Gang [1]

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Gang [1]

Gang (hierzu Tafel ¬ĽGangbildungen¬ę), in der Geologie und der Bergbaukunde Bezeichnung der mit einer von der Umgebung (Nebengestein) abweichenden Mineral- oder Gesteinsmasse erf√ľllten Spalten oder Kl√ľfte, die das Nebengestein in einer von der Lagerung desselben unabh√§ngigen Richtung durchsetzen. Da die Spaltenbildung die Existenz des Nebengesteins voraussetzt, der G. aber eine ausgef√ľllte Spalte darstellt, so ist der G. stets j√ľnger (unter Umst√§nden viel j√ľnger) als das Gestein, in dem er aufsetzt. Die G√§nge sind von sehr verschiedener L√§nge (Erstreckung) und M√§chtigkeit. Die letztere ist dabei nicht √ľberall gleich, die Gangspalten tun sich auf und verengern sich bis zur Verdr√ľckung. Dabei gabeln sich die Spalten (Textfig. 1) oft in ihrem Verlauf, h√§ufig um sich wieder zu vereinigen; ihr Ende keilt sich bald aus, bald zertr√ľmertes sich, teilt sich in kleinere Spalten, sogen. Tr√ľmer, Apophysen, Abl√§ufer, Ausl√§ufer (Textfigur 2, Fig. 4 der Tafel, auch Tafel ¬ĽErzlagerst√§tten I¬ę, Fig. 1, und II, Fig. 6, 7 u. 8). Die oft scharf ausgepr√§gte Grenzfl√§che gegen das Nebengestein nennt man das Salband; eine aus Letten (sogen. Gangletten) oder Erz bestehende d√ľnne Lage, die Gangmasse und Nebengestein voneinander trennt, nennt man einen Besteg. Vielfach ist aber die Grenze zwischen G. und Nebengestein schwer oder gar nicht festzustellen, zumal da, wo vom G. aus Erze und Mineralien in das Nebengestein eindringen.

Fig. 1. Gabelung und Verwerfung von Gangspalten.
Fig. 1. Gabelung und Verwerfung von Gangspalten.
Fig. 2. Zertr√ľmerung und Verwerfung.
Fig. 2. Zertr√ľmerung und Verwerfung.

Meist haben die G√§nge einen geraden oder nur wenig gekr√ľmmten Verlauf (Streichen der G√§nge, vgl. Schichtung), seltener biegen sie scharfwinklig in eine andre Richtung um (schlagen einen Haken). Meist setzen sie in unbekannte Tiefe nieder mit verschiedener Neigung (Fallen, Tonnlage, Donlage) gegen den Horizont; doch kommt auch ein Auskeilen nach unten oder ein Aufl√∂sen in mehrere Tr√ľmer (eine Vertr√ľmerung), zuweilen verbunden mit einem Auskeilen der einzelnen Tr√ľmer, vor (vgl. Fig. 4 der Tafel). G√§nge mit h√∂chstens 15¬į von der horizontalen Lage abweichendem Neigungswinkel werden als schwebende, solche mit 15‚Äď45¬į Neigung als flachfallende, mit 45‚Äď75¬į als tonnl√§gige, mit 75‚Äď89¬į als steile und senkrecht niedersetzende als saigere bezeichnet. G√§nge von geringer Tiefe und L√§nge nennt man Rasenl√§ufer. Laufen mehrere G√§nge nebeneinander nahezu parallel, so entsteht dadurch ein Gangzug. Ost ist der ersten Spalten- und Gangbildung das Ausrei√üen und Ausf√ľllen neuer Spalten gefolgt (Fig. 1,211. 3 der Tafel, Textfig. 1, 2, 3 u. 4); treffen solche neue G√§nge unter einem sehr schiefen Winkel auf √§ltere, so scharen sich erstere den letztern an und folgen auf l√§ngere oder k√ľrzere Strecken der alten Richtung; treffen sie dieselben aber unter Winkeln, die sich mehr dem rechten n√§hern, so durchsetzen sie die alten G√§nge, kreuzen sich mit ihnen (Fig. 3 der Tafel). Meist findet hierbei eine Verschiebung der einander kreuzenden G√§nge statt; selten setzt der zerrissene √§ltere G. in gleicher Flucht jenseit des j√ľngern fort; gew√∂hnlich trifft man ihn erst h√∂her oder tiefer wieder, meist in der Richtung des stumpfen Winkels, den der verworfene G. mit dem jungen bildet.

