Geflügelkrankheiten

Geflügelkrankheiten. Unter den zahlreichen Krankheiten des Hausgeflügels sind die verheerendsten die Geflügelcholera und die Hühnerpest (s. Geflügelcholera). Der Geflügelcholera im Verlauf ähnliche, aber durch Besonderheiten des Ansteckungsstoffes oder einzelne Symptome unterschiedene Seuchen sind vereinzelt, namentlich in Italien, England und Frankreich, beobachtet (epizootische Dysenterie, maladie du sommeil, Vibrionencholera, durch Bacterium coli verursachte Diarrhöe, Spirochäten-Septichämie bei Gänsen, Grouse disease oder Kleinsche Hühnerseuche). Ebenso verderblich wirkt in Amerika, England und Frankreich die Luftröhrenwurmseuche (s.d.). Auch andre Eingeweideschmarotzer, Bandwürmer (bei Gänsen dagegen Arekanuß 3 g mit Butter als Pille), Saug- und Rundwürmer bedingen oft seuchenartige Erkrankungen (Untersuchung der Exkremente auf Eier oder Wurmglieder). Gregarinen bewirken diphtherieähnliche Erkrankung der Kopfschleimhäute und Kopfhaut (wozu auch die sogen. Geflügelpocke gehört); außerdem kommt eine echte, mit der des Menschen jedoch nicht identische Diphtherie (s. d., S. 36) vor. Seuchenhaft zeigt sich auch bisweilen Pneumomykosis (bei Tauben), d. h. Ansiedelung von Schimmelpilzen in Lungen und Luftsäcken. Eine Mykose ist auch die Psittakosis, an der die (grauen) Papageien häufig sterben; es finden sich graue Knötchen in der Leber (Streptococcus perniciosus). Die Annahme, daß durch Übertragung beim Menschen gewisse Lungenentzündungen (die man deshalb auch Psittakosis genannt hat) entständen, ist mindestens unerwiesen. Auch eine mykotische Entzündung der Herzmuskeln und der Herzklappen kommt bei Hühnern vor. Geflügel ist auch für Milzbrand nicht ganz unempfänglich (Verzehren von Kadaverteilen), ebenso für Übertragung der Maul- und Klauenseuche. Über Blasenkrankheit s. d. Auch die nicht durch pflanzliche oder tierische Schmarotzer verursachten innern Erkrankungen sind zahlreich. Nicht selten sind Vergiftungen durch anorganische Stoffe, Pilze im Futter oder bestimmte Pflanzen; namentlich ist Schierling für das Geflügel giftig, für Gänse auch ganz besonders eine Kruzifere, Erysimum crepidifolium (Gänsesterbe). Allbekannt ist der Pips (s.d.). Von äußern Leiden ist namentlich erwähnenswert echte Gicht mit Gelenkvereiterung (chirurgisch zu behandeln), Frostbeulen bei Hühnern sowie sehr zahlreiche Außenschmarotzer. Unter diesen sind zu nennen mehrere echte Milben, von denen Dermanyssus avium Blut saugt und in größerer Menge sogar lebensgefährlich werden kann (Räude, s. d.). Ebenso können Zecken bei Tauben wirken. Eine Anzahl Federlinge und ein Vogelfloh finden sich häufig. Gegen Dermanyssus ist neben Reinigung des Stalles (kochendes Wasser, Petroleum, Kreolin etc.) Einstreichen von Anisöl (1: 50), gewöhnliches Ol, Besprengen mit Kreolinwasser (1: 100 Wasser), Insektenpulver zu empfehlen. Über den Hühnergrind s. Favus. Vgl. Zürn, Krankheiten des Hausgeflügels (Weimar 1882) und die kleinere Schrift von Ehrhardt (2. Aufl., Aarau 1902).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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