher hatte er bereits, entr√ľstet √ľber die Sprengung der Elbbr√ľcke durch Davout (19. M√§rz), dem General Lecoq befohlen, seine Truppen nach Torgau zu f√ľhren, dessen Kommandant v. Thielmann die Festung weder den Franzosen noch den Verb√ľndeten √∂ffnen sollte. Napoleons Sieg bei L√ľtzen versetzte F. A. in √§u√üerste Best√ľrzung; er entlie√ü sofort seinen Minister Grafen Senfft von Pilsach und traf gedem√ľtigt 12. Mai in Dresden mit ¬Ľseinem gro√üen Alliierten¬ę zusammen. Torgau wurde den Franzosen ge√∂ffnet, das s√§chsische Heer wieder zu Napoleons Verf√ľgung gestellt. Mit Napoleon begab er sich auch nach Leipzig, wo er w√§hrend der Schlacht verweilte, wollte bis zuletzt nicht an Napoleons Niederlage glauben und wurde als Kriegsgefangener nach Berlin, dann nach Friedrichsfelde gebracht. Als die Absichten Preu√üens auf die Einverleibung Sachsens deutlicher hervortraten und der Wiener Kongre√ü die Teilung des Landes aussprach, legte F. A. eine feierliche Rechtsverwahrung dagegen ein, mu√üte aber, nach Pre√üburg gebracht, 21. Mai 1815 den Friedensvertrag mit Preu√üen ratifizieren. Mit gro√üem Jubel 7. Juni bei seiner R√ľckkehr in Dresden empfangen, stiftete er zur Erinnerung an dieses Ereignis den Zivilverdienstorden. Mit anerkennenswertem Eifer widmete er sich der F√ľrsorge f√ľr das verkleinerte Land, blieb aber jeder Reform entschieden abgeneigt. Ihm wurden 1780 in Leipzig und 1843 in Dresden Denkm√§ler errichtet. Aus der Ehe, die er 1769 mit Marie Amalie von Pfalz-Zweibr√ľcken geschlossen hatte, erwuchs ihm nur eine Tochter, Marie Auguste. Panegyrische Biographien schrieben Herrmann (Dresd. 1827) und P√∂litz (Leipz. 1830). Vgl. Bonnefons, Un alli√© de Napol√©on. Fr√©d√©ric-Auguste (Par. 1902).

72) F. August II., K√∂nig von Sachsen, geb. 18. Mai 1797, gest. 9. Aug. 1854, √§ltester Sohn des Prinzen Maximilian, Bruders des vorigen, und dessen erster Gemahlin, Karoline Marie Therese von Parma, ging nach dem Beginn des Befreiungskrieges mit dem K√∂nig nach Prag, folgte ihm in die Gefangenschaft nach Pre√üburg und nahm 1815 im √∂sterreichischen Hauptquartier an dem Feldzug gegen Frankreich teil. Unter Leitung des Majors v. Cerrini und des Hofrats St√ľbel trieb er milit√§rische, juristische und staatswissenschaftliche Studien, daneben auch Kunst und Naturwissenschaften, besonders Botanik und Mineralogie, wie die ¬ĽFlora Marienbadensis, oder Pflanzen und Gebirgsarten, gesammelt und beschrieben von dem Prinzen F. A., Mitregenten von Sachsen, und von I. W. v. Goethe¬ę, herausgegeben von Heidler (Prag 1837), beweist. 1818 zum Generalmajor und 1822 zum Chef der Infanteriebrigade ernannt, wohnte F. A. seit 1819 auch den Sitzungen des Geheimen Rates bei, seit 1822 mit Stimmrecht, blieb aber bei der Eifersucht des Kabinettsministers v. Einsiedel (s.d.) von allem Einflu√ü auf die Regierung ausgeschlossen. Bei den Unruhen von 1830 stellte ihn K√∂nig Anton an die Spitze der zur Aufrechterhaltung der Ordnung niedergesetzten Kommission und √ľbertrug ihm 30. Sept. 1830, nachdem sein Vater, Prinz Maximilian, der Thronfolge entsagt hatte, die Mitregentschaft; Einsiedel ward entlassen, Lindenau Minister des Innern und unter F. Augusts Mitwirkung das neue Staatsgrundgesetz geschaffen. Nachdem das Staatsleben nach den Grunds√§tzen der neuen Konstitution geordnet war, f√ľhrte F. A. als Mitregent und nach Antons Tode 6. Juni 1836 als K√∂nig die Regierung im Geiste der Zeit, nahm dabei auf Reisen nach B√∂hmen und in die Bayrischen Alpen auch seine botanischen Studien wieder auf. Im Sommer 1838 bereiste er Istrien und Dalmatien, 1844 England und Schottland. Beim Maiaufstand in Dresden 1849 verlie√ü er seine Hauptstadt und rief Preu√üen um Hilfe an (s. Sachsen). Auf einer Reise in Tirol starb er an den Folgen eines Sturzes aus dem Wagen zu Brennb√ľchel zwischen Imst und Wenns. An der Ungl√ľcksst√§tte wurde 1855 eine Kapelle erbaut. Seine Ehe mit der Erzherzogin Karoline von √Ėsterreich (gest. 22. Mai 1832) sowie seine zweite Ehe mit der Prinzessin Maria von Bayern (seit 24. April 1833, gest. 13. Sept. 1877) blieben kinderlos. Vgl. Schladebach, F. August II., K√∂nig von Sachsen (Leipz. 1854).