Bei den G√§ngen unterscheidet man je nach der Natur der Gesteine und Mineralien, die den G. zusammensetzen: Gesteinsg√§nge, Mineralg√§nge (mit nicht metallischen Substanzen gef√ľllte, sogen. taube G√§nge) und Erzg√§nge. Gesteinsg√§nge sind Spalten, erf√ľllt von Eruptivgesteinen (Granit, Diabas, Porphyr, Trachyt, Basalt, Laven etc.). Sie stehen h√§ufig mit Kuppen, Decken und Str√∂men, aus dem gleichen Gesteinsmaterial gebildet, in Zusammenhang, zu denen sie die Zufuhrwege bilden. So zeigt Fig. 1 der Tafel, Profil durch den Hirschberg und den Mei√üner in Hessen, da√ü basaltische Gesteine, in dichter (B) oder in doleritischer (Bd) Ausbildung, gangf√∂rmig eine Mehrzahl von in ihrer Lagerung durch Verwerfungen mehrfach gest√∂rten Schichtsystemen durchbrechen und sich an vereinzelten Stellen √ľber denselben kuppenf√∂rmig ausbreiten. Das geschichtete Material ist (von unten nach oben) Dolomit des mittlern Zechsteins (zm1), ein unteres (zo 1), mittleres (zo2) und oberes (zo3) Schichtsystem des obern Zechsteins mit Gipseinlagerungen (y), sogen. Br√∂ckelschiefer (zs), Zwischenschichten zwischen Zechstein und Buntsandstein; ferner von letzterm drei Etagen, unterer (su), mittlerer (sm) und oberer (so); hierauf unterer (mu 1) und oberer (mu') Wellenkalk, die selten Gips (y1) f√ľhrende Anhydritgruppe (mm) sowie Trochiten- (Enkriniten-) Kalk (mo1) und Nodosenkalk (mo2) des obern Muschelkalks. Mit Mergel (ku1) und Grenzdolomit (ku2) des untern (Kohlen-) Keupers und mit den Gipsmergeln (km1) und Steinmergeln (km2) des mittlern (bunten) Keupers schlie√üt die im Profil als ununterbrochene Reihe entwickelte Schichtenfolge, der nur hier und da noch das viel j√ľngere Terti√§r (b) und Diluvium (d) ausgelagert sind. Dem Terti√§r geh√∂ren auch die Braunkohlenfl√∂ze (K) an, die, wenn sie, wie am Hirschberg und dem √∂stlicher gelegenen h√∂hern Mei√üner, von den Eruptivgesteinen √ľberlagert werden, nicht selten durch Kontaktmetamorphose in St√§ngelkohle umgewandelt sind.

Fig. 3. Profil von der Halbinsel Trotternish.
Fig. 3. Profil von der Halbinsel Trotternish.

Die Textfig. 3, Profil von der Halbinsel Trotternish bei Skye, l√§√üt erkennen, da√ü ein √§lteres Eruptivgestein (E), sogen. Trapp, gangf√∂rmig die Schichten des Unterooliths (c) und des Cornbrash (b) durchsetzt und √ľber diesen sich in Deckenform ausgebreitet hat. √úberlagert wird es von Schichten des Oxford (a), die demnach j√ľnger sind als dieses Eruptivgestein, w√§hrend der j√ľngere Basalt (B) sowohl diese als die Decke des Trapps durchsetzt und sich erst √ľber dem Oxford deckenartig ausbreitet. In Textfig. 4, Profil am Fu√ü vom F√ľrsteneck bei Passau, ostbayrisches Waldgebirge, wird der Gneis (a) von granitischen G√§ngen verschiedenen Alters durchsetzt: als √§ltester tritt der feink√∂rnige (b) auf, der auch ein Fragment des Nebengesteins eingeschlossen enth√§lt; als j√ľngerer folgt ein grobk√∂rniger (c) und als j√ľngster der pegmatit√§hnliche (d), der nach rechts eine Apophyse entsendet, welche die √§ltern G√§nge (e und b) durchsetzt.

