Hecht [1]

Hecht (Esox Cuv.), Gattung der Edelfische und der Familie der Hechte (Esocidae), sehr gestreckt gebaute, beschuppte Süßwasserfische mit breitem, niedergedrücktem Kopf, breitschnäbliger, weit gespaltener Schnauze, kräftigem, vollständigem Gebiß, weit nach hinten gerückter Rückenflosse, in der Mitte des Bauches stehenden Bauchflossen, ausgeschnittener Schwanzflosse, ohne Fettflosse. Der gemeine H. (Esox lucius L., s. Tafel »Teichfischerei«, Fig. 9), bis 2 m lang und 35 kg schwer, ist auf dem Rücken schwärzlich, an den Seiten grau, dunkler gemarmelt, am Bauch weiß, schwarz getüpfelt. Brust- und Bauchflossen sind rötlich, Rücken- und Afterflosse bräunlich, die Schwanzflosse ist am obern Rande schwarz gefleckt. Junge Hechte werden wegen ihrer grünlichen Färbung Grashechte, gelb oder schwarz gefleckte Hechtkönige genannt. Der H. findet sich in allen Süßwassern des gemäßigten und nördlichen Europa, Asien und Nordamerika, in den Alpen bis 1500 m, geht auch vielfach in brakisches Wasser. Er ist der gefürchtetste Raubfisch der europäischen Süßwasser, schwimmt sehr schnell und geschickt, verschlingt Fische, Frösche, Schlangen, Vögel und kleine Säugetiere, erwürgt selbst den Schwan und schnappt nach den Füßen und Händen des Menschen. Er laicht im März bis Mai an seichten, bewachsenen Stellen. Die zahlreichen Eier (gegen 100,000) sind sehr schnell gezeitigt; die jungen Fische erreichen im ersten Jahr ein Gewicht von 1, im folgenden bis 2 und 3, selbst 5 kg, und man behauptet, daß der H. sehr alt werde. Man fängt ihn mit Netz, Reuse und Angel; in der Schweiz schießt man ihn während der Laichzeit. Der H. eignet sich für Teichwirtschaft, wenn man ihm genügende Nahrung (überzählige Karauschenbrut, nutzlose Weißfische, Frösche etc.) gewähren kann. Auch pflegt man in die Karpfenteiche einige kleinere Hechte zu setzen, die den Karpfen nicht gefährlich werden, sie aber beunruhigen und verhindern, sich in den Schlamm einzugraben. Bei den alten Römern war das Fleisch des Hechtes wenig geschätzt, jetzt ist es dagegen eine sehr beliebte Speise; am wohlschmeckendsten sind mittlere Hechte, schwerere haben hartes Fleisch. Im Norden werden Hechte eingesalzen oder geräuchert (Salz- oder Pökelhechte). Das Fleisch des Hechtes enthält in den russischen Ostseeprovinzen, in Nordostdeutschland, Nordrußland, am Genfer See oft zahlreiche Finnen des Bothriocephalus latus (s. Bandwürmer, S. 328). Letzterer sondert ein Gift ab, das vom Darmkanal aufgesogen wird und Blutkörperchen zerstört, daher perniziöse Anämie bewirkt. Besonders schädlich ist der Bandwurm, wenn er im Körper des Menschen stirbt und nicht abgeht. Ehedem benutzte man Hechtknochen gegen Leukorrhöen und zur Erleichterung der Niederkunft.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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