73) F. August, Kronprinz von Sachsen, geb. 25. Mai 1865, Sohn des K√∂nigs Georg und der portugiesischen Infantin Maria Anna, studierte in Stra√üburg und Leipzig und widmete sich vornehmlich dem milit√§rischen Dienst, trat 1. April 1883 in das Heer, f√ľhrte als Oberst 1892‚Äď94 das Sch√ľtzenregiment Nr. 108, wurde 1894 Generalmajor und 1898 Generalleutnant. Seit 27. Okt. 1893 der preu√üischen Armee angeh√∂rig, ward er 1894 preu√üischer Generalmajor und 1902 General der Infanterie sowie gleichzeitig kommandierender General des 12. Armeekorps. Seit Juli 1902 steht F. August auch √† la suite der Marine-Infanterie. Seit 24. Juni 1902 f√ľhrt das Infanterieregiment Nr. 104 den Namen ¬ĽKronprinz¬ę. Die am 21. Nov. 1891 eingegangene Ehe mit Erzherzogin Luise von Toskana, geb. 2. Sept. 1870, der f√ľnf Kinder entsprossen (Georg, geb. 15. Jan. 1893; Friedrich Christian, geb. 31. Dez. 1893; Ernst Heinrich, geb. 9. Dez. 1896; Margarete, geb. 24. Jan. 1900; Maria Alix, geb. 27. Sept. 1901), ward wegen Ehebruchs der Kronprinzessin mit dem franz√∂sischen Sprachlehrer der Prinzen, dem Belgier Andr√© Giron, 11. Febr. 1903 geschieden. Die vormalige Kronprinzessin erhielt 15. Juli 1903 von K√∂nig Georg den Namen ¬ĽGr√§fin von Montignoso¬ę verliehen. Am 4. Mai 1903 gebar sie in Lindau eine Tochter, Anna Monika, die als Prinzessin des s√§chsischen K√∂nigshauses betrachtet wird, lebte darauf anfangs in Schlo√ü Ramo bei Lyon und seit Ende 1903 in Ventnor auf der Insel Wight.

[Schleswig-Holstein.] 74) F. III., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorp, geb. 22. Dez. 1597 in Gottorp, gest. 10. Aug. 1659 in T√∂nning, √§ltester Sohn des Herzogs Johann Adolf und der d√§nischen Prinzessin Augusta, kam nach dem Tode seines Vaters 1616 im herzoglichen Anteil von Schleswig-Holstein zur Regierung, gew√§hrte den aus den Niederlanden vertriebenen Arminianern eine Zuflucht und gr√ľndete f√ľr sie 1621 Friedrichstadt an der Eider. W√§hrend des Drei√üigj√§hrigen Krieges bem√ľht, Neutralit√§t zu beobachten, vermochte er sein Land doch nicht vor Pl√ľnderung zu bewahren, als nach der Niederlage des K√∂nigs Christian IV. von D√§nemark Tilly und Wallenstein 1627 in die Halbinsel eindrangen. Bei seinem Regierungsantritt bewog F. die St√§nde zum Verzicht auf ihr Wahlrecht und f√ľhrte mit Zustimmung D√§nemarks und des Kaisers die Primogenitur ein. Nach dem Aussterben der Grafen von Schaumburg (1640) erwarb er das Amt Barmstedt, das der Kaiser 1650 zu einer reichsfreien Grafschaft erhob. Zum Dank f√ľr seine Neutralit√§t im d√§nisch-schwedischen Kriege (1657‚Äď58) erwirkte ihm sein Schwiegersohn Karl X. Gustav von Schweden im Frieden von Roeskilde 1658 die Aufhebung der d√§nischen Lehnshoheit √ľber Schleswig. Sein Sohn Christian Albrecht folgte ihm.