Fig. 4. Profil am Fu√üe von F√ľrsteneck bei Passau.
Fig. 4. Profil am Fu√üe von F√ľrsteneck bei Passau.

Die Mineralg√§nge sind mit verschiedenen Mineralien, Quarz, Kalk-, Braun-, Schwer-, Flu√üspat, am seltensten mit Silikaten (Zeolithen), und zwar meist mit mehreren dieser Mineralien, erf√ľllt. Ein Beispiel eines Mineralganges liefert die Textfig. 5. Hier durchsetzt ein harter, der Verwitterung weniger leicht zug√§nglicher Quarzgang (a) Schichten aus weicherm Gestein (Grauwacke, b) und springt mauerartig aus der Grauwacke hervor.

Fig. 5. Quarzgang in Grauwacke.
Fig. 5. Quarzgang in Grauwacke.

Zuweilen können die Mineralgänge sich in ähnlicher Weise, wie es Fig. 4 der Tafel zeigt, in mehrere schwächere von kaum Zentimeter dicke auflösen, die sich an andrer Stelle wieder untereinander vereinigen oder auch ganz verlieren (auskeilen) können.

Bestehen die Mineralg√§nge aus nutzbaren Erzen oder kommen solche auf ihnen vor, so werden sie zu Erzg√§ngen (vgl. auch Erzlagerst√§tten). Nur selten erf√ľllt das nutzbare Erz, wie z. B. der Kupferkies (vgl. Fig. 4 der Tafel) oder Spateisenstein, den ganzen Gangraum; meist kommen die Erze in Gesellschaft mit einem oder mit mehreren nicht nutzbaren Mineralien, den sogen. Gangarten, zusammen und zwar in sehr ungleicher Anh√§ufung vor (vgl. Fig. 2 u. 3 der Tafel); Stellen gr√∂√üerer Anh√§ufung sind dann die sogen. Erzpunkte oder Erzmittel. Wird ein Mineralgang in seinem weitern Verlauf erzf√ľhrend, so veredelt er sich, er wird ein Erzgang oder Erztrum; h√∂rt die Erzf√ľhrung eines Erzganges auf, so wird er taub. Die Natur der Erze eines Ganges wechselt sehr h√§ufig nach der vertikalen Ausdehnung, die oft au√üerordentlich gro√ü ist, nach der sogen. Teufe. W√§hrend in den untern Teufen die Schwefelmetalle, wie Bleiglanz auf Bleig√§ngen, Kupferkies und Buntkupfererz auf Kupferg√§ngen, vorherrschen, finden sich Oxyde, Phosphate, Arseniate und Karbonate zun√§chst am Tage, oft eine ganz ockerige regellose Anh√§ufung von Erzen bildend; dieses gew√∂hnlich an Brauneisen reiche obere Ende nennt der deutsche Bergmann den eisernen Hut. Die Beschaffenheit der G√§nge wechselt ferner mitunter mit der Natur des Nebengesteins; so sind z. B. die Kobalterzg√§nge ver Dyasformation meist nur, soweit sie mit Wei√üliegendem und Kupferschiefer in Ber√ľhrung bleiben, erzreich, tiefer im Rotliegenden aber und h√∂her im Zechstein verunedeln sie sich. H√§ufig findet man die Mineralg√§nge und zumal die Erzg√§nge an die Nachbarschaft von Eruptivgesteinsg√§ngen gebunden. So sind z. B. zu PŇôibram in B√∂hmen (vgl. Fig. 5 der Tafel) durch den Bergbau viele G√§nge von Diabas oder Gr√ľnstein aufgeschlossen, welche die Tonschiefer und Grauwacken (bez. Sandsteine) durchsetzen und sich oft mannigfach verzweigen, und diese Gr√ľnsteing√§nge werden von Erzg√§ngen begleitet, die sich bald an ihre Seite anlegen, bald sie in der Mitte durchziehen; man hat sie deshalb geradezu als zugeh√∂rig zu den mit verschiedenen Namen belegten Erzg√§ngen bezeichnet, um so mehr als da, wo die Gr√ľnsteing√§nge sich auskeilen, auch die Erzg√§nge sich verlieren. Der Reichtum der Erzg√§nge ist meist auf den Kreuzungspunkten mit andern G√§ngen am gr√∂√üten. Die Durchkreuzungen (Scharungen) vollziehen sich oft so, da√ü dadurch der regelm√§√üige Verlauf der G√§nge keine St√∂rung erleidet, vgl. Fig. 3 der Tafel, wo ein sp√§ter gebildeter, j√ľngerer Gang (Hildebrandsgang zu Joachimsthal in B√∂hmen) von Uranpecherz (U), Rotg√ľldigerz (R) und silberhaltigem Arsenerz (A), der als Gangart Quarz (Q), Dolomit (D), Kalkspat (C) und tonige Massen (die sogen. Gangletten, L) f√ľhrt, drei √§ltere G√§nge ‚Äď mit Pyrit (P) und Rotg√ľldigerz in einer Gangart von Quarz, Kalkspat und Gangletten ‚Äď durchkreuzt. Zuweilen findet aber auch zugleich eine Verschiebung der √§ltern Gangtr√ľmer statt.

Die G√§nge selbst entsprechen nicht selten Ausf√ľllungen von Verwerfungsspalten, sind also oft an Verwerfungen (s.d.) des Nebengesteins gekn√ľpft. Man beobachtet solche besonders im geschichteten Nebengestein daran, da√ü die Schichtenk√∂pfe zu beiden Seiten des Ganges nicht mehr aneinander passen; sie sind verschoben, und zwar in der Mehrzahl der F√§lle so, da√ü die √ľber dem G. liegende Partie der Schichten, das Hangende, gesenkt, die darunterliegende Partie, das Liegende, gehoben erscheint. Man nennt die von Erzen und Gangart ausgef√ľllten Verwerfungsspalten auch wohl R√ľcken oder Wechsel. Ist bei der Entstehung solcher Verwerfungen eine Reibung der Salb√§nder und dadurch eine Gl√§ttung und zugleich oft Streifung derselben erfolgt, so erscheinen dann die auf den glatten Fl√§chen gebildeten Erzmassen wie gegl√§ttet und poliert (Gangspiegel, Harnisch). Dabei bestehen die G√§nge oft zum gro√üen Teil aus Bruchst√ľcken und Zerreibungsprodukten des Nebengesteins, die sich in tonige Massen (Gangletten) und in eigent√ľmliche tonschieferartige Gesteine (Gangtonschiefer) umwandeln k√∂nnen. Zuweilen erleiden die Mineral- und Erzg√§nge auch selbst Verwerfungen durch nicht von Erzen erf√ľllte, sogen. taube Spalten, wie solches Fig. 2 der Tafel veranschaulicht.