75) F. Christian, Herzog von Schleswig-Holstein, geb. 28. Sept. 1765 in Augustenburg, gest. daselbst 14. Juni 1814, Sohn des Herzogs Friedrich Christian aus der Sonderburg-Augustenburgischen Linie, seit 1786 mit der Prinzessin Luise Auguste, der einzigen Tochter des K√∂nigs Christian VII., die damals Aussicht auf die Thronfolge hatte, verm√§hlt, wurde Geheimer Staatsminister und √ľbernahm 1790 die Leitung des h√∂hern Unterrichtswesens, das er wesentlich f√∂rderte. Auf Anregung des d√§nischen Dichters Baggesen, den F. C. wirksam unterst√ľtzt hatte, bot er 27. Nov. 1791 dem damals schwer erkrankten Schiller, in Gemeinschaft mit dem Finanzminister Schimmelmann, ein j√§hrliches Geschenk von 1200 Tlr. an, das dieser auch annahm und f√ľnf Jahre lang bezog. Zum Dank richtete Schiller an ihn 1793 die ¬ĽBriefe √ľber die √§sthetische Erziehung¬ę, deren Originale beim Brande des Christiansborger Schlosses in Kopenhagen 26. Febr. 1794 zugrunde gingen, und die lange Zeit nur in der 1795 in den ¬ĽHoren¬ę erschienenen Bearbeitung bekannt waren. Neuerdings sind sie gr√∂√ütenteils in Abschrift wieder aufgefunden und herausgegeben worden (vgl. Max M√ľller, Schillers Briefwechsel mit dem Herzog F. C. von Schleswig-Holstein, Berl. 1875; ¬ĽSchillers Briefe an Herzog F. C.¬ę, hrsg. von Michelsen, das. 1876). Am 14. Nov. 1794 durch den Tod seines Vaters Herzog und Chef des Hauses geworden, lebte F. C. viel auf Augustenburg und Gravenstein. Als 1806 K√∂nig Friedrich VI. nach Aufl√∂sung des Deutschen Reiches Holstein vollst√§ndig D√§nemark einverleiben wollte, widersetzte sich F. C. mit Erfolg, verlor aber das Vertrauen des K√∂nigs. Der v√∂llige Bruch erfolgte, als 1810 nach dem Tode des j√ľngern Bruders von F. C., des zum Kronprinzen von Schweden gew√§hlten Prinzen Christian August, die Schweden nicht den K√∂nig Friedrich VI., obwohl F. C. selbst zu seinen Gunsten verzichtet hatte, zum Nachfolger w√§hlten, was der K√∂nig seinem Einflu√ü zuschrieb. F. C. zog sich nun ganz nach Augustenburg zur√ľck. Vgl. Clausen, Frederik Christian, Hertug af Augustenborg (Kopenh. 1896).