Eine gesetzm√§√üige Struktur lassen am seltensten die Gesteinsg√§nge erkennen, und sie beschr√§nkt sich in diesen seltenen F√§llen auf ein Feinerwerden des Kornes bis zum Dichtwerden nach den Begrenzungsebenen hin. Bei den Mineral- und Erzg√§ngen dagegen unterscheidet man, je nachdem sich an der F√ľllung des Ganges nur Erze und Gangarten oder auch Fragmente des Nebengesteins in den verschiedensten Stadien der Zerkleinerung, Zerreibung und Zersetzung beteiligen, verschiedene Strukturen, n√§mlich die richtungslose, massige Struktur, wenn, wie auf vielen Goldquarzg√§ngen, die Spalte mit unregelm√§√üig angeordneten derben Massen der Gangart und der Erze (Eisenkies, Gold etc.) ausgef√ľllt ist, und die Lagen- oder Krustenstruktur. Als Abarten der letzterw√§hnten sind die eben-krustenf√∂rmige, oft symmetrische Gangstruktur und die konzentrisch-krustenf√∂rmige oder Kokardenstruktur zu nennen. Bei der symmetrisch lagenf√∂rmigen (bandartigen) Gangstruktur (Fig. 7 der Tafel) ist die Anordnung derart, da√ü dasselbe Mineral rechts und links das Salband bildet und nach der Mitte zu von je einer Lage eines zweiten, dritten etc. Minerals abgel√∂st wird, also die Gangmineralien (in Fig. 7 Kalkspat a, Kupferkies b und Bleiglanz c) einander von rechts nach links und von links nach rechts in gleicher Weise aufeinander folgen. Bei der Kokardenstruktur bilden sich konzentrische Lagen der Gangmineralien um Tr√ľmmer des Nebengesteins, die in die Gangspalte geraten sind, es umgeben also etwa, wie in Fig. 8 der Tafel, Bleiglanzschn√ľre (c) in konzentrischen Lagen Fragmente von Grauwacke (b), die ihrerseits in dem Hauptgangmineral (Quarz, a) eingelagert sind. Sehr gew√∂hnlich ist bei den Erzg√§ngen die unregelm√§√üige, gesetzlose Aggregierung der Gangmineralien mit oder ohne Einsprengung von Erzen, oder einfache, nicht konzentrisch angeordnete Umh√ľllung der Fragmente des Nebengesteins durch die Gangmineralien. Von dieser breccienf√∂rmigen Struktur gibt Fig. 2 der Tafel ¬ĽErzlagerst√§tten I¬ę und Fig. 6 der Tafel ¬ĽGangbildungen¬ę eine Vorstellung; die letztere zeigt, wie Tr√ľmmer des Nebengesteins (Tonschiefer, b) von den Gangmineralien (Quarz, a, und Bleiglanz, c) regellos eingeh√ľllt werden.

Bei den Erzg√§ngen haben Werner, Herder, Breithaupt u. a. nach der Beschaffenheit sowohl der Gangarten als der Erze sogen. Gangformationen oder Erzformationen aufgestellt. So spricht man beispielsweise von einer edlen Quarzformation (Silbererz in Quarz eingesprengt), einer kiesigen Blei- und Zinkformation (silberhaltiger Bleiglanz und Blende mit Arsen-, Eisen- und Magnetkies sowie Quarz), einer edlen Bleiformation (silberhaltiger Bleiglanz und Fahlerz mit Quarz und Karbonaten, wie Braun-, Eisen- und Manganspat), einer barytischen Bleiformation etc. Wenn sich auch hier und da, besonders f√ľr ein und denselben Erzdistrikt, ein Altersbegriff an die Gangformationen hat ankn√ľpfen lassen, so ist es doch unm√∂glich, eine allgemeine Gesetzm√§√üigkeit in deren Altersfolge zu erkennen und insbes. auch durchgreifende Unterschiede zwischen den einzelnen Gangformationen herauszufinden; dieselben gehen vielmehr in der mannigfachsten Weise ineinander √ľber. Man hat deshalb in neuerer Zeit den Versuch gemacht, die Erzg√§nge nach der Natur der in ihnen vorkommenden Erze zu ordnen; indessen st√∂√üt auch das auf Schwierigkeiten, weil immer wieder G√§nge gesunden werden, bei denen es zweifelhaft wird, ob man sie auf Grund ihrer Erzf√ľhrung der einen oder andern Gruppe zurechnen soll. Nur die G√§nge der Eisenerzformation, zu denen man z. B. die G√§nge von Spateisen, wie sie in der Gegend von Siegen und Hamm, und die G√§nge von Roteisenerz, wie sie an vielen Orten im S√§chsischen Erzgebirge und am Harz gebaut werden, rechnet, und die G√§nge der Manganerzformation, zu denen die mit oxydischen Erzen gef√ľllten Manganerzg√§nge im Porphyrit von Ilfeld am Harz und im Porphyr von Elgersburg in Th√ľringen geh√∂ren, kann man, ebenso wie viele G√§nge der Golderzformation und der Quecksilberformation, leicht von den √ľbrigen Gangformationen mit wesentlich sulfidischen Erzen unterscheiden. Dagegen f√ľhren die G√§nge der Zinnerzformation h√§ufig Kupfererze und n√§hern sich dadurch den G√§ngen der Kupfererzformation, und diese sind wiederum mit den G√§ngen der edeln Silberformation und durch diese mit den G√§ngen der Silber-Bleiformation und den Kobalt-, Nickel- und Wismutformationen verbunden.