76) F. Christian August, Prinz von Schleswig ‚Äď Holstein ‚Äď Sonderburg ‚Äď Augustenburg, Enkel des vorigen, geb. 6. Juli 1829 in Augustenburg, gest. 14. Jan. 1880 in Wiesbaden, √§ltester Sohn des Herzogs Christian (s.d. 18) u. der Herzogin Luise, gebornen Gr√§fin von Danneskjold-Sams√∂e (gest. 11. M√§rz 1867), trat bei der Erhebung Schleswig-Holsteins 1848 in die schleswig-holsteinische Armee, k√§mpfte in dem dreij√§hrigen Kriege gegen D√§nemark als Offizier im Generalstab, ward nach Besiegung der Herzogt√ľmer verbannt, studierte zwei Jahre in Bonn, trat in das preu√üische Heer, zog sich aber 1856 auf das von ihm erkaufte Rittergut Dolzig in der Niederlausitz zur√ľck. Nach dem Tode Friedrichs VII. (15. Nov. 1863) protestierte F. 16. Nov. √∂ffentlich gegen die Usurpation der Herzogt√ľmer durch K√∂nig Christian IX., erkl√§rte sich nach dem Verzicht seines Vaters als rechtm√§√üigen Erben der Herzogt√ľmer Schleswig-Holstein u. nannte sich ¬ĽHerzog Friedrich VIII.¬ę; er ward auch von mehreren F√ľrsten anerkannt, und der badische Bundestagsgesandte v. Mohl legte 21. Nov. seine Vollmacht f√ľr F. VIII. der Bundesversammlung vor. Die d√§nischen Truppen wurden durch die Bundesexekutionstruppen aus Holstein hinausgedr√§ngt, F. im Dezember als rechtm√§√üiger Landesherr proklamiert, 30. Dez. 1863 √ľbernahm er in Kiel die Regierung des Landes. Seine Anerkennung von seiten des Deutschen Bundes verz√∂gerte sich, bis inzwischen √Ėsterreich und Preu√üen 1864 die Herzogt√ľmer besetzten. W√§hrend Preu√üen, mit dem F. jetzt zu unterhandeln begann, Friedrichs Anerkennung von einigen Abtretungen und √úberlassung der Milit√§rhoheit abh√§ngig machte, verlangte F. sofortige Einsetzung und wollte dann erst, in Gemeinschaft mit der Landesvertretung, √ľber die Preu√üen zu machenden Zugest√§ndnisse entscheiden. Bismarck lie√ü F. nach einer 1. Juni 1864 in Berlin stattgehabten Unterredung fallen und verbot ihm nach dem Gasteiner Vertrag das Betreten Schleswigs. Als bei demEinr√ľcken der preu√üischen Truppen in Holstein die √Ėsterreicher 12. Juni 1866 Holstein verlie√üen, entfernte sich F. nach 21/2j√§hrigem Aufenthalt auch aus Holstein und verlor durch den Prager Frieden alle Aussichten auf die Erbfolge in den Herzogt√ľmern. Seine formelle Verwahrung dagegen wurde gar nicht beachtet. Seitdem lebte F. als Privatmann in Gotha; den deutsch franz√∂sischen Krieg machte er als bayrischer General √† la suite im Stabe des Kronprinzen von Preu√üen mit. Er war seit 11. Sept. 1856 verm√§hlt mit Prinzessin Adelheid, Tochter des verstorbenen F√ľrsten Ernst von Hohenlohe-Langenburg (geb. 20. Juli 1835, gest. 25. Jan. 1900 in Dresden). Kinder dieser Ehe sind: Prinzessin Auguste Viktoria, geb. 22. Okt. 1858, seit 27. Febr. 1881 verm√§hlt mit dem Prinzen Wilhelm von Preu√üen, jetzigem Kaiser Wilhelm II.; Prinzessin Karoline Mathilde, geb. 25. Jan. 1860, 1885 verm√§hlt mit dem Prinzen Friedrich Ferdinand von Gl√ľcksburg; Herzog Ernst G√ľnther, geb. 11. Aug. 1863; Prinzessin Luise Sophie, geb. 8. April 1866, verm√§hlt 24. Juni 1889 mit dem Prinzen Friedrich Leopold von Preu√üen; Prinzessin Feodore, geb. 3. Juli 1874. Vgl. Samwer, Herzog F. von Schleswig-Holstein (Wiesb. 1900).

[Schwaben.] 77) F. II., der Ein√§ugige, Herzog von Schwaben, geb. 1090, gest. 6. April 1147 in Hagenau, √§lterer Sohn Friedrichs I., des ersten Herzogs aus dem staufischen Haus, und der Tochter Kaiser Heinrichs IV., Agnes, ward nach des Vaters Tode 1105 Herzog von Schwaben, k√§mpfte f√ľr die Sache seines Oheims Heinrich V., war w√§hrend des Kaisers Zug nach Italien 1116 Reichsverweser, ward aber wegen seiner den geistlichen F√ľrsten feindlichen Haltung von einer Kirchenversammlung zu K√∂ln 1118 gebannt. Kaiser Heinrich hinterlie√ü ihm und seinem Bruder Konrad (s. Konrad 3) 1125 das reiche Erbe des salischen Hauses, aber zum K√∂nig wurde, nachdem ihn der Erzbischof von Mainz durch List zur Herausgabe der von Heinrich V. ihm √ľbergebenen Reichsinsignien gebracht hatte, sein Nebenbuhler Lothar von Sachsen gew√§hlt (1125). F. huldigte zwar Lothar; als dieser aber die Herausgabe der mit dem salischen Hausgut vereinigten Reichsg√ľter verlangte und F. auf seine Weigerung hin in die Reichsacht erkl√§rte (Januar 1126), begann dieser den Krieg, anfangs mit Gl√ľck, konnte aber zuletzt der √úbermacht nicht mehr widerstehen. Als der Herzog Welf Ulm einnahm und Lothar in Schwaben einfiel, unterwarf er sich auf dem Reichstag zu Bamberg im M√§rz 1135 und erhielt unter Vermittelung der Kaiserin Richenza Verzeihung und Best√§tigung seines schw√§bischen Herzogtums. Nach Lothars Tod ward sein Bruder Kon rad K√∂nig, sein √§ltester Sohn war Kaiser Friedrich I.

78) F. V., Herzog von Schwaben, geb. 1168, gest. 20. Jan. 1191, zweiter Sohn Kaiser Friedrichs I und der Beatrix von Burgund, folgte 1169 dem Herzog Friedrich IV., Sohn Konrads III., der 1167 kinderlos gestorben war, als Herzog von Schwaben. anfangs unter Vormundschaft seines Vaters, begleitete diesen 1189 auf dem Kreuzzug, verlobte sich in Ungarn mit der Tochter des K√∂nigs Bela, bestand siegreich mehrere Gefechte gegen die Griechen in Bulgarien und gegen die T√ľrken in Asien, eroberte Ikonion und befehligte nach dem Tode des Kaisers (10. Juni 1190) das Kreuzheer, dessen Rest er nach Antiochia f√ľhrte. Darauf wendete er sich nach dem von den Christen belagerten Akka und erlag hier der Pest.

[Schweden.] 79) F., K√∂nig von Schweden, geb. 8. Mai 1676 zu Kassel als Sohn des Landgrafen Karl, gest. kinderlos 5. April 1751 in Stockholm, k√§mpfte 1701‚Äď09 w√§hrend des Spanischen Erbfolgekriegs an der Spitze eines hessischen Hilfskorps mit Auszeichnung auf englisch-holl√§ndischer Seite. 1700‚Äď05 war er mit der Prinzessin Luise Dorothea von Preu√üen in kinderloser Ehe verm√§hlt, heiratete 1719 Karls XII. einzige noch lebende Schwester, Ulrike Eleonore (s.d.), ward 1716 Generalissimus der schwedischen Armee und nach der Thronentsagung seiner Gattin, auf Grund einer Wahlkapitulation, welche die k√∂niglichen Rechte erheblich beschr√§nkte, 4. April 1720 K√∂nig von Schweden. Als solcher mu√üte er 1721 die Ostseeprovinzen, 1743 einen Teil von Finnland an Ru√üland abtreten. In j√ľngern Jahren tapfer und energisch, war er sp√§ter ein Spielball in den H√§nden der ¬ĽM√ľtzen¬ę (s.d.), bez. der ¬ĽH√ľte¬ę (s.d.) und von den Launen seiner Maitressen abh√§ngig. Zu seinem Nachfolger Adolf Friedrich (s. Adolf 9) und dessen Gemahlin, Luise Ulrike von Preu√üen, stand er politisch in scharfem Gegensatz. Durch den Tod seines Vaters (1730) auch Landgraf von Hessen-Kassel, √ľberlie√ü er die Regierung daselbst seinem Bruder Wilhelm. Vgl. K. G. Malmstr√∂m, Sveriges politiska historia 1718‚Äď1772, Bd. 1‚Äď3 (2. Aufl., Stockh. 1893‚Äď97).

[Sizilien.] 80) F. I. von Aragonien, K√∂nig von Sizilien, dritter Sohn Peters von Aragonien und Konstanzes, der Tochter des Hohenstaufen Manfred, war seit 1291 Statthalter seines Bruders Jakob in Sizilien und wurde nach dessen Verzicht auf die Krone der Insel 1296 zum K√∂nig gew√§hlt. Es gelang ihm nicht nur, Sizilien gegen Karl u. von Neapel, den Papst Bonifatius VIII. und seinen eignen Bruder Jakob zu behaupten und in dem Frieden von Callabellota 1302 die Anerkennung seiner Krone, allerdings unter Verzicht auf den Titel Sizilien und Annahme des K√∂nigstitels von Trinakria, zu erlangen, sondern er suchte auch die schweren Wunden des Landes zu heilen, ordnete die Verfassung und hielt den unruhigen Adel in Schranken. Mit dem Kaiser Heinrich VII. schlo√ü F. 1313 ein B√ľndnis und verlobte seinen Sohn Peter mit Heinrichs Tochter Beatrix. Infolgedessen kam es zu neuen K√§mpfen mit Neapel und sp√§ter auch zu einer Verbindung Friedrichs mit Ludwig dem Bayern. Diese K√§mpfe dauerten bis zum Tode Friedrichs (Juni 1337).