Die erste Theorie √ľber die Bildung der G√§nge hat Werner aufgestellt. Nach ihm erfolgte die F√ľllung der Gesteinsspalten ausschlie√ülich durch Infiltration von Fl√ľssigkeiten von obenher (Deszensionstheorie). Herder und Breithaupt stellten als weitere M√∂glichkeiten die konkretionsartige Herausbildung der G√§nge gleichzeitig mit dem Nebengestein (Kongenerationstheorie), die Zufuhr des Gangmaterials durch Auslaugung des Nebengesteins (Lateralsekretion) und die Bildung der G√§nge durch aufsteigendes Material aus der Tiefe (Aszensionstheorie) auf, wobei man hinsichtlich der letztgenannten an Zufuhr in gel√∂stem Zustande durch aufsteigende Quellen, an solche in feurig-fl√ľssigem oder endlich in gasf√∂rmigem Zustand, aber auch an Zufuhr durch D√§mpfe und w√§sserige L√∂sungen zugleich, also an sogen. pneumatolytische oder pneumatohydatogene Prozesse (wie Exhalationen, Fumarolen, Solfataren etc.) denken kann. F√ľr die Gesteinsg√§nge echt eruptiver Gesteine ist nach aller Analogie mit dem heutigen Vulkanismus die Entstehung durch Aszension in feurig-fl√ľssigem Zustand unzweifelhaft, wobei noch die gelegentlich nachweisbare Einwirkung auf das Nachbargestein (Frittung von Sandsteinen, Verkokung von Kohlen; vgl. Art. ¬ĽMetamorphismus¬ę und Fig. 1 der Tafel) als Beweis anzuf√ľhren ist. Dagegen sind manche von gesteinsartigen Aggregaten und zumal von einzelnen Mineralien und Erzen erf√ľllte G√§nge sicher aus w√§sserigen L√∂sungen abgesetzt, viele sind auch wohl durch Lateralsekretion gebildet. Die L√∂slichkeit vieler fr√ľher f√ľr unl√∂slich gehaltenen Stoffe (Quarz, Flu√üspat, Orthoklas, Schwerspat etc.), der freilich auf Spuren beschr√§nkte Gehalt gesteinsbildender Mineralien an den auf den G√§ngen konzentrierten Elementen (Kupfer, Blei, Kobalt, Nickel, Wismut, Silber, Zinn etc. in Glimmer, Hornblende, Augit, Baryum in Feldspat etc.), die Neubildung von Zeolithen und Schwefelmetallen in Abs√§tzen der Mineralquellen, die Abh√§ngigkeit der Gangarten und der Erzf√ľhrung von der Natur des Nebengesteins, so da√ü gewisse Erzg√§nge stets an die Nachbarschaft bestimmter Eruptivgesteine (z. B. bei PŇôibram, vgl. Fig. 5 der Tafel, die Bleierzg√§nge an die Diabase, in der Zechsteinformation die Kobalterzg√§nge an den Kupferschiefer) gekn√ľpft sind oder bei Erzg√§ngen, die verschiedene Gesteinsarten durchsetzen, an der Grenze des √úberganges regelm√§√üig ein Wechsel in der Beschaffenheit der Gangmineralien eintritt: das alles sind St√ľtzen f√ľr die Bildung der Erzg√§nge durch Lateralsekretion, f√ľr die namentlich Bischof, Sandberger und Credner eingetreten sind (s. Erzlagerst√§tten).

Gemischter Gang hei√üt ein Gesteinsgang, auf dem verschiedene Arten von Eruptivgesteinen nebeneinander auftreten, teils scharf voneinander gesondert, teils allm√§hlich ineinander √ľbergehend.

Vgl. Werner, Neue Theorie von der Entstehung der G√§nge (Freiberg 1784); Breithaupt, Die Paragenesis der Mineralien (das. 1849) sowie die Literaturangaben bei Artikel ¬ĽErzlagerst√§tten¬ę.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905‚Äď1909.

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