[Th√ľringen.] S. ¬ĽMei√üen-Th√ľringen¬ę, 38‚Äď42).

[Waldeck.] 81) F. Adolf Hermann, F√ľrst zu Waldeck und Pyrmont, geb. 20. Jan. 1865 in Arolsen, Sohn des F√ľrsten Georg Viktor aus dessen erster Ehe mit der Prinzessin Helene von Nassau, studierte 1884‚Äď87 in G√∂ttingen und Leipzig, bestand 1888 das Referendarexamen, trat darauf als Leutnant beim 3. Gardeulanenregiment in Potsdam ein, ist gegenw√§rtig k√∂niglich preu√üischer Generalmajor und folgte 12. Mai 1893 seinem Vater als F√ľrst. Er ist seit 9. Aug. 1895 mit der Prinzessin Bathildis zu Schaumburg-Lippe (geb. 21. Mai 1873) verm√§hlt, die ihm den Erbprinzen Josias (geb. 13. Mai 1896), die Prinzen Max (geb. 13. Sept. 1898) und Georg Wilhelm (geb. 10. M√§rz 1902) sowie Prinzessin Helene (geb. 22. Dez. 1899) gebar.

[W√ľrttemberg.] 82) F. Eugen, Herzog von W√ľrttemberg, geb. 21. Jan. 1732 in Stuttgart, gest. 23. Dez. 1797 in Hohenheim, j√ľngerer Sohn des Herzogs Karl Alexander, 1741‚Äď44 am Hofe Friedrichs d. Gr. erzogen, trat 1749 als Oberst eines Dragonerregiments in das preu√üische Heer, verm√§hlte sich 1753 mit einer Nichte Friedrichs d. Gr., der Prinzessin Sophia Dorothea von Brandenburg-Schwedt, zeichnete sich im Siebenj√§hrigen Krieg als Reiterf√ľhrer aus, ward bei Kunersdorf 1759 schwer verwundet und fiel in russische Gefangenschaft, sch√ľtzte 1760 und 1761, soweit es ihm m√∂glich war, die Mark und Pommern gegen die Schweden und Russen, schied 1769 aus den preu√üischen Kriegsdiensten und lie√ü sich zu M√∂mpelgard (s. Montb√©liard) nieder, dessen Verwaltung ihm 1786 √ľbertragen wurde. 1791 fl√ľchtete er vor den Franzosen, wurde von Friedrich Wilhelm II. zum Gouverneur der fr√§nkischen F√ľrstent√ľmer und Generalfeldmarschall ernannt, folgte seinem √§ltern Bruder, Ludwig Eugen, 1795 als Herzog von W√ľrttemberg, starb aber schon nach zwei Jahren mit Hinterlassung von elf Kindern. Seinen Namen f√ľhrt seit 1889 das westpreu√üische K√ľrassierregiment Nr. 5.

83) F. I. Wilhelm Karl, K√∂nig von W√ľrttemberg, Sohn des vorigen, geb. 6. Nov. 1754 zu Treptow in Hinterpommern, gest. 30. Okt. 1816 in Stuttgart, trat 1777 in preu√üische Kriegsdienste und verm√§hlte sich 1780 mit der Prinzessin Auguste Karoline von Braunschweig-Wolfenb√ľttel (gest. 1788). Aus Italien, wohin er seine Schwester und deren Gemahl, den Gro√üf√ľrsten Paul von Ru√üland, begleitete, zur√ľckgekehrt, war F. 1783‚Äď87 Generalgouverneur in Russisch-Finnland, lebte dann zu Monrepos bei Lausanne, sp√§ter zu Bodenheim bei Mainz und seit 1790 in Ludwigsburg. Nach seines Vaters Regierungsantritt 1795 Erbprinz, k√§mpfte er 1796 gegen die eindringenden Franzosen, fl√ľchtete aber vor der √úbermacht nach Ansbach und lebte dann eine Zeitlang in Wien und London, wo er sich mit der Tochter des K√∂nigs Georg III., Prinzessin Charlotte Auguste Mathilde, verm√§hlte, die aber kinderlos blieb. 1797 nach Stuttgart zur√ľckgekehrt, wurde er nach seines Vaters Tode 23. Dez. 1797 als F. II. Herzog von W√ľrttemberg. Infolge seiner Beteiligung an der zweiten Koalition gegen Frankreich 1799 erlitt er gro√üe Verluste und kehrte erst nach dem L√ľneviller Frieden 13. Mai 1801 nach W√ľrttemberg zur√ľck. Nach dem Frieden von Amiens 20. Mai 1802 ward ihm in einem besondern Friedenstraktat zwischen Frankreich und W√ľrttemberg 1803 die Kurw√ľrde und durch den Reichsdeputationshauptschlu√ü eine angemessene Entsch√§digung f√ľr den L√§nderverlust am linken Rheinufer (M√∂mpelgard) zuteil, welche neuerworbenen Besitzungen F. zu einem eignen Staat unter dem Namen Neuw√ľrttemberg vereinigte. Als Napoleons Bundesgenosse stellte F. 1805 gegen √Ėsterreich 8000 Mann ins Feld, erhielt nach dem Pre√üburger Frieden eine neue bedeutende Gebietsvergr√∂√üerung und erkl√§rte sich 1. Jan. 1806 zum K√∂nig von W√ľrttemberg. Unter Aufhebung der in Altw√ľrttemberg von ihm beim Regierungsantritt beschwornen Verfassung organisierte er Regierung und Verwaltung neu, aber mit dem Tode seines edlen Freundes, des Grafen von Zeppelin (1801), wich sein guter Geist von ihm; unw√ľrdige G√ľnstlinge beherrschten ihn, und die √ľppige Hofhaltung verschlang einen gro√üen Teil der durch recht hohe Belastung des Volkes gesteigerten Eink√ľnfte. Im Innern regierte F. despotisch, seine √§u√üere Politik bestimmte seine Zugeh√∂rigkeit zum Rheinbund. Von Truppensendungen nach Spanien befreit, sendete er zum Kriege gegen √Ėsterreich 1809 das w√ľrttembergische Kontingent ins Feld und unternahm pers√∂nlich einen Feldzug gegen die aufst√§ndischen Vorarlberger. Durch eine Reise nach Paris Ende 1809 erwarb er sich einen L√§nderzuwachs mit 110,000 Einw., so da√ü der Fl√§chenraum des K√∂nigreichs auf mehr als 20,000 qkm mit 1,400,000 Einw. stieg. Napoleon blieb er auch nach dem russischen Feldzug, zu dem er ein Kontingent von 15,000 Mann stellte, treu und setzte den General Normann ab, der mit zwei Kavallerieregimentern bei Leipzig zu den Verb√ľndeten √ľbergegangen war. Erst nach dieser Schlacht n√§herte er sich den Verb√ľndeten und erhielt durch den Vertrag zu Fulda 2. Nov. 1813 seine s√§mtlichen Staaten und die Anerkennung seiner Unabh√§ngigkeit garantiert. Auf dem Wiener Kongre√ü widersetzte er sich jeder Beschr√§nkung seiner Souver√§nit√§t und erlitt auch keinen Gebietsverlust. Ein Verfassungsgesetz, da√ü er seinem Land als Ordonnanz aufdringen wollte, ward von den St√§nden verworfen. Aus seiner ersten Ehe stammen zwei S√∂hne (der nachmalige K√∂nig Wilhelm I. und Prinz Paul) und eine Tochter (Katharina, Gemahlin des K√∂nigs J√©r√īme von Westfalen). Vgl. A. Pfister, K√∂nig F. von W√ľrttemberg und seine Zeit (Stuttg. 1888); ¬ĽBriefwechsel der K√∂nigin Katharina und des K√∂nigs J√©r√īme von Westfalen sowie des Kaisers Napoleon 1. mit dem K√∂nig F. von W√ľrttemberg¬ę (das. 1886‚Äď87, 3 Bde.) und ¬ĽPolitische und milit√§rische Korrespondenz K√∂nig Friedrichs von W√ľrttemberg mit Kaiser Napoleon I.¬ę (das. 1889), beide herausgegeben von Schlo√überger.